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Das MoMo in Lappland 1, 2, 3


riegelaner am 25 Jul 2021 21:32:11

Hallo Michael,

da seit ihr ja schon ganz weit oben.
Voriges Jahr hatten wir genau zu der Zeit strahlende Sonne und 25 Grad am Nordkap.
Morgen folgend wir Richtung Schweden, aber wir wollen nicht so weit hoch.
Wir wünschen euch noch spannende Wochen, schönes Wetter und schöne Stellplätze.

Norbert

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Momoblog am 26 Jul 2021 18:47:23

Danke für die Wünsche, Norbert - es ist dann etwas anders gekommen.
Ich schreibe gerade den heutigen Blogbeitrag...



Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Von Abisko nach Norwegen
Irgendwie hatten wir uns mehr von unserem Platz in Puoltsa versprochen. Aber vielleicht sprechen einfach die Umstände gegen das Gutfinden. Das Wetter ist trüb und am gestrigen Abend gab es wieder heftige Mückenattacken, sodass wir nur drinnen sitzen konnten. Und heute haben wir auch keine Zeit mehr, den Ort zu erkunden, da es uns magnetisch weiter nach Westen zieht. Das nennt man wohl einen Fall von schlechter Planung. Aber gemessen an unseren sonstigen guten Entscheidungen auf dieser Reise wollen wir da mal nicht so sein.
Abisko ruft
Auch beim zweiten Anblick gewinnt Kiruna keinen Schönheitspreis. Nee, wat ist das hässlich hier. Selbst der ICA, in dem wir noch mal vor Norwegen unsere Schweden-Vorräte auffrischen, wirkt irgendwie minderbemittelt. Nicht mal frische Kanelbullar haben die hier!
Die ersten 50 Kilometer auf dem Weg zur Grenze zu Norwegen sind dann eher langweilig und trist. Erst, als wir den Torneträsk-See erreichen, wird das plötzlich anders. Und zusätzlich zum See kommen dann noch richtige Berge ins Spiel, die das Ganze schon viel sehenswerter machen. Von den tollen Spiegelungen im Wasser ist bei dem trüben Wetter heute allerdings nichts zu sehen.
Als wir schließlich im Abisko-Nationalparkszentrum ankommen hat es sich sogar richtig eingeregnet. Mühsam ergattern wir noch einen Parkplatz am Naturum – erst nach unserer Wanderung sehen wir, dass das Parken mit Womo am Parkplatz des Sessellifts viel einfacher gewesen wäre…
Kungsleden
Als der Regen für einen Augenblick aufhört, bereiten wir uns für die kleine Wanderrunde vor, die man hier machen kann. Regenzeug und leichtes Gepäck reichen für die 1½ Stunden.
Hier ist der Beginn (oder das Ende) des Kungsleden, des berühmten Langstrecken-Wanderwegs hier im Norden.
Und den hat man hier wirklich kunstvoll inszeniert: Mit einer Art Eingangspforte, durch die man hindurchschreitet und anschließend einem Fußgängertunnel, der kunstvoll gestaltet ist und dazu werden samische Gesänge abgespielt. Gleichzeitig rauscht auf den ersten Metern neben einem der Abiskojokk mächtig vorbei. Mehr Motivation für einen Wanderweg geht ja kaum!
Und so sehen wir auch die Langstreckenwanderer beim Loswandern und beim Ankommen.
Erstere sehen aufgeregt-gespannt aus. Insbesondere einem Viertrupp begegnen wir erstaunlicherweise immer wieder. Einer von ihnen erinnert uns an den pummeligen Sam aus Game of Thrones – ob der weiß, auf was er sich da eingelassen hat?
Letztere sehen teilweise reichlich fertig aus. Bei einem in Sandalen machen wir uns Sorgen, ob er die letzten Meter überhaupt noch schafft. Und die Sandalen trägt er bei dem Wetter wahrscheinlich auch nicht ganz freiwillig…
Es ist ein ausgesprochen schöner Weg, den man auf dem ersten Teilstück immer etwas oberhalb des Flusses entlang wandert. Zum Teil geht man durch knorrige Birkenwäldchen, die sich hier gegenseitig zu stützen scheinen.
Nasses Laufen
Für die zweite Hälfte des Weges wird man dann in einem Bogen vom Fluss weg wieder zum Naturum zurückgeführt. Immer wieder geht es dabei über moorige Gebiete mit Holzbohlenstegen.
Und da der Regen inzwischen leicht aber regelmäßig auf uns prasselt, sind wir am Ende froh, dass wir nur die kleine Runde machen und im Womo in trockene Klamotten wechseln können.
Auf nach Norwegen
Was jetzt kommt, ist für uns eine echte Novität: Wir fahren (Tusch!) vom verregneten Schweden ins trockene Norwegen. Verkehrte Welt! Aber wenn der Wetterbericht nicht völlig lügt, wird es in Norwegen so schön werden, wie es an der Ostküste Schwedens vorgestern noch war.
Aber zunächst mal fahren wir durch grau-trübes Bergwetter. Brrrr!
An der Grenze überraschen uns 2 Dinge: Zum einen, dass Riksgränsen nicht etwa die Grenze ist, sondern der Name einer Ansiedlung vor der Grenze. Achwas!
Zum anderen, und das viel mehr: An der norwegischen Grenze ist nichts los. Nada. Niente. Keine Kontrolle, keine Corona-Tests. Nix. Wir sind völlig von den Socken. Die Norweger sollen doch so streng sein? Also viel Lärm um nichts. Na toll!
Wir sind beide aus dem Häuschen, dass das jetzt so einfach geklappt hat. Keine Covid-Kontrolle, keine Hundekontrolle, keine Alkoholkontrolle!
Aber Norwegen empfängt uns trotzdem standesgemäß. Nämlich mit irrer Strecke und dichtestem Nebel, sodass ich lieber mal die Nebelschlussleuchte anmache und mich langsam durch diese Suppe taste.
Endlich da
Nach 20 Kilometern kommt dann noch eine dicke Überraschung: Die Norweger haben ihre Kontrollstation nämlich einfach ins Tal verlegt – laut Aussage des freundlichen Beamten, der unsere Impfzertifikate scannt und die Persos kontrolliert, weil das für sie einfacher so sei…
Aber ab hier sind wir jetzt offiziell in Norwegen willkommen. Hurra! Und ich muss gestehen, dass mich das glücklicher macht, als ein schnöder Grenzübertritt das eigentlich sollte. Corona hat auch seine guten Seiten: Man weiß Freiheit wieder so richtig zu schätzen!
Wir sind auch beide sofort wieder mit dem Norwegen-Virus infiziert. Mann, was ist das einfach schön hier. Die Berge, die Fjorde, das Licht, die Luft, der Geruch! Und wir sind ja noch nicht mal an unserem Ziel, den berühmten Lofoten angekommen.
Qual der Wahl
Bei einer Fika am Fjord versuchen wir, eine kluge Entscheidung zu treffen. Wir haben jetzt (mindestens) eine Woche in dieser Region und bei bestem Wetter vor uns. Wo also anfangen? Was weglassen? Wir entscheiden uns dafür, erst mal die „klassischen“ Lofotenorte abzuklappern. Die sind ja nicht ohne Grund so beliebt und sehenswert. Sollte uns das dort alles zu überlaufen und touristisch sein, können wir immer noch einen Plan B schmieden.
Wir beschließen, einen letzten Abend auf dem Festland zu verbringen, da wir in dem Örtchen Evenskjer einen vielversprechenden Platz kurz vor der Brücke nach Hinnøya, der größten Insel der Vesterålen gefunden haben.
Das geht ja gut los
Als wir auf die Zielgerade einbiegen sind wir schon mal vom Blick über den Fjord geflasht. Norwegen spielt einfach in einer anderen Liga als andere Länder. Selbst bei dem zunächst noch durchwachsenen Wetter sieht das besonders aus. Quasi als wir an unserem Stellplatz ankommen schaltet das Wetter dann um auf „schön“. Also sonnig und mit immer wolkenloser werdendem Himmel.
Da wir um kurz vor sieben angekommen sind, heißt das nach Nordland-Logik, dass noch vier Sonnenstunden vor uns liegen. Genial!
Wir benötigen diese Zeit auch, um zu realisieren, dass gerade ein neuer Abschnitt der Reise begonnen hat: Norwegen und Lofoten, wir freuen uns auf euch!

bonjourelfie am 26 Jul 2021 22:18:47

Hallo, gute Entscheidung auf die Lofoten zu fahren! Wir haben heute eine Wanderung im Nationalpark Sanfjället -dort soll es die größte Bärenpopulation in Schweden geben - gemacht bei bestem Wetter. Erwartungsgemäß keine Bären gesehen.
Ich freu mich auf eure Lofotenberichte.
LGElfie

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Momoblog am 27 Jul 2021 20:26:34



Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts
Gestern hat sich das schlechte Wetter nach Schweden verzogen und wir konnten einen schönen, warmen Abend genießen. Und der Wetterbericht kündigt für die Lofoten-Region vier Tage sonnigstes Wetter an. Was kann da schon schiefgehen?
Morgens ist es freundlich, aber etwas bedeckt. Von den gegenüberliegenden Bergen, die gestern noch so fotogen waren, ist erst mal nichts zu sehen. Aber das kennen wir ja schon – in ein paar Stunden kommt dann die Sonne durch.
Es ist angerichtet
Wir haben uns überlegt, dass wir die immer noch ein bisschen unter Geheimtipp firmierenden Vesterålen nicht auslassen möchten, sondern einen Schlenker nach Norden über die im Atlas grün gekennzeichnete Straße auf Hinnøya zur Inselhauptstadt Harstad machen, um dann mit der Fähre von Refsnes nach Flesnes fahren und uns anschließend die vielversprechende Vesterålen-Insel Langøya ansehen.
Damit wir bei dem sonnigen Wetterbericht und der Hochsaison keinen Stress mit einem Übernachtungsplatz bekommen, reservieren wir gleich noch einen Platz auf dem sehr positiv bewerteten Campingplatz bei Myre. Und weil man dort so schön wandern können soll und wir Wäsche machen wollen, gönnen wir uns gleich zwei Übernachtungen dort.
So, der Tag wäre geplant, los geht’s!
Vorfreude
Ganz euphorisch steigen wir ins MoMo und fahren los. Was wir wohl heute Tolles entdecken werden?
Im Sportshop um die Ecke gibt es leider keine Ersatzluftpumpe für die Kajaks, aber wir bekommen den Tipp, es in Harstad zu probieren, da gäbe es einen Kajakladen namens Tequila. Wir sind so lange begeistert von diesem Tipp, bis wir sehen, dass der Laden Montags geschlossen ist. Wieder nix.
Aber egal, jetzt geht es auf der E10 über die große Brücke über den Lavangsfjord. Hurra, wir fahren auf die Lofoteninseln!
Gut, auf der gegenüberliegenden Seite liegt die Straße weitestgehend in tief hängenden Wolken, aber das wird schon noch.
Großstadt
Als wir in Harstad ankommen, sind wir verblüfft: Das ist ja eine richtige Stadt! Mit fast 25.000 Einwohnern für norwegische Verhältnisse ja schon riesig. Und deswegen gibt es hier auch fast jedes Geschäft zu finden. Wir beschließen kurzerhand zu einem Einkaufszentrum zu fahren – vielleicht gibt es ja dort eine Ersatzpumpe für uns?
Wir parken wohlweislich auf dem Parkplatz vor dem Parkhaus. Ich wundere mich noch, dass auf diesem Wohnmobilparkplatz ein PKW und ein Fahrrad geparkt sind. Aber der PKW-Fahrer spricht mich an und lobt uns für die schlaue Idee, hier zu parken. Er deutet auf das Fahrrad und den Dachgepäckträger, den er gerade abmontiert. Er sei nämlich nicht so schlau gewesen und sei mit dem Rad auf dem Dach ins Parkhaus gefahren. Aua! Außerdem erklärt er uns, dass in ihrer Region das Tragen einer Maske in Geschäften nicht verpflichtend, aber empfohlen sei. Wie wir später sehen, machen das die meisten Norweger dann auch so.
Eine Pumpe kriegen wir aber weder bei Intersport noch bei Clas Ohlson, der uns im Sportgeschäft empfohlen wurde. Dafür aber unsere heißbeliebten Lofotburger!
Kastrierte Berge
Von Harstad fahren wir jetzt in einem nördlichen Bogen zur Westküste der Insel. Aber das große Ah! und Oh! bleibt weiter aus, denn ab einer Höhe von höchstens 100 Metern verdeckt eine dichte, tief hängende Wolkenschicht jegliche Aussicht. Annette fühlt sich mittlerweile an das klassische Zitat von Obelix erinnert:
„Na Obelix, wie ist denn Helvetien so als Land?“ - „Flach.“ (Asterix bei den Schweizern)
Wir tragen es aber weiter mit Fassung, dass wir hier nichts Grandioses sehen, denn als wir am Fähranleger in Refsnes ankommen scheint in Richtung Süden ein bisschen die Sonne durchzukommen. Es dauert bestimmt nicht mehr lange, bis die Sonne hier die Oberhand gewinnt.
Bei der Auffahrt auf die Fähre wird anscheinend unser Nummernschild gescannt und wir dürfen passieren. Wie einfach das geht! Einen Bezahlnachweis habe ich aber noch nicht erhalten.
Auch auf der anderen Seite des Gullesfjords ist es nicht sonniger. Aber wir haben den Eindruck, dass am Ende des Fjords die Stimmung deutlich freundlicher ist. Geht doch! Dumm nur, wenn man dann nach ein paar Kilometern in Richtung Langøya abbiegt und wieder in die Wolkensuppe gerät.
Fika ohne Aussicht
Wir haben uns einen Platz an einem Friedhof am Sigerfjord ausgesucht, um dort unsere Fika zu machen. Wir träumen davon, dass sich dabei dann auch mal die Wolken verziehen. Es ist mittlerweile 16 Uhr.
Stattdessen wird auf dem Friedhof der Rasen gemäht, sodass wir tunlichst auch die Fenster geschlossen lassen. Es setzen erste Zweifel an der Weisheit unserer Entscheidung ein.
Haste Scheisse am Schuh…
Auch das Überqueren der Brücke an der blauen Stadt Sortland bringt keine Aussicht auf Wetterbesserung. Und als wir auf das letzte Teilstück nach Myre abbiegen, werden wir auch noch von einer Baustelle willkommen geheißen. Wir nehmen es mittlerweile mit Galgenhumor. Es wird wohl ein gebrauchter Tag werden…
Als wir den Campingplatz erreichen, diskutieren wir noch kurz, ob wir einfach die Reservierung stornieren und uns auf den Weg in den (vermutlich?) sonnigen Süden machen. Nachteil an dieser Variante: noch mal 2 Stunden Fahrt. Und vielleicht wird hier ja im Laufe des Abends doch noch alles gut? Das war doch gestern auch so, dass es ab 19 Uhr erst schön wurde.
Wir fragen den sehr freundlichen Campingplatz-Gastgeber, wie es mit den Wetteraussichten aussieht, aber er will sich da nicht festlegen. Sie hätten einen komplett verregneten Juli hinter sich und nur 50 % der Gäste, die sonst kämen. Sie würden es nehmen, wie es kommt, aber das Beste hoffen. So wollen wir es auch machen.
Wir fügen uns dem Schicksal
Ich mache missmutig ein paar Fotos zu den gegenüberliegenden Bergen hinüber, die schemenhaft zu erkennen sind.
Erneut überlegen wir, ob es nicht doch schöner wäre, hier die Segel zu streichen und einfach wegzufahren. Aber irgendwie passt es dann doch zu diesem Tag, der so völlig anders als geplant verlaufen ist.
If you want to give God a laugh tell him your plans. (John Lennon)
Nach dieser Entscheidung senkt sich die Wolkendecke noch mal etwas hinab, sodass es sich fast schon wie Nebel anfühlt. Macht nur, macht nur…
Annette sortiert unsere Wäsche, nur um frustriert ein ums andere Mal aus dem Waschraum zurückzukehren. „Da hat jemand für ein bisschen Wäsche ein großes Programm gewählt.“ „Der Trockner läuft noch 2:40 Stunden.“ „Ich muss in einer halben Stunden noch mal gucken.“
Es gibt ja auf jeder Reise diesen einen Tag, an dem so gar nichts zu klappen scheint. Unserer war dann heute.

lonsome am 27 Jul 2021 21:58:12

Hallo,

ein Tip für einen tollen Platz auf den Vesteralen: Stö weit im Norden, ein Platz ganz an der Landspitze, tolle Wandermöglichkeiten, Seeadler, und mit Restaurant gleich dabei. Müssten so 30 km von Myre aus, einschließlich der Durchfahrt durch den Ort Klo sein?

Gruß
Klaus

Momoblog am 27 Jul 2021 22:59:54

Danke für den Tipp, Klaus. Das wäre unser Ziel für heute gewesen. Es ist dann doch anders gekommen.Aber nächstes Mal bestimmt (wir werden nämlich wiederkommen...). :-)

Liebe Grüße
Micha

Momoblog am 29 Jul 2021 11:24:44



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Entschädigung
Was haben wir gestern gehadert. Und auch heute fängt der Tag wenig anders an als der gestrige aufgehört hat. Der Nebel ist lediglich heller geworden. Als aber beim Frühstück auf einmal ein Ansatz der Berge ringsum zu sehen ist, überlegen wir, ob das ein gutes Zeichen ist und sich auch hier oben auf Langøya das gute Wetter durchsetzt. Dann würden wir die Dronningruta laufen, eine Wanderung mit spektakulären Aussichten.
Aber der Nebel wird schon wieder dichter und die Vorhersagen für diese Region sind nicht hundertprozentig sonnig. Und da der Wetterbericht für die Lofoten nichts anderes als reinen Sonnenschein vorhersagt, sind wir einfach weg. Ab zur Sonne!
##So schnell so schön
Und das Verrückte passiert praktisch schon nach ein paar Kilometern: Der Nebel ist weg und vor uns liegt nur noch Fjord und gewaltige Landschaft. Meine Güte, was wir gestern alles **nicht** gesehen haben!
Wir folgen wieder mal unserem Prinzip der „road less traveled“ und nehmen bewusst nicht die schnelle RV82, sondern den Eidsfjordveien, der uns mit Blick auf die Berge jenseits des Fjords verwöhnt und vor allem nahezu menschen-(sprich: auto-)leer ist. Wunderbar entspannt zu fahren, auch wenn die Straße manchmal etwas hubbelig wird.
Das Beste sind dann die Aussichten aufs weite Meer und später auf die Böröysundbrücke, die aus der Entfernung noch schmal und zerbrechlich wirkt, aber aus der Nähe dann gewaltig nach oben steigt und in elegantem Schwung hinüber Richtung Hadseloya führt.
Von Hadseloya aus werfen wir dann schon alsbald einen ersten Blick auf die mächtige Lofotenwand von Austvagoya und müssen uns wirklich kneifen: Da fahren wir tatsächlich gleich mit der Fähre hin!
##Austvagoya
Auf der Fähre gleiten wir dann nahezu lautlos und bei schönstem Sommerwetter auf die Lofoten zu. Viel besser kann man das nicht haben! Uns gefällt ja vor allem der Strøna, ein Verwandter unseres Lieblingsberges [Niesen] im Berner Oberland.
Nach der Ankunft in Fiskebøl folgen wir auch hier nicht der vielbefahrenen E10 nach Svolvaer, auch wenn das landschaftlich bestimmt super sein würde. Wir fahren lieber die kleine Straße, die an der Nordseite der Insel entlangführt. Wer. Kann denn auch ernsthaft zu dem Namen Midnatssolveien (Mitternachtssonnenstraße) nein sagen?
Die Straße führt uns entlang malerischer Fjordeinbuchtungen und teilweise durch sogar richtig ländlich wirkende Gegenden.
Wir merken nachmittags, dass es langsam Zeit wird, das Gesehene auch mal zu verarbeiten und einen Gang runter zu schalten. Man kommt bei all der Grandiosität ja gar nicht mehr hinterher!
##Schon wieder Camping
Von den Bildern im Internet könnte der [Sandsletta Campingplatz] ja etwas für uns sein. Aber kurz vorher finden wir auch wunderbare Stellen zum Freistehen am Wasser – was also tun? Wir entscheiden uns dafür, einen Blick auf den Campingplatz zu werfen und dann zu entscheiden. Und als wir traumhafte Lage sehen und merken, dass wir nicht an der Straße, sondern direkt am Wasser stehen können, fällt die Entscheidung dann ganz schnell.
Da es Nachmittag ist, gibt es gar freie Platzwahl. Nicht mal im Ansatz vollbelegt – das ändert sich aber gegen Abend, als immer mehr Fahrzeuge ihre Tagestripps beenden. Die kriegen dann aber nicht den tollen Platz, wo wir jetzt stehen: Direkt am Wasser mit Zugang zu den Booten, die hier am Campingplatz kostenlos benutzt werden dürfen. Da sind die 270 Kronen für den Stellplatz wirklich ein richtig gutes Angebot!
##Paddelglück
Bei den Booten hat man die Auswahl zwischen Tretboot(!), Ruderboot oder Hartschalenkajak. Da man auch hier keine Pumpe für unsere Scubis hat, weichen wir gerne auf das angebotene Kajak aus.
Ich fahre allein los und werde schnell mit dem neuen Gefährt vertraut – es lässt sich hervorragend fahren.
Hinter einer Biegung finde ich dann ein absolutes Traumhaus – viel besser kann man es von der Lage kaum vorfinden. Würde ich glatt nehmen!
Und dann noch die Möwen- und Seeschwalbeninsel direkt vor der Haustür. Ich setzte mich still hin und beobachte das Treiben. Für einen kurzen Augenblick paradiesischer Frieden.
Nachdem wir uns standesgemäß bei diesem Prachtwetter unsere Lofotburger und Würstchen gegrillt haben, kommt Annette auch noch mal in den Genuss einer Paddeltour unterhalb der Lofotenkuppe. Wieder was gelernt: Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass man auf den Lofoten mit so spiegelglatter Wasseroberfläche rechnen kann.
Wenn wir nicht wüssten, dass es noch viel Tolles auf den anderen Lofoteninseln zu entdecken gibt: Wir würden an diesem schönen Fleck Erde jetzt ein paar Tage abhängen.

lonsome am 29 Jul 2021 12:17:40

Hallo,

noch ein Nebel-Hinweis: Oft ist der nur auf der einen Seite der Lofoten, meistens nordwestlich. Auf der anderen Seite gibt es Sonne pur. Auch großartig: Bei Nebel auf einen Berg steigen. Nach kurzer Zeit ist man über dem Nebel und der Ausblick unbeschreiblich: unten Nebel, daraaus ragen die Lofoten-Gipfel hervor.

Noch ein Tip für Camping: Fredvang, von da aus schöne Wanderwege innerhalb von 1 km zu erreichen.

Gruß
Klaus

Momoblog am 29 Jul 2021 20:54:36



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Der Nebelberg
Wir mögen uns so gar nicht von unserem schnuckeligen Campingplatz trennen. Der hat genau die richtige Größe für uns, ist ruhig und unprätentiös und man könnte auch von hier aus noch was unternehmen. Und wenn das hier nicht die Lofoten wären, würden wir wohl noch zwei, drei Tage dranhängen. Aber wir haben ein Fenster von 4 Tagen, wo es hier richtig prächtig sein soll und es gibt noch so viel zu entdecken, dass wir jetzt schon wissen, dass man nicht alles gesehen haben kann. Wir schmieden schon Pläne fürs Wiederkommen…
Kajak-Idioten
Vor der Abfahrt fragt Annette noch mal nach, ob wir das Kajak, was ich gestern 150 Meter zum Strand getragen habe, wieder zum Lagerplatz zurückbringen müssen, oder ob es da für andere Gäste liegen bleiben dürfe. Nein, das müsse schon wieder zurückgebracht werden. Wir schleppen es diesmal also zu zweit zurück und kommen dabei ganz schön ins Schwitzen. Wie habe ich das denn gestern allein geschafft?
Als wir am Lagerplatz ankommen, sehen wir das andere Kajak auf dem Bauch liegen. Es hat ein Rad unter dem Rumpf. Und jetzt entdecke ich auch den Tragegriff am anderen Ende. Es hätte also so einfach sein können! Das kommt davon, wenn man ein Faltboot hat – auf die einfachste Lösung kommt man dann nicht.
Auf der E10
Das kann uns aber nicht wirklich die Laune vermiesen, denn dafür ist das Wetter viel zu prächtig. Shorts und T-Shirt sind angesagt!
Wir fahren weiter die unbelebte Nebenstraße und stellen uns schon auf den Kulturschock ein, der uns an der E10 erwarten wird. Es ist dann aber nur halb so wild. Von den befürchteten endlosen Autokarawanen sind wir noch ein gutes Stück entfernt.
Auch an den Aussichtsplätzen bekommen wir problemlos einen Parkplatz. Man kann aber schon feststellen, dass die Womo-Dichte erstaunlich hoch ist.
Stadtbesuch
Wir sind noch unschlüssig, ob wir in der Lofoten-„Metropole“ Svolvaer überhaupt einen Stopp einlegen wollen. Auf Touri-Massen haben wir keine Lust. Aber wir finden es auch spannend, uns mal wieder unter Leute zu begeben. Ich befürchte aber, dass es uns wie in Portree auf der Isle of Skye in Schottland ergehen wird und wir unverrichteter Dinge weiterfahren müssen.
Die Sorge ist aber unbegründet. Völlig problemlos finden wir nicht weit vom Hafen einen Parkplatz am Straßenrand.
Was zunächst eher heruntergekommen und wenig einladend aussieht (vielleicht haben wir im falschen Viertel geparkt?) zeigt sich am Hafen dann erstaunlich hübsch. Anders wäre bei diesem Sommerwetter Deluxe auch komisch.
Wir sehen viele Touristen, die in Schwimmweste oder sogar Vollneopren auf ihre Abfahrt mit dem Schiff oder Kajak in den Trollfjord warten. Das ist hier die große Nummer: Trollfjord hier, Trollfjord da. Aber immerhin ohne aufdringliche Anquatscher.
Bacalao
Wir trainieren ja gerade mit Toffi, dass es okay ist, wenn man unter Menschen (oder Hunden) ist. Dass man sich da gar nicht aufregen muss. Dass man sich an Elli ein Vorbild in Entspanntheit nehmen kann. Es ist ein mühsames Geschäft.
Heute steht eine weitere Trainingseinheit auf dem Programm. Besuch einer vollen Außenterrasse eines Restaurants, an dem Leute vorbeiflanieren.
Es gibt hier eine skurrile Tischvergabe, bei der ich mich in einer Schlange anstellen muss, um dann den Tisch ganz am Rand zu bekommen, an dem Annette mit den Hunden bereits sitzt. Immerhin ist der Service dann sehr freundlich und ein vielleicht 12jähriges Mädchen, was mitbedient, kümmert sich um Wasser für die Hunde ist erstaunlicherweise schnell Best Friends mit Toffi, die anscheinend völlig baff ist, dass man ihr Gebell freundlich ignoriert und einfach nur streicheln will.
Wir stellen fest, dass unser letzter Restaurantbesuch wirklich ewig her ist und genießen daher die Fischsuppe und das Smørrebröd gleich doppelt.
Da ist die Pumpe!
Es entwickelt sich ja auf dieser Reise schon zu einem Running Gag, dass wir keine Pumpe für die Kajaks bekommen. Ich hatte bereits in einem Sportgeschäft nach einer Pumpe gefragt, aber dort nur ein Achselzucken und „Ausverkauft“ als Antwort erhalten. Und den Tipp, es im Sportgeschäft neben dem Hotel mal zu probieren.
Und Wunder über Wunder: Dort gibt es die heiße Ware Doppelhubpumpe gleich mehrfach! Zwar bin ich mir bei den Anschlüssen nicht ganz sicher, erhalte aber die Zusage, dass ich das Gerät umtauschen könne, wenn es nicht passe. Ich ignoriere daher den Freudenhauspreis tapfer und ziehe triumphierend mit der Pumpe unterm Arm davon.
Am Womo machen wir dann den Adapatervergleich, der leider negativ ausfällt. Mist! Aber es gibt ein anderes Adapterstück, auf das unser Anschluss fürs Scubi-Ventil dann doch passt. Wir machen aber sicherheitshalber die Probe aufs Exempel.
Daher packen wir am Straßenrand mal unsere halbe Heckgarage aus, nehmen den Scubi aus dem Packsack und pumpen fernab vom Wasser ein Kajak auf. Die amüsierten Blicke der Passanten sprechen Bände.
Der Test verläuft zu unserer völligen Zufriedenheit – Hurra! Nur die Abpump-Funktion, die auf der Packung beschrieben ist, scheint unsere Pumpe dann doch nicht zu haben. Es gibt schlicht keinen Anschluss, mit dem man die Luft wieder aus dem Kajak herausbekommt. Gut, dass wir noch die andere Pumpe haben…
Grandiose Küstenstraße
Die E10 lässt sich im weiteren Verlauf viel besser und stressfreier befahren, als ich das befürchtet hatte. Wir fahren an den großartigsten Aussichten vorbei, sehen in der Ferne am Festland die nicht weniger gewaltige Küstenlinie der Ofoten und das Glitzern der Sonnenstrahlen auf dem Meer.
An der Abfahrt nach Hennigsvaer sehen wir einen großen Parkplatz, den wir irrtümlich für einen Wanderparkplatz halten. Hier steppt nun wirklich der Bär. Es sind aber keine Wanderer, die hier herumlaufen, sondern Sonnenanbeter. Wir sind nämlich am Karibikstrand von Rørvik gelandet. Aber da dieser Trubel jetzt wirklich nichts für uns ist, bewundern wir den prächtigen, vollen kleinen Strand von oben und fahren weiter.
Hebridenstrand
Wir haben nämlich auch heute ein As im Ärmel. Und das heißt Gimsøy. Die kleine Insel zwischen den großen Lofoteninseln Austvågøya und Vestvågøy ist für die meisten nur eine Durchfahrtsstation. Für uns hat sie ein verlockendes Ziel: den Campingplatz unterhalb des Berges Hoven. Die Lage ist schon mal traumhaft: Hinter einem der Berg, vor einem ein feinsandiger Strand, der durchaus auch zu unseren Traumstränden auf den schottischen äußeren Hebriden gehören könnte.
Wir finden einen feinen Platz und richten uns häuslich ein. Es sieht zwar gar nicht so sehr lofotig aus, aber man sieht immerhin von hier aus ein paar gezackte Berge von den Vesterålen am Horizont.
Auf den Berg
Natürlich wollen wir uns den Ausblick vom Hoven nicht entgehen lassen. Eine einfache Wanderung: 2 Kilometer, die man in einer guten Stunde geschafft haben soll. Was soll da schon schiefgehen?
Wir bereiten uns trotzdem gewissenhaft vor: Mehrere Lagen Kleidung, Handschuhe und Mütze, falls oben der Wind pfeift. Ich packe noch die große Fotoausrüstung ein, denn oben vom Gipfel kann man bestimmt tolle Bilder schießen. Und natürlich gehen wir deswegen erst um neun Uhr los, schließlich wollen wir ja die goldene Stunde vor Sonnenuntergang mitnehmen.
Es kommt dann etwas anders.
Nummer Eins: Auf dem ersten morastigen Stück wollen uns die Mücken auffressen. Wir haben aber beide nicht ans Mückenzeug gedacht, weil wir ja auf einen Berg steigen. Da oben gibt’s doch keine Mücken! Da nicht, aber halt unten…
Nummer Zwei: Der Weg ist kurz. Wie schön. Aber deswegen stellenweise auch reichlich unwegsam, rutschig und steil. Einfach ist das nun nicht. Aber vielleicht gilt das auch nur für Ü50. Die jungen Norweger, die uns begegnen, sehen alle fröhlich und vergnügt aus während wir ächzen und uns der Schweiss ausbricht.
Nummer 3: Wir hatten uns schon am Strand gewundert, dass an diesem ansonsten wolkenlosen Tag ein paar Wolkenfetzen oben am Hoven zu sehen waren. Aber die sahen so harmlos fadenscheinig aus, dass wir uns nichts weiter dabei gedacht haben.
Aber als wir dem Gipfel immer näher kommen, wird auch die Sicht immer bescheidener. Ein gutes Stück vor der Spitze stehen wir mitten in der Wolke und können so gut wie gar nichts sehen. Das gibt’s doch gar nicht!
Annette beschließt, mit den Hunden an einem Aussichtspunkt zurückzubleiben, während ich allein zum Gipfel weitergehe, um noch tolle Fotos zu machen.
Aber kurz vor dem Gipfel wird die Nebelsuppe dann wirklich unheimlich. Die Sichtweite wird immer geringer und ich gebe auf. Lieber sicher wieder herunterkommen, als im Nebel auf der Spitze des Hoven zu stehen und auch nichts davon zu haben.
Also steige ich frustriert wieder hinab zu Annette und den Hunden, wo sich ein kleines Guckloch Richtung Meer aufgetan hat. Dieses merkwürdig gold-diffuse Licht hat dann auch seinen Reiz.
Auf dem Abstieg bieten sich dann immer mal wieder Gelegenheiten die Landschaft zu bestaunen. Selbst wenn das Wetter einem einen Streich spielt, ist das hier noch reichlich großartig.
Und als wir zum Campingplatz zurückkehren, sind wir gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang gekommen. Und als wäre das nicht schon toll genug, stehen jetzt auch noch die Islandpferde des Reiterhofs nebenan auf der Weide und grasen friedlich.

volkermuenster am 29 Jul 2021 21:25:14

Hallo ihr Lieben,

da ich eigentlich direkt auf eurer Blogseite mitreise und lese, kommen hier von mir weniger Kommentare.

Aber nun muss ich es nochmal loswerden: Danke für den (wie immer toll geschriebenen) Reisebericht mit den sehenswerten Bildern.
Ich mag euren Schreibstil!

Ich bin auf jeden Fall weiter dabei - das verkürzt meine Wartezeit, bis es bei mir soweit ist. (Runde ZWEI Wochen noch....)

Manche Iddeen habe ich mir schon notiert :-)

Grüßt mir die Lofoten! Und weiter gute Fahrt uns viel viel Spaß!

Volker

Momoblog am 29 Jul 2021 22:14:08

Danke für die freundlichen Worte Volker! Die Lofoten sind gegrüßt und lassen zurückgrüßen.
Und wenn du dann noch Anregungen bekommen hast, freut uns das sehr.

Liebe Grüße
Micha

hotchili am 30 Jul 2021 10:12:38

Vielen Dank für den tollen Bericht und die ausserordentliche Mühe die ihr Euch mit dem Blog gebt.
Wenn ich einen Wunsch äussern darf: ich würde mich sehr über mehr Fotos der Köstlichkeiten freuen die ihr so kauft und verspeist.
Vieles kenne ich nicht und würde mich einfach freuen es wenigstens zu sehen.
Vielen lieben Dank noch mal.
Martine

Momoblog am 30 Jul 2021 11:26:13

hotchili hat geschrieben:Wenn ich einen Wunsch äussern darf: ich würde mich sehr über mehr Fotos der Köstlichkeiten freuen die ihr so kauft und verspeist.
Vieles kenne ich nicht und würde mich einfach freuen es wenigstens zu sehen.


Das ist ein guter Vorschlag, Martine. Ich hatte schon überlegt, eine Gourmet-Rubrik einzurichten, wo unsere Lieblingsrestaurants reinkommen. Und warum nicht da auch Köstlichkeiten von den REisen mit aufnehmen. Gute Idee!

Liebe Grüße
Micha

clamat am 30 Jul 2021 12:18:51

Hi,
Ich möchte den super tollen Bericht von Momoblog nicht kapern, aber meine absolute Gourmetempfehlung für gegrilltes Fleisch, oder auch einfach mal auf Brot mit Tomate und Gurke

LG
Claudia

Momoblog am 30 Jul 2021 19:40:43

Wir werden die Augen danach offen halten, wenn wir wieder in Schweden sind, Claudia!

Momoblog am 30 Jul 2021 19:42:58



Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Ruhetag Deluxe
In den letzten Wochen ging es immer noch weiter, noch nördlicher und an einen immer anders schönen Ort. Heute ist bei uns die Luft fürs Weiterreisen einfach raus. Wir schauen aus dem Fenster, sehen diese wunderbare Aussicht auf den Strand und entscheiden: Das ist es jetzt. Der Ort, wo wir einfach mal sein und bleiben möchten.
Wir wissen, dass es noch so vieles zu sehen gibt und dass man bei einem solchen Prachtwetter dazu auf den Lofoten nicht immer Gelegenheit hat. Aber wir spüren auch, dass wir diesen Ruhetag jetzt mal brauchen, um langsam runterzukommen. Nicht wieder einen neuen Platz suchen müssen, sondern einfach da sein. Wie einfach das sein kann!
Schlemmer-Restaurant
Der Campingplatz gehört übrigens zu Hov Gård, was eigentlich ein Reiterhof ist. Und wenn ihr reitbegeistert seid, bitte nicht auf den Link klicken, denn dann wollt ihr dort sofort hin und einen Ausritt machen. Ich habe euch gewarnt!
Annette spart jetzt schon mal auf einen Tagesritt und packt sich dann Reithose und Helm ein, wenn wir das nächste Mal fahren. Und ein nächstes Mal wird es auf jeden Fall geben!
Warum ich da so sicher bin? Nun, weil wir uns mittags im Restaurant Låven, das auch zum Hof gehört, ein absolut köstliches Mittagessen gönnen, was in dem urigen Scheunenambiente gleich noch mal so gut schmeckt. Aber beim nächsten Mal reservieren wir uns einen von den wunderbaren Fensterplätzen!
Dass man hier so lecker essen gehen kann (über die Preise wollen wir allerdings nicht weiter nachdenken…) hätte ich überhaupt nicht gedacht.
Strandfreuden
Jetzt, wo alle Übernachtungsgäste weg sind, scheint die zuvor gut gefüllte Wiese unendlich groß zu sein. Wir parken das MoMo eine Reihe weiter Richtung Meer um und sind glücklich.
Denn jetzt können wir, immer wenn uns danach ist, noch mal an den Strand gehen.
Annette, um mit den Hunden zu schmusen und sie spielen und toben zu lassen. Elli buddelt ein Loch, in das sie zur Gänze hineinpasst!
Micha tobt sich mit der Kamera aus und versucht, die Strandatmosphäre fotografisch einzufangen. Was ich leider nicht mitliefern kann, sind die Gerüche, das Rauschen der Brandung und die steife Brise, die uns um die Ohren weht. Nur, falls sich jemand wundert, warum wir so dick angezogen sind, wo es doch so traumhaft sonnig ist.
Ein fantastischer Tag, an wir „nichts“ erleben. Oder, wie der Buddhist sagt: Nirwana.

Momoblog am 31 Jul 2021 21:24:44



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Küstentraum
Unser Tag-Nacht-Rhythmus ist wirklich im Eimer. Ich musste mich um halb zwei Uhr nachts wirklich zwingen, ins Bett zu gehen, weil ich a) nicht müde wurde und b) der sanft leuchtende Himmel so schön war. Wer will denn da schon schlafen?
Morgens sehen wir dann zwar die angekündigten Wolken am Himmel, es ist aber immer noch freundlich. Vor allem aber hat der Wind nachgelassen, sodass ich nach langer Zeit mal wieder die Drohne steigen lassen kann. Bis jetzt ging das oft wegen Flugverbot, Regens oder Wind nicht. Oder ich habe einfach vergessen, dass ich so einen fliegenden Fotoapparat habe. Jetzt aber!
Vor der Abfahrt wollen wir noch einmal ver- und entsorgen, aber: oh Schreck! Sowohl Grauwasser als auch Toilettenentsorgung sind übervoll und sollen nicht mehr benutzt werden. Gut, dass wir unsere Zweitkassette in petto haben.
Beglückender Bonus
Ab heute beginnt gefühlt unsere Rückreise. Wir haben jetzt so viel schöne Erlebnisse im Gepäck und mit unserem Ruheort Hov Gård einen sicheren Anwärter auf die Großen 12 im Sack, dass wir nicht mehr das Gefühl haben, immer weiterzumüssen, weil wir noch etwas verpassen. Die ganzen Lofoten kann man in den paar Tagen eh nicht abfrühstücken (zumindest nicht in unserem Tempo), also können wir einfach festhalten, dass wir sicher noch einmal wiederkommen werden, wo wir dann einen weiteren Schwung toller Sehenswürdigkeiten erleben werden. Das sind doch mal Aussichten!
Entsprechend langsam gehen wir den Tag heute an. Im Zeitlupentempo fahren wir zurück zur E10 und genießen, dass das auf dieser Nebenstrecke niemanden stört. Aber etwas schneller als der Randrasenmäher sind wir dann doch.
Krasse Küste
Die E10 verlassen wir bei der ersten Gelegenheit wieder und biegen auf die Küstenstraße 815 ab. Was eine gute Entscheidung! Wir wissen ja nicht, was wir auf der E10 jetzt für spektakuläre Landschaften verpassen. Aber viel doller als unsere Streckenführung mit Blick auf die Gebirgskette vor Henningsvaer kann das jetzt auch nicht sein. Man möchte an jeder Ecke anhalten!
An einem Strand bei Valberg ist es dann um uns geschehen: Hier muss man einfach stehen bleiben! Während ich verantwortlich dafür bin das Große und Ganze zu fotografieren, findet Annette die kleinen Dinge: am Strand liegen hier wirklich filigranste Korallenstückchen, von denen ein paar ins MoMo wandern.
Kleiner, aber größer
Was ist besser als eine kleine Küstenstraße? Eine noch kleinere. Zumindest nach der Einstufung in unserem Atlas, wo aus der „gelben“ Straße eine „weiße“ wird. Wir verlassen also die 815 in Richtung Stamsund, wo wir uns moralisch schon mal auf Schotterpiste vorbereiten.
Stattdessen finden wir mit Stamsund einen richtigen Ferienort mit Hurtigruten-Hafen und Skizentrum(!) vor. Gibt’s das eigentlich sonst noch irgendwo auf der Welt? Wir entscheiden uns für eine Fika oberhalb des Sporthafens und genießen den letzten Ausblick auf die Bergkette vor Henningsvaer.
Die von uns erwartete Schotterpiste ist dann eine frisch asphaltierte Luxusstrecke zurück zur 815. Ein lohnender Schlenker, den wir da eingebaut haben.
Aussichten im Minutentakt
Nachdem wir vor Leknes auf die E10 zurückgekehrt sind, gibt es keine Alternativen mehr zur Lebensader der Lofoten. Aber abgesehen vom spürbar stärkeren Verkehr ist das aussichtsmäßig immer noch Champions League. Nur halt nicht mehr so entspannt.
Annette erledigt ihren Job, während der Fahrt die Fotos zu schießen, die ich am Steuer nicht machen kann, mit Bravour. Das Handy läuft heiß!
Und das, obwohl wir dem Wetter jetzt dabei zugucken können, wie es sich verschlechtert. Es wird deutlich windiger und immer dickere Bewölkung zieht auf. Die Sonne kommt nur noch zaghaft durch. Aber auch das hat seinen Reiz – auf einmal wirkt jeder Gipfel noch mal so mächtig und doppelt majestätisch. Wenn man ihn denn durch die Wolken noch sehen kann.
Surfer-Dudes
Am Strand von Flakstad halten wir am Parkplatz, damit wir den Mengen an Surfern zugucken können, die dort bei ordentlichen Wellen ihrem Handwerk nachgehen.
Es stellt sich aber schnell heraus, dass da wohl keine Könner dabei sind, sondern dass wir einem Surfkurs dabei zugucken, wie man erste Erfahrungen im Wasser sammelt. Man sieht eigentlich nur einen Haufen schwarzer Männchen, die ein buntes Brett besteigen wollen, aber öfter daran scheitern als, dass sie darauf stehen.
Aber wenn man sich die Hintergrundkulisse anguckt, kann man auch hier nur sagen: es gibt deutlich schlechtere Orte, um das Surfen zu lernen…
Der No-No-Campingplatz
Von Klaus aus dem Womoforum kam der Tipp, den Campingplatz in Fredvang nicht auszulassen. Die Bilder sehen vielversprechend aus – wir mögen ja diese großen Plätze am Meer, wo sich jeder den Platz aussuchen darf, wo er am liebsten sein möchte.
Von der Location her also alles tutti. Was allerdings sehr gewöhnungsbedürftig ist, ist die Betreiberin. Sie ist nicht per se unfreundlich, aber zum Lachen gräbt die wohl selbst im Keller noch ein Loch. Und anscheinend ist hier alles sehr reglementiert. Wo andernorts ein „stellt euch irgendwo hin und zahlt später“-Schild hängt, ist es hier das Gegenteil. Man solle bloß nicht auf den Gedanken kommen, die heiligen Hallen zu betreten, bevor man nicht in der Rezeption war. Und vor allem: dort bezahlt hat.
Da wir keinen Strom benötigen (und bezahlen), wird mir eingeschärft, dass ich dann nur den rechten Bereich des Platzes benutzen dürfte. Auf keinen Fall dürfte ich links stehen. Die Plätze seien für Gäste vorgesehen, die Strom brauchen. Was ja an sich kein Problem für mich ist. Aber wenn man sieht, wie sich zwei Handvoll Fahrzeuge auf dem großen Gelände verlieren, kommt einem diese Regel schon reichlich dämlich vor…
Wenn man sich dann noch vorstellt, dass quasi alle weiteren Dienstleistungen (z.B. Strom in der Küche!) auch noch extra bezahlt werden sollen, könnte es also an vielleicht auch an den nicht sehr serviceorientierten Betreibern liegen, dass der Platz in der Hochsaison so schlecht besucht ist. Eine Recherche im Internet ergibt: andere sehen das ähnlich…
Trotzdem schön
Auch wenn es sich stark bewölkt hat, der Wind am MoMo rüttelt und das Wetter nicht sehr zu Wanderungen einlädt: Auf eine Weise gefällt uns das dann auch. Und vor allem: Es macht den bevorstehenden Abschied von den Lofoten dann auch erträglicher.

lonsome am 31 Jul 2021 22:21:02

Hallo,

ja, die Dame ist etwas spöde, wenn man sie nicht kennt. Mich begrüßt sie in der Zwischenzeit mit mit "Welcome back! - No electrizity!" Es wollen wohl nur viele Leute einfach nur zum Baden an den Strand runterfahren. Eher unmöglich ist der Chef selbst. Aber ich finde, dass man dort sehr schön am Strand sein kann, und tolle Wandermöglichkeiten ganz nahe.

Gruß
Klaus

Momoblog am 01 Aug 2021 20:53:22



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Panoramafahrt
Der Wind hat nachts ganz ordentlich am MoMo gerüttelt, sodass wir nur mäßig erholsam geschlafen haben. Irgendwie hat es nicht sein sollen mit Fredvang und uns. Pünktlich um kurz vor 12 verlassen wir den Platz, bevor der No-no-Campingplatz noch eine Strafgebühr beim Auschecken von uns sehen will.
Wir kehren zurück zur E10. Es ist das versprochene Grau-in-grau-Wetter, was ja zu einer Norwegen-Reise auch dazugehört. Vor Reine genießen wir die Küstenfahrt durch die eleganten Galerien. So ein halboffener Tunnel hat schon was!
Und auch der Himmel zeigt auf einmal ein Stückchen blau. Mehr als wir erhofft hatten.
Schlemmen bei Anita
In Sakrisøya sehen wir an den Trockengestellen sogar noch ein paar Dörrfische – die meisten anderen sind bereits abgeerntet. Mann was sehen die schön-gruselig, gruselig-schön aus!
Praktischerweise sind sie in der Nähe von Anitas Sjømat - einem schön anzusehender Fisch- und Delikatessenladen für Touristen. Das entnehmen wir zumindest den gesalzenen Preisen, die dort aufgerufen werden.
Es gibt alles Mögliche im Sortiment, was uns prinzipiell sehr anlacht. Vor allem, weil der Laden wirklich geschmackvoll gestaltet ist. Unter anderem dürfen wir mal geräuchertes Walfleisch probieren. Schmeckt tatsächlich mehr nach Fleisch als nach Fisch. Da die geräucherte Forelle zwar gut, aber nicht besser als bei Bergmans schmeckt und hierfür locker das doppelte kostet, können wir unseren Kaufdrang beherrschen.
Nicht beherrschen kann ich mich allerdings bei der Fischsuppe. Und Annette bei den Kanelbolle. Die müssen wir dann doch im Restaurant probieren.
Und die Fischsuppe ist wirklich eine fette Empfehlung. Wenn sie nicht etwas verpfeffert gewesen wäre, würde sie in meine Top 5 gehören! Die wird beim nächsten Besuch auf jeden Fall wieder geordert.
Und auch Annettes Kanelbolle ist lecker. Es gab übrigens ausgesprochen ansprechendes Gebäck – unter anderem Macarons(!) mit Lakritz(!!).
Der letzte Zipfel
Wir befinden uns jetzt auf dem letzten Abschnitt der E10. Man merkt, dass der Verkehr zunimmt. Es ist aber bei Weitem nicht so überfüllt, wie ich das befürchtet habe. Lediglich die Parkplätze vor Reine sind überfüllt, sodass wir uns den Besuch für ein späteres Mal aufheben.
Ähnliches befürchte ich ja für den Ort mit dem kürzesten Namen der Welt: Å. Hier am Ende der E10 knubbeln sich bestimmt die Touristen. Aber so schlimm ist es nicht. Vielmehr „behindern“ uns die vielen entgegenkommenden Spaziergänger, ob mit Hund oder Kinderwagen. Das muss ja meganervig sein, wenn die einzige Spazierroute entlang der Hauptstraße verläuft!
In Å finden wir völlig stressfrei auf einem großen Parkplatz sogar eine spezielle Womo-Parklücke. So einen Service hat man selten. Und auch in Å kommen wir eher in eine relaxt-entspannte Atmosphäre als in ein trübseliges Touristenörtchen. Die einzigen, die den Frieden hier stören, sind… wir. Denn Toffi kriegt sich mal wieder nicht ein, dass dort auch fremde Hunde sind. So eine Unverschämtheit aber auch. Dieser Hund kostet uns echt Nerven.
Museumsschnecken
Da ist es selbstverständlich, dass wir Nervennahrung benötigen. Und für die ist Å sogar berühmt. Im Museumscafé soll es die besten Zimtschnecken überhaupt geben. Gebacken in der Museumsbäckerei. Ich ignoriere den heftigen Preis von 53 Kronen pro Stück und kaufe für jeden eine. Auf dem Aussichtsfelsen über dem Hafen von Å werden sie dann stilvoll verspeist. Wir sind uns einig: Die sind schon sehr gut, sehr frisch und wirklich lecker. Ob es jetzt die „Besten“ sind, sei aber gerne dahingestellt.
Panorama mit Sonne
Wir haben uns für die Abreise von den Lofoten gegen die eigentlich „logische“ Fähre von Moskenes (was hier um die Ecke liegt) nach Bodø entschieden. 4 Stunden Fähre allein mit Elli im MoMo scheinen uns für Toffi noch eine zu große Herausforderung zu sein. Da scheint uns die zweistündige Überfahrt von Svolvaer nach Skutvik doch realistischer zu sein.
Aber vor allem gewinnen wir durch diese Entscheidung eine Panoramafahrt der Extraklasse hinzu.
Ab jetzt beginnt unsere Rückfahrt und der Abschied von den Lofoten. Und diese bieten noch mal alles auf, um uns nachhaltig zu flashen.
Zum einen ein deutlich freundlicheres Wetter als erwartet. Und mit der Sonne im Rücken werden wir wirklich verwöhnt, was die Ausblicke angeht. Viel besser kann man es auf den Lofoten kaum antreffen.
Zum anderen kriegen wir am Strand von Flakstad noch mal heftige Hebriden-Vibes: Der feinsandige Strand mit dem smaragdfarben schimmerndem Meer ist schon ein Anblick der Extraklasse. Und da wir das Riesenglück haben, am eher kleinen Parkplatz einen Platz zu bekommen, nutzen wir das dann für einen Strandspaziergang. So schön!
Und richtig schräg ist es dann, wenn ein Womo vor dir parkt, dass genau diesen Ausblick auf sein Heck tapeziert hat…
Aber auch im weiteren Verlauf bekommen wir so einiges an Landschaftsorgasmen geboten. Was sicherlich auch erklärt, warum hier kaum ein Womofahrer grüßt. Die meisten gucken einfach nur mit offenen Mündern durch die Frontscheibe. Und manchmal stehen dem Fahrer an den Engstellen Schweißperlen auf der Stirn.
Doch nicht auf die Fähre
Als wir bei schönstem Abendlicht in Svolvaer ankommen, reihen wir uns hinter die anderen Womos in die Warteschlange ein. Aber irgendwas erscheint uns komisch zu sein.
Des Rätsels Lösung ist dann simpel: Wir haben Samstag. Und da fährt die letzte Fähre bereits um 16.15 Uhr. Wir stehen in der Schlange für die Abfahrt morgen früh. Und jetzt weiß ich auch, was mich vorher gewundert hat: Alle anderen Womos waren leer und verlassen. Die feiern wohl ihren letzten Abend auf den Lofoten in Svolvaer.
Wir entscheiden uns dagegen, an diesem eher unwirtlichen Fähranleger zu bleiben und setzen stattdessen lieber unsere Panoramafahrt fort. Nächstes Ziel: Der Fährhafen von Lødingen, wo man in einer Stunde aufs Festland übersetzt. Denn den Teil der E10, der hinter Fiskebøl kommt, kennen wir ja auch noch nicht.
Außerdem haben wir noch ein zusätzliches As im Ärmel. Annette hat auf halber Strecke in Hanøy einen Stellplatz an einem Hafen nicht weit der E10 gefunden. Wenn der was taugt, bleiben wir halt noch eine Nacht auf den Lofoten. Es gibt ja Schlimmeres.
Und tatsächlich finden wir einen brauchbaren und sehr ruhigen Platz vor. Auch wenn er nicht die spektakuläre Aussicht bietet, die wir uns im Stillen erhofft hatten. Aber nach so einem Overkill an Sinneseindrücken tut das auf eine Weise dann auch sehr gut.

Momoblog am 02 Aug 2021 19:43:56



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Leinwandreif
Wir haben mit unserer Stellplatzwahl wieder ein glückliches Händchen gehabt. Gestern Abend war unser Eindruck noch: Na ja, ist ganz nett hier. Wenn man den ganzen Tag nur mit Superlativen zugeballert wird, geht einem einfach der Maßstab verloren.
Denn hier ist es wunderbar ruhig, obwohl wir nur ein paar Hundert Meter von der E10 entfernt sind. Und wir sehen zur einen Seite mächtige Berge vor grünblauem Wasser und auf der anderen Seite sogar einen kleinen weißen Strand. Woanders würde man sich über so einen Platz ein Loch in den Bauch freuen. Und hier auf den Lofoten nimmt man es gönnerhaft hin. Verrückt!
Die zweite Fähre
Auch das Wetter ist bei Weitem nicht so gruselig wie es der Wetterbericht vorhergesagt hat. Eher Aprilwetter mit Tendenz zum Freundlichen.
Wir fahren heute die paar Kilometer zur Fähre nach Lødingen, um die 200 Kilometer Umweg übers Narvik zu sparen. Als wir am Fährterminal ankommen, sieht es nach perfektem Timing aus: Der Beladevorgang hat begonnen und ich erkläre Annette noch, dass da nichts schiefgehen kann, weil wir uns ja auf Spur 3 von 5 vorgesehenen Wartelinien befinden. Warum sollte jemand so viele Spuren einrichten, wenn er sie nicht benötigt?
Nun, die Norweger machen das so. Als ich frohgemut auf die Beladerampe zurolle, kriege ich ein Stop-Zeichen vom Hafenarbeiter und wir sehen auch, warum: Der Wagen vor uns war der Letzte, der noch auf die Fähre gequetscht werden konnte. Selbst für unser kurzes MoMo ist da kein Platz mehr.
Wir tragen es mit Fassung und machen es uns bei einsetzendem Regen im MoMo gemütlich. Da haben wir es doch besser als die Pärchen neben uns, die ihre Motorräder stehen lassen und sich im Unterstand unterstellen müssen. Wir überlegen indessen, ob man sich seinen Ruf bei den Hells Angels eigentlich sehr versaut, wenn man einen schnuckeligen Teddybär oder einen Stoffelch auf dem Sozius sitzen hat. Oder gibt’s da etwa ein geheimes Kuscheltier-Chapter?
Mini-Kreuzfahrt
Die Überfahrt nach Bognes ist dann mit einer Stunde etwas länger als unsere bisherigen Fahrten. Die Hunde bleiben im MoMo und wir steigen, seit langer Zeit mal wieder mit Maske, hinauf in die Cafeteria, wo wir einen Premiumplatz vorne am Fenster ergattern.
Und der macht sich dann mal so richtig bezahlt. Das Wetter liefert in dieser Stunde alles, was man sich wünschen kann und die Landschaft, die langsam an uns vorüberzieht, ist nicht weniger grandios als auf den Lofoten. Nur, dass ich hier mal nicht am Steuer sitze, sondern mich kutschieren lasse. Hat auch was.
Ein wilder Ritt
Auf der E6 soll es jetzt zügig Richtung Süden gehen. Aber wir wären ja nicht in Norwegen, wenn das in echt dann etwas anders wäre, als es auf der Straßenkarte aussieht. Es geht eigentlich ständig bergauf, bergab, durch manchmal eng oder übertrieben lang wirkende Tunnel, an Seen entlang, mit ehrfurchtgebietenden grauen Steinwänden links und rechts. Dazu immer wieder die Aprilwetter-Kapriolen, sodass das ganze auch lichtmäßig standesgemäß inszeniert wird. Es ist absolut leinwandreif, was da für ein Film vor uns abläuft.
Als wir dann hinter Fauske einen schönen Platz am Nervatnet finden, ist das Grund genug, die Fahrt für heute zu beenden.
Unsere einzig nennenswerte Aktion für diesen Tag ist dann ein Hundespaziergang entlang der alten Schotterstraße, die parallel zur modernen Straße ins Sulitjelma-Gebiet verläuft.

Momoblog am 03 Aug 2021 21:09:51



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Auf dem Silvervägen
Annette hatte gestern Abend noch eine wichtige Erkenntnis. „Jetzt waren wir Norwegen und haben gar nicht im Sport Outlet geshoppt!“ Und da das ja nun mal so gar nicht geht, wird schnell gegoogelt und zu unserem Wohlgefallen festgestellt, dass es im 3 Kilometer entfernten Fauske, wo wir gestern nur durchgebraust sind, eine Filiale gibt. Damit ist der Vormittag schon mal festgelegt: Auf nach Fauske!
Shopping-Fieber
Wir shoppen lang und gründlich. Und sind wieder mal fasziniert davon, dass man im Hochpreisland Norwegen so viele Dinge findet, die es Zuhause auch nicht günstiger gibt. Vor allem verglichen mit dem Preisschock im Lundhags-Outlet in Schweden. Wir freuen uns jetzt schon auf nächstes Jahr!
Nachdem wir im Coop noch ein paar norwegische Leckereien (Lofotburger!) eingekauft haben, heißt es dann bereits Abschied nehmen.
Denn der Wetterbericht für Norwegens E6 sieht wenig vielversprechend aus, während uns in Schweden strahlender Sonnenschein erwarten soll. Da wissen wir schnell, was wir wollen!
Wieder in Schweden
Wir fahren noch ein gutes Stück die E6 entlang, bis unser Weg dann ins mächtige Junkerdalen abzweigt. Das sieht hier ganz schön gut aus, sodass wir uns die Gegend als besuchenswert im Hinterkopf notieren. Aber wir fahren eisern den Berg hinauf bis zur schwedischen Grenze. Hier gibt es eine Kontrollstation, aber nur für die Einreise nach Norwegen. Die Grenzer winken uns fröhlich nach Schweden durch, ohne dass wir unsere Impfzertifikate vorweisen müssen.
Was jetzt folgt, ist eine grandiose, majestätische Fjelllandschaft. Karg, weitläufig und einfach beeindruckend. Benannt ist diese Straße als Silvervägen, der Silberweg, weil in diesem Gebiet früher Silber abgebaut wurde. Für uns hätte die RV95 auch Gold verdient.
Wir verpassen die Gelegenheit, einmal anzuhalten, um diese Landschaft mit allen Sinnen zu erleben. Ärgerlich! Denn da wir immer weiter hinunterfahren, ändert sich die Landschaft und wird mit den knorrigen Birken und Kiefern an blauen Seen fast schon anheimelnd.
Erst in Vuoggatjälme komme ich mal auf den Gedanken, abzufahren, damit wir die Landschaft mal auf uns wirken lassen können. Dort finden wir zwar ein anscheinend gutes Restaurant vor, finden aber die gebotenen Stellplätze für 350 Kronen arg überteuert und nicht so ansprechend. Also weiter, nachdem wir uns mit den Hunden ein wenig die Beine vertreten haben.
Rindenkratzer
In Ballasviken halten wir an einem Wanderparkplatz kurz vor dem Polarkreis und können vor allem endlich mal wieder einen kleinen Spaziergang machen. Das Wort Wanderung verbietet sich bei der kurzen Strecke.
Hier gibt es einen Weg durch ein Birken- und Kiefernwäldchen in schönster schwedischer Art.
Man soll nach 700 Metern auf eine Baumgruppe von Kiefern stoßen, wo die Samen einen Teil der Rinde geschält haben, um daraus eine Art Tasche zu fertigen. Wir suchen an der angegeben Stelle, finden aber nicht wirklich Zeichen einer Bearbeitung. Und hilfreiche Bilder oder Zeichnungen, wie das jetzt aussehen soll, haben wir leider auch nicht.
So müssen wir mit den wirklich urigen Bäumen und den abgestorbenen Stämmen auf dem Boden vorlieb nehmen.
Elchland
Schon auf der Wanderung haben wir Elchköttel gesehen und auch auf der Weiterfahrt sieht alles nach perfektem Elchland aus. Aber sehen können wir wieder mal keinen. Wo, wenn nicht hier müssten wir mal welche sehen?
Jetzt befinden wir uns schon wieder südlich des Polarkreises. Die Zeit im hohen Norden ist viel zu schnell vorüber.
Wir trösten uns mit der wundervollen Landschaft, die an unser vorüberzieht, während wir auf der menschenleeren Straße entlang fahren. Das kommt hier jetzt dem Lappland, was wir uns so vorgestellt haben, schon wirklich nahe. Im warmen Abendlicht fahren wir an See um See vorbei und genießen dieses entspannte Cruisen mit Luxusaussicht.
In Jäckvik finden wir dann am Wanderparkplatz für den Kungsleden einen akzeptablen Schlafplatz für die Nacht. Wir befinden uns am Rande des Pieljekaise-Nationalparks, in dem wir morgen ein gutes Stück wandern wollen. Perfekter Ausgangspunkt!

Momoblog am 04 Aug 2021 23:54:16



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So richtig Lappland
Das ist ja fein! Nach der eisigen Nacht mit 2° scheint die Sonne und wärmt uns kräftig auf. Zumindest durch die Scheiben des MoMos.
Wir sind gespannt, wie sehr sich der Parkplatz füllen wird. Schließlich ist das hier ein Nationalpark und ein Einstieg in den berühmten Kungsleden. Aber viel passiert da nicht. In den 2 Stunden, die wir in den Tag hinein trödeln, kommen vielleicht eine Handvoll Autos an. Manchmal werden auch nur die Wanderer mit ihren fetten Rucksäcken für eine Mehrtageswanderung auf dem Kungsleden abgeliefert.
Pieljekaise
Wir wollen heute die Strecke zum Pieljekaise laufen, dem Berg, der dem Nationalpark seinen Namen gegeben hat und übersetzt so viel wie „Ohrenberg“ bedeuten soll.
Das erste Stück führt uns durch fantastisch-märchenhaften Birkenwald. Aber nicht mit so Birken, wie ihr die von Zuhause kennt. Es sind viel knorrigere, kleinere und dichter stehende Bäume. Fast so, als wüssten sie, dass sie zusammenrücken müssen, um die unwirtlichen Winter überstehen zu können.
Wo es zunächst auf fast schon breit zu nennenden Wegen zügig vorangeht, dürfen wir bald schon etwas enger, steiniger und holpriger den Berg hinaufsteigen. Da wir aber den Aufstieg zum Hoven noch in guter Erinnerung haben, läuft das bei uns unter Pillepalle.
Nach 3 Kilometern erreichen wir die Schutzunterkunft Jäckviksgården und legen ein Päuschen ein. Und weil sogar ein Schauer über uns hinwegzieht sind wir ganz froh, dass wir den in der Hütte aussitzen dürfen.
Den ganzen Weg zum Pieljekaise machen wir dann nicht mehr, sondern haben uns das Ziel gesetzt, wenigstens noch deutlich über die Baumgrenze zu kommen. Wir freuen uns über die Weitsicht, die man zuvor so gar nicht hatte. Weniger freuen wir uns über den auf einmal so bedeckten Himmel und den leichten Landregen, der immer mal wieder einsetzt.
Schönes Arjeplog
Wir fahren nun weiter nach Osten. Die Straße ist bestens ausgebaut, sodass sogar mal ein Tempo-100-Schild aufgestellt wurde. Wir rasen!
Mit jedem Kilometer wird die Landschaft schöner und lappländiger. Genau so habe ich mir im Vorfeld diese Landschaft vorgestellt. Wälder, Seen, unendliche Weite in alle Richtungen. Wir sind spontan verliebt und vermerken schon mal, dass wir diese Ecke Schwedens auf einer späteren Reise intensiver erkunden wollen. Hier lässt es sich gut leben!
In Arjeplog gucken wir uns zur Abwechslung mal ein Museum an. Hatten wir auf dieser Reise ja noch gar nicht.
Im Silvermuseet gibt es eine Ausstellung zum Leben der Samen in Lappland. Ein besonderer Schwerpunkt sind die Silberschmiedearbeiten, die in einer leider ziemlich düsteren Ausstellung präsentiert werden. Wenn ihr was zur Kultur der Samen, zur Natur und Tierwelt Lapplands und dem Leben in alten Zeiten wissen wollt: Hier werdet ihr fündig. Unser Lieblingsfundstück: die Kombi aus Schaukel und Töpfchen. Warum sich das nicht weltweit durchgesetzt hat…?
Lappland pur
Auch auf unserer Straße Richtung Süden werden wir wieder mit feinster Lappland-Romantik verwöhnt. Wälder! Seen! Auch Rentiere sind inklusive und stehen schon mal komplett reglos auf der Straße, als seien sie sich sicher, dass ihnen nichts passieren kann.
Wir finden nach all den versperrten Zufahrten zum See eine erstaunlich große geschotterte Fläche direkt am Uddjaure. Hier verteilen sich die Womos auf ganz selbstverständliche Art und Weise, sodass alle ihre Ruhe haben. So muss das sein!
Wir richten uns häuslich ein und schmeissen bei strahlendem Sonnenschein Würsten und Lofotburger auf den Grill. Wenn nicht der kräftige Wind wäre – so ließe es sich bis Sonnenuntergang aushalten. Aber der Wind macht irgendwann unsere Finger so eisig, dass wir uns die Landschaft doch lieber von drinnen ansehen.

Momoblog am 05 Aug 2021 22:08:36



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Neue Heimat
Heute ist ein großer Tag.
An den ersten Tagen der Reise war Annettes großes Vorhaben: „Wenn wir in Schweden snd, dann fahre ich auch mal wieder.“ Als wir dann im einsamen Norden waren, habe ich sie immer mal wieder daran erinnert, aber wir sind irgendwann so verblieben, dass sie sich schon melden wird, wenn es soweit ist. Und die herrlich einsame Strecke von der norwegischen Grenze bis hierhin hinter Arjeplog auf der hervorragend ausgebauten „weißen“ Straße hat anscheinend den Ausschlag gegeben. Hier kann doch jetzt gar nichts schief gehen.
Fahrheldin
Annette nutzt den riesigen geschotterten Stellplatz als Verkehrsübungsplatz um sich an die Dimensionen und das Rangieren ranzutasten. Und dann geht es auf die Piste.
Aufregung! 70 km/h! Schnurgerade! Kein Verkehr!
Aber natürlich macht sie das ganz souverän und fein und steigert von allein die Geschwindigkeit auf die erlaubten 90 km/h und man könnte fast den Eindruck bekommen, dass ihr das Fahren Spaß macht. Als wir kurz vor der E45 sind, hat sie genug für heute. Ich verleihe Annette einen Heldinnenorden für das Überwinden ihrer Angst und wir wechseln die Plätze. Und da auf der E45 ähnlich wenig Verkehr herrscht, fahre ich entspannt weiter und kann mir gut vorstellen, dass das Annette auch diese Herausforderung in den kommenden Tagen meistern wird.
Angekommen
Unser Ziel für heute war etwas schwammig. Wir müssen ver- und entsorgen und wollen noch zum Skuleskogen Nationalpark an der Ostküste, um danach auf der Autobahn zügig Richtung Süden fahren zu können.
Der erste Campingplatz auf dem Weg ist in Sorsele, einem Städtchen mitten im lappländischen Nirgendwo. Wir steuern zunächst den ICA und Systembolaget an, um unsere Vorräte aufzufrischen. Da unser letzter 5-Liter-Pack Wein aus Deutschland leider ziemlich eklig schmeckt, sehen wir uns mal nach schwedischen Alternativen um. Die Preise liegen zwar sicherlich über dem deutschen Niveau, aber nicht in astronomischer Höhe. Eher so 1–2 €/Flasche teurer.
Und während wir noch sinnieren, ob wir gleich wieder einen 3-Liter-Pack kaufen sollen, oder erst mal auf Flaschen umsteigen, spricht uns schon Martin an, um uns zu beraten. Martin ist vor ein paar Jahren aus Deutschland nach Schweden ausgewandert und hat sich mit seiner Frau den Traum von der Pferdefarm in Lappland erfüllt. Wir kommen nett ins Gespräch und lernen, dass die Rebsorte Malbec, die uns in Südfrankreich so gut geschmeckt hat, wohl noch besser in Südamerika gedeiht und deswegen bei den Weinen aus Argentinien und Chile eine wichtige Rolle spielt. Da lassen wir uns doch gerne beraten!
Während Annette dann die Vorräte im MoMo verstaut, schaue ich mich etwas rundherum um und verspüre ein seltsam wohliges Heimatgefühl, was man schlecht erklären kann. Ich mag diesen kleinen Ort am Fluss in dieser so typisch schwedischen Landschaft mehr, als sich rein rational erklären lässt. Ich frage Annette, ob wir uns auf jeden Fall mal den Campingplatz angucken und eventuell hier schon Station machen, auch wenn wir heute eigentlich deutlich länger fahren wollten. Und natürlich sagt die beste Ehefrau von allen da nicht nein.
Camping zum Wohlfühlen
Der Campingplatz liegt schon mal vielversprechend. Auf einer Insel gelegen ist er praktisch auf allen Seiten von Wasser umgeben. Wäre das hier nicht ideal as zum Paddeln? Ja, denn man kann sogar eine Runde um die Insel paddeln!
Wir checken kurz, ob uns auch der Rest gefällt, kommen zu einem klaren Ja und melden uns bei der handfesten deutschen Gastgeberin Sandra, zu der wir direkt einen Draht haben. Und wieder verfestigt sich das Gefühl, dass wir hier und heute einfach bleiben müssen.
Wir richten uns häuslich ein und können unser Glück so gar nicht fassen. Das ist alles so perfekt wie für uns gemacht hier!
Endlich aufs Wasser
Dank unserer Lofoten-Pumpe können wir heute endlich, endlich mal mit beiden Booten aufs Wasser. Und, was noch viel besser ist: auf eine richtige Tour. Denn das Umpaddeln der Insel soll in 1–2 Stunden locker zu schaffen sein. Genau die richtige Distanz für uns, da wir seit Brandenburg leider nichts Längeres mehr gepaddelt sind.
Wie sich das an einem perfekten Tag gehört, sind auch die Windverhältnisse ideal. Gestern auf den Uddjaure wollten wir wegen des böigen Windes lieber nicht aufs Wasser. Heute ist es nahezu windstill, als wir in See stechen.
Annette mit den beiden Hunden macht das ganz hervorragend. Elli ist ja seit letztem Jahr schon alter Kajak-Hase und auch Toffi hat schnell den Bogen raus, dass es auf dem Wasser gerade mal nicht angebracht ist, das Boot zu verlassen.
Wir sind ganz überrascht, wie schnell die Landschaft links und rechts von uns so gar nichts von Stadt und Zivilisation hat, sondern wir wirklich das Gefühl haben, durchs einsamste Schweden zu paddeln. Den Anspruch hätten wir jetzt gar nicht gehabt, freuen uns darüber aber umso mehr.
Auch das Paddeln entlang der Stadt ist schön und wird durch einen Springbrunnen mitten im Wasser noch versüsst: Regenbogengarantie!
Besser geht nicht
Ganz beseelt kehren wir zum MoMo zurück und freuen uns, dass anscheinend die schlimmste Zeit der Mückenplage schon hinter uns liegt. Zwar schwirren einige Knott, die winzigen Kriebelmücken, umher, aber wir werden dank Spray weitestgehend von Stichen verschont. Kein zweites Vildmarksvägen-Fiasko. Sicherheitshalber verbringen wir trotzdem die späteren Abendstunden im MoMo.
Und während wir die leckere Wein-Empfehlung von Martin süppeln und Tagebuch schreiben, bemerkt Annette auf einmal treffend: Das wird jetzt ja fast schon richtig dunkel! Tatsächlich sind die langen hellen Nächte jetzt wohl vorbei. Hier oben geht es jetzt stramm auf den Herbst zu!

bonjourelfie am 05 Aug 2021 22:31:59

Hallo , falls ihr noch zum Skulleskogen kommt, "Eingang " Nord wählen. Dort konnten wir 2017 noch übernachten und am nächsten Morgen eine ganz tolle Wanderung starten. --> Link (am Ende des Artikels)
Weiterhin gute Fahrt und danke für die abendliche Lektüre

LGElfie

Momoblog am 05 Aug 2021 22:36:26

Danke für den Lesetipp, Elfie: Genau da wollen wir morgen hin!
Meinst du, der steile Aufstieg klappt mit den Hunden? Dann würden wir wohl die Runde machen, die ihr auch gemacht habt. :-)

Liebe Grüße
Micha

bonjourelfie am 06 Aug 2021 10:51:05

Es ist nur ein kurzes steiles Stück, sollte auch mit Hunden machbar sein. Wahrscheinlich klettern die besser als wir. Viel Spaß.
LGElfie

Gogolo am 06 Aug 2021 11:58:38

Habt ihr bei dem genialen schweizer Bäcker - gleich bei/neben der Tankstelle - eingekauft (Paradies-Cafe und Bäckerei)? Der hat gutes Schwarzbrot und Brezen, nicht so weiches lappriges Zeug.


Habe die Ehre

Gogolo

Momoblog am 06 Aug 2021 22:05:37

Gogolo, beim Schweizer Bäcker haben wir ordentlich zugeschlagen und es war sehr lecker! Leider alles schon wieder weg!

Liebe Grüße
Micha

Momoblog am 06 Aug 2021 22:06:59



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Auf dem Sagavägen
Frühmorgens werden wir vom vertrauten Geräusch von Regen, der aufs MoMo-Dach pladdert wach. Hä? Es waren doch noch drei Tage schönes Wetter angesagt? Aber die Morgenstunden sind verregnet. Dumm, wenn man dann die Stühle fürs Frühstück hat draußen stehen lassen. Und auch unsere Handtücher vom Reinigen der Boote hatten wir zum Trocknen über Nacht draußen gelassen. So wird das nix. Aber das gute ist, dass der Wetterbericht zumindest so halb stimmt. Ab etwa 9 Uhr wird es freundlicher, auch wenn es immer wieder nach Schauern aussieht.
Schweizer Frühstück
Heute machen wir mal was anders. Es gibt zunächst nur ein Müsli-Frühstück. Und nachdem wir uns in den Duschen (dankenswerterweise ohne Duschmarken) frisch gemacht haben, gehen wir mit den Hunden zum Bäcker. Und das ist nicht irgendein Bäcker. Denn hier in Sorsele gibt es einen Schweizer Bäcker!
Und was lacht uns da alles aus der Auslage entgegen und was duftet das nach Bäckerei! Richtige Brote, wie wir sie hier in Schweden eher nicht erwarten dürfen. Süßkram, bei dem wir uns gar nicht entscheiden können. Die Nussgipfel heißen hier eingeschwedischt Boomerang und sind natürlich ein Muss, wenn wir hier schon beim Schweizer Bäcker sind. Aber auch Apfelstrudel und Mandelgebäck sehen mehr als verlockend aus. Das Dumme: Wir könnten uns hier dumm und dämlich kaufen, müssen uns aber gegen die leckersten Sachen entscheiden. Wie ärgerlich! Und wie gut, dass wir Sorsele jetzt schon in unser Herz geschlossen haben und auf jeden Fall wiederkehren werden, wenn wir in Lappland sind.
Leicht wehmütig brechen wir auf und fahren ein paar Kilometer bis zu einer Eisenbahnbrücke über den Vindelälven. Irgendwie scheinen wir immer wieder an diesen Fluss zu kommen…
Wir machen uns hier ein zweites Schlemmerfrühstück mit den Brötchen aus Sorsele, bevor wir wieder auf die E45 zurückkehren. Denn heute soll ein Reisetag werden, auf dem wir uns wieder etwas in Richtung Süden bewegen wollen.
Hupehund
Schon seit wir auf der Hinfahrt die Leckereien von Bergmans in Vilhelmina probiert haben, wissen wir, dass wir da noch mal hin müssen. Das war schon alles sehr, sehr lecker, was wir dort bekommen haben.
Und da seit dem zweiten Frühstück schon ein bisschen Zeit vergangen ist, können wir auch rechtfertigen, dort für ein Mittagessen einzukehren.
Für die Hunde bedeutet das: leider im MoMo bleiben.
Toffi nimmt dann immer den Käptns-Sitz am Lenkrad ein und sondiert die Lage. Und wenn, so wie heute, Leute mit großem schwarzem Hund vorbeikommen, hüpft sie schon mal aufgeregt auf die Hupe. Und nochmal. Und nochmal. Sodass man fast glauben könnte, dass sie verstanden hat, was sie da tut und das Hupen für eine adäquate Ersetzung des Bellens hält. Eine Motorradfahrerin kommentiert wahrscheinlich zu Recht: Wenn wir das jetzt bei YouTube hochladen, kriegen wir schnell ‚ne Million Klicks. Toffi verdient Geld für uns, wie cool!
Laxkebab
Aber wir sind ja nicht zum Vergnügen hier. Es gibt bei Bergmans nämlich eine Kuriosität zu essen, die mich sofort angesprungen hat, als ich davon gelesen habe: Lax Kebab. Und das ist dann genau das, was ich erhofft habe: Ein Döner mit warmen Lachsstückchen zum Niederknien. Wenn auch schwierig zu essen, da dort halbe Kirschtomaten drin sind, die gerne mal an der Seite rauspurzeln… Und auch die beigelegten Pommes schmecken richtig, richtig gut. Empfehlung!
Einen Tiefschlag bekomme ich aber noch, als wir uns noch mal mit den anderen Köstlichkeiten bevorraten wollen: Das kaltgeräucherte Rentier ist ausverkauft und gibt es erst wieder ab morgen. Was ein Mist! Denn das schmeckte wahrlich sensationell. Dann gibt es eben das „varmrökt Renstek“. Habe ich gerade beim Schreiben schon mal gekostet: Auch richtig gut, aber nicht so spektakulär wie das kaltgeräucherte. Hätte ich auch nicht gedacht, dass man da so einen Unterschied schmecken würde. Tut man aber. Ich glaube, ich bin Team „kalträuchernd“.
Auslauf am Strand
Ein paar Kilometer südlich von Vilhelmina lassen wir dann auch die Hunde mal zu ihrem Recht kommen. An einem Badplats können sie am Strand etwas toben und wir sind auch fast versucht, dort stehenzubleiben. Denn es gibt hier die Erlaubnis der Kirchengemeinde, dort gegen Spende zu stehen. Man könnte es schlechter haben.
Aber unser Tagesziel ist mal wieder die Ostküste. Bevor wir in den Süden zurückkehren, wollen wir noch den Nationalpark Skuleskogen an der Höga Kusten besuchen. Da dieser an der Ostsee liegt, müssen wir einmal quer durchs Land. Da sind ein paar Kilometer.
Ganz stimmungsvoll finden wir es, dass die Schweden so Verbindungsstraßen gerne mal Namen geben. Unsere Straße für heute ist der Sagavägen. Hört sich doch schon mal gut an!
In the middle of Nowhere
Wir fahren diese Strecke von Hälla nach Örnskoldsvik und sind uns ziemlich sicher: Wenn wir hier keinen Elch auf der Strecke sehen, werden wir nirgends mehr einen sehen. Am Ende der Route ist aber wieder mal Fehlanzeige angesagt.
An einer kleinen Badebucht auf halber Strecke des Sagavägens können wir eine Fika mit unseren Schweizerbäcker-Köstlichkeiten machen und werden nicht enttäuscht. Sowohl von den Backwaren als auch vom Platz. Ich bin schwer versucht, einfach dort zu bleiben. Aber Annette hat uns einen noch verlockenderen Platz ausgesucht, der noch näher am Skuleskogen Nationalpark liegt. Also fahren wir weiter.
Der kleine weiße Hund
Es wird immer einsamer und auch die Schwedenhäuser am Wegesrand sehen immer häufiger verlassen oder nicht ganz so proper aus, wie wir es gewohnt sind. Hier liegt wirklich der Hund begraben.
Apropos Hund: Wir achten ja sehr auf Tiere am Wegesrand. Und auf einmal läuft da ein kleines weißes etwas auf der anderen Straßenseite vor uns. Ich denke zunächst noch an einen Hasen oder sogar einen Polarfuchs, es ist dann aber „nur“ ein kleines weißes Schoßhündchen. Tierfreundin Annette ruft sofort: „Halt an!“, springt aus dem MoMo und versucht den Hund zu sich zu locken. Denn hier gehört er definitiv nicht hin.
Während ich am MoMo den Warnblinker einschalte und mich um die leicht hysterische Toffi kümmere, ist Annette fast erfolgreich bei der Hundejagd – bis im Gegenverkehr ein Auto angebraust kommt und wir beide schon damit rechnen, dass der Kleine überfahren wird. Aber es ist ein schwedisches Pärchen, was anhält und uns bei der Haltersuche hilft, indem sie in den umliegenden paar Häusern nachfragen, wo dieser Hund hingehört. Leider bleibt auch das erfolglos. Wir rätseln schon, wie das jetzt bloß weitergehen soll – bis ein Auto die Straße entlangkommt und eine zutiefst erleichtere Besitzerin die kleine Molli (deren Namen wir dann auch wissen) wieder in die Arme schließen kann. Jeden Tag eine gute Tat – alte Pfadfindertugend!
Traumsee
Jetzt wird es aber auch richtig Zeit, weiterzukommen. Denn bei Park4Night schwärmen alle von den Sonnenuntergängen am See, wo Annette mich jetzt hinlotst.
Wir fahren mit der tiefstehenden Sonne im Rücken und kommen wirklich kaum eine Minute zu spät. Platz finden, Stühle rausstellen, Bierchen einschütten: Sonnenuntergang genießen. Besseres Timing geht doch kaum!

Momoblog am 07 Aug 2021 21:03:42



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Skuleskogen West
Der Plan für den heutigen Tag steht. Wir fahren die paar Kilometer zum Skuleskogen-Nationalpark und erwandern uns die Top-Attraktionen Slåttdalsskrevan (eine irre Schlucht) und den Ausblick auf die Höga Kusten. Annette schnippelt fleißig Proviant zurecht und gerade, als wir startklar sind, unterhalten wir uns mit dem deutschen Pärchen, die uns gestern Abend noch so nett begrüßt haben.
Versackt am See
Und ab da ist unser Plan für die Tonne. Denn wir kommen einfach nett ins Gespräch. Wir stellen fest, dass Ronny und Isabell gar nicht allein reisen, sondern dass da auch zwei Kinder zur Besatzung des Wohnmobils gehören. Wir verstehen uns so gut, dass es einfach Riesenspass macht, sich mal wieder länger mit Leuten zu unterhalten. Man kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen und wieder zurück, sodass wir irgendwann auf die Uhr gucken und (nicht ganz überrascht…) feststellen, dass es 16 Uhr geworden ist. Upsi. So viel zum Thema Pläne.
Aber wir freuen uns einfach, mal wieder unterwegs einfach nette Leute getroffen zu haben, mit denen man gar nicht erst warm werden muss. War schön mit euch!
Planänderung
Aber natürlich bedeutet unsere spätere Abreise auch, dass wir unseren Plan vom Morgen getrost in die Tonne kloppen können. Wir sind nicht sicher, ob wir mit dem MoMo einen Parkplatz am Nord- oder Südeingang kriegen werden und würden jetzt auch nicht mehr zu einer 5-Stunden-Wanderung aufbrechen.
Wir fahren daher zum deutlich weniger beworbenen Eingang West. Eine gute Wahl! Hierhin kommt man aus nördlicher Richtung nur, wenn man eine weitere schwedische Autobahnspezialität befolgt: Rechts abbiegen, um dann von der Seite aus, quer einmal mitten über die Autobahn zu fahren. Was in Deutschland undenkbar wäre, klappt hier im Norden erstaunlich problemlos, auch wenn die E4 recht gut befahren ist.
Zweimal Aussicht, bitte!
Hier am Westeingang gibt es einen vergleichsweise mickrigen Parkplatz, auf dem wir aber noch einen Platz fürs MoMo finden. Und das überaus praktische an diesem Zugang zum Nationalpark ist, dass es gleich zwei Aussichtspunkte gibt, die man schnell und ohne große Anstrengung erreichen kann. Genau so einen Quickie können wir zu dieser fortgeschrittenen Stunde doch brauchen!
Schon der Eingangsbereich des Skuleskogen ist hier ein echter Hingucker. Über einen Holzsteg schwebt man über dem Wald und hat dadurch einen tollen Blick auf das feine Gras, die von Flechten überzogenen Baumstämme und das saftige Moss. Herrlich verwunschen!
Nylandsruten
Der Weg zum nahegelegenen Nylandsruten ist dann ein barrierefreier Rollstuhlweg – vorbildlich. Einen Teil kann man als Fußgänger aber auch querfeldein gehen und daraus einen Rundweg machen. So wie wir.
Was hier auffällt, sind die grauen Flechten, die manche Bäume nahezu komplett überziehen. Wir haben ja gelernt, dass Flechten etwas positives sind und immer Anzeichen für besonders reine Luft sind. Aber hier sieht es teilweise schon etwas unheimlich so aus, als würden die Flechten die Bäume regelrecht auffressen.
In der Ferne sehen wir tatsächlich das Meer. Und unter uns den dunklen See Långtjärnen, der mystisch im Tal tief unter uns liegt.
Långtjärnhällorna
Auch der Weg zum zweiten Aussichtspunkt, dessen Namen ich mir unmöglich merken kann, ist angenehm zu laufen, da man über Bohlen geführt wird und auch hier nicht wirklich kraxeln muss. Wahrscheinlich ist der Eingang West vor allem für Gehfaule (wie wir es heute sind) konzipiert worden.
Wir erreichen die Aussicht nach wenigen Minuten und sind mal wieder von der Stille überwältigt. Nicht nur, weil hier ja eine Top-Attraktion eines Nationalparks ist, an der niemand ist (und auch niemand kommt, während wir da sind). Sondern eine Stille, wie man sie hier in Skandinavien so oft vorfindet. Wenn nicht mal der Wind weht, hört man einfach: nichts.
Und so sitzen wir da und genießen das warme Abendlicht, kuscheln mit den Hunden und sind glücklich, dass unser vertrödelter Vormittag in jeder Hinsicht die genau richtige Entscheidung war.
Wir lieben diese Unvorhersehbarkeit des Womo-Reisens!

Momoblog am 09 Aug 2021 09:20:55



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Skuleskogen Nord
Nach einer sehr ruhigen Nacht werden wir früh aktiv. Wir fahren von einem Skuleskogen-Eingang zum nächsten. Hört sich gar nicht so dramatisch an, ist aber ein Trip von einer guten halben Stunde. Wir möchten sichergehen, dass wir am Nordeingang einen Parkplatz bekommen, bevor die Massen dort sind. Schließlich ist Wochenende und bestes Wetter.
Wir wundern uns ein bisschen, dass die Zufahrt zum Nationalpark so eine üble Schotterpiste ist. Zumindest so lange, bis wir feststellen, dass uns das Navi über eine „Abkürzung“ führt. Schönen Dank! Die „offizielle“ Zufahrtsstrecke ist über Asphalt und das Dörfchen Näske zu erreichen. Denken wir zumindest so lange, bis wir für die letzten Kilometer dann doch wieder auf Schotter fahren und wirklich die übelste Waschbrettpiste der ganzen Reise hinter uns bringen.
Am Parkplatz herrscht noch zum größten Teil schwedische Morgenstimmung – natürlich kriegen wir problemlos einen Parkplatz. Wir frühstücken erst mal gründlich, bevor wir den Nationalpark von Norden aus erwandern wollen.
Anstrengend? Nicht für uns!
Das Wandern im Skuleskogen soll durchaus fordernd sein. Durch die geologische Besonderheit der Küstenhebung wird hier Jahr um Jahr die Landschaft um einen Zentimeter angehoben. Um nach oben zu den Top-Attraktionen wie der engen Schlucht und dem grandiosen Aussichtspunkt zu kommen, muss man durch bösartige Geröllfelder durch. Fordernd!
Wir haben hin und her überlegt, ob wir das auch wollen. Uns sitzt noch der Besuch im Fulufjället-Nationalpark in den Knochen, wo Toffi wirklich alles verbellt hat, was nicht bei Drei auf den Bäumen war. So eine Horror-Wanderung wollen wir uns (und ihr) nicht noch mal antun.
Da es mit der Wanderung zur Doppelhalbinsel Tärnättholmarna einen Küstenweg gibt, der wahrscheinlich nicht so stark belaufen ist wie die Hauptsehenswürdigkeit, entscheiden wir uns hierfür. Die Top-Attraktion merken wir uns dann für den Südeingang vor, den wir uns für kommendes Jahr aufheben.
Entlang der Küste
Der Weg ist anders als unsere letzten Wanderungen. Wir bleiben so gut wie immer auf Küstenhöhe, sehen aber von dieser deutlich weniger als ich es erwartet hatte.
Der Weg führt zunächst noch auf breitem, einfachem Pfad zu einer ersten Bucht, von der man die Ostsee vor sich hat.
Danach wird es deutlich hubbeliger. Viele Wurzeln, viele Steine sorgen dafür, dass es einem nicht langweilig wird. Vor allem aber dafür, dass man tunlichst seinen Blick auf den Weg gerichtet hält.
Unser Plan scheint aufzugehen. Hier ist merklich weniger Verkehr. Nur vereinzelt kommen Leute vorbei und ich habe den Eindruck, dass Toffi das von Mal zu Mal ein wenig besser hinbekommt. Zumindest so lange, bis sie doch bei einem Kind mit Stock mal wieder den Hysterischen bekommt…
Doppelhalbinsel
Als wir den Übergang zur ersten Halbinsel erreichen, finden wir sogar eine Raststuga mit Klohäuschen vor. Als Annette es aufsuchen will, ist es aber besetzt und eine andere Wanderin würde auch gerne mal aufs Klo. Stau!
Anschließend finden wir eine Bucht mit den typischen, breiten flachen Schärensteinen, die sich hervorragend für eine Picknickpause eignen.
Wir freuen uns über den frischen Wind, der die sommerlichen Temperaturen auf perfekte Wanderbedingungen herunterkühlt. Besser kann man es nicht haben.
Auch den Weg über die Halbinseln habe ich mir „luftiger“ vorgestellt. Stattdessen wandert man vor allem durch dicht gewachsenen Wald. Lediglich an ein paar Buchten hat man dann einen etwas weiteren Blick über das Meer.
Wir wandern noch zum äußersten Rand der zweiten Halbinsel, setzen uns auf einen Stein und genießen die Aussicht aufs Meer. Ein Motorboot kämpft ganz schön gegen die vom Wind aufgeraute See. Mit Kajaks wäre das da draußen gerade kein Spaß!
Adjö Lappland
Ein bisschen wehmütig sind wir auch. Mit dieser Wanderung endet der Lappland-Teil unserer Reise. Denn für die kommenden Tage ist eher Dauerregen angesagt und das wollen wir nutzen, um Kilometer zu fressen. Es geht Richtung Süden.
Bei unserer Abfahrt im Skuleskogen sehen wir, dass es eine gute Entscheidung war, früh dort zu sein. Auf dem „Überlauf“-Parkplatz 500 Meter vor dem offiziellen (und recht kleinen) Parkplatz stehen jede Menge Fahrzeuge reichlich kreuz und quer.
Platzsuch-Pleite
Jetzt heißt es noch ein bisschen Strecke machen. Nördlich von Sundsvall habe ich an der Küste ein kleines Hafenrestaurant entdeckt. So ein schnuckeliger Platz an einer Hafenmole und dann noch leckeres Essen – das wäre doch ein gelungener Abschluss für unseren letzten Lapplandtag.
Schon bei der Anfahrt meint es das Navi wieder mal gut mit uns und will Kilometer sparen. Für uns bedeutet das schon wieder eine eher schlechte Schotterpiste. Rüttelschüttel!
Als wir am Restaurant ankommen, machen wir dann eher lange Gesichter. Der Stellplatz ist eine große Schotterfläche, wo schon einige Womos stehen und vom Wasser sieht man hier nichts. Das ist jetzt so gar nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Und da der Platz auch noch sportliche 225 Kronen kosten soll, fahren wir noch ein Stück weiter. Bloß wohin?
An einem per Google gefundenen Waldplatz ist in der Zufahrt eine Schranke. Und uns fällt auf, dass wir uns wieder immer mehr der Zivilisation nähern. So viele Häuser! Und alles so dicht besiedelt!
Happy End
Unser letzter Pfeil im Köcher ist der Stadsberget oberhalb von Sundsvall. Dort soll es ein Erholungs- und Freizeitgebiet geben, wo man auch gut über Nacht stehen kann.
Hierzu müssen wir erst mal quer durch Sundsvall fahren und bekommen einen regelrechten Kulturschock. Das ist ja eine richtige Stadt! Mit großen Gebäuden, breiten Boulevards und Ampeln! So was haben wir jetzt ein paar Wochen nicht gesehen und sind regelrecht irritiert von so viel Zivilisation.
Der Weg zum Stadsberget schraubt sich dann höher und höher, sodass wir hier wirklich über der Stadt thronen. Und das Beste: Hier kann man wunderbar stehen – sogar auf einer nahezu perfekt ebenen Fläche. So viel Luxus hatten wir jetzt gar nicht erwartet, nehmen ihn aber gerne mit. Vor allem, als im Laufe des Abends dann der Regen einsetzt und wir es uns im MoMo gemütlich machen können.

Momoblog am 09 Aug 2021 22:17:07



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Überraschung Ostküste
Das war eine brutale Nacht. Nein, nicht weil wir einen schlechten Stellplatz gewählt haben. Eher wegen der Umstände. Ich habe mir auf der Skulskogen-Wanderung den Rücken verknackst und entsprechend schlecht liegen können. Immer wieder hin und her drehen. Aber Annette ergeht es nicht viel besser, denn der angekündigte Regen ist da. Und prasselt richtig zornig auf das MoMo-Dach. Bei uns triggert das Erinnerungen an Torla und an ruhigen Schlaf ist da nicht zu denken: Wenn es noch etwas intensiver wird, ist das bestimmt Hagel!
Und um das Paket des Schmerzes dann richtig vollzupacken, setzt morgens um 8 Uhr ein völlig schwedenuntypischer reger Autoverkehr ein. Und dazu noch an einem Sonntag! Auto um Auto, Wohnmobil um Wohnmobil fährt an uns vorbei und parkt. Man hört Hunde bellen und sieht deren Besitzer ratlos in Regenkleidung aussteigen. Wie Annette später von einer Teilnehmerin erfährt: Es soll wohl ein Spurensuche-Kurs für Hunde sein, der aber wegen des gruseligen Wetters abgesagt wird. Denn um 9 Uhr ist der Spuk dann vorbei und alle sind wieder abgereist.
Blöde E4
Wir wollen heute deutlich Strecke nach Süden machen. Dafür soll die E4 an der Ostküste ideal sein. So sagt man. Unsere Erfahrung, vor allem auf dem ersten Stück hinter Sundsvall ist eine andere. In der Regel ist sie dreispurig: Es gibt dann 2 Bergauf-Spuren und eine Bergab-Spur. Was im nördlicheren Teil auch wunderbar funktioniert, ist hier, im „Süden“ von Nordschweden eher ein Verkehrshindernis. Ständig wird man verlangsamt, sodass die gefühlte Reisegeschwindigkeit eher bei 60 km/h liegt. Und das ganze bei ordentlichem Verkehr. So viele Autos haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Zwischendurch schmieden wir schon den Plan, auf den ruhigeren Inlandsvägen auszuweichen.
Beschauliches Söderhamn
Das alles zehrt an den Nerven und wir beschließen in Söderhamn eine Pause einzulegen.
Erstaunlicherweise hat sich das Wetter beruhigt und wir finden hier die sonnige Ostküste vor, wo es fast schon schwül ist. Da hätte ich morgens wirklich nicht mit gerechnet.
Das Städtchen ist nett und sonntäglich verschlafen. Am Kanal in der Stadt gehen kaum Leute spazieren und auch die Bahntrasse oberhalb des Kanals ist wenig besucht. Besonders ins Auge sticht die kleine „Godesburg“ oberhalb der Stadt. So ein Mini-Castle wirkt in Schweden fast schon wie ein Fremdkörper.
Das Ring-Dilemma
Auf der Weiterfahrt schlägt dann mal wieder das Glück so richtig zu. Wir erhalten vom Navi eine Warnung, dass wir besser abfahren. Vor uns wird eine Verzögerung von 18 Minuten gemeldet. Da wir eh von der E4 die Schnauze voll haben, fällt uns die Entscheidung gar nicht schwer. Annette findet den verheißungsvoll klingenden Jungfrukustvägen, der praktisch parallel zur E4 verläuft. Wobei eine Jungfrau so eine hässliche Straße eigentlich nicht verdient hat: Eisenbahnlinie und abgeholzte Wäldchen, die eine Steinwüste hinterlassen.
Warum sind wir trotzdem beglückt? Annette hat bei Axmar Bruk einen Stellplatz am Meer gefunden, den wir uns mal ansehen wollen. Dieser ist dann auch erstaunlich groß und gut ausgestattet. Und die Lage an der Bucht ist wirklich malerisch. Ein verlockendes Restaurant gibt es auch noch. Wollen wir hier bleiben?
Wir parken das MoMo erst mal am Straßenrand und erkunden die Lage. Direkt gegenüber weist ein Schild auf eine „Silversmedja“ hin. Könnte das eine Silberschmiede sein? Annette ist ja schmuckmäßig mit dem Silberschmuck in Lappland nicht auf ihre Kosten gekommen, da kein Ring, keine Kette und kein Armband dort „Kauf mich!“ geschrien hat. Vor der schicken rot-schwarzen Scheune sitzt ein älterer Mann und prickelt vor sich hin. Åsa Weissmann ist wirklich Silberschmied und erzählt begeistert von seinem Handwerk. Und mit seinem Schmuck können wir sofort was anfangen. Gefällt uns sehr! Verschmitzt deutet er auf die Scheune und verweist uns an seine Frau: „Da gibt’s noch mehr!“
Es stellt sich heraus, dass die Bläckhornet-Scheune ein kleines Kunsthandwerk-Haus ist, in dem verschiedene Künstler ihre Waren und Bilder den Sommer über ausstellen. Und wir richtig Glück haben, dass heute Sonntag ist, denn an den Sonntagen ist Åsa vor Ort.
Wir sind ganz begeistert von dem, was wir in der Scheune vorfinden und können bei Mitbringseln zuschlagen und finden sogar eine Kunstkarte von einem tollen Gemälde, was dort ausgestellt ist.
Bleibt noch die Auswahl des richtigen Silberschmucks für Annette. Denn die Auswahl an schönen Dingen ist groß und die Entscheidung fällt schwer. Zwischen zwei Ringen kann sich Annette dann wirklich nicht entscheiden und meine große Stunde schlägt: Weihnachtsgeschenk gesichert, Frau glücklich.
Should I stay or should I go?
Während wir in der Scheune sind, hat Toffi mal wieder die Nachbarschaft terrorisiert. Insbesondere unsere „Lieblings“-Sorte Camper, die sich mit ihrem Zeug schonungslos über zwei Stellplätze ausbreiten, trifft es hart. Sie sitzen vor ihrem Womo direkt neben dem MoMo. Bell Bell, Hup Hup. Tja, Karma is a bitch.
Wir sind hin- und hergerissen. Die Lage gefällt uns gut, die Aussicht, im viel gelobten Restaurant zu essen, ist verlockend. Aber der nahezu volle Schotterstellplatz ist nur so mittelgemütlich. Wir bevorzugen es ja eher ruhig und kleiner.
Wir merken uns den Platz aber für die Herbsttour im nächsten Jahr vor.
Ein paar Kilometer weiter gibt es einen viel kleineren Stellplatz an einem Häfchen. Auch dort das gleiche Spiel mit deutschen Wohnmobilisten, die sich mit ihrem Krempel so ausbreiten, dass locker ein Stellplatz verloren geht. Auf solche Nachbarn haben wir keine Lust und fahren auch hier weiter.
Beschaulicher Hafen
Als wir uns danach wieder in den regen Verkehr auf der E4 eingereiht haben, stellen wir fest, dass ein Stellplatz am Meer aber dennoch eine feine Sache wäre. Annette checkt im Womoführer, ob es hier in der Region noch etwas gäbe. Gibt es. Bei Gävle gibt es das kleine Hafenörtchen Bönan, was sich verlockend anhört: Rökeri, Restaurant, kostenloser Stellplatz.
Wir fahren bei dramatisch-schwarzem Abendhimmel und fantastischem Licht in Richtung Meer und sind von Bönan sofort begeistert. Rot-weiße oder gelb-weiße Häuschen reihen sich hier an der Küste auf und eines sieht schnuckeliger als das andere aus. Wir sind nur skeptisch, was den Stellplatz angeht: Da wollen doch sicher alle hin? Stellt sich heraus: Nö. Nur 2 Womos stehen schon dort und für uns ist gut Platz ohne zu kuschelcampen. So wie wir es lieben. Bingo!
Passenderweise fängt es unmittelbar nach unserer Ankunft an zu regnen, sodass wir noch einen Regenbogen geboten bekommen und erst mal im MoMo den köstlichen Röding aus Vilhelmina verspeisen. So viel leckeren Fisch haben wir noch auf keiner Reise genießen dürfen!
Wir besuchen auch die örtliche Rökeri, um Nachschub zu holen, finden aber einen wirklichen Lost Place vor. Alles wirkt uralt und leicht angegammelt. Aber im Kühlschrank findet man frisch portionierten Lachs vor, den man per Kasse des Vertrauens mitnehmen darf. Blöd nur, wie mittlerweile vielerorts in Schweden: Die Kasse ist virtuell und heißt Swish und funktioniert wie Paypal. Aber Swish funktioniert halt nur mit einem schwedischen Bankkonto… Wir lassen also schweren Herzens den Lachs im Kühlregal liegen.
Als wir den Rest der Umgebung erkunden, stellen wir fest, dass wir wirklich genau die richtige Wahl getroffen haben. Dieses absolut entschleunigte schwedische Küstentempo ist genau unser Ding.

Momoblog am 11 Aug 2021 19:30:01



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Entspannungstag
Da ich gestern komplett fertig war, ist das Blogschreiben liegen geblieben. Das wird brav am Vormittag nachgeholt und als ich mit dem Schreiben fertig bin, brechen wir für einen Weg auf den Küstenweg auf. Aber meine Rückenschmerzen sind schlimmer als zuvor und nach wenigen Metern breche ich den Weg ab. Das wäre nicht lustig geworden.
Annette geht mit den Hunden allein weiter und genießt die Aussicht über die Bucht während ich mich um den Fototeil des Blogs kümmere und den Rücken schone.
Schlemmer-Mittag
Eine weitere Empfehlung aus dem Womoführer ist der Skärgårdskrogen in Utvalnäs. Ein Restaurant im Nachbarort, das wir auf jeden Fall mal anfahren wollen, um uns selbst ein Bild zu machen.
Und dieser erste Eindruck fällt positiv aus, sodass wir uns gerne dort niederlassen. Entspannte schwedische Sommerfrische ist das hier.
Bei den leckeren Sachen auf der Speisekarte fällt die Entscheidung gar nicht so leicht. Ich wähle salomonisch den gemischten Teller, auf dem viele verschiedene Spezialitäten zu finden sind und Annette entscheidet sich in letzter Sekunde um, als sie sieht, wie am Nachbartisch die Fish & Chips serviert werden.
Und beides ist dann eine ausgezeichnete Wahl. Das ist wirklich eine gute Adresse für leckeres Essen hier in der Umgebung von Gävle!
Kurze Fahrt
Wir entsorgen in Gävle und merken uns die nette Stadt auch mal für einen Besuch vor. Im ICA füllen wir noch mal die Vorräte auf und machen uns dann auf den Weg nach Süden.
Na ja, nach Südwesten. Na ja, nur 40 Kilometer. In dem Tempo kommen wir ungefähr zu Weihnachten zu Hause an… Aber heute ist einfach nicht mehr drin.
Wir haben nämlich eine skurrile Landzunge südlich von Hedesunda als Ziel auserkoren. Man fährt hier praktisch auf einem schmalen Stück Land mitten durch einen See. Links und rechts ist noch Platz für schnuckelige Schwedenhäuschen, aber das war es dann auch.
Während ich zunächst nicht ganz sicher bin, ob es mir hier so gut gefällt, dass wir hier stehen bleiben wollen, ist Annette sofort begeistert.
Bei mir dauert es etwas länger und noch ein Mittagsschläfchen, um die Rückenschmerzen einzudämmen, bevor ich mich hier richtig wohlfühle.
Aber dann genießen wir beide den Ausblick auf unsere schilfbewachsene Bucht und die friedliche Atmosphäre hier.
Ein guter Platz für das Genießen des Sonnenuntergangs!

Momoblog am 14 Aug 2021 19:24:02



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Strecke machen
Der geneigte Leser wird es bemerkt haben: Es gab einen Tag Auszeit.
Aber an den Fahrtagen, wo wir weniger erleben, gönne ich mir jetzt den Luxus, mal nicht täglich zu bloggen, sondern auch mal mehrere Tage zusammenzufassen.
Tut zum Ausgleich auch mal gut!
Unser Platz auf dem Övägen gefällt uns so gut, dass uns die Weiterfahrt schwerfällt. Das ist so entspannt hier! Aber andererseits: Uns trennen noch über 1000 Kilometer von zu Hause. Die wollen irgendwann dann doch einfach weggefahren werden.
Und da trifft es sich ganz gut, dass mehr oder weniger überraschend ein regelrechter Wolkenbruch einsetzt. Von sonnig über tröpfeln zu pladdern dauert es nur wenige Augenblicke.
Märchenschleuse
Wir teilen uns die Strecke in kleine Etappen ein, auf denen Trüffelschwein Annette immer feine Pausenplätzchen raussucht. Ein besonderes Kleinod ist eines, welches sie hinter Västerås ausfindig macht: das Ekomuseum Bergslagen. Hier gibt es einen Platz an einem kleinen lauschigen Kanal, an dem entlang man wahrscheinlich super paddeln oder Fahrrad fahren kann. Leider ist mein Rücken immer noch malade, sodass wir uns das für einen späteren Besuch aufheben müssen.
Vättern mit Aussicht
Unser Tagesziel ist das Naturschutzgebiet Omberg an der Ostküste des Vätternsees. Das Besondere hier ist, die exponierte Lage weit oberhalb des Sees und die Einbahnstraßenführung von Süd nach Nord.
Es gibt hier mehrere Möglichkeiten, für die Nacht zu parken, aber wir sind schon reichlich spät und es ist voll.
An ersten Platz sind junge Vanlifer unter sich, an einem großen, asphaltierten Parkplatz ohne Aussicht steht dann die Weißware der älteren Generation. Beides nicht so unseres. Und an einem schicken Platz am Ufer des Sees ist es auch gut belegt – diesmal mit jungen Familien. Unser letztes As im Ärmel war heimlich mein Favorit: ein Platz oberhalb des Sees mit Panoramaausblick. Aber auch der: vollbelegt mit trendigem Jungvolk. Irgendwie erhöhen wir diesmal deutlich den Altersschnitt der Leute, die hier stehen wollen. Leicht frustriert und mit wenig Hoffnung fahren wir die urige Einbahnstraße durch den dichten Wald weiter und sehen wenig Veranlassung, noch etwas Gescheites zu finden. Sollen wir die Runde nochmal drehen und uns auf den allerersten Platz stellen?
Aber wie durch ein kleines Wunder finden wir dann doch noch einen mehr als ansprechenden Platz. Zwar nicht mit dem 180°-Panoramablick, aber mehr als hinreichend, um den wunderbaren Sonnenuntergang noch zu bewundern. Und für eine himmlisch ruhige Nacht an der Einbahnstraße, die nachts niemand mehr befährt.
Schottland-Kloster
Annette hatte herausgefunden, dass es hier noch die Klosterruine Alvastra in der Nähe gibt. Und bei uns werden dadurch natürlich Schottlandgefühle wach: Ruine geht immer!
Und tatsächlich erinnert uns hier vieles an Schottland, auch wenn wir den Eindruck haben, dass die Schotten es irgendwie besser drauf haben, ihre Uralt-Gebäude authentisch in Szene zu setzen. Die nachträglich bepflanzten Mauerkronen sehen sehr hübsch, aber irgendwie nicht „echt“ aus.
Andererseits: Der Polstersessel im Kirchenschiff ist schon eine sehr gute Idee!
Und die Influencer-Pest hat auch hier voll zugeschlagen. Ich fotografiere eine Influencerin, wie sie ein Influencerpärchen fotografiert, dass einen coolen Dude fotografiert, der an der Ruine hochgeklettert ist, obwohl überall „Klettern verboten“-Schilder angebracht sind. Oh boy…
Wanderung mit Rücken
Mein verknackter Rücken hat uns in den letzten Tagen von größeren Aktionen abgehalten. Heute wollen wir wenigsten die einstündige Wanderung auf den Hjässan machen. Das ist ein Aussichtspunkt, von dem man den gesamten Vätternsee überblicken kann.
Glücklicherweise geht es dem Rücken mit jeden Schritt ein bisschen besser und auch die Steigung macht er gut mit.
Der Ausblick versteckt sich bis zur letzten Sekunde, ist dann aber ein wirklich beeindruckendes 360°-Panorama, wo man auch das erstaunlich flache Hinterland bewundern kann.
Verrückter Zufall
Anschließend an die Wanderung geht es wieder auf die Straße. Die E4 hat uns wieder!
Kurz hinter Värnamo haben wir an einem Motorbootanleger ein schönes Pausenplätzchen ausfindig gemacht. Als wir gerade dort einparken, bimmelt Annettes Handy. Es sind Ronny und Isabell, die wir in der Nähe des Skuleskogen kennengelernt haben: „Ihr seid gerade an uns vorbeigefahren.“ Aus der Reihe „Verrückte Zufälle“ kurz hinter unserem Treffen mit Leo und Teresa in der Schweiz!
Wir gehen am Motorboothafen entlang zum vielversprechenden Hundebadplats, der am Ende einer Landzunge sein soll. Aber der ist dann eher ernüchternd langweilig – nicht zu vergleichen mit den dänischen Hundewäldern. Und angeleint müssen die Hunde trotzdem bleiben – was soll das denn?
Spontanes Glück
Unser eigentliches Tagesziel liegt noch 100 Kilometer entfernt. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass da noch was besseres kommen könnte. Denn wir befinden uns ganz in der Nähe des Bolmensees, der uns auf unserer allerersten Schwedentour schon gefallen hat. Und angeblich gibt es mehrere attraktive Möglichkeiten, hier einen Platz für die Nacht zu finden.
Direkt unser erster Versuch ist ein Volltreffer: Der Badplats Södra Fyllen ist wie gemacht für unseren voraussichtlich letzten Abend in Schweden: kein Mensch da, schöner kleiner See, große Wiese, Picknicktisch. Bäm!
Das Beste ist fast, dass wir hier die Hunde endlich einfach mal flitzen lassen können und sie raufend und Haken schlagend um die Wette rennen. So schön!
Grillen am See
Annette stellt fest, dass wir auch noch Grillgut im Kühlschrank haben, was wir nicht wieder mit nach Hause nehmen wollen. Daher wird der Tisch gedeckt, der Grill angeschmissen und wenig später gibt es Würstchen und Lofotburger, die mit Rucola und der leckeren Romsås von Bergmans gleich noch mal so gut schmecken.

clamat am 26 Aug 2021 12:40:21

Hi MoMo's,
Heute gab es eine kleine Erinnerung an unseren Schwedenurlaub :lol:


LG
Claudia

Momoblog am 26 Aug 2021 12:43:34

Rate mal, was wir gestern in der Post hatten: Genau den gleichen Wisch, auch für Motala... Ich muss jetzt erst mal einen Kredit aufnehmen, um diesen Schuldenberg abzutragen.

:D

clamat am 26 Aug 2021 12:51:01

Das ist doch Abzocke :trotz:
Wir essen jetzt auch nur noch 3 Wochen Kartoffelsuppe :( :( :(
Aber dann geht es wieder los Richtung Albanien :ja:
LG
Claudia

bonjourelfie am 26 Aug 2021 12:52:54

Oh, da kann ich mich auch anschließen, auch gestern gekommen, auch Motala. Zahlbar bis zum 20.09.2021, bis dahin kann ich ja noch sparen...

LGElfie

BiggiK am 26 Aug 2021 20:07:29

Ein sehr schöner Reisebericht mit tollen Fotos. Dankeschön

Momoblog am 27 Aug 2021 17:23:43

Danke Biggi! :-)

Ich sehe gerade, dass ich den letzten Eintrag gar nicht mehr hier gepostet habe. Biddeschön, für alle, die nur hier mitlesen.

Schönen Gruß
Micha



Heimreise in Häppchen
Donnerstag
Unser Übernachtungsplatz am Badestrand erweist sich als Volltreffer. Komplett ruhig, mückentechnisch okay und ideal mit den Hunden. Viel besser gehts nicht. Auch die Abfahrt über die reichlich ausgewaschene Schotterpiste gelingt mit etwas Schwung und gutem Auge in einem Rutsch. Das hatten wir auch schon anders!
Restaurant mit Pippi
Unser Weg führt uns nur wenige Kilometer nach Süden. Denn in Ljungby gibt es das Gastgivaregården, ein Restaurant mit ausschließlichem Mittagstisch, zu sehr zivilen Preisen und von dem alle begeistert sind. Was wäre wohl besser geeignet für unsere Henkersmahlzeit in Schweden als ein Dagens Rätt?
Obwohl wir denken, dass wir um 12.15 Uhr früh dran sind, sieht es zunächst so aus, als würden wir keinen Tisch mehr bekommen: Eine lange Schlange wartet vor der Tür auf Einlass. Wir reihen uns aber geduldig ein und Stück für Stück geht es vorwärts und es verlassen tatsächlich sogar schon die ersten Gäste ihre Tische. Mein ganz persönliches Highlight beim Warten: ein als Pippi Langstrumpf angezogenes Kind – only in Sweden!
Wir werden ausgesprochen freundlich von einem Philip-Amthor-Double in Empfang genommen, der uns geduldig alles auf Englisch übersetzt und das Prozedere erklärt. Nachdem wir bezahlt haben, uns am Buffet als Vorspeise mit Suppe und Salat versorgt haben und uns gerade hinsetzen wollen, kommt schon eine Bedienung auf die Terrasse: „53!“ - War das nicht die Nummer für unsere Bestellung? Tatsächlich! So schnell sind wir ja noch nie bedient worden!
Und auch wenn es natürlich Großküchendimensionen hat: Es schmeckt bedeutend leckerer als jedes Kantinenessen – und ist auch hübscher angerichtet. Das war noch mal ein richtiges kleines Highlight am Ende der Schwedenreise!
Pause am Stinkestrand
Wir versorgen uns mit letzten Schweden-Essentials. Insbesondere das köstliche Knäckebrot aus Leksand mit Meersalz könnte ich kiloweise mitnehmen. Beste Neuentdeckung auf dieser Reise!
Dann wird es Zeit für die letzten Kilometer in Schweden. Wir fahren bis kurz vor Malmö, wo Annette einen kleinen Parkplatz für eine letzte Fika ausfindig gemacht hat. Wir erinnern uns wieder daran, wie dicht besiedelt und voll es hier im äußersten Süden des Landes ist – größer könnte der Kontrast zu Lappland kaum sein.
Was bei Annettes Recherche leider nicht ersichtlich (oder eher: erriechbar) war, ist der muffelige Algengestank, der hier über der Küste liegt. Und auch optisch kann der Platz nur bedingt punkten, da er eng ist und der Strand (wenn überhaupt vorhanden) von Algen übersät ist.
Byebye Schweden, hallo Dänemark
Wir verlassen das Land so, wie wir gekommen sind: über die Öresundbrücke. Und dann ist der Schwedenteil der Lapplandfahrt auch schon vorbei. Wir würden lügen, wenn sagen, dass wir nicht traurig sind.
Aber ein bisschen freuen wir uns auch auf unsere Stippvisite in Dänemark. Denn hier wollen wir etwas anders machen als auf der Hinreise. Wir fahren nicht über die zweite große Brücke, sondern über Lolland, von dem wir 2019 ganz entzückt waren.
Und ganz entzückt sind wir nach der langen Zeit in Schweden auch von den Spritpreisen in Dänemark: 10.10 Kronen für den Liter Diesel. Selbst, als mir einfällt, dass es in Dänemark nicht mehr heißt „durch 10 Teilen“, sondern eher durch 13. Aber 1,30 € ist als Spritpreis immer noch um Welten schmerzfreier als 1,70 €, wie in den vergangenen Wochen. In die Spritkasse hat diese Reise auf jeden Fall ein ordentliches Loch gerissen.
Sakskøbing
Wir sind für Dänemark jetzt gar nicht mehr experimentierfreudig, sondern steuern ein Ziel an, was uns von 2019 noch in guter Erinnerung ist: Der kleine Hafen in Sakskøbing ist genau das, was wir jetzt haben möchten. Und glücklicherweise sind sogar noch ein paar Stellplätze frei.
Freitag
Unglücklicherweise haben wir dann den falschen Platz gewählt. Nachts um halb eins kommt noch ein Womo an, was neben uns einparkt. Und zudem seine Außenbeleuchtung eingeschaltet hat, die uns direkt in den Alkoven leuchtet. Puh! Nachdem Annette freundlich nachfragt, ist zwar schnell Ruhe und Dunkelheit wiederhergestellt, aber unsere Nachtruhe ziemlich im Eimer.
Netter Hafenmeister
Reichlich gerädert wachen wir am nächsten Morgen auf und sind froh über die Möglichkeit, hier mal wieder eine echte Dusche zu nutzen. Denn die ist zwar kostenpflichtig, aber es gibt die benötigten 5-Kronen-Stücke dankenswerterweise aus der Brusttasche des Hafenmeisters. Echter Service!
Krenkerup
Wir treiben es mit der Langeweile auf die Spitze und besuchen noch einen Ort, den wir aus 2019 in bester Erinnerung haben: die Brauerei in Krenkerup.
Wir fahren die paar Kilometer dorthin und sind schnell wieder im entschleunigten Lolland-Modus. Diese Landschaft mit den breiten Alleen macht was mit einem.
Als nunmehr alte Hasen bestellen wir uns die Tapas-Platte, die uns so lecker in Erinnerung geblieben ist. Der einzige Wermutstropfen: Ich muss noch fahren und darf kein Bier ordern. Aber davon (und von den dänischen Preisen) abgesehen: Wir kommen gerne wieder!
Hundewald
Eine Besonderheit in Dänemark wollen wir auch noch einmal nutzen: den Hundewald. Das sind eingezäunte Auslaufgebiete, wo im sonst in Bezug auf Hunde eher strengen Skandinavien die Hunde „offiziell“ frei laufen dürfen. Für unsere Toffi natürlich ein idealer Übungsplatz.
Wir fahren also in die Kleinstadt Maribo und sind gespannt, wie das wohl wird, wenn Toffi freilaufend auf andere Hunde trifft. Und machen lange Gesichter, weil hier weit und breit kein Hund zu sehen ist.
Dafür gibt es aber dutzende Mirabellenbäume, die ihre reife Last abwerfen. Wir gehen durch ein wahres Meer an (über)reifen Mirabellen und ein bisschen vergoren riecht es auch schon. Könnten sich die Hunde hier besoffen fressen?
Fähre wie im Flug
Und dann ist diese kurze Dänemark-Episode auch schon zu Ende. Wir fahren nach Rødby, um dort auf die Fähre zu fahren und per Vogelfluglinie nach Deutschland zurückzukehren.
Da wir unseren Brobizz-Sender an der Windschutzscheibe haben, reihe ich mich brav in die Schlange für die automatische Durchfahrt ein. Gut, da steht etwas von Pkw und von 6 Metern Höchstlänge, aber was soll schon schiefgehen? Wir sind ja 5,99 Meter lang – ohne Fahrradträger zumindest…
Aber die Schranke hebt sich nicht wie sonst durch Zauberhand und wir stehen zunächst etwas ratlos da. Doch zu lang? Zu groß? Des Rätsels Lösung ist dann viel einfacher: Man muss auf dem Bildschirm an der Schranke noch ein Ticket wählen. Man muss zwischen einem Flex- oder Normalticket wählen, was zu diesem Zeitpunkt reichlich schwachsinnig ist. Wenn ich da stehe, will ich wohl sofort fahren! Ich wähle das deutlich billigere Flexticket, gebe an, dass wir zu zweit sind, höre das Piepen unseres Brobizz und entnehme drei Papierbelege.
Dann öffnet sich die Schranke und wir reihen uns in eine Schlange Pkws ein. Ein bisschen mulmig wird mir, als ich sehe, dass alle großen Womos in einer gänzlich anderen Reihe stehen. Doch etwas falsch gemacht? Und als es ans Auffahren auf die Fähre geht, wird unsere Schlange ins obere Verladedeck eingewiesen. 3,10 Meter Höhenbegrenzung. Aua!
Aber der Hafenarbeiter winkt uns energisch zur Seite und lässt uns bei den Lkws einreihen – so einfach kann man Probleme lösen!
An Bord gewöhnen wir uns schon mal daran, dass es wieder normaler wird, eine Maske aufzusetzen. Das hatten wir jetzt wirklich ewig nicht (und auch nicht vermisst…)!
Gut Görtz
Da wir wieder in Deutschland sind, wollen wir noch ein paar Landvergnügen-Plätze ausprobieren. Einer davon ist das Gut Görtz in der Nähe von Grömitz.
Die Zufahrt zu den Stellplätzen ist durch eine Allee mit tief hängenden Zweigen zwar etwas rustikal, lässt sich aber ohne größere Blessuren bewerkstelligen.
Da wir schon spät dran sind, verschaffen wir uns nur einen groben Überblick über die angegliederten Kunsthandwerker und ziehen uns dann ins MoMo zurück.
Lediglich für den spektakulären Sonnenuntergang lassen wir uns dann noch mal gerne nach draußen locken. Es hat auch was, wieder in Deutschland zu sein…

arnom am 27 Aug 2021 23:22:34

bonjourelfie hat geschrieben:Oh, da kann ich mich auch anschließen, auch gestern gekommen, auch Motala. Zahlbar bis zum 20.09.2021, bis dahin kann ich ja noch sparen...

LGElfie

Hallo Elfie,wie würdest Du das ganze handhaben,wenn Du
Am 20.09.2021 noch unterwegs sein solltest und zu einem
späteren Zeitpunkt/Datum nach Hause kommst.

bonjourelfie am 28 Aug 2021 17:08:14

arnom hat geschrieben:
Hallo Elfie,wie würdest Du das ganze handhaben,wenn Du
Am 20.09.2021 noch unterwegs sein solltest und zu einem
späteren Zeitpunkt/Datum nach Hause kommst.


Hmm...ich würde wohl zähneknirschend zahlen und es unter "Urlaubssonderausgaben" verbuchen. Aber 30 € Nachzahlgebühr sind schon im Verhältnis zu 0,50€ Mautgebühren ziemlich heftig. Unsere Post bekommen wir immer erst bei der Rückkehr (Postlagerung). Vielleicht ist es sinnvoll, sich registrieren zu lassen, wenn man häufiger nach Schweden fährt, ich werde drüber nachdenken.

LGElfie

bonjourelfie am 28 Aug 2021 17:23:02

Hier noch der entsprechende link
--> Link

LGElfie

arnom am 28 Aug 2021 22:16:18

Danke Elfie für deine Antwort.
Ich fragte aus dem Grund,weil wir am planen fürs nächste
Jahr sind.Unsere Tour soll in Schweden beginnen,hoch bis in den Norden,dort über die Grenze nach Norwegen,
weiter nach Finnland bis runter nach Helsinki. Fähre nach Estland,weiter nach Lettland,Litauen, Polen.
Polen mit Masuren,Ostseeküste bis Stettin ,dann an der Oder entlang bis Gubin,dann über Cottbus langsam nach Hause. Geplant sind 3-4 Monate und das wäre dann ein Problem wenn die Rechnung kommt.

bonjourelfie am 29 Aug 2021 15:33:11

arnom hat geschrieben:Ich fragte aus dem Grund,weil wir am planen fürs nächste
Jahr sind.

Vielleicht hilft dir mein Reisebericht etwas weiter...--> Link

Lieber Michael,
ich möchte mich noch mal ganz herzlich bedanken, ich weiß, wieviel Mühe so ein Reisebericht macht. Deine Fotos sind einfach super und deine Texte herzerfrischend zu lesen. Vielleicht schaffe ich es ja auch noch zu einem neuen Reisebericht, aber irgendwie ist bei mir ein wenig die Luft raus.

LGElfie

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