Wie der Titel schon sagt wollten wir eigentlich zum Gardasee und anschließend nach Venedig. Letzter Arbeitstag war der 02. September, geplante Abfahrt Samstag oder Sonntag. Abends schauten wir den Wetterbericht und der sagte für die nächste Woche Traumwetter an der Ostsee voraus. Wir (mein Boss, sprich Ehefrau u. meine Wenigkeit) schauten uns kurz an und der Entschluss stand fest. Dieses Jahr leeren wir unsere Urlaubskasse in Good Old Germany.
Da erst ab Montag das Hoch angekündigt war starteten wir am Vormittag bei noch bedecktem Himmel Richtung Wismar. Wir fuhren den Stellplatz am Yachthafen an. Dort erwartete uns das erste Highlight unseres Urlaubes.

Der „Wohnmobilist“ Christian Seevers war mit seinem Mobil ebenfalls Gast auf dem Platz. Wir kamen natürlich gleich ins Gespräch, er zeigte uns sein Mobil, sein 18 PS starkes Zugfahrzeug und die bisher zurückgelegte Reiseroute – da würde mancher von uns vor Neid erblassen. Er war praktisch einmal um Deutschland rum mit Besuch der entsprechenden Anrainerstaaten. Der Christian hatte natürlich noch mehr Bewunderer und wir lernten dadurch ein sehr nettes Pärchen aus dem Münsterland kennen.

Wir besichtigten Wismar. Die Altstadt der Hansestadt zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist auf jeden Fall eines Besuches wert. Der Marktplatz z.B. gehört zu den größten seiner Art.

Abends legte ich mich zeitig so gegen 22 Uhr ins Bett um nach ca. einer Stunde Tiefschlaf von meiner aufgeregten besseren Hälfte geweckt zu werden. Sie hatte ein Plätschern im Bereich der Küche vernommen. Ich also auf meine alten Tage mit einem mehr oder weniger aber doch sehr hektischem FlicFlac aus dem Bett hin zum Schalter der Druckwasserpumpe. Das Plätschern hörte auf und die Ursachenforschung begann. Vom Wasserhahn in der Küche war der Warmwasserschlauch abgerutscht. Dieser wird mit einer Quetschhülse am Hahnanschluss gehalten. Diese Hülse hatte sich geweitet und damit keinen Halt mehr. Die Tankanzeige für das Frischwasser stand bei 80%, also begann das Schöpfen angefangen im Besteckkasten, dem Staukasten hinten in der Küche, im Doppelboden etc. Danach den Gewebeschlauch abgeknickt und stramm mit Isoband fixiert. Danach wieder in die Waagerechte.
Am nächsten Morgen Wasserhahn ausgebaut und die umliegenden Geschäfte und Werkstätten abgeklappert. Keine Chance auf eine neue Quetschhülse. Auf dem Weg zu unserer nächsten Station bei einem Hobby-Händler vorbeigeschaut. Dieser wollte uns einen Vollplastikhahn mit angequetschten Schläuchen für mickrige 71 Euronen verkaufen. Dies war mir dann doch zu „billig“ und auf Anraten von meinem Boss fuhren wir, obwohl wir uns bereits mit dem Schicksal im Urlaub kein warmes Wasser in der Küche zu haben schon abgefunden hatten noch einmal bei einer Mercedes Vertretung vor. Dort erwarb ich für knapp 3 Euro 2 Spezialklemmen. In der Werkstatt fand sich für 5 Euro Tipp schnell ein Lehrling, der bewaffnet mit der entsprechenden Spezialzange die Klemme fachgerecht mit dem Hahn verband. Wir hatten – Juhu – für 8 Euro Einsatz wieder warmes Wasser, also auf nach Poel (Stellplatz Timmendorf).


Dort trafen wir die Münsterländer wieder und verbrachten insgesamt 3 Tage in sehr angenehmer Nachbarschaft miteinander. Tagsüber genossen wir mit unseren beiden Fellnasen das Strandleben bei wolkenlosem Himmel.

Abends gingen wir in dem kleinen aber feinen Hafen von Timmendorf köstlich speisen.

Die Schwester meiner besseren Hälfte besuchte uns für 2 Tage und ich hatte Zeit mit dem Roller die Insel zu erkunden. Am letzten Abend zündeten wir den Grill und freuten uns in gemütlicher Runde des Lebens. Am nächsten Tag fuhren die Münsterländer Richtung Scharbeutz und wir starteten Richtung Warnemünde. Noch ein Wort zu den neuen Bekannten. Sie haben ihren Hausstand verkauft, den Rest eingelagert und „fristen“ nun ein Leben als Vagabunden. Da war natürlich viel Gesprächsstoff vorhanden und wir stellten uns diese Entschleunigung in unserem späteren Rentnerdasein vor. Die beiden hatten noch nicht einmal eine Uhr an Bord – traumhaft.
Warnemünde – auch Weltkulturerbe und eine neue Liebe von uns. Eine traumhafte Hafenstadt. Ein kleiner Binnenyachthafen, ein Überseehafen und ein Kreuzfahrt-Terminal.

Wir haben uns auf den Schotter-/Parkplatz direkt an die Mole gestellt. Keine Ve-/Ent., kein Strom aber Traumaussicht. Doch auch das Paradies hat seine Schattenseite. Vor uns lag der russische Viermastschoner Sedov --> Link , ehemals Magdalene Vinnen II, gebaut 1921 in Kiel und nach dem Krieg als Reparationszahlung unter russischer Flagge.

Sie ist der größte noch segelnde traditionelle Großsegler. Die Besatzung umfaßt mehrere hundert Mann welche verständlicherweise nachts nicht im Dunkeln sitzen wollen. Also lief die ganze Nacht das Dieselstromaggregat. Tagsüber hat man dies nicht wahrgenommen aber die Nacht hat meine Frau max. 3 Stunden geschlafen und als ich aufwachte roch ich weder frischen Kaffeeduft noch Meer sondern nur Diesel.

Durch das frühe Aufstehen konnte ich allerdings das Einlaufen und das Anlegemanöver der Viking Star --> Link erleben.


Beeindruckend sind diese Hochhaushotels ja schon. Knapp 1.000 Passagiere, mindestens 1 Mann Personal für jeden Passagier, nur Außenkabinen. Aber ebenso beeindruckend war der Segler. Ich weiß nicht wie hoch die Masten sind (geschätzte 70-80 Meter), ich weiß nur das ich auf offener See da nicht hochentern möchte um Segel zu setzen. Das ist noch richtig Arbeit und Seemannsromantik.
Ein netter Zwischenfall ereignete sich am Yachtbinnenhafen. Dort waren, es war Sonntag, die ganzen Buden aufgebaut. Über Fisch, Crepes, Eis usw. konnte man alles an Hüftgold bekommen. Eine Dame kaufte sich ein Fischbrötchen als wir gerade an dem Stand vorbeigingen. Auf den Dächer der Buden saßen stark mutierte Möven. Diese waren so riesig das man sie schon als Seeadler bezeichnen könnte. Eine dieser Möven sah das Fischbrötchen, kam im Sturzflug an und schnappte sich dieses. Das Dumme an der Sache war das meine Frau in der Einflugschneise stand und von ihr gestriffen wurde. Beide kamen aber unverletzt davon. Wie wir hörten sei dieser Vorfall aber nicht ungewöhnlich, also immer schön auf die Fischbrötchen aufpassen.
Die zweite und letzte Panne hatten wir ebenfalls in Warnemünde. Wegen fehlender Alternative mußte der Alde-Boiler über Gas laufen. Ich versuchte mehrmals vergeblich zu zünden, sie ging immer wieder auf Störung. Also Bodenklappe hoch, 3x die Heizung angeschrien – half nicht. Dann gestreichelt und dabei festgestellt, das ein Kabel vom Brenner zur Elektronikbox Funkenflug aufwarf. Alles chic gemacht und das war es dann auch mit den Defekten.
Von Warnemünde Kai ging es mit der Fähre zur Hohen Düne Richtung Rügen, ratet mal bei welchem Wetter?

Auf Rügen fuhren wir zuerst nach Prora um einen Eindruck der „Kraft durch Freude“ zu gewinnen. Viel Freude haben wir dort nicht sehen können, es war mehr eine Ruinenlandschaft. Als uns dann noch einige Lederstiefel begegneten fuhren wir ohne aussteigen weiter nach Binz. Dort erwartet einen das krasse Gegenteil. Herrschaftliche Strandvillen, eine sehr schöne Promenade, ein Ort zum Wohlfühlen und schauen.

Wir haben dort den ganzen Nachmittag verbracht, das flanieren und die Crepes genossen und wollten am Abend zu einem Geheimtipp den wir unterwegs bekommen hatten – Strandstellplatz in Klein Zicker. Ein Platz ohne alles, aber Blick und direkter Zugang zum Meer, überwiegend von Surfern u. Kitern genutzt. Jedoch fanden wir die verlangten 24 Euro für die Lage schon unverschämt. Hinzu wäre noch die Kurtaxe gekommen.
Auf dem Weg nach Klein Zicker (ganz unten im Osten von Rügen) sind wir an einigen Strandparkplätzen vorbei gekommen. Diese wollten nur bis 19.00 Uhr einen Parkschein, also haben wir die Nacht dort frei gestanden. Morgens standen noch 3 weitere Wohnmobile bei uns.

Was wir unbedingt sehen wollten war diese berühmte Seebrücke. Also fuhren wir zum Lidl nach Sellin, frühstückten dort auf dem Parkplatz der genau gegenüber dem Bahnhof vom „Rasenden Roland“ liegt.

Also noch einmal kurz in den Markt, die Filialleiterin gefragt ob unser Mobil dort den Tag über stehen darf (ja durfte) und schnell rüber zum Bahnhof. Der „Rasende Roland“ ist eine historische Schmalspurdampfbahn welche über die halbe Insel fährt. Von Sellin ging es mit tüff tüff bis zur Endstation Lauterbach.

Die Station liegt direkt am Hafen und was lag näher als zurück mit dem Schiff durch den Greifswalder Bodden nach Baabe zu schippern.

Von Baabe haben wir dann einen schönen Spaziergang entlang des Selliner Sees bis nach Sellin gemacht. Ziel war endlich die Seebrücke. Diese erreichten wir zur besten Kaffeezeit und genehmigten uns ein großes Stück Torte und einen Eiskaffee. Auf der Brücke ist die Geschichte derselben in Bildern dargestellt – schöne gute alte Zeit.


Abends ging es auf den Waldstellplatz Sellin. Zählt zu den Topplätzen, ich fand ihn knapp über Durchschnitt.
Meine Frau wollte schon auf der Hinreise einen Abstecher nach Stralsund machen und da jeder ihrer Wünsche Befehl ist machten wir bei der Rückkehr zum Festland dort einen Abstecher. Sehr schöner Stellplatz nahe der Hochbrücke und wieder nette Nachbarn mit einem der letzten Clou´s. In Stralsund muß man natürlich auch die Altstadt und den Hafen mit der dort vor Anker liegenden „Gorch Fock I“ machen.


Von Stralsund ging es nach Lubmin. Dort vor Ort haben wir von Einheimischen wieder einen Geheimtipp bekommen. Durch enge Anliegerstraßen direkt bis zu einem Parkplatz am Hundestrand mit besten Blick auf das Meer. Wir genossen dort einen wunderschönen Strandtag.


Leider war der Standplatz dann doch nicht so geheim denn als wir vom Strand kamen war das Ordnungsamt schon da und erklärte uns in Form einer freundlichen aber bestimmten Dame, daß das Übernachten dort nicht erlaubt wäre. Der Stellplatz in der Hafenstraße (nur Platz für 6-7 Mobile) war natürlich belegt und ist auch dermaßen eng, das man Obacht geben muß das die Aufbautür nicht gegen die Seitenwand des Nachbarn schlägt. Die Aussicht ist dort wirklich klasse aber das Leben wie Ölsardinen ist nicht das unsere. Also fuhren wir zur Marina, buchten dort einen Stellplatz und konnten abends auf dem Gastroschiff lecker essen und die Brötchen für den nächsten Morgen bestellen.
Nach dem Frühstück ging es zu unserer vorletzten Station, zur Wiege der Raumfahrt. Kennt ihr den Ort? Richtig – Peenemünde war unser Ziel. Auf dem Weg zum Kraftwerk, welches jetzt Museum ist, fährt man durch die Wälder der Halbinsel. Große Teile davon sind eingezäunt und mit Schildern mit dem Hinweis der Lebensgefahr versehen. Der Grund liegt in der damaligen Versuchs- und Entwicklungsanstalt, welche über ein riesiges Areal verfügte, größtenteils vermint war und diese bis heute nicht geräumt wurden.

Das Kraftwerk selbst ist ein beeindruckender Bau, für damalige Zeiten Hightech.
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Ich denke ich muß hier keine große Story erzählen, uns war es wichtig diesen Ort deutscher Geschichte einmal gesehen zu haben. Ansonsten ist dieser Ort wenig lohnend. Der Stellplatz ist eine Wiese, die Entsorgung ist möglich und essen könnte man theoretisch an dem Stellplatz auch wenn man sich auf Gulasch oder Fischbrötchen beschränkt, nicht mehr und nicht weniger. Gegenüber liegt noch ein russisches U-Boot zur Besichtigung und auf Seite des Stellplatzes liegt noch ein Museumsschnellboot. Zusätzlich gibt es noch eine geführte Tour durch die Wälder und einen Flugplatz. Das Kraftwerk selbst war in DDR-Zeiten noch bis in die 90er Jahre in Betrieb und wurde danach Museum. Genug Geschichte, auf zur letzten Station:
Boltenhagen
Ein Ostseebad wo man die Nähe zum Westen deutlich spürt aber auch heute noch feststellt das nicht die ganze Wasserseite vollgepflastert wurde. Wir sind dort bei starkem Nordostwind noch einen Tag bummeln gewesen und haben abends sehr gut im Steakhaus gegessen. Der Stellplatz war sehr ordentlich, recht eng und bis auf den letzten Platz ausgebucht.
So, das waren 2 wunderschöne Wochen in deutschen Landen bei Kaiserwetter. Jede Nacht konnten wir ohne Überlegung die Dachluken offen lassen, sogar die Standklima war 2x in Gebrauch und das will an der See schon was heißen.
Ich hoffe ich habe euch ein bisschen Freude gemacht auf der Reise durch Mecklenburg Vorpommern. Hinzufügen möchte ich noch, das wir überall nett empfangen wurden, die Preise sowohl für die Stellplätze als auch für Essen etc. nicht unverschämt waren. Wir haben z.B. in der berühmten Wilhelmstr. in Sellin für 8,90 Euro frischen Fisch mit Pommes gegessen. Wir sind gespannt wo uns der Wetterbericht nächstes Jahr hinführt und sind froh mit unserem Wohnmobil für die schönste Zeit des Jahres frei und unabhängig zu sein.

