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Wir sind wieder auf Tour. Diesmal soll es nach Lappland gehen. Da wir hoffen, auch nach Norwegen und Finnland zu dürfen, stellt sich die Frage in welches Länderforum wir diese Beiträge einstellen. Aber da Schweden in der goldenen Mitte liegt und auch große Teile Lapplands umfasst, haben wir uns einfach mal für Schweden entschieden. Los geht's!
Wie immer: Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link
Bordell und Bisons
Es ist Sommer, es ist Anfang Juli, es ist mal wieder Zeit für eine Reise ins Nordland!
Wir haben uns richtig Zeit freigeräumt und wollen die kommenden 6 Wochen endlich mal den Plan verwirklichen, der 2018 an den Waldbränden in Nordschweden gescheitert ist: Eine Reise nach Lappland! Wir wollen uns wie üblich treiben lassen, wollen aber möglichst schnell in das Gebiet nördlich einer Linie Stockholm-Oslo kommen. Ab da darf es dann gerne etwas langsamer werden – aber nicht so langsam, dass wir am Ende nicht mal den Polarkreis erreichen!
Wie das ganze dann aussehen wird, ob wir unsere Reiseführer für Norwegen und Finnland überhaupt brauchen, ob Corona uns einen fetten Strich durch die Rechnung macht oder ob es uns in Schweden schon so gut gefällt, dass wir alles andere links liegen lassen: Werden wir dann beim Reisen sehen. Eine Sache aber steht jetzt schon fest: Wir freuen uns wie Bolle auf die Tour!
Baustelle, Baustelle, Bordell
Die Fahrt auf der A1 gestaltet sich gewohnt ätzend. Wobei ich der festen Auffassung bin, dass die einfach jeden Monat eine neue Baustelle anfangen, ohne die alten irgendwann mal abzuarbeiten. Rund um Osnabrück geht dann gar nichts mehr, sodass wir ein Stück über die Landstraße gurken. Immer noch besser als in der Baustelle hinter einem LKW zu stehen…
Für unsere Kaffeepause wünscht sich Annette einen ruhigen Platz abseits der Autobahn und lotst mich zielsicher anstatt auf eine Ausfahrt am Ahlhorner Dreieck auf die Autobahn Richtung Oldenburg.
Als wir nach 5 Kilometern endlich abfahren können, biegen wir in den erstbesten Seitenweg ein. Und tatsächlich finden wir einen Platz am Waldrand, wo wir gegenüber einem weiß-blauen Haus parken.
Während wir genüsslich unseren Kuchen mampfen, sinniere ich darüber nach, warum an der Haustür ein Hinweis auf Corona-Schutzmaßnahmen angebracht ist. Ich wundere mich, als eine nur spärlich mit einem Mini-Bademantel bekleidete Frau zur Tür herausgeht und sich eine Zigarette anzündet. Es stellt sich die Frage, warum sie an dem älteren Herrn, der das Haus verlässt und anscheinend ihr Vater ist, nur wenig Interesse zeigt. Und als wenig später ein Mann mittleren Alters vorgefahren kommt, seinen Mundschutz aufsetzt, mit ihr im Haus verschwindet und 20 Minuten später wieder herauskommt, ist die Sache für Sherlock Micha klar: Das ist hier dann wohl Sexarbeit in der Provinz. Irgendwie schnuckelig, irgendwie traurig.
Bisons an der Grenze
Wir haben uns diesmal einen Landvergnügen-Bauernhof unmittelbar an der dänischen Grenze bei Flensburg ausgeguckt. Die Besonderheit hier: Es ist ein Bison-Bauernhof.
Nachdem ich stilsicher mit einem „Moin“ gegrüßt habe, kann ich direkt aus der Kühlkammer die Wurstspezialitäten kaufen. Da wir außer dem sehr aromatisierten „Beef Jerky“ in den USA noch nie Bisonfleisch gegessen haben, kaufe ich unter anderem feine Bison-Würstchen, die sich wenige Minuten später schon auf unserem flugs aufgebauten Grill wiederfinden. Damit, dass wir hier abends noch draußen sitzen können, hatten wir nach dem schlechten Wetter der vergangenen Tage gar nicht mehr gerechnet.
Anschließend machen wir noch eine Runde um den Pudding und suchen die Bisons. Aber bis auf jede Menge Maisfelder ist da leider Fehlanzeige. Ob das hier nur ein gigantischer Fake ist? Aber des Rätsels Lösung ist viel einfacher: Die Bisonherde sehen wir einfach ganz am Ende unseres Abendspaziergangs – sie steht nämlich auf der Weide direkt am Bauernhof, die wir als einzige bei unserem Weg nicht sofort gesehen haben…
Hallo Michael und Annette, Ich stehe schon in den Startlöchern und habe der Mitreise entgegen gefiebert. Habe mich gestern sehr über die Newslettermail Eures ersten Posts gefreut...ich nehme schon mal Platz und bin gespannt auf Eure Reise, die Erlebnisse und Fotos. Ich wünsche Euch viel Spaß, tolle Erlebnisse, herrliche Eindrücke und gute Erholung. HG fritzi
TiborF am 07 Jul 2021 10:40:16
Ich steig mal schnell dazu, so lange ihr noch freie Plätze habt -------- und freue mich schon unendlich auf die Reise mit Euch nach Schweden, Norwegen, Lappland
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Momoblog am 07 Jul 2021 19:24:51
Wir können noch ein paar Leute mitnehmen. Steigt ruhig ein.
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Brückentag Nach einer extrem ruhigen Nacht wachen wir erst auf als unsere Nachbarn mit ihrem Womo schon aufbrechen. Das ging aber schnell mit der Erholung!
Wir gucken beim Frühstück den beiden Pferden zu, die auf einer Art Treidelpfad immer zwischen zwei Weiden hin und her wechseln können. Und wie Uhrwerke erledigen sie dann auch ihren Job.
Toilettenüberraschung
Unser Job ist auch heute wieder: Strecke machen. Denn wenn wir es ernst mit Lappland meinen, können wir nicht, wie sonst immer, vor uns hin trödeln und jedes lohnende Ziel am Wegesrand ansteuern.
Wir haben uns dieses Jahr für die Autobahnstrecke durch Dänemark und das Überfahren von Storebælt- und Öresundbrücke entschieden. Die Storebæltbrücke haben wir noch von 2019 in bester Erinnerung. Und die Öresundbrücke müssen wir als Fans der schwedischen „Brücke“-Krimis natürlich auch mal endlich befahren.
Zuvor machen wir aber noch eine Rast am Parkplatz vor der Storebæltbrücke. Und weil es sich gerade anbietet, entsorgen wir noch ein bisschen Grauwasser. Ein kleiner Glücksfall. Denn aus dem Womo, was hinter uns schon wartet, kommt eine Frau mit Urintank. Messerscharf kombiniere ich: Trenntoilette. Auf die sind wir auch schon länger scharf, haben aber noch kein Modell gefunden, was wirklich zufriedenstellend in unser winziges Bad passt. Sie bestätigt meine Vermutung, dass sie eine Trenntoilette hat und zeigt uns bereitwillig wie das bei ihr realisiert ist. Denn was noch besser ist: Sie fährt auch ein Euramobil. Und zwar den Integra 650HS, der original das gleiche Bad hat wie unser 570HS.
Sie erklärt uns, dass der Trick an der Sache ist, dass man das Klo mit zwei Schrauben mal eben lösen kann und sich somit auch die Duschabtrennung schließen lässt. Wir sind uns sicher: Das wird unser nächstes Projekt – nur blöd, dass wir es nicht vor der Lapplandtour schon realisieren konnten.
Erste Brücke
Unser letztes Projekt war die Anschaffung des Brobizz, eines Transponders für die Mautgebühren in Dänemark und Norwegen. Damit können wir jetzt durch die Express-Spuren an der Mautstation fahren. Meine Vorstellung ist allerdings, dass da doch bestimmt etwas schiefgehen wird…
Tut es aber nicht. Wir fahren mit angehaltenem Atem auf die geschlossene Schranke mit roter Ampel zu, es macht plötzlich „Piep!“ an dem kleinen Plastikdingens an unserer Windschutzscheibe, die Ampel springt auf Grün um und die Schranke öffnet sich. Alles gut. An dieser Stelle noch mal ein fettes Dankeschön an den URL gelöscht, der das ganze Prozedere mit den Mautsystemen in Skandinavien wirklich sehr gut erklärt hat.
Dänenpicknick
Kurz hinter der Brücke steuern wir dann einen feinen Picknickparkplatz am Meer an, den Annette ausgekundschaftet hat. Auf dem Weg nach Svenstrup fahren wir durch feinste dänische Ferienhausidylle und die Versuchung, doch wieder kleiner Etappen zu machen und hierzubleiben ist schon recht groß.
Noch dazu, als wir den Strand(!)parkplatz ansteuern, den wir wieder mal fast für uns allein haben. Das lieben wir ja an Dänemark!
Wir machen also eine kleine Kaffeepause und genießen den Ausblick aufs Meer. Es ist mittlerweile stark bewölkt und windig, aber überhaupt nicht kalt.
Zweite Brücke
Auf den entspannten dänischen Autobahnen fahren wir weiter zur Öresundbrücke. Auch Kopenhagen lassen wir buchstäblich links liegen und fahren hoch über dem Wasser gen Schweden – es ist ein bisschen wie fliegen.
Für alle, die jetzt fragen „Und wie waren die Corona-Kontrollen an den Grenzen?“ lautet die ganz schnöde Antwort: Nichtexistent. In Dänemark wurden zwar vereinzelt Autos kontrolliert, aber wir wurden mit dem MoMo einfach durchgewinkt. Und an der schwedischen Grenze wurden zwar die Person kontrolliert, aber auch hier wollte man nicht mal ansatzweise unsere Bescheinigung für die zwei Corona-Impfungen sehen. Wir waren fast schon persönlich beleidigt, dass man unseren Impfschutz so wenig zu würdigen wusste…
Feiner Stellplatz
Auf der E20 Richtung Norden herrscht dann für schwedische Verhältnisse richtig heftiger Verkehr, der erst auf der E4 Richtung Stockholm deutlich weniger wird. Und zunehmend machen die großen Kornfelder Skånes for die Wälder auf beiden Seiten Platz.
In Persköp finden wir einen Stellplatz, der wirklich nahe an Perfektion grenzt. Wunderschön an einem kleinen See angelegt, sehr großzügige Stellplätze, extremst sauber und mit liebevollen Details versehen. Und für 180 Kronen auch noch durchaus bezahlbar. Wir sind froh, dass wir für unseren ersten Abend in Schweden hier gelandet sind.
Der einzige Strich, der uns durch die Rechnung gemacht wird, ist der bald einsetzende Regen, der uns für den Rest des Abends ins MoMo vertreibt. Schade, wir hätten zu gerne einen ersten Abend im Freien verbracht. Aber das kommt sicherlich schon sehr bald.
riegelaner am 07 Jul 2021 19:44:51
Hallo,
da am 27. Juli unsere Fähre nach Ystadt geht sind wir natürlich auf schöne Berichte vom "Vorauskommando" gespannt. Ganz so hoch wollen wir nicht, wir haben dieses Jahr nur 3 Wochen zur Verfügung. Euer 1. Stellplatz ist schon abgespeichert -- ich denke mal wir werden am ersten Tag auch nicht weiter fahren. Wir wünschen euch schönes Wetter, viele spannende Erlebnisse,...... halt eine schöne Fahrt.
Norbert
Gogolo am 08 Jul 2021 09:37:49
Ich in neugierig, wo ihr uns einholen werdet. Wir sind zZt. kurz vor Stockholm und fahren auch nach Lappland. Aber ganz gemütlich, denn wir werden dort bis Ende September bleiben. Das Gogolobil ist ja nicht zu übersehen. Wenn ihr uns seht, dann winkt, hupt oder schreit laut.
Habe die Ehre
Gogolo
Momoblog am 08 Jul 2021 10:32:34
Gogolo, ich glaube, dann haben wir euch schon fast überholt… :razz:
Wir sind jetzt in der Nähe von Örebro und werden wohl Richtung Inlandsvägen schwenken. Würde mich auch freuen, euch mal zu treffen! :top:
Gute Reise, Micha
Gogolo am 08 Jul 2021 11:13:20
Wir waren eine Woche auf Öland (recht sehenswert) und fahren jetzt dann den Schären entlang der Ostsee bis Lulea. Dann entscheiden wir spontan neu was wir tun. Den Inlandsvägen kennen wir schon und fahren ihn auf dem Rückweg.
Tipp: Wenn ihr beim Sandsjögarden 65.24316° N, 17.67468° E vorbeikommt solltet ihr unbedingt dort übernachten und essen. Die haben 20 Grönlandhunde und sind aus der Schweiz --> Link
Habe die Ehre
Gogolo
volkermuenster am 08 Jul 2021 11:37:10
Moin Micha,
dass ich bei der Reise dabei bin, brauche ich ja eigentlich nicht mehr zu schreiben :-).
Lieben Dank fürs mitnehmen und den liebevoll geschriebenen Text. Die Fotos machen jetzt schon Vorfreude auf meine Fahrt.
Viel Spaß noch.
Gruß Volker
Gogolo am 08 Jul 2021 12:11:58
Ich habe oben den falschen Link von Sansjögarden eingestellt - hier der richtige: --> Link
Habe die Ehre
Gogolo
clamat am 08 Jul 2021 16:57:57
Hi Micha, Falls es noch nicht zu spät ist, wir hatten einen schönen kostenlosen Stellplatz in Örebro am Alnängsbadet im Oljevägen 10 LG Claudia
Momoblog am 08 Jul 2021 17:37:55
Hallo Claudia,
danke für den Tipp! Ich habe in Vorfreude euren Reisebericht in den letzten Wochen gelesen und wir werden wohl ähnlich unterwegs sein. Den Burow Oman hatten wir ja auch lange Zeit als nächstes Womo auf dem Schirm. :-)
Dein Tipp kommt (ich muss fast sagen Gottseidank) ein paar Stunden zu spät. Jetzt sind wir schon 100km nördlich von Örebro und stehen an einem dieser genialen Plätze JWD mutterseelensolo an einem See und finden es einfach nur geil. Aber immer her mit den Tipps, wenn dir auf unserem Streckenverlauf etwas einfällt. :top:
Liebe Grüße Micha
Momoblog am 08 Jul 2021 17:40:22
Garphyttan So langsam reicht es mit den langen Fahrtagen. Da kann man ja vor lauter Autofahren gar nichts mehr erleben! Aber das ist halt die Kröte, die man schlucken muss, wenn man in den hohen Norden will.
Wir sind uns noch unsicher: Besser die „schnelle“, aber langweiligere Route am Meer entlang oder den langsameren, aber abwechslungsreicheren Inlandsvägen? Wir verschieben die Entscheidung noch ein bisschen und fahren einfach stumpf Richtung Norden. Wir wollen heute 400 Kilometer schaffen und in der Nähe von Örebro den Garphyttan Nationalpark besuchen.
Utsikten
Am Stellplatz befindet sich ein Wegweiser zum Utsikten, einem Aussichtspunkt. Den wollen wir uns nicht entgehen lassen. Es tut gut, sich mal wieder ein wenig zu bewegen und die Waldluft zu schnuppern. Vom Aussichtspunkt, den wir nach wenigen Minuten erreichen, kann man ein bisschen auf den Stellplatz hinunterblicken. Na ja, jeder Aussichtspunkt hat mal klein angefangen.
Entspannt, aber langweilig
Wir sind bald wieder auf der Autobahn und cruisen Richtung Norden. Und das mit dem Cruisen kann man hier wörtlich nehmen. Ich liebe einfach dieses ultraentspannte Autofahren auf den schwedischen Autobahnen. Tempomat rein und gut ist. Allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass es hier ganz schön langweilig ist. Breite Autobahn, links Kiefernwald, rechts Kiefernwald, aus die Maus. Da freut man sich fast schon über die einspurige Baustelle, an der dann brav alle unaufgeregt hintereinander fahren bis die Verengung wieder vorbei ist.
Badplats
Annette hat trüffelschweinisch wieder eine nette Badestelle entdeckt, an der wir Pause machen. Und wir haben tatsächlich noch ein paar Leckereien vom Naschikönig im Gepäck, dem wir auf der Rückreise noch mal einen Besuch abstatten wollen. Gut gestärkt machen wir uns auf das nächste Teilstück, auf dem wir schon mal den Vätternsee erreichen.
Fahrradstadt
In Motala können wir das Rätsel lösen, warum uns das Navi die Strecke immer als Mautstrecke angezeigt hat: Kurz vor der Stadt gibt es eine mautpflichtige Brücke, die stolze 10 Kronen (1 €) kostet.
Eine Sache, die wir ja auch sehr an Schweden lieben, ist die Tatsache, dass man in der Regel völlig stressfrei mit einem Wohnmobil ins Stadtzentrum fahren und dort parken kann. Zumindest in allen Städten, die keine Touristenhotspots sind.
In Motala möchten wir dem Systembolaget einen Besuch abstatten. Langjährige Leser wissen jetzt Bescheid: Es geht um Alkohol. Den gibt es in Schweden nur in diesen speziellen Geschäften und wir trinken uns dort ganz gerne durchs Biersortiment, auch wenn die Preise etwas höher sind als bei uns. Das Geschäft in Motala ist ausgesprochen üppig sortiert, aber ausgerechnet das Fach unserer Lieblingsbrauerei Ballast Point aus San Diego ist leer. Schnief.
Was uns in Motala auffällt: Wie normal das hier im Stadtbild alles aussieht, wenn niemand eine Maske trägt. Im Systembolaget gibt es zwar Desinfektionsmittel am Eingang und Plexiglasscheiben an den Kassen, aber ansonsten fühlt sich das kribbelig normal an.
Nachdem wir die Biervorräte im MoMo verstaut haben, schnappen wir uns die Hunde und spazieren durch den hübschen kleinen Park hinunter ans Wasser. Dort gibt es Büsche und Skulpturen zum Thema Fahrrad: Denn Motala ist die Gastgeberstadt für die diesjährige Vätternrundan, dem Radrennen rund um den Vätternsee. Gefällt uns!
Nationalpark Nummer Eins
Mittlerweile ist es schon Nachmittag und wir wollen noch ein bisschen vorankommen. In der Nähe von Örebro lockt uns der Garphyttan-Nationalpark. Nachdem das Wetter den ganzen Tag über reichlich bewölkt, aber trocken und warm war, kommt pünktlich zu unserer Ankunft dort die Sonne raus. So muss das sein!
Auf dem Parkplatz befinden sich schon drei Womos, aber für uns findet sich problemlos auch noch ein Platz.
Nachdem wir uns gestärkt haben, brechen wir um 21 Uhr noch zu einer kleinen Wanderung auf. Die kurze 4-Kilometer-Strecke zu einem Aussichtspunkt ist genau der richtige Ausgleich zum dauernden Rumsitzen.
Wir hätten uns keinen besseren Nationalpark für diese erste Wanderung aussehen können. Es ist so ein richtiger Appetitmacher auf die kommenden Wochen. Es ist alles da, was man an Schweden lieben mag: Kiefernduft, Flechten, Blaubeeren. Und Mücken.
Eine besonders fette davon sticht Annette in den Handrücken als wir Toffi das Blaubeerpflücken beibringen. Schnell weiter!
Die Runde durch den Park führt uns noch zu einem Aussichtspunkt, der aber reichlich zugewachsen ist. Erst noch etwas höher hat man dann eine etwas weiter reichende Aussicht.
Trotzdem kommen wir ganz beschwingt zum MoMo zurück. So kann es gerne weitergehen!
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clamat am 08 Jul 2021 18:04:52
Hi, Als nächstes hätte ich das Stangtjärnsbadet, Lövbergsvägen 53, Fälenmelan, nahe bei Falun, im Angebot :lach: LG Claudia
riegelaner am 08 Jul 2021 20:23:46
Hallo ,
auf unserem Weg letztes Jahr vom Nordkap nach Hause standen wir wir hier
65°32'27.3"N 17°38'42.3"E
Kann ich echt empfehlen.
Norbert
Momoblog am 09 Jul 2021 08:32:05
clamat hat geschrieben:Hi, Als nächstes hätte ich das Stangtjärnsbadet, Lövbergsvägen 53, Fälenmelan, nahe bei Falun, im Angebot :lach:
Das nenne ich Service! :lach:
Momoblog am 09 Jul 2021 08:33:58
riegelaner hat geschrieben:
Kann ich echt empfehlen.
Genau solche Plätze suchen wir. Danke für den Tipp, Norbert! :top:
Liebe Grüße Micha
riegelaner am 09 Jul 2021 09:39:41
Momoblog hat geschrieben: Genau solche Plätze suchen wir. Danke für den Tipp, Norbert! :top:
gerne gemacht Wir sind damals nach dem Flatruet ( der höchsten Passstraße in Schweden - Schotterpiste ) auf der 311 weiter gefahren - tolle Gegend - das ist unser Ziel dieses Jahr.
Norbert
Momoblog am 09 Jul 2021 10:45:10
riegelaner hat geschrieben:Wir sind damals nach dem Flatruet ( der höchsten Passstraße in Schweden - Schotterpiste ) auf der 311 weiter gefahren - tolle Gegend - das ist unser Ziel dieses Jahr.
Hört sich auch sehr gut an. Was kostet es, dich als Tourguide zu engagieren…? :top:
Liebe Grüße Micha
riegelaner am 09 Jul 2021 11:59:56
Momoblog hat geschrieben: Hört sich auch sehr gut an. Was kostet es, dich als Tourguide zu engagieren…? :top:
hihi .. eigentlich nix ... es war voriges Jahr unser erster Ausflug ... gleich der lange Kanten zum Nordkap .. unvergesslich ( 25 Grad am Nordkap/ wolkenlos / Mitternachtssonne ) Ich habe auch schon viele Ideen und Plätze hier erlesen, da kann ich ja auch was zurückgeben.
Norbert
clamat am 09 Jul 2021 17:37:37
Hi, Vor dem Flatruet könnt ihr noch den Fäbodvägen fahren und anschließend den Vildmarksvägen LG Claudia
Momoblog am 09 Jul 2021 22:48:49
Haus am See Ein absolut friedlicher Morgen hier am Nationalpark. Was uns am meisten wundert: Das bleibt auch so. Denn relativ bald sind wir die einzig verbliebenen der Übernachtbleiber und lediglich eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern geht auf eine der wirklich einfachen Wanderungen, die sicherlich auch und gerade mit kleinen Kindern richtig Spaß machen.
Wir merken, dass wir anscheinend doch relativ schnell im Schwedenmodus angekommen sind. Heißt: Langsam in den Tag starten. Vor 10 Uhr passiert da schon mal gar nicht viel. Und danach zeichnet sich Annette durch besonderen Fleiß aus, weil sie ihre Sportkurse der LTG auch im Urlaub beibehalten will. Corona hat’s möglich gemacht, dass die Onlineangebote für den Sport weiter genutzt werden können. Man muss Corona ja auch mal loben…
Möglich wird das durch unsere immer noch funktionierende Vodafone-X-Karte aus Irland. Die bieten für 20 €/Monat unbegrenztes Internet in der gesamten EU an. Und nachdem ich nach einigen Irrungen und Wirrungen (und Schmerzensgeld…) das Ganze ans Laufen gebracht habe, können wir bis jetzt nicht klagen. Die Geschwindigkeit ist zwar auf 10 Mbit/s gedrosselt, aber auch Fußball gucken war durchaus möglich. Und für den ganzen Rest reicht es eh.
Wilder Garten
Wir wollen mittags noch mal die „kleine“ Wanderung machen. Diese führt mehr durch die Wiesen von Östra Gården, dem ehemaligen Gehöft, welches der Ursprung des Nationalparks ist.
Während ich ganz begeistert fotografiere, kümmert sich Annette darum, dass die Hunde zeckenfrei bleiben. Dann die Biester gibt es hier anscheinend im Dutzend billiger. Nach der gestrigen Abendwanderung waren die Hunde trotz Zeckenschutz übersät mit den Plagegeistern und auch in Annettes Bauchnabel hatte sich eine verirrt. Gibt es eigentlich ein unbeliebteres Tier als eine Zecke?
Shopping-Schwimmbad
Über die gute Schotterstrecke kehren wir danach wieder zurück in die Zivilisation und fahren zum ersten Einkauf nach Örebro. Der ICA, den wir per Google gefunden haben, ist in einer Art Kulturzentrum untergebracht – direkt nebenan finden wir das örtliche Hallenbad.
Bärchen oder Ingo
Nachdem wir uns mit den üblichen Leckereien wie Kanelbullar (Zimtschnecken), Filmjölk (Dickmilch für die Blaubeeren) oder Läkerol-Lakritz-Pastillen versorgt haben, tanken wir noch einmal voll – das dritte Mal in drei Tagen. Da weint der Geldbeutel. Vor allem, wenn man wie wir bei CircleQ tankt, die mit den teuersten Preis (17 Kronen, ca. 1,70 €) aufrufen. Alle nachfolgenden Tankstellen sind ca. 6 Cent billiger. Annette prägt den Wahlspruch „Bärchen oder Ingo“. Bärchen ist das Symbol für die Preem-Tankstellen und Ingo ist hier kein Vorname, sondern eine Tankstelle…
Herrlicher Norden
Jetzt soll es wirklich einen weiteren Schritt in die Wildnis geben: Wir fahren auf der 50 gen Norden. Und wenn sich hier die Landschaft mal weitet und man die große Breite der Szenerie mal mehr spüren kann als auf den endlosen Waldstücken wird es schnell grandios. Es kommt schon fast ein bisschen USA-Feeling auf, wenn man auf einer gut ausgebauten Straße durch diese Aussichten gleitet.
Ungefähr 100 Kilometer nördlich von Örebro befindet sich das Malingsbo-Kloten Naturreservat, was sich anhört, als sei es genau unser Ding. Einsam und verlassen, aber mit der Möglichkeit, an manchen Stellen mit dem Womo zu stehen. Am Rande des Reservats finden wir dann am Långvattnet einen ziemlich perfekten Platz. Ein toller, ebener Platz fernab der schon wenig befahrenen Hauptstraße mit Feuerstelle und sogar einer Art Slipweg in den See. Wie genial ist das denn bitte?
Chillen leicht gemacht
Wir richten uns häuslich ein und machen erst mal eine Fika, die schwedische Kaffeepause. Stilecht mit Kanelbullar.
Und dann komme ich auch das erste Mal dazu die Drohne steigen zu lassen und mal die Lage aus der Luft zu sondieren. Das sieht aus der Luft noch mal so gut aus. Alles richtig gemacht!
Und nachdem wir uns mit Burgern vom Grill gestärkt haben, geht es anschließend aufs Wasser. Micha im Kajak und Annette im Badeanzug. Wobei: Eigentlich ist das hier schon overdressed – FK* wäre genauso möglich gewesen. Denn auf dem Wasser ist es geradezu ohrenbetäubend still. Wir sind hier wirklich in the middle of nowhere.
Und weil uns die Kriebelmücken dann doch noch ins MoMo vertreiben, wird das am Ende ein Abend in unserem ganz persönlichen Haus am See.
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bonjourelfie am 10 Jul 2021 22:08:59
Hallo, wir sind euch auf den Fersen. Nachdem wir einige Tage am Vättern waren, zieht es uns jetzt doch weiter nordwärts. Ziel ist der Vildmarksleden. LGElfie
Momoblog am 10 Jul 2021 22:12:07
bonjourelfie hat geschrieben:Hallo, wir sind euch auf den Fersen. Nachdem wir einige Tage am Vättern waren, zieht es uns jetzt doch weiter nordwärts. Ziel ist der Vildmarksleden.
Wäre ja toll ,wenn wir uns mal treffen, Elfie!
Liebe Grüße Micha
Momoblog am 10 Jul 2021 22:16:18
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Grün und Blau Wir merken, dass wir uns nordwärts bewegt haben. Schon früh ist die Sonne aufgegangen. Mich treibt es um 6 Uhr aus dem Bett. Der See sieht einfach zu einladend aus. Also ziehe ich mir warme Sachen an und gehe, vielleicht nicht so ganz wach, zum Kajak, um ein frühmorgendliches Ründchen zu paddeln.
Es kommt dann, wie es kommen muss. Da ich zunächst noch zu nah am Ufer bin und der Kajak auf dem Boden festhängt, bewege ich den Scubi mit dem Fuß, der bereits im Boot ist, in Richtung See. Und als ich dann schleunigst den zweiten Fuß ins Boot hole und mich hinzusetzen versuche, wackelt es. Zunächst leicht, dann immer stärker, bis ich schließlich eine formvollendete Eskimorolle mache. Zumindest so ähnlich.
So viel zum romantischen Start in den Tag… Stattdessen darf ich jetzt erst mal all die nassen Klamotten ausziehen und stelle fest, dass eine Kuschelfelljacke im Normalzustand zwar schön wärmt, sich aber auch ganz prächtig mit Wasser vollsaugen kann…
Gut, dass der Wetterbericht, der uns einen bewölkten Tag angekündigt hatte, ziemlich daneben liegt. Es wird nämlich ein wunderbarer Schwedensommertag mit perfekten T-Shirt-Temperaturen und dem genau richtigen Maß an Wolken, damit das auch so bleibt.
Hunde an Bord
Nach dem Frühstück kann Annette mir beweisen, dass sie das mit dem Kajakfahren besser kann. Und um die Demütigung dann noch komplett zu machen, nimmt sie nicht nur einen, sondern gleich beide Hunde mit an Bord.
Was die Hunde davon halten, kann man so genau nicht sagen. Ich würde aber sagen, dass Ellis Blick Bände spricht. Und auch Toffi, die das erste Mal eine Schwimmweste verpasst bekommt, ist nur so mittelbegeistert, macht aber brav alles mit, was die Menschen von ihr wollen.
Und siehe da: Bei Annette klappt das vorbildlich. Und als wir die Hunde auch noch besser verteilt haben, kann sie sogar ihre Beine ausstrecken, ohne einen Hund über Bord zu kicken.
Långvattnet aus der Luft
Ich übe mich weiter darin, mit der Drohne zu fliegen. Was ja immer ein wenig nervt, ist das Bienenschwarmgeräusch, das mit dem Fliegen einhergeht. Aber ab einer gewissen Flughöhe ist das nur noch ein Hintergrundrauschen und stört hoffentlich auch nicht die anderen, welche die Ruhe hier am See suchen.
Und was soll ich sagen: Es macht einfach Spaß, das Ding mal auf 100 Meter Flughöhe steigen zu lassen und einen Eindruck davon zu bekommen, wie blau und grün hier die Landschaft ist.
Und es ist auch ein cooles Ding, seinen Stellplatz aus der Luft zu betrachten.
Långvattnet vom Wasser
Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, die Schmach vom Morgen vergessen zu machen, noch mal ohne Slapstick in den Kajak zu steigen und endlich auf den See hinauszufahren. Es fühlt sich sehr beruhigend an, dass es diesmal problemlos klappt und ich auch mal in einen Kajak einsteige, ohne wie ein nasser Wäschesack auszusehen.
Und nach dem Kaffeetrinken geht auch Annette noch mal auf Erkundungstour zu Wasser. Es ist einfach zu schön hier!
Wenn’s am schönsten ist…
Der Wetterbericht sagt für den Abend und morgen leider so gar nichts Gutes voraus. Eigentlich nur Dauerregen. Wir beschließen daher, unseren Traumplatz in bester Erinnerung zu behalten und fahren am späten Nachmittag weiter, um noch ein paar Kilometer nordwärts Richtung Siljansee zu kommen.
Zivilisationsschock
Wir haben Leksand als Etappenziel ausgeguckt, weil wir hier in der Region am Siljansee bei dem morgigen Dauerregen einen kleinen Shoppingtag einlegen wollen, bevor es wieder in die Wildnis geht.
Wir sind nach der Einsamkeit rund um Malingsbo fast schon überrascht, dass der Verkehr ab Borlänge ordentlich zunimmt. Hier ist ja wieder richtig Zivilisation! Mit fast schon als groß zu bezeichnenden Städten!
Ein weiteres Problem tut sich auf, als wir den auf dem Papier so verlockenden kostenlosen Stellplatz von Leksand aufsuchen, um zu ver- und entsorgen. Denn der eigentlich sehr liebevoll gestaltete Platz liegt ohne Schallschutz an der recht ordentlich befahrenen R70. Und da möchten wir uns nicht ausmalen, was an einem Freitagabend hier los sein könnte, nachdem bereits ein Pkw mit pumpenden Bässen an uns vorbeigefahren kommt. Was tun?
Wir beschließen, unser Glück am Hafen von Leksand zu versuchen. Das kleine Örtchen hat sich nett für diesen lauschigen Sommerabend herausgeputzt und am Hafen herrscht in der Marina reges Treiben. Auch hier ein für uns immer noch ungewohnter Anblick: Hochbetrieb in der Gastronomie ohne weitere Schutzmaßnahmen. Und gleichzeitig sehnen wir uns jetzt schon, nach nur einer Nacht in der Wildnis, nach unserem Platz am See. Wie soll das denn bitteschön erst nach ein paar Wochen ohne Menschenmassen aussehen?
Momoblog am 11 Jul 2021 17:49:26
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Dalapferde Der Wetterbericht behält zunächst nur teilweise recht. Ja, es hat sich zugezogen. Ja, es regnet schon mal. Aber der fiese Regensamstag, den wir befürchtet hatten, ist es dann doch nicht. Wir halten aber trotzdem an unserem Plan für heute fest. Denn der heißt: shoppen. Das ist hier in der Region um den Siljansee sicherlich auch angebracht, denn wir sind doch etwas überrascht, wie touristisch das hier ist. Die Straßen sind zumindest voll.
Lax aus der Butik
Schon gestern haben direkt gegenüber unserem Stellplatz die Siljans Lax Butik entdeckt. Und wenn ihr in der Gegend seid: Besuchsempfehlung! Wir sind. Ganz begeistert von der Auswahl und würden eigentlich gerne länger stöbern und gucken – aber es gibt die Regel, dass darum gebeten wird, dass nur ein Kunde den Laden betritt. Und da draußen schon mehrere Leute warten als wir den Laden verlassen haben wir fast ein schlechtes Gewissen, dass wir uns so schlecht entscheiden können, was wir von den Leckereien kaufen…
Tote Hose
Annette hatte sich schon länger auf den Besuch im Lundhags Outlet in Insjön gefreut. Sie ist ein großer Fan von deren „Makke Pants“ und bekam von einer Bekannten den Tipp, dass diese sich dort im Outlet immer mit Hosen bevorratet.
Aber der Besuch ist dann in Bezug auf die Hose ein Schlag ins Wasser. Die Preise sind nämlich zum größten Teil so gar nicht outlettig, sondern in der Regel die Ladenpreise, die eher teurer als bei uns sind. Annette wird dann aber doch bei ein paar Sachen schwach, die gut und günstig sind. Erstaunlicherweise sind wir also von den norwegischen(!) Outlets deutlich verwöhnter, was gute Preise angeht. Man lernt nie aus…
Was wir übrigens erst beim Verlassen des Geschäfts sehen: Es gibt ein Einlasssystem mit Kärtchen, die man beim Eingang mitnimmt und dann wieder abgibt, wenn man den Laden verlässt. Anscheinend wird Corona hier doch etwas ernster genommen als gedacht.
No Knäcke
Als Nächstes hatten wir uns auf den Fabrikverkauf bei Leksands Knäckebröd gefreut. Wir waren gespannt, was uns dort wohl angeboten würde. Aber als wir an der Fabrik ankommen, staunen wir nicht schlecht: Es gibt einen großen Besucherparkplatz, der ordentlich gefüllt ist. Aber vor allem: eine lange Schlange von Leuten, die auf Einlass warten. Wahrscheinlich auch wieder Corona geschuldet. Für uns ist aber klar: Nur für einen Knäckebrotkauf wollen wir uns dann nicht „stundenlang“ in die Schlange stellen. So wichtig ist das nicht.
Pause am Strand
Da wir zumindest noch ein bisschen was vom Siljansee sehen wollen, hat Annette uns einen Picknickplatz am See herausgesucht. Dort haben wir Gelegenheit, den Lax aus der Butik auf seine Qualität zu überprüfen und können mit voller Überzeugung sagen: Megalecker! Wir hatten ganz vergessen, dass ein frisch geräucherter Fisch so saftig und aromatisch schmecken kann. Und dazu noch diese Honig-Senf-Dillsauce!
Auf einer kleinen Hunderunde bewundern wir die Schwedenidylle der dortigen Häuschen und die fotogenen Wellblechdächer der Hütten am Ufer.
Und Elli bringt Toffi bei, dass man auch an einem kleinen Strand nicht vorbeigehen darf, ohne fleißig zu buddeln.
Kindheitserinnerungen
Der weitere Weg führt uns nach Nusnäs, dem Ort, der berühmt ist für die geschnitzten und handbemalten Dalapferde, von denen ich als Kind natürlich auch eins bekommen und geliebt hatte.
Dem Ort sollte man aus vielerlei Gründen eine Besuch abstatten. Der geringste davon wäre der hübsche Name, der einfach gute Laune macht. Was mich überrascht, ist, dass Nusnäs wirklich ein Dorf ist. Ich hatte hier, am touristischen Siljansee, erwartet, dass da richtig der Bär steppt.
Es ist aber vielleicht noch ungewöhnlicher. Denn bis kurz vor dem großen Parkplatz, auf dem locker 100 Fahrzeuge unterkommen ist das ganze eine komplette Bullerbü-Idylle. Mehr Schwedenklischee geht kaum.
Lediglich an den beiden Läden mit Schauwerkstatt knubbelt sich das touristische Interesse.
Wir haben ein bisschen Glück und ein bisschen Pech. Glück ist, dass eine Stunde vor Geschäftsschluss schon nicht mehr der ganz große Run auf die Geschäfte herrscht. Pech ist, dass die Handwerker alle schon im Wochenende sind. Wir können uns also nur die Gerätschaften anschauen. Aber das ist auch schon ganz schön gut und fotogen.
Angenehm überrascht sind wir vom unvermeidlichen Touri-Shop, durch den man zum Schluss gelotst wird. Denn die allermeisten Sachen finden wir dann doch durchaus geschmackvoll, auch wenn wir nichts davon „dringend“ kaufen müssen. Nur bei einem Pferde-Filz-Kissen muss ich auf die bei unseren Kindern altbewährte Technik zurückgreifen, um Annette vom Kauf abzuhalten: Wir machen zumindest mal ein Erinnerungsfoto…
Wolkenbruch in Mora
Unser letztes Ziel am Siljansee ist Mora, wo ich mal eben Geld kaufen will, damit wir den heutigen Campingplatz mit Cash bezahlen können. Ich lasse mich vom Navi in die Innenstadt lotsen, nur um dann festzustellen, dass ich an einer Fußgängerzone gelandet bin und zu Fuß weitergehen muss, während Annette mit den Hunden im MoMo wartet.
Natürlich fängt es just in dem Moment heftig an zu regnen, als ich mich auf den Rückweg mache. Was tun? Ich entscheide mich dafür, zum MoMo zurückzugehen, bevor es noch schlimmer wird. Denn die nassen Klamotten kann ich dann ja sofort ausziehen. Gute Wahl. Denn es folgt ein Wolkenbruch vm Feinsten, als ich am Wohnmobil ankomme. Die Straßen stehen unter Wasser, die Feuerwehr rückt pausenlos aus und Donner und Blitz gibt es auch noch. Holla! Wir machen erst mal eine Kaffeepause und gucken uns das Naturschauspiel aus dem gemütlichen MoMo an.
Ab in die Wildnis
Als das Unwetter durch ist, starten wir den Motor. Wir haben noch ein gutes Stück vor uns. Es geht nordostwärts zum Fulufjället-Nationalpark. Schon bald sind wir in der schwedischen Waldeinsamkeit und machen Kilometer um Kilometer. Die Wälder haben hier schon eine andere Qualität als im Süden. Alles wirkt schon einen Tacken wilder, urwüchsiger und reiner.
Lediglich im hübschen Städtchen Älvdalen schnuppern wir noch mal an der Zivilisation. Und gleichzeitig landen wir im nächsten Unwetter. Der Himmel vor uns ist mehr schwarz als grau und nach wenigen Minuten schüttet es wieder wie aus Kübeln. Wir freuen uns, dass die Straße in einem wirklich guten Zustand ist, sodass es nur selten größere Pfützen gibt, die man mit großem Radau durchfahren muss. Elli findet das gar nicht lustig.
Als wir von der RV70 zum Fulufjället abbiegen wird alles noch mal einen Tacken urwüchsiger. Wir finden am Campingplatz in Mörkret sogar noch einen Platz direkt am Fluss und schaffen gerade noch rechtzeitig eine kleine Runde mit den Hunden, bevor das nächste Gewitter mit beeindruckendem Donnerrollen über uns hinwegzieht. Toll hier!
Momoblog am 12 Jul 2021 22:57:18
Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link
Fulufjället Heute wollen wir den Nationalpark erkunden. Wir haben den Vorteil, dass wir schon fast da sind und nur noch einmal um die Ecke fahren müssen. Die Straße zum Park sieht schon mal vielversprechend aus. Wir sind angenehm überrascht wie groß der Parkplatz hier ist und wie viel Platz es auf dem extra für Womos angelegten Teil gibt. Das ist ja entspannt hier! (Eine Aussage, die wir wenige Stunden später allerdings revidieren müssen…) Ab durchs Moor Wir entscheiden uns für den Weg, der im Uhrzeigersinn zum Njupeskär-Wasserfall führt, zu dem hier alle hin wollen. Er führt auf Holzbohlen durch eine sehr fotogene Sumpflandschaft. Durch die gestrigen Regenfälle wirkt das alles noch saftiger und frischer als es wahrscheinlich schon ohnehin ist. Je näher wir dem Wasserfall kommen, umso voller wird es auf den Wegen. Teilweise hat man fast den Eindruck, dass hier eine Busladung Touristen abgeladen worden ist. Man sollte vielleicht nicht unbedingt an einem Sonntag in der Hochsaison diesen Trip machen… Was in diesem Zusammenhang vor allem Annette als Hundeführerin leidvoll erfahren muss, ist Toffis Hang zur Kläfferei. Ihr „Beuteschema“ sind andere Hunde und kleine Kinder. Und von denen gibt es auf dieser Runde eine ganz Menge. Das erfordert absolut dicke Nerven, die am Ende der Runde bei Annette eher feine Strähnen geworden sind. Aber wir werden das schon hinkriegen… Njupeskär Besonders viele Besucher tummeln sich naturgemäß am Wasserfall selbst. Auf einem eher schmalen Holzpfad mit Geländer kommt man zu einer Aussichtsplattform und ein paar Unentwegte klettern noch über die Geröllhalde, um noch näher an den Wasserfall zu kommen und die unvermeidlichen Selfies zu machen. Ich finde an der Brücke, die wir für den Rückweg überqueren müssen, einen Platz, um mit Stativ und Filtern zu fotografieren. Annette lässt gleichzeitig Nerven beim Toffi-in-Schach-halten. Und so schön diese Runde auch angelegt und zu laufen ist: Mit der Einsamkeit und Ruhe, die wir eigentlich mit dieser Landschaft verbinden möchten, ist es heute nicht weit her. Wir staunen daher auch nicht wirklich, als der Besucherparkplatz bei unserer Rückkehr prall gefüllt ist und es keine Plätze mehr gibt. Fika am See Wir beschließen, uns die Einsamkeit zurückzuholen. Am Ende der Zubringerstraße zum Nationalpark biegen wir links ab und fahren alsbald über eine Schotterpiste Richtung Idre. Und siehe da: Nichts los hier. An einem malerischen See parken wir das MoMo, machen erst mal unsere Fika, die Kaffeepause und atmen durch. Kleine Elche Auf der weiteren Strecke dümpeln wir gemütlich vor uns hin, als Annette plötzlich ausruft „Guck mal da! Kleine Elche!“ Ich bringe ihr möglichst schonend bei, dass sie gerade die ersten Rentiere auf unserer Tour Richtung Lappland entdeckt hat… Auch wenn wir wissen, dass man zwangsläufig Rentiere sehen wird, wenn man Richtung Lappland unterwegs ist: Es hat diese Safari-Kribbeligkeit, wenn man plötzlich ein Tier in freier Wildbahn entdeckt hat. Lägerplats Bei Idre schwenken wir um auf den Foskrosvägen, eine kleinere Nebenstraße statt der wahrscheinlich „vernünftigeren“ RV311 Richtung Norden. Aber wir haben das Gefühl, dass wir jetzt mal leicht den Fuß vom Gaspedal nehmen wollen. Ich habe dort einen Lägerplats entdeckt. So heißen die Stellplätze, die außer Plumpsklo und Feuerstelle nicht viel zu bieten haben, dafür aber preiswert (60 Kronen/6 €) sind und wunderschön direkt am Fluss gelegen sind. Wir haben wieder mal Glück. Es gibt noch genau einen freien Platz und das MoMo passt perfekt hinein. Aber das Beste: Es ist hier absolut friedlich, weil die anderen Camper hier genau so Ruhe suchen wie wir auch. Das Spannendste am Nachmittag ist dann eine Gruppe von Wildwasserkajakfahrern, von denen einer vor unserer Nase kentert, aber das Missgeschick recht gelassen nimmt. Gut, dass die anderen aus der Gruppe helfen. Wir machen später mal wieder Bekanntschaft mit dem Insektengedöns, das uns zwar dank Spray nicht mehr sticht, aber trotzdem ganz schön nervt. Das Abendessen nehmen wir lieber mal im MoMo ein.
Momoblog am 14 Jul 2021 00:28:28
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Rogen und Moränen Die kurzen, hellen Nächte machen mir mehr zu schaffen als gedacht. Immer mehr kommt der Rhythmus von Tag und Nacht ins Wanken - abends gibt es kein wirkliches Ende (außer der Müdigkeit) und der Morgen fängt viel zu früh an. Gut, wenn man dann im MoMo langsam auf Touren kommen kann. Auf der 311 Wir fahren den Foskrosvägen weiter in Richtung Norden. Und bis zum Hüttenort Foskros ist das entspanntes Cruisen. Danach geht die Straße über in eine Schotterpiste, die man etwas konzentrierter fahren muss. Über die angemessene Geschwindigkeit gibt es da unterschiedliche Ansichten - wir lassen einen Franzosen mit Hummeln im Hintern gerne vorbei… Wir freuen uns, dass wir auf der RV311 dann wieder Asphalt unter den Rädern haben. Die Strecke in Richtung Tännäs ist wirklich ein Vergnügen - vor allem, wenn Rentierherden zu sehen sind. Rogens Naturreservat Unser Ziel für heute ist allerdings nicht Tännäs, sondern das Naturreservat rund um den See Rogen. Dort kann man eine Wanderung zwischen den unzähligen Seen der Rogenmoräne machen. Das sieht auf der Landkarte schon so abgefahren aus, dass wir uns das mal in echt angucken wollen. Zunächst wundern wir uns, dass der Parkplatz, zu dem wir fahren, gar nicht kostenpflichtig ist, wie wir es eigentlich erwartet hatten. Des Rätsels Lösung ist dann sehr einfach. Wir stehen auf dem „offiziellen“ Wanderparkplatz des Naturreservats, aber eben nicht am Startpunkt der Wanderung. Buckelpiste Um dorthin zu gelangen müssen wir noch weiter auf der ohnehin nur mittelguten Schotterpiste fahren. Das ändert sich aber schlagartig, als wir auf die mautpflichtige 5 Kilometer lange Zufahrt zum Hof Käringsjön abbiegen. Die ist dann nämlich katastrophal. Aber auch überaus reizvoll. Denn bereits auf dem Weg gibt es tolle Aussichten zu bewundern. Und Annette bewundert meine Fahrkünste mit dem braven Nicht-Allrad-MoMo - wer braucht da noch ein offroad-geeignetes Wohnmobil? Käringsjön Als wir schließlich am Hof ankommen sind wir mehr als verwundert, dass hier so viele Pkws stehen. Das hätten wir jetzt wahrlich nicht erwartet! Und vor allem: es gibt keinen Platz mehr fürs MoMo! War es das etwa schon? Ich frage einfach beim freundlichen Gastgeber Per-Roger Wiberg nach, der mir dann auf deutsch erklärt, dass ich gerne auf dem oberen Parkplatz stehen könnte. Und das Übernachten für 2 Nächte bis Mittwoch würde mich dann bitte 150 Kronen kosten (die Maut soll übrigens 40 Kronen und das Parken 20 Kronen kosten, sind aber in diesem Preis auch schon inklusive). Begeistert sage ich zu, denn an diesem herrlichen Flecken zu bleiben ist wirklich ein No-Brainer. Ich bin spontan verliebt in den Ort und notiere ihn in Gedanken schon mal für die Großen 12 - und das bereits vor der Wanderung. Denn ich bin mir sicher: der Rundweg kann gar nicht schlecht werden! Traumrunde Direkt zu Beginn macht Annette schon eine bedeutende Entdeckung: Das Plumpsklo hier gehört sicherlich zu den schönsten, die man sich vorstellen kann - keine Übertreibung! Aber auch die Wanderung ist wirklich lohnenswert. Einen See hat man eigentlich zu jedem Zeitpunkt in Sicht. Mal zur rechten, mal zur linken. Und da, wo der Untergrund zwischen ihnen zu nass ist, sind Holzstege die Lösung. Auf den steinigen Moränenrücken zwischen den Seen ist es das für Schweden übliche Wandern über Stock und Stein, bei dem man lieber die Augen auf dem Boden hat, damit man den nächsten Schritt richtig setzt. Anstrengend, aber auch schön. Vor allem in dieser Landschaft, die wir nahezu ganz für uns alleine haben. Lediglich viermal begegnen wir in den fast 4 Stunden anderen Wanderern. Bei einer dieser Begegnungen fängt Toffi erwartungsgemäß wieder an zu bellen. Aber warum ist Annette auf einmal so aus dem Häuschen? Ach so, wegen des Rentieres, was praktisch vor unserer Nase den Wanderweg kreuzt, um zum nächsten See zu kommen! Als wir gegen 20 Uhr doch reichlich erschöpft zum MoMo zurückkehren fühlt es sich zeitlich an wie früher Nachmittag, körperlich aber eher schon wie Mitternacht. Zumindest Toffi ist am Abend dann so fertig, dass sie auch als ein kleiner Junge mit seiner Mutter vorbeikommt, nur noch müde den Kopf hebt, aber zum Aufregen einfach nicht mehr imstande ist. So geht das also!
bonjourelfie am 14 Jul 2021 12:09:41
Danke für deine tollen Berichte, ich verschlinge sie täglich. Diese Tour haben wir vor ca. 30 Jahrenn gemacht, ist die Straße dorthin also immer noch so katastrophal. Leider dann mit unserem Womo nicht zu machen.LG Elfie, in Gubbhögen am Vildmarksvägen
riegelaner am 14 Jul 2021 12:32:47
Hallo Micha,
vielen Dank für die täglichen Berichte .. es weckt die Vorfreude auf unserem Trip.
Letztes Jahr war das ewige Hell auch etwas Neues für uns - wir haben aber nach einem Trick, den ich hier irgend wo gelesen hatte , gut geschlafen. Am Abend haben wir so gut es ging verdunkelt und dann noch bei künstlichem Licht gelesen oder im Internet gesurft. Nach 20 - 30 min hat der Körper dann in Nachtmodus geschalten und wir konnten super schlafen. Viel Spaß noch euch in Schweden Norbert
womooli am 14 Jul 2021 20:01:59
Moin Michael, sag mal bitte kommt man von der 311 bis Käringsjön mit einem 9m Tandem Achser durch? Wir sind vor 3 Jahren die 311 durchgefahren und nicht über Foskros. An der Abzweigung Sorvattnet steht ein Achtung Rentier Schild. 50m später rannte das erste Tier über die Straße. Ein unglaubliches Erlebniss. Unsere Tochter bekamm sich garnicht mehr ein. Es folgten dann auf dem Weg nach Tännas noch diverse andere ;-).
Danke schon mal
Weiterhin eine schöne Reise :daumen2:
Momoblog am 14 Jul 2021 23:38:55
womooli hat geschrieben:sag mal bitte kommt man von der 311 bis Käringsjön mit einem 9m Tandem Achser durch?
Puh, schwer zu sagen. Kommt auf deine Leidensfähigkeit an. Empfehlen würde ich es definitiv nicht. Aber auf unserem Stellplatz stand ein größeres Mobil, was bestimmt 8 Meter lang war. Enge Kurven sind nicht so sehr das Problem. Eher ruppige, hubbelige Steigungen, die man eher in langsamer Schrittgeschwindigkeit fährt. Da wird bei euch eher das Gewicht zum Problem. Und Wendemöglichkeiten gibt es bei der Größe sehr wenige. Stell dich also drauf ein, dass du ein paar Kilometer im Rückwärtsgang unterwegs bist, wenn es schief geht.
Liebe Grüße Micha
Momoblog am 14 Jul 2021 23:49:11
Flatruet Was ist das schön hier! Irgendwie haben wir es heute so gar nicht eilig in den Tag zu starten. Wir sitzen einfach nur da und genießen die Stille und die grandiose Aussicht auf das Rogen-Gebiet und die norwegischen Berge im Hintergrund. Erst gegen Mittag werden wir aktiv und machen uns auf den Teil der Wanderung, den wir gestern nicht mehr geschafft haben. Man kann nämlich von Käringsjön aus noch auf ein höheres Plateau wandern, von dem man dann eine schöne Aus- und Übersicht auf das Rogen-Gebiet hat. Wir kommen ganz schön ins Schwitzen – bergauf bei 25° ist nicht das, was wir erwartet hätten. Rundumsicht Die Aussicht von dort oben entschädigt aber für die Schwitzerei. Das ist so schön hier, dass man eigentlich nur mit dem Kopf schütteln kann, dass es noch kein Nationalpark ist. Es soll aber in Planung sein, dass sich das ändert. Ihr könnt das Rogen-Gebiet aber getrost in eure Reiseplanungen aufnehmen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es hier jemandem nicht gefällt. Planänderung Eigentlich haben wir ja für 2 Nächte bezahlt und möchten auch sehr gerne noch an diesem schönen Fleckchen verweilen. Aber es gibt mehrere Gründe, die uns weiterziehen lassen. Zum einen ganz schnöde die Notwendigkeit zum Ver-/Entsorgen. Das hätten wir aber mit ein bisschen Zirkeln wohl noch bis morgen hingekriegt. Aber außerdem haben wir ja auch an die Reise fett Lappland geschrieben. Und das haben wir hier in Järmtland ja immer noch nicht erreicht! Und ein anderer gewichtiger Grund ist der Wetterwechsel, der sich für morgen ankündigt. Es soll mittags wieder ordentlich schütten und wir wollten eigentlich eine Nacht auf dem Flatruet-Pass verbringen. Das ist dann bei dem momentanen Prachtwetter sicherlich attraktiver als bei Bewölkung. Also brechen wir schweren Herzens unsere Zelte ab, fahren noch einmal die Rüttelstrecke bis zur „normalen“ Schotterstrecke und sind wieder in der realen Welt. Wildwest-Feeling Es ist dann zur Abwechslung wirklich nett über den Asphalt zu fliegen. Zumindest fühlt sich das bequeme Gleiten so an. Und die gerade, lange und breite Straße erinnert uns unvermeidlich an die endlosen Weiten Nordamerikas. Im netten Ski-Ort Funäsdalen befindet sich in einem Industriegebiet eine tolle Entsorgungsstation. Und ich treffe geradezu vorbildlich das Entsorgungsloch für das Grauwasser. Mich kann man auch mit kleinen Dingen glücklich machen. Nach dem Auffüllen der Vorräte im ICA geht es auf die Flatruet Passstraße. Wobei unsere Erwartung daran etwas anders war. Denn weder gibt es brutale Steigungen noch besondere Serpentinen. Man arbeitet sich einfach langsam aber sicher nach oben. Also rein von der Schwierigkeit ist das (abgesehen von der Schotterpiste) supereinfach. Was sich aber mit jedem Meter der Strecke deutlicher abzeichnet: Das wird grandios. Denn der Blick weitet sich immer mehr und man hat schon auf einem ersten Hochplateau eine so tolle Sicht auf die umliegenden Berge, dass wir versucht sind, lieber hierzubleiben als auf dem „überlaufenen“ Flatruet. Wie gut, dass wir das nicht getan haben! Denn gerade das letzte Stück bis zur Passhöhe hat jetzt wieder echte Amerikaqualitäten. Große Weite, endloser Himmel und nur ab und zu mal ein Auto. Zumindest bis zur Passhöhe. Womo-Dorf Dort befindet sich nämlich ein regelrechtes Womo-Dorf. Auf der sehr großen Parkfläche am Höhepunkt der Passstraße haben sich ganz schön viele Womos verteilt und ein schönes Plätzchen gesucht. Das Tolle daran: Es klappt, dass sich alle gleichmäßig verteilen und es herrscht eine angenehm entspannte Atmosphäre unter Gleichgesinnten. Denn es macht den Eindruck, dass wir alle nur hier sind, um die grandiose Natur zu feiern, die uns hier umgibt. Fürs Abendessen haben wir schnell Tisch und Zeugs aufgebaut und können beim Feierabendbierchen und Grillwürstchen diese schon wieder so großartige Landschaft auf uns wirken lassen. Endlos-Sonnenuntergang Eigentlich konnten wir für diesen Tag schon wieder sehr dankbar sein. Aber wir bekommen noch einen kleinen Bonus. Denn der Ultra-Zeitlupen-Sonnenuntergang, den wir dann erleben, ist wirklich unglaublich. Als ich sehe, was sich da anbahnt, schnappe ich mir noch mal Kamera und Stativ und mache mich ans Werk. Das tun leider aber auch die Mücken, die anscheinend nur auf ihre Gelegenheit gewartet haben, die Sonnenuntergangsanbeter auszusaugen. Mistviecher! Sie treiben mich dann wirklich ins MoMo zurück und wir können das Schauspiel noch zwei weitere Stunden durch die Fenster des Wohnmobils beobachten und machen zwischendurch immer wieder Oh! Und Ah!
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Momoblog am 15 Jul 2021 21:14:10
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Dreimal Camping Wir konnten uns gestern an diesem endlosen Sonnenuntergang nicht satt sehen. Eine gefühlte Ewigkeit glomm der Horizont noch orange und ich war immer wieder versucht, die Kamera noch mal auszupacken und die nächsten hundert Sonnenuntergangsbilder zu schießen. Zum Leidwesen für euch, liebe Leser, haben wir die Bilder aber nur, ganz achtsam, im Herzen abgespeichert. Und da auch noch ein Blog und Offline-Tagebuch zu schreiben waren, sind wir entsprechend spät ins Bett gekommen. Leicht gerädert wachen wir dann auf, weil ringsum der Platz zum Leben erwacht. Es herrscht Abreisestimmung, aber wir sind gewohnt spät dabei, uns von diesem Platz zu trennen. Polizei! Als ich gerade auf dem Klo sitze und tue, was man dort so tut, höre ich einen erschrockenen Ausruf: „Micha! Ich glaube, jetzt kommt die Polizei. Die gehen hier schon überall rum!“ Wir denken an unseren Auffahrkeil und den Korb mit den kalten Kohleresten vom Grillen, der noch draußen steht. Wird das jetzt beanstandet? Strafzettel? Gefängnis gar? „Micha, die kommen jetzt zu uns!“ Ich erhebe mich vom Klo und sondiere erst mal die Lage: „Aber da ist doch gar keine Polizei?“ „Doch, die haben so gelbe Westen!“ Ich halte Ausschau und entdecke tatsächlich zwei Personen in Lederklamotten mit gelben Warnwesten. Aber warum fotografiert die Polizei das Flatruet-Ortsschild ab? Und warum steht gar nicht POLIS auf den Westen? Könnte es sich etwa um /Sherlock-mode ein/ Motorrad-Touristen/ Sherlock-mode aus/ handeln…? Ich glaube, ich bin da einer heißen Einnahmequelle für Motorradfahrer auf der Spur: Gelbweste anziehen – arglose Womofahrer kontrollieren - Bußgelder verhängen - Spritgeld einsammeln. Gut, man kann für so was Probleme kriegen, aber einen Versuch wäre es doch mal wert… Fisch, bitte! Auf unserem Weg Richtung Östersund kommen wir an Börtnans Fjällvattenfisk vorbei. Laut dem Womoführer ein zwingender Zwischenstopp, wenn man Fisch mag. Wir mögen ja Fisch. Mit unseren Einkäufen möchten wir gerne eine Mittagspause am See einlegen. Kurz hinter der Räucherei gibt es den Pintorps Camping, einen Naturcampingplatz, den wir uns jetzt mal genauer anschauen. Der erste Eindruck ist positiv: sehr ruhig, großzügige Plätze. Leider sind die zwei Plätze direkt am See schon besetzt, sodass wir uns mit einem Platz mit Tisch und Feuerstelle zufriedengeben müssen. Die Regenbogenforelle mit Chili und Zitrone schmeckt uns ganz ausgezeichnet. Wir können die Empfehlung also auch aussprechen: Ein Kauf dort lohnt sich. Aber was den Platz angeht, sind wir uns schnell einig: Nein, das war es für heute noch nicht. Wir fahren weiter. Da geht noch was. Jetzt aber Hinter Skålan gibt es einen weiteren Naturcampingplatz, den wir ansteuern. Und hier stimmt jetzt wirklich alles: Toller Platz am See mit Feuerstelle und sogar einer kleinen gekiesten „Aussichtsterrasse“. Wir sind uns schnell sicher: Gegen einen Tag am See mit Kajaks haben wir nichts einzuwenden. Also richten wir uns häuslich ein und machen erst mal eine Fika. Aber was ist das? Es donnert und grummelt. Und ein Blick in den Wetterbericht lässt unsere schöne Vorstellung wie Seifenblasen zerplatzen. Es wird bald anfangen zu regnen und dann immer wieder mal regnen. Nix mit romantischen am-Lagerfeuer-sitzen. Und da macht es bei uns Klick – Regentage sind Fahrtage. Da könnten wir doch richtig Strecke Richtung Lappland machen! Also wird wieder alles eingepackt. Die Hunde seufzen ergeben und steigen wieder ein – noch mehr langweiliges Autofahren. Östersund-Shopping Wir fahren durch bis Östersund, wo wir im bisher größten Systembolaget, den wir bis jetzt besucht haben, richtig viel Öl kaufen. Auf dem Foto sieht man nur einen Bruchteil der Auswahl! Außerdem müssen wir den Dichtungsring für den Stopfen unserer SOG-Toilettenkassette erneuern. Eine schwedische Heimwerkerkette namens Jula müsste so was doch haben. Haben sie auch. In einem 419-Teile-O-Ring-Set. Und bevor wir lange weitersuchen, nehmen wir das dann auch. Wenn also noch jemand 418 O-Ringe benötigt: Ihr wisst, wo ihr euch melden könnt… Eigentlich schön Wir peilen unseren Zielort an. Einen Stellplatz am Wasserwerk in Lit. Das wäre auch ganz schön, wenn dort nicht schon ein Camper mit zwei jungen Münchnern stehen würde. Also, wenn schon einsam, dann möchten wir so einen Platz auch für uns allein haben. Und erneut macht es Klick bei uns: Wenn wir doch eh so gut unterwegs sind und wir sowieso den Vildmarksvägen ansteuern, können wir ihn doch genauso gut heute noch erreichen. Als wir Strömsund erreichen sind wir erst mal überrascht, wie viele Womos hier herumstehen. Hochsaison hin oder her: eine solche Menge hätten wir hier oben nicht erwartet. Hoffentlich kein Omen für den Vildmarksvägen - wir sehen uns schon Stoßstange an Stoßstange mit anderen Campern dort langfahren. Angekommen in Lappland Aber hinter Strömsund zerstreuen sich diese Bedenken schnell. Wir sind ganz allein unterwegs. Und als wir am See Flåsjön entlang fahren sind wir uns schnell sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Das sieht jetzt schon mal sehr vielversprechend aus. Diese Weite! Das Tüpfelchen auf dem i ist dann der Naturcampingplatz in Gubbhögen. Von vielen wird er als kleiner Traumplatz beschrieben und wir können uns wohl bald in die Reihe der begeisterten Fans des Platzes einreihen. Für heute reicht es nur noch für eine kleine Platzrunde, bei der ich schon mal feststelle, dass es hier einfach gemütlich zugeht und man sich schnell wohlfühlt. Und um den Tag dann abzurunden kommt noch eine freundliche Frau auf mich zu und fragt, ob wir wohl das MoMo seien. Es stellt sich heraus, dass es Elfie aus dem Womoforum ist, die natürlich über unseren bisherigen Reiseverlauf bestens informiert ist. Immer schön, wenn man Leser unterwegs trifft!
WoMo81 am 16 Jul 2021 12:54:44
Momoblog hat geschrieben:Und dann komme ich auch das erste Mal dazu die Drohne steigen zu lassen und mal die Lage aus der Luft zu sondieren. Das sieht aus der Luft noch mal so gut aus. Alles richtig gemacht!
Ich mache jetzt mal den bösen Spielleiter und frage nach, ob ihr euch denn auch brav mit den Drohnengesetzen vertraut gemacht habt? :ja:
Aber ja, von oben sieht oftmals vieles noch viel interessanter aus. 8)
Gute Fahrt weiterhin. Wir fanden damals den Flatruet auch sehr interessant.
Gruß, René
Momoblog am 16 Jul 2021 21:00:31
Verschnaufen in Gubbhögen Manchmal schieben wir einen Ruhetag ein, um die Erlebnisse der letzten Tage zu verdauen. Manchmal brauchen wir Ruhe nach einem langen Fahrtag. Heute kommt dann beides zusammen. Wir kommen spät in die Gänge und verbringen dann einen guten Teil des Tages damit, mit den anderen Campern zu quatschen. Mit Elfie, die sich auf Weiterfahrt begibt, aber wohl nicht mehr viel weiter in den Norden fährt. Mit einem freundlichen Sachsen, der uns Tipps für die kommenden Strecken gibt, aber vor allem einen (buchstäblich) heißen Tipp zur Mückenbekämpfung. Aber dazu später mehr. Auch mit Werner kommen wir ins Gespräch, der früher als Hüttenwart auf schwedischen Wanderhütten (unter anderem im Rogengebiet) tätig war und schon viel von Schweden gesehen hat. Hochwasser-Horror Vor allem aber kommen wir mal zur Ruhe. Zumindest so lange, bis wir die Bilder aus meinem Heimatort Leichlingen sehen. Die Wupper hat die Innenstadt großflächig überschwemmt. Und wer das Stadtbild kennt, kann sich vorstellen wie surreal sich das anhört. Wir sind froh, zu hören, dass es zumindest aus dem Familienkreis keine Dramen zu berichten gibt. Unsere Wetterkapriolen beschränken sich auf den heute eher starken Wind, der für deutliche Abkühlung sorgt und uns vor allem die Mücken vom Hals hält. Verlangsamt Nach all den Erlebnissen der letzten Tage ist heute eine Minirunde über den Campingplatz unsere größte Erkundung. Keine Wanderung, kein Fahrradfahren und auch kein Kajakfahren, wie wir es eigentlich geplant hatten. Denn der Wind sorgt sogar für Schaumkronen auf dem See – da will man nicht gegen anpaddeln. Wir vertreiben uns die Zeit mit Hundeerziehung und fotografieren. Abends freuen wir uns über den Lachs aus Leksand, den wir noch Kühlschrank haben. Auf der Packung steht „Ugnsmarinerad Lax“ was wir erst für eine Abkürzung halten, dann aber feststellen, dass es tatsächlich „im Ofen marinierter Lachs“ auf schwedisch heißt. Wieder was gelernt.
Momoblog am 17 Jul 2021 23:01:24
Vildmarksvägen I Heute soll es also losgehen mit dem vielversprechenden Vildmarksvägen. Streng genommen haben wir ja das erste Stück schon von Strömsund nach Gubbhögen absolviert. Aber so richtig losgehen soll es für uns heute. Wir sind zunächst etwas skeptisch. Wenn man die Womo-Massen in Strömsund gesehen hat, bekommt man das Gefühl, dass ganz Schweden dieses Jahr den Vildmarksvägen abfahren will. Denn das muss man sagen: Wir sehen vergleichsweise wenig ausländische Touristen hier. Die meisten von ihnen sind Deutsche, dann noch ein paar Holländer und Franzosen und das war’s dann auch. Unsere Sorgen sind aber unbegründet. Zunächst cruisen wir extrem entspannt auf der RV342 in Richtung norwegischer Grenze und haben die Straße für uns allein. In der Regel keiner vor uns und keiner hinter uns und im Gegenverkehr kommt auch nur alle naselang mal jemand entgegen. Genau so haben wir uns das vorgestellt. Und da die Straße noch von der Sonne beschienen wird, ist das mit den rosa-lila und gelben Farbtupfern links und rechts ganz famoses Reisen. Über Stock und Stein Wir wollen uns heute den Hällingsåfallet angucken, einen Wasserfall, der quasi um die Ecke fließt. Im Womoführer wird empfohlen, nicht dem ersten Hinweisschild zu folgen, sondern bis Gäddede auf der 342 zu bleiben und von dort zum Wasserfall zu fahren, weil man sich so in Summe 10 Kilometer Schotterpiste spart. Wir sind anderer Meinung. Denn zum einen fährt man ja noch die zusätzlichen Kilometer auf der 342 und zum anderen verpasst man so eine wirklich schöne unbefestigte Straße, die sich gut fahren lässt, weil sie nur an wenigen Stellen mal etwas rauer zu fahren ist. Bezeichnenderweise ist nämlich das wirklich schlimme Stück mit ca. 3 Kilometern nur locker aufgeschüttetem Schotter auf dem Teil, der vom Womoführer empfohlen wird – den darf man nach dessen Logik also doppelt genießen. Wasserfall mit Hindernissen Auch das letzte Stück zum Hällingsåfallet ist eine nicht so erfreuliche Schotterstrecke. Und als wir am Parkplatz ankommen steppt dort der Bär. Ein paar Womos stehen am Straßenrand und man kann sich immer so gerade irgendwo vorbeiquetschen. Das gute hier ist, dass es praktisch ein One-way-Ziel ist. Wenn die Leute den Wasserfall weggeguckt haben, fahren sie auch bald wieder weg, sodass hier ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Wir haben Glück, dass Annette einen Platz entdeckt, wo gerade ein Womo ausparkt und mich dort hineinlotst. Denn wenn man einigen Leuten beim Rangieren zuguckt, würde man sich nicht wundern, wenn da am Ende einige Beulen bei rumkommen. Der Weg zum Wasserfall ist dann lächerlich/erstaunlich kurz. Das kann man jetzt nicht wirklich wandern nennen! Aber blöderweise ist die Stelle, von der man den Wasserfall und die unter ihm liegende Schlucht am besten sehen kann, gesperrt – Lebensgefahr. Optimistisch begeben wir uns auf den Bohlenpfad, der linkerhand die Schlucht entlang führt. Dieser ist aber in einem geradezu jämmerlichen Zustand, wie wir ihn in Schweden wirklich noch nicht gesehen haben. Es gibt zwar ein paar Abzweigungen zur Abbruchkante, wo man aber immer nicht so ganz gut gucken kann. So richtig Spaß macht das hier nicht. Über eine Brücke gehen wir auf die andere Flussseite hinüber und von hier macht der Blick auf Fluss, Schlucht und Wasserfall schon mehr Spaß. Sogar einen leichten Regenbogen bekommen wir zu sehen. Aber der Eindruck, ein wirkliches Highlight besucht zu haben, stellt sich bei mir leider nicht ein. Schade. Versorgung in Gäddede In Gäddede müssen wir noch mal alle Vorräte auffüllen. Brav tanken wir noch mal voll, obwohl der Tank noch zur Hälfte gefüllt ist. Denn auf den kommenden 200 Kilometern könnte es knapp mit Tankstellen werden… Im ICA versorgen wir uns noch mit Essvorräten und Anti-Mücken-Gedöns. Wir sind gewappnet! Und auf dem örtlichen Campingplatz kann man für 50 Kronen entsorgen. Im Vorbeifahren entdecken wir auch noch mal Werners Wohnmobil, winken einmal hinüber und entscheiden uns dann fürs Weiterfahren: Der Vildmarksvägen ruft! Angkor, watt? Das Wetter hat sich leider eingetrübt. Zwischendurch nieselt es gerne auch mal. Aber auf dem gut ausgebauten Vildmarksvägen macht uns das nichts weiter aus. Und selbst die düstere Stimmung kann unsere Laune nicht wirklich drücken. Wir erklären uns das so: man merkt hier einfach die Nähe zu Norwegen. Da gehört das schlechte Wetter einfach zum guten Ton und macht die Landschaft dann halt einen Tacken dramatischer. Unser Weg führt uns nach Ankarede. Und da Annette sich den Namen partout nicht merken kann, wird daraus bei uns schnell Angkor Wat. In Wirklichkeit ist Ankarede aber ein traditionelles Samidorf mit Kirche. Wir parken auf dem großen Parkplatz vor dem Dorf, das mit dem Auto nicht befahren werden darf. Da es schon recht spät ist, hat das Café leider geschlossen. Und auch der Rest der Siedlung sieht reichlich verwaist aus. Wenn da nicht vor manchen Häusern Dutzende Angeln stehen würden, könnte man meinen, dass wir hier ganz allein seien. Wirklich spannend sind die samischen Holzhütten, die hier stehen. Die ganz konventionellen Hütten haben ausgiebig bewachsene Grasdächer, auf denen sich auch schon Bäume tummeln. Wie lange geht so was wohl gut? Auch die Tipi-ähnlichen Rundbauten sind faszinierend schlicht. An manchen ist eine Art Leiter zu erkennen. Wir rätseln, ob man von oben hineinspringen muss, um dann dort gefangen zu sein? Schlafplatzsuche Wir wollen uns auf den kommenden Kilometern des Vildmarksvägens einen Schlafplatz suchen. Es mangelt nicht so sehr an Möglichkeiten, als vielmehr an unserer Entscheidungskraft. Was wollen wir denn? An einem schicken Platz mit Seeblick, wo schon mehrere Womos stehen, fahren wir vorbei und bereuen es später ein wenig. Denn vielleicht wäre das die ideale Lösung gewesen. Aber als wir später einen kurzen Stichweg zum See sehen, wo es sogar eine Feuerstelle und (zerstörte) Picknickbank gibt, freuen wir uns über diesen einsamen Stellplatz. Perfekt! Nun, so ganz perfekt ist es am Ende doch nicht. Denn beim Aussteigen, um mal die Lage zu sondieren, merke ich schon, wer hier Chef im Hause ist. Es sind die Mücken, die sich schon bald ums MoMo scharen, als würden sie wissen, dass es da was Gutes für sie gibt. Schnell bin ich wieder ins Wohnmobil geflüchtet. Und im Laufe des Abends wundern wir uns dann über die Mücken, die wir im MoMo entdecken und zur Strecke bringen. Wo kommen die Mistdinger denn her? Stimmt am Ende die Geschichte, dass sie sich durch die Zwangsentlüftung vorkämpfen, nur um an unser Blut zu kommen? Krass! Nach der zehnten gekillten Mücke geben wir auf. Dann ist dieser Platz vielleicht einfach zu nah am Wasser und zu mückenverseucht. Wir streichen die Segel und freuen uns, dass wir in Lappland sind. Auch um halb zwölf ist noch dämmerungshell, sodass es keinen Stress bereitet, einen neuen Platz für die Nacht zu suchen. Schon nach wenigen Kilometern finden wir hinter einer Brücke an einem Wasserfall einen größeren Platz, der etwas luftiger wirkt. Vielleicht ist es hier zu windig für die Biester? Während Annette mit den Hunden Gassi geht, freue ich mich darüber, dass ich zu so später Stunde noch den Wasserfall fotografieren kann. Als ich mich wieder zum Womo umdrehe, denke ich auf einmal, ich gucke nicht richtig: Steht da doch eine Elchkuh auf der Straße! Die wundert sich sicher ebenso sehr darüber, dass um diese Zeit jemand auf der Brücke steht. Und während ich Annette noch zuzische, dass da ein Elch auf der Straße steht, entscheidet sich die Kuh dazu, dann doch lieber im Unterholz zu verschwinden. Gut, dass ich ein Beweisfoto habe!
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Momoblog am 18 Jul 2021 19:06:30
Vildmarksvägen II Also deswegen haben uns alle Lappland-Kenner mit so einer Mischung aus Aufmunterung und Mitleid angesehen, als sie hörten, dass wir noch weiter in den Norden wollen. Die wussten wohl, was uns mückenmäßig erwartet und wollten uns höflichst nicht die Begeisterung nehmen. So etwas haben wir wirklich noch nicht erlebt. Auch am neuen Stellplatz ist die Lage an der Mückenfront nur unwesentlich besser. Die Viecher können offensichtlich durch Wände gehen. Nachts um 5 können wir beide nicht mehr schlafen und machen uns auf die Jagd. Eine Mücke nach der anderen wird erbarmungslos gejagt, gekillt und anschließend werden die üppigen Blutflecken, die sie hinterlassen noch weggewischt. Was man halt gerne so in der Nacht macht… Wetterwechsel Komplett gerädert wachen wir auf und müssen uns erst mal sortieren. Wenn das jetzt jeden Tag so gehen wird, werden wir über kurz oder lang kapitulieren. Aber wir haben noch ein paar Ideen, wie wir zurückschlagen können. Ob es was bringt, das Mückenzeug an alle Einlasspunkte des MoMos zu sprühen? Müssen wir uns einfach für die Nacht noch mal komplett einsprühen? Gibt es bessere und schlechtere Stellplätze und wir haben einfach mal Pech gehabt? Zu allem Überfluss hat sich das Wetter mächtig geändert. Für die Region des Vildmarksvägens sieht das leider ziemlich trostlos aus. Trüb und nass – echtes Vassendenwetter. Grau kann auch schön sein Wir trösten uns damit, dass ja auch nicht jeder bei dieser Lichtstimmung den Vildmarksvägen fahren kann. Aber insgeheim sind wir dann schon frustriert, dass man nicht mal die Berge im Hintergrund sehen kann. Wir unternehmen an einem Parkplatz einen Versuch, mit den Hunden mal ein paar Meter zu gehen, aber bei dem windigen Regen ist das kein echtes Vergnügen. Am großen Parkplatz des Stekenjokk, kurz hinter der Passhöhe, müsste es normalerweise wirklich toll aussehen. Ich steige kurz zum Fotografieren aus – Annette ist da schon schlauer und sieht sich das ganze trübe Schauspiel aus dem warmen MoMo an. Dann eben nicht Wir überlegen, wie es weitergehen soll. Irgendwie finden wir es zu schade, heute schon den Vildmarksvägen zu Ende zu fahren. Man könnte ja auch einen Regengammeltag einlegen und auf morgen hoffen. Vielleicht wird das Wetter ja doch noch etwas besser. Der coole Stellplatz am Klimpviken hilft uns dann bei der Entscheidungsfindung. Die Lage direkt am Wasser auf einem kleinen Plateau unterhalb eines großen Parkplatzes ist wirklich verlockend. Es gibt zwar eine hubbelige Rampe, die man dorthin hinunterfahren muss. Aber nach der Härteprüfung auf dem Hoppelweg nach Käringsjön fühle ich mich da gut gewappnet. Schlimmer als die Rampen auf diesem Weg sieht das hier auch nicht aus. Regen mit Aussicht Wir richten uns häuslich ein, hören aber für einen Großteil des Tages das Pladdern des Regens auf dem Wohnmobildach. Lediglich in den kurzen Regenpausen können wir und die Hunde uns mal die Beine vertreten. Gut, dass es Kanelbullar und Kakao gibt, um die Laune aufzubessern. Hoffen auf besseres Wetter und weniger Mücken in der kommenden Nacht.
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Momoblog am 19 Jul 2021 22:50:42
Vildmarksvägen III Das Wetter ist weiter so lala. Immerhin aber nicht mehr der Dauerregen von gestern. Von unserem eigentlich sehr schönen Platz am See haben wir, wenn man ehrlich ist, gar nichts gehabt. Dafür hat sich das hinunterhoppeln nicht gelohnt. Viel spannender ist zudem jetzt die Frage: Kommen wir da auch wieder hoch? Ich bin mir zwar sicher, dass die Steigung geringer ist als an den bösen Stellen des Weges nach Käringsjön, aber wir haben hier einen entscheidenden Nachteil: keinen Schwung. Und ohne Allrad und mit Frontantrieb wird das eine wahre Zitterpartie, die ich erst im zweiten Anlauf, mit mehr Gas als ich eigentlich geben möchte, so gerade hinkriege. Puh, das war knapp! Fatmomakke Wir besuchen heute nach Ankarede unser zweites samisches Kirchendorf. Eigentlich vor allem wegen des Namens. Denn für mich hört sich Fatmomakke wie ein herzhafter Fluch an, den man ausstößt, wenn man erstaunt-empört ist. „Mein lieber Scholli!“ auf samisch: „Fatmomakke!“ Was natürlich kompletter Blödsinn ist. In Wirklichkeit bedeutet es nämlich „einander umarmen“. Vom Parkplatz aus geht man über zwei Brücken und eine Insel, um zum eigentlichen Dorf zu kommen. Wettermäßig bewegen wir uns auf der Grenze zwischen großartigem Licht und Regenschauern. Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln. Von der Ausstrahlung gefällt uns dieses Kirchdorf deutlich besser als Ankarede. Es ist eine schöne Mischung aus den Holztipis, Stelzenhäusern und Grasdachhäusern, garniert mit einer hübschen Kirche und einem pittoresken Friedhof. Wirklich sehenswert. Scenic Road Der Vildmarksvägen macht seinem Ruf als Touristenstraße auf dem kommenden Stück wirklich alle Ehre. Nicht nur sind die Aussichten auf Wasser, Berge und Bäume grandios, sondern hier wurde auch die Fahrbahn vor Kurzem erneuert. Nach der holprigen Schotterstraße nach Fatmomakke fühlt sich das an wie Schweben. Leckerer Röding Kurz hinter Saxnäs sehen wir eine Hütte, wo Röding verkauft wird. Normalerweise wären wir schulterzuckend vorbeigefahren. Wer weiß denn bitteschön, was Röding ist? Wir haben aber in Gubbhögen von Werner den Tipp bekommen, dass man den unbedingt probieren muss, wenn man Fisch mag. Es ist nämlich der lachsartige Saibling, der hier in der Gegend wohl besonders schmackhaft ist. Wir betreten die Bude und sind mehr als skeptisch: In der Auslage liegen ein paar Softdrinkdosen und sonst nichts. Aber die freundliche indischstämmige Verkäuferin läuft zu Hochtouren auf: Sie hätte gerade einen ganz frischen Röding für uns da, er sei sogar noch warm! Und die Sauce, die sie dazu verkauft, sei „homemade“ und wir würden garantiert wiederkommen, wenn wir die mal probiert hätten. So ganz geheuer ist uns das alles nicht und wir verlassen die Bude mit dem leichten Gefühl, gerade einem großen Touristennepp zum Opfer gefallen zu sein. Annettes Theorie ist, dass sie den Röding einfach kurz in die Mikrowelle gesteckt hat, als sie das Wohnmobil vor der Tür gesehen hat. Aber als wir den Fisch dann wenig später verspeisen können wir Entwarnung geben. Der ist wirklich lecker, frisch und reicht für zwei Personen als Hauptmahlzeit. Empfehlung! Trappstegsforsen Als Ort für das Mittagessen haben wir uns übrigens den Trappstegsforsen ausgesucht, den wir wenige Kilometer nach Saxnäs zu unserer Linken entdecken. Diesen ausgesprochen fotogenen Wasserfall, der in mehreren Kaskaden mehr hinunterklettert als fällt, haben wir als Aussicht beim Essen und sind damit auch sehr zufrieden, als immer wieder ein Schauer durchzieht. Als ich mich nach dem Essen dann ans Fotografieren mache, höre ich auf einmal eine vertraute Stimme neben mir. Es ist Werner, der, wie es der Zufall will, auch vor dem Regenwetter gen Osten flieht, den Vildmarksvägen weitergefahren ist und jetzt mit uns hier steht. Nach einem kurzen Schwatz trennen sich unsere Wege wieder. Was hier wirklich angenehm ist, ist die überschaubare Anzahl an Leuten, die sich hier tummelt. Sicher, es ist nie völlig menschenleer, aber das wäre an so einer Attraktion auch wirklich ungewöhnlich. Aber es sind auch nicht die Mengen an Leuten, die ich eigentlich befürchtet hatte. Stromschnellen Nur wenig weiter auf dem Vildmarksvägen müssen wir schon wieder anhalten. Erneut gibt es Stromschnellen, die zwar noch ganz so besonders wie der Trappstegsforsen sind, aber immer noch einen feinen Hintergrund für eine Kaffeepause abgeben. Und zum Planen für den weiteren Verlauf der Reise. Denn wir könnten jetzt weiter nordwärts fahren, würden dafür aber in Kauf nehmen, dass das Wetter dort in der kommenden Woche eher so mittelmäßig vorausgesagt ist. Oder wir fahren von hier aus erst mal querfeldein an die sonnigere Ostküste Schwedens und fahren dann von dort noch etwas in Richtung Norden, da es am Bottnischen Meerbusen tendenziell deutlich freundlicheres Wetter hat als im Inland. Campingplatz deluxe Wir beschließen, uns zunächst mal einen „echten“ Campingplatz zu gönnen. Also einen mit echten Duschen und Toiletten. Mit kompletter Ver- und Entsorgung. In Toplage. All diese Anforderungen soll der Kolgårdens Campingplatz kurz vor Vilhelmina erfüllen. Als wir nach einer ausgesprochen schönen Fahrt den Campingplatz vor uns auftauchen sehen, verstehen wir sofort die vielen positiven Kritiken. Die schöne Lage am See ist das eine. Die wirklich sehr sauberen Einrichtungen und der penibel gepflegte Platz sind das andere. Und der freundliche Empfang macht die Sache dann rund: Hier wollen wir gerne bleiben. Das einzige, was wir nicht bedacht haben: mit Toffi ist so ein großer Campingplatz mit vielen Hunden eine anstrengende Geschichte… Es ist ein wenig Spießrutenlaufen mit unserem Kläffer. Aber schon wenig später kommt ein bekanntes Gesicht um die Ecke: Auch Werner hat es hierhin verschlagen und wir verabreden uns auf ein Gläschen Wein vor seinem Womo. Was die warme Abendstimmung in den Bildern nicht vermittelt, ist die doch recht kühle Außentemperatur von 12°. Zusammen mit dem Wind sorgt sie dafür, dass wir uns dann doch eher früher als später ins MoMo zurückziehen und die Heizung andrehen. Brrrr!
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Momoblog am 20 Jul 2021 17:35:45
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Famoser Mårdselforsen Ich habe es gestern ja schon angedeutet. Wir werden uns heute vom Inlandsvägen verabschieden und die „Standardroute“ in den Norden verlassen. Anstatt weiter zielstrebig in Richtung Polarkreis zu fahren, wollen wir erst mal einen Schritt zur Seite machen. Es geht in Richtung Osten weiter. Dafür gibt es zwei gute Gründe: Zum einen das etwas bessere Wetter im Osten. Zum anderen fehlt uns auf dieser Fahrt bisher einfach Zeit am Meer. Wir wollen jetzt einfach mal wissen, wie es sich anfühlt, kurz unterhalb des Polarkreises am Bottnischen Meerbusen zu sein. Aber da die Fahrt an einem Tag etwas sportlich wäre, hat Annette uns einen kleinen Geheimtipp aufgetan: Das Gebiet am Vindelälven, einem der vier unregulierten Flüsse Schwedens, hört sich spannend an. Insbesondere die Stromschnellen am Mårdselforsen sollen sehenswert sein. Nichts wie hin! Großeinkauf bei Bergmans Von Werner haben wir noch den dringenden Rat bekommen, bei Bergmans Fisk & Vilt anzuhalten und uns dort mit Fisch- und Wildspezialitäten einzudecken. Die sind nämlich preisgekrönt und hatten sogar den König schon zu Besuch, wie man dort stolz auf Bilder zeigt. Wir sind froh, dass wir zumindest beim Fisch schon fast ein bisschen Kenner sind und wissen, was wir uns als Nächstes kaufen wollen. Aber wie ist das mit den Wildspezialitäten? Ist varmrökt Älg (warmgeräucherter Elch) besser als kaltrökt Renstek (kaltgeräuchertes Rentier)? Kaufen wir halt beides und probieren… Vilhelmina In Vilhelmina stromern wir ein bisschen durch die Stadt, stellen aber vor allem fest, dass viele Geschäfte entweder leer stehen oder aussehen, als seien sie seit 50 Jahren nicht renoviert worden. Das einzige, was uns wirklich gefallen hat, war die Kyrkstad mit schönen Holzhäusern, die offenbar als Jugendherberge/Hostel genutzt werden. Im ICA füllen wir die Vorräte auf und kaufen uns ein „Dagens Lunch“ mit Hühnchen, Kartoffelspalten und Salat, weil es auf einen flüchtigen Blick recht lecker aussah. Das war dann aber leider eine Fehleinschätzung… Kanada-Feeling Die RV360, die uns in Richtung Lycksele bringen soll, fühlt sich schon bald sehr nach Kanada an. Wald, Wald, Wald. Dabei aber durchaus sehenswert. Aber auch fernab jeder Zivilisation. Wir hatten uns gerade darauf eingestellt, dass wir noch einige Zeit auf diese Weise weiterfahren würden, als plötzlich ein Warnschild kommt: 20 Kilometer Baustelle. Was?! Und diese 20 Kilometer haben es dann wirklich in sich. Zunächst noch alles recht geordnet mit Ampel und sogar mit einem Lotsenfahrzeug: Följ mig! Dieses lotst unsere kleine Kolonne auch brav durch die wirklich schlecht und grob geschotterte Straße, auf der ich einen Balanceakt hinkriegen muss: Nicht zu nah auffahren, damit man keinen Steinschlag abbekommt. Aber auch nicht zu langsam werden, weil man den Eindruck hat, dass man sonst in dem Schotter feststeckt wie in Treibsand. Nicht schön. Aber auch nach den zwei Baustellen, wo wirklich gearbeitet wird, gilt es noch endlose, miese Schotterstrecke zu erdulden. Selten habe ich es mehr gefeiert, wieder Asphalt unter den Rädern zu haben. An einem schön gelegenen Parkplatz an einem See machen wir dann erst mal eine hochverdiente Fika, bevor wir uns auf das letzte Stück der Etappe begeben. Einsame Attraktion An der uns schon regelrecht groß vorkommenden Stadt Lycksele (8500 Einwohner…) fahren wir schnell vorbei und können nur mit dem Kopf schütteln, als wir an dem voll besetzten Riesencampingplatz dort vorbeifahren. Das ist ja so gar nicht unseres. Wir fahren ein kleines Stück in Richtung Norden, bevor wir dann hinter Ruskträsk den Vindelälven überqueren und ihm dann südostwärts folgen, um zum Mårdselforsen zu kommen. Die Strecke lässt sich wunderbar fahren und es wird immer einsamer, je weiter wir fahren. Ich unke noch rum, dass bestimmt keiner dort sei und was soll ich sagen: Es ist dann auch niemand dort, als wir ankommen. Dass hier dermaßen der Hund begraben ist! Wir parken auf einem Parkplateau, wo das Parken für 48 Stunden ausdrücklich erlaubt ist und erkunden mal die Umgebung. Schnell ist uns klar: Volltreffer! Das Gebiet rund um die Stromschnellen des Mårdselforsen ist super erschlossen. Es gibt hier zwei große Hängebrücken über den Vindelälven und noch ein paar kleinere Holzbrücken, die einen über teichartige Stellen ans andere Ufer bringen. Allerdings haben wir ein Problem: Auf die Hängebrücke trauen wir uns mit den Hunden nicht, da Elli sichtbar Angst davor hat und Toffi einfach noch zu unberechenbar ist. Und die Hunde hinüberzutragen trauen wiederum wir uns nicht. Denn mit einer leichten Höhenangst ist es auch für mich schon eine Aufgabe, über die sanft schwingende Hängebrücke zu laufen, die in der Mitte gerade mal höchstens hüfthoch gesichert ist. Diese Farben! Nach dem Abendessen begebe ich mich dann allein auf Fototour über die Brücken und die Stromschnellen. Ich bin wieder mal geflasht davon, dass so eine tolle Anlage hier einfach ohne Eintritt und Absperrungen zugänglich ist. Als sich dann noch überraschend die Sonne kurz vor dem Untergehen am Horizont zeigt und die Landschaft auch nach dem Untergehen in wunderschön sanfte Farben taucht, bin ich mir sicher: Da haben wir eine richtig gute Entscheidung mit dem Schwenk nach Osten getroffen!
Momoblog am 21 Jul 2021 21:30:56
Wandern statt Rudern Während manche Leute das Rauschen eines Flusses als störend empfinden, ist das für uns das beste Schlafmittel. Abgesehen von diesem Geräusch ist es hier nämlich total friedlich. Das ändert sich auch nicht, als am Vormittag der Tagestourismus einsetzt und ein paar mehr Menschen am Forsen herumlaufen als gestern. Solche Touristenattraktionen sind uns die liebsten. Entspanntes Gleiten Die Weiterfahrt auf der RV365 ist ein reiner Genuss. Super ausgebaut und an einer Stelle sogar völlig unangemessen extrabreit. Des Rätsels Lösung: Es ist die Notlandebahn für den Regionalflughafen. Der nächste Ort Åmsele hat einen hübschen Campingplatz, den wir aber links liegen lassen. Wir biegen am Ortsende wieder mal auf eine Schotterstraße ab, die diesmal aber, anders als die Baustelle gestern, ein reines Vergnügen ist. Am Åmträsket sehen wir auf einmal am Seeufer einen fast schon unwirklich guten Platz – Zugang zum See, Picknickbank, windgeschützt. Lediglich die Zufahrt ist etwas steil, aber nach unserer Erfahrung vom Vildmarksvägen urteile ich: passt scho. Den Nachmittag verbringen wir damit, einfach mal anzukommen und die Umgebung zu erfassen. Ein besonderes Feature hier ist die „Vogelscheuche“ auf einer vorgelagerten Insel. Je nachdem wie der Wind steht, könnte man schwören, dass sie einem gerade zuwinkt. Auf dem Isälvsleden Was uns eigentlich hierhin gelockt hat, ist der Isälvsleden, ein 60 Kilometer langer Wanderweg von Åmsele nach Vindeln. Der sieht vor allem in dem Seengebiet, wo wir uns gerade befinden, ausgesprochen lohnenswert aus. Insbesondere der Abschnitt über den Sundkammen, eine richtig lange schmale Landzunge, hat es uns angetan und liegt, wie es der Zufall will, in Reichweite unseres Stellplatzes. Los geht’s! Ruderdilemma Eine skurrile Besonderheit ist die Art und Weise, wie man auf die Landzunge gelangt. Zumindest von unserer Seite aus. Man muss nämlich dorthin rudern. Hierfür sind 2 Pendelruderboote im Einsatz. Genauer gesagt: Den Einsatz muss man schon selbst zeigen. Und weil das ganze ja nicht mehr funktionieren würde, sobald jemand eine Strecke gerudert ist, gibt es folgende Regel: Wenn man auf der anderen Seite angekommen ist, muss man mit dem anderen Ruderboot im Schlepptau noch einmal zurückrudern, das andere Boot am gegenüberliegenden Ufer vertäuen und dann kann man schließlich zurückrudern und die Wanderung fortsetzen. Alles ganz einfach und logisch. Slapstick-Rudern Wir entscheiden, dass Annette mit den Hunden einsteigt und ich das Boot von den Holzplanken abstoße und uns hinüberrudere. Erstaunlicherweise klappt dieser Teil besser als erwartet. Alle bleiben trocken. Dann lege ich los und stelle fest, dass Rudern schon was anderes ist als das paddeln mit den Kajaks. Welche Richtung war nochmal richtig? Klappt das auf beiden Seiten gleichzeitig? Und warum sind die Ruderblätter so unverschämt dünn? Auf jeden Fall muss das aussehen als hätte ich schon 5 Bier intus. Zick und Zack. Wir kommen trotzdem irgendwann am anderen Ufer an und jetzt wird es ganz absurd: Zum Anlanden liegen nur schmale Planken im Wasser und man muss schon sehr genau zielen, um diese im richtigen Winkel zu erreichen und auch nur halbwegs eine Chance zu haben, trockenen Fußes das Land zu erreichen. Wir unternehmen mehrere Versuche, das Boot in irgendeine sinnvolle Position zu bringen, scheitern aber immer wieder daran, dass ich den letzten Ruderschlag in die exakt falsche Richtung mache und der Spaß wieder von vorne losgeht. Mir dämmert langsam, dass das Schauspiel mich dann ja noch 5 Mal erwartet: 3 Hinfahrten, 3 Rückfahrten! Denn wir wollen die Landzunge auf und ab wandern und zurück würde wieder das Rudern anstehen. Annette hat Mitleid mit dem geplagten Micha und wir beschließen, die Landzunge sausen zu lassen und den Isälvsleden einfach an unserer Ablegestelle in Richtung Djupvik-Naturreservat zu laufen. Immer gut, wenn man einen Plan B hat! Elch-Paradies Wir vertäuen das Boot gewissenhaft und machen uns auf den Weg ins Naturreservat. Zunächst gehen wir über ein heidekrautbewachsene Fläche mit auffällig wenigen Kiefern und noch weniger Birken. Ob dies eine der Flächen ist, wo es vor 3 Jahren die verheerenden Waldbrände in Nordschweden gab? Schon bald entdecken wir auf dem Weg das erste Mal Elchköttel. Für die muss das hier, mit so vielen Seen, ein tolles Revier sein. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, als wir zur Abbortjärnarna-Schutzhütte kommen, die malerisch zwischen zwei Seen liegt. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir in diesem Gebiet mit den vielen Schilfufern keinen Elch zu sehen bekommen! Aufmerksam lassen wir den Blick schweifen, können aber keinen Elch entdecken. Nur ihre Spuren. Frustriert sind wir aber dennoch nicht, denn bei dem warmen Abendlicht sieht die Landschaft einfach umwerfend aus und auch der böige Wind macht uns nicht so viel aus. Immerhin hält er die Mücken fern! Als wir zum MoMo zurückkehren, sehen wir auf dem See ein Motorboot gemütlich vor sich hin tuckern. Ein sehr friedliches Fleckchen Schweden haben wir hier entdeckt.
Momoblog am 22 Jul 2021 18:49:09
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Birkentag Wir starten den Tag (Na ja, fast. Also: nach dem Frühstück…) mit einem beherzten Bad im See. Kostet zunächst Überwindung, belebt dann aber auch ungemein. Ich habe nachher fast das Gefühl, ein bisschen leichter zu sein. Das wird doch nicht der ganze Dreck sein, der da abgefallen ist…? Kajak-Pleite Wir überlegen dann überproportional lange, wie es weitergehen soll. Wir haben zwar einen groben Plan, wie die Route verlaufen soll, aber für die nächste Station fehlt uns noch die Inspiration. Und plötzlich macht es Klick: Wir stehen hier doch super an einem See und können mit den Kajaks paddeln. Warum sind wir da denn nicht früher drauf gekommen? Und die Sonne kommt auch noch raus. So wird’s gemacht! Ich mache mich an den Zusammenbau des ersten Scubis und fange an, ihn aufzupumpen. Pump, pump, pump. Aber irgendwie passiert da nichts.Hä? Das ging doch immer richtig flott mit der Doppelhubpumpe? Des Rätsels Lösung: Das Manometer war an der falschen Stelle. Nicht zwischen Schlauch und Pumpe, sondern dahinter. Wie dumm. Jetzt aber! Pump, pump, pump. Nun füllt sich die Luftkammer zwar deutlich, wird aber nicht richtig prall. Und wenn man beim Pumpen pausiert, hört man auch ganz leise die Luft am Manometer herausströmen. Aber wieso? Das Internet weiß Rat: wahrscheinlich haben wir das Gewinde überdreht und dadurch die Verklebung gelöst, die für Dichtigkeit sorgt. Mist. Denn zufällig haben wir keine Heißklebepistole dabei, um das wieder festzukleben. Uns bleibt nichts anderes als frustriert alles wieder zusammenzupacken. Birken-Allee Wir beschließen daher, jetzt auch weiterzufahren. In Richtung Küste gibt es ein Highlight, das sich spannend anhört. Zwischen den Seen Stora Bygdeträsket und Göksjön kurz vor Burträsk gibt es die mit 10 Kilometern längste Birkenallee Europas. Wir cruisen durch schwedentypische Landschaft mit schwedentypisch wenig Verkehr. Mal Asphalt, mal Schotter. Das wird hier vielleicht auch ausgewürfelt, welche Straße was verdient hat. Als wir von der RV364 nach rechts abbiegen sind wir sofort begeistert – das sieht wirklich toll aus mit so einer Birkenallee! Warum gibt es das nicht viel häufiger? Was uns besonders gut gefällt, ist das unterschiedliche Alter der Birken. Von ganz jungen Setzlingen, die mit Wassersäcken beim Wachsen unterstützt werden bis zu erstaunlich dicken, knorrigen Birken ist hier wirklich alles zu finden. Das muss ein ganz schöner Aufwand sein, so eine lange Allee zu pflegen. Und überhaupt finden wir das Gebiet hier ausgesprochen schön. Leicht geschwungene Landschaft, (fast) immer ein See in Sichtweite und die Häuser schön gleichmäßig überall verteilt. Das wirkt schon sehr bullerbüig! Burträsk Auf dem Weg ans Meer machen wir am See in Burträsk eine Fika. Das Städtchen mit dem kleinen Hafen und dem großzügigen Park gefällt uns auf Anhieb. Hier würden wir es wohl auch etwas länger als nur für eine Kaffeepause aushalten. Wie es der Zufall will, gibt es hier auch einen kleinen Campingplatz, der in den Bewertungen sehr gelobt wird. Wollen wir vielleicht nicht einfach hier für heute Schluss machen und uns noch ein wenig in die Sonne setzen? Wollen wir! Auf den ersten Blick sind wir gar nicht mal so begeistert, da wir zunächst nur eine große Rasenfläche fernab vom See sehen. Erst auf den zweiten Blick sehen wir, dass es auch Plätze in Seenähe gibt. Für die wird zwar der höhere Preis mit Strom berechnet, auch wenn wir keinen benötigen werden. Aber das ist uns heute egal. Wir belegen also unseren Platz 26, holen Tisch und Stühle raus und wollen die Sonne genießen. Diese beschließt aber, für heute Feierabend zu machen und lieber den Wind für sich arbeiten zu lassen. Selbst im Windschatten des MoMos ist es bei ausbleibender Sonne dann allerdings reichlich schattig. Abends mit Musik Beim Einchecken wurde uns erklärt, warum hier so ein großes Extrazeltgelände besteht: Wir sind just zum Beginn des Folk-Festivals BURTRÄSKSVÄNGEN hier angekommen. Wir bekommen den Tipp, dass es heute, am Vorabend, in der Kirche nebenan ein Gratiskonzert geben soll. Kann man ja mal mitnehmen! Annette zaubert uns zur Stärkung noch mal Bratlinge mit Tomatensalat, bevor wir losziehen. Zugegebenermaßen leicht nervös, weil wir die Hunde und vor allem unsere Chefchaotin Toffi im MoMo zurücklassen. Wir wissen ja, was sie für einen Unfug anstellen kann! Wir sind so ziemlich die letzten Gäste, die die Kirche betreten. Einzige Coronamaßnahme hier: Nur jede zweite Bank darf besetzt werden. Und da sich die Besucher großzügig im Kirchenschiff verteilen fühlt sich das auch gut an. Um es vorweg zu nehmen: Die Musik ist hervorragend. Wirklich gute Musikerinnen spielen traditionelle Weisen auf ihren Geigen. Aber: Man ist auch sehr gesprächig. Und so wird zwischen den Liedern schon mal 5 Minuten geredet. Naturgemäß auf schwedisch. Und wir verstehen: kaum was. Annette will verstanden haben, dass eine der Musikerinnen mit 5 Jahren das Geige spielen angefangen hat, das Wort „fantastisk“fällt häufiger und irgendwas erotisches haben sie, glaube ich, auch gesagt. Ich kann mich aber auch irren… Nach einer guten Stunde werden uns die überwiegenden Redeanteile aber doch zu langatmig und wir beschließen zu gehen. Ein bisschen Sorge wegen der Hunde ist auch ausschlaggebend. Riesenbirken Aber die Sorge war komplett unbegründet. Wir finden das MoMo in unverändertem Zustand vor und werden freudigst begrüßt. Auf unseren anschließenden Gassirunde üben die Hunde das Laufen über eine Hängebrücke, die weniger beängstigend als die am Mårdselforsen ist. Diese verbindet eine kleine Insel mit dem Festland und wir staunen über die enorm dicken Birken, die es dort gibt. Eine Birke mit einem Stammdurchmesser von ca. 60 Zentimetern am unteren Ende habe ich zumindest noch nicht gesehen.
Momoblog am 23 Jul 2021 21:55:17
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Kein Petri Heil Das ist aber schön, wenn es morgens strahlend sonnig ist! Und es trotz des böigen Windes Spaß macht, draußen zu frühstücken und den Blick zum Kaffee auf sonnenbeschienene Landschaft zu werfen. Während Annette Sport macht, schmiede ich Pläne. Wir sind mittlerweile (nach fast 3 Wochen) in Reichweite des Polarkreises angekommen. Und viele von den Zielen, die ich mir vor der Reise am heimatlichen Schreibtisch zusammengesucht habe, liegen nördlich davon. Es wäre also nicht ganz falsch, sich wieder deutlicher in Richtung Norden zu bewegen. Vor allem, weil endlich das schlimme Regenwetter in Norwegen vorbei zu sein scheint. Zumindest für die Zeit ab Montag… Wir werden heute also unseren Plan verwirklichen, ans Meer zu kommen – aber ein paar Kilometer nördlicher als angepeilt. Schwedenklischee In Burträsk müssen wir den Besuch der Käserei für den einzigartigen Västerbottensost leider ausfallen lassen. Coronabedingt ist dort alles geschlossen. Aber immerhin bekommen wir ein Stück Käse im Supermarkt zum späteren Probieren im MoMo. Die folgende Strecke Richtung Norden hat Annette mit dem Atlas ausgetüftelt. Es ist nicht die kürzeste, aber sicherlich eine wunderbare Route, die zunächst in nordwestlicher Richtung verläuft und uns erst nördlich der „Großstadt“ Skellefteå zur E4 bringt. Wir sehen auch hier im Norden wieder Schwedenbilder wie aus dem Katalog, so nett ist das alles hier. In jedes Haus möchte man sofort einziehen und auch an der Landschaft könnte man sich totfotografieren. Zumindest so lange, bis man merkt, dass die Variation rotes Haus, grüne Felder, dunkelgrüner Wald und rosa und gelbe Blumenfarbkleckse sich in immer neuen Variationen wiederholt. Dann kann man erleichtert die Kamera weglegen und einfach nur durch diese Kulisse hindurchfahren. Autobahn mal anders Als wir die Autobahn erreichen, ist das Segen und Fluch zugleich. Es ist zunächst mal herrlich entspannend, den Tempomat einzustellen und das MoMo schnurren zu lassen. Aber nach wenigen Kilometern fängt es schon an langweilig zu werden. Keine Drängler, keine Überholmanöver, einfach fahren, fahren, fahren… Um ein Haar hätte ich da die Abfahrt zum Fiskecamp Jävrebodarna verpasst. Da wollen wir nämlich heute hin. Womit ich nicht gerechnet habe: Es gibt (trotz Autobahn!) keine Abfahrtsspur. Was bedeutet, dass man auf der an dieser Stelle auch noch einspurigen(!) Autobahn tunlichst auf 30 km/h(!!) runterbremst, um die recht sportliche Kurve der Abfahrt zu nehmen. Da merkt man erst mal, wie man auf das Konzept Autobahn geprägt ist, wo man bis kurz vor dem Abfahren noch recht schnell fahren kann. Fiskecamp Über eine Schotterpiste erreichen wir dann das Fiskecamp und sind schon auf den ersten Blick sicher, dass wir hier einen Volltreffer gelandet haben. Alles ist sehr liebevoll dekoriert und gestaltet und gleichzeitig aber auch ein wenig verlottert und urig. Eine Mischung, die uns gefällt. Nachdem wir uns vergewissert haben, dass das hier freie Platzwahl ohne Reservierung ist, machen wir uns auf die Suche nach einem guten Fleckchen. Wir entscheiden uns für einen Platz nah an der Rezeption und Angelhütte bei einem älteren schwedischen Ehepaar, was uns freundlich zu sich einlädt. Was zunächst nach einem richtig feinen Platz aussieht, erweist sich aber schnell als Handicap, wenn man einen Hund wie Toffi hat, der alles Neue erst mal gefährlich findet. Als wir uns noch mal auf die Suche nach einem besseren Platz begeben, entdecken wir erst die Plätze relativ zu Beginn des Camps, die ebenfalls direkt am Ufer liegen. Mit Platz 21 finden wir dann, etwas ab vom Kommen und Gehen bei der Angelhütte, einen deutlich entspannteren Platz für alle Insassen des MoMo. Blitzkurs im Angeln Für alle Nichtschweden: Ein Fiskecamp ist übrigens ein Angelcamp. Es gibt hier einen abgetrennten Bereich am Ufer, der offensichtlich gut mit Fischen gefüllt ist. Nach dem Angeln bezahlt man dann seinen Fang nach Gewicht der gefangenen Fische. Und so, wie es aussieht, wird das auch eifrig genutzt. Ich hatte schon beim Bezahlen des Platzes gefragt, ob man wohl auch als kompletter Anfänger gezeigt bekommen könne, wie das mit dem Angeln funktioniert. Ausprobieren wollte ich das schon immer mal. Es hat ja was, wenn man sich sein Abendessen selbst fangfrisch auf den Tisch holt. Ich erhalte eine kleine Einweisung und erhalte eine Kugel mit marzipanähnlicher Ködermasse, von der ich blaubeergroße Stücke abmachen und auf den Haken aufspiessen soll. Dazu noch eine Kiste für meinen Fang. Die Kescher und Holzstöcke zum Fischtotschlagen lägen überall am Steg parat. Und dann geht’s los. Petri Unheil Ich stelle mich also an eine freie Stelle am Steg, werfe mit großem Bogen die Schnur aus wie ein Profi, arretiere sie mit einer Art Kipphebel und warte. Und warte. Und werfe erneut. Und warte. Und werfe erneut. Sehe rechts von mir einen jungen Mann, der erst nach mir gekommen ist, seinen ersten Fisch an Land ziehen. Was ein Oschi! Also, der Fisch. Er macht es im Teamwork. Seine Frau holt den zappelnden Fisch gekonnt mit dem Kescher aus dem Wasser. Die herumlaufenden Kinder kommen herbei und fragen eifrig, ob sie den Fisch totschlagen dürfen. Dürfen sie. Patsch, klatsch, matsch. Fisch tot. Ich gucke neidisch und warte. Und werfe erneut. Und warte. Und werfe erneut. Beim Herausziehen der Schnur fällt mir irgendwann auf, dass ja gar kein Köder mehr am Haken ist. Ist der jetzt im Wasser zerfallen oder freuen sich die Fische da im Wasser über so einen ahnungslosen Anfänger, dem sie den Köder einfach vom Haken pflücken können? Neuer Köder, neues Glück. Ich warte. Und werfe erneut. Und warte. Und werfe erneut. Sehe links von mir einen anderen Mann, der einen mittleren Walfisch aus dem Wasser zieht. So groß! Kinder schlagen Fisch tot. Ich bleibe geduldig. Und werfe erneut. Und warte. Und werfe erneut. Mittlerweile ist Annette zu mir gekommen und möchte auch mal werfen. Ich erkläre ihr die Angeltechnik wie ein alter Hase und los geht’s. Sie wartet. Und wirft erneut. Und wartet. Und wirft erneut. Irgendwie hat sich bei dem ganzen Hin und Her die Angelschnur verdreht und lässt sich nur noch wenig weit werfen. Wir beschließen nach einer Stunde, dass es das dann war mit der Angelei. Insgeheim sind wir sogar ein wenig froh, dass wir um das Totschlagen und die Fischweiterverarbeitung drumherumkommen. Gut, dass wir nicht auf einen Fang angewiesen sind! Wir profitieren dazu noch von der mehr als fairen Preispolitik des Fiskecamp: Kein Fang, keine Kosten. Trotzdem Fisch Unseren Vorräten von Bergmans Fisk&Vilt sei dank, können wir dann doch noch Fisch als Abendessen genießen. Wir können an dieser Stelle nur noch mal die Empfehlung geben: Leute, kauft da ein, es ist wirklich sehr, sehr lecker! Wir machen abends noch den Spaziergang zum Ende der Landzunge, auf dem sich der Campingplatz befindet. Der ist als Weg zwar nicht weiter erwähnenswert, führt uns aber immerhin zu einem kleinen Sandstrand, wo Elli mal ein wenig buddeln kann und auch Toffi interessiert den Strand erkundet, ohne sich über etwas aufzuregen. Entspannung!
Momoblog am 24 Jul 2021 20:13:40
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Nördlichster Busen Was habe ich das vermisst: Aufwachen zu Möwengeschrei! Bei mir ist das allerdings deutlich entspannter als bei Annette. Die durfte nämlich nachts dreimal mit Toffi raus, welche sich dringend erleichtern musste: Durchfall. Annette ist wie gerädert während ich von dem Spektakel kaum etwas mitbekommen habe… Entsprechend langsam starten wir in den Tag. Und da Annette noch einen Termin für ein Zoom-Meeting als Kinder- und Jugendcoach hat, wird es Mittag, bis wir weiterfahren. Gib Gas! Wir haben festgestellt, dass unsere erste Gasflasche leer ist und möchten nun mal probieren, ob das mit dem Gas tanken auch im Ausland problemlos klappt. Überrascht haben wir festgestellt, dass in Nordschweden das LPG-Tankstellennetz ausgesprochen dünn ist. So wie in: fast nicht existent. Wir haben aber Glück, dass es im nicht weit entfernten Piteå, was sogar auf der Strecke liegt, eine Gastankstelle gibt. Zusammen mit einem alten deutschen VW-Bus fahren wir von der Autobahn ab und biegen zur Tankstelle ab. Ich flachse schon rum: „Die brauchen bestimmt auch Gas.“ Und so ist es dann überraschenderweise auch. Ich habe also ein Versuchskaninchen, das ich beobachten kann, wie das hier so läuft. Die Zapfsäule ist altersmäßig sicher noch mal 10 Jahre älter als der Bulli und macht schon sehr merkwürdige Geräusche. Und auch die Aufschrift „Anzeige defekt“ ist nur wenig vertrauenerweckend. Es hat den Anschein als würde gar nichts passieren. Aber irgendwann bewegt sich der Zähler dann doch und das Gas fließt langsam in den Gastank des Bullis. Als ich dann dran bin, ist die größte Schwierigkeit die Auswahl des passenden Adapters und das geduldige Abwarten, bis das Gas endlich fließt. Pumpenreparatur Wir haben ja auch noch die Reparatur unserer Doppelhubpumpe für die Scubis zu erledigen. Aus Östersund wissen wir ja jetzt, dass ein Jula dafür ein passendes Geschäft sein könnte. Den gibt es in der letzten Großstadt hier an der Küste, in Luleå. Wir überlegen kurz, ob wir eine der dort vorrätigen 12V-Elektropumpen nehmen sollen, sind aber skeptisch, da die beiden Packungen aussehen, als seien sie schon mal retourniert worden. Bei Jula gibt es zudem eine genial einfache Funktion: an jedem Preisschild ist ein QR-Code, der einen in den Onlineshop weiterleitet. Dort kann man dann zum einen mehr Daten sehen und auch Kundenbewertungen lesen, die in diesem Fall unsere Skepsis bestätigen. Funktioniert wohl, dauert aber ewig. Eine Ersatzpumpe finden wir leider nicht im Geschäft, sondern nur im Onlineshop. Also wollen wir es mal mit einem Verkleben des Manometers probieren. Wir greifen zu einer Heißklebepistole, die es sogar feminin-ansprechend in fliederfarben gibt. Ab zum Busen Unser Tagesziel ist die Gegend von Töre, seines Zeichens nördlichster Punkt des Bottnischen Meerbusens in Schweden. Ganz nach Töre fahren wir nicht, sondern biegen kurz vorher in den kleinen Küstenort Siknäs ab. Nach dem üblichen Fahren durchs Nirgendwo landen wir in der hübschen Siedlung Siknäs. Dort gibt es einen Hafen und vor allem: einen feinen, eben geschotterten Stellplatz für Wohnmobile. Zusätzlich noch mit Strom und Wasser, für läppische 100 Kronen. Was aber die zwei besten Dinge an diesem Stellplatz sind, finden wir im Laufe des Tages dann heraus: Zum einen ist es die herrliche Aussicht auf die Bucht von Töre, zum anderen die paradiesische Stille, obwohl wir hier an einem Freitagabend am Hafen stehen und ringsum mehrere Häuser in Reichweite stehen. Kajak mit Hindernissen Nach einer kleinen Fika machen wir uns ans Werk. Das Manometer wird verklebt und ein Scubi zusammengebaut. Wir pumpen wie die Irren, aber der Druck stagniert bei 0,15 bar. Benötigen würden wir eher das doppelte. Ich lausche am Manometer und anscheinend gibt es immer noch eine Undichtigkeit. Erst nach nochmaligen Kleben ist das Ventil jetzt hinreichend dicht und mit viel Einsatz kommen wir auf die 0,3 bar. Bei der anderen Seite stagniert der Druck dann aber bei 0,15 bar – egal, was wir machen. Gelöst ist unser Pumpenproblem also noch nicht. Ich beschließe trotzdem, eine Runde aufs Wasser zu gehen. Denn der Wind ist jetzt komplett abgeflaut, das Wasser ist nahezu spiegelglatt. Außerdem ist das Wasser hier reichlich flach. Auch weiter draußen scheint es nicht viel tiefer als 1 Meter zu sein. Wenn ich mich also in Ufernähe aufhalte, sollte da nichts schiefgehen. Und tatsächlich hält das Boot mich locker aus und lässt sich auch leidlich gut fahren. Ich drehe zumindest mal eine kleine Runde und sehe mir die Landschaft mal vom Wasser aus an. Endloser Sonnenuntergang Als dann nordisch-sommerlich spät die Sonne untergeht, ahne ich, was mir blühen wird. Das wird so schön, dass ich heute wieder eine kleine Nachtschicht beim Bloggen einlegen werde. Aber beim Fotografieren vergeht die Zeit wie im Nu und es wird nicht langweilig – vor allem, weil ich bei den Langzeitbelichtungen dann einfach mal aufs Wasser hinausschauen und diese tolle Aussicht in mich aufsaugen kann. Schon wieder so ein schöner Ort, den wir da gefunden haben! Mein einziges Handicap: Immer wenn ich gerade beschlossen habe, dass es jetzt auch mal gut sein muss, sitze ich vielleicht 15 Minuten im MoMo, schaue hinaus und denke: jetzt ist es ja noch schöner! Gut, dass ich irgendwann einfach nicht mehr kann…
Momoblog am 25 Jul 2021 20:56:33
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Über den Polarkreis Aufgrund des gestrigen Supersonnenuntergangs sind wir spät ins Bett gekommen. Trotzdem sind wir heute eher wieder früh wach. Die Sonne scheint prächtig und es ist hier weiterhin absolut friedvoll. Kajak ohne Drohne Heute Morgen möchte Annette mal in den halbwegs gut aufgepumpten Scubi steigen und aufs Wasser hinaus. Ich vertreibe mir die Zeit mit Fotografieren, erinnere mich an die Drohne, die man in den letzten Tagen bei dem starken Wind nicht wirklich fliegen lassen konnte und bereite alles vor. Nur, um dann die Warnung zu bekommen, dass hier eine Flugverbotszone sei. Also alles wieder zusammenpacken. Wir genießen jede Minute hier, wissen aber auch, dass wir nicht ewig bleiben können, denn wir haben in den kommenden Tagen so einiges vor: Der Wetterbericht hat nämlich für die kommende Woche richtig gutes Wetter auf den Lofoten angekündigt, nachdem es dort in den vergangenen Wochen wohl meistens trüb-regnerisch gewesen war. Gefühlt sind wir hier ja fast schon in der Nähe und könnten „mal eben“ rüberfahren. Das „mal eben“ sind dann aber doch gute 500 Kilometer. Und es bedeutet, dass wir die nordschwedischen Nationalparks schweren Herzens erst mal auf Eis legen. Unsere Theorie: Es ist in Norwegen schwerer, gutes Wetter vorzufinden als in Schweden, weil der Regen sich meistens an den norwegischen Bergketten schon ordentlich abregnet. Also ab nach Norwegen, solange es dort schön ist. Und vor allem: Wenn der Wetterbericht auch stimmt… Polcirkeln Wir biegen bald auf die E10 ab, die für heute unser treuer Begleiter sein wird. Wir haben ausgesprochen edles Reisewetter: heiter bis wolkig, angenehme Temperaturen und die Landschaft sieht bei diesem Wetter prächtig aus. Ich hatte mich ein wenig gegen diesen Teil der Reise angesehen, da er oft als langweilig beschrieben wird. Das kann ich mir bei düsterem Wetter auch durchaus vorstellen. Denn Städte oder grandiose Landschaften gibt es hier nicht so sehr zu bestaunen. Es ist mehr das graduelle Kargerwerden der Landschaft, so wie es mir für Lappland auch vorgestellt habe. Auf einmal fällt mir siedend heiß ein, dass wir doch auf diesem Teilstück den Polarkreis überqueren werden. Haben wir den jetzt echt verpasst und sind einfach darüber hinweggerauscht? Auch Annette ist sich nicht sicher. Das wäre ja ein Ding! Aber der Polarkreis wird doch zumindest durch ein Schild angezeigt, oder? Das können wir doch nicht wirklich verpasst haben? Haben wir auch nicht. Hinter dem Örtchen Lansån taucht es dann endlich auf: das große Schild für den Polcirkeln. Wir fahren ab und sind etwas überrascht, dass hier aber so was von absolut toter Hose ist. Keine Touristen, die Selfies machen, einfach niemand da. Na ja, dann müssen eben wir den Job machen. Wir können uns sogar den Luxus leisten, das MoMo schräg neben dem Schild zu platzieren – es ist schlicht keiner da, den das stören würde. Denn auch das Värdshuset Polcirkeln sieht eher aus wie eine Kulisse aus einem Hitchcock-Thriller: tot und verlassen. Wir machen unser Gruppenfoto mit Hunden und finden, dass das mit Aufklebern übersäte Schild noch einen weiteren vertragen kann. Ich drucke es also mit dem Selphy auf einen Sticker und „papp“, sind wir auch dort zu finden. Falls ihr dort mal vorbeifahrt: viel Spaß beim Suchen. Und schickt uns mal ein „Beweisfoto“ – wir würden uns freuen! Karger Norden An einer Raststätte kurz hinter dem wirklich ansonsten nicht einladenden Polcirkeln machen wir dann unsere Fika. Wir sind überrascht, wie großzügig und schön das hier angelegt ist. Und sogar eine mehr als saubere Latrintömming ist hier möglich – Hut ab vor den schwedischen Rastplatzplanern. Das einzige, was hier im Norden immer mehr Mangelware ist, ist eine Grauwasserentsorgung. Hierfür finden wir keine Möglichkeit, sodass wir später kurz vor Kiruna einen nicht so hübschen und vor allem E10-nahen und daher „lauten“ Campingplatz anlaufen müssen und zähneknirschend eine Service-Gebühr bezahlen. Aber es gibt Schlimmeres… Das Fahren auf der E10 stellt sich ansonsten als ziemlich stressfrei heraus. Das aufregendste sind da schon die gelegentlich auftauchenden einzelnen Rentiere, die aber immer brav am Straßenrand entlang traben. Wäre trotzdem dumm, wenn eines von ihnen Selbstmordabsichten hätte und vor dem MoMo die Straßenseite wechselt. Schweden kann auch hässlich Zirka 50 Kilometer vor Kiruna wird alles, was wir sehen, irgendwie zweckmäßiger. Die Straße wieder breiter, teilweise autobahnähnlich. Links und rechts der Straße stehen wieder häufiger Gebäude, viele davon aber eher zweckmäßig als lieblich. Als wir uns Kiruna dann nähern, sieht man schon von Weitem die Wunden des Bergbaus, die hier in die Landschaft gerissen wurden. Wir hatten kurz überlegt, ob wir auf den Hausberg von Kiruna hinauffahren, da Annette so etwas wie unser famoses Molde-Panorama vorschwebte. Aber der Appetit auf eine Aussicht auf diese Stadt schwindet dann ausgesprochen schnell. Spätestens als wir am Kreisverkehr die ersten Gebäude der Stadt sehen sind wir sicher: eine gute Entscheidung. Schnurgerade Stattdessen biegen wir vor Kiruna in das Tal Richtung Nikkaluokta ab. Auf größtenteils schnurgerade Piste haben wir immer den Kebnekaise, den höchsten Berg Schwedens im Blick. Und kurz hinter Puoltsa finden wir dann an einem Rastplatz ein ruhiges Nachtquartier.