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Das MoMo in Masuren


Momoblog am 05 Sep 2022 22:24:15

Wir sind wieder unterwegs. Diesmal nicht im Nordland oder in Frankreich sondern bei unseren östlichen Nachbarn. Kommt gerne mit, wenn ihr lesen wollt, was wir in Polen und im besonderen in Masuren erleben.

Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link



Liebe auf den dritten Blick
Morgens frönt Annette erst mal ihrem neuen Hobby: Wild Swimming. Seitdem sie in Irland und Schottland so oft Leute ins eisige Meer hat steigen sehen, ist sie nicht zu stoppen und hat den Sommer über kultiviert, dass sie regelmäßig früh morgens bei uns in der Talsperre schwimmt. Heute ist es jedoch der Scharmützelsee! Dieser hat sogar Seegang und leichte Schaumkrönchen zu bieten, ist aber laut meiner Wildschwimmerin wunderbar erfrischend.
Auf nach Polen
Der ruhige Platz am Scharmützelsee soll jetzt aber unser letzter Stop in Deutschland gewesen sein. Uns zieht es in Richtung Osten. Eine Tankfüllung hat uns gerade recht gereicht, um in Frankfurt an der Oder über die Grenze zu kommen. Aber jetzt muss erst mal vollgetankt werden. Die polnischen Preise sind mit 8 Złoty (1,68 €) schon sehr einladend. 40-50 Cent pro Liter sparen ist doch mal eine Ansage.
Wir nutzen die Gelegenheit, an einem Autohof auch gleich noch zu ver- und entsorgen. Allerdings kriegen wir auch einen ersten Kulturschock. Denn weder mit Deutsch noch Englisch kann ich hier nach dem Wasseranschluss fragen und mir wird sehr deutlich signalisiert, dass es eigentlich auch niemanden interessiert, ob ich etwas hilflos nach einem Wasserhahn suche. Wir hatten die Polen irgendwie gastfreundlicher in Erinnerung.
Der Weg nach Posen
Wir fahren zurück auf die Autobahn und befinden uns schon bald auf der Mautstrecke. Die ist unfassbar eintönig. Eine breite Trasse, die links und rechts von endlosen Wäldern eingerahmt wird. Zum Fahren sehr bequem, aber fürs Auge sehr langweilig. Aber wir können Strecke machen.
Kurz vor Posen müssen wir dann zahlen. Und, Wunder über Wunder, es sitzt sogar eine ältere Frau am Schalter, die mein euphorisches „dzień dobry“ völlig kalt lässt und nur auf den Zahlbetrag am Display zeigt. Als ich nach Kasrtenzahlung frage, schüttelt sie nur genervt den Kopf und hält mir wortlos das Kartenterminal hin. Meine Güte, war die schlecht gelaunt!
Wir fahren von der Autobahn ab und wundern uns, wie weit es noch ins Zentrum von Posen ist. Wir waren auf ein Städtchen eingestellt, müssen aber nachher recherchieren, dass es die fünftgrößte Stadt Polens ist. Manchmal wäre ein wenig mehr Reisevorbereitung vielleicht doch sinnvoll...
Wir parken auf der Dominsel, was sich als echter Geheimtipp entpuppt. Denn hier ist nichts los, obwohl man in ein paar Minuten zu Fuß im Zentrum ist.

Alle muffelig?
Dumm nur, dass am bewachten Parkplatz hinter dem Dom ein Parkautomat steht, der nur Münzen nimmt. Denn die haben wir noch gar nicht. Ich spreche einen Gärtner an, ob er mir helfen könne. Aber wieder das gleiche Spiel. Kein englisch, kein deutsch, keine Hilfsbereitschaft. Stattdessen hat man den Eindruck, dass er heilfroh ist, als er sich wieder seiner Gartenarbeit widmen kann. Als wir frustriert zum Umparken wegfahren, blickt er nahezu demonstrativ nicht mal auf.
Wir parken dann am Straßenrand, der auch noch den Vorteil hat, im Schatten zu liegen. Da sich dort ebenfalls nur mit Münzen oder nicht funktionierender Park-App bezahlen lässt, gehen wir bratzig einfach so in die Stadt.
Denn wir wollen ohnehin keinen längeren Stadtbummel machen, sondern eigentlich nur mal einen Eindruck gewinnen, wie es so in Posen ist und nebenbei noch Geld abheben. Auf dem Weg in die Stadt entdecke ich mein neues polnisches Lieblingswort: Fajerwerki!
Wir haben aber auch mit unserem Besuch des altstädtischen Rings Pech: Der große zentrale Platz mit den wunderschönen alten Häusern ist eine gigantische Baustelle, weil dort große Tiefbauarbeiten durchgeführt werden. Könnte ohne die Baustelle ein absolutes Highlight sein. Aber so macht es wenig Spaß.
Wir besorgen das Bargeld und wollen uns in einer Bäckerei noch mit den köstlichen polnischen Süßwaren eindecken. Und auch hier wieder das gleiche Spiel: Die Bäckereifachverkäuferin zeigt sich als Weltmeisterin im Kein-Interesse-Zeigen. Unsere Radebrechversuche werden geflissentlich ignoriert und alles an ihrer Körpersprache sagt „Geh mir nicht auf den Sack!“
An der Stelle bin ich echt froh, dass wir auch Polen kennen, die deutlich freundlicher sind. Ansonsten wäre unsere Vorfreude auf die kommenden Wochen schon arg gedämpft. Aber heute ist echt der Wurm drin.
Schöne Seen
Wir flüchten regelrecht aus Posen und sind gottfroh, als wir die besiedelte Region hinter uns lassen und es ländlicher wird.
An einem See machen wir Kuchenpause mit unserem Einkauf, der dann versöhnlicherweise wenigstens lecker schmeckt. Und auch wenn der See, der unter uns liegt, schön aussieht, taugt uns dieser staubige, hubbelige Platz mit den vielen geschlossenen Verkaufsbuden auf keinen Fall als Übernachtungsmöglichkeit.
Da fahren wir lieber noch ein Stück weiter zum Jezioro Lednica. Das ist dann auch die beste Entscheidung eines eher mühsamen ersten Tages in Polen. Denn hier finden wir genau das, was wir uns von Polen versprochen haben: Einen netten Platz an einem See, der sogar Sandbuchten zu bieten hat. Aber vor allem: eine friedliche, ländliche Abendstimmung mit Stille und einem famosen Sonnenuntergang.

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zulu am 06 Sep 2022 13:36:43

Danke für den Bericht hier und in Deinem Blog, Du schreibst wirklich nett.
Bist Du ein professioneller Schreiberling?
Jetzt werde ich Deine anderen Berichte auch mal nachlesen.

Hast Du extra für diese Reise ein wenig polnisch gelernt ?
Scheint sich ja zu empfehlen ...
aber sich so ganz auf Online-Translater oder Mimik+Gestik zu verlassen, das ist schon ganz schön mutig!
Würde mich von solchen Reisezielen eher abhalten.
Andererseits sind solche Reiseberichte dann auch wieder verlockend ...
Danke nochmal !

Momoblog am 06 Sep 2022 23:25:37

zulu hat geschrieben:Danke für den Bericht hier und in Deinem Blog, Du schreibst wirklich nett.
Bist Du ein professioneller Schreiberling?


Danke, ich sehe mich aber eher in allem als ambitionierter Amateur. :-)

Hast Du extra für diese Reise ein wenig polnisch gelernt ?
Scheint sich ja zu empfehlen ...


Nicht wirklich. Das ist eher so mein Grundstock an Sachen, die ich in jeder Sprache gerne aus Höflichkeit sagen können möchte: Bitte, Danke, Hallo, "Ein Bier bitte" und "Ich spreche kein polnisch".

Liebe Grüße
Micha

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Momoblog am 06 Sep 2022 23:27:28

Weiter gehts.



Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Wunderbares Torun
Die Nacht am See war himmlisch ruhig. Erst am Morgen hört man den Berufsverkehr beginnen. Annette startet mit wieder einem Besuch im See in den Tag. Als ich beim Wiederkommen teste, wie kalt ihre Haut ist, steigt meine Bewunderung mal wieder stark: Dafür bin ich wirklich zu sehr Weichei… Wenn ich andererseits wieder ihr Strahlen sehe, wenn sie zurückkommt, muss an dieser Im-kalten-Wasser-Schwimmerei wohl doch was dran sein.
Freilichtmuseum Pierwszych Piastów
Gestern Abend sind wir am großen Freilichtmuseum Pierwszych Piastów (--> Link) vorbeigefahren, das mit seinen vielen alten Gebäuden ganz spannend aussah. Wir schwingen uns also auf die Räder und fahren die kurze Strecke dorthin.
Auf einem großen Areal sind mehrere alte Bauernhäuser aus verschiedenen Epochen originalgetreu aufgebaut und eingerichtet.
Naturgemäß ist an einem Dienstagvormittag nicht viel los, sodass wir gänzlich entschleunigt hier durch schlendern können.
Neben der Erkenntnis, dass die Menschen in früheren Jahrhunderten Hobbits gewesen sein müssen (ich stoße mir trotzdem an den niedrig hängenden Deckenbalken nicht den Kopf!) fällt auf, dass hier eine Wohnstube ohne Dutzende von Heiligenbildern wohl ein Sündenpfuhl gewesen sein muss. Gegen Polen wirkt das katholische Irland wie die Reeperbahn auf St. Pauli.
Nachdem wir alles weggeguckt haben, treffen wir am Ausgang noch auf eine alte Omi, die Papierblumen verkauft. Wir schauen uns fasziniert an, wie flink sie das dicke Krepppapier dreht und faltet, mit Klebstoff benetzt und es im Handumdrehen an einem grünen Holzspieß befestigt – fertig ist die Blume! Wir nehmen uns drei Stück als unverwüstlichen Blumenschmuck fürs MoMo mit.
Torun or not Torun
Unsere nächste Etappe auf dem Weg nach Masuren soll uns nach Torun führen. Über die gut ausgebaute Schnellstraße fahren wir entspannt weiter.
Von Torun haben wir viel Gutes gehört. Eine schöne Stadt, die vor allem auch abends wunderschön sein soll, wenn sich die Silhouette in der Weichsel, dem großen Fluss vor der Stadt, spiegelt.
Da bietet es sich an, einen Übernachtungsplatz auf der anderen Flussseite zu suchen. Aber der dortige Campingplatz liegt dann halt mit entsprechendem Verkehrsgeräusch auch an der A15, die in die Stadt hinüberführt. Wir überlegen hin, wir überlegen her, ob wir wirklich die Nacht hier verbringen wollen, oder ob es ein kurzer Stadtbummel à la Posen auch tun würde.
Letztlich entscheiden wir uns dann doch für den Campingplatz Tramp (--> Link), da wir mit etwas mehr Ruhe die Stadt erkunden wollen. Eine gute Entscheidung!
Per Rad in die Stadt
Was an diesem Campingplatz wirklich hervorragend ist: Mit dem Rad fährt man über die Brücke auf einem vorbildlichen Radweg mal eben ans gegenüberliegende Ufer und ist praktisch schon in der Stadt. Für das Erkunden der Stadt wirklich perfekt.
Wir lassen die Räder am Rande der Altstadt stehen, gehen durch einen eher unscheinbaren Durchgang hindurch und befinden uns sofort in der wunderbaren Altstadt von Toruń am Rynek Staromiejski, dem altstädtischen Markt. Wir sind beeindruckt. Solch eine schöne Stadt!
Goldesel und Stabfiguren
An mehreren Ecken gibt es Bronzefiguren, wie den Esel, der genervt davon ist, dass ihn alle Leute antatschen, der dafür aber schon leicht golden glänzt. Ein echter Goldesel!
Richtig gut finden wir auch das Gebäude vom Baj Pomorski Theater (--> Link), einem Figurentheater, das von weitem aussieht, wie ein gigantischer hölzerner Kleiderschrank. Das Beste ist jedoch das Figurenspiel über dem Haupteingang, welches sich zur vollen Stunde in Bewegung setzt. Die Gesichter der kleinen Kinder, die völlig fasziniert zuschauen, sind herrlich.
Georgische Küche
Da wir noch nicht all zuviel gegessen haben, knurrt ein wenig der Magen und wir sind einem Restaurantbesuch nicht abgeneigt. Wir gehen an einem eher unscheinbaren Restaurant vorbei, wo aber das Essen auf den Tellern irgendwie lecker und besonders aussieht. Ein kurzer Check bei Google ergibt, dass das Restauracja Serce Gruzji georgische Küche bietet, von der die Rezensenten begeistert sind. Da wir stets neugierig sind und noch nie zuvor georgisch gegessen haben, sind wir sofort Feuer und Flamme.
Wir werden nicht enttäuscht.
Wir haben allerdings auch Glück: Es gibt sowohl eine junge, freundliche Kellnerin, die Englisch spricht, als auch eine Speisekarte auf Englisch. Sonst wäre die Bestellung auch schwierig geworden… Auf der Karte finden wir viele attraktive Gerichte und entscheiden uns für eine Art georgischen Tapasteller mit sieben verschiedenen Kleinigkeiten und können sogar georgisches Bier ordern. Das lohnt sich allein schon wegen des exotischen Etiketts!
Aber auch die Hauptspeisen können überzeugen. Die blässlichen Klöße sind mit Frischkäse gefüllt und werden mit einer frischen Joghurt-Minz-Sauce serviert. Und das Hühnchen mit Erdnusssauce besteht wirklich nur aus reichlich Huhn mit einer pikanten und von uns so auch nie gegessenen Erdnusssauce. Wirklich ein kulinarisches Erlebnis und eine dicke Empfehlung!
Torun bei Nacht
Nachdem wir satt und zufrieden noch ein wenig durch die Stadt geschlendert sind, fahren wir entspannt zu den Hunden zurück, die schon sehnsüchtig auf uns warten.
Als es dann schon reichlich dunkel ist, brechen wir noch einmal auf, um von unserem Flussufer den Blick auf die beleuchtete Stadtsilhouette zu genießen. Und auch hier stellt sich heraus: Was eine gute Entscheidung, hier geblieben zu sein!

Momoblog am 07 Sep 2022 23:49:11



Kurz vor Allenstein
Unser letzter längerer Fahrtag liegt vor uns. Die Reise nach Masuren zieht sich doch länger als erwartet.
Aber immerhin haben wir weiterhin ein Bombenwetter. Bei strahlend blauen Himmel verlassen wir Torun und fahren auf der A15 weiter nach Olsztyn, was früher Allenstein hieß.
Mit den polnischen Namen ist das so eine Sache. Beim Tippen breche ich mir jedes Mal die Finger und füge im Zweifelsfall immer noch einen Konsonanten extra ein. Ich erlaube mir hier daher, nach Lust und Laune zwischen den heutigen polnischen oder den deutschen Namen aus der Vergangenheit hin- und herzuwechseln. In Italien wäre es ja auch eher merkwürdig, wenn ich dauernd von Firenze und Venezia schreiben würde, wenn es die bekannten deutschen Namen auch gibt.
Arbeitspause in Brodnica
Auf der Strecke bietet sich Brodnica für eine gemütliche Arbeitspause an, da Annette ein Zoom-Meeting hat. An einem flammneuen Park am See finden wir ideale Bedingungen vor. Denn damit Annette in Ruhe konferieren kann, hüte ich in der Zeit die Hunde. Einen Kläffanfall von Toffi möchte man ja niemandem zumuten.
Aber bei Sonnenschein und schönen Picknickbänken lässt es sich gut abwarten, bis wir weiterfahren können.
Ziel in Sicht
Die Landschaft verändert sich auf den letzten Kilometern vor Allenstein langsam aber sicher. Die weite Landschaft, welche die Szenerie bisher bestimmt hat, wird abgelöst von Wäldern und einer kurvigeren Strecke. Das sieht doch gleich schon anders aus!
Das letzte Stück bis zu unserem anvisierten Agro-Camping (--> Link) ist dann Schotterpiste. Gut, dass es überall Hinweisschilder auf die zwei Campingplätze gibt, die nah beieinander liegen. Wir folgen Jürgens Empfehlung und wählen den links gelegenen der beiden Plätze.
Unter Deutschen
Von der Lage sind wir sofort begeistert. Idyllisch unmittelbar am Rande des Ukielsees gelegen und mit unparzellierten Plätzen. So, wie wir es lieben. Und ein Platz am Wasser ist sogar auch noch frei!
Erleichtert stelle ich fest, dass die Betreiberin deutsch spricht, was die Kommunikation dann ja doch sehr erleichtert. Es scheint auch ein echt deutscher „Geheim“tipp zu sein: Alle Fahrzeuge, die wir sehen, kommen aus Deutschland.
Was mir ein wenig Kummer bereitet, ist die mal wieder sehr reservierte Dame. Kein Smalltalk, kein Lächeln, keine Herzlichkeit. Eher wirkt es so, als sei es eine große Last, den Bogen für die Übernachtungsgebühr auszufüllen und das Geld zu kassieren. Könnten die bitte mal alle bei Angus auf Barra (--> Link) eine Schulung machen? Es kann doch nicht so schwer sein, zumindest so zu tun, als sei man gastfreundlich!
Seeblick
Nachdem wir uns häuslich eingerichtet haben, genießen wir die Stille und den Frieden hier am Seeufer. Wobei: ganz so still und ganz so friedlich ist es auf dem Wasser nicht. Während es auf dem Campingplatz sehr entspannt und gechillt zugeht, kommen permanent mehr oder weniger laute Geräusche übers Wasser. Sei es nun das Tuckern eines Motorboots, das Jaulen eines Jetskis, oder ein Trainer, der per Megafon seine Rudertruppe anfeuert. Frei nach Reinhard Meys „Irgendein Depp mäht irgendwo immer“ ist es auf dem Wasser lauter als an Land.
Wir genießen trotzdem unser Abendessen vor dem MoMo und können abends sogar den Mond über dem See aufgehen sehen.
Einen kleinen Schreck in der Abendstunde erleben wir dann auch noch. Gegen 21 Uhr hören wir plötzlich die Sirenen heulen. Und meine erste Vermutung ist natürlich sofort, dass es eine Art Fliegeralarm ist, weil Putin jetzt wirklich Polen angreift. Dann hätten wir aber mal so eine richtig bescheidene Wahl mit unserem Reiseziel getroffen. Auf eine Art sind wir dann erleichtert, als wir mehrere Martinshörner hören und offensichtlich „nur“ die Feuerwehr zu einem Brand ausrückt. Es sind schon verrückte Zeiten…

Aretousa am 08 Sep 2022 09:12:34

Gerne mache ich mich mit euch auf die Reise zu unbekannten Zielen und freue mich sehr auf ungeschminkte Berichte und tolle Fotos.
Gerade habe ich noch mal auf eurem Blog nach dem Aprilbericht und euren Erlebnissen in Irland geschaut und mich festgelesen und festgeschaut.
Da muss sich Polen aber noch anstrengen :wink:

Momoblog am 08 Sep 2022 10:13:28

Aretousa hat geschrieben:Gerade habe ich noch mal auf eurem Blog nach dem Aprilbericht und euren Erlebnissen in Irland geschaut und mich festgelesen und festgeschaut.
Da muss sich Polen aber noch anstrengen :wink:


Landschaftlich ist das schon voll unser Ding. Kulturell fremdeln wir noch ein wenig. Heute morgen wurden wieder per Megafon begrüßt, da ein paar polnische Paddler offensichtlich Training hatten. Die Benutzung von Headsets hat sich da noch nicht rumgesprochen...

Liebe Grüße
Micha

giraffengero am 08 Sep 2022 10:19:06

Die Wassersportler hatten uns auf diesem Platz auch schon sehr gestört, aber das Gänsegeschnatter hat das wieder rausgerissen.. :lach: :lach:


Momoblog am 08 Sep 2022 20:58:38



Am Ukiel-See
Unseren Platz am Ukiel-See haben wir direkt für 2 Nächte gebucht. Mit so einem kleinen Platz am See kann man einfach nicht viel falsch machen. Und Erholung ist nach der langen Anfahrt dann auch mal nötig.
Nachdem Annette ihr morgendliches Schwimmen absolviert hat, können wir trotz frischer Temperaturen draußen frühstücken, da die Sonne immer noch ordentlich Kraft hat. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings das Rudertraining auf dem See, wo der Trainer per Megafon coacht. Die Benutzung von Headsets hat sich hier anscheinend noch nicht durchgesetzt.
In die Boote
Wir machen uns bei sonnigstem Wetter die Scubis parat und paddeln hinaus auf den See. Der wechselhafte Wind pustet zwischendurch ganz kräftig und sorgt mit den kleinen, schaukeligen Wellen dafür, dass ich doch fast ein bisschen seekränklich werde. Gut, wenn man dann auch wieder in windstille Ecken paddelt und nur die Sonne und Natur genießen kann.
Auch nachmittags steigen wir noch einmal in die Boote und erkunden den See einmal in westlicher Richtung. Neugierig beäugt von den Hofgänsen, die hier nur im Rudel auftreten.
Entspannung pur
Außerdem probieren wir heute die berühmten Toruner Lebkuchen, die wir uns dort als Leckerei gekauft haben. Lecker und würzig!
Annette nutzt die Gelegenheit zum Handpan-Spielen. Dieses so wunderbar beruhigend klingende Instrument passt zu so einem Entspannungstag wie Pott auf Deckel.
Ansonsten passiert gar nicht mal so viel. Ein richtig erholsamer Tag. Da ist das aufregendste dann die abendliche Nachricht, dass Queen Elizabeth gestorben ist.

Momoblog am 10 Sep 2022 21:33:15



Gewölbe und falsche Daumen

Für uns fängt heute der Herbst an.
Es ist der erste Tag seit Langem, der einen mit feucht-ungemütlichem Wetter begrüßt. Nichts ist geblieben von der spätsommerlichen Stimmung, die wir gestern noch genossen haben.
Gemütlich brechen wir auf und begehen unseren ersten Fehler des Tages. Denn da die Ver- und Entsorgung auf dem Platz nicht so ganz koscher aussieht, beschließen wir, das einfach später zu erledigen. Wir gehen wie blutige Anfänger ganz blauäugig davon aus, dass es an der nächsten Ecke schon auch die Möglichkeit geben wird, Grauwasser und Frischwasser zu erledigen.
Shopping auf polnisch
Unser erster Weg führt uns zu Lidl. Wir wollen quasi zur Akklimatisierung erst mal in einen Supermarkt, wo man zumindest die Aufteilung kennt und sich im Zweifelsfall herleiten kann, was man wo findet, wenn man schon kein polnisch kann.
Das funktioniert dann auch ganz gut und wir sind mit dem Mix aus total vertraut und völlig fremd zumindest nicht völlig überfordert. Was man zum Beispiel gar nicht bekommt sind Aufbackbrötchen für den Omnia. Und polnische Grillwürstchen sehen auch komplett anders aus als bei uns – entweder lang und dünn (eher wie Frankfurter) oder dick und fest (eher wie Dauerwurst). Wenn da nicht „Grill“ draufstehen würde, wäre ich nicht drauf gekommen, diese zu grillen.
Auch so etwas wie Creme Fraiche haben wir nicht gefunden. Es gibt verschiedene Arten von Sahne mit unterschiedlichem Fettgehalt, aber nichts, wo wir uns sicher sind. Weiß das jemand aus der Leserschaft?
Stadtbummel in Allenstein
In Allenstein suchen wir uns einen schönen Parkplatz und wollen ein wenig die Altstadt erkunden.
So ganz begeistern können wir uns nicht für die Stadt. Am zentralen Platz der Altstadt befinden sich ein paar hübsche alte Häuser, aber es fehlt bei diesem Wetter einfach das Flair, da alles sehr trist wirkt und auch die Geschäfte und Restaurants nicht den einladenden Charakter wie noch in Torun haben.
Aber wir haben mal wieder Glück. In der Touristeninformation finden wir einen Flyer vom Restaurant BoNoBo (--> Link), der mein Interesse weckt. Und eine kurze Google-Suche später sieht es so aus, als hätte meine Trüffelschwein-Nase wieder mal zugeschlagen. Die Fotos des Essens sehen toll aus und die Gäste sind zufrieden. Nichts wie hin!
Veganes Paradies
Die Lage des Restaurants neben dem Theater an der Straße des Ersten Mais (oder auf polnisch 1 Maja, was mich jetzt eher an die Biene erinnert…) ist zwar zentral, aber alles andere als hübsch. Aber als wir durch die Tür hineinkommen, sind wir angetan von dem modern-stylischen Chic, mit dem das hier eingerichtet ist. Könnte so auch absolut in Berlin zu finden sein.
Das Besondere am BoNoBo ist die rein vegane Küche. Jetzt sind wir weder Veganer noch besonders religiös, wenn es um gesunde Ernährung geht. Wenn wir aber etwas finden, dass lecker ist und dann noch gut für Umwelt und Gesundheit sind wir immer dabei.
Hier werden wir fündig! Denn nicht nur wird das Essen sehr hübsch angerichtet – es ist auch noch ein wahrer Genuss. Sowohl Annettes Pasta als auch mein Burger schmeckten einfach umwerfend gut. Eine echte Entdeckung!
Kirche mit Netz und Zelle
Auf dem Rückweg zum MoMo kommen wir noch an der Jakobikirche vorbei. Da sie von außen bedeutend aussieht, schauen wir mal rein. Lohnt sich!
Denn wir lernen mal wieder etwas dazu. Die Kirche hat im Hauptschiff ein sogenanntes Netzgewölbe und in den Seitenschiffen ein wirklich spektakuläres Zellengewölbe, dass ein wenig so aussieht wie eine optische Täuschung von Escher. Ist das jetzt echt? Nach innen oder nach außen gewölbt?
Außerdem fällt natürlich auch hier auf, dass wir in Polen sind. So viele Leute, die ohne Gottesdienst andächtig in der Kirche sitzen, haben wir nicht mal in Irland gesehen. Und es gibt sogar einen Hinweis im linken Seitenschiff (auch auf Deutsch), dass man hier doch bitte niederknien möchte.
Pisz-See
Das war dann aber auch wirklich genug Stadt für uns und wir freuen uns wieder hinauszufahren. Da wir es hier mit einer Großstadt zu tun haben, kommen wir in die Rushhour. Selbst auf der A16 in Richtung Osten fließt der Verkehr zunächst zäh.
Unser Fehler am Morgen macht es notwendig, dass wir schon wieder einen Campingplatz, der Ver- und Entsorgung anbietet, aufsuchen müssen. Denn eine Recherche, die wir besser schon morgens durchgeführt hätten, ergibt, dass es gar nicht mal so viele Möglichkeiten gibt, vor allem das Grauwasser zu entsorgen.
Am Pisz-See soll es mit dem Camping Tumiany (--> Link) einen attraktiven Platz mit allen Möglichkeiten geben. Den steuern wir an. Und als wir von der Schnellstraße abfahren und durch eine verwunschene Allee in Richtung Ziel rollen, steigt die Vorfreude. Das könnte jetzt gut werden.
Camping auf dem Daumen
Da ich mich so langsam an das wenig herzliche Willkommenheißen gewöhnt habe, bin ich schon damit zufrieden, dass die junge Frau von der Rezeption zumindest Englisch spricht. Warum man allerdings in der Nebensaison mit drei(!) von uns gezählten Fahrzeugen darauf besteht, dass wir Plastik-Festivalbändchen tragen, um uns als Gäste zu kennzeichnen, muss man nicht verstehen. Im Sommer scheint hier wirklich der Bär zu steppen, denn es ist Platz für viele, viele Fahrzeuge und auch die Anzahl der traurig herumliegenden Kajaks deutet darauf hin, dass es hier im Sommer anscheinend rappelvoll ist.
Wir finden einen feinen Platz auf der Halbinsel direkt am Steg. Wir sind ein wenig traurig, dass es sich bei diesem wahrlich herbstlichen Wetter nicht wirklich lohnt, viel länger als nötig draußen zu sein. Bei schönerem Wetter ist das hier bestimmt top!
Als ich den Karteneintrag für den Blog vornehme, bekomme ich die auf der Karte die alten deutschen Namen angezeigt. Die Ortschaft hier heißt Daumen.
Wenn ich mir allerdings die Halbinsel anschaue, auf der wir uns befinden, kommt mir eher ein anderer Körperteil als Namensgeber in den Sinn. Da sind die Norweger mit ihrem Trollpikken (--> Link) doch etwas direkter…

Momoblog am 10 Sep 2022 21:34:03



Pisz-See und Pisa
Ich könnte das ja nicht.
Das ist der Gedanke, der mir durch den Kopf geht, wenn ich Annette ins Wasser steigen sehe. Erst recht bei den mittlerweile empfindlich kalten Außentemperaturen um die 10 Grad. Andererseits: Dagegen ist das Wasser dann schon fast doppelt so warm.
Hinaus auf den See
Wir finden unseren Platz am Steg eigentlich ganz schön. Daher verlängern wir gerne noch für einen Tag und nutzen die Zeit, um den See per Kajak zu erkunden.
Es ist natürlich nicht ganz so schön, bei dem trüb-grauen Himmel loszupaddeln. Das war vorgestern noch deutlich gemütlicher. Aber da der Pisz-See deutlich ruhiger ist, gleicht sich das auf eine Weise wieder aus. Hier gibt es nämlich keinerlei Motorboote, die über den See jagen, sondern lediglich ein paar Angler, die ihre Angelrute in das Wasser geworfen haben und genau wie wir froh sind, wenn es ruhig bleibt.
Die Landschaft ist geprägt von den endlosen Schilfgürteln, die ein Anlanden praktisch unmöglich machen. Die Wälder dahinter fangen bereits ganz zart an, ihr Laub zu verfärben. Oder ist das eine Folge des Dürresommers?
Auf die Pisa
In unserer Paddel-App Canua ist vermerkt, dass man den Zugang zur Pisa, dem Fluss, der den Pisz-See verlässt, schnell übersehen kann. Können wir nicht bestätigen. Das große Hinweisschild für den Flussbeginn muss man erst mal übersehen!
Da die Fliessgeschwindigkeit der Pisa nicht sehr hoch ist, beschließen wir, einfach teilweise hineinzupaddeln und dann gegen die Strömung wieder zurückzupaddeln. Gute Entscheidung!
Denn die wildromantische Wald- und Schilflandschaft erinnert uns doch sehr an die Kruttinna, auf der wir ja auch noch paddeln wollen.
Völlig überraschend kommt uns auf dem doch eher schmalen Fluss sogar ein Ruderboot entgegen. Es musste wahrscheinlich an einem der umgestürzten Bäume umkehren, die wir mit den schmalen Kajaks einfach besser umfahren können.
An einer Seerosenbucht machen wir eine kleine Pause, die wir aber bald wieder beenden, da es ohne Bewegung dann doch schnell kühl wird.
Hund über Bord
Das Anpaddeln gegen die Strömung stellt sich dann als völlig unproblematisch heraus. Da ist ein plötzlich über Bord gehender Hund schon ein anderes Kaliber… Toffi steht gerne wie eine Galionsfigur am Bug des Kajaks und überwacht die Wasserstraße.
In einem Anflug von Größenwahn denkt sie wohl, dass man noch ein Stückchen weiter gehen kann und plumpst über Bord.
Wer sich vielleicht bis jetzt gewundert hat, warum die Hunde Schwimmwesten anhaben („Hunde können doch schwimmen!“): Danke des Tragegriffs am Rücken gelingt es Annette relativ leicht, sie wieder an Bord zu holen, ohne selbst über Bord zu gehen.
Der Blick der pitschnassen Toffi weckt unser Mitleid, aber was können wir groß machen? Außer einem beherzten Sich-Schütteln bleibt da nicht viel.
Der Rückweg fühlt sich dann auch für uns plötzlich kühler an und es wird auch ein wenig windiger und sogar ein leicht fisseliger Regen setzt ein. Nichts wie zurück zum warmen MoMo!
Schreck am Abend
Den Rest des Tages verbringen wir bei einem wärmenden Kakao entspannt und mit ein wenig Arbeit im MoMo. Denn das Wetter lädt nicht wirklich zum Lümmeln in der Hängematte ein, so wie wir es eigentlich geplant hatten.
Als Annette abends in der Küche das Abendessen brutzelt, höre ich plötzlich einen Schmerzensschrei. Die Pfanne, in der sie Cashewnüsse geröstet hat, ist vom Kochfeld gerutscht und Annette hat sie im Reflex mit der nackten Hand abgefangen. Aua!
Dinge, die die Welt nicht braucht…

Momoblog am 11 Sep 2022 21:24:00



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Masuren pur
Unsere Campingnachbarn am Ukiel-See hatten uns schon vorgewarnt. Am Wochenende wird es auf polnischen Campingplätzen gerne mal laut. Da wir nahezu allein am Ende des Platzes stehen, machen wir uns keine Sorgen. Aber als wir ins Bett gehen, hören wir vom anderen Ende des Platzes dicke Technobässe. Wir sind wenigstens so weit weg, dass wir sie weitestgehend ignorieren können. Aber als sie irgendwann um 4 Uhr morgens verstummen sind wir trotzdem froh. Erholsam war diese Nacht auf jeden Fall nicht.
Umweg durchs Hinterland
Auch das Wetter ist weiterhin nur mittelgut. Wir wollen ein wenig weiter nach Osten kommen und dann etwas wandern. So der Plan. Aber wie es bei uns so ist, kommt etwas dazwischen.
Denn Annette hat eine Kirchenruine ausgekundschaftet, die vielleicht spannend sein könnte. Die Strecke dorthin ist zumindest toll. Es geht durch eine hügelige Feld- und Waldlandschaft und kleine Dörfchen, die zwischen leicht marode und fein herausgeputzt schwanken.
Die Ruine entpuppt sich dann als Rohrkrepierer. Zumindest wenn man schottische Castles gewohnt ist. Das ist nicht kaputt genug, um als Lost Place durchzugehen und nicht schön genug, um optisch reizvoll zu sein.
Masurische Küche
Aber unser Umweg hat auch sein Gutes: Ich entdecke nämlich, dass auf dem weiteren Weg das masurische Gasthaus „Karczma u Mazura“ in Borki Wielkie liegt, was sich vielversprechend anhört. Auf der Speisekarte sind zumindest alle Klassiker der maurischen Küche zu finden, die wir vom letzten Urlaub dort in so guter Erinnerung haben: Piroggi, Klöße, Zander und Konsorten.
Wir werden freundlich begrüßt und erhalten sogar eine deutsche Speisekarte. Man ist hier auf deutsche Touristen eingestellt. Ein wenig befürchten wir, in eine Touristenfalle gegangen zu sein, sind dann aber höchst erfreut, dass das Essen wirklich lecker und Hausmannskost im besten Sinne ist. Empfehlung!
Das einzige, was ich nicht empfehlen kann, ist der als besonders angepriesene Masurische Kaffee, den ich experimentierfreudig nach dem Essen bestelle. Es ist eher eine Art Muckefuk mit Kaffeemehl(?) und zum Süßen wird Honig gereicht. Brrr! Die beste Ehefrau von allen erbarmt sich und tauscht ihren regulären Kaffee gegen diese Brühe. Sie schafft es erstaunlicherweise, das Getränk zu trinken, ohne Bröckchen in den Mund zu bekommen und befindet, dass es ein wenig wie Yogi-Tee schmecke.
Urige Ausstellung
Was das Restaurant auch besuchenswert macht, sind die auf dem Hof ausgestellten alten Gerätschaften, Kutschen und Figuren. Das ist wirklich herrlich skurril.
Geplatzte Wanderung
Unser nächster Stopp soll uns zu einer schönen Wanderung an den maurischen Seen bringen. Wir folgen brav dem Navi und wundern uns über die Straße, die alsbald immer abenteuerlicher wird. Erst vorbildlich, dann Baustelle, danach Seitenstraße, anschließend Schotter-Sandweg und schließlich eine waschechte Waschbrettpiste wie im tiefsten Afrika. Wir warten nur darauf, dass die Straße einfach endet.
Aber wir kommen wieder etwas weiter in die Zivilisation zurück. Dumm nur, dass es sich in der Zwischenzeit eingeregnet hat. Wir schauen uns an und schütteln mit dem Kopf: Eine 3-Stunden-Wanderung bei dem Wetter ist alles andere als verlockend. Wir blasen den Trip ab, obwohl wir uns so auf die Bewegung zu Fuß gefreut hatten.
Traumplatz
Aber wir finden mal wieder bestätigt, dass sich hieraus auch etwas Gutes ergeben kann. Denn über die üble Piste wollen wir nicht unbedingt noch einmal zurück nach Sorkwity fahren, wo wir eigentlich kampieren wollten. Noch dazu, wo uns der Ort nicht besonders begeistert hat.
Wir kundschaften einen Campingplatz am Biale-See aus, der sich als absoluter Volltreffer erweist. Zwar ist auch hier die Anfahrt hubbelig und schmal und wir möchten uns nicht ausmalen, was passiert, wenn uns ein Womo entgegen kommt.
Aber als wir dort ankommen, werden wir das erste Mal so begrüßt, wie ich es von den Polen kenne. Mit Handschlag, einem stillen, freundlichen Witz und tiefenentspannt begrüßt mich der Besitzer, fragt auf deutsch, ob ich polnisch spreche und weist uns ein: „Fahr einfach runter und such dir einen Platz aus. Ich komme dann später.“
Wir fahren den steilen Weg hinunter (und fragen uns, ob wir den wohl auch wieder hinauf kommen…) und finden einen leeren Platz vor, der genau unseren Geschmack trifft. Ähnlich wie am Ukiel-See, aber noch einen Tacken ruhiger und ländlicher. Wir suchen uns einen Platz am Wasser und können uns gut vorstellen, länger hierzubleiben.
Wir fühlen uns jetzt erst so richtig in Masuren angekommen.

lonsome am 11 Sep 2022 21:45:09

Hallo,

vielen Dank für den bisherigen Bericht. Masuren war bisher auch so in meinen Gedanken ein Ziel. Aber nach Deinem Bericht werden leider so einige Vorurteile bestätigt. Ich bin deshalb sehr gspannt, wie es weitergeht.

Gruß
Klaus

Momoblog am 12 Sep 2022 21:48:10



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Tag am See
Vom Wetterglück sind wir ein wenig verlassen. Seit Freitag ist es schon sehr herbstlich und die Sonne haben wir seitdem auch nicht mehr wirklich gesehen. Ob wir einfach nur Pech haben, oder ob der Weg in den Osten nicht die schlaueste Idee war, ist uns noch nicht ganz klar.
Ansichten
Annette erkundet mit den Hunden die Umgebung. Sie kommt mit der Erkenntnis wieder, dass zwei Kilometer Straße jetzt nicht wirklich spannend sind. Immerhin ein Blich auf den See war im Angebot.
Ich mache da die faule-alte-weiße-Männer-mit-ihrem-Spielzeug-Variante und schicke die Drohne in die Luft. Aus der Luft sieht das doch gleich viel spannender aus!
Chillen
Wir machen aus dem trüben Wetter das Beste, indem wir einfach noch einen Gang runterfahren. Das war schließlich auch der Plan für diese Reise. Mehr „einfach nur da sein“ und auch mal ein Buch lesen können und weniger das Jagen nach immer neuen Eindrücken.
Und fürs Entspannen ist dieser ruhige Ort wirklich wie gemacht. Annette legt sich in die Hängematte und ich fläze mich in den Stuhl – zumindest so lange, wie wir es bei 12 Grad draußen noch schön finden…
Unverhofft kommt oft
Als wir mal wieder einen Blick aus dem Fenster werfen, weil es auf einmal heller wird, können wir unser Glück kaum fassen: Das ist ja… Sonne!
Tatsächlich lässt sich die Sonne nachmittags häufiger sehen und taucht auch zum Sonnenuntergang die Landschaft in schönstes warmes Licht. Auf einmal sind die trüben Gedanken wie weggeblasen und wir genießen diese auffallend stille Landschaft sehr.
So lassen wir uns Masuren sehr gefallen!

Momoblog am 13 Sep 2022 21:38:33



Eine Etappe Kruttinna

Wir merken, dass wir in Masuren sind: Am frühesten Morgen hört man in der Ferne die Hirsche ihre Brunftschreie ausstoßen und gleichzeitig trompeten die ersten Kraniche, um den Tag zu begrüßen. Das ist schon besonders!
Auch der morgendliche Nebel, der über allem liegt, gibt der Landschaft etwas herrlich verwunschenes. Und da die Sonne scheint, kann man zusehen, wie sich der Nebel immer mehr in Dunst verwandelt und schließlich ganz verschwindet.
Verzögerte Abreise
Für uns ist klar, dass wir abreisen müssen. Denn durch die vielen Standtage bei nur schwachem Sonnenlicht gehen wir trotz Solarpanel auf dem Dach stromtechnisch ziemlich auf dem Zahnfleisch. Hatte ich für September nicht wirklich erwartet und damit haben wir ein jetzt ein Problem. Denn ich Schlaumeier habe unser Adapterkabel für den blauen Campingstromstecker auf Schukostecker zu Hause gelassen. Und hier in Polen ist auf den Campingplätzen praktisch immer Schuko das Mittel der Wahl. Dumm gelaufen!
Ich frage unseren freundlichen Platzbetreiber nach einem Geschäft in der Nähe, wo wir ein solches Kabel besorgen könnten. Er hat aber noch eine viel bessere Idee: Er organisiert aus dem Wohnwagen seines Schwiegersohns, welcher quasi neben uns steht, wie von Zauberhand das fehlende Kabel und voilà! haben wir Strom und können noch eine Nacht hier bleiben.
Denn der Platz hier gefällt uns richtig gut. Wahrscheinlich sind wir damit sogar in der Minderheit, denn alle Einrichtungen haben einen eher vergänglichen Charme und sind wahrlich nicht auf der Höhe der Zeit. Aber da wir sowieso weitestgehend autark sind, stört uns das herzlich wenig. Da sind uns die traumhafte Lage am See, unser freundlicher Platzbetreiber und vor allem die absolute Stille auf diesem Platz bei Weitem wichtiger. Man muss aber trotzdem sagen: 16 Euro pro Nacht sind für diesen Platz im eigentlich preiswerten Polen schon ein stolzer Preis.
Unverhoffte Kajaktour
Wir waren uns gestern einig, dass es eigentlich ein Jammer ist, dass wir hier nicht gepaddelt sind. Umso klarer ist der Plan für den heutigen Tag: Ab aufs Wasser!
Wir können hier nämlich nicht nur über den See schippern, sondern können ein kleines Stück der Kruttinna-Route absolvieren.
Für alle Nicht-Paddler und Nicht-Masurenkenner: Die Kruttinna (--> Link) ist ein wildromantischer Fluss, der sich hier durch das masurische Seengebiet schlängelt. Nicht zu Unrecht zählt die Krutynia (so die polnische Schreibweise) zu den tollen Paddelrevieren für Anfänger, da es keine Stromschnellen zu befürchten gibt, sondern man gemütlich durch die masurische Landschaft hindurchgleiten kann.
Für mich hat sie sogar eine ganz persönliche Bedeutung: Wie mein Vater mir erzählte, als wir vor 13 Jahren hier waren, war das Paddeln auf der Kruttinna die Hochzeitsreise meiner Großeltern, von der meine Omi immer schwärmte.
Unter den gestrengen Augen Ellis bauen wir die Scubis auf und fahren los.
Versteckter Fluss
Wir müssen erst mal über Biale-See ans andere Ufer kommen. Und obwohl kein starker Wind herrscht, ist dieser erste Teil richtige Arbeit. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sehr einem eine große Wasserfläche das Gefühl für Geschwindigkeit und Entfernungen nimmt. Denn gefühlt kommen wir im Schneckentempo voran. Gemessen an der Bugwelle des Kajaks sind wir aber in ordentlichem Tempo unterwegs.
Am anderen Ufer orientieren wir uns an den paar Stegen, die dort im dichten Schilf ins Wasser führen. Aber der Beginn der Kruttinna, die hier den Biale-See mit dem Gant-See verbindet, bleibt zunächst verborgen. Gut, dass wir das per App noch mal überprüfen können: Doch, es muss hier den Zugang geben.
Dieser taucht dann wirklich erst auf, wenn man quasi davor steht. Was dann kommt, lässt uns ebenso schwärmen wie die Altvorderen.
Wunderbare Kruttinna
Wir verlassen den See und befinden uns in einem stillen, ehrfurchtgebietenden Waldstück. Die Bäume ragen hoch hinaus und wir gleiten auf dem höchsten 50 Zentimeter tiefen Fluss hindurch. Denn das ist das tolle hier: Durch die sanfte Strömung kann man wirklich den Fluss die Arbeit machen lassen und muss allenfalls mal sanft den Kurs korrigieren. Ansonsten kann man sich hier durchschleusen lassen, wie auf einer Bahn im Freizeitpark. Nur viel toller!
Denn es gibt immer was zu sehen. Schilf und Seerosen begleiten uns praktisch ständig. Auch umgestürzte Bäume wollen immer mal wieder umfahren werden.
Und wenn man Annettes Adlerblick hat, entdeckt man auch einen Eisvogel, der immer mal wieder den Fluss aufwärts fliegt und sich in Sicherheitsabstand bringt.
Als wir am Gant-See ankommen, sind wir fast schon enttäuscht: Das war jetzt schon alles? Wir sind uns einig: davon können wir noch mehr brauchen. Für heute heißt es aber umkehren.
Was den Vorteil hat, dass wir das famose Flussstück gleich noch einmal befahren dürfen. Allerdings auch den Nachteil, dass wir wieder (jetzt allerdings deutlich müder) den See überqueren müssen. Erschöpft aber glücklich kehren wir zum MoMo zurück.
Wir sind uns sicher, dass da in den kommenden Tagen noch ein paar Etappen auf der Kruttinna für uns drin sind.

Momoblog am 14 Sep 2022 23:16:51



Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Genervt, entzückt und beglückt
Heute heißt es wirklich Abschied nehmen von unserem feinen Platz am Biale-See. Wir bedanken uns noch einmal artig bei unserem netten Gastgeber und ich lasse mir von ihm noch einmal erklären, wo man in Mragowo das Adapterkabel für den Stromanschluss bekommen kann. „Das Geschäft mit dem gelben Schild. Die haben das 100%“
Polnische Bedienung
Wir beschließen, dass wir allein deswegen unserer Remscheider Partnerstadt Sensburg (so der deutsche Name für Mragowo) einen Besuch abstatten wollen. Schließlich wollen wir auch noch einen größeren Einkauf machen und mal wieder lecker essen gehen kann ja auch nicht schaden.
In Sensburg finden wir dann auch das Geschäft dank der Mithilfe von Google Maps recht problemlos. Ein reiner Elektroladen wird ja wohl so ein Kabel haben. Denke ich mir so.
Aber schon beim Betreten des leeren Geschäfts wird mir klar, dass das hier schwer wird. Drei Leute sitzen hinter dem Tresen, keiner schaut auf oder begrüßt mich. Erst auf mein fröhliches „dzień dobre“ sehen sie leicht genervt auf und als ich mit einer entschuldigenden Geste frage „Do you speak English?“ weist der älteste Mitarbeiter zum Jüngsten: „Kollega!“ Dieser wiederum guckt verunsichert zum Chef und sagt auf polnisch wohl so was wie „Echt jetzt?“, woraufhin er sich nach einem ermutigenden Satz vom Chef leicht verunsichert mir zuwendet.
Ich erkläre ihm, dass ich ein Kabel für den Campingplatz benötige, einen Adapter vom normalen Stecker auf den Campingstecker. Verunsichert führt er mich zum Regal mit den Schuko-Endstücken. „Sowas?“ Ich versuche noch mal, ihm klarzumachen, dass ich ein Kabel brauche und zeige auf die blauen CEE-Endstücke, die ich im Lager entdeckt habe.
Jetzt versteht er mich. Aber: Nein, solche Kabel hätten sie nicht, die müsste man ja erst konfektionieren. Und er vermittelt nicht den Eindruck, als wäre das etwas, was er in seinem Leben schon einmal gemacht hat. Eher ist es ein „Ne, verstehste selber, dass man das nicht einfach so machen kann.“ Nee, klar, warum stehe ich hier auch in einem Elektrofachgeschäft mir drei Leuten, die nichts zu tun haben…
Köstlichster Kuchen
Leicht angesäuert fahren wir weiter. Dann gibt es eben kein Stromkabel und wir hoffen mal, dass unsere gestrige Vollladung und das Solarpanel uns über die nächsten Tage bringen.
Wir parken am großen Parkplatz am Kulturzentrum und stehen wenige Schritte später vor dem Cudo Cafe. Dieses hat Annette ausfindig gemacht und die Bilder und Rezensionen lassen nur einen Schluss zu: Das wird lecker.
Aber Oh Schreck! Als wir davor stehen, gehe ich fest davon aus, dass es geschlossen ist. Alles düster von außen. Es ist nur Annette zu verdanken, dass wir mal bis zur Tür gehen und dann feststellen, dass sogar Gäste da sind.
Und was hätten wir es bereut, wenn wir hier nichts gegessen hätten! Bei Auswahl von leckeren Torten kann man sich kaum entscheiden, da alle wirklich sehr speichelfördernd aussehen. Mjam!
Noch besser ist dann nur die Erkenntnis, dass die süße Pracht dann unglaublicherweise noch besser schmeckt als sie aussieht. Wir wussten ja, dass die Polen wirklich Spezialisten für leckere Kuchen sind. Aber das ist wirklich noch mal ein neues Level! Ich schwanke kurz, ob ich noch einen Nachschlag bestelle. Aber da Annette zurecht auf die gigantische Kalorienmenge verweist, verkneife ich mir das. Aber bitte notiert euch das Cudo Cafe für die nächste Masurenreise – es lohnt sogar einen Umweg!
Merkwürdige Stadt
Mit dem Rest von Mragowo werden wir allerdings nicht so ganz warm. Was aber nicht an den Parks liegt. Am Jezioro Czos hat man einen herrlichen Blick über den See und Wolken und Landschaft geben ihr Bestes, um Masuren von der schönsten Seite zu präsentieren.
Der Rest des Stadtzentrums präsentiert sich aber eher unschön, mit einem merkwürdigen Architekturmix und teilweise dann doch erstaunlich runtergekommenen Ecken, die in umso krasseren Gegensatz zu den ausgesprochen hübschen Parks stehen.
Wenn man weiß, wie großartig Städte wie Torun oder Danzig aussehen, fällt es schwer, zu verstehen, dass Sensburg aussieht, wie es aussieht. Aber andererseits: Remscheid gewinnt ja auch keinen Schönheitspreis – außer natürlich für unseren Stadtteil Lennep…
Kajak-Hauptstadt Kruttinnen
Wir freuen uns, als wir die Stadt hinter uns lassen und wieder aufs Land fahren. Wie schon angekündigt, wollen wir noch weiter auf der Kruttinna paddeln. Und wo ginge das besser als auf dem touristisch bestens vermarkteten Teilstück zwischen Krutyn (Kruttinnen) und Ruciane-Nida, wo wir vor 13 Jahren schon waren?
Als wir in den Ort kommen, kommen auch die Erinnerungen wieder. Stimmt, es dreht sich hier wirklich alles ums Kajakfahren. Links Kajakis, rechts Kajakis. In allen möglichen Farben und in wirklich beeindruckenden Mengen. Wir stellen uns mit leichtem Grauen vor, wie voll der Fluss hier wohl sein muss. Und im Ort steht eine Bus-Reisegruppe, die sich die Souvenirläden anschaut. Das wird wohl nichts mit dem stillen Zauber, wie wir ihn gestern noch auf dem Fluss erlebt haben.
Perfektes Camping
Umso größer ist dann unsere Verwunderung, als wir den Campingplatz Gosciniec Zapiecek (--> Link) anfahren. Lediglich ein anderes Fahrzeug steht hier (und, Spoiler: Es wird im Laufe des Tages auch nicht mehr). Ich habe gerade das MoMo geparkt, als auch schon ein von Backe zu Backe strahlender Mann auf mich zukommt und mir erst mal die Hand entgegenstreckt. Das ist doch mal ein Willkommen!
Wir können uns beliebig platzieren und es gibt sogar Strom aus CEE-Dosen, kein Adapterkabel nötig. Auch ansonsten wirkt alles sehr modern, sauber und aufgeräumt. Ein richtiges kleines Schmuckstück! Das beste ist die Lage unmittelbar an einem kleinen Sandstrand der Kruttinna. Und das Verblüffendste: Hier ist so gut wie nichts los. Kaum einmal, dass jemand hier vorbeigepaddelt kommt. Da ist das aufregendste eine Begegnung von zwei stakenden Jungs mit ein paar Schwänen, die aneinander vorbeiziehen.
Nachdem wir noch einmal umgeparkt haben, hat Annette sogar ihren obligatorischen Blick aufs Wasser, ohne den ein Stellplatz halt nur die Hälfte wert ist. Zum Paddeln ist es jetzt schon zu spät, aber wir freuen uns jetzt bereits auf morgen. Noch dazu, wo das Pärchen aus dem anderen Camper uns begeistert von Eisvögeln und Mardern erzählt, die sie vom Fluss aus zu Gesicht bekommen haben.
Glücksmahl
Da wir hier wieder in der Zivilisation sind und wissen, dass man in Krutyn lecker essen gehen kann, schwingen wir uns auf die Räder. Vom Karczma Zacisze (--> Link) her duftet es schon verführerisch.
Vor dem Eingang steht ein junger Mann am Gasgrill, der uns in perfektem Deutsch begrüßt, als er merkt, dass wir deutsche Touristen sind. Leider hätten sie geschlossen. Auf unsere Nachfrage, für wen er denn dann so lecker grillen würde, stellt sich heraus, dass sie eine Gruppe von elf Gästen haben, aber eben keinen normalen Restaurationsbetrieb fahren. Es gebe daher allenfalls eine reduzierte Karte – wenn uns so etwas wie Zander mit Pfifferlingen reichen würde… Er muss lachen, als er das Leuchten in unseren Augen und das heftige Nicken sieht.
Es stellt sich heraus, dass bereits jetzt hier praktisch gar keine Saison mehr ist. Die meisten Restaurants hätten zu und auf dem Fluss wäre auch nicht mehr viel los. Es gebe eigentlich nur die drei Sommermonate, in denen etwas los sei – dann allerdings auch unbeschreiblich viel.
Wir freuen uns, dass wir solch ein Glück haben und setzen uns in den „Wintergarten“ oberhalb des Flusses, wo die 11er-Gruppe schon speist. Später bekommen wir mit, dass sie wohl irgendein Fragespiel spielen, was wir hauptsächlich daran erkennen, dass wir mitten im polnischen Wortschwall immer wieder Dolly Buster vor Ohren haben: „Ah, Bäh oder Cäh?“
Wir genießen unser abendliches Lecker-Essen und fühlen uns wieder ein Stückchen mehr in Polen angekommen.

Julia10 am 15 Sep 2022 08:39:57

Interessanter Bericht über Masuren :!:

Ich liebe Polen insbesondere die vielen Naturschutzgebiete, aber auch die Dörfer und Städte.

Vor allen Dingen die freundlichen und hilfsbereiten Menschen.

Einfach und natrunah sind viele Stell- oder Campingplätze. Dafür landschaftlich spektakulär.

Danke für den Bericht :!:

Momoblog am 15 Sep 2022 21:35:28



Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Paddelglück
Wie ungewohnt: Wir starten mal wieder mit einem blauen Himmel in den Tag. Sehr schön. Und es passt so gut zu unserem Vorhaben heute. Wir möchten noch einmal die Strecke von Kruttinnen nach Ukta mit den Kajaks fahren, da wir diese in ausgesprochen guter Erinnerung haben.
Natur pur
Wir vertrödeln ein bisschen die Zeit und brechen erst gegen Mittag auf. Aber für die auf 3 Stunden taxierte Strecke von 12 Kilometern reicht das immer noch.
Bereits als wir losfahren wird es toll. Denn die Strecke durch den Wald ist ähnlich wildromantisch wie die vor 2 Tagen.
Das coolste sind Begegnungen mit den Tieren. Ein Graureiher wartet lange ab, bis Annette ihm doch zu nahe kommt und gleitet majestätisch davon zu einer sicheren Stelle weiter den Fluss hinab. Das Spiel wiederholt sich ein paar Mal, bis es ihm zu bunt wird und er zur Seite hin wegschwebt.
Flachwasser
Unser Gastgeber vom Campingplatz hatte uns schon vorgewarnt. Der Fluss habe sehr wenig Wasser und der Pegel liege teilweise bei 50 Zentimetern. Es sei aber alles noch befahrbar.
Nachdem wir die Kajaks um ein Wehr herumgetragen haben, steigen wir wieder in die Boote und fahren eine Passage, die eher maximal 30 Zentimeter tief ist und wo die Boote schon mal über den Boden schrappen. Viel weniger sollte das nicht mehr werden! Aber wir haben ja Ende des Sommers, sodass der Pegel wohl bald wieder steigt.
Ganz faszinierend sehen die Algen in diesem flachen Wasser aus, die wie feine grüne Haare durch die Strömung in Fließrichtung gezogen werden.
Kruttinna ohne Trubel
Was wir wirklich zu schätzen wissen ist die relative Ruhe, in der wir die Strecke erleben dürfen. Zwar sind wir nicht so mutterseelenallein wie noch vorgestern oder auf der Pisa. Aber die paar Leute, die immer ein Stück hinter uns paddeln, sind zwar zu hören, aber es stört nicht weiter.
Alle Landeplätze, an denen man einkehren könnte, sind geschlossen und man kann nur anhand der Größe der Plätze erahnen, was für ein Trubel hier in der Hochsaison herrschen muss. Das ist sicherlich ein komplett anderes Erlebnis als das, was wir heute hier erleben dürfen. Wir genießen es sehr!
Landschaftswechsel
Ab Wojnowo wird die Landschaft ringsum deutlich kultivierter und ist nicht mehr so urig wie zuvor. Man hört Erntemaschinen und Handwerker bei der Arbeit an Häusern und Stegen. Wir gleiten auf der von regelrechten Schilfwäldern umsäumten Kruttinna in Richtung Zielort Ukta.
Dort angelandet müssen wir nur unseren Campingplatz anrufen und 20 Minuten später kommt unser freundlicher Gastgeber mit Hänger vorgefahren, um uns und die Boote zurückzubringen. Perfekter geht es nicht!
Abendessen mit Bus
Abends wollen wir uns mit einem weiteren leckeren Restaurantbesuch belohnen. Allerdings hat das Karczma Zacisze heute geschlossen. Und auch alle anderen Restaurants sehen komplett verwaist aus. Eieiei!
Auch im Restaurant Syrenka (--> Link) sieht es nicht so aus, als sei es geöffnet. Aber wir entdecken, dass das eigentliche Restaurant quasi um die Ecke direkt oberhalb des Flusses liegt. Und es hat geöffnet. Hurra!
Zunächst wundern wir uns, dass wir einen eher unvorteilhaften Tisch direkt am Eingang zugewiesen bekommen, obwohl nur ein anderes Paar am Nachbartisch sitzt. Aber wenig später wird uns klar, dass das Methode hat und auch absolut nachvollziehbar ist. Denn unser Paddelhunger hat uns ausgesprochen früh zum Essen gerufen. Und ab 18.30 Uhr füllt sich der Gastraum zusehends und immer mehr mit Gästen, die aus den umliegenden Gästehäusern in Richtung Restaurant pilgern. Offensichtlich ein Busreise, die hier Halbpension gebucht hat.
Wir beabsichtigen, unser lecker rustikales Essen mit einem Goldwasser, dem leckeren Schnaps mit Blattgoldstückchen, abzurunden. Aber wir werden aufgeklärt, dass dies eine Danziger Spezialität sei. Die gebe es hier nicht. Stattdessen wird uns Zubrowka, ein Wodka mit Bisongras, empfohlen. Wird Robert und für sehr lecker befunden. Pro-Tipp von der Chefin: Der würde wegen seiner Zimtnote auch gerne als Longdrink mit Apfelsaft getrunken: Flüssiger Apfelkuchen!

TiborF am 16 Sep 2022 10:33:04

Ich muss dem Micha mal ein :daumen2: geben, unermüdlich stellt er hier seinen Bericht über die Masurenreise rein ......... leider kaum Resonanz hier - warum?
Der Erfahrungsbericht hilft uns doch allen bei der Entscheidung "Lust, mal nach Polen zu reisen?"

Ich sag mal Danke Micha für die fast täglich neuen Einträge hier.

Julia10 am 16 Sep 2022 11:22:30

TiborF hat geschrieben:Ich muss dem Micha mal ein :daumen2: geben, unermüdlich stellt er hier seinen Bericht über die Masurenreise rein ......... leider kaum Resonanz hier - warum?
Der Erfahrungsbericht hilft uns doch allen bei der Entscheidung "Lust, mal nach Polen zu reisen?"


Wundert mich auch, denn die meisten Reiseberichte bekommen reichlich Rückmeldungen und Klicks.

Ich könnte mir vorstellen, das mit einer etwas intesiveren, abwechslungsreicheren Bebilderung mehr User mitlesen und schauen.

Viele möchten in Reiseberichten mehr vom Land sehen, nicht nur persönliche Berichte lesen, auch wenn sie gut geschrieben sind, scheinen sie nur einen kleinen Teil der User anzusprechen.

Finde ich schade :!:

Momoblog am 16 Sep 2022 12:49:47

Julia10 hat geschrieben:
Ich könnte mir vorstellen, das mit einer etwas intensiveren, abwechslungsreicheren Bebilderung mehr User mitlesen und schauen.


Danke für die nette Rückmeldung, TiborF und Julia.

Ich freue mich natürlich über positive Rückmeldungen wie jeder andere auch. Ich habe eigentlich schon genug Arbeit mit dem Erstellen der täglichen Blogbeiträge auf --> Link . Den gleichen Aufwand noch einmal hier im Forum möchte ich nicht noch betreiben. Über den Link zum Blog hat man ja Zugriff auf mehr Bilder und eine ansprechendere Präsentation als sie hier im Forum möglich ist.

Liebe Grüße
Micha

traveller69 am 16 Sep 2022 15:35:39

Hi Micha,
auch ich habe Deinen unterhaltsamen Bericht sehr genossen! Da habt Ihr wirklich ein schönes Paddel-Revier gehabt, um das ich Euch beneide.
Aber Polen an sich steht jetzt nicht ganz oben auf der Liste und ist auch durch Deinen Beitrag nicht weiter nach oben gerutscht ;-)

fritzi2015 am 16 Sep 2022 15:53:35

Hallo Micha,
Ich habe die Info über Eure aktuellen Reise wieder erhalten...war aber etwas überrascht, keine Frankreichreise zu finden... ich dachte im Forum gelesen zu haben, dass ihr in die Bretagne fahrt und war schon in Vorfreude darauf...
Da aber gerade Spontanität das Leben mit Wohnmobil ausmacht, bin ich auch in Polen mit von der Partie ;-))
Unter der Woche hatte ich keine Chance reinzulesen... aber zum Glück gibt es ja Wochenenden ;-)
Einen Teil habe ich mir jetzt als Schmankerl zum Tee gegönnt... der Rest folgt. Es ist wieder einfach herrlich Deine Berichte und die vielen gelungenen Fotos auf Deinem Blog genießen zu können. Ich bleibe an Bord und freue mich auf mehr .
Das Kajak fahren würde mir auch gefallen.
Herzliche Grüße
Fritzi

Aretousa am 16 Sep 2022 16:05:59

Ich bin ja auch von Anfang an mit auf der Masurenreise und lese natürlich jeden neuen Eintrag im Blog.

Text und Bilder finde ich, wie immer beim Momoteam total klasse.
Allerdings bin ich gerade mit Urlauben in Frankreich beschäftigt. Da muss sich Polen noch ein bisschen anstrengen, um für mich interessant zu werden. :lol:

Momoblog am 16 Sep 2022 21:30:30

traveller69 hat geschrieben:Da habt Ihr wirklich ein schönes Paddel-Revier gehabt, um das ich Euch beneide.
Aber Polen an sich steht jetzt nicht ganz oben auf der Liste und ist auch durch Deinen Beitrag nicht weiter nach oben gerutscht ;-)


Wir sind da sehr zwiegespalten. Es ist teilweise nur großartig und dann wieder merkwürdig. Eine Reise wert ist es aber allemal, vor allem zum Paddeln und für die Natur, wie wir heute wieder sehen durften.


fritzi2015 hat geschrieben:Ich habe die Info über Eure aktuellen Reise wieder erhalten...war aber etwas überrascht, keine Frankreichreise zu finden... ich dachte im Forum gelesen zu haben, dass ihr in die Bretagne fahrt und war schon in Vorfreude darauf...


Das war letztes Jahr, Fritzi... :mrgreen:
Kannst du hier nachlesen: --> Link

Aretousa hat geschrieben:Allerdings bin ich gerade mit Urlauben in Frankreich beschäftigt. Da muss sich Polen noch ein bisschen anstrengen, um für mich interessant zu werden. :lol:


Wir vermissen Frankreich auch ganz arg. Eigentlich geht so ein Reisejahr ohne Frankreich gar nicht...

Liebe Grüße
Micha

fritzi2015 am 16 Sep 2022 22:05:21

Das war letztes Jahr, Fritzi... :mrgreen:
Kannst du hier nachlesen: --> Link

Vielen Dank für den Link... ich kenne alle eure wunderbaren Reiseberichte ;-) und lese gerne darin.
Weiter gute Reise und noch wunderbare Entdeckungen.
VG

Momoblog am 17 Sep 2022 10:47:04



Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Zakret
Heute müssen wir ein Problem lösen, dass wir gar nicht mehr auf dem Schirm haben: Es mangelt uns an Bargeld.
Wir reisen mit möglichst wenig Barem und haben auch schon einen Dänemarkurlaub problemlos ohne jegliches Bargeld absolviert. In Polen ticken die Uhren da etwas anders. Gerade auf den kleinen Campingplätzen ist bargeldloses Zahlen noch wenig verbreitet. Da wir wider Erwarten länger in Kruttinnen bleiben, haben wir plötzlich zu wenig Geld zum Bezahlen. Auch das Angebot, dass wir gerne in Euro zahlen können, hilft nicht weiter, denn davon haben wir auch nicht genug.
Bares ist Rares
Gestern haben wir im Restaurant den Tipp bekommen, dass man im örtlichen Tante-Emma-Laden beim Einkauf Geld abheben kann. Und zwei Damen, die dort arbeiten, würden auch Deutsch sprechen. Wie praktisch! Da kann ich ja morgens Brötchen holen und direkt das Cash-Problem lösen.
Denke ich mir so naiv.
Als ich in den Laden komme, ist dort lediglich eine junge Frau, die weder Deutsch noch Englisch spricht. Ich nutze das Handy, um von der Übersetzung-App mein Problem schildern zu lassen. Leider stößt das bei meiner Gegenüber nur auf geringes Interesse. Sie schüttelt nur genervt den Kopf und zuckt mit den Schultern als würde sie nichts verstehen.
Da kommt meine Rettung in Gestalt einer älteren Dame, die auf Deutsch fragt, ob sie helfen könne. Ich schildere mein Problem und sie nickt: „Das hat das Handy eben ja auch gesagt.“ Sie erklärt noch einmal auf Polnisch, was ich gerne hätte. Es stellt sich heraus, dass der Betrag auf 200 Zloty am Tag begrenzt ist, aber immerhin sehe ich Land in Sicht.
Fast schon mit Todesverachtung tippt die Bedienung den Betrag in das Kartenlesegerät ein, ich liefere Karte und PIN und: nichts. Nicht gültig.
Souverän zücke ich, aus Deutschland diesen Kummer gewohnt, meine EC-Karte. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich an dieser Stelle schon gestorben… Noch einmal das ganze Prozedere und wieder: nichts.
Meiner weißhaarigen Mentorin erkläre ich, dass ich in Posen problemlos Geld abheben konnte. „Posen! Meine Heimatstadt!“ Aber das sei schließlich auch eine große Stadt… Sie rät mir, ins zehn Kilometer entfernte Piecki zur Bank zu fahren.
Frustriert opfere ich also weiteres Bargeld, um meine Einkäufe zu bezahlen und kehre zum MoMo zurück. Polen macht mich echt fertig: Man findet hier die unfreundlichsten und am wenigsten hilfsbereiten Leute direkt neben wunderbaren Menschen, die sich zerreißen würden, um dein Problem zu lösen. Und wir erkennen da kein System. Es hat nichts mit dem Alter, dem Geschlecht oder der Region zu tun.
Am Ende lösen wir unsere Geldsorgen damit, dass wir den Preis für unsere Übernachtungen und den gestrigen Kajaktransport erfragen und nahezu eine Punktlandung mit unseren verfügbaren Bargeldreserven in Zloty und Euro hinlegen, um unseren (wieder unfassbar netten) Gastgeber zu bezahlen. Jetzt haben wir nur noch etwas Geld, um abends im Restaurant Trinkgeld geben zu können.
Wandern zum Muckersee
Da es heute tagsüber stürmische Böen geben soll, ist diesmal keine Kajaktour dran. Wir haben ohnehin festgestellt, dass es dringend mal wieder Zeit wird, zu Fuß unterwegs zu sein. Auch die Hunde danken es uns, dass sie nicht wieder einen Tag brav im Kajak sitzen müssen, sondern viel Bewegung bekommen.
Wir machen eine schöne Rundwanderung in Richtung Jezioro Mokre, wie der See auf Polnisch heißt. Durch einen Mischwald mit hauptsächlich Birken und Kiefern kommen wir dem See näher.
Auch der Wind frischt auf und die leichten Schaumkrönchen auf dem Wasser bestätigen uns, dass es richtig war, heute nicht mit den Kajaks unterwegs zu sein. Aber schön sieht es ja aus, wie Licht und Schatten sich auf dem See abwechseln und das Schilf sich im Wind wiegt.
Zakret
Der eigentliche Höhepunkt kommt aber erst noch auf dem Rückweg durch den Wald. Hier liegt nämlich das Naturreservat Zakret (--> Link) mit seinen Sumpfseen.
Für uns ist es ein ganz besonderer Ort der Stille und des Staunens, in den wir uns schon beim ersten Besuch vor 13 Jahren verliebt haben. Die zarten Birken mit ihren Reflexionen im nahezu schwarzen Wasser sehen auf eine Weise verwunschen aus, dass man sich auch nicht wundern würde, wenn sie hier nachts zu tanzen anfingen.
Ganz dazu passend gibt es übrigens ganz in der Nähe das „Verliebte Pärchen“, bestehend aus einer Stieleiche, die einer Waldkiefer aufdringlich nah kommt. Oder, wie Annette trocken kommentiert, „doggy-style“.
Auf dem Rückweg entdecken wir noch einen alten, schon verschwindenden Friedhof mitten im Wald. Die Namen auf den Grabsteinen geben wieder Hinweise auf die deutschen Vorfahren und so manch trauriges Schicksal, wie beispielsweise die Grabstelle für die beiden jung verstorbenen Kinder einer Familie.
Christinas Stimme
Abends beschließen wir noch einmal essen zu gehen. Da es genau ein Restaurant gibt, was noch geöffnet ist, gehen wir wieder ins Syrenka. Ein absoluter Glücksgriff.
Denn nicht nur bekommen wir einen kleinen Geheimtipp für unseren morgigen Stellplatz und können wieder lecker speisen.
Sondern wir treffen auch Waldemar und seine Frau, mit denen wir gestern dort auch schon kurz gesprochen hatten. Die beiden setzen sich zu uns und erzählen, dass sie schon öfter hier waren, da Waldemar aus der Gegend stammt.
In meinem Kopf rattert es, da er vom geschätzten Alter her unmöglich so alt sein kann, dass er noch zu den Kriegsflüchtlingen gehört. Es stellt sich heraus, dass er mit 15 Jahren Masuren verlassen hat, als es aber schon polnisch war. Seit einigen Jahren würden sie aber regelmäßig wieder hierhin fahren.
Wir erzählen davon, dass wir hier vor 13 Jahren bei „Christina“ gewohnt hätten, die uns damals, mit 80 Jahren, noch in einem Boot auf der Kruttinna gestakt hat. „Ja, die kennen wir, die haben wir gerade noch im Altersheim in Nikolaiken besucht.“ Unglaublich, wie klein die Welt dann doch wieder ist…
Und als sei dem noch nicht genug, zückt Waldemar sein Handy, als ich erzähle, dass ich es so geliebt habe, ihren ostpreußischen Zungenschlag zu hören. Sie habe beim Besuch ein Gedicht aufgesagt, was sie auswendig konnte und er habe es aufgenommen. Wir lauschen im Restauranttrubel der Stimme und es gibt keinen Zweifel: Das ist wirklich die gleiche Person! Wir sind ganz gerührt.

Julia10 am 17 Sep 2022 11:59:21

Meine Familie kommt aus Ostpreußen und ich liebe den Dialekt. Treibt mir Tränen in die Augen wenn ich jemanden reden höre. Es wundert mich, das Ihr an unfreundliche, wenig hilfsbereite Zeitgenossen gestoßen seit. Ist mir auf mehreren Reisen nie passiert. Lese weiter gespannt mit.

Momoblog am 18 Sep 2022 10:09:50



Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Am Niedersee
Wir verabschieden uns schweren Herzens von unserem schönen Platz in Kruttinnen. Wer uns schon länger folgt, weiß ja, dass eine dreitägige Standzeit für uns fast schon Sesshaftigkeit bedeutet. Ein besseres Zeichen dafür, wie gut es uns hier gefallen hat, kann es kaum geben.
Geld und Gas
Unser Weg führt uns Richtung Süden nach Ruciane Nida, dem Ort mit dem nächstgelegenen Geldautomaten. So ganz ohne Bargeld geht es hier einfach nicht.
Allerdings ist es hier anscheinend üblich, dass auch an Bankautomaten Gebühren für eine Abhebung erhoben werden. Nachdem wir am Supermarkt aber auch Gebühren hätten zahlen müssen, soll uns das jetzt einfach mal egal sein.
Da auch das Gas gerne mal wieder aufgefüllt werden möchte, steuern wir die nächste Tankstelle an. Für Gas-Tankende wie uns ist Polen ein reines Paradies. LPG gibt es an jeder Ecke und der Preis von 60 Cent ist auch mehr als großartig.
Wir stoßen aber mal wieder auf ein Sprachproblem. Beim Gastanken füllt man nämlich nicht unmittelbar mit der Zapfpistole, sondern drückt an der Zapfsäule den „Totmannknopf“. Der befindet sich direkt unter dem Display und ist mit „Dzwonek“ beschriftet. Denke ich. Da ich weiß, dass es schon mal eine Weile dauern kann, bis der Tankvorgang beginnt, warte ich geduldig ab. Aber blöderweise passiert gar nichts!
Es lebe der Google Übersetzer! Er erklärt mir nämlich, dass ich gerade eine Minute Sturm geklingelt habe. Dzwonek heißt nämlich Glocke! Der Totmannknopf befindet sich an der Seite und füllt dann auch verlässlich unsere Gastankflaschen auf.
Planänderung
Annette hat dann die Idee des Tages. Unser Geheimtipp von gestern, der uns zum Spirdingsee führen soll, muss noch etwas warten. Denn die Gegend um Ruciane Nida gefällt uns richtig gut. So richtig klischeehaft Masuren: Wälder und Seen.
Der See, an dem Ruciane Nida liegt, ist der Niedersee, auf Polnisch Nidzkie. Die Bilder, die wir hiervon sehen, locken uns gerade magnetisch an. Und wir werden nicht enttäuscht.
Terrasse überm See
Wir fahren in Richtung Süden und biegen von der Verbindungsstraße auf einen holprigen, aber gut fahrbaren Feldweg ab, der uns zum Stellplatz Bobrowa führen soll.
Das Problem ist hier ohnehin nicht der Boden, sondern die Äste, die in den Weg hineinragen. Die Zweige sind aber so biegsam, dass wir auch mit unserem über 3 Meter hohen MoMo gut durchkommen. Es wäre wirklich schade gewesen, wenn wir diesen Platz nicht hätten anfahren können!
Denn wir kommen auf einer riesigen Wiese an, die wie eine Aussichtsterrasse über dem See liegt. Zusammen mit dem sonnig-wolkigen Wetter ein Stellplatz deluxe. Noch dazu ist es Nebensaison und das bedeutet, dass sich die 3 Fahrzeuge hier auf der großen Fläche verlieren. Da unsere Nachbarn keine Kuschelcamper sind, können wir uns freundlich zuwinken, aber haben ansonsten unsere Ecke komplett für uns allein.
Masurenliebe
Ich habe es ja zuvor schon geschrieben, dass wir uns auf dieser Reise ein wenig schwertun mit der hemmungslosen Begeisterung.
Aber hier stimmt jetzt wirklich mal alles.
Wir haben einen Blick aufs Wasser, Wälder, die man durchstreifen kann und auch die Möglichkeit, einfach mal nur abzuhängen.
Das ist schon ziemlich nah an dem, was wir uns schließlich auch von dieser Reise erwartet haben. Vielleicht sind wir jetzt erst wirklich angekommen.

shoe1 am 18 Sep 2022 11:45:27

Hallo Momoblog - herzliche Gratulation,
dieser Bericht aber vor allem eure MOMOBLOG.DE - Seite ist wirklich gut gemacht. Text interessant und sehr unterhaltsam zu lesen und die Bilder manchmal ein bisschen "düster" aber meistens wunderschön. Ich werde eure Seite (wenn erlaubt ...) gerne auf "unserer" Seite verlinken und sage DANKE für die schönen Reiseberichte!

LG Rupert

Momoblog am 18 Sep 2022 12:23:46

shoe1 hat geschrieben:dieser Bericht aber vor allem eure MOMOBLOG.DE - Seite ist wirklich gut gemacht. Text interessant und sehr unterhaltsam zu lesen und die Bilder manchmal ein bisschen "düster" aber meistens wunderschön.


Hallo Rupert,

meinst du mit düster unterbelichtet oder nur von der Stimmung her? Ersteres wäre doof, zweiteres durchaus gewollt...

shoe1 hat geschrieben:Ich werde eure Seite (wenn erlaubt ...) gerne auf "unserer" Seite verlinken und sage DANKE für die schönen Reiseberichte!


Gefällt dir unser Blog so gut, dass du ihn direkt zweimal verlinkt hast...? ;D
Auf jeden Fall: Dankeschön, kannst du gerne machen.

Ich habe bei euch gesehen, dass ihr in Rumänien wart - das steht auch noch auf unserer Liste. Danke für den schönen Bericht darüber!

Liebe Grüße
Micha

shoe1 am 18 Sep 2022 12:31:31

Hallo Micha - peinlich, peinlich ...

- mit "düster" meinte ich "Stimmung" quasi gewollte Bearbeitung ...
- zweimalige Verlinkung: Entweder ich bin heute noch nicht ganz ausgeschlafen oder das fortschreitende Alter zeigt erste, negative Wirkung ...

- Ja Rumänien hat uns wirklich gut gefallen - ist sicher eine Reise oder mehr - wert ...

LG Rupert

Momoblog am 18 Sep 2022 20:51:47



Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

See und sonst nix
Heute passiert so gar nicht viel im und um das MoMo. Das schöne Wetter verlässt heute für die kommenden Tage und weicht einer grau-nebligen Wolkendecke.
Nebelschwimmen
Das hält Annette aber nicht davon ab, auch hier im See zu schwimmen. Während ich die Heizung im MoMo noch mal ein Grad hochdrehe, geht sie unerschrocken hinunter an den See, um im 13 Grad kalten Wasser zu schwimmen.
Annette legt großen Wert darauf, dass sie sehr vernünftig ist und nur 10 Minuten geschwommen ist, da die Temperatur des Wassers schon nah an der Grenze ist, ab der man aufpassen muss, nicht zu unterkühlen.
Spannendes Nicht-Wetter
Uns kommt das graue Nicht-Wetter aber gerade recht. Wir bauen einen Tag mit herrlichem Nichtstun und staunenden Blicken auf den vor uns liegenden See ein.
Immer wieder ändert sich die Lichtstimmung und mal wird es düsterer, dann wieder ganz dramatisch, mit Lichtreflexen auf dem See. Langweilig geht anders!
Und ein bisschen ICM-Foto geht bei so einem Wetter natürlich auch bestens.
Tipps über Tipps
Als Annette ihre mittägliche Hunderunde beendet hat, sehe ich aus dem MoMo, dass sie sich angeregt mit einer Frau unterhält, die hier mit dem Fahrrad vorbeigekommen ist.
Es stellt sich heraus, dass es eine freundliche Polin ist, die hunderte Tipps für uns hat, was es in Polen für sehenswerte Orte gibt. Lächelnd bemerkt sie, dass sie auch ein wenig Deutsch spreche, aber ihr die Konversation auf englisch lieber sei: da seien wir dann beide auf gleichem Level. Gutes Argument!
Ganz allein
Am späten Nachmittag verabschiedet sich dann auch noch das letzte Wohnmobil, dass hier mit uns am See gestanden hat. Jetzt haben wir unsere Aussichtsterrasse deluxe ganz für uns allein und sind ganz fasziniert von der Stille, die über der Landschaft liegt.

Momoblog am 19 Sep 2022 23:40:18



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Masurisches Hinterland
Wir überlegen hin, wir überlegen her.
Der Wetterbericht ist nicht sehr vielversprechend und wir könnten problemlos noch einen Ruhetag hier am Niedersee einlegen. Aber es zieht uns dann doch weiter. Ist ja nicht so, als gäbe es nichts mehr zu entdecken.
Wir wollen uns jetzt langsam in nördliche Richtung bewegen, um von dort aus dann langsam wieder in den Westen zu fahren. Wobei uns auch diese Entscheidung schwerfällt, da es im Osten mit den Wigierski- und Biebrzanski-Nationaparks durchaus noch Orte gibt, die wir uns notiert hatten. Aber wir wollen unserem Vorsatz des langsamen Reisens weiter treu bleiben.
Hinreißendes Dorf
Unser Weg führt uns zunächst auf schnurgerader, hubbeliger Strecke durch endlose Wälder, bis wir wieder an die Kreuzung in Richtung Krutyn geraten.
Wir folgen hier der Straße nach Wojnowo, dem kleinen Dorf, das wir schon auf der Kruttinna durchradelt haben. Ich erinnere mich, dass es am Fluss ein Plakat mit Hinweis auf ein Fotografie-Festival gab. Und tatsächlich: Nahezu alle Zäune im Dorf sind mit großformatigen Fotos versehen, die von einem Fotografen zu einem Thema gemacht wurden. Sehr abwechslungsreich und sehenswert.
Vielleicht ist es auch nur eine verkehrsberuhigende Maßnahme, denn wir fahren im Schleichtempo durch das erstaunlich langgestreckte Dorf, und sehen uns links und rechts die Ausstellung an. Das ist ja der Vorteil eines Dorfes: Wir sind kein Verkehrshindernis, weil ohnehin nichts los ist.
An der hübschen orthodoxen Kirche machen wir einen kurzen Halt, jedoch ist das Gelände abgesperrt, sodass wir nur von außen fotografieren können.
Trüffelschwein Annette
Mein Trüffelschwein Annette hat wieder mal ein feines Näschen. Ihr erster Fund existiert jedoch nur bei Google und im Sommer. Denn die Waffelbäckerei in der Nähe entpuppt sich eher als Ferienhaus an einem Bauernhof und nichts deutet darauf hin, dass hier jemand heute etwas für Touristen anbietet.
Aber in Ukta schlägt dann ihre große Stunde. Ukta ist der Ort, an dem wir die Padddeltour auf der Kruttinna beendet haben und von dort wieder zurücktransferiert wurden, ohne uns den Ort wirklich anzusehen.
Und im Zentrum hat Annette in einem alten Bauernhaus oberhalb der Kruttinna das Slowiczowka (--> Link) gefunden, ein Restaurant der Art, wie wir es lieben. Urig, aber nicht trutschig eingerichtet und mit richtig guter Küche.
Masurische Küche
Auf ihrer Website beschreiben die Betreiber es als ihre Leidenschaft, die masurische Küche bestmöglich zu präsentieren.
Nach dem Essen können wir nur sagen: Mission geglückt. Das war schon sehr lecker dort! Wir überlegen sogar kurzzeitig, uns einen Stellplatz vor Ort zu suchen, um noch einmal dort essen zu gehen.
Aber diesen dekadenten Plan verwerfen wir spätestens, als zum Ende unseres Restaurantbesuchs ein Platzregen einsetzt, wie wir ihn schon ewig nicht erlebt haben. Es schüttet wie aus Eimern und das Wasser staut sich auf den Straßen, da die Kanalisation diese Wassermengen einfach nicht mehr aufnehmen kann.
Alleen, Alleen, Alleen
Unser Weg führt uns nach Nikolaiken und weiter in Richtung Lötzen. Die Landschaft wird hier abwechslungsreicher. Hügelig, mit wunderschönen Alleen. Auch der Himmel bietet dramatische Stimmungen und eine Weile sieht es so aus, als würden wir in das nächste Unwetter hineinfahren.
In Lötzen machen wir eine Kaffeepause in einem Park am See, befinden aber den Platz als nicht übernachtungswürdig, da man ständig Sirenen hört und der Platz so aussieht, als wäre er ein gern genutzter Treffpunkt für die Stadtjugend.
Wisentgehege Wolisko
Über weitere und immer einsamere Straßen fahren wir weiter nach Nordosten zum Weiler Wolisko. Diesen suchen wir nicht wegen der schönen Lage auf, sondern weil es hier im Borkener Wald eine Art Dependance der Wisentzucht des Bialowieski-Nationalparks gibt. Auf dem Parkplatz vor dem Wisent-Reservat soll man übernachten können.
Wir sind begeistert von dem stillen Platz an der verriegelten Eingangspforte des Reservats. Keiner da, schöner Abendhimmel. Allerdings wird unsere Begeisterung etwas getrübt, als wir lesen, dass der letzte Termin für den Besuch des Reservats wohl der 15.9. gewesen sein soll. 4 Tage zu spät… Aber vielleicht haben wir morgen ja Glück.

Momoblog am 20 Sep 2022 21:25:28



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Wolkenspektakel
Morgens sind wir früh wach. Wir haben auch keine Zeit zu verlieren, denn das Wisentgehege soll nur von 9 bis 11 Uhr zur Fütterung geöffnet sein.
Und tatsächlich: morgens öffnet sich das Tor und einige Leute fahren hinein. Ein Ranger mit seinem Jeep, ein Corsa mit fünf Arbeitern und ein Trecker, der zwei Hänger voller Kürbisse hineinzieht. Fressen Wisente etwa Kürbisse?
Bei den Wisenten
Wir erkunden das Gehege auf eigene Faust. Eigentlich soll dort an der ersten Kreuzung eine Kasse sein, an der man den ohnehin geringen Eintritt bezahlt, aber wir sehen niemanden und gehen zu den Wisenten.
Diese wurden aber bereits gefüttert, schlecken nur noch die Tröge aus oder sind schon wieder auf der Wiese.
Leider hat es mehr etwas von Tierpark als einem Reservat, da die Betonzäune einem nicht wirklich vermitteln, dass die Tiere hier in Freiheit leben. Trotzdem ist es ganz schön, den Tieren so nah zu kommen, während sie eher träge das Frühstück verdauen.
Der Luchs
Auf dem Weg zum MoMo entdeckt Annette ein Tier auf dem Weg. Etwa ein Luchs?!
Mein verwackeltes Bild, das ich schnell noch geschossen habe, bevor die Katze im Wald verschwindet, ist unscharf und lässt mich hoffen, dass es wirklich ein Luchs gewesen ist. Als sie wenig später aber ganz entspannt durchs Tor hinausspaziert, stellen wir enttäuscht fest, dass es wirklich nur eine schnöde getigerte Hauskatze ist. Schade!
Seeumrundung
Da wir uns noch ein wenig bewegen wollen, planen wir die Umrundung des kleinen Sees, den wir gestern nur im Vorbeifahren gesehen haben. Leider stellt sich bei der kleinen Wanderung heraus, dass er auch nur von der Straße aus zu sehen ist.
Immerhin entdecken wir einen geheimnisvollen kleinen Moorsee mit abgestorbenen Birken in der Mitte. Ansonsten könnte diese Wanderung auch bei uns daheim im Bergischen sein.
Feiner Badeplatz
Wir planen schon ein wenig für morgen. Denn da wollen wir das wieder etwas trockenere Wetter für eine Paddeltour auf der Sapina nutzen. Für heute ist noch absolutes Aprilwetter vorhergesagt, dass uns nach dem gestrigen Starkregenerlebnis für die Kajaks nicht ganz so gut geeignet erscheint.
Der Plan ist es, am Jezioro Pozezdrze Quartier zu beziehen und einen ruhigen Nachmittag am See zu verbringen.
Hier in Polen gibt es wirklich viele und oft schöne Plätze an den Seen. Oft auch solche wie den, welchen wir heute entdecken: Nicht ausgeschildert, aber dann erstaunlich gut ausgestattet mit Spielplatz, Mülleimern oder auch mal einem Klo. Und mit einer Baustelle. Zunächst befürchten wir, dass wir deswegen gar nicht auf den Badeplatz fahren können und erkunden erst mal zu Fuß, ob das gehen würde.
Die Lageanalyse fällt positiv aus und wir schlagen unser Lager auf. Der Wetterbericht ist wieder mal nur ein grober Anhaltspunkt gewesen. Denn im Gegensatz zu dem, was wir erwartet haben, ist es sonnig und stabil freundlich.
Naturspektakel
Die spektakulären Wolkenberge am Himmel haben uns bereits den ganzen Tag schon begeistert. Gegen Abend legt der Wettergott dann noch mal eine Schippe drauf. Wunderbar klar konturierte Wolken in den verschiedensten Farbschattierungen von weiß bis dunkelgrau liegen über den See geschichtet vor uns und werden von Abendlicht perfekt ausgeleuchtet.
Durch die Spiegelung im See verdoppelt sich das ganze noch einmal und wird fast schon surreal schön.
Wenn dann noch Kraniche trompetend über den friedlichen See ziehen, ist das Naturspektakel perfekt.
Wie kann man das dann noch toppen? Mit einer Annette, die in den eisigen See springt und noch eine Runde im Wasser dreht…

Momoblog am 23 Sep 2022 19:15:45

Internet und Polen ist auch so eine Sache. Zwei Tage Funkloch.



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Bunker und Piroggen
Das hatten wir uns etwas anders vorgestellt. Das Wetter am Morgen ist trüb und kühl. Wenn wir hinaus auf den See schauen, sieht das nicht wirklich einladend für eine Kajak-Tour aus. Da wir beide uns auch leicht angeschlagen fühlen, beschließen wir, die Tour auf ein andermal zu verschieben. Denn wenn wir in Zukunft die baltischen Länder besuchen, liegt unser Platz mehr oder weniger auf dem Weg.
Wir entscheiden uns, dass es langsam Zeit für den Rückweg wird. Diesen möchten wir aber in aller Ruhe absolvieren und werden daher kleine Etappen mit schönen Zwischenstopps einlegen.
Beklemmender Mauerwald
Nachdem wir im nächsten Biedronka-Supermarkt mit dem neckischen Marienkäfer unsere Vorräte aufgefüllt haben, geht es weiter zum Mauersee.
Wir kommen aber nicht für den See hierhin, sondern weil man hier die nicht-so-touristische Variante der Wolfsschanze, Hitlers Führerhauptquartier, besichtigen kann. Im Mauerwald gibt es ebenfalls Bunkeranlagen, die nicht gesprengt wurden und welche man sogar teilweise begehen kann.
Wir gucken uns diese Betonmonster an, die tatsächlich gut getarnt im dichten Wald liegen. Wenn man ein paar Schritte in den Bunker hineingeht, wird es schnell stockdunkel, sodass wir nur noch mit der Handytaschenlampe etwas sehen können. Die Vorstellung, hier wirklich über einen längeren Zeitraum untergebracht zu sein, ist mehr als beklemmend.
Annette bemerkt nicht ganz zu Unrecht, dass nicht nur die Hunde sich hier unwohl gefühlt haben. Man hat ganz stark das Gefühl an einem bösen, traurigen Ort zu sein. Wir sind froh, als wir die Gemäuer hinter uns lassen und haben dann auch keine Sehnsucht mehr, die restlichen Anlagen oder das nahgelegene Museum zu besuchen.
Schönes Rastenburg
Auch heute ist das Wetter wieder aprilig. In Ketrzyn, dem früheren Rastenburg, wollen wir eine kleine Mittagspause einlegen.
Wir sind spontan vom wunderschönen Stadtsee begeistert, der uns einen tollen Einstieg in die Stadt bietet. Das ist hier alles so schön angelegt, dass wir uns an die hübsche Uferpromenade von Sensburg erinnert fühlen. Stadtparks können sie in Polen! Und auch schicke alte Gebäude entdecken wir.
Himmlische Pierogi
Aber unser eigentliches Ziel liegt gar nicht so sehr im Zentrum, sondern wie sich herausstellt, fast schon in einer Nebenstraße. Da wir beide gerne Piroggen, diese köstlichen gefüllten Teigtaschen, essen, sind wir bei der Suche auf P.H.U. Irena gestoßen. Keine Ahnung, was der sperrige Name bedeutet soll, aber eine Sache steht fest: Bei der Herstellung von Piroggen macht denen keiner was vor, wie wir jetzt feststellen werden.
Zunächst sind wir verunsichert. Der Laden ist kein Restaurant im herkömmlichen Sinne, sondern eher eine Mischung aus Metzgerei und Pommesbude. Von ersterer das eher klinische Ambiente, von letzterer die Möglichkeit, hier auch direkt als Imbiss zu essen, sogar mit 2 Gartentischen in der Laube vor der Tür.
Annette bestellt sich einen süßen und ich einen herzhaften gemischten Piroggen-Teller, der dann kurz warm gemacht wird und, irgendwie zum skurrilen Ambiente passend, auf Plastikgeschirr mit Plastikbesteck serviert wird.
Obwohl das alles jetzt wahrlich keine Stil-Noten bekommt, sind wir völlig aus dem Häuschen. Denn das schmeckt so lecker und so authentisch handgemacht, dass einem danach im Zweifelsfall keine Piroggen aus dem Supermarkt mehr schmecken. Und preiswert ist es noch dazu. Für die 2 Portionen plus Getränk zahlen wir zusammen gerade mal 6 Euro.
Soldaten und Heilige Linde
Was uns heute das erste Mal gehäuft auffällt, sind die uns in regelmäßigen Abständen immer mal wieder entgegen kommenden verschiedensten Militärfahrzeuge. Ob das einfach mit der nahe gelegenen Kaserne zusammenhängt oder mit der von Putin verkündeten Mobilmachung und entsprechender Wachsamkeit?
Als wir für einen Fotostop an der Basilika Heilige Linde anhalten, sehe ich neben mir ein Auto mit deutschem Kennzeichen und einem Mann in Militäruniform am Steuer auf den Parkplatz fahren.
ich beschließe, dass ich ihn einfach mal frage, ob er etwas weiß, warum heute so viele Soldaten auf der Straße sind. Also er sich zu mir umdreht, sehe ich sofort, dass da etwas merkwürdig ist. Die Uniform ist viel zu groß und wirkt irgendwie zusammengeschustert. Aber vor allem sieht der ältere Mann, der in ihr steckt, so gar nicht nach Bundeswehr aus. Sondern eher wie das, was er ist: Ein Schwarzmarktverkäufer. Er will mir verschiedene Broschüren anbieten. „Oder Zigaretten? Wodka? Bärenfang?“ So wie er aussah, hatte er bestimmt auch Nazi-Gedöns an Bord. Ich winke dankend ab…
Am Jezioro Limajno
Wir wollen ich etwas Strecke machen und in den Westen von Masuren kommen. Denn eine Station steht noch aus: Guttstadt, heute Dobre Miasto, die Geburtsstadt meines Vaters. Die haben wir uns für morgen vorgenommen, aber für heute gibt es eine gute Alternative, auf die mich ebenfalls mein Vater gebracht hat.
Er erzählte vom Leimangelsee, heute Jezioro Limajno. Wie es der Zufall will, soll es dort einen flammneuen, sogar kostenlosen Stellplatz für Wohnmobile geben, an dem es auch Strom geben soll.
So langsam entdecken wir ein Muster: Fördermittel der EU werden hier gerne für Naherholungsgebiete ausgegeben. Die sind wirklich auf topmodernem Stand und sehr schick ausgebaut. Selbst die Straße hierhin ist feinster Asphalt - eine Wohltat nach den wunderschönen, aber teilweise auch wirklich herausfordernd hubbeligen Alleen.
Im Sommer muss hier die Hölle los sein, wenn wir uns die Park- und Freizeitmöglichkeiten vor Ort ansehen. Heute aber ist hier tote Hose und das meiste ist versperrt. Auch die 5 Womoplätze sind durch hochgestellte Sperren blockiert. So ein Mist!
Aus einer Eingebung heraus gehe ich einfach mal zu einem hin und kontrolliere, ob er wirklich arretiert ist - und siehe da, er lässt sich einfach umklappen. Schon haben wir einen weiteren Übernachtungsplatz am See!
Das einzige, was man bei der Erneuerung vergessen hat, ist ein Funkmast für den Mobilfunk. Wir haben das erste Mal auf unserer Polenreise eine richtig schlechte Internetverbindung…

Momoblog am 23 Sep 2022 20:00:07



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Regen und Traufe
Wir wachen morgens auf und freuen uns, dass wir die Heizung andrehen können. Es ist kalt geworden! Umso heldenhafter, dass Annette selbst bei diesen Temperaturen noch in den See steigt. Brrr!
Feiner Stellplatz
Nach einem kurzen Weg um den See verlassen wir unseren sehr stillen Übernachtungsplatz und fahren die paar Kilometer nach Dobre Miasto, dem früheren Guttstadt.
Erste Überraschung: Wir finden hier gut versteckt am Ende einer holprigen Anwohnerstraße einen topmodernen Stellplatz vor. Er scheint unsere Vermutung von den Geldern, die vor allem in Freizeitinfrastruktur gesteckt werden, wieder mal zu bestätigen. Der Platz wirkt fast schon übertrieben mit den zig Holzsonnenliegen, die förmlich ausrufen „Das Fördergeld musste halt noch weg!“
Wir freuen uns aber über einen Stellplatz mit komplett kostenloser Infrastruktur zur Ver- und Entsorgung, bei der sogar der Strom gratis zur Verfügung steht.
Der Storchenturm
Wir wollen ein wenig auf den Spuren meines Vaters wandeln, der hier geboren ist, aber mit fünf Jahren in den letzten Kriegsmonaten wie so viele andere flüchten musste.
Unser Platz liegt direkt an der Lyna, dem Fluss, der auch durch Allenstein fließt. Über eine Brücke gehen wir in die Stadt und treffen erst mal auf den Storchenturm, dessen Nest jetzt im September aber leider verwaist ist. Aber die Stadt hat dem Turm immerhin noch einen künstlichen Begleiter spendiert, damit es auch in der storchlosen Zeit zumindest so aussieht, als wäre einer vor Ort.
Unfreundliche Kirche
Von außen sieht die große katholische Kirche großartig aus. Auch der Name ist mehr als bedeutend: „Basilika zum heiligsten Erlöser und allen Heiligen“ Viel mehr geht doch kaum!
Wir stehen vor einem verschlossenen Gittertor, können aber immerhin einen Blick in die vom Sonnenlicht ungewöhnlich gelblich beleuchtete Kirche werfen.
Es kommt ein Priester herein, würdigt uns keines Blickes, schließt das Tor auf, geht hinein, schließt wieder ab und stolziert zum Altar als wären wir einfach nicht anwesend. Annette bemerkt treffend: „Stell dir das mal in Schottland vor.“ Undenkbar, dass ein Pfarrer dort uns nicht angesprochen und ein paar Dönekes erzählt hätte!
Wir entdecken dann auch noch ein paar Totenköpfe auf der Bodenplatte im Eingangsbereich. Zusammen mit dem unerfreulichen Erlebnis zuvor und einem gekreuzigten Jesus an der Wand ergibt sich das Bild einer gar nicht mal so menschenfreundlichen Religion… Gut, dass wir auch andere Erfahrungen gemacht haben. Aber die Kirche hat echt ein Image-Problem in diesen Tagen.
Am Geburtshaus
Auf unserer Zeitreise geht es weiter. Wir verlassen das Zentrum ein paar Schritte den Berg hinauf. Durch eine gar nicht mal so hübsche Siedlung geht es hinauf zum Wasserturm, der hier pittoresk am höchsten Punkt steht.
Von hier sind es auf der anderen Seite nur noch ein paar Schritte zum Geburtshaus meines Vaters am Platz des Polizeikommissariats, wo man in den idyllischen Park Przyjaciół Kultury gehen kann. Per FaceTime versichere ich mich bei meinem Vater, dass wir auch den richtigen Ort gefunden haben und zeige ihm ein wenig von dem, was wir hier sehen.
Auf eine Weise fühle ich mich merkwürdig verbunden mit diesem Ort. Entweder einfach, weil ich bereits zweimal hier war. Aber vielleicht auch, weil so was einem dann doch auf unerklärliche Weise näher liegt, als es das eigentlich von der rein persönlichen Erfahrung her sollte.
Köstlicher Kuchen
Unsere Vorab-Recherche hat ergeben, dass es bei der Cukiernia Maziuk mit dem Teufel zugehen müsste, wenn das nicht umwerfend leckere Kuchen sein müssten. Und so ist es dann auch. Wir leider Höllenqualen, als wir uns für „nur“ zwei Stücke entscheiden müssen.
Der Ehrlichkeit halber sei gesagt, dass schon ein Stück riesig und völlig ausreichend für ein Kaffeetrinken wäre. Wir sind trotzdem so sicher, dass es hier gute Dinge zu kaufen gibt, dass wir uns für morgen direkt noch 2 Tüten mit Keksen einpacken lassen.
Dummerweise hat es mittlerweile angefangen zu regnen. Da wir uns auf den Wetterbericht verlassen haben, stehen wir etwas minderbemittelt da, stellen uns erst mal an einem Baum unter und werden dann auf dem Rückweg zumindest nicht klatschnass.
Der Kuchen schmeckt dann genauso gut, wie es aussieht und wir entscheiden nach dem ersten mächtigen Stück, dass wir lieber erst mal weiterfahren und, am Ziel angekommen, unser zweites Stück Kuchen essen möchten.
Noch schönere Alleen
Unser nächster Stopp soll der Oberländische Kanal werden, der mit seinen über Land gezogenen Schiffen eine echte Attraktion darstellt.
Wir fahren wieder bei Aprilwetter durch schönste Alleen und Dörfer mit wunderbaren Kirchen und dem polnischen Mix aus Sozialismus und Verfall im Kontrast zu schön und renoviert.
Am Kanal angekommen steuern wir zunächst mal einen Platz unmittelbar am Kanal an, der uns aber mit seiner abgelegenen Lage und dem schlechten Internetempfang nicht ganz überzeugen kann. Da es hier am Kanal durchaus mehrere schöne Plätze geben soll, beschließen wir, weiterzufahren und uns die anderen Plätze auch anzuschauen. Dümmste Entscheidung seit langem!
Nach nass kommt fest
Wir fahren weiter nach Katy, wo wir auf heftigstem Kopfsteinpflaster an einen weiteren Platz in Kanalnähe kommen, an dem wir auf dem gepflasterten Seitenstreifen prima stehen könnten. Aber irgendwie kriegt uns der Ort nicht und wir beschließen, noch einmal ein kurzes Stück zurückzufahren, da es auch einen netten Campingplatz direkt an einem der Rollberge am Kanal geben soll. Das wäre doch was: Draußen in der Sonne sitzen und Booten beim Vorbeirollen zusehen!
Wir fahren auf den Platz und sehen, dass bereits ein anderes Womo (als einziger bisheriger Gast…) auf einem halbwegs ebenen Platz am Kanal steht. Da würden wir höchstens noch als absolute Kuschelcamper daneben passen. Nichts für uns.
Wir sehen aber, dass es etwas weiter weg auch noch Grasflächen gibt, die herrlich in der Sonne liegen. Dann nehmen wir halt die und gehen die paar Schritte zu Fuß, falls überhaupt noch ein Schiff vorbeikommt. Aber in der Sonne sitzen wäre doch jetzt gut!
Wir fahren auf eine Wiese mit recht hohem Gras und platzieren das MoMo so, dass wir wunderbar zur Sonne aussteigen können.
Als ich mit den Keilen unsere leichte Schräglage korrigieren möchte, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Es passiert nämlich: nichts. Wir kommen keinen Zentimeter voran und sehen jetzt auch, warum. Der Reifen dreht auf dem feuchten Gras einfach durch. Mist.
Ich habe noch die Hoffnung, dass unsere Anfahrhilfen von Lescars die Rettung sein könnten. Wenn ich die unter den Reifen bekomme, müssten sie doch wieder Grip genug haben. Das einzige Problem: Selbst mit Schaukeln bekommen wir nicht so viel Momentum, als dass da etwas passieren würde. Wir stecken schlicht und einfach fest.
Im Funkloch
Zunächst verspreche ich mir Hilfe von unseren deutschen Nachbarn, die am Kanal stehen. Aber diese sind zwar hilfsbereit, haben aber leider auch kein Abschleppseil dabei. Und es kommt natürlich besonders dicke, als mir die Frau dann noch erklärt: „Der Besitzer ist gerade weggefahren. Und hier ist ja auch das absolute Funkloch. Aber zumindest da oben hat man ein bisschen Empfang“ sagte sie und deutet auf das obere Ende des Rollberges…
Ich rufe trotzdem mal die am Platz angegebene Nummer an und bekomme prompt die Ansageauskunft auf Polnisch und Englisch „Diese Nummer gibt es nicht.“ Argh! Wie sagte Fußball-Weltmeister Andi Brehme so schön: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!“
Irgendwie haben wir dann wohl doch zwischendurch einen Hauch Internet und Verbindung, denn die auf der Website angegebene Telefonnummer stimmt mit der vom Platz überein. Ich versuche einfach noch mal mein Glück und wundersamer Weise geht diesmal der Englisch sprechende Platzbesitzer dran. Wenigstens etwas. Er verspricht, später noch vorbeizukommen.
Wir spekulieren darauf, dass er vielleicht sogar noch in der Abenddämmerung kommt und uns eventuell schon rauszieht. Aber als er schließlich kommt, ist es schon stockdunkel. Er begutachtet die Situation und geht davon aus, dass wir es vielleicht aus eigener Kraft schaffen, wenn am nächsten Morgen der Morgentau getrocknet sei. Er habe diese Situation schon öfter erlebt und meistens seien die Leute ohne Hilfe weggekommen.
Wenigstens ein Lichtblick!

Mick114 am 23 Sep 2022 20:41:07

Toll und sehr informativ geschrieben. Danke für die Mühe!!

Momoblog am 06 Okt 2022 09:55:32

Ich sehe gerade, dass ich die letzten Blogeinträge gar nicht mehr hier im Forum eingestellt habe. Nachschlag:



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König Artur
In der Nacht werde ich immer wieder wach, weil ich Geistesblitze habe, wie wir aus der buchstäblich festgefahrenen Situation herauskommen. Man müsste doch nur! So wird es bestimmt klappen! Morgens stelle ich dann in erster Linie fest, dass ich gerädert bin vom verpassten Nachtschlaf…
Am Rollberg
Immerhin eine Sache klappt zuverlässig. Die Sonne scheint und es ist herrlichstes Herbstwetter. Schon feuchtkühl, aber gleichzeitig wärmt die Sonne noch ordentlich.
Als ich sehe, dass sich auf dem Rollberg etwas bewegt, werde ich hektisch: Wo ist die Kamera? Nicht, dass ich das Schiff verpasse, was gleich hier an mir vorbeikommt.
Als ich dann strammen Schrittes zu der abfallenden Grasfläche gehe, merke ich, dass Hektik hier gar nicht angezeigt ist. Gaaanz gemächlich kommt das Schiff auf mich zu. In meiner Fantasie habe ich mir den Vorgang des bergab und bergauf auf dem Rollberg deutlich spektakulärer vorgestellt. Vielleicht sollte man ihn eher in Schleichberg umbenennen?
Was aber nicht daran ändert, dass es ein faszinierender Vorgang ist: Oben ist Wasser, unten ist Wasser und in der Mitte dazwischen der grasbewachsene Rollberg. Mein Gehirn schlägt Purzelbäume bei der Vergewisserung, dass hier ein Schiff, was eben noch im Wasser war, hier wirklich über Land transportiert wird. Das ist schon toll. Und vor allem energietechnisch blitzsauber: Die benötigten 60 PS werden rein mit Wasserkraft erzeugt.
Vergebliche Versuche
Wir hatten mit dem Platzbetreiber ausgemacht, dass er heute Morgen noch einmal käme, wenn wir nicht aus eigener Kraft wegkommen würden. Da sich die Weise trotz Sonnenscheins aber Zeit lässt, wirklich zu trocknen, unternehmen wir erst mal nichts.
Zuverlässig meldet sich Artur, der Platzbetreiber, dann um 10 Uhr, um nachzuhören, wie es aussieht und verspricht, in einer halben Stunde vorbeizukommen.
Wir sondieren die Lage und machen einen ersten vergeblichen Versuch, noch einmal ohne Hilfe aus dem Schlamassel zu entkommen. Völlig witzlos.
Als wir am MoMo nach der Abschleppöse suchen, an der Artur uns vielleicht hinausziehen muss, stelle ich fest, dass es gar keine gibt. Es gibt lediglich einen Bolzen, den man an der Front verschrauben soll, falls man abgeschleppt werden muss. Dieser befindet sich, laut Betriebsanleitung, unter dem Fahrersitz. Aber Moment, da ist doch unsere zweite Aufbaubatterie? Und jetzt dämmert es mir: Da war doch diese schwere Kiste mit Wagenheber, Radkreuz und so einem Metallteil, die wir hinter dem Fahrersitz hatten. Und die ich in der groben Fehleinschätzung, dass man die nicht benötige, weil das dann ohnehin der Pannendienst übernimmt, zu Hause in der Garage deponiert habe. Mist, Mist, Mist.
Als ein Bus mit einer deutsch sprechenden Frau vorbeikommt, hoffe ich kurz, dass das vielleicht eine Freundin von Artur ist, die ebenfalls zum Helfen und Ziehen gekommen ist. Es stellt sich aber heraus, dass sie nur den Transport für die Schiffstouristen übernimmt. Der folgende Dialog ist so ähnlich dann passiert:
Sie, strahlend: „Guten Tag, möchten Sie eine Bootsfahrt machen?“
Ich, aufs MoMo zeigend: „Nein, wir haben ein Problem. Unser Wohnmobil steckt auf der Wiese fest.“
Sie: „Das nächste Schiff fährt um 11 Uhr. Wollen sie dann nicht mitfahren? Ist wirklich schön!“
Ich: „Nein, danke. Wir haben ein Problem. Ich muss das hier erst mal lösen.“
Sie: „Wollen sie nicht meinen Prospekt haben? Da stehen auch alle Abfahrtszeiten drauf.“
Und ich meine, als ich daraufhin ungläubig über so viel Ignoranz ablehne, ist sie fast ein wenig beleidigt…
Schwerstarbeit mit Artur
Artur kommt mit extra gekauftem Abschleppseil vorbei und ich muss ihm erst mal beichten, dass der Abschleppbolzen fehlt. Er nimmt es gleichmütig und ist sich sicher, dass wir es auch mit Schieben schaffen werden. Er habe das noch immer geschafft. Und wenn man ihn in seiner properen Michelin-Männchen-Haftigkeit ansieht, glaubt man das auch sofort.
Also frisch ans Werk: Annette und Artur schieben hinten und ich schaukele uns im zweiten Gang aus der Misere. So der Plan. Aber immer, wenn wir es fast haben, beschließt das MoMo, dass es doch lieber in die gemütliche Mulde zurückplumpst.
Während Annette und Artur von der heftigen Anstrengung japsen, steht mir der Schweiss vom möglichst gefühlvollen Agieren am Steuer auf der Stirn.
Wir deklinieren jetzt verschiedenste Varianten durch: Nach hinten schieben, das rutschige Gras mit einer Schicht Sand bedecken, die Anfahrmatten neu justieren. Nichts hilft.
Das Dumme ist, dass es hier Niemande mehr gibt, denn man zusätzlich um Hilfe bitten kann. Unsere einen Platznachbarn sind schon weg und die anderen auf Schiffstour. Artur fährt voller Hoffnung kurz zur Straße, um ein Auto anzuhalten, das uns vielleicht auch hilft. Nach einer Viertelstunde kommt er wieder: „Da ist keiner vorbeigekommen.“ Und seine Freunde müssten halt arbeiten.
Endlich frei
Was ich an Artur wirklich bewundere, ist seine Entschlossenheit, dieses Problem allein zu lösen. Es ist anscheinend in seinem Ehrenkodex nicht vorgesehen, an dieser Stelle aufzugeben. Und den Automobilklub möchte er nicht rufen, um uns Kosten zu ersparen. Auch als ich ihm erkläre, dass wir da nichts für zahlen müssen, bleibt er sich sicher: „Wir kriegen das hin.“ Und irgendwie ist seine Zuversicht ansteckend. Wir unternehmen einen letzten Versuch, bei dem wir das MoMo rückwärts weiter auf die Wiese schieben. Die Idee ist es, das leichte Gefälle zu nutzen, um aus der vermaledeiten Mulde hinauszukommen und anschließend, mit nochmaligem Schieben, die minimale Steigung zu schaffen.
Und das Wunder geschieht. Nach heftigen Schaukeln sind wir wieder frei! Jetzt noch einmal ganz gefühlvoll noch vorn, dabei nicht mit einem Reifen wieder in einen Krater geraten und auf den Weg fahren. Das Triumphgefühl ist genauso riesig wie die Erleichterung!
Ich recherchiere noch die Herkunft des Namens Artur (da sist auch der Name meines Großvaters) im Internet und stelle erfreut fest, dass er wohl von Artaios abgeleitet wird: Der Bär. Unser Artur könnte gar keinen passenderen Namen haben!
Wir unterhalten uns anschließend noch ein wenig und er erzählt, dass er den Platz erst vor einem Jahr übernommen habe. Es sei noch viel zu tun, aber er wisse, wie wichtig Onlinebewertungen seien. Unsere Empfehlung daher: Wer einen Gastgeber haben will, der sich bedingungslos für einen einsetzt und einen Campingplatz direkt an einem Rollberg sucht: This is the place. Und bitte stellt euch nicht so dösig an wie wir…
Rollberg ohne Stress
Wir fahren jetzt wieder zurück nach Katy mit dem heftigen Kopfsteinpflaster, weil wir dort das MoMo auf einem befestigten Untergrund parken können. Dort wollen wir zur Entspannung mit den Hunden eine Runde entlang des Kanals machen.
Aber wie es der Zufall will: Wir stärken uns zunächst einmal und warten zielsicher ab, bis es anfängt zu tröpfeln. Die anschließende Spazierrunde fällt dann eher kurz aus, da wir an diesem zweiten Rollberg feststellen: Kennste einen, kennste alle. So viel Neues erleben wir hier nicht mehr.
Wir beschließen, noch eine größere Strecke zurück nach Hause zurückzulegen.
Kaschubische Schweiz
Wir fahren auf der himmlisch gut ausgebauten S7 in Richtung Danzig. Nach all den rumpelig-engen Straßen in Masuren eine wahre Wohltat!
Zumindest so lange, bis wir den Großraum Danzig erreichen und die S7 wieder verlassen. Hier fahren wir von Stau zu Stau, sodass wir für die 50 Kilometer bis zum Ziel satte 90 Minuten benötigen.
Wir haben uns den Jezioro Klodno mitten in der kaschubischen Schweiz als Ziel ausgesucht. Uns erinnert die Region allerdings eher an das heimatliche Bergische Land. Viele Wälder, kurvige Straßen und ab und zu mal ein See, der bei uns zu Hause eine Talsperre wäre.
Der erste Platz, den wir anfahren, macht uns allerdings misstrauisch. Zwar schön am Seeufer gelegen, aber viel Schräge und viel Gras. Wir möchten nicht schon wieder einen Platz haben, von dem wir nicht wegkommen!
Am Camping Tamowa (--> Link) finden wir dann einen sehr gepflegten Platz etwas oberhalb des Sees vor. Und nachdem wir den Untergrund für fest genug und den Platz direkt an der Einfahrt für optimal befunden haben, genießen wir nach einem sehr anstrengenden Tag den Blick auf den golden scheinenden See unter uns.
Es ist so schön, dass Annette spontan noch schnell in den Badeanzug springt und in die untergehende Sonne hinein schwimmt. Welch ein versöhnliches Tagesende!

Momoblog am 06 Okt 2022 09:57:18



Bei den Kaschuben
Der Vormittag verfliegt regelrecht. Ich kümmere mich ums Schreiben und Hochladen des Blogbeitrags für gestern und Annette macht Fitness und Musik.
Der Tag ist schon ordentlich fortgeschritten als wir endlich den netten Campingplatz verlassen. Wir sind fast schon im Weiterreisemodus als uns die Erkenntnis ereilt, dass wir von der Kaschubei ja noch nicht wirklich viel gesehen haben. Das wollen wir zumindest noch ein wenig ändern. Beste Entscheidung des Tages!
Kaschubische Küche
Wir fahren nur ein paar Kilometer weiter nach Chmielno (das wir immer so aussprechen wie Pontius Pilatus beim Leben des Brian und darum ein Grinsen ins Gesicht bekommen).
Der nette kleine Ort, der malerisch zwischen zwei Seen liegt, wirkt schon sehr beschaulich. Viel los ist hier nicht. Aber wir kriegen daher problemlos einen Platz im Restaurant Chëcz u Kaszëbë auf der Außenterrasse unmittelbar am See. Ein Glücksfall.
Denn nicht nur erwischen wir eine ausgesprochen freundliche Bedienung, auch das Essen schmeckt richtig fein. Die Karte wartet zwar mit den uns inzwischen schon bestens vertrauten typischen Gerichten für Polen auf, dies aber in richtig leckerer Qualität. Vor allem die Kartoffelpuffer, die ich bestelle, haben eine tolle Balance zwischen knusprig und weich, ohne vor Fett zu triefen. Aber auch die Fischsuppe und das Bigos von Annette können sich sehen lassen. Empfehlung!
Live-Töpferei
Annette hat etwas von der besonderen kaschubischen Töpferkunst gelesen. Die können wir uns live in der Töpferei (--> Link) von Karol Necel anschauen.
Nachdem wir uns das Museum im Obergeschoss angesehen haben, kommen wir eine Etage tiefer in die Töpferwerkstatt und können dort dem Alltag folgen.
Karol erklärt uns, dass dies wirklich ein Familienbetrieb ist. Seit 125 Jahren sei die Töpferei in Chmielno ansässig und er würde in zehnter Generation die Töpferei führen. Von den sechs Mitarbeitern seien vier aus der Familie.
Es ist faszinierend, mit welcher Präzision der alte Töpfer an seiner Scheibe Tasse um Tasse produziert, die sich bis auf minimalste Unterschiede gleichen wie ein Ei dem anderen.
Im Untergeschoss schließlich gibt es den Brennofen und den Shop. Der alte, gemauerte Brennofen sei noch bis 1996(!) in Betrieb gewesen und musste jedes Mal für den Brennvorgang zugemauert werden. Was ein Aufwand! Im Gegenzug dazu steht der elektrische Brennofen, der seine Hitze so lange hält, dass er drei Tage später noch bei 200 Grad Celsius steht.
Wir Karol uns erklärt, ist jetzt schon tote Hose und sie würden bereits anfangen, für die kommende Sommersaison zu produzieren. Dann würden hier den Sommer über die Touristen den Laden regelrecht leer kaufen. Für uns blieben unter den Resten immerhin noch 2 Eierbecher übrig, die wir gerne mit nach Hause bringen.
Nach Norden
Wir sind durch unsere unverhoffte Entdeckung Chmielno etwas im zeitlichen Verzug. Wir entscheiden uns dazu, heute noch bis zum Slowinzischen Nationalpark am Südufer des Jezioro Lebsko zu fahren und uns die Wanderdünen von Leba für morgen aufzuheben.
Die letzten Kilometer fahren wir auf einer polnischen Version einer Single-Track-Road: Zwei Drittel der Spurbreite sind asphaltiert, der Rest ist Schotter. Anders als die höflichen Schotten sind die Polen da aber rustikaler. Die brausen mit unverminderter Geschwindigkeit auf dich zu und gehen davon aus, dass du mal eben auf den abgesenkten Schotterstreifen ausweichst. Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt: Selber weichen sie bestimmt auch bei Beibehaltung der Geschwindigkeit auf den Schotter aus. Dass das nicht immer die beste Idee ist, beweisen die zahlreichen Gedenkkreuze am Wegesrand…
Jezioro Lebsko
Wir haben uns einen Campingplatz in Izbica (ihr lest das doch auch wie Ibiza, oder?) als Ziel ausgeguckt, der am Südufer des Sees gelegen ist. Wie wir es jetzt schon gewohnt sind, ist auch hier weniger als nichts los. Niemand nimmt von uns Notiz, kommt zur Begrüßung oder will zumindest kassieren. Das hat schon Lost-Place-Qualitäten.
Dafür ist zumindest die Natur erstklassig. Zur Begrüßung ziehen gleich einmal mehrer Züge Kraniche laut trompetend über uns hinweg. Großes Kino!
Ich mache mich auf den Weg zum See und komme zu einer kleinen Anlegestelle. Leider hat man nicht den ganz weiten Blick auf den See, den ich mir hier erhofft habe, da das Ufer wieder mal verschilft ist. Aber andererseits gibt das dann auch ganz reizvolle Bilder ab. Wir haben schon schlechtere Orte für einen Sonnenuntergang gehabt.

Momoblog am 06 Okt 2022 09:58:10



#Die Dünen von Łeba
Wir hadern mit uns: Wollen wir noch den Umweg von 45 Minuten in die „falsche“ Richtung zu den Dünen von Łeba machen? Oder doch lieber weiter in Richtung Heimat fahren und Strecke machen?
Wir sind uns mit unserer Entscheidung nicht sicher, aber wir haben das Gefühl, dass es dumm wäre, die große Wanderdüne von Łeba auszulassen, wenn wir schon mal so nah dran sind.
Zunächst sieht auf dem Weg ans Meer alles danach aus als sei es die dümmste Entscheidung des Tages. Der Himmel über dem Meer sieht düster aus und wir würden uns auch nicht wundern, wenn es regnet, sobald wir dort ankommen. Dafür ist das Morgenlicht vor dem dunklen Himmel um so schöner als wir durch die wieder mal wunderbaren Alleen fahren.
##Dünentourismus
Als wir in Łeba in Richtung Düne abbiegen, sind wir vom Grad des Tourismus erst mal baff. Bude an Restaurant an Bude an Restaurant. Das könnte hier auch in Spanien sein.
Aber da schon keine Saison mehr ist, ist alles bereits mehr oder weniger verwaist und Betrieb herrscht hier schon mal gar nicht.
Als wir am Parkplatz von Rabka ankommen, ist schon mal klar, dass hier touristisch alles mitgenommen wird. Parkplatz: bezahlen. Am Eingang zum Dünengebiet ein Kassenhäuschen: bezahlen. Für den Elektrowagen, der einen zur Düne fährt: bezahlen. Und angeblich sollen sogar 20 Zloty für das Parken eines Fahrrads erhoben werden, wenn ich das Schild richtig verstanden habe. Annette meint gerade, dass es eventuell auch eine Leihgebühr sein könnte.
Man muss aber der Fairness halber sagen, dass die Preise absolut bezahlbar sind. So kostet der Eintritt in den Park gerade mal läppische 1,50 €. Es fällt nun mal einfach auf, dass hier alles noch mal extra bezahlt werden muss, was an den meisten Orten für uns bisher immer kostenlos war.
##Mit dem Fahrrad durch den Wald
Da Hunde ohnehin im ganzen Nationalpark verboten sind, schwingen wir uns zu zweit auf die Räder und fahren die Strecke durch den Wald bis zum Fuß der großen Düne Wydma Łącka.
Der Wald links und rechts von uns sorgt dafür, dass die Strecke reichlich schattig, aber auch sehr urig ist. Lediglich die Betonplatten und auf der zweiten Hälfte die mit Sand verfüllten Schlaglöcher machen nicht ganz so viel Freude.
Als wir am ersten Aussichtspunkt ankommen, gehen wir davon aus, dass wir schon einen Blick auf die Wanderdüne werfen können und sind mittelprächtig enttäuscht. Ja, das ist viel Sand und Dünenlandschaft, aber so was haben wir Holland auch schon oft gesehen. Das soll jetzt also die berühmte Düne sein? Na ja.
Aber wir stellen fest, dass wir erst den halben Weg zurückgelegt haben und die Wydma Łącka erst noch kommt. Also weiterfahren.
##Oh und Ah
Am Fuße der Düne können wir dann die Räder abstellen und sehen schon deutlich mehr Sand vor uns. Das sieht doch schon besser aus. Allerdings: so wahnsinnig hoch ist das immer noch nicht.
Erst als wir die erste Steigung im Sand genommen haben, macht es das erste Mal Klick: Da geht es ja immer noch reichlich bergauf!
Und als wir um die Ecke kommen, wird das Ausmaß des Ganzen zum ersten Mal sichtbar. Wir sind beeindruckt. Das ist schon echt viel, echt feinster Sand durch den wir uns hier nach oben arbeiten. Toll!
##Das Meer! Ach nee, der See!
Je höher man kommt, umso weiter wird naturgemäß der Blick und es wird immer mehr zum 360°-Rundblick.
Ganz der erfahrene Weltenbummler rufe ich Annette zu „Guck mal, das Meer!“ Erst mit etwas Verzögerung bemerke ich, dass die Ostsee zu unserer Rechten liegen müsste. Die Wasserfläche, die so riesig zu unserer Linken unter uns liegt, ist der Jezioro Lebsko, an dem wir die letzte Nacht verbracht haben!
##Rummel ohne Rummel
Es gibt hier viel Leute zu gucken. Kleine Kinder, die den riesigen Sandkasten zum Buddeln oder hinunterkullern nutzen. Männer, die den Sand im Laufschritt hinauflaufen. Und natürlich zahlreiche Leute, die an der Spitze der Düne das obligatorische Selfie vor dieser Wüstenlandschaft machen. Wer will es ihnen verdenken?
Aber obwohl hier wirklich (vor allem im Vergleich zu den letzten Wochen) was los ist, muss es nur ein müder Abklatsch von dem sein, was hier im Sommer los ist. Wir sind echt froh, dass wir es hier in der Nebensaison so entspannt vorfinden.
Die Fläche an der Spitze der Düne ist deutlich begrenzt durch Holzpfähle und Taue. Trotzdem sieht man auch im Sperrgebiet mehr Fußspuren als man meinen sollte. Ich glaube, meine Vermutung, dass die von Instagram-Influencern stammen, ist nicht arg so weit hergeholt.
##Endlich Meer
Unterhalb der Düne führt ein weiter Streifen Sand hinüber zum Meer. Für uns ist es jetzt wirklich seit längerer Zeit (zumindest für unsere Verhältnisse) das erste Mal Meer. Seit Schottland waren wir nicht mehr am Meer und haben es doch schon wieder sehr vermisst.
Wir genießen unser Picknick am Meer und vor allem das unglaubliche Glück, heute mal wieder entspannt im T-Shirt bei strahlendem Sonnenschein unterwegs zu sein. Ein richtig schöner Frühherbsttag.
##Der Fuchs
Als wir uns auf den Rückweg machen, stellen wir fest, dass das Gehen im Sand einem ein wenig die Relationen nimmt. Ich hatte gedacht, dass man in ein paar Minuten wieder bei den Rädern ist, aber es dauert dann doch etwas länger.
Auf den letzten Metern nehmen wir noch mal deutlich wahr, wie unaufhaltsam die Düne hier das Land verschlingt. Mit 9 Metern pro Jahr wandert sie landeinwärts und begräbt gnadenlos alles unter sich. Es sieht schon fast makaber aus, wenn man nur noch die grünen Spitzen einer Birke am Rand der Düne herausschauen sieht. Im kommenden Jahr ist sie dann komplett begraben.
Als wir zu den Rädern gehen, denke ich auf einmal, dass ich mich verguckt habe. Aber das Tier, was hier herumläuft, ist auch beim zweiten Hinsehen kein Hund, sondern eindeutig ein Fuchs. Was macht der denn hier? Und warum hat er denn nur wenig Scheu vor den Menschen?
Wenig später haben wir die Antwort auch schon gefunden: Ihm werden von anderen Touristen geschmierte Pausenbrote entgegengeworfen. Mit diesen verzieht er sich dann ein paar Meter weiter, nur um sofort noch einmal zurückzukommen: Da gibt es bestimmt noch mehr…
##Camping und Meer
Nachdem wir zum MoMo zurückgekehrt sind, fahren wir aus dem Nationalparkgebiet hinaus, damit die Hunde auch mal wieder raus dürfen. Und wie wir so da stehen, stellen wir fest, dass es uns eigentlich ganz gut gefällt im nachsaisonalen Łeba. Der große Trubel, vor dem wir uns etwas gegruselt haben, ist wohl schon länger vorbei.
Und da es hier sogar einen Strand gibt, an dem Hunde erlaubt sind (wenn auch nur angeleint) und dazu noch einen Campingplatz am Meer, beschließen wir, einfach hierzubleiben. Bei dem tollen Wetter wäre es doch eine Sünde, heute noch viele Kilometer zu fressen, wenn man stattdessen am Meer sein kann.
Wir stellen fest, dass der Campingplatz [Fly Resort] uns richtig gut gefällt und wir natürlich problemlos einen Platz bekommen, wo jeder Stellplatz sogar mit eigenem Wasser- und Stromanschluss versorgt ist. Top!
Und am Meer genießen wir Sonne, Sand und Wasser mal so ganz ohne Wind. Der macht heute nämlich Betriebsferien und lässt auch die Ostsee sanft auf den Strand plätschern. Eine echte Besonderheit ist hier der quietschende Sand. Muss man mal erlebt haben!
##Köstliches Essen und Dudeljazz
Annette hat wieder geforscht und einen absolut seltenen Fund gemacht: Sie hat bei Google ein Restaurant in Łeba gefunden, was bei über 100 Bewertungen einen Schnitt von glatten 5,0 erzielt hat: Das Przypalone muss also etwas Besonderes sein.
Wir fahren mit den Rädern in die schon ziemlich verwaiste Innenstadt von Łeba und finden die markante rote Tür schnell.
Als wir hineinkommen, sind wir von dem Mix aus modern und trotzdem irgendwie historisch gleich angetan. Das könnte gut werden. Und wir werden nicht enttäuscht. Das Essen ist besser als nur gutbürgerlich, aber nicht so Schickimicki, dass es nicht nach Polen passen würde. Fischsuppe, Kohlroulade, Zander und ein Mörder-Schokokuchen als Dessert schmecken uns richtig gut. Ich wäre versucht, für den zwischenzeitlich wahnsinnig nervenden Dudeljazz im Hintergrund einen Stern abzuziehen, aber auch wir vergeben für die freundliche Bedienung, das Anbieten und das Essen 5 von 5 Sternen. Top!
Anschließend lassen wir den Tag mit einem weiteren Strandspaziergang mit den Hunden kurz nach Sonnenuntergang zu Ende gehen. Ein wunderbarer Tag in Łeba.

Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Momoblog am 06 Okt 2022 09:59:13



Von Strand zu Strand
Gestern waren wir uns noch ganz sicher: Wir bleiben noch eine zweite Nacht hier. Passt doch alles: Strand, Ruhe, Sonnenschein.
Nach einer Nacht mit röhrenden Hirschen, einem streunenden Hund, der sich mit unseren Hunden einen Bellwettbewerb liefert und beginnendem Baustellenbetrieb am Montagmorgen sind wir uns relativ schnell einig: Och nö. Lieber weiter fahren.
Quietschender Sand
Bevor wir aufbrechen, unternehmen wir aber noch einen Strandspaziergang hier in Leba. Heute, am Montag, sind kaum Leute unterwegs und das Wetter ist immer noch freundlicher als vorhergesagt. Die Ostsee hat Schaumkronen vom etwas aufgefrischten Wind, ist aber immer noch nicht mit der Nordsee vergleichbar. Es wirkt immer noch sehr beschaulich.
Wir lieben den wirklich grandios feinen Sand hier. Auch heute quietscht er wieder außerordentlich deutlich. Das hängt laut Wikipedia (--> Link) mit der Reibung zusammen, die bei Sand mit einer ganz bestimmten Zusammensetzung dazu führt, dass er diese Geräusche erzeugt.
Reisepläne hin und her
Wir tun uns extrem schwer mit der Planung unserer Rückreise. Eigentlich würden wir liebend gerne hier bleiben. Ein paar Kilometer in Richtung Heimat wären heute auch nicht verkehrt. Aber der Strand hier gefällt uns auch super.
Wir entscheiden uns für die scheinbar vernünftigere Lösung und wählen als Kompromiss als Zielort Kolberg, was 200 Kilometer weiter in Richtung Westen liegt und wo der Strand auch schön zu sein scheint. Am Ende ärgern wir uns aber eher über unsere Vernunft. Denn mit einem Supermarkteinkauf und drei Stunden Fahrt verbringen wir den größten Teil des sonnigen Tages eben nicht an der frischen Luft, sondern fahrend im MoMo. Blöd.
Insbesondere die merkwürdige Ortsdurchfahrt durch Koszalin entpuppt sich als richtig nervig, weil es zusätzlich zu der gesperrten Schnellstraße auch im Ort selbst noch mal eine Umleitung gibt. Da ist die Top-Schnellstraße in Richtung Kohlberg dann ein wahrer Genuss.
Versöhnliches Ende
Westlich von Kohlberg finden wir dann einen durchaus feinen Parkplatz in Meeresnähe. Dieser ist zwar direkt an der Landstraße gelegen, aber der Verkehrslärm hält sich zumindest abends in Grenzen.
Durch ein kleines, dicht bewachsenes Kiefernwäldchen gelangt man zum Ostseestrand, der hier ähnlich feinsandig wie in Leba ist. Da hier noch weniger los ist als in Leba können die Hunde endlich mal wieder ohne Leine am Strand toben. Hurra!

Momoblog am 06 Okt 2022 10:00:51



Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Erneuerte Brandenburg-Liebe
Unser letzter Tag in Polen beginnt grau und regnerisch. Wir unternehmen noch einen letzten Strandspaziergang an der Ostsee, bevor wir uns auf den Weg nach Deutschland machen.+
Outlet in Stettin
Auf dem Rückweg erledigen wir, was zu tun ist: Noch einmal lecker im polnischen Supermarkt shoppen, Gas und Diesel günstig auffüllen und, ein reiner Zufallsfund: Outlet-Shoppen in Stettin.
Auf dem Weg in Richtung City gibt es eine große Mall mit vielen bekannten, aber auch einigen uns gänzlich unbekannten Marken. Wir staunen, wie leer es hier ist. Aber gemessen an der allgemeinen Wirtschaftslage ist es wohl kein Wunder, dass das Personal in den Läden sich weglangweilt und kaum jemand kommt.
Im Salomon-Geschäft mache ich meine letzte Bekanntschaft mit der rustikalen polnischen Art der Bedienung. Die Frau, die sieht, dass ich einen Schuh anprobiere, kommt zu mir und macht mir hart und wenig herzlich klar, dass ich sofort den Schuh ausziehen solle. Ich verstehe zunächst nicht und strahle sie nur an: „Der passt super!“ Ihre Mimik verfinstert sich, als ich auch noch renitent werde. Mit düsterem Blick gibt sie mir zu verstehen, dass sie jetzt aber sofort den Schuh haben wolle. Stellt sich raus: Sie wollte wissen, welche Größe es ist, um mir den zugehörigen anderen Schuh zu holen. Aber, meine Fresse: was freue ich mich darüber, dass dies mein letztes Einkaufserlebnis in Polen ist…
Templin in Regen und Sonne
Wir wollen nicht auf schnellstem Wege nach Hause, sondern noch ein paar Tage Brandenburg genießen, wo es uns bereits 2020 so gut gefallen hat. Und Templin könnte so in unser Beuteschema von kleiner, sympathischer Stadt passen.
Als wir in Regen und Dämmerung ankommen, sind wir einfach froh, nicht mehr fahren zu müssen. Und siehe da: Für unsere Stadterkundung am nächsten Tag scheint dann die Sonne.
Ich habe die Brandenburger jetzt gar nicht als so wahnsinnig herzlich wie die Rheinländer in Erinnerung. Aber tatsächlich fällt es uns einfach auf, dass hier auf einen freundlichen Gruß auch freundlich reagiert wird, dass ein Lächeln erwidert wird und man sogar völlig unvermittelt einen kleinen Schwatz halten kann.
Klar gibt es mit dem Polnischen die Sprachbarriere, die unser Problem ist und nicht das der Polen. Aber wir merken, wie wohl es tut, wenn einen Leute nicht mehr aktiv nicht sehen wollen, wie wir es ein ums andere Mal in den vergangenen Wochen beobachtet haben.
Und insofern fühlen wir uns im etwas verschlafenen Templin mit seinen netten Stöbergeschäften einfach sofort wohl und es setzt ein wohliges Zuhause-Gefühl ein, das wir sonst nach unseren Reisen so nicht kennen.
Kraniche beobachten deluxe
Nach einer kleinen Wanderung an den vielen Seen rund um Templin und einem Wild Swimming im Regen für Annette geht es weiter mitten durchs schöne Brandenburg.
Unser Ziel ist Linum, wo es am dortigen Teichland einen schönen Parkplatz am Wasser geben soll.
Was wir gar nicht so sehr auf dem Schirm haben: Anscheinend ist hier ein absoluter Hotspot (--> Link), um Kraniche zu beobachten. Wir sind auf jeden Fall schon abends beeindruckt, wie viele Vögel da über uns am Himmel zu sehen sind. Beeindruckend.
Das ist jedoch nichts im Vergleich zum morgendlichen Spektakel. Und wie sich herausstellt, haben wir einen wunderbaren Platz gefunden, um es zu beobachten.
Die ersten Kraniche machen morgens mit ihren Oldtimer-Hupen-Rufen bereits einen solchen Lärm, dass es mich aus dem Bett treibt. Gottseidank! Denn was ich draußen vor dem Womo erlebe, ist dann um ein vielfaches eindrücklicher. Aus allen Richtungen hört man es trompeten und immer wieder fliegen große Züge von Kranichen über uns hinweg zu ihren Futterplätzen für den Tag. Sensationell!
Riesenschwärme
Wie wir recherchieren, ist jetzt, Ende September, sogar erst der Beginn der Saison und schon ab Mitte Oktober werden sich die Zahlen hier noch einmal locker verzwei- oder dreifachen.
Auf einer Radtour in Richtung Kuhhorst auf der Suche nach den Kranichen werden wir fündig. Auf einmal sehen wir weit weg ein großes Spektakel. Tausende von Kranichen fliegen auf und bewegen sich kollektiv in unsere Richtung, wo sie sich in immer noch gebührendem Abstand dann niederlassen. Wir stehen einfach nur da und beobachten das Treiben der Tiere. Es fühlt sich ein bisschen wie Safari im Krügerpark an – nur, dass wir das hier vor der Haustür haben und es keine Big Five zu finden gibt. Wir sind trotzdem mehr als happy!
Hohennauener See
Wir fahren wieder ein Stückchen weiter und landen am Hohennauener See im Örtchen Hohennauen. Die Ortsnamen hier sind übrigens Weltklasse: Auf dem Weg hierhin kommen wir durch Kotzen und das Nachbardorf heißt Wassersuppe. Guten Appetit!
Wir erleben hier noch mal richtig schöne Sonnenuntergänge. Und als wir am nächsten Tag den See entlang spazieren, landen wir in Wassersuppe, wo man tatsächlich einen Stellplatz direkt am See haben kann. Wir parken noch einmal um und genießen einen letzten sonnigen Nachmittag, bevor sich die Heimreise dann endgültig nicht mehr aufschieben lässt.
Wir sind von Brandenburg aber wieder, genau wie in 2020, sehr angetan und nehmen uns fest vor, demnächst wieder hier vorbeizuschauen.

traveller69 am 07 Okt 2022 09:05:54

Hallo Michael,
wow, vielen Dank für den tollen Bericht! Morgen wollten wir eigentlich nach Sylt/Rømø starten und sind jetzt fast schon dabei, doch weiter nach Osten abzudrehen, um die Kraniche zu sehen ;)
Das wäre jedenfalls auch genau unser Ding!

Momoblog am 07 Okt 2022 10:04:50

traveller69 hat geschrieben:Morgen wollten wir eigentlich nach Sylt/Rømø starten und sind jetzt fast schon dabei, doch weiter nach Osten abzudrehen, um die Kraniche zu sehen ;)
Das wäre jedenfalls auch genau unser Ding!


Dann mach das bitte, Torsten! Es war ein fantastisches Erlebnis und es wird durch das Trompeten der riesigen Kranichzüge wirklich unvergesslich.

Wir können Linum absolut empfehlen - es soll dort jetzt gerade die absolute Hoch-Zeit sein. Ich kann mir zwar kaum vorstellen, dass es noch mehr Kraniche sein werden, aber so soll es sein.

Ebenfalls empfehlenswert wäre anschließend der Müritz-Nationalpark mit Ranger-Tour zum Kranicheinflug am Abend. --> Link Absolut lohnenswert!

Danach könnt ihr ja immer noch überlegen, ob ihr das Kranich-Triple am Darß vollendet oder doch noch Richtung Nordsee abbiegt...

Liebe Grüße
Micha

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