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Hinweis: Der Reisebricht ist lang und als Story geschrieben. Wer sich nur für Facts der Stellplätze etc. interessiert, wird hier vermutlich nicht glücklich. Allen anderen wünsche ich viel Spaß beim Lesen.
Aufgewachsen im Wohnwagen – oder zumindest die Sommerferien der Kindheit darin verbracht – liebäugelte ich schon lange wieder mit der Urlaubsform „Camping“. Meine Frau beteuerte stets, dass auch sie sehr angetan seih und man sich ein entsprechendes Gefährt zulegen solle. Ich zweifelte an ihren Camper-Qualitäten, denn schließlich hatte sie keine derartigen Erfahrungen. Die Anmietung eines Campers schien uns, für diese Urlaubsform so teuer, dass wir es nie wagten. Schließlich kann man für das Geld auch in ein Hotel und hat meist noch ein Frühstück dabei. Weitere Kosten für Stell- und Campingplätze kommen ja auch noch hinzu.
Im Corona-Sommer 2020 sollte sich das ändern: Durch Zufall entdeckte ich ein günstiges Angebot eines kleinen Vermieters in Bald Waldsee, der eine coronabedingte Buchungslücke im August zu füllen versuchte. Idealerweise lag das exakt in meinem Betriebsurlaub und so buchten wir nach einem Telefonat mit dem Anbieter sehr schnell. Schon zehn Tage später soll´s los gehen.
Unsere Reise beginnt mit der Abholung des Wohnmobils in Bad Waldsee, zu der ich mit meinem Vater gefahren bin – vier Augen sehen eben mehr. Wir bekamen eine sehr ausführliche, zweistündige Einführung in Aufbau und Basisfahrzeug – alles sehr professionell, freundlich und mir echter Leidenschaft für´s Camping. Auf dem Weg nach Hause gab es einen „lauten Schlag“ bei der Fahrt auf einer Bundesstraße, den wir zunächst nicht weiter beachteten. Anhalten oder wenden war ohnehin nicht möglich.
Zu Hause angekommen wartete meine Frau bereits mit Sach und Pack. Während die Großeltern auf den Nachwuchs aufpassten, konnten wir beladen und brachten doch tatsächlich alles unter, was geplant war. Wir hatten sicher Übergewicht, doch daran haben wir überhaupt keinen Gedanken verschwendet. Immerhin waren nur gute 20l im Frischwassertank. Leider mussten wir ein grobes Einschlagloch am Spiegelgehäuse feststellen – sicher das Ergebnis der Bundesstraße. Sieht aus als hätte man auf mich geschossen:

Das wurde natürlich sofort fachmännisch mit schwarzem Gewebeklebeband instandgesetzt und es ging endlich los!
Unser erster Halt war bei Kassel, bei einem kostenlosen Wohnmobilstellplatz (Niestetal), den wir zu später Stunde erreichten. Das war gerade rechtzeitig, denn die Tanknadel stand längst auf Reserve, die Rest-Fahrstrecke stand auf 0km und das Fahrzeug meldete verzweifelt: „Vorsicht, niedrige Kraftstoffreserve!“. Wir mögen es eben spannend
Natürlich war alles voll und ich platzierte unser 7,4m Fahrzeug gekonnt quer über drei PKW-Parkplätze, die direkt angrenzten. Genau, wie man es nicht machen soll, leuchtete ich beim rangieren einem Bulli direkt in die Seitenscheiben. Sorry, aber wir sind Anfänger und wussten uns nicht anders zu helfen. Schnell noch das Gas für den Kühlschrank aufgedreht und dann: heia bubu.
Am nächsten Morgen waren die WoMos und der Bulli bereits abgefahren, wir parkten um und genossen unser ersten Frühstück im WoMo. Vor der langen Weiterfahrt unternahmen wir noch einen Spaziergang an der Fulda.
Nächstes Ziel: Römö. Hier bot uns der Lakolk-Campingplatz eine legale Nächtigungsmöglichkeit und Zugriff auf eine schnelle Mahlzeit: der dänische Klassiker Schollenfilet mit Pommes. Beim Frühstück am nächsten Tag hatten wir auch direkt unser erstes Learning: Einzelne Übernachtungen auf einem Campingplatz sind nicht nur kostspielig, sondern auch stressig, denn man muss wirklich Zeitig wieder abreisen. Nachdem spontane Strandausritte unmöglich waren, erkundeten wir eben zu Fuß den Autostrand im Süden der Insel. Wir trauten uns nicht, auf den Strand zu fahren und parkten oberhalb auf Asphalt. Die Bedenken waren wohl unbegründet, denn wir begegneten riesigen Luxuslinern der Omnibussgröße, als wir mit Kraxe und GPS zum Geocaching loszogen.

Nach ein paar Stunden fuhren wir weiter nach Herning, wo Freunde von uns leben. Mit meinem Freund und dem örtlichen Rotary Club erkundete ich den Fluss in Sikleborg per Kajak. Ein wirklich ganz tolles Erlebnis, denn Silkeborg ist allgemein sehr schön und man kann auch mit dem ältesten Dampfer der Welt fahren. Mit dem Kajak entdecken auch die Locals vom Rotary Club noch unbekannte Ecken.

In Herning blieben wir für zwei Nächte und zogen dann weiter nach Kerteminde. Dort besuchten wir das „Aquarium“ Fjord & Belt. Es ist vergleichbar mit z.B. Sealife, beschränkt sich aber auf das, was man tatsächlich in der Ostsee findet. Sie haben außerdem die einzige Forschungsstation für Schweinswale. Wir können den Besuch gerade auch mit Kindern sehr empfehlen. Es gibt sehr viel zu sehen, aber auch zu fühlen. So hatte ein kleiner Seestern ungeplant „intensiven“ Kontakt mit unserem Sohn. Sein Greifreflex war deutlich schneller als der seiner Eltern. Aber sowohl Seestern als auch Kind sind wohlauf. Die Krabben hatten hingegen nichts zu befürchten. Nicht nur wegen des Panzers, sondern auch weil sich Junior da nicht ran traute. Papa natürlich schon

Um am nächsten Tag schon früh mit der Fähre nach Lolland übersetzen zu können, ging es nach dem kurzen Stopp in Kerteminde direkt weiter nach Rudköbing. Am Hafen ergatterten wir den letzten freien Stellplatz. Ein freundliches älteres Paar wies uns direkt ein und half auch gleich beim Auffahren auf die Keile. Wir genossen einen wunderschönen Sonnenuntergang und ließen den Tag ausklingen.

Auf Lolland fuhren wir einen Wohnmobilstellplatz in Bandholm an. Der lag direkt am Wasser und war insgesamt sehr leer. Wirklich empfehlenswert. Hier verbrachten wir den Tag sehr gemütlich und gegen Abend unternahmen wir noch eine kleine Radtour zum Zwecke des „Dosenfischens“. In der Nähe des Stellplatzes befindet sich der Safaripark Kunthenborg, der mit dem eigenen Fahrzeug erkundet wird. Mit einem ungewohnt großen, gemieteten Fahrzeug in Tiergehege fahren? Ohne Zaun und ohne zu wissen, wie die Wege sind? Wir hatten unsere Zweifel… Letztlich entschlossen wir uns dazu, mutig zu sein und besuchten besagten Safaripark. Das war eine gute Entscheidung, denn wir erlebten die Tieren aus einer Distanz, so klein wie wir sie nie erwartet hätten! Nur das Tiger und Wolfsgehege konnten wir nicht befahren, denn diese Tiere spielen gerne mit Fahrradträgern und wir wollten bzw. konnten diesen nicht abnehmen.

Der nächste Stopp war Klintholm. Den Stellplatz in der Nähe des Hafens laut App suchten wir vergebens, fanden jedoch andere Wohnmobile in einer Parkbucht direkt am Strand hinter einer Düne. Es war wirklich Wohnmobil – Düne – 3m Strand – Meer. Es kam uns „verboten“ vor und fühlte sich wie Wildcamping an. Etwas besorgt fragte ich andere Wohnmobilisten, ob das schon rechtens ist und wo man hier bezahlen muss. Diese reagierten sehr gelassen und beteuerten, dass alles ok ist und dass noch nicht Mals irgendwelche Gebühren gibt. Hier war es traumhaft! Die Pizza aus dem Restaurant am Hafen war hingegen nahezu ungenießbar. Gleich am nächsten Morgen machten wir einen Strandspaziergang und Sohnemann bewunderte die frühen Vögel der Kitesurfer-Szene.

Weiter ging es nach Mons, bzw. Mons Klint. Ausgehend vom Schloss Lieselund bewanderten wir die Kreide-Steilküste, teils oben, teils unten.. Soviel zu Dänemark sei flach Die Wanderung war deutlich länger und kräftezehrender als geplant (wie immer) und daher ließ ich meine Familie am GeoCenter zurück um sie später mit dem Wohnmobil dort abzuholen. Das war der erste Trailrun seit dem Shutdown, völlig untrainiert und mit Wanderkleidung.
Der Weg mit dem WoMo zurück zum Geocenter war doch ziemlich eng und ich war froh, endlich meine Beifahrerin als Hilfe wieder an Board zu haben.

Unser Dänemark-Trip nähert sich dem Ende. Unser letzter Stopp in Dänemark war der Strand von Marielyst. In dieser Turismus-Ecke ließen wir unseren Urlaub auf dem Campingplatz „Østersøparken“ ausklingen. Die Sanitäranlagen sind zwar in die Jahre gekommen, aber der Campingplatz ist sehr familienfreundlich. Es gibt zig Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder aller Altersklassen. Baden, spazieren, Geocachen – das gefällt Groß und Klein. Die Frühstücksbrötchen im „Lädele“ sind übrigens gar nicht schlecht.
Nach zwei Tagen und Nächten hieß es für uns: „Antritt Heimreise!“
Wir steuerten Gedser an, setzend mit der Fähre nach Rostock über und fuhren bis zum späten Abend, fast Nacht. Der anvisierte Stellplatz war voll und mangels Alternativen fuhren wir weiter bis nach Eisenberg, Nähe Jena. Auch dieser Stellplatz war voll belegt, wir erlaubten uns jedoch erneut, auf dem benachbarten PKW-Parkplatz zu nächtigen.

Fazit des Ehefrauencampingtauglichkeitstest:
Getestet wurde in Summe 12 Tage und 2800km. Mit Abholung und Rückgabe des Wohnmobils sogar fast 3000km. Das Ergebnis ist höchst zufriedenstellend:
Meine Frau erwies sich als äußert kompatibel mit dieser Urlaubsform. KEINE einzige meiner Befürchtungen wurde bestätigt. Wir hatten einen wundervollen Urlaub, auch wenn wir beim nächsten das Tempo definitiv reduzieren werden.

Allerdings erwies sich das vermeintliche Schnäppchen als wohl teuerster Urlaub den wir jeh gemacht haben und machen werden. Nicht nur wegen des Spiegels, sondern wegen des Entschlusses ein Wohnmobil zu erwerben. Die Rechnung kam vor wenigen Wochen, als wir uns diesen Wunsch erfüllten. Danke nochmals für eure Hilfe!
Ich hoffe euch hat diese Art des Reiseberichts gefallen.
Grüße
rip

