Hallo Alonso :
Fit für den Winter
Was
Wohnmobile in der kalten Jahreszeit können sollten
Tips für Wintercamper
Draußen naßkaltes Schmuddelwetter mit Regen, Schneeschauern und matschigen Straßen. Im
Wohnmobil wohlige Wärme. Diesen Genuß schätzen viele Besitzer solcher Fahrzeuge. Wer den Traum vom Wintercamping hegt, sollte allerdings seine Wunschmodelle vor dem Kauf auf Herz und Nieren prüfen, ob sie dazu wirklich alle Voraussetzungen mitbringen.
Aufbau und Isolation
Das wichtigste Auswahlkriterium für ein winterfestes Reisemobil ist die möglichst geschlossene, gut isolierte Außenhülle. Ausschlaggebend sind dabei nicht allein die Isolierwerte der einzelnen Dämmstoffe und die Dicke von Böden, Wänden und Dächern. Zusätzlich gilt, daß die gesamte Struktur möglichst wenig Ausschnitte aufweisen sollte. Jede Eingangstür, jedes Fenster, jede Dachhaube und Stauklappe unterbricht die Isolierung und gibt der Kälte die Möglichkeit, ins Innere zu gelangen. So angenehm große Fenster und Dachhauben für die Ausleuchtung des Wohnraums sind - im Winter haben sie Nachteile.
Besonders ungünstig sind in diesem Zusammenhang Türen oder Klappen, die in Aluminiumrahmen sitzen. Sie geben als sogenannte Kältebrücken die Kälte direkt an den Innenraum weiter. Selbst Fenster mit doppeltverglasten Scheiben verlieren in Alurahmen einen Teil ihrer guten Isoliereigenschaften.
Auch Zwangslüftungen lassen Kälte ins Innere. Viele Dachhauben weisen solche Öffnungen auf. Lassen sie sich nicht verschließen, kann es während der Fahrt für die im Aufbau sitzenden Fahrgäste ganz schön frostig werden.
Fahrerhaus
Die meiste Kälte gelangt indes durch das blecherne Fahrerhaus mit seinen nur einfach verglasten Seitenfenstern und seiner großen Windschutzscheibe ins Reisemobil. In Alkovenfahrzeugen, Teilintegrierten und Pick-Ups läßt sich der Kälteeintritt in den Wohnbereich durch eine dichtschließende Thermomatte im Fahrerhausdurchgang deutlich verringern. Schwieriger ist das in Kastenwagen und Integrierten. Einige der teureren Integrierten verfügen zwar über dicke, ausgeschäumte Rollos hinter der Windschutzscheibe. Aber wärmedämmende Doppelverglasung an den seitlichen Fahrerhausscheiben gehört selbst dann eher zu den Ausnahmen.
Da helfen nur außen über die Scheiben gehängte Thermomatten und dicke Vorhänge innen. Eine Abschirmung, die auch die Fahrerhäuser von Alkovenmobilen und Teilintegrierten schützen kann. Kastenwagen indes bereiten selbst dann noch Probleme.
Aufbauheizung
Eine gute Isolierung allein macht ein Reisemobil aber noch lange nicht wintertauglich. Mindestens genau so wichtig sind eine ausreichend dimensionierte
Heizung und die gleichmäßige Verteilung der Wärme im Fahrzeug. Für Luftheizungen gilt: Der Konstrukteur des Fahrzeugs muß nicht nur genügend Ausströmer an sinnvollen Stellen vorsehen, er muß auch dafür sorgen, daß die erwärmte Luft ungehindert bis in die letzte Ecke zirkulieren kann - sei es durch geschickte Verlegung der Warmluftschläuche, sei es durch den Einbau zusätzlicher Gebläse.
Besonders wichtig ist ausreichender Luftaustausch an der Küche und im Bad, wo der meiste Wasserdampf entsteht. Kann der nicht aufsteigen, schlägt er sich an kalten Flächen wie Spiegeln, Fensterscheiben und Möbeln nieder und schafft auf Dauer Moder und Schimmel. Ein Problem, daß auch in den Stautruhen, Sitzkästen, doppelten Böden sowie unter den Betten auftreten kann, wenn sie nicht ausreichend unterlüftet und beheizt sind.
Bei Wasserheizungen, die das Fahrzeuginnere durch Wärmeabstrahlung und nicht durch eingeblasene, heiße Luft erwärmen, müssen rundherum genügend Heizkörper eingebaut sein. Aber: Sie können ihre Aufgabe nur dann richtig erfüllen, wenn die Raumluft ungehindert an diesen Radiatoren entlang zirkulieren kann.
Beim Betrieb der Heizung ist es wichtig, darauf zu achten, daß der Abgaskamin frei bleibt. Für die heute meist eingebauten Boiler-Heizungs-Kombinationen C 3400 oder 6000 von
Truma ist das kein Problem. Sie schalten sich automatisch aus, wenn der Verschlußdeckel auf dem Abluftkamin in der Außenwand nicht abgenommen wurde. Heizungen mit Dachkamin sollten für den Winter hingegen unbedingt eine Kaminverlängerung erhalten, damit der Auslaß auch nach starkem Schneefall frei bleibt.
Wasserversorgung
Die Heizung soll aber nicht nur die Insassen wärmen. Sie muß auch die Wasserversorgung vor dem Einfrieren schützen. Bei den meist im Innenraum montierten Frischwassertanks gelingt das relativ gut. Mehr Probleme bereiten die Wasserleitungen. Sie sind häufig nicht gemeinsam mit den Heizungsrohren, sondern separat verlegt und bekommen zuweilen nur wenig Wärmeabstrahlung mit. Sind sie gar direkt an der Außenwand befestigt, führen sie an den Lüftungsöffnungen der Kühlschränke vorbei oder ziehen sich durch nur dürftig geheizte Außenstauräume, droht Vereisungsgefahr. Gleiches gilt für die Wasserpumpe. Hier ist also besonders gründliche Inspektion angesagt.
Frieren diese Teile dennoch ein, hilft nur noch gezielte Wärme, zum Beispiel von einem Fön. Unter Umständen muß man auch mal ein paar Abdeckungen abschrauben, um an den Eispfropfen zu gelangen. Tip: In der Zwischenzeit tut dann ein Kanister mit Auslaufhahn auf dem Küchenblock gute Dienste.
Besonders frostgefährdet sind die Abwassertanks, weil sie häufig nicht im Innenraum sitzen. Nur Fahrzeuge, die diese Tanks in beheizten Zwischenböden und Stauräumen oder in besonders isolierten und beheizten Wannen beherbergen, sind wirklich frostfest. Das Gleiche gilt für die besonders gefährdeten, dünnen Abwasserrohre und - Hähne. Nur die im Innern eingebauten und beheizten Versionen sind tatsächlich wintertauglich.
Ist das Reisemobil nicht so luxuriös ausgestattet, hilft nur Improvisation. Oft bleibt dem Eigner nur übrig, einen mobilen Tank unter den Ablaßhahn zu stellen, den man bei nächster Gelegenheit in einer Entsorgungsstation oder einem geeigneten Gully entleert.
Energiehaushalt
Weniger Probleme bereitet im Winter die Gasanlage. Vorausgesetzt, genügend
Gas ist an Bord. Denn Dauerheizen verbraucht pro Tag bis zu drei Kilogramm Propangas.
Die einzige kritische Stelle der Gasanlage ist der landläufig Druckregler genannte Druckminderer. Spezielle Heizungen wie Eis-Ex der Firma Truma schützen ihn (Batterieverbrauch etwa ein Watt pro Stunde).
Die Bordbatterie muß aber nicht nur diesen Strom liefern, sondern auch den für die anderen, weniger genügsamen elektrischen Verbraucher, wie zum Beispiel das Umluftgebläse. Deswegen sollte ein Reisemobil, mit dem man auch außerhalb der Reichweite von 230 Volt-Steckdosen stehen will, über eine ausreichend große Batteriekapazität für den Wohnraum verfügen. Noch besser, wenn Solarzellen auf dem Dach oder ein Windgenerator für Nachschub sorgen.
Starke Batterien und eine leistungsfähige Lichtmaschine im Basisfahrzeug sind weitere, unabdingbare Kriterien für wintertaugliche Reisemobile. Wo immer möglich, sollte man die leistungsstärksten Modelle auswählen. Denn mit zunehmender Kälte sinkt die Leistungsfähigkeit der Batterien. Schlimmstenfalls geben sie nicht mehr genügend Strom ab, um den Motor zu starten.
Fahrzeugheizung
Was im Stand gilt, erweist sich während der Fahrt als nicht minder wichtig. Nur leistungsstarke Fahrzeugheizungen schaffen Wohlgefühl und sorgen für sichere Voraussetzungen: Wichtig: genügend Luftdurchsatz, möglichst wenig kalte Fahrtluft aus den Pedalschächten, starker Warmluftstrom zur Frontscheibe, der sie zuverlässig enteisen kann, beheizte Außenspiegel und eine Scheibenwaschanlage, die das gesamte Wischerfeld freispült.
Die lange Liste zeigt: Wintercamping will geplant sein. Mit einem gut ausgerüsteten Reisemobil lassen sich dann allerdings Gegenden und Genüsse erfahren, die für die Mühe vor dem Start mehr als entschädigen.
Quelle: "REISEMOBIL INTERNATIONAL" 01/99, Monatszeitschrift für Wohnmobilfans.