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Über die Balkanroute und die Türkei nach Georgien


Campingbusreisende am 08 Mai 2017 10:40:46

Hallo,
wir, Frank und Birgit, waren mit unserem Campingbus „Blaue Zitrone“ 8724 km auf der Balkanroute, an der Küste des Schwarzen Meeres und im Kaukasus unterwegs. 8 Länder, 2 Kontinente, 3 verschiedene Schriftsysteme berührten unsere Route. Georgien, die ehemalige Sowjetrepublik das Ziel. Ich werde den Bericht unserer Reise von 2016 Stück für Stück hier einstellen.

Nach Osten
Zu jeder Reise bedarf es den gewissen Anstoß. Warum gerade dorthin und nicht woanders? Wieso gerade die Neugier auf ausgerechnet jene Region, Land oder Landschaft? Für die hier beschriebene Tour liegen die Wurzeln der Gründe doch schon etwas weiter zurück.
Als im Osten Deutschlands sozialisierte Menschen haben wir doch einen recht spezifischen Bezug zu den Begriffen Reisen und Freiheit.
Ende der 70er Jahre war das Trampen in alle für uns erreichbaren Gegenden eines unserer Hobbys. Anfang der 80er dann schon als Paar. So kurz mal Prag und Budapest als Daumen im Wind-Tour. Im Szenetreff U Fleků Schwarzbier trinken oder auf der Margareteninsel im Gras liegen. Die Mittelasiatischen Sowjetrepubliken und der Kaukasus waren damals Traumziele, die ich gerne bereist hätte. Nur: Ohne organisierte Reise für die Sowjetunion kein Visum. Reisebüroreisen waren für unseren Geldbeutel zu diesem Zeitpunkt unerschwinglich und organisierte Reisen uns damals schon ein Graus. Nur das sehen, was irgendwelche Aufpasser uns vorschreiben, das ging gar nicht.
Ende der 80er hörten wir das erste Mal von illegalen Reisen in das Sowjetreich, einsickern in das Land. Legendäre Geschichten kursierten in der Tramperszene. Von Leuten, die mit einem Sozialversicherungsausweis als Paß bis in die Mongolei und nach China gereist waren. Der Wahrheitsgehalt solcher Stories ließ sich nur schwer überprüfen.
Bald darauf hörte die DDR auf zu existieren und jeder reiste wohin er auch nur immer wollte. Der Osten als Reiseziel geriet bei den meisten vollkommen aus dem Gesichtsfeld. Die Sache mit den illegalen Reisen in die Sowjetunion (unter Insidern UdF-Reisen genannt) kam mir erst wieder unter, als ich 2015 eine Fernsehdokumentation darüber gesehen hatte. Kurz darauf bekam ich das Buch „Unerkannt durch Freundesland“ von meiner Tochter zum Geburtstag geschenkt. Es wurde klar, diese UdF-Reisen hatten eine weit größere Dimension an Leuten und Reisekilometern als wir damals jemals ahnen konnten. Hauptziele der Bewegung waren die mittelasiatischen Republiken und eben der Kaukasus. Dann kam uns noch das Buch „Das 3. Leben“ über den Weg. Als im Januar diesen Jahres eine Fernsehdokumentation über das moderne Georgien lief, war das Maß voll und das Reiseziel für dieses Jahr fest.
Unser Campingbus „Blaue Zitrone“, ein Citroën Jumper mit Pössl Wohnmobilausbau, wurde gesattelt und ab ging es auf die Piste.

Die blaue Zitrone vor der Skyline Batumis

Meine Frau Birgit als fleißige Reisetagebuchschreiberin hat die Dinge die ihr unterwegs als wichtig erschienen aufgezeichnet, so wie sie es bei fast allen unserer Campingbusreisen, so z.B. nach Marokko, ins Baltikum, und auf die Lofoten, auch schon getan hat.
Dieses Reisetagebuch habe ich nun noch ein wenig bearbeitet und so könnt ihr es hier lesen. (Fortsetzung folgt....)

Frank

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nuvamic am 08 Mai 2017 11:02:49

Campingbusreisende hat geschrieben:(Fortsetzung folgt....)

Darauf hoffe ich doch sehr..... bin schon ziemlich gespannt :mrgreen:

Asterixwelt am 08 Mai 2017 11:11:36

Hallo Frank,

danke für den 1. Teil Deiner Reise. Ich kann Dir beipflichten als im Osten geb. ist das "noch Östlicher" sehr weit nach hinten gerutscht.
Aber im "Westen" ist auch noch ein Rest zum besuchen übrig geblieben.

Der SP für die "blaue Zitrone" ist auch nicht optimal.

gruß

Michael

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Campingbusreisende am 08 Mai 2017 15:16:08

Aus der Mitte Deutschlands nach Batumi
Samstag 14.5.: Heimatort bis St. Veit am Vogau (Österreich) 749 Tageskilometer
Nachdem wir am Freitag alles gepackt, organisiert und uns verabschiedet haben, starten wir morgens gegen 9.°° Uhr mit Endziel Georgien.
Das klingt für mich so verrückt, dass ich es kaum jemanden erzählt habe. – türkische Schwarzmeerküste hieß es immer... Drei Wochen haben wir Zeit. Na ja könnte mehr sein, aber wir sehen mal. Wir fahren los und es fängt schon mal gut an. Wir fahren erstmal aus Gewohnheit auf der A71 in die falsche Richtung: Schweinfurt. Aber wir müssen in Richtung Coburg – Nürnberg – Passau – Linz/Österreich.
Die Fahrt ist gut, zwischendurch scheint die Sonne, etwas Stau gehört eben auch dazu. Wir sind entspannt.
Die Pyhrntalautobahn und Graz liegen schon hinter uns, da meldet sich kurz vor der slowenischen Grenze der Abendbrothunger. Nicht weit von der Autobahn ist ein großer Kirchturm sichtbar. Wo eine Kirche, ist auch die Kneipe nicht weit. Gemäß diesem Sprichwort, beschließen wir den heutigen Tourenschluß und nehmen die Abfahrt. Endstation ist der kleine Ort St. Veit in der Steiermark unweit der Autobahn A9 in der Nähe von Graz. Wir stellen uns auf einen Parkplatz hinter die anscheinend sehr bekannte Kirche und schauen uns erstmal den kleinen Ort an. Der Ortskern wirkt sehr schön und gepflegt. Die alten Häuser in verschiedenen Farben aber im gleichen Stil getüncht. Es gibt nicht nur ein Gasthaus in der Nähe der Kirche, sondern gleich mehrere. Auch wir haben heute Abend Lust auf Küche und Wein aus der Steiermark. So entscheiden wir uns für das dem Gotteshaus nächstliegende Etablissement. Da ist leider schon Küchenschluß. Man verweist uns nebenan in den Weingasthof. Alles wirkt dort sehr gemütlich. Da wir heute Pfingstsamstag haben, ist kein Platz mehr im großen Gastraum (hier gibt es großes Menü), so dass wir als einzige Gäste im extra wegen uns aufgeschlossenen kleinen Gastraum an einem großen runden Tisch nahe der Theke platziert werden. Die Wirtin kümmert sich rührend um uns, es werden Blumen und Kerze auf den Tisch gedeckt. Sie fragt uns wo wir herkommen und hin wollen. Man ist überhaupt nicht erstaunt über unser Reiseziel Georgien. Die Wirtin kennt eine ganze Menge Leute mit Bezug dorthin: Georgier, die hier wohnen, Winzer, die spezielle Weinamphoren dort fertigen lassen, Leute die dorthin reisen. Wir unterhalten uns prächtig und das Ganze soll zu einem kulinarischern Hochgenuß ausarten. Alles hier was in der Küche verwendet wird, einschließlich Wein, ist entweder aus eigener Herstellung oder Anbau (Garten hinterm Haus) oder von namentlich bekannten Leuten aus der Region. Wir vermuten: Das wird teuer!?! Vorspeise ist ein wunderbarer Salat mit Kürbiskernen und steirischen Kernöl. Frank bestellt Wiener Schnitzel mit Kartoffeln und Preiselbeeren. Ich hingegen bevorzuge frischen Spargel mit Sauce Hollandaise, Trüffeln und einer Art Kartoffel-Selleriekloß. Alles schmeckt hervorragend, wir probieren auch zwei verschiedene Weine aus der Region. Alles gut, die Rechnung fällt auch geringer aus als erwartet. Es war sehr schön, ein gelungener Auftakt für eine Reise. Die Wirtin bietet uns noch einen Standplatz auf dem Hof des Gasthauses an. Aber mit schon einigen eingefüllten Weinen möchten wir nun nicht mehr ums Karree fahren. Wir versprechen Weiterempfehlung laufen hinter die Kirche und fallen in unser Bett.

Pfingstsonntag, 15.5.: St. Veit ► Бело Поље (Serbien) 874 Tageskilometer
Wir werden von den Kirchenglocken zum Frühgottesdienst um 6.°°Uhr geweckt, gehen aber nicht hin.
Plötzlich tauchen um uns herum sehr viele Fahrzeuge auf, wir befürchten, zugeparkt zu werden, aber es bleibt eine Gasse frei. Nach unserem netten Smalltalk in der Kneipe haben die einheimischen Kirchgänger wohl die Anweisung, touristen-freundlich mit uns umzugehen... wohl eher Zufall.
Nach dem Frühstück starten wir im Regen und fahren ohne jegliche Kontrollen über die östereichisch-slowenische Grenze die Autobahn in Richtung Maribor. Es ist nur ein kurzes Stück in Slowenien. Alles sauber und top. Das letzte Stück bis zur kroatischen Grenze fahren wir über gut ausgebaute Landstraßen (Reststück Autobahn im Bau). Da wir bereits in Deutschland mit der Vignette für Österreich auch die slowenische Vignette gekauft haben, können wir an jeder Mautstation der Autobahn problemlos durchfahren.
An der kroatischen Grenze winkt uns die slowenische Grenzpolizei einfach durch, auf kroatischer Seite müssen wir die Ausweise kurz vorzeigen. Richtung Zagreb ziehen wir das erste Mal ein Mautticket am Automaten.
Hier hat es anscheinend schon länger geregnet. Die Sava, die wir mehrfach überqueren, sowie deren Nebenflüsse führen Hochwasser. Es regnet ständig weiter. Nachdem wir bis Zagreb in den Bergen gefahren sind, geht es jetzt durch eine endlose Ebene in Richtung Slavonski Brod. An der kroatisch-serbischen Grenze werden zum ersten Mal unsere Ausweis elektronisch eingelesen und der Fahrzeugschein registriert. Auch müssen wir uns an kyrillische Beschriftung auf den Straßenschildern gewöhnen, wobei uns auffällt, dass es im serbischen einige kyrillische Buchstaben gibt, die uns vom russischen her unbekannt sind. Auch die serbischen Autobahnen sind gebührenpflichtig. Wir können jedoch, wie schon in Kroatien, die Maut in bar mit Euros bezahlen. Vor Belgrad werden wir durch die Beschilderung in Richtung Ниш auf den funkelnagelneuen Autobahnring geleitet. Als die Autobahn über die Save führt, sehen wir, dass das Hochwasser an der Mündung in die Donau schon bedrohliche Ausmaße angenommen hat.
Der Autobahnring um Belgrad ist noch nicht ganz fertig. Am Ende kurven wir doch noch durch bergige Vororte von Belgrad weiter in Richtung Bulgarien. Es regnet ununterbrochen.
Als das Endziel des Tages habe ich schon zu Hause aus dem Internet einen neuen Wohnmobilstellplatz in der Nähe der Autobahn herausgesucht. Beim eingeben der Daten versagt unser Navi plötzlich. Es kennt nur noch die Straße auf der wir uns gerade befinden und hat alles um sich herum vergessen. Was tun? Wir müssen so weiterfahren. Detailkarten haben wir für diesen Abschnitt leider nicht dabei.
Die Abfahrt Ягодина taucht auf. In diesem Ort sollte heute Ende sein. Kurz vor der Abfahrt sehen wir, dass Jagodina eine große Industriestadt ist, in der wir wohl ohne unser Navi mit den Stellplatz-GPS-Daten nichts finden werden. Wir bleiben also auf der Autobahn und fahren weiter. Der Regen lässt nach, und wir versuchen heute noch soweit wie möglich zu fahren. Kurz vor Ниш verlassen wir die Autobahn und fahren auf ähnlich gut ausgebauter vierspuriger Straße weiter. Die gute Straße endet und wir befinden uns auf einer engen Straße in einer tiefen Felsenschlucht, die bei Sonnenschein sicher sehr sehenswert gewesen wäre. Uns scheint, die ganze Welt hätte sich gegen uns verschworen.....Nach ca. 20 Kilometern vielen Kurven mit starker Steigung und unzähligen kleinen Tunneln fahren wir bei Бела Паланка auf einer Autobahnbaustelle weiter, teilweise provisorisch asphaltiert, teilweise Schotter. Es schüttet aus vollen Kannen. Nach der Stadt Пирот kurz vor der bulgarischen Grenze nach 875 Kilometer Tagesstrecke haben wir die Nase voll. Eigentlich haben wir uns vorgenommen, nicht mehr als 500km pro Tag zu fahren. An einer Landstraßenkneipe sehen wir ein Campingsymbol, das ist unsere Rettung.
Zwei alte Männer, die wir vor der Kneipe angesprochen haben, begleiten uns nach nebenan und versuchen den Eigentümer des Stellplatzes zu dieser späten Stunde noch aus dem Haus zu locken. Es gelingt und wir haben unseren Schlafplatz gefunden.

Pfingstmontag 16.5.: Бело Поље ► Silivri (Türkei) 598 Tageskilometer
Wir werden von Pfauengeschrei geweckt, eine ganze Schar stolziert über den Platz.
Das Navi geht wieder. Es war gar nicht kaputt, wir werden auf der Rückfahrt merken, dass für diese Region Serbiens keine Karte abseits der Hauptstraße im Speicher vorhanden ist.
Es hat aufgehört zu regnen. Frühstücken und los geht es in Richtung Bulgarien. Die Temperaturanzeige über der Straße zeigt +7°. Schon nieselt es wieder auf dem Weg zur serbisch – bulgarischen Grenze. Die Abfertigung geht zügig, wir reisen wieder in ein EU-Land ein und kaufen erst noch einen Mautaufkleber für Bulgarien. Als wir auf София zukommen lugt die Sonne hervor, das erste mal seit zwei Tagen. Die Temperatur steigt rapide an. Am Stadtrand von София angekommen, beschließen wir einen Internetratschlag zu befolgen, den Stadtring entgegen der Ausschilderung zu fahren, weil es kürzer ist und die Straßen vom Zustand besser sein sollen. Die Straße ist ab hier autobahnmäßig ausgebaut und funkelnagelneu. Nach mehreren Labyrinth-artigen Autobahnkreiseln mit Untertunnelungen haben wir uns hoffnungslos verfranst. Auch unser Navi kennt diese neuen Straßen nicht. Wir kehren am nächsten Kreisel um und fahren den mit „Transit“ ausgeschilderten Weg direkt in einen Stau. Für diesen Bereich wurden uns schlechte Straßen vorausgesagt, das ist jedoch stark untertrieben. Kilometerweit fahren wir auf schlammiger Baustellenpiste, bis wir wieder nagelneue Autobahn unter den Rädern haben. Ab dem Abzweig Пловдив besteht die Autobahn jedoch wieder nur noch aus Asphaltfragmenten und Löchern. Am Fahrbahnrand und Standstreifen stehen unzählige Kleinhändler und warten auf Kundschaft. Hier wird einfach auf der Autobahn angehalten, und es werden Geschäfte gemacht. Nachher ab dem Abzweig nach Бургас gibt es wieder total neu gebaute Autobahn. Schon ca. 5km vor der türkischen Grenze fahren wir an LKWs vorbei, die Stoßstange an Stoßstange stehend anscheinend auf Zollabfertigung warten. Die Grenzabfertigung für PKWs geht zügig. Das Personal auf der türkischen Seite besteht ausschließlich aus sehr jungen Leuten, Männer und Frauen, alle sehr freundlich. Inzwischen ist es richtig heiß geworden, für uns ein Temperaturanstieg von mehr als 20° zu heute morgen.
Wir brauchen noch ein HGS-Ticket, eine Art SIM-Karte fürs Auto, mit der hier die Straßengebühren bezahlt werden. Von der wird bei jeder Durchfahrt durch eine Mautstation automatisch der fällige Betrag abgebucht. An der nächsten Tankstelle fragen wir danach. Der Tankwart blickt nur unfreundlich von seiner Zeitung auf und schickt uns weiter. An der nächsten Tankstelle treffen wir auf einen sehr freundlichen, gut englisch sprechenden Tankwart, der uns erklärt, dass wir das HGS-Ticket nur an der ersten Mautbarriere nach der Stadt Edirne erwerben können. Er weist uns auch gleich darauf hin, das der Betrag nur in bar und in türkischen Lira entrichtet werden kann, und bietet an, uns Geld umzutauschen. Wir wechseln 50,-€ in türkische Lira. Wir sind zwar skeptisch, und glauben, das der Umtauschkurs sehr zu seinen Vorteil war, merken aber später, dass er zu einen für uns sehr günstigen Kurs umgetauscht hat, auch seine anderen Hinweise waren richtig und für uns wichtig.
An besagte Autobahn-Mautstaton angekommen (10-spurig), gibt es keine offizielle Anhaltemöglichkeit. Weil zwei PKWs mit deutschen Kennzeichen einfach an der Seite anhalten, tun wir das auch. Eine Frau aus dem Fahrzeug vor uns, eine in Deutschland lebende Türkin, erklärt uns, dass wir drüben auf der anderen Seite der Autobahn in einem Haus das Ticket kaufen können. Dazu müssen wir die 10 Spuren zu Fuß überqueren, und hinter die Mautbarrieren laufen. Zum Glück herrscht wenig Verkehr. Im Ticketbüro treffen wir weitere Insassen der vor uns stehenden Autos, zwei in Deutschland lebende Türken, auch beim Ticketkauf. Sie übersetzen für uns und es wird noch gegenseitig über das Woher und Wohin geplaudert. Die Polizisten gegenüber betrachten gelangweilt den Fußgängerverkehr auf der Autobahn.
Das Ticket wird angeklebt - erste Durchfahrt - die Ampel geht auf grün. Weiter rollen wir in Richtung Istambul auf breiter leerer Autobahn.


Ca. 60 km vor Istambul biegen wir ab in Richtung Meer. An der Mautstelle wird auf einer Tafel jeweils angezeigt, wie viel von unserer Karte abgebucht wird. Auf der Stadtautobahn in Silivri sagt uns das Navi „biegen sie rechts ab“. Aber die Ausfahrt ist in unseren Augen zu mickrig, so dass wir erst mal daran vorbei prasseln. Wir drehen eine Ehrenrunde durch ein Gewerbegebiet, durchfahren eine asphaltierte Rinne mit etwas zu hoher Geschwindigkeit und haben für einen Moment kein Rad mehr auf dem Boden.
Der angesteuerte Platz besteht aus Hütten und fest abgestellten Wohnwagen von Dauercampern. Es sind kaum Gäste auf dem Platz. Wir sind wohl die einzigen mobilen Gäste des Platzes.

Blick aus der Schiebetür aufs Marmarameer

Wir dürfen „Seaside“ direkt am Strand stehen, machen noch einen Strandspaziergang und sitzen dann mit deutschen Wein bei angenehmen Temperaturen vor dem WoMo. Dort können wir interessiert beobachten, wie eine Katze vor unserem Auto in den Strandsand scheißt, und alles sorgfältig eingräbt.

Campingbusreisende am 08 Mai 2017 15:36:33

Dienstag 17.5.: Silivri ► Safranbolu (Türkei) 506 Tageskilometer
Wir verlassen unseren Übernachtungsplatz am Strand von Silivri am Marmarameer nach einer schönen Dusche und einem guten Frühstück heute gegen halb acht in Richtung Bosporus. Das ist schon ein besonderes Gefühl, an der Nahtstelle zwischen Europa und Asien, wir mit unserer blauen Zitrone.
Wir fahren schon im Großraum Istambul weit vor der eigentlichen Stadt durch riesige Neubaugebiete, jedes davon mit nagelneuer Moschee mit Minaretten. Überall drehen sich die Kräne. Es wird sehr viel gebaut: jede Menge Hochhäuser mit Wohnungen, Büros, moderne Industriegebäude.
Nach einem schönen sonnigen und warmen ersten Türkeitag regnet es heute wieder, wie schon vorgestern. Hoffentlich wird es besser – So hatten wir uns das eigentlich nicht gedacht.
Faith Sultan Mehmet Köprüsü, das ist die Brücke die wir ansteuern, um über den Bosporus zu gelangen, von einem Kontinent zum anderen. Jetzt ist sie schon angezeigt. Wir schleichen schon eine dreiviertel Stunde fast im Schritttempo über die acht- und zehnspurige Stadtautobahn.

Im Hundertmeterabstand münden weitere mehrspurige Autobahnzubringer ein und weitere Fahrzeuge quetschen sich stetig in den sich immer weiter verdichtenden Hauptstrom. Kinder laufen zwischen den Autos und verkaufen frisches Brot und Getränke (Wie gefährlich, mir bleibt der Atem stehen) Das Taxi heißt hier Taksi und ist quittegelb. Fahrzeuge mit Tatü und Blau- und Rotlicht von allen Seiten und kommen auch nicht schneller vorwärts und es regnet in Strömen.
Vor und neben uns immer wieder Hochhäuser in verschiedenen modernen Architekturen, Baukräne ohne Ende und wunderbar gepflanzte und gepflegte Anlagen. Im strömenden Regen laufen die Sprinkler der Bewässerungsanlagen. Um 11.20 Uhr nach türkischer Zeit überqueren wir den Bosporus. Fast 4 Stunden für 60 km, und eigentlich fast nie richtig gestanden, nur sehr, sehr langsam gefahren. 15 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit!

Nach der Brücke (achtspurig) verteilt sich der Verkehr und beginnt wieder schneller zu fließen. Eigentlich wollten wir die erste Abfahrt nach der Brücke abbiegen, um von der asiatischen Seite aus Fotos vom Bosporusübergang zu machen. Angesichts der total verstopften Aus- und Zufahrten lassen wir das jedoch mal schön bleiben. Wir fahren stadtauswärts in Richtung Ankara. Unser Ziel für heute, nachdem wir alle Unwägbarkeiten hinter uns gelassen haben, legen wir jetzt fest: Safranbolu.
Gegen 13.°° Uhr ein Mittagsstop. Über der Raststätte am Metallrohr des Rauchabzugs (wahrscheinlich vom Grill) hängt ein Lautsprecher, da kommt auch schon die Stimme zum Mittagsgebet heraus und einige auf dem Parkplatz befindliche Türken strömen in den Rasthof. Da befindet sich wohl der Gebetsraum.
Genau beim besten Panoramafoto steigt unsere Kamera erst mal aus. Der Objektivverschluß öffnet sich nur noch teilweise. Nach einigem Probieren geht es aber wieder.
Gegen 17.°° treffen wir in Safranbolu, einer sehr alten Stadt, mit schönen eigentümlich gebauten Fachwerkhäusern ein. Safranbolu – Safran vielleicht wegen den Händlern und der Lage an der alten Seidenstraße. Der Ort zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. In den kleinen verwinkelten Gassen gibt es viele kleine Läden und es bieten Handwerker ihre Dienste an. Wir sehen ein schönes altes Badehaus. Es ist noch in Betrieb und wird mit Holz beheizt, wie man riechen kann und auch am Qualm sieht. Hier sind natürlich Männer und Frauen getrennt. Männer: repräsentativer Vordereingang – Frauen: Hintereingang.

Badehaus Safranbolu

In einer alten Bäckerei kaufen wir frisches im Holzofen gebackenes Brot. Der Bäcker ist sehr nett und der erste türkische Mann, der mir als Frau die Hand gibt und mir ins Gesicht schaut. Die letzten beiden Tage haben wir uns ja nun schon mit einigen Leuten hier unterhalten. Durch enge kopfsteingepflasterte Gassen geht es nach oben. Vom Festungshügel in der Stadt haben wir einen schönen Überblick über das Gassengewirr.

Wir stöbern noch in den drei Läden eines Schmiedes, der hier die absolute Touristenattraktion zu sein scheint. Er zeigt uns Zeitungsausschnitte aus aller Welt, mit Bildern, in denen über ihn berichtet wird. Sogar aus Japan ist einer dabei. Frank kauft sich eine Bronzeguß-Eule.

Dann laufen wir zu unserer Zitrone zurück. Sie steht in einem Garten, der zum gegenüberliegenden kleinen Hotel gehört. Dort können wir auch duschen. Wir lassen den Abend ausklingen mit einem Schluck Wein und fallen ins Bett.

Campingbusreisende am 08 Mai 2017 16:25:40

Mittwoch, 18.5.: Safranbolu ► Terme (Türkei) 533 Tageskilometer
Nach dem Frühstück schleppt Frank unsere WC-Kassette den steilen Berg im Garten hinauf zum Entleeren und füllt Frischwasser auf. Dann verlassen wir unseren Übernachtungsplatz entlang der Fernverkehrsstraße D030 über Kastamonu in Richtung Sinop an der Schwarzmeerküste. Auf der Strecke wird viel neue Straße, meistens vierspurig, gebaut. Eigentlich ist hier nicht viel Verkehr für solch überdimensionierte Straßen.
Während wir so fahren, gehen mir noch so meine ersten Eindrücke von der Türkei, besonders von gestern durch den Kopf. Dort, wo große Städte sind ist alles modern, es wird viel gebaut. Man hat den Eindruck, wir werden in allem überholt. Modern gekleidete Menschen und total gegensätzlich: Frauen ganz in Schwarz, voll verschleiert. Aber eher wenige. Dafür oft lange Röcke und Kleider und Kopftuch bunt und farbig. Aber auch besonders die jungen Mädchen ohne Kopftuch, schön geschminkt mit offenem langen Haar. Gestern Abend haben wir in Safranbolu an der Burg vermutlich einen Highscool / Abiturabschluß gesehen. Jugendliche haben sich zum Fotoshooting eingefunden. Die Mädels in schönen oft kurzen Abendkleidern und High-Heels.
Wir müssen unsere Vorräte ergänzen. Wo kann man dies besser als bei der Fahrt durch die kleinen Ortschaften. An den Ortsdurchfahrten ein Händler neben dem Anderen. Hier herrscht Einkaufskultur und Kundenservice, der Einkauf wird vom Verkäufer ins Auto getragen.

Heute fahren wir durch eher ländliche Gegenden. Es ist Frühjahr, die Leute sind auf kleinen Traktoren unterwegs. Auf den Feldern arbeiten oft auch alte Leute mit der Hand, auf der Erde kniend. Vieh wird geweidet. Alte Frauen mit jeweils einigen wenigen Ziegen, Schafen, Kühen. Wir sehen viele verwilderte frei laufende Hunde und den sich ständig wiederholenden Anblick älterer Viehhirten und Hirtinnen. Dann einen jungen Mann mit drei Kühen und Handy am Ohr.
An der Straße überall wild zusammengezimmerte Verkaufsstände, meistens noch ohne Inhalt.
Nach dem Ort Hanönü sehen wir eine Landschaft voller Reisfelder und rundherum große Berge, die uns übrigens schon seit gestern begleiten. Ob Hanönü etwas mit Hanoi zu tun hat - vielleicht wegen dem Reis.
Etwas weiter ist die Gegend von großen Erdbewegungen zerklüftet. Hier wird Lehm abgebaut. Wir sehen Ziegeleien und jede Menge mit Ziegelsteinen beladene LKWs.
Ab und zu an der Straße in den Kurven Haufen von zertrümmerten Ziegelsteinen. Hier haben es wohl einige der abenteuerlich hoch beladenen Fuhren nicht geschafft dem Straßenverlauf zu folgen.
Langsam kommen wir raus aus den Bergen und das Meer liegt unter uns. In Sinop angekommen, sehen wir, dass der schöne, direkt am Strand gelegene Campingplatz noch geschlossen hat. Naja, die Sonne scheint heute eh nicht, sonst wären wir traurig gewesen. So fahren wir weiter die Küstenautobahn entlang.
Vorher noch Fotostop für Wasserbüffel und freilaufende Kühe.

Unser Auto hat Durst, also tanken wir die beste der drei angebotenen Dieselsorten, bekommen vom freundlichen Tankwart ein Scheibenputztuch geschenkt und den Hinweis, dass auf dem nächsten Kilometer die Jandarmeria eine Radarfalle aufgebaut hat.
Weiter geht’s in Richtung Bafra und Kizilirmak-Delta. Hier gibt es Vogelbeobachtungsstellen und viele Flussarme münden ins Meer. Alle führen wegen des tagelangen Regens sehr braunes Wasser. Sieht gut aus, wenn schlammbraun auf Meeresgrün trifft. Und dann sehe ich einen Delfin springen! Im Delta kein Stop wegen des starken Regens. Weiter auf der Küstenautobahn, die auf hunderten von Kilometern direkt am Strand verläuft, teilweise sogar auf Stützen im Meer. Später durch Samsun in der Rushhour. Heute Morgen sind wir noch durch verfallende Bergdörfer gefahren und jetzt durch pulsierende moderne Großstädte. Viele Orte hier an diesem Abschnitt der Küste gehen nahtlos ineinander über.
Wir haben keine Lust mehr zur Weiterfahrt. Es regnet wieder. So halten wir an einem Grillrestaurant, essen Köfte (gegrilltes Lammhackfleisch) mit Salat und trinken Tee. Der Wirt sieht unser Deutsch-Türkisches Wörterbuch liegen, blättert darin und wünscht uns „Guten Appetit“. Wir bitten ihn, für heute Nacht hier stehen bleiben zu dürfen. Der Wirt holt seine ca. zwölfjährige Tochter, die ihr Schulenglisch präsentieren soll. Sie schämt sich. Also Verständigung über unser Wörterbuch mehr schlecht als recht. Er weist uns hinters Haus. Hier können wir über Nacht stehen.

So geht auch dieser Tag zu Ende. Wo mag wohl der sehr europäisch aussehende Radfahrer mit Rastazöpfen schlafen, den wir sahen, als er sich durch dichtesten Verkehr in Samsun gekämpft hat?

Campingbusreisende am 08 Mai 2017 16:36:46

Donnerstag, 19.5.: Terme ► ბათუმი (Batumi) Georgien 465 Tageskilometer
Auch heute scheint das Grau nicht aus dem Himmel zu weichen. Um 7.°° Uhr sitzen wir beim Frühstück und hören Lindenberg. Dann holen wir aus dem Laden des Grillbesitzers noch ein Brot und es geht los. Frank wollte eigentlich noch einen Abstecher 25 km in die Berge zum Kloster Sümela machen. Aber die Berge sind in dicke schwarze Wolken gehüllt. Also geht es los, die Küstenautobahn weiter in Richtung Batumi.
An der Küstenautobahn reiht sich eine große Stadt an die andere. Mächtige Hochhäuser, Erd- und Steinhalden, dazwischen Pferde. Alle Orte sind direkt am Meer. Palmen, Blumenbepfanzungen mit vielen Rosen und Oleander - die Autobahnstadtdurchfahrten sind immer auch gleichzeitig Strandpromenade. Stadtauswärts dann, wie auch gestern schon an den steilen Hängen riesige Flächen mit Haselnußgesträuch. Hier kommen sie wohl her die leckeren Dinger, die ich abends beim Fernsehen so gerne esse. Im wieder strömenden Regen fahren wir schon 6 Stunden die türkische Schwarzmeerküstenautobahn entlang.

Der letzte Ort auf türkischer Seite ist Kemalpașa, der erste auf georgischer Seite Sarpi. Jetzt sind wir an der Grenze angekommen und hier herrscht ein großes Chaos. Direkt nach dem letzten Tunnel stehen wir abrupt vor der geschlossenen Schranke der Türkischen Kontrollstelle und werden zum Anstellen auf die Gegenspur verwiesen. Ein großes Durcheinander, keine richtigen Spuren. Jeder huscht hin und her. Dieses System begreift anscheinend auch keiner. Schließlich nachdem wir auf der Gegenspur ein ganzes Stück zurück gefahren sind, wenden wir und reihen uns in eine mehrere Kilometer lange Schlange ein.

Es rückt überhaupt nicht. Was mache die nur so lange? Es laufen viele Leute mit großen Koffern, Taschen und Beuteln umher. Es sind wohl alles Einkäufer (Ameisenschmuggler) von der jeweils anderen Seite. In der Schlange etliche Autos hinter uns steht ein geländegängiges Wohnmobil aus der Schweiz. Frank geht nach hinten und unterhält sich. Ich rücke mit unserer Zitrone mit der Schlange vorwärts. Wir beschließen mit den Schweizern gemeinsam weiter zu fahren. Inzwischen geht es schneller vorwärts. Die Türken hatten anscheinend die PKW Abfertigung für 3 Stunden geschlossen. Zwischen der türkischen und der georgischen Grenzabfertigung nehmen wir noch einen uralten großen goldfarbenen PKW Mercedes mit georgischen Nummernschild an den Haken, der mit Motorschaden liegen geblieben ist. Dem Aussehen nach bricht für dieses Auto gerade das dritte Leben an: 20 Jahre in Deutschland, 20 Jahre in der Türkei, nun in Georgien. Die ganze Grenzabfertigung ist sehr entspannt und unproblematisch. Das erste Mal auf unserer Fahrt benötigen wir unsere Reisepässe, zuvor immer nur den Personalausweis. Ab hier und jetzt müssen wir gänzlich auf die Mithilfe unseres Navigationsgerätes verzichten.
Wir fahren gemeinsam mit den Schweizern von der Grenze noch ungefähr 15 km bis an den Stadtrand von Batumi und können auf dem Hof einer Tankstelle über Nacht stehen. Es ist spät, wir sind schon weit ostwärts und 2 Stunden vor der mitteleuropäischen Sommerzeit, also 21°° Uhr georgischer Zeit. Mit dem Eindruck, dass man hier sehr hilfsbereit ist, aber vieles durcheinander läuft, schlafen wir ein.
(Fortsetzung folgt....)

Campingbusreisende am 09 Mai 2017 14:00:29

Freitag 20.5.: ბათუმი (Batumi) ► ქობულეთი (Kobuleti) Georgien 46 Tageskilometer

Heute Morgen verlassen wir zusammen mit den beiden Schweizern Martin und Friede, den Übernachtungsplatz an der Tankstelle und fahren in die Innenstadt von Batumi, unter abenteuerlichen Fahrmanövern und lautem Gehupe von schwarz qualmenden LKWs.
Wir suchen zuerst die Versicherungsagentur (Empfehlung von deutsch sprechenden Georgiern mit denen Frank von Deutschland aus per Mail bereits Kontakt hatte) um eine Fahrzeugversicherung abzuschließen. Die Schweizer sind uns dankbar, dass wir so gut vorbereitet in Georgien eintreffen und schließen sich uns an.
Im Versicherungsbüro spricht man gut englisch. Die Policen werden vorbereitet in dieser Zeit machen wir eine erste Altstadtbesichtigung zu Fuß, besorgen uns eine georgische Prepaid-SIM-Card fürs Handy an einem Kiosk, der jedoch die Karte nicht aufladen konnte. Das muß man an einem Bezahlautomaten machen. Die Dinger stehen hier an jeder Straßenecke, aber die Menüs in georgischer Schrift - schlecht für uns. Die Autos parken wir noch einmal um, von einer engen Altstadtgasse auf einen freien Platz am Alphabetturm. Dort erscheint nach einiger Zeit ein Parkplatzwächter, kassiert 5 Lari pro Fahrzeug und erzählt uns in einer Mischung aus Russisch und Englisch seine Lebensgeschichte. Wenn die Verständigungsprobleme in seinen Augen zu groß werden, nimmt er kurzerhand unser Auto, um auf dem verschmutzten Blech seine Ausführungen graphisch zu untermalen.
Später holen wir unsere Police von der Versicherung ab, müssen allerdings wegen Schreibfehlern aufgrund einer schlecht leserlichen Paßkopie noch einmal kurz warten auf eine Neuausfertigung. Ein Mitarbeiter stellt inzwischen unsere Handy-SIM-Karte vom Georgisch auf Englisch um.
Ich hatte noch vergessen zu erwähnen, beim Eintreffen in der Innenstadt hatten wir angehalten und einen Taxifahrer nach dem Weg gefragt, der fuhr promt vor uns her bis zur Versicherungsagentur und wollte keine Bezahlung annehmen.
Jetzt nehmen wir uns den Tag Zeit, um uns Batumi genauer anzusehen.
Das Wetter ist heute wunderbar. Endlich wieder Sonne und Wärme. In der Stadt sind unwahrscheinlich viele Parks mit Blumen, Palmen und für uns exotischen Bäumen. Wir suchen an der Großen Strandpromenade die Touristinformation auf, um uns nach einem Übernachtungsplatz zu erkundigen. Man könne hier in den Strandparks in der Stadt übernachten, wenn man sich bei den Parkrangern anmelde. Wir bekommen kostenlos einen Stadtplan, sowie die Straßenkarte der Regoin und weiteres Material. Die freundliche, junge Mitarbeiterin hilft uns auch beim Handyaufladen. Sie geht mit uns in die nächste Straße zu einem Automaten.
Wir kaufen noch einige Kleinigkeiten ein.






Batumi ist eine laute Stadt, mit einer Mischung aus liebevoll restaurierten Jugendstilhäusern, hypermodernen verkitschten Neubauten und auch vergammelten baulichen Hinterlassenschaften aus der Sowjetzeit. Nach einer großen Stadtrunde laufen wir zum Auto zurück und trinken Kaffee / Tee. Der Empfehlung unseres Parkplatzwächters, hier auf dem Platz in Batumi zu übernachten folgen wir nicht. Langsam machen wir uns auf den Weg in Richtung Großen Kaukasus um vor der Stadt am Meer die Nacht zu verbringen. Nach Auskunft der Touristinformation gibt es in Kobuleti einen regulären Campingplatz. Auf dem zentralen Platz in Kobuleti sieht Frank den typischen Container der Touristinformation, wie wir sie auch in Batum gesehen hatten, und hält noch einmal an um zu fragen. Er unterhält sich mit der jungen Angestellten eine Weile auf englisch. Nach der Frage woher?, stellt sich heraus, dass die junge Frau auch hervorragend deutsch spricht. Sie bestätigt uns: ja, seit kurzem gibt es einen Campingplatz. Aber man könne jetzt in der Vorsaison auch problemlos direkt am Strand stehen. Auch hier bekommen wir Stadtpan, Straßenkarte und Prospekte. Nach der Ortschaft sehen wir den Campingplatz, er liegt abseits des Meeres direkt an der Hauptsraße und hat zur Zeit auch keinerlei Gäste. Kommt für uns nicht in Frage.

Also biegen wir ab in einen Pinienwald, und kommen direkt am Strand hinter der Ortschaft Kobuleti zum stehen.
Abends sitzen wir noch mit den Schweizern Martin und seiner Frau Friede zusammen und reden ein wenig.

Campingbusreisende am 09 Mai 2017 14:33:58

Region Svanetien, Kaukasus
Samstag, 21.5.: ქობულეთი (Kobuleti) ► მესტია (Mestia) Georgien, 241 Tageskilometer
Wir starten gegen 9.°° Uhr Ortszeit. Vorher haben wir noch gemütlich am Meer gefrühstückt. Es ist schön früh, wir sehen übers Meer zurück nach Batumi über der Stadt die schneebedeckten Berge des kleinen Kaukasus.
Wir machen nach der Ausfahrt aus dem Strandwald gleich Stop an der gegenüberliegenden Tankstelle, um Frischwasser aufzufüllen. Das Tankstellenpersonal springt freundlich um uns herum und ist uns sehr behilflich. Wir sind hier Exoten. Außer uns und den Schweizern, die übrigens immer noch bei uns sind, habe ich wirklich die letzten Tage kein weiteres Mobil gesehen. Frank sucht nahe Ureki einen Campingplatz, den es dort direkt am Strand geben soll. Nach seiner Internetrecherche mit allen wohnmobil- und campingspezifischen Suchwörtern, war dies der einzige Treffer für ganz Georgien und sogar mit einer recht professionellen Website. Wir brauchen jetzt am frühen Morgen zwar keinen Stellplatz, aber man kann vielleicht einen Tip weitergeben. Die Besichtigung vor Ort ergibt: Der Platz existiert nicht.
Wir fahren erst Fernverkehrsstraße, dann kleine Landstraßen Richtung Zugdidi durch eine ebene Landschaft.

Vor uns inzwischen die Schneeberge des Großen Kaukasus. Die Landschaft ist hier dicht besiedelt. Rechts und links kleine Häuschen mit großen Nutzgärten. Teilweise verfallen, aber mit morbidem Charm (wie Frank so zu sagen pflegt). An den Straßenrändern weiden freilaufend Kühe, Schweine in allen Farben, Enten, Hühner, Wasserbüffel. Teilweise laufen sie mitten auf der Straße.

Wir fahren durch eine blühende weite Ebene. Die Schneeberge des großen Kaukasus rücken näher - eine monumentale Wand. Und hier unten Plantagen mit Obst, Haselnüssen, Feigenbäumen und Wein. Blauer Himmel, helle Sonne und Wärme. Abrupt fahren wir in die Berge, am Inguri-Fluß und –Stausee entlang.







Die Straßen werden immer spektakulärer und die Ausblicke auch. Wir sind noch immer mit den Schweizern unterwegs, die mit ihrem hochbeinigen Iveco natürlich schneller sind als wir. Unser Endziel ist Mestia in der Region Svanetien. Der Ort ist berühmt für seine aus dem Mittelalter stammenden zahlreichen Wehrtürme, die heute noch in Besitz der ursprünglichen Familien sein sollen. Die Leute schützten sich hier früher vor Angreifern, indem sie die als einzigen Zugang dienenden Holzleitern einfach eingezogen haben.

Wir finden einen Standplatz am kleinen Park vor der futuristisch gestalteten neuen Polizeiwache des Dorfes. In einem Restaurant probieren wir georgische Küche und Wein. Später noch ein Abendspaziergang und eine sehr ruhige Nacht.
(Fortsetzung folgt....)

Campingbusreisende am 10 Mai 2017 15:13:57

Sonntag 22.5.: მესტია (Mestia) Georgien, 7 Tageskilometer
Heute bleiben wir in Mestia. Nach dem Frühstück suchen wir den Fotopunkt für die Wehrtürme, den Frank in dem Buch „Unerkannt durch Freundesland“ gesehen hat. Das war damals 1982 und 86, da hat sich doch einiges geändert in der Bebauung. Aber wir finden ihn in etwa.



Wir laufen zurück zum Übernachtungsplatz. Unterwegs werden wir ständig von den Fahrern der Taxi-Kleinbusse (Marschrutkas) angesprochen, die nicht vorhandene Touris nach Ushguli, noch höher in die Berge bringen wollen. Die Fahrer brauchen hier weder einen Personenbeförderungsschein, noch irgendeine Bescheinigung, dass das Fahrzeug technisch in Ordnung ist. Den letzten Fahrer der auf uns zukommt, antworten wir schon bevor er uns ansprechen kann: Ushguli? njet!
Die beiden Schweizer sind auch schon wach. Sie wollten eigentlich ab hier weiter eine Paßstraße zur Landesmitte fahren. Nach Befragung von Einheimischen wurde klar: Durch den vergangenen schneereichen Winter läßt der momentane Straßenzustand auch für Ihr geländegängiges Fahrzeug eine Passage nicht zu. Sie fahren nun zurück, und möchten noch in den kleinen Kaukasus. Unsere Wege trennen sich ab heute. Irgendwie auch etwas schade. Wir hatten uns schon aneinander gewöhnt. Nun wird sich herzlich verabschiedet.
Wir hingegen suchen erst einmal die Touristinfo gegenüber auf, und erkundigen uns nach dem Museum. Wir bekommen eine Erklärung, aber keinen Ortsplan. Den sollen wir uns im nächsten Laden kaufen.
Wir finden das Museum auch ohne Plan und Beschilderung hoch über dem alten Ort.
Die Führung macht die Betreiberin des gegenüberliegenden Gästehauses „Pension Larisa“ auf englisch. Mit dabei sind auch drei amerikanische Männer, die perfekt russisch sprechen können. Small-Talk: Woher – Wohin auf englisch. Das Museum ist ein altes Steinhaus und wir sind erstaunt: Die Inneneinrichtung aus dem 12.Jh ist vollständig erhalten. Die Möbel, Tische, Bänke, Vorratsbehälter alles aus Holz mit reichen Schnitzereien versehen, Fast alles ist fest eingebaut. Das Wohnhaus aus dem 12.Jh ist in einen Hang gebaut und durch einen Tunnel mit dem Vorratsspeicher und anderen Gebäuden des Hofes verbunden. Mensch und Vieh lebten in einem großen Raum gemeinsam. Ringsum Standboxen aus geschnitztem Holz für die Kühe und Schafe. Ein schwerer geschnitzter Stuhl, eine Art Thron, für das Familienoberhaupt, Bänke für die Familienmitglieder. In der Mitte die Feuerstelle mit Rauchabzug durch das Dach. Die Schlafstätten auf den Boxen der Tiere, um die Wärme auszunutzen.
Die einzelnen Familienclans trugen oft Blutfehden gegeneinander aus und verschanzten sich dann im daneben stehenden Wehrturm, den jede Familie hatte. Dort war der einzige Zugang über die einziehbare Holzleiter in halber Höhe. Der zum Museum gehörende Turm hat inzwischen anstatt dieser Leiter außen eine schmale Holztreppe. Im Inneren geht es für uns weiter auf kleinen schwer begehbaren Holzstiegen durch Löcher in den Zwischendecken. Alles ist sehr eng und abenteuerlich. Der Ausblick von ganz oben entschädigt uns.



Danach gehen wir wieder hinunter zu Auto und suchen einen schönen Platz am Fluß, um Mittag zu machen. Wir fahren aus dem Ort heraus, die Straße ist ein Weg komplett bestehend aus tiefen Löchern und Pfützen. An einer Brücke bleiben wir stehen. Die Sonne scheint, die Vögel versuchen das rauschende Wildwasser zu übertönen. Keiner da außer uns! Da ertönt plötzlich eine Stimme von hinten: „Das gibt’s doch nicht, ein Auto aus Deutschland. Seid ihr wirklich mit dem Auto bis hierher gefahren?“ Frank antwortet: „Nein, ein Stück sind wir damit geflogen.“
Ein junges Paar, beide um die 30, aus München, waren gerade auf Wanderung zur nahen Gletscherzunge. Sie haben ihre Jobs aufgegeben um für ein Jahr nur mit Rucksack auf Reise entlang der Seidenstraße zu gehen. Sie sind für 60 € pro Person nach Istambul geflogen, mit dem Fernbus für 30 € durch die gesamte Türkei nach Batumi gefahren und von da mit einem der zahlreichen Kleinbustaxis in halsbrecherischer Fahrt hierher nach Mestia gekommen. Wir kommen gut ins Gespräch und so sitzen wir vor unserem Auto in der Sonne. Wir essen zusammen Mittag (Georgisches Weißbrot und Gemüse-Käse-Pfanne, aus unseren Vorräten gemacht), trinken Weinschorle und tauschen uns aus. Gegen 15°° Uhr brechen wir alle zusammen mit unserem Auto auf zum Dorfplatz.





Hier findet heute ein Fest mit Folklore, Tanz und Gesang statt. Sehr gut, wir sind die einzigen Touristen auf dem Platz. Später sitzen wir in einem Restaurant und trinken etwas Kühles und essen „Khinkali“ (georgische Spezialität, gedrehte Teigtaschen mit einer Füllung aus Brühe und Fleisch). Der Brauch ist, die Brühe auszusaugen, ohne dass etwas heraus tropft und den Zipfel auf dem Teller liegen zu lassen, damit man sieht, wie viel gegessen wurde. Wir essen die Zipfel auf. Dann bestellen wir noch gefüllte und eingelegte Auberginen mit Walnuß und Knoblauch.
Gegen 20°° Uhr verabschieden wir uns und laufen zum Auto. Wir haben heute Nachmittag schon unseren neuen Schlafplatz bei einem Bauern oberhalb des Flusses ausgewählt. Wir bezahlen ihm 14 Lari (ca. 6 €) und dürfen seine Dusche und WC in einem extra Häuschen auf dem Hof benutzen. Auch ein allein reisender Weißrusse zeltet schon hinter der Scheune. Von hier kann man schön über den Ort sehen. Er bittet uns ins Haus. Die Leute hier leben ärmlich, sind aber sehr gastfreundlich, bieten uns ihren selbst gemachten Tee an. Wir radebrechen noch etwas auf russisch und gehen dann zu Bett.

Campingbusreisende am 10 Mai 2017 15:39:35

Montag, 23.5.: მესტია (Mestia) ► ზუგდიდი(Zugdidi) ► ქუთაისი(Kutaisi), 251 Tageskilometer
Gegen 6.°° Uhr werden wir wach, es fängt leicht an zu regnen. Wir müssen hier runter vom Berg auf dem wir stehen, ehe es rutschig wird. Ungewaschen, ohne Kaffee, hastig, noch im Schlafanzug lassen wir das Auto an, und probieren zu wenden. Alles sehr steil und eng! Jetzt haben wir uns festgefahren. Ein Antriebsrad ist durch die Schräglage zu sehr entlastet und greift auf dem feinen Gesteinsstaub der sich in Schmiere verwandelt nicht. Nichts geht mehr! Wir brauchen Hilfe und das morgens um 6.°° Uhr. Ich klopfe an alle Fenster des Hauses. Da kommt der Bauer in aller Freundlichkeit ruhig aus dem Haus (wir haben ihn wohl geweckt) und hilft uns mit Holzbrettern aus der Misere. Wir sind ihm so dankbar, dass ich ihn umarme. Da wir ein erneutes Wendemanöver auf dem engen verwundenen Weg vermeiden wollen, fahren wir den ganzen schmalen Weg zum Fluß den Berg rückwärts hinunter und machen erst mal Stop im Dorf um uns zu waschen und zu frühstücken.

Kaukasus-taugliche Fahrzeuge





Dann brechen wir auf im leichten Regen in Richtung Zugdidi, raus aus den Bergen. Zurück geht es die gleiche Straße wie auf dem Hinweg. Es gibt, jedenfalls für unser Auto, keine andere Möglichkeit wieder aus dem Kaukasus herauszufahren. Die Straße erst neu gebaut, mit teilweise durch Erdrutsche und Felsabgänge sehr beschädigtem oder in die Tiefe gerissenen Fahrbahnbelag, auseinander klaffenden Fahrbahnhälften.



Es liegen immer wieder Geröll und große Felsbrocken auf der Straße. Mehrere stillgelegte Bergwerke liegen am Wegesrand. Verrostete sowjetische Aufbereitungs- und Fördertechnik steht so, wie vor über 25 Jahren der letzte Hammer gefallen ist. Die Stollenmundlöcher und Tunneleingänge locken ungesichert und unverschlossen als Abenteuerspielplatz. Gefährlich zerfallene Brücken führen über den reißenden Ingurifluß.
In der Ebene angekommen haben wir die Berge im Rücken. Der Regen ist vorbei und es ist sehr schwül-warm. Unterwegs probieren wir noch unser georgisches Handy aufzuladen. Ich habe es bereits zu Franks Leidwesen mit Gesprächen nach Deutschland leer telefoniert. Wir finden nicht den richtigen Automaten.



Gegen 16°° Uhr kommen wir in Zugdidi an und parken am Schloß. Davor ist ein schöner Schlosspark. Das Schloßmuseum ist heute am Montag leider geschlossen. In der Stadt laufen wir noch etwas umher, können endlich das Handy aufladen und kaufen noch ein. In der Touristinformation erkundigen wir uns nach einem Standplatz für die Nacht. Die wiederum sehr junge Angestellte versorgt uns mit den obligatorischen Karten und Prospekten und rattert in Englisch wie auswendig gelernt ihr Programm herunter. Wohnmobilreisende kommen darin nicht vor. Unsere Nachfragen und konkreten Wünsche bringen sie aus dem Konzept. Sie kann uns nicht weiterhelfen und empfielt, bei der Polizeiwache nachzufragen. Am Auto angekommen essen wir frische Erdbeeren und Kekse und Frank telefoniert mit der deutsch-georgischen Internetbekanntschaft. Wir bekommen die Telefonnummer einer Frau aus Kutaisi, was auf unserer geplanten Route liegt. Wir telefonieren mit ihr und werden jetzt um 17°° Uhr noch dorthin fahren. Als Treffpunkt wird „Mc. Donalds“ vereinbart, das wäre am leichtesten zu finden. Die Fahrt dauert ca. 2,5 Stunden. Unterwegs versuchen wir an einer kleinen Tankstelle, wie wir es in den letzten Tagen ja schon getan hatten, Frischwasser aufzutanken. Es misslingt. Der junge Tankwart radebricht mit uns auf russisch und hält uns davon ab, Wasser in unser Auto zu füllen. Er ist schon vollkommen verzweifelt wegen diesem verrückten Deutschen der hartnäckig versucht Wasser in den Tank seines schönes Auto zu füllen. Mit großer Bestimmtheit erklärt er immer wieder: „только дизель, машина ломается - nur Diesel das Auto geht sonst kaputt“. Unverrichteter Dinge fahren wir weiter, zur nächsten größeren Tankstelle. Es dauert auch eine ganze Weile, dann hat man unser Ansinnen begriffen und man weist uns ein an den Trinkwasserzapfhahn neben dem Gebäude. Die gesamte Tankstellenbelegschaft läuft zusammen. Auch der Chef, ein Mann in Schlips und Jackett wird herbeigerufen. Die Wasserbetankung läuft unter interessierter Beobachtung ab. Wir müssen die blaue Zitrone öffnen und die Einbauten erklären. Man erkundigt sich intensiv nach dem Preis des Fahrzeugs. Das Wassertanken kosten wie immer schon zuvor – nichts.
In Kutaisi, nach Tiblissi der zweitgrößten Stadt Georgiens, finden wir den Treffpunkt auf Anhieb. Unsere Reisebegleitung steigt in unser Auto und fährt mit uns zu sich nach Hause. Das ist am Stadtrand. Am Ende ihrer Straße ist ein lichtes Wäldchen, wo wir über Nacht stehen können. Sie heißt Nana, könnte vom Alter her unsere Tochter sein, und spricht perfekt Deutsch. Sie war ein Jahr lang au pair in Deutschland. Sehr nett und wir fühlen uns gleich wohl.
Sie lädt uns in ihr Elternhaus ein. Ein typisches georgisches Haus mit großem Garten. Während Nana das Abendessen bereitet läuft im Fernsehen ein georgischer Kultkinofilm aus den 60er Jahren in russischer Sprache. In der Stilrichtung, jedoch nicht in der Handlung, erinnert er uns sehr an die Don Camillo und Peppone-Filme. So sitzen wir später an einem reichlich gedeckten Tisch zusammen mit Nanas Vater bei selbstgemachtem georgischen Wein, Brot, Wurst, Käse und jeder Menge Trinksprüche bis gegen 23.30 Uhr und erfahren gegenseitig so vieles voneinander. Nanas Vater entschuldigt sich: Den Film musste er unbedingt anschauen. Über diesen Film kommen wir zum Thema Film allgemein. Wir sind erstaunt, welche deutschen Filme hier populär sind: "Das Leben der Anderen", "Goodbye Lenin", also Filme mit ostdeutschen Inhalten. Über diese Filme kommen wir nahtlos zu Stasi und KGB, Lenin, Stalin und Putin, den Abchasienkonflikt, den Südossetienkrieg, der allgemeinen Lage der georgischen Menschen. 25% der Bevölkerung Georgiens arbeiten dauerhaft oder auf längere Zeit im Ausland um das Leben der Familien hier im Land zu sichern. Dies ist im Augenblick der größte Wirtschaftsfaktor des Landes. Auch Nanas Mutter und ihr Bruder befinden sich zur Zeit im Ausland. Wir verabschieden uns und tappern im inzwischen sackdunklen, pechfinsteren, kohlrabenschwarzen, unbeleuchteten Stadtrandbezirk mit seinen Einfamilienhäusern und großen Gärten zu unserem Auto in dem wohlverwahrt eine große Taschenlampe liegt. Der Himmel ist bedeckt kein Mond kein Stern.


(Fortsetzung folgt dann morgen wieder....)

Campingbusreisende am 11 Mai 2017 15:54:29

Kirchen, Klöster, und der ewige Diktator

Dienstag 24.5.: ქუთაისი (Kutaisi) Georgien, 30 Tageskilometer
Es regnet in Nieseldichte.
Heute morgen treffen wir uns um 9.°° Uhr mit Nana vor ihrem Haus, um hier in der Stadt Kutaisi einiges anzuschauen. Zuerst besichtigen wir die Bagrati-Kathedrale auf einem Hügel oberhalb des Flusses. Nana fragt, ob ich ein Kopftuch dabei habe. Klar, habe ich, bin vorbereitet. Draußen vor der Kirche erklärt sie uns einiges über die Menschen, Geschichte, Glaubensrichtung. Dann gehen wir hinein. Drin probt ein sehr gut klingender Männerchor gregorianische Gesänge. Wir kaufen eine CD. Die Kathedrale war zerstört, hatte über 300 Jahre kein Dach. Sie war von den Seldschuken gesprengt worden. Gottesdienste wurden dennoch hier immer abgehalten. Die Leute hier in Georgien gehen oft in die Kirche, das hat in den letzten Jahren sogar sehr zugenommen. Die Kathedrale stammt aus dem Jahr 1003 und wurde vor ca. 10 Jahren wieder aufgebaut. Von den Fresken ist leider kaum etwas erhalten. So steht diese sanierte Kathedrale ohne Wandmalereien in ihrer Schlichtheit und ist allein durch ihre Bauweise mächtig und schön. Wir schauen uns auch außen noch um. Der Blick von hier oben ist wegen des schlechten Wetters heute sehr eingeschränkt. Danach machen wir einen großen Stadtrundgang durch Kutaisis Innenstadt, und fahren weiter zum Kloster und Akademie Gelati vor den Toren der Stadt.

König David der Erbauer hat es 1106 – 1125 errichten lassen und Gelehrte aus Konstantinopel und der damals bekannten Welt hierher geholt. Hier sehen wir auch einige Touris (aus Israel und ein italienisches Womo, das dritte einschließlich uns bis jetzt auf unserer Georgienreise). Im näheren Umfeld sind noch drei weitere Kirchen und verschiedene archäologische Ausgrabungen zu sehen. In der Hauptkirche betrachten wir gut erhaltene Fresken aus verschiedenen Jahrhunderten. Sie leuchten in kräftigen Farben. Im Alten Eingangstorbogen zum Klosterhof stehen wir vor der Grabplatte König Davids, sie ist mitten im Weg eingelassen. Er wollte, dass man ihn als einen König sieht, der nicht von oben herab regiert, sondern als einen, der zum Volk steht, als einer unter Gleichen. Deshalb sollte jeder über sein Grab laufen. Danach fahren wir wieder in die Innenstadt und Nana zeigt uns den Basar. Auf dem Weg vom Auto dorthin sehen wir, dass hier Straßen und Wege aufwendig mit Granitsteinen neu gebaut werden. Im Moment laufen wir allerdings auf Schotter und Matsch, alles ist aufgegraben.

Auf dem Basar gibt es alles. Gewürze, Obst, Gemüse, frisch geschlachtetes Getier im Ganzen und typisch georgischen Käse. Wir kaufen etwas davon und nehmen noch frische Kartoffeln und Bohnen mit. Nana führt uns in ein Restaurant, wo wir Tee trinken und eine georgische Käsepizza, Salat und später etwas Obst essen. Alles schmeckt sehr gut. Wir sitzen sehr lange und reden über vieles: Es geht um hier lebende Volksgruppen, die friedlich miteinander leben. Noch einmal um den Abchasienkonflikt und den Südossetienkrieg. Um Einkommen (Ø 300 Lari) Rente (150 Lari Einheitsrente) Schulbildung, Kosten für Gesundheitswesen (muß jeder selbst aufbringen) und vieles mehr.
Wir laufen wieder durch die Stadt und kaufen Postkarten und Briefmarken. Gegen 17°° Uhr verabschieden wir uns für heute von Nana. Ich werde die Postkarten schreiben und muß noch Reisetagebuch vervollständigen.

Campingbusreisende am 11 Mai 2017 16:36:40

Mittwoch, 25.5.: ქუთაისი (Kutaisi) ► გორი (Gori) ► უფლისციხე (Uplistsikhe) ► ქუთაისი (Kutaisi) Georgien, 408 Tageskilometer
Heute starten wir so um 8.30 Uhr. Es ist herrlich sonniges Wetter. Vorn an der Ecke steigt wieder Nana zu. Frank hat zu Hause im Internet ein Foto gesehen: Ein kleines Haus, vollkommen unzugänglich auf einer hohen einzeln stehenden Felsnadel. Er möchte dort hin. Es war aber in keinem Reiseführer zu finden. Nana weiß sofort wovon er redet. Wir fahren ca. anderthalb Stunden, zwischendurch auch mal über eine dermaßen schlechte Straße, dass wir dort mit den Rädern ganz vorsichtig die Tiefe der Wasserlöcher ertasten müssen.

Khatski Pillar ist ein Eremitenkloster und ist nur über in den Fels geschlagene Steigeisen erreichbar. Hier wohnt ein Mönch, der aller Zivilisation entsagt hat. Er empfängt auch keinen Besuch, er lebt nur noch mit Gott und sich alleine. Er soll jetzt so um die 70 Jahre alt sein. Wir parken auf einer Waldlichtung und machen ein paar sehr schöne Fotos vom Ein-Mann-Kloster. Dann fahren wir weiter in Richtung Gori, um uns das Stalinmuseum anzusehen. Wieder an dem schlechten Straßenstück angelangt, sehen wir einen Geländewagen schräg über dem Straßenrand hängen, zwei Räder in der Luft. Ein LKW hat schon gehalten und hängt ein langes Seil an.

Später sehen wir in einem Dorf am Straßenrand unendlich lange Stände mit Tongeschirr und Amphoren in allen Größen. Im nächsten Dorf folgen Holz- und Korberzeugnisse, danach Seilerwaren, wie Hängematten und Hängesessel. Dann Stände mit Gemüse und Obst: Kirschen, Erdbeeren, Pfirsiche, Äpfel, so weit das Auge reicht. Oft sind die Kirschen zu einem Zopf geflochten. Wir probieren noch ein nur hier in der Gegend hergestelltes Brot.
Nana fragt noch einmal, ob wir uns das Stalinmuseum wirklich antun wollen. Ja, das möchten wir. Das Museum ist mitten in der Stadt, Nana kennt sich hier aber nicht so gut aus und in den Städten gibt es keinerlei Beschilderung. Am Stadtrand von Gori fragt sie deshalb nach dem Weg und wir nehmen den befragten Mann in unserem Auto mit. Er möchte auch in die Innenstadt und führt uns bis ans Stalinmuseum. Ein stattliches Gebäude mit großem Eingangsbereich, großer Innentreppe und rote Teppichen, Verzierungen, polierten Steinflächen. Als wir zunächst einmal über einen langen dunklen teppichbelegten Gang zur Toilette gehen, erinnert mich das Bild an den Film „Hotel Lux“.

Stalinmuseum

Unsere Führung (nur für uns allein) ist in Landessprache, aber Nana bekommt freien Eintritt, um für uns zu übersetzen. Die Führung beginnt an der großen Treppe, wo schon überlebensgroß die Statue von Stalin steht. Es werden hauptsächlich Bild- und Schriftmaterial gezeigt, sowie persönliche Dinge von Stalin. Das Ganze erinnert an Wandzeitungen, uns wohlbekannt aus sozialistischen Tagen. Im Saal in dem die Geschenke aller Staaten der sozialistischen Welt an Stalin aufbewahrt werden, fragen wir nach Dingen aus der DDR. Es wird uns eine Vitrine gezeigt mit einem Reliefbild aus Metall, das den Fernsehturm und den Palast der Republik zeigt. Auf unseren Einwand, dass diese beiden Gebäude erst mehr als anderthalb Jahrzehnte nach Stalins Tod entstanden sind, eiert die Museumsmitarbeiterin herum.
Wir sind verblüfft. Unser Eindruck ist: auch 25 Jahre nach der Wende und Zerfall der Sowjetunion wird das Ganze immer noch vollkommen realitätsfremd dargestellt. Auch in Georgien hat Stalins Herrschaft vielfachen Tod und unendliches Leid über die Menschen gebracht. An dieses Kapitel wird nur sehr klein und oberflächlich in einem an einen Abstellraum erinnernden Kabuff unter der großen Foyertreppe gedacht. Dieser wird nur auf Nachfrage geöffnet. Die Mitarbeiterin versichert uns aber, dass in nächster Zeit eine wissenschaftliche Kommission die Ausstellung neu überarbeiten soll. Nana sagt uns nachher, diese wissenschaftliche Kommission arbeitet schon sehr lange. Bisher ohne Ergebnis, wie man sieht. Stalinverehrer aus der ganzen Welt strömen in das Museum. Es arbeitet ohne staatliche Zuschüsse. Man ist wohl nicht sehr interessiert an einer realitätsnahen Darstellung der Person Stalins.

Stalins Geburtshaus


In diesem Bett soll Stalin geboren worden sein


Stalins Klo im Regierungszug

Wir schauen noch auf dem gleichen Gelände das mit einer Art Tempel überbaute Geburtshaus von Stalin, sowie Stalins Eisenbahnwaggon aus dem Regierungszug an, mit dem Stalin mit seinem Gefolge unter anderem auch zur Potsdamer Konferenz fuhr. In dem Waggon ist alle Einrichtung wie Küche, Möbel, Badewanne, Klo, vollkommen original erhalten.
Bevor es weiter geht, kaufen wir noch gutes georgisches Steinofenbrot ein. Es wird an der Tonwand des Ofens gebacken.

Wir folgen einem Vorschlag Nanas, und fahren nach Uplistsikhe, einer Höhlenstadt. Es war früher wohl eine heidnische Kultstätte, dann Wohnstadt mit Theater, Apotheke, einer Wasserversorgung, dann Kloster. Sehr beeindruckend. Auch die ganze umliegende Landschaft besteht aus diesen Felsen, mit nur spärlichen Bewuchs. Wir haben längst die Wasserscheide Georgiens hinter uns gelassen. Nordwestlich davon fließen die alle Flüsse ins Schwarze Meer, südöstlich nach Aserbaidshan ins Kaspische Meer, oder sie versickern unterwegs. Diese Wasserscheide ist auch die Klimagrenze zwischen den Subtropen am Schwarzen Meer und den trockenen Hochebenen.








Nun geht es wieder zurück nach Kutaisi. Unterwegs kaufen wir nochmals das so leckere Gewürzbrot und essen es noch ganz warm und erwerben noch einen Tontopf zum Kochen von einem dieser zahlreichen Stände. An einem Rasthaus an der Straße füllen wir Wasser in unseren Frischwassertank. Es scharen sich einige Georgier um uns und es gibt eine kleinen Small-Talk. Wir sind ja momentan in der günstigen Position über Nana alles gedolmetscht zu bekommen. Etliches verstehen wir aber auch wegen unserer Russischkenntnisse. Die meisten Georgier versuchen Ausländer erst einmal in Russisch anzusprechen. Jetzt gehen unsere zwei Tage mit Nana, die wir schon in unser Herz geschlossen haben, zu Ende. Sie hat uns mit ihrer offenen, freundlichen Art Land und Leute ein ganzes Stück näher gebracht. Das hätten wir nicht missen wollen. Und so soll man es für immer in warmherziger Erinnerung behalten. Von Nanas Vater bekommen wir noch vom selbst gemachten Wein abgefüllt. Wir verabschieden uns von ihr, essen noch Abendbrot und nächtigen ein letztes Mal vor dem Haus, am Ende der Straße, in dem schon seit den 90ern Flüchtlinge aus Abchasien wohnen. Das Haus ist eigentlich ein Kurhotel aus sowjetischen Zeiten. Aber dann nahm die Geschichte bekanntermaßen einen anderen Verlauf. Nana hat übrigens am ersten Abend auf Wunsch ihres Vaters extra einen Freund hier in dem Haus angerufen, damit er nach unserem Auto schaut. Wir sehen noch dem abendlichen Viehtrieb zu.

Jeder der es irgendwie ermöglichen kann hält sich, auch hier in der Stadt, eine Kuh als Milchlieferant oder Schwein und Ziege als Fleischlieferanten. Man ist auf Selbstversorgung und Tauschwirtschaft angewiesen. Frühmorgens werden die Tiere aus dem Grundstück gelassen und laufen überall frei herum um sich selbst ihr Futter zu suchen. Abends werden sie wieder hereingeholt. Die Grundstücke selbst sind sorgfältig eingezäunt, damit die Tiere in den Obst- Gemüse- und Weingärten keinen Schaden anrichten.

(Nächster Teil folgt....)

Campingbusreisende am 12 Mai 2017 18:35:10

Donnerstag 26.5.: ქუთაისი (Kutaisi) ► ბათუმი (Batumi) Georgien, 144 Tageskilometer
Ab heute fahren wir wieder in Richtung Westen. Ziel für heute Abend ist der botanische Garten Batumi. Ein schöner sonniger Morgen, wir finden uns entgegen Franks Bedenken mit Glück schnell aus der Stadt Kutaisi heraus. In der Stadt gibt es keinerlei Richtungsbeschilderung an den Straßen.
Immer mal ein Fotostop, Kühe wie immer und später Ziegen. Dann eine Straße wo eine Autowerkstatt an der anderen liegt. Die Höfe voller skelettierter Blechkisten, die anscheinend als Ersatzteilspender dienen. Ich weiß nicht, ob ich hier mein Auto reparieren lassen würde. Oder können die es gerade erst recht?
Plötzlich sehen wir in einem Privatgarten eine schöne große Wand aus Terrakottafiguren. Wir halten und Frank fragt den Besitzer, ob er Fotos machen kann. Der Gartenbesitzer erklärt auf russisch das dies ein Denkmal zum Andenken an die Helden des Großen Vaterländischen Krieges (2.Weltkrieg) sei. Er habe die Fläche gekauft und das Denkmal eben in seinen Garten integriert. Wenn die Georgier angesprochen werden, sind sie redselig. Wir werden gefragt woher wir kommen. Wie viele Kinder wir haben usw.


Wir fahren auf einen Hügel und haben eine schöne Übersicht über die Ebene bis zum großen Kaukasus. Leider ist es hier in den Subtropen bei schönem Wetter immer diesig und die Fernsicht auf die Schneegipfel getrübt.


Gegen Mittag halten wir an und ich kaufe Saft und Brot. Ich schlage mich mit meinem russischen Lebensmittelwortschatz ganz gut.
Am Strand von Kobuleti, an dem wir auf dem Hinweg gemeinsam mit dem Schweizer Mobil übernachtet haben, machen wir Mittagsrast. Auf dem gegenüberliegenden Campingplatz, auf dem kein Gast zu sehen war, als wir auf dem Herweg vorbeikamen, erblicken wir jetzt ein weißes Womo. Ich sehe Schweizer Kennzeichen. Da kommt uns ein Mann mit Hund entgegen. Er erzählt uns, dass er schon mehrmals für 2 Monate in Georgien war. Er ist alleinreisender Pensionär. Es ist jetzt das dritte Womo außer uns, was wir in Georgien sehen.
Wir stehen am Meer in der Sonne. Ich überlege, ob ich baden gehen sollte, aber die Wellen sind recht hoch und wir haben da in Korsika schon einmal sehr schlechte Erfahrungen machen müssen. So kochen wir erstmal georgische Kartoffeln mit Bohnen. Lecker! wir genießen unseren einsamen Strandplatz und das Essen und relaxen in unseren Campingstühlen. Dann muß mal der große Hund, der sich schon lange ganz vorsichtig genähert hat mit einem klaren Befehl vertrieben werden. Hier gibt es viele herrenlose Hunde. Sie werden aber fast alle mit einem staatlichen Programm geimpft und dann mit einer Ohrmarke versehen. Sie haben bestimmt schon Böses erlebt und sind deshalb sehr scheu.
Weiter geht’s. Wir stoppen noch mal an einer alten Festung und haben einen wunderbaren Blick aufs Meer. Wir nähern uns dem botanischen Garten. Wir fahren einen schmalen Weg an Feldern vorbei und zwischen kleinen Häuschen unter einer Leine voller Wäsche durch. (Schade, nicht fotografiert) Dann sind wir da und werden durch ein großes Tor auf den Beschäftigtenparklatz auf dem Gelände gelassen. Der Eintritt kostet für uns mit der Übernachtung im Garten 30 Lari ( ca. 12€). Auf die schöne Campingwiese im Garten dürfen wir leider nicht fahren. Warum, erschließt sich uns wegen Verständigungsschwierigkeiten nicht.
Es gibt gerade einen warmen subtropischen Regenschauer, deshalb machen wir uns mit Schirm auf in die Welt der Botanik. Der Garten erstreckt sich sehr weitläufig über mehrere manchmal sehr steile Hügel direkt am Meer. In allen möglichen Ländern haben wir schon eine Vielzahl von Botanischen Gärten besucht. Dieser hier ist mit weitem Abstand der größte. Er ist in verschiedene Zonen unterteilt: Nordamerika, Asien, Australien, ein schöner japanischer Garten. Überall stehen Pavillions und Bänke aus dicken Bambus zum ausruhen und träumen. Es gibt Zeltplätze, Grillecken und einen alten Bahnhof direkt am Strand. Wir treffen zwei junge Männer. Der eine ein Einheimischer, der andere aus Münster, studieren hier in Georgien in Tiblissi. Ich habe beide schon unten am Strand am alten Bahnhof im Meer baden sehen. Nach langer Wanderung sind wir wieder am Auto, und lassen mit Beine baumeln, Kaffee, Musik, Buch den Tag ausklingen.



Campingbusreisende am 14 Mai 2017 15:42:48

Zwischen Pontischen Gebirge und Schwarzen Meer

Freitag, 27.5.: ბათუმი (Batumi) ► Kloster Sümela ► Maçka Türkei, 206 Tageskilometer
Wir verlassen den Platz im Botanischen Garten und fahren zu türkischen Grenze bei Sarpi. Wir kommen gut durch, flotte, freundliche Abfertigung, keine Wartezeit wie bei der Einreise. Vorher haben wir an einer Tankstelle unser letzten Laris vertankt. Wir sind wieder auf türkischer Seite und fahren lange am Meer. Jetzt funktioniert auch unser Navi wieder. Ich habe ja auf der Hinfahrt im Regen schon einen Delfin springe sehen. Heute scheint die Sonne und - wir haben Glück, wir sehen gleich jede Menge Delfine springen! Später kommen wir wieder durch große Städte entlang der Küste. Unser Ziel ist das Kloster Sümela in den Bergen in der Nähe von Trabzon, einer großen Stadt, in der wir uns erst mal verfahren, weil das Navi den neuen Abzweig der Stadtautobahn nicht kennt. Wir fahren mitten durchs Gewimmel und finden den richtigen Weg. Sehen auf der Strecke zum Kloster auch einen Platz wo wir heute Nacht stehen können. Aber zuerst möchten wir das in den Felsabhang gebaute Kloster ansehen. Schon der Weg dorthin ist ein Erlebnis. Die Straße wird immer enger und kurviger. Eine tiefe Schlucht mit reißendem Fluß und Wasserfällen von allen Seiten. Das ganze Gebiet ist als Nationalpark ausgewiesen.

Wir laufen das letzte steile Stück über verwurzelte Felsensteige. Als wir oben angekommen sind sehen wir: das Kloster ist wegen Sanierung geschlossen. Sehr schade! Es ist großes Kloster in außergewöhnlich spektakulärer Lage an den Felsen geklebt. Das hätten wir uns sehr gerne angesehen. Auf dem ganzen Weg kein Hinweis auf die Schließung.

So laufen wir wieder runter und trinken bei einem Händler am Weg einen Tee. Dort treffen wir auch auf eine Familie aus Saudi-Arabien. Ein Mann mit einer tiefschwarz voll verschleierten Frau und zwei Kindern. Man versucht sich zu unterhalten. Dreieckstalk zwischen türkischemTeeverkäufer, Saudi und uns Deutschen. Deutschland wird von ihnen, wie auch von anderen unterwegs in der Türkei, zuerst mit Fußball in Verbindung gebracht. Es fallen sofort die Namen der bekanntesten deutschen Klubs und Fußballstars. Auf dem weiteren Weg nach unten halten wir noch einmal und kaufen wenigstens eine Ansichtskarte vom Kloster und ein Tuch für unsere Tochter. Das habe ich so schick gefunden an anderen Mädels unterwegs. Ich finde ein schönes grünes, das sicher gut aufs rote Haar passt. Wir fahren auf den von uns ausgesuchten Übernachtungsplatz an einer Forellenfarm, sitzen jetzt mitten in der Natur am Fluß zwischen Bäumen und teilen uns die Wiese mit einer Gänsefamilie. Wir schlürfen unseren Kaffee und Tee und es geht uns gut. Das heißt momentan eigentlich mir. Frank hingegen muß ein Bremslicht reparieren und das ist nicht leicht. Hinten ist alles verbaut, es ist schlecht heranzukommen. Aber alles geht gut. Das Bremslicht funktioniert wieder, Frank hat von den Verrenkungen keinen Hexenschuß bekommen und die Gänsefamilie hat das Werkzeug nicht gefressen.
Gegen Abend überlegen wir uns: wenn wir schon an einer Forellenzucht stehen, sollten wir auch welche essen. Wir gehen also in das Restaurant neben unserem Platz und schlagen mal richtig zu. Der Chef versteht unsere Bestellung nicht. Ein Gast vom Nebentisch spricht perfekt englisch und wird hinzugezogen. Wir bestellen also Forelle, eine Schüssel Blattsalat, Gurken, Tomaten, Zwiebeln in Essig und Öl, Wasser und Weißwein. Dazu gibt es sehr schmackhaftes Brot. Dann kommt der Kellner mit einem Riesentablett voller Schälchen mit verschiedenen Antipasti und Aufstrichen. Ich hatte schon gedacht, er will uns das alles dalassen. – Nein, wir suchen uns eine Art Zaziki und eine Schale Mangold in Öl und Zwiebeln aus. Dann kommt unsere Forelle in einer Eisenpfanne angerichtet, mit Knobi, Tomaten, Paprika, Zwiebeln im eigenen Saft. Alles schmeckt sehr gut. Der Weißwein ist in Maischgärung hergestellt, wie wir es in Georgien kennen gelernt haben. Zum Schluß noch einen echt türkischen Espresso. Wir können nicht mehr...und werden sicher auch nach 24 Stunden so nach Knoblauch stinken, dass kein Insekt sich in unsere Nähe wagt. Inzwischen hat es angefangen zu regnen, aber wir gehen trotzdem noch duschen, wenn wir schon die Gelegenheit dazu haben. Das tut gut. Dann fallen wir ins Bett. Nachts werden wir noch vom telefonischen Hilferuf unserer Tochter geweckt. Es ist nach türkischer Zeit nach 24°° Uhr. In Deutschland also eine Stunde zurück. Unsere Tochter ist von ihrem Studienort nach Hause gekommen und hat im Gegensatz zu uns kein warmes Wasser. Alle per Telefon gegebenen Ratschläge laufen ins Leere, Frank kann auch nicht weiter helfen.

Klaus52R am 14 Mai 2017 16:02:44

Hallo Birgit und Frank!
Wow, was für eine ausführliche Beschreibung! Danke! Werde die jetzt auch nochmals Stück für Stück durchlesen. Wir werden im September in Georgien sein, auf der Rückreise aus der Mongolei.

Campingbusreisende am 14 Mai 2017 16:55:38

Hallo Klaus,
der Bericht ist ja noch nicht zu Ende.
Aber dein "auf der Rückreise aus der Mongolei" hört sich noch spannender an. Wir hoffen irgendwann schaffen wir es auch mal bis dorthin. Dann wenn wir ganz viel Zeit haben.

Gruß
Frank

Campingbusreisende am 15 Mai 2017 15:11:42

Samstag, 28.5.: Maçka ► Sinop (Türkei), 537 Tageskilometer
Nachdem wir noch mal schön geduscht, Haare gewaschen, gefrühstückt, Wasser, Abwasser, Toilettenentsorgung, Müll erledigt haben, geht’s los, wieder in Richtung Küste. Es regnet wieder etwas. Wir fahren aus den Bergen in Richtung Trabzon. Es ist gerade 8°° Uhr. An einem kleinen Laden am Straßenrand halten wir an und kaufen ein. Die vielen Läden entlang der Straße sind alle offen, aber es brennt kein Licht. Als wir hineingehen, kommt der Ladenbesitzer und schaltet das Licht ein, als wir gehen wieder aus - sparsame Leute.
Ab Trabzon geht es immer die Küste entlang. Das Wetter wird erstmal wieder besser. Dann wieder schlechter. Mittags halten wir in der Nähe von Terme. Es ist rein zufällig fast die Stelle, an der wir auf dem Hinweg abends im Köfte-Restaurant gesessen und dann auch über Nacht gestanden haben. Und dann fahren wir so richtig in die Regenfront ein. Genau in der Gegend, in der auch auf dem Hinweg schon solches Mistwetter war. Überall schießen überfüllte Flüsse ins Meer. Das Meerwasser färbt sich stellenweise scharf abgegrenzt schlammig braun.





Ab Samsun wird es extrem. Es hat hier seit unserer Hinfahrt anscheinend nicht aufgehört zu regnen. Überall sind die Felder und Wege voll Wasser. In Bafra laufen die Läden entlang der Straße schon voll. An einigen Stellen stehen die Straßen soweit unter Wasser, dass wir gerade noch durchfahren können. Kleinere PKW sind schon abgesoffen. Wir fahren zum Campingplatz Sinop, außerhalb der Stadt, direkt am Strand gelegen. Der erste und einzige „richtige Campingplatz“ den wir in der Türkei auf unserer Route bisher gesehen haben. Auf dem Herweg als wir hier vorbeikamen hatte er noch geschlossen. Jetzt brennt Licht an der Leuchtwerbung. Drin stehen drei Wohnmobile.
Es ist kein Personal zu sehen. Wir schieben das Tor auf und fahren auf den Platz. Der Holländer aus einem der drei Mobile hat auch noch kein Personal gesehen, hat aber schon auskundschaftet, dass eine der Duschzellen offen ist, und auch Warmwasser läuft. Vielleicht ist ja morgen jemand da. Wir stehen direkt am Meer und gehen etwas am Strand spazieren. Es stürmt und regnet, wir sind dann ans Auto gefesselt. Vielleicht wird’s morgen besser.

Campingbusreisende am 16 Mai 2017 16:41:04

Sonntag, 29.5.: Sinop ► Akkonak (Türkei), 306 Tageskilometer
Heute am Morgen sieht das Wetter etwas besser aus. Zwar ohne Sonne, aber mit leicht aufbrechender Bewölkung, ohne Regen.
Wir wollen heute die alte Küstenstraße in Richtung Amasra befahren. Die Ausblicke sind wunderschön und spektakulär. Es regnet nicht mehr und wird heller. So fahren wir bis abends mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30-40 km/h - ein Ausblick ist schöner als der andere – die Berge hoch und runter, teilweise mit enormen Steigungen und Gefälle. Manchmal lange Strecken nur mit dem 1.Gang zu schaffen.




Unterwegs treffen wir einen alleinreisenden Österreicher mit Schäferhund. Wir reden eine Weile. Er ist bereits vier Wochen unterwegs mit seinem VW T3 California. Er war auch in Kappadokien, meinem Traumziel für nächstes Jahr. Wir suchen den Camping Akkonak und finden ihn durch Zufall. Auf dem Weg dorthin sehen wir ein europäisch aussehendes Radfahrerpaar, er mit Liegerad. Das bei diesen Bergen! Wir kommen den Schildern folgend in einem kleinen Dörfchen auf einen gepflegten Platz im Garten eines älteren türkischen Ehepaares, mit Tischen, Bänken, Zeltwiese, Dusche/WC direkt auf der Steilküste über dem Meer. Die ganze Hausfassade, Gartenmauer, und anderes sind mit kleinen braunen Steinchen, die vom Meer flach und rund gewaschen sind, verblendet. Das Ehepaar ist liebevoll bemüht um uns, wir sind erst mal die einzigen Gäste. Dann kommt auch noch der Österreicher an. Den Meerblickplatz haben wir schon belegt. Wir machen einen Spaziergang an den Strand genau unter uns. Wir nehmen einen spektakulären Abgang. Später tuckert ein Boot in die Bucht, um irgendwelche Netze und Reusen auszulegen.

Inzwischen geht die Sonne unter – blutrot. Wir sind inzwischen einen besseren Weg wieder nach oben gegangen und sitzen beim Abendbrot aus eigener Küche, Bratkartoffeln mit Aubergine, Zwiebeln georgischem Käse und Tee. Nachts regnet und gewittert es mächtig. Ich denke: nein nicht schon wieder!

Montag, 30.5.: Akkonak ► Amasra ► Akçakoca (Türkei), 216 Tageskilometer
Keine Spur mehr von Regen, der Himmel ist wolkenlos. Wir frühstücken draußen, die Soinne scheint uns auf den Rücken, der Blick geht aufs Meer, von den Hunden aus allen Nachbarhäusern umringt. Sie schauen uns erwartungsvoll an. Wir bleiben hart, die Hunde aber auch.

Wir stoppen in den Bergen und schauen auf Amasra herunter, einen schönen, gerade erwachenden Urlauberort mit Hafen und zum Weltkulturerbe zählenden Festungsring auf mehreren Inseln und sehr alten Häusern, die aber nicht sehr gepflegt sind. Wir fahren in die Stadt hinunter und zahlen auf dem Hafengelände 10 Lira (ca. 3,30€) Parkgebühr. Wenn ich bedenke, dass hier ein Brot 0,50 Lira kostet. An der Parkgebühr und an der Geldautomatendichte merkt man: wir sind inzwischen wieder in touristisch erschlossenen Gebieten angelangt.




Wir bummeln eine Weile durch den Ort und entdecken ein Lädchen mit türkischen Leckereien, testen verschiedenes, sehr Süßes und kaufen getrocknete Aprikosen. Der Verkäufer kann ein wenig deutsch, er hat für eine türkische Firma als Bauarbeiter in Deutschland gearbeitet. Wir laufen durch eine in zwei Stufen innerhalb der Festungsmauern angelegte genuesische Siedlung aus dem achten Jahrhundert, wo auch heute noch Menschen leben.
Weiter fahren wir nun zur römischen Stadt und Festung Tios bei Filyos. Wir haben das als historische Ruinenstätte in der Karte markiert gesehen. Gefunden haben wir es dann aber nur, weil es auf einem Hügel über dem Meer liegend weithin sichtbar ist. Hier ist nichts ausgeschildert. Von der Straße aus versuchen wir einen Weg, der in diese Richtung führt. Er ist zwar arg zugewuchert und Dornengesträuch kratzt rechts und links am Auto, aber wir haben Glück und kommen nach ca. 1,5 km genau vor einem antikem Stadttor zu stehen. Wir laufen durch den Torbogen, als wir unseren Kuchen aus der Bäckerei Amasra gegessen haben. Eintritt wird hier anscheinend nicht erhoben. Auf der Terrasse eines kleinen Häuschens sitzen mehrere junge Männer und ein Polizist und essen.
Auf einer großen Tafel erfahren wir, dass es sich hier um Tios einer wichtigen Stadt der römischen Provinz Pontien handelt. Eine riesige Stadt mit Festung, Theater, Tempeln, Wohnsiedlungen und Viadukt, Teilweise schon ausgegraben, teilweise noch verschüttet oder schon wieder überwuchert. Von hier oben, der Festung hat man einen wunderschönen Blick. Im hinteren Bereich der Festung wird gerade ausgegraben und freigelegt, durch die Leute, die gerade beim Mittag saßen. Als wir dorthin laufen, kommt der Polizist und schickt uns zurück. So gehen wir wieder zum Auto.



Ich bleibe vor dem Torbogen stehen und mache noch Fotos von Frank mit dem durchfahrenden Auto. Da kommt einer der Leute hinter mir her und will mit uns reden – woher, wohin. Er sagt, er sei Archäologiestudent und arbeitet hier mit den anderen an der Ausgrabung und Untersuchung des Geländes. Dann kommt eine Schildkröte des Weges und wir fotografieren erst mal.
Auf der Weiterfahrt kommen wir durch Gebiete, wo Kohle abgebaut wird, Stahlwerke und Zementfabriken stehen und Schiffswerften. Alles sehr schmutzig. Die Straßen in den Orten werden von Fahrzeugen mit Wasser besprüht, um den Staub zu binden. Der Platzeigentümer unseres nächsten Übernachtungsplatzes erzählt uns dann, dass in einer Mine die Kumpels im Streik sind, weil sie schon drei Monate keinen Lohn erhalten haben.
Immer noch fahren wir durch riesige Industriegebiete mit vielen Wohnsiedlungen: Kilimli, Zonguldak, Kozlu, Ereğli, mit hunderttausenden von Einwohnern. Zwischendurch wieder mal die Berge der Steilküste mit schlechten kleinen und sehr steilen Straßen. Später fahren wir auf neu gebauter Autobahn. Wir kommen zum heutigen Endziel Akçakoca. Den ersten Platz, den wir uns im Internet ausgesucht haben, gibt es nicht mehr. Wir biegen zum Glück nicht in die beschriebene Gasse ein. Das Auto bleibt auf der Hauptstraße stehen und wir erkunden zu Fuß. Der Weg geht unwahrscheinlich steil und schmal nach unten und endet als Sackgasse ohne Wendemöglichkeit. Der Platz ist inzwischen anscheinend anderweitig bebaut worden. Wer hier mit dem Womo hinunter fährt, sitzt in der Falle.
So suchen wir einen anderen Platz unten am Fluß. Wir suchen und fragen. Da steht an einem geschmückten Grundstück, das sich später als neu eröffnete Fischkneipe herausstellt, ein Mann, der gut deutsch spricht. Er erzählt uns, er war lange in Hamburg, hat bei Airbus gearbeitet. Der Platz den wir suchen ist sein Grundstück, eine Haselnußplantage mit großer Wiese, seinem Wohnhaus mit Duschen und WC im Erdgeschoß, genau gegenüber. Er hat hier schon viele Womos, auch Gruppen empfangen. Wir fahren hinüber, er setzt sich zu uns vor das Auto und wir reden länger. Er erzählt uns viel über Land und Leute, schönste Gegenden in der Türkei und gefährliche. Er sagt auch, dass viele Touris dieses Jahr wegbleiben, weil sie Angst vor IS und PKK-Anschlägen haben. Aber hier an der Schwarzmeerküste sei es ruhig und ungefährlich. Auch ist es für ihn nichts Besonderes nach Georgien zu reisen. In Deutschland wird das wohl anders gesehen. Es ist immer schön, auf solche Menschen zu treffen. Bei schlechtem Wetter kommt das oft zu kurz. Wir haben heute wieder viel erfahren. Die Türken sind zurückhaltende Menschen. Wenn du etwas wissen willst, musst du auf sie zugehen und fragen, alle Probleme werden dann gelöst. Fragst du nicht, nimmst du deine Probleme mit nach Hause. Ich denke, jetzt wo ich hier bin: es stimmt!
Zum Abendessen braten wir Reis mit Auberginen, Zwiebeln und Ei und trinken unseren georgischen Wein. So sitzen wir noch, ich schreibe die Erlebnisse des Tages auf und wir kämpfen zum ersten Mal auf dieser Reise gegen die Mücken. Die setzten sich ganz frech auf unsere Autan-Flasche. Ich vertrete sowieso die Theorie, dass man in jedem Land das landeseigene im Land hergestellte Mückentötolin braucht, sonst finden sich die Mücken nicht zurecht.

Campingbusreisende am 17 Mai 2017 16:34:35

Dienstag 31.5.: Akçakoca ► Acarlar Longozu Park ► Ağva ► Akçakese (Türkei), 165 Tageskilometer
Heute ist es früh schon sehr heiß. Frank macht Frühstück und ich gehe duschen. Mein Fön schallt durch den Garten. Dann befüllen und leeren wir das Womo. Säubern etwas, hier haben sich doch einige Sande angesammelt. Den georgischen haben wir schon ausgekehrt. Wir fahren erst mal in die Innenstadt von Akçakoca und nehmen Erol, den Platzeigentümer, im Auto mit. Heute ist Markttag.

Wir schlendern über den Basar um zu schnuppern und unseren Kühlschrank aufzufüllen. Erol erklärt und übersetzt für uns und handelt die Preise aus. Wir kaufen bei den Bauernfrauen Eier, verschiedenes Gemüse, und ein großes schweres helles Bauernbrot mit schwarzen Sprenkeln, die gegen den bösen Blick helfen sollen. Unser freundlicher Helfer begleitet uns noch zum Metzger. Wir verabschieden uns danach von ihm.
Dann fahren wir los, in Richtung Karasu, immer die Küste entlang. Der Straßenzustand wechselt von klein und schlecht dann mal wieder auf breite autobahnähnliche Straße. Bei Denizköy geht die Straße dann etwas ab von der Küste. Hier ist der Acalar Longozu Park, einem Naturreservat. Im Zugangsbereich das typische Touristenfeeling: Imbiss, Eis, Souvenirstände. Aber dann laufen wir ganz allein einen langen Holzsteg an einem träge dahin fließenden Fluß entlang. Jede Menge Seerosen, Wassergeflügel. Weiter hinten bestellt gerade ein älteres Paar ein Feld mit Stangenbohnen, die man hier oft sieht. Der Mann grüßt freundlich in deutsch herüber. Er hat uns anscheinen reden gehört.
Unsere Fahrt führt uns in der Mittagshitze weiter über kleine verwahrloste Dörfer, kein Schatten. Dann finden wir unter einem großen Baum am Straßenrand ein schattiges Plätzchen und essen erst einmal Mittag. Ein Bauer auf seinem Traktor kommt vorbei und grüßt. Als er wieder zurückkommt, hält er an und schenkt uns ein paar gerade geerntete Gurken. Das ist türkische Gastfreundschaft.
Die Landschaft verändert sich. Weniger Haselnußsträucher, weite offene hügelige Landschaft mit Büschen, steinig. Riesige planierte Schneisen mit großen schwarzen Rohren, eine Pipeline wird gebaut, wieder auch neue Autobahn.
Ağva ist ein kleines anscheinend voll auf inländischen türkischen Tourismus ausgerichtetes Städtchen, jetzt noch vor der Saison. Wir kurven einmal durch den Ort, finden es nicht so interessant, und fahren außerhalb des Ortes an den sehr breiten Sandstrand. Es ist heiß, kein Schattenplätzchen weit und breit, unsere Strandwanderung fällt sehr kurz aus.
Bei Akçakese fahren wir in eine kleine Ferienanlage. Hier ist wilder Westen angesagt. Ferienhütten, Restaurant, sonstige Gebäude, alles im Western-Stil. Man ist noch dabei alles zu putzen und für die Saison herzurichten. Die Rezeption ist verschlossen. Wir finden jemanden, der mit dem Chef telefoniert. Er gibt Frank das Handy, man spricht deutsch. 80 Lira will er haben – zu teuer. Wir handeln und bekommen für 50 Lira einen schattigen Platz unter einem großen Feigenbaum vor dem Pferdegehege. Wir sind die einzigen Gäste. Später kommt der Besitzer und setzt sich zu uns vors Auto. Er war Anwalt, und hat jetzt sein Betätigungsfeld gewechselt. Er lebt seinen Cowboytraum. Gern würde er mal zu den echten Cowboys reisen. Aber allein? Jetzt mit 76 Jahren (er sieht aus wie 60) sei er etwas ängstlich geworden. Mit seinem Sohn, der ebenfalls Anwalt ist, wie seine Tochter auch, würde er es tun.
Er meint die Zahl der ausländischen Campingtouristen in der Türkei sei stark zurückgegangen. Aber schon seit Langem, seit dem Jugoslawienkrieg Anfang der 90er hat sich das nicht wieder erholt. Auch die heutige Politik der Türkei und das Verhältnis zu Deutschland ist, wie gestern auch schon, ausgiebiges Thema.
Zum Abschluß erklärt er uns wie der Türke seinen Tee zubereitet. (Wir haben heute Morgen für unsere Tochter einen türkischen Teekessel auf dem Markt gekauft.) Also: Zuerst füllt man den unteren größeren Kessel mit Wasser. Den Tee, ca. zwei Löffel voll, gibt man ohne Wasser in den kleineren Kessel und stellt ihn auf den Großen. Nun setzt man das Ganze auf ein Feuer oder Herd, das Wasser im unteren Kessel wird zum Kochen gebracht und der trockene Tee im oberen Kessel entfaltet sein Aroma. Dann erst wir aus dem unteren Kessel Wasser auf den Tee im kleinen oberen Kessel gegeben. Das Ganze wird wie vorher aufeinander gestellt, der Tee muß bei geringer Wärmezufuhr ziehen. Der Tee wird aus kleinen Gläsern getrunken. Jeder mischt sich aus dem Teekonzentrat des kleinen Kessels und dem Wasser des großen Kessels des Getränk nach seinem Geschmack. Wir bedanken uns für diese Informationen.
Gegen Abend – durch die Gespräche ist es ist sehr spät geworden – gehen wir zum Strand. Paradiesisch. Eine kleine Bucht Sandstrand, märchenhafte Felsen in Feengestalt ragen rechts und links ins Meer. Malerisch!


Nach dem Spaziergang braten wir unser Fleisch, essen dazu das tolle Brot vom Markt und trinken noch mal georgischen Wein, Um uns herum quaken gefühlte tausend Frösche.

Campingbusreisende am 18 Mai 2017 17:54:32

Balkanrückreise

Mittwoch 1.6.: Akçakese ► Bosporusüberquerung ► Бисер (Bulgarien), 387 Tageskilometer
Im Leichten Sommergewand starten wir heute die Reise Richtung Bosporus und türkisch – bulgarischer Grenze. Ich bin mal gespannt, was uns verkehrsmäßig in Istambul erwartet. Es geht schon los, weit vor den Toren der Stadt. Die ersten Verkäufer von kaltem Wasser schlängeln sich zu Fuß durch zähfließende Autoschlangen auf der Autobahn. Um 11°° Uhr haben wir überraschender Weise die Bosporusbrücke schon erreicht. Den riesengroßen Stau mit absoluten Stillstand, den wir auf dem Herweg in diese Richtung gesehen haben, den gibt es anscheinend jetzt gerade nicht. 11.50 Uhr fahren wir durch die Mautstation (HGS) und alles ordnet sich allmählich.

Wir lassen die Verkäufer von Schnick-Schnack-Möven, Wasserflaschen, Brotringen, Sefi-Stäben und allem was man so auf der Autobahn braucht und nicht braucht zurück. Der Verkehr beginnt wieder schneller zu fließen. Eine Stunde weiter ist schon fast kein Verkehr mehr auf der Autobahn. Wir machen noch einen Mittags-Stop. Gegen 15°° Uhr sind wir an der türkisch-bulgarischen Grenze. die Abfertigung geht recht schnell. Die Bulgaren desinfizieren unser Fahrzeug von außen, 3 € sind dafür zu löhnen, damit wir über die Grenze dürfen. Der Zoll kontrolliert, schaut kurz unter Tisch und Bänke. Alles ok., nun sind wir in Bulgarien. Am Nachmittag finden wir noch in einsamer ländlicher Gegend unseren Platz für heute im Kleinen Ort namens Бисер. Hier hat der Fortschritt noch keinen Einzug gehalten. Aber der Platz ist gut. gemähtes Wiesengelände mit Lindenbäumen am letzten Haus des Dorfes. Der Besitzer spricht erstaunlich gut englisch – er ist Brite. Er hat das Haus gebaut, ist im Sommer Sänger in einer bulgarischen Rockband und arbeitet im Winter in Großritannien. Gegen Abend versuchen wir eine Flasche Weißwein im Dorfladen, der auch gleichzeitig Kneipe ist, zu bekommen. Aber sie haben nur Rotwein. Der Platzbesitzer kommt inzwischen von der Bandprobe wieder und schenkt uns Eier.
So sitzen wir hier auf der Wiese ganz allein, zwischen Feldern, Störchen, Schwalben, Mücken und einem Käuzchen, das sich auf einen Fenstersims hockt und uns anstarrt. Das Wetter war hier bis vor kurzem auch sehr schlecht, man sieht noch überall große Pfützen. Aber jetzt ist es heiß. Als es dann dunkel wird, sehen wir mal seit längerem wieder einen phantastischen Sternenhimmel.

Donnerstag, 2.6.: Бисер ► Бело Поље (Serbien), 372 Tageskilometer
Auch heute ist es früh am Morgen schon sehr heiß. Wir sitzen beim Frühstück schön im Schatten und lassen uns die Eier schmecken, die wir gestern geschenkt bekommen haben. Die sind übrigens von den Nachbarshühnern, die uns heute schon beim ersten Sonnenstrahl geweckt haben. Das heißt: geweckt hat uns der Hahn, die Eier sind von seinen Weibern. Wir lassen alles schön gemütlich angehen. Los geht’s gegen 9.30 Uhr in Richtung Serbien, nachdem wir uns von Matt dem Campingplatzbetreiber verabschiedet haben. Wir finden gleich zu Anfang keine Zufahrt zur neuen Autobahn und fahren eine ganze Weile nebenher. Bei Хасково ist unsere nächste Möglichkeit. Da ist alles sehr schlecht oder gar nicht ausgeschildert, so dass wir erst mal eine ganze Weile herumkreiseln. Frank brüllt erstmal, weil er denkt, er ist in die falsche Richtung gefahren. Ich muß Beruhigungsnüsschen in den Fahrer einfüllen. Er dreht wieder um, aber das sollte sich als falsch herausstellen. Schilder neu interpretieren, noch mal umdrehen. Jetzt sind wir richtig in Richtung София. Unterwegs halten wir noch zum Mittag. Da werden wir an der Raststätte von einem aggressiven Bettler belästigt, der aber von jemanden weggejagt wird. Wir bedanken uns. Da nimmt der Penner noch mal einen Anlauf. Wir machen ihm klar, dass wir höchstens Naturalien, aber kein Geld geben. Das will er nicht. Die Landschaft wird wieder hügelig und grün, dahinter hohe Berge mit Schneegipfeln, das Rila-Gebirge.

Am Wegesrand, Stadtring Sofia

Dann quälen wir uns durch Sofias schlechte Straßen und baustellenbehafteten Stadtring, passieren gegen 15°° Uhr die bulgarisch – serbische Grenze. Davor haben wir unsere 20 Lewa, die wir gestern bei Matt getauscht hatten und eigentlich für Wein gedacht waren, noch vertankt. An der Grenze geht es recht schnell. So sind wir eine halbe Stunde später schon auf dem Platz mit den Pfauen. Den einzigen Platz, den wir auch schon zur Hinreise genutzt haben. Wir spannen für den Rest des Tages aus und beobachten die Pfauen bei ihrem Balzverhalten.
Das erste Mal auf dieser Reise stellen sich Gedanken an zu Hause langsam wieder ein.

Campingbusreisende am 19 Mai 2017 15:31:18

Freitag, 3.6.: Бело Поље ► Београд (Serbien), 369 Tageskilometer
Sonne satt schon heute morgen und eine schöne Dusche nach dem Frühstück, so beginnt der Tag. Gegen 8.30 Uhr verlassen wir den Platz mit den Pfauen zum zweiten mal. Die Besitzerin winkt uns zum Abschied. Unterwegs trübt es sich ein. Um Бела Паланка regnet es, aber nur kurz. Überall wird neue Straße gebaut, planvoll, nach mitteleuropäischen Standart. Dann fahren wir wieder durch diese canyonartige Schlucht. Hier gibt es viele Höhlen in den Felswänden, wir machen Fotos. Herwärts sind wir hier im Dunkeln und bei Regen gefahren. Am Stadtrand von Belgrad stellen wir uns auf ein Campingareal auf einem Steilufer direkt über der Donau. Hier gibt es einen netten englischsprachigen Platzwart, der sich vor Lachen ausschüttet, drei Hunde, außer uns noch zwei weitere Womos und Heerscharen von Mücken. Wir spannen schön aus, kaufen noch ein in einem Gewerbegebiet. Abends wird mal wieder gekocht und gebrutzelt. Hinter uns steht ein spanischer Ford als Selbstausbau, mit Aufklebern aus vielen Ländern vom Nordkap bis Marokko, Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Türkei, alle Länder des ehemaligen Jugoslawien, Deutschland, Schweiz, Österreich und viele mehr. Auf die Besitzer sind wir gespannt. Es kommen ältere Herrschaften zum Auto. Der Mann spricht gut deutsch. Seine grüne Versicherungskarte ist abgelaufen, er hat es nicht bemerkt und viele Grenzkontrolleure auch nicht. Der jetzt von Serbien schon. Er muß auf eine neue warten. Heute hat er sie über die spanische Botschaft in der Innenstadt bestellt.
Wir müssen ins Auto fliehen, wegen der Mücken. Wir jagen noch eine ganze Weile, aber es ist ein sinnloses Unterfangen.

Samstag 4.6.: Београд ► Liezen (Österreich), 701 Tageskilometer
Frank ist etwas verschwollen im Gesicht, wegen der Mücken, auch das Bett ist blutig.
Die Sonne scheint uns auf den Frühstückstisch, den wir auf der Wiese stehen haben. So beobachten wir, wie der Campingplatzhund die auf der Trittstufe vor dem Nachbarwohnmobil abgestellten Schuhe verschleppt. Nachdem wir alles startklar gemacht heben geht’s weiter in Richtung Zagreb/Kroatien. Heute müssen wir bis Österreich kommen. Wir passieren die Grenze von Serbien zu Kroatien gegen 11.°° Uhr. Später 15.20 Uhr die Grenze zu Slowenien, noch später 17.°° Uhr sind wir in Österreich. Endziel für heute ist Liezen, eine Stadt an der Pyhrntalautobahn A9. Österreich empfängt uns mit Regen. Als wir nach Graz aus dem langen Tunnel fahren, plötzlich Dauerplatzregen. So empfängt uns auch der Ort Liezen mit seinem Platz, den wir erst einmal suchen, die angegebenen GPS-Daten stimmen nicht exakt. Ankunft 18.30 Uhr bei strömenden Gewitterregen auf dem kleinen Womoplatz an der Tennis- und Kletterhalle. Ein schön angelegter kleiner Platz für nur 4 Mobile. Wir stehen neben einem britischen Kastenwagen, mit Blick auf die wolkenverhangenen Berge, teilweise noch schneebedeckt. Wir im schönen grünen Tal mit kleinen Häusern.
Wenn da nicht die furchtbar hässliche Stadt Liezen wäre. Eigentlich ein recht kleines Städtchen, sehen wir schon bei der Einfahrt nur riesige Einkaufstempel und Firmengelände. Die Innenstadt selbst verfügt kaum noch über alte Bausubstanz, man hat hier unkontrolliert hohe Plattenbauten hingesetzt. Alles passt irgendwie nicht zueinander. Wir warten den Regen erst einmal ab und spielen drei Runden Tetris. Entsprechend dem schlechten Wetter verlaufen auch die Spiele nicht so gut. Aber dann lässt der Regen nach und wir machen uns auf in den Ort, um am letzten Abend noch mal richtig lecker zu essen. Es dauert lange, bis wir etwas finden. Das Hotelrestaurant sieht aus als ob es kurz vorm Abriß steht, und im nächsten Gasthof haben sie den Koch schon nach Hause geschickt. So landen wir statt bei gewünschtem gut bürgerlichen österreichischen Essen in einer türkischen Pizzeria mit italienisch-mexikanischer Küche. Aber man sitzt ganz gut und das Essen und der Wein munden uns auch.

Sonntag 5.6.: Liezen ► Heimatort (Deutschland), 613 Tageskilometer
Nach dem Frühstück unterhalten wir uns noch etwas mit den Briten aus Brighton, dann mal los in Richtung Heimat. Wir stoppen noch mal am Flohmarkt in der Stadt, nicht viel zu sehen, weiter geht’s. Heute ist Sonntag, ein guter Tag um zu fahren. Viel mehr werden wir auch heute nicht tun. An der österreichisch – deutschen Grenze schon ein ganzes Stück auf deutscher Seite hat die bayrische Polizei auf der Autobahn neben einer Parkplatzzufahrt einen provisorischen Kontrollpunkt eingerichtet. Auf unsrer Reise übrigens die für uns einzige sichtbare der Flüchtlingskrise geschuldete Maßnahme. Es wird zwar keiner angehalten, aber durch die Fahrbahneinengung auf eine Spur, entsteht ein riesengroßer Stau. Gegen 13.°° Uhr dann noch ein Mittagsstopp. In Gegenrichtung sind viele Wohnmobile und Wohnwagen unterwegs. Jetzt fängt wohl die Saison richtig an. Am liebsten würde ich jetzt noch einen Haken schlagen und um drei Wochen verlängern.

Soweit mein Reisetagebuch.
Alles habe ich natürlich nicht aufgeschrieben. Aus einer Vielzahl von aufgenommenen Eindrücken und Begegnungen mit vielen Menschen unterwegs soll dieses hier beispielhaft stehen.

Birgit

Ende der Reise

Campingbusreisende am 20 Mai 2017 11:02:58

Nachlese
Nach einer Reise betrachtet man die Dinge, die bereiste Länder und Landschaften betreffen anders als vorher. Man ist irgendwie Beteiligter. So hat uns natürlich die Nachricht vom Militärputsch in der Türkei sehr bewegt. Zum Beispiel die Bilder von den Panzern, die auf den Bosporusbrücken den Verkehr abriegeln. Waren wir doch vor kurzem erst dort entlang gefahren. Wir werden aufmerksam beobachten, wohin es mit der Türkei geht. Die vielen Gespräche mit netten aufgeschlossenen Menschen in der Türkei bleiben uns in Erinnerung. Die im Land vielfach uns gegenüber geäußerte Meinung: Viele der schon lange in Deutschland lebenden Türken wollen türkischer sein als es die Türkei inzwischen eigentlich ist, bewahrheitete sich mit Erdoğans Referendum.


Andere Bilder berühren uns wiederum positiv: Eine weitere Fernsehdokumentation über Georgien: Hier wurden viele Orte gezeigt, an denen wir selbst auch waren: Batumi, Mestia, Gori, Khatski Pilar. Zu letzterem wurde berichtet, dass der Einsiedler doch aus Alters- und Gesundheitsgründen schon länger nicht mehr auf seinem Felsenzipfel wohnt, sondern unten im Kloster bei seinen Brüdern.
In Mestia hätten wir uns auf einer befahrbaren Straße nur noch 5 km weiter bewegen müssen, um das 5000er Bergpanorama überschauen zu können. Schade, nicht gewußt.
In einigen Gesprächen unterwegs wurde uns ans Herz gelegt auch Armenien mit dem Wohnmobil zu bereisen. Jedenfalls haben wir jede Menge Kontakte geknüpft und mögliche Stell- und Übernachtungsplätze gesichtet um für eine eventuelle weitere Tour in diese Richtung gewappnet zu sein, oder auch anderen für ein solches Vorhaben Tipps geben zu können. Wir stellen unsere Erfahrungen gerne auch euch zur Verfügung.
Momentan sind gerade Wohnmobilreisende in Georgien unterwegs, die wir schon Ende letzten Jahres mit dieser Reise infiziert hatten. Deren Route führt unter Umgehung der Türkei über das Schwarze Meer. Die Fährverbindungen Бургас - ბათუმი (Burgas, Bulgarien – Batumi, Georgien) und Одесса - ბათუმი (Odessa, Ukraine - Batumi, Georgien) werden hierfür genutzt.


Gruß
Frank

Campingbusreisende am 05 Jun 2017 10:17:24

Hier noch etwas lesenswerte Literatur die für unsere Reise wichtig war:
Klauß/Böttcher, Unerkannt durch Freundesland, Lukas Verlag, ISBN: 978-3867320764
Nino Haratischwili, Das achte Leben, Frankfurter Verlagsanstalt, ISBN: 978-3627002084
Marlies Kriegenherdt, Georgien, Reise Know-How Verlag, ISBN: 978-3831726493

Gruß
Frank

abnachlapalma am 05 Jun 2017 11:37:45

Meine Türkeireisen fanden 1975 (Autostop bis Van), 1976 (11 Hippies in 2xT2 und 1xT1 Samba (!)), 1977 und 1979 (Kastenente) statt. Seither verfolge ich das Geschehen in diesem wunderschönen Land intensiv, aber aus weiter Ferne. Mittlerweile habe ich Freunde aus Georgien und plane eine Reise, ähnlich der eurigen. Da ich noch fünf Arbeitsjahre vor mir habe kann ich noch viel Zeit mit Vorbereitungen verbringen. Abzuwarten bleibt auch, ob sich in der Türkei politisch was verändert bis dahin. Unter den aktuellen Gegebenheiten würde ich wohl eher auf eine Reise dorthin schweren Herzens verzichten.

Vielen Dank für euren wundervollen Reisebericht und liebe Grüße von einer grünen Insel

Ödi

Campingbusreisende am 06 Jun 2017 14:36:00

Hallo Ödi,
das waren sicherlich intensive Erfahrungen, deine Reisen damals in die Türkei. Für uns war in dieser Zeit schon nach Bulgarien nur noch der große Zaun.
Jetzt wird schon wieder durch verbohrte Ideologien in allen Regionen unsere Welt enger gemacht.
Vor einiger Zeit trafen wir ein Paar, das 2010 noch eine Wohnmobiltour über die Türkei nach Syrien und Jordanien gemacht hat. Bis 2010 hätte auch ich mir noch eine komplette Mittelmeerumrundung zugetraut, jetzt praktisch unmöglich.
Manchmal habe ich den Eindruck, man muß sich beeilen, um noch einiges zu sehen, ehe es in Schutt und Asche gelegt wird.

Gruß auf die grüne Insel
Frank

Flatus am 06 Jun 2017 14:48:40

Campingbusreisende hat geschrieben:... Jetzt wird schon wieder durch verbohrte Ideologien in allen Regionen unsere Welt enger gemacht.

Genau deswegen sind wir neulich in den Iran gereist. Momentan herrscht da ja Tauwetter - aber niemand weiss, wie lange das dauern wird?

Campingbusreisende hat geschrieben: Bis 2010 hätte auch ich mir noch eine komplette Mittelmeerumrundung zugetraut, jetzt praktisch unmöglich.

Nein, die war nur Mitte der 1990-er Jahre möglich, vorher und nachher war die algerisch-marokkanische Grenze immer dicht...

Gruss Flatus
.

Campingbusreisende am 07 Jun 2017 11:47:03

Hallo Flatus,
ja Iran hatte ich auch schon auf dem Plan zusammen mit dem Oman. Aber man kann da nichts planen. Wer weiß, wie es nächstes oder übernächstes Jahr aussieht. In den Ölscheichtümern am persischen Golf fängt es gerade auch an politisch zu rumoren.
Gibt es einen Reisebericht von deiner Iranreise?

Gruß
Frank

Flatus am 07 Jun 2017 12:03:59

Campingbusreisende hat geschrieben:... Gibt es einen Reisebericht von deiner Iranreise?
...

Bloss von meiner letzten Iranreise.
Diesmal war ich nur zwei Wochen dort; mit dem Mietauto und dem Flughafen-Visum.
Hier: --> Link - und dann immer auf "neuere Beiträge" klicken.

Davor war ich ein paarmal mit dem Womo im Iran unterwegs. Der Iran liegt ja sozusagen auf dem Weg nach Inden/Nepal :razz:

Gruss Flatus
.

Campingbusreisende am 07 Jun 2017 12:28:11

Aaaah, ja, deine Seiten kennen wir, dort haben wir schon oft fasziniert mitgelesen und es hat uns auch schon für eigene Reisen Inspiration gegeben. Auch, daß du kurz nach Grenzöffnung schon bei uns in der Gegend weiltest, konnten wir entnehmen.
Überhaupt: abenteuerlustigen Schweizern sind wir auf unseren Touren überproportional oft begegnet, wenn man das Bevölkerungsverhältnis unserer beiden Länder vergleicht.

Gruß
Frank

brimaontour am 16 Nov 2017 13:05:47

Toller Reisebericht. Wir waren etwa zur gleichen Zeit in Georgien und Armenien. Es ist für uns interessant, die Erlebnisse auch mal aus der Sicht Anderer zu lesen.

Campingbusreisende am 16 Nov 2017 15:58:12

Hallo Brimaontour,
nur treffen konnten wir uns nicht, denn wir waren schon ein Jahr vor euch in Georgien unterwegs.
Wir haben auch schon den Georgien-Armenien-Rußland-Bericht auf eurer sehr gut gestalteten Seite gelesen. Armenien-Iran wäre noch so eine Idee die wir verwirklichen möchten. Aber 2018 nicht da ist schon Anderes in Planung.

Grüße
Frank

Swch am 17 Jan 2019 21:21:46

Super Reisebericht

Ich plane ab 15 Aug 2019 eine Fahrt po-rus-li, let, est, rus, georgien (einreise Okt über Wladikamkas?), heeresstrasse, rest offen und über Türkei zurück. 8 Wochen sind geplant.

Da ich kein 4x4 habe, würde ich mich über aktuelle Strassen Zustände aus 2019 freuen ;-)

Campingbusreisende am 18 Jan 2019 11:37:02

Hallo Swch,
für deine Tour brauchst du definitiv kein Allradfahrzeug. Ich verallgemeinere das mal so: Du kannst auf den Hauptverkehrsadern auf gut asphaltierten Autobahnen und Fernstraßen unterwegs sein (in der Türkei sogar überdurchschnittlich gut) oder auch mal über kleine schlaglochübersäte Nebenstraßen rumpeln. In den schönen ländlichen Gegenden Polens oder in den Altstädten Georgiens auch mal über Kopfsteinpflasterung daß die Einbauten und das Fahrzeug schon stark strapaziert werden aber 4x4 ist wirklich nicht nötig. Wenn man aber das versteckteste Bergdorf im Kaukasus noch erreichen möchte, dann nützt auch Allrad mit herkömmlichen Radgrößen und wenig Bodenfreiheit nichts. Die wirklich schlechtesten Straßenverhältnisse von all unseren Reisen haben wir im Sept.18 auf einem Teilstück Der Fernstraße vom rumänischen Galați zur molawischen Hauptstadt Chișinău --> Link erlebt. Aber Moldawien liegt ja nicht auf eurer Route.

Gruß
Frank

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