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Stena-Fähre Travemünde-Liepaja


skandis am 18 Dez 2022 17:12:10

Hallo

Wir spielen mit dem Gedanken nach vielen Jahren Skandinavien nun mal ins Baltikum zu reisen.
Hat jemand in letzter Zeit Erfahrungen mit der Stena Line von Travemünde nach Liepaja gemacht?
Und wann kommt der Fahrplan für den Sommer raus?

Danke für eure Rückmeldungen und allen noch eine schöne Vorweihnachtszeit.

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malefiz am 18 Dez 2022 23:43:47

Eine Alternative ist Kiel - Klaipeda und von Tallin zurück.

Trashy am 19 Dez 2022 10:45:20

Alles gut.
Nur im Restaurant herrscht Kantinenbetrieb, kein Buffett im eigentlichen Sinne.
Die Schlange geht bis zum Heck..

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Armin43 am 19 Dez 2022 11:26:33

Hallo
Wohnmobile sind nur Beifang.Das "Sonnendeck" haben wir im August 22 nur durch Zufall gefunden, also keine Schilder.
Auf das Schiff kommt alles rauf was Räder hat , egal ob rückwärts oder vorwärts.
Essen gewöhnungsbedürftig und man sitzt halt zwischen den LKW Fahrern (nicht negativ).
Bei Ankunft wird der Weg runter ans Parkdeck erst beim festtäuen freigegeben .
Wir standen ziemlich vorne und es gab Stress damit wir schnell von der Fähre kommen und nichts blockieren.
Unsere Eindrücke.
Gruß
Armin

Sauerbraten am 19 Dez 2022 20:40:07

Hallo Claudi u Jürgen, wir waren auch im August 22 dabei. Fähre schien gerade neu überholt, Kabine und überhaupt alles top sauber und ordentlich. Personal immer freundlich und hilfsbereit, das Essen fanden wir gut und lecker, die Bar recht preiswert und angenehmes gemischtes Publikum. Viele Sitzgelegenheiten und ohne "Verzehrzwang". Beim Rausfahren mussten wir ebenfalls ein Stück zurücksetzen aber selbst mit Anhänger kein Problem. Wird eben jede Ecke ausgenutzt, sooo groß ist sie halt auch nicht. Wir empfanden die Überfahrt als sehr angenehm und haben die 20 Std. gut rum bekommen, Preis war auch o.k.. Das Baltikum war für uns ein echtes Highlight, das machen wir bestimmt nochmal.

Fahrplan weiß ich leider nicht, mußt halt zwischen den Tagen immer mal schauen.

Sauerbraten am 19 Dez 2022 20:55:04

Noch vergessen:
Auf dem Sonnendeck einige Sitzgelegenheiten und auch einige Liegen.

skandis am 20 Dez 2022 19:43:47

Hallo zusammen

Erst mal vielen Dank für die Auskünfte.
Hab heute auch selbst bei Stena angerufen, die jedoch nicht wissen, wann der Sommerfahrplan rauskommt.

Wir waren noch nie im Baltikum, es würde uns schon reizen. Jetzt schauen wir mal über die Feiertag, ob sich fahrplantechnisch was tut.

Grüße an alle und schöne Weihnachten.

Sauerbraten am 20 Dez 2022 20:27:40

N'abend, da macht ihr bestimmt nix verkehrt. Vieles mutet dort immer noch ein bisschen russisch/ sozialistisch an das stimmt schon. Das sollte euch aber nicht schrecken, wir fandens einfach toll.
Wir wünschen ebenfalls schöne Feiertage.

dietmardd am 21 Dez 2022 03:12:14

Vieles mutet dort immer noch ein bisschen russisch/ sozialistisch an das stimmt schon.


Es gibt wohl kaum Osteuropäer, die sich wie Letten, Litauer und Esten mehr von ihrer erzwungenen sozialistischen und russischen Besatzung distanzieren. Das Baltikum wurde 1939 von der Sowjetunion militärisch erobert (im Zug des Hitler-Stalin-Pakts). In der kurzen Zeit bis zur dt. Besetzung Mitte 1941 hat die Sowjetunion ca. 20 ... 25 % der Bevölkerung ermordet. Niemand hasst die Russen mehr als die Balten - die Russen in Russland, wie die Russen im eigenen Land.

Allerdings haben die Balten eine Altlast aus dieser Zeit. Um ein Land dauerhaft zu beherrschen, muss man eigene Bevölkerung ansiedeln und genau das wurde in der Sowjetunion mit der millionenfachen Ansiedelung von Russen gemacht. Diese Russen gibt es noch heute und sie wirken als 5. Kolonne Moskaus. Während zu Sowjetzeiten in Verwaltung, Politik und Leitung der Wirtschaft fast nur Russen arbeiteten, haben die Balten nach der Unabhängigkeit den Spiess umgedreht und die Russen von allen verantwortlichen Positionen, aber auch von allen anderen Stellen bis hin zur Putzfrau verdrängt. Es gibt nur noch sehr wenige Wirtschaftszweige, die von Russen beherrscht werden, z.B. Tankstellenkette Lukoil, die gesamte Wirtschaftskette zu Bernstein und die meisten Juweliere. Außerdem besetzen noch ein paar Hundert Russen den Notbetrieb des stillgelegten Kernkraftwerkes Ignalina in Litauen. Die zugehörige Stadt wird praktisch nur von Russen bewohnt. Das gleiche gilt für ehemals abgeschottete Städte in den 3 Baltenrepubliken, in denen bis heute fast nur Russen wohnen. Auch Narva direkt an der Grenze zu Russland hat zu 95 % russische Einwohner. In diesen Städten wurde fast nichts investiert und so wirken sie wie Relikte aus der Vergangenheit.
Ein großer Teil der Russen ist staatenlos, da nur der die neue Staatsbürgerschaft erhält, der die Landessprache spricht und die beherrschen die allermeisten Russen nicht und wollten diese auch in den letzten über 30 Jahren nicht lernen. Am liebsten wäre den Balten, wenn die Russen zurück nach Russland gehen würden, aber Russland nimmt seine Landsleute nicht auf, weil diese doch eine 5. Kolonne sein sollen und Russland einen Kriegsvorwand braucht, um bedrohte Russen im Baltikum zu befreien. Allerdings würden die Balten aufgrund ihrer Erfahrungen bis aufs Äußerste ihr Land verteidigen. Im Baltikum gibt es endlose Wälder für den Partisanenkampf. Nach dem 2. Weltkrieg ging der bewaffnete Partisanenkampf bis 1972.

Diese fast rein russischen Städte sehen aus wie in die Jahre gekommenen Sowjethäuser, meist aus weißen Ziegeln gebaut. Ich empfehle, nicht in der Nähe dieser russischen Städte zu übernachten. Die meisten Russen sind wegen der fast totalen Ausgrenzung bitterarm und Womos wäre eine große Versuchung.

Es gibt auch noch Ruinen von Kolchose-Bauten und ehemaliger sozialistischer Großbetriebe.

Aufgrund dieser Vergangenheit ist es für Touristen der größte Fehler, Kontakte mit Balten in russischer Sprache zu versuchen - außer bei Juwelieren, an Lukoil-Tankstellen und bei Pilze- und Beerensammlern (fast immer Russen). Im besten Fall werdet Ihr ignoriert, im schlimmsten Fall werden die Balten handgreiflich.

Dagegen sind Deutsche bei Balten sehr beliebt, vor allem in Lettland und Estland. Dort können noch viele Ältere Deutsch und viele Jüngere hatten Deutsch in der Schule gelernt und z.T. sind neu gebaute Holzstege durch Sümpfe auch in Deutsch ausgeschildert. Zum Teil sind die Speisekarten in Lokalen auch in Deutsch. Die Litauer sind aus geschichtlichen Gründen eher Polen-affin, denn es gab lange Zeit ein Doppelkönigtum.

Am schönsten war für uns Estland, danach Litauen und zum Schluss mit etwas Abstand Lettland, das etwas den Anschluss verloren hat. Alle 3 Hauptstädte sind sehr sehenswert, zumindest die historischen Stadtzentren und diese sehr schön restauriert. Auch einige kleinere Städte sind einen Besuch wert. Die meisten dt. Touristen kommen mit dem Flugzeug und sehen nur die Hauptstädte, aber die baltischen Länder haben sehr viel mehr zu bieten. Für Geschichtsfans gibt es auf dem Land viele Bauten aus der Kreuzritterzeit, denn das Baltikum war ca. 800 Jahre deutsch bzw. deutsch besiedelt. Die Kreuzritterbauten stammen aus der Zeit knapp nach 1200, insbesondere Kirchen und Burgen und einige wurden für den Tourismus aufgehübscht. Auch die Natur ist sehenswert, darunter die touristisch erschlossenen Moore und die Ostseeküste. In Estland macht die Ostsee mehr den Eindruck eines Binnenmeers, z.T. mit Schilf an den Ufern und fast ohne Brandung. Auch die Insel Saaremaa ist sehenswert. Wir haben im Baltikum oft direkt an der Küste übernachtet. In Lettland liegt der angeblich nördlichste Weinberg Europas.

Wie waren zweimal mit dem Wohnmobil im Baltikum, aber nicht per Schiff, sondern auf dem Landweg quer durch Polen. Von Dresden aus sind es ja nur ca. 100 km bis zur polnischen Grenze und ca. 1000 km bis Litauen. Das schafft man bequem in 2 Tagen. Auch für Berliner ist der Landweg überlegenswert. Achtung: Einige polnische Autobahnen sind inzwischen mautpflichtig. Die Autobahnen im Baltikum waren zwar auch mautpflichtig, aber nicht für Womos. Interessant war auch die Fahrt durch Polen. Bei der ersten Durchfahrt war Polen wie das Klischee, verwahrloste Häuser und Gärten. Fünf Jahre später war ein sehr großer Teil Polens deutscher als Deutschland - restaurierte Häuser und gepflegte Gärten.

Nebenstraßen sind im Baltikum oft noch Pisten, z.T. mit Waschbrettoberfläche. In Lettland waren auch viele Asphaltstraßen eine Hügellandschaft. Man sollte auf Pisten und lettischen Straßen deshalb sehr geruhsam fahren. Aber das Straßennetz, zumindest die Hauptstraßen werden in großem Maßstab mit EU-Mitteln erneuert.

Im südlichen Baltikum gab es Unmassen Pfifferlinge, im Norden fast nur Röhrenpilze, letztere in Unmassen auch direkt am Straßenrand und meist madig. Allerdings sollte man unbedingt einen Kompass oder einen GPS-Trecker mitnehmen, damit man wieder aus dem Wald heraus findet.

skandis am 03 Jan 2023 00:18:19

Hallo zusammen und allen ein gutes neues Jahr

Die Pläne ins Baltikum zu fahren werden konkreter.
Wir haben immerhin schon mal eine Landkarte und Reiseführer.
Von Stena haben wir jetzt den Hinweis bekommen, dass der Fahrplan im Laufe des Monats Januar kommt.

Auch dank eurer interessanten Hinweise und Berichte wird es wohl im Juni eine Reise ins Baltikum hinauslaufen.
Wir werden berichten.

Sauerbraten am 03 Jan 2023 00:32:59

Sehr gut , wird euch bestimmt gefallen, bin mal gespannt.

skandis am 05 Jan 2023 17:44:10

So wir haben es getan.

Gestern ging der Fahrplan der StenaLine auf und wir haben nun die Hinreise mit StenaLine und die Rückreise mit dfds gebucht.
Somit können wir uns eine Meinung zu beiden Routen bilden und werden hinterher berichten.

Baltikum wir kommen.

trevor2 am 13 Jan 2023 19:05:18

Tere Ihr beiden,

Ihr werdet es nicht bereuen! Die drei Länder sind wunderschön und gleichzeitig sehr unterschiedlich. Entweder es packt einen oder nicht. Die, die es packt, kommen meistens wieder.

Wir sind 2014 zum ersten Mal dort gewesen ( --> Link und seitdem jeden Sommer. Weitere Berichte findet Ihr unter anderem hier --> Link
Seit vier Jahren haben wir ein kleines Grundstück auf Saaremaa direkt am Meer und Estland ist zu unserem Zweitzuhause geworden.
Wir nehmen immer die DFDS-Fähre Kiel-Klaipeda wegen der komfortableren Hundesituation. Freunde von uns fahren immer mit STENALine. Die Fähren und der Comfort tun sich nicht viel. Sind beides eben in erster Linie LKW-Fähren, was für mich persönlich den Charme ausmacht. Wir haben in all' den Jahren schon sehr nette Gespräche mit Truckern auf der Fähre gehabt...

Was dietmardd schrieb, kann ich teilweise teilen, teilweise überhaupt nicht. Kein Mensch aus LT, LV oder EE wird Euch angreifen, nur weil Ihr sie in Russisch ansprecht. Dazu sind sie viel zu zurückhaltend und höflich. Trotzdem gehört es sich aufgrund der leidvollen Okkupationsgeschichte nicht und ist ja auch garnicht nötig. Fast überall könnt Ihr Euch mit Englisch durchfragen, mitunter sogar mit Deutsch (viele junge EstInnen haben Deutsch in der Schule gelernt als 2. Fremdsprache, einige alte Menschen können noch Deutsch von früher).

Beileibe nicht alle RussInnen werden aus ihren Ämtern gedrängt oder komplett verachtet. Z.B. der Bürgermeister von Riga war (ist???) Russe und zB. bei uns auf Saaremaa sind sie gerne gesehene TouristInnen, die bis zum Ukrainekrieg viel Geld in die Hotel- und anderweitigen Tourismusbetriebskassen gespült haben. Es wird sehr viel für die Integration der russischen Bevölkerung in LV und EE getan. In Estland und speziell in Narva hat sich in den letzten Jahren viel getan und es gibt mittlerweile viele gute Einbürgerungsprogramme. In Narva leben nur 3% EstInnen, der Rest RussInnen. Es ist die russischste Stadt Estlands. Auch am Peipsi järv leben überwiegend RussInnen. In LV sind das Daugavpils und besonders die Region im Osten/Südosten von Lettland. Es ist kein Problem als Deutsche mit Womo dort durchzureisen und zu übernachten. In Städten übernachten wir sowieso immer auf CP/Stellplätzen, in Deutschland aber auch.

Wenn Ihr noch Tipps für Eure Reise braucht, meldet Euch oder schaut auf meine Homepage.
Viel Spaß bei der weiteren Planung! Das ist für mich immer schon große Vorfreude... :ja:

LG, Anne von der Trevorcrew

skandis am 22 Jan 2023 17:48:56

Hallo Anne und Rest der Crew

Vielen Dank für eure netten Worte.
Wir freuen uns sehr aufs Baltikum und lassen alles auf uns zukommen.
Wir wollen auch auf "eure" Insel kommen und würden uns dann mal melden.

Eine gute Zeit, bis dann

trevor2 am 22 Jan 2023 17:55:45

Hallo Ihr zwei,

na, da bin ich ja gespannt wie es Euch gefällt!
Wann fahrt Ihr denn und wie lange habt Ihr Zeit?
Ihr könnt Euch gerne melden, wenn Ihr nach Saaremaa kommt.

Jetzt Euch erstmal viel Spaß bei der Planung! Das ist ja auch schon immer eine Zeit der Vorfreude!

Tervitused, Anne von der Trevor Crew

Energiemacher am 15 Apr 2023 01:09:01

Hallo,

weiß zufällig jemand wie es auf der Verbindung mit Stenaline von Travemünde nach Liepaja mit der Stromversorgung auf dem Autodeck aussieht?
Besteht dort die Möglichkeit das Womo anzuschließen?

24h ohne Energiezufuhr ist schon eine Herausforderung für den Kühlschrank.

Wir werden die Stena Livia und auf dem Rückweg die Stena Flavia nutzen.

Grüße

trevor2 am 15 Apr 2023 07:25:07

Stromversorgung gibt es auf allen Fähren ins Baltikum nicht.

Vorher schon Kühlschrank packen und ordentlich runterkühlen, kurz vor Abfahrt gefrorene Plastikflaschen überall dazwischenstecken und dann den Kühlschrank nicht mehr öffnen bis zur Ankunft. Dann fahren wir ja immer gleich noch paar Stunden weiter, bis wir übernachten. Und da haben wir dann Strom und öffnen den Kühlschrank erst zum ersten Mal.

Wenn Ihr ein modernes Womo mit Gasnutzung während der Fahrt habt, ist es ja noch einfacher. Dann einfach gleich anmachen, wenn Ihr von der Fähre runter seid.

Hat bei uns bisher immer gut geklappt, selbst wenn das Womo draussen auf dem Oberdeck in der Sonne stand.

Gute Reise! Wann startet Ihr?

Energiemacher am 15 Apr 2023 17:10:12

Das ist natürlich schade.

Früher konnte man auf den versch. Fähren nach Skandinavien Strom bekommen.
Teilweise sogar schon mit der Buchung bestellbar......aber die Zeiten waren dann auch von jetzt auf gleich vorbei. Schade eigentlich.

Wir werden uns dann etwas einschränken und nur die Kompessor-Box nutzen. Die hält auch mit dem Aufbauakku locker 24h durch.

Unsere Fähre geht am 11.05 um 20:00 Uhr.


Grüße

dietmardd am 15 Apr 2023 18:52:26

24h ohne Energiezufuhr ist schon eine Herausforderung für den Kühlschrank.


In Städten im Baltikum gibt es Kaufhallen mit einem Angebot wie in Deutschland. Die Preise lagen geringfügig höher als bei Lidl/Aldi, aber sehr viel niedriger als in Skandinavien. Teurer als bei uns sind meist Importe aus westlichen Ländern. Es ist deshalb nicht erforderlich, mit vollem Kühlschrank dorthin zu shippern, denn Ihr könnt den Kühlschrank im Ankunftsort füllen. Wir fahren aber auch immer auf dem Landweg quer durch Polen ins Baltikum.
In Kleinstädten ist das Angebot etwas eingeschränkter, aber man muss nicht darben. Beim ersten mal mit dem Wohnmobil fuhren wir auch mit vollem Kühlschrank, aber es war nicht erforderlich. In ländlichen Gegenden kommt man dagegen nicht so oft an einer Einkaufsmöglichkeit vorbei und ein Notvorrat von einigen wenigen Tagen ist da sehr sinnvoll.
Die Gaststättenpreise sind z.T. nur halb so hoch wie in D, aber außerhalb von Städten sind Gaststätten rar gesät.

Wer Weinliebhaber ist, sollte sich aber einen kleinen Vorrat mitnehmen, da wir damals in den Kaufhallen fast nur spanische Weine (meist rot) gesehen hatten und wir sind Weißweintrinker.

Guckt Euch aber nicht nur die Hauptstädte an. Jede ist anders. Vilnius eher polnisch, Riga in hanseatisch und Jugendstil und Tallinn hanseatisch. Es gibt in den baltischen Ländern viele Hinterlassenschaften der Kreuzfahrer und der dt. Besiedelung (bis zum ersten Weltkrieg vor allem in Lettland und Estland): Manche Städtchen kurz vor Russland haben eine dt. Architektur und es gibt noch einige Herrenhäuser und Schlösser. In Estland hat uns vor allem die Insel Sarema gefallen. Die einzige Stadt auf Sarema ist Arensburg (=Kuressaare), einst eine dt. Stadt im Kurortstil, aber auch mit Sehenswürdigkeiten von den Kreuzrittern und später, z.T. in Deutsch beschriftet. Ansonsten gibt es Unmasse Natur, vor allem Wälder, Seen und Moore. Man braucht nirgends einen CP/SP, es sei denn für Frischwasser und zur Entsorgung.

Ich kenne ja das Baltikum seit ca. 50 Jahren. Zu Sowjetzeiten fuhr ich im Rahmen des Studentenaustausches (als Student, später als Betreuer) ins Baltikum, da die TU Dresden dort eine Partneruniversität hatte. Ich kenne deshalb seitdem im Groben die Entwicklung seit ca. 50 Jahren aus eigener Erfahrung inklusive Absurditäten in Sowjetzeiten. Alle Balten waren schon immer sehr deutschfreundlich, insbesondere in Lettland und Estland. Seit der Unabhängigkeit pflegen die Balten ihre Traditionen und bauen eine neue staatstragende Identität auf, z.B. Verehrung der örtlichen Dichter, Singebewegung zur Pflege eigener Volkslieder. Wir waren mal zu einem solchen Festival mit zigtausenden Zuschauern wie sonst in D bei Rockkonzerten. Lettland und Estland gibt es noch nicht lange, kurz zwischen den beiden Weltkriegen und dann seit der Unabhängigkeit nach dem Zerfall der Sowjetunion. Für eine Staatsidentität abseits der russischen bzw. sowjetischen Fremdherrschaft werden auch die historischen Traditionen der dt. Besiedelung seit den Kreuzrittern gepflegt. Die damaligen Deutschen werden nicht als Fremdherrscher angesehen. Zum Beispiel kamen die Esten erst später in das damals dt. besiedelte Gebiet und die dt. Vergangenheit wird etwas verklärt.

Energiemacher am 15 Apr 2023 21:46:36

Mir ist klar, dass man auch im Baltikum Lebensmittel kaufen kann. :ja:
Das werden wir auch tun, denn es gehört für uns dazu auch mal neues in den Geschäften zu kaufen, was man aus der Heimat nicht kennt.

Trotzdem haben wir immer ein paar "Grundnahrungsmittel" dabei die wir mögen.
Die Kompressorbox benutzen wir üblicherweise nur für Getränke und empfindliche Lebensmittel (wie Bier :lach: ).

Wir sind sehr gespannt, was wir so in Lettland und Estland erleben werden und wie es uns gefallen wird.


Grüße

trevor2 am 15 Apr 2023 22:30:58

Es bietet sich an, gewisse Lebensmittel mitzunehmen, weil es die vor Ort nicht oder nur sehr selten gibt. Dazu gehören zB. Produkte für Glutenallergiker*innen und Biolebensmittel. Wir auf Saaremaa sind da schon priviligiert, dort gibt es sowohl vegane Nahrungsmittel als auch von Jahr zu Jahr mehr Bioprodukte. Das ist aber im restlichen Estland (Ausnahme Tallinn und Umzu) eher die Ausnahme. Wird auf dem platten Land in LV ähnlich sein, Riga ist sicher auch besser ausgestattet mit allem. Eine gute Anlaufstelle ist dafür neben Bioläden, die es vereinzelt schon gibt, zB. auch der RIMI, eine Supermarktkette (vergleichbar Edeka), die es in allen drei Ländern gibt und die mittlerweile sowohl glutenfreie (Müsli, Nudeln, Mehl) als auch viele laktosefreie und vegane Produkte führt und jetzt auch immer mehr Bioprodukte.

Bier hingegen muss man nicht mitnehmen - nur auf dem Rückweg mit zurück. ;) Es gibt in EE und LV viele tolle kleine Craftbierbrauereien mit äußerst schmackhaften Biersorten.

Der Hauptort auf Saaremaa heisst seit über 30 Jahren wieder Kuressaare. Die Deutschen sind dort wie im restlichen Land Geschichte! Wenngleich sie besonders bei vielen Est*innen hoch im Ansehen stehen und man deshalb als Deutsche/r dort fast überall gern gesehener Gast ist.

Energiemacher, Euch eine tolle Reise! Vielleicht sehen wir uns auf Saaremaa? Wir starten am 18.05. ab Kiel und sind ab 20.05. auf Saaremaa. Besuchsbereit allerdings erst paar Tage später, müssen erstmal ankommen und klar Schiff machen bei uns. :) ;)

Energiemacher am 15 Apr 2023 22:48:16

trevor2 hat geschrieben:Energiemacher, Euch eine tolle Reise!

Vielen Dank.
Sind wirklich sehr gespannt und voller Vorfreude.

trevor2 hat geschrieben:Vielleicht sehen wir uns auf Saaremaa? Wir starten am 18.05. ab Kiel und sind ab 20.05. auf Saaremaa. Besuchsbereit allerdings erst paar Tage später, müssen erstmal ankommen und klar Schiff machen bei uns. :) ;)


Prinzipiell SEHR gerne!
Wir müssen allerdings am 28.05 wieder in Liepaja am Anleger sein um die Rückfahrt anzutreten.

Ich kann jetzt noch nicht genau sagen, wie unser Routenverlauf sein wird.
Aber wenn sich spontan etwas ergibt, würden wir uns freuen.

Können ja unterwegs nochmal Kontakt aufnehmen und schauen ob es irgendwie passt. :-)


Grüße

trevor2 am 15 Apr 2023 22:49:50

Macht das.
Euch auf jeden Fall eine wunderbare Reise mit vielen schönen Eindrücken und tollen Begegnungen!

peenekajak am 16 Apr 2023 08:18:42

Der deutsche Orden , die Hanse und später die Deutschbalten waren viele Jahrhunderte für das Baltikum sehr prägend und maßgeblich an der Entwicklung . Bekanntlich wurde der deutsche Orden erst bei der Schlacht auf dem zugefrorenen Peipussee bei der Ausbreitung nach Osten gestoppt .
Heute sind die 3 Staaten wohl sehr Nationalistisch eingestellt aber als Touris haben wir davon nichts gemerkt . Auch die Begegnung mit den dort lebenden Russen waren positiv und herzlich .
In vielen kleineren Orten gab es auch noch kleine Konsumläden wo es das Nötigste gab - auch immer viel Wodka . Öfter gabs zu Mittag auch mal Bortsch und auch Kwass zum trinken , wobei uns vor allem die preiswerten Sorten etwas übersüsst waren . Rote Beete Salate gibts auch oft . Mit Kefir und einem Löffel Zucker verfeinert ergibt das kalt serviert im Sommer eine erfrischende Suppe
Mehr Schwierigkeiten gabs beim Kauf von gutem Graubrot , da hatten wir weniger eine glückliche Hand .
In manchen Gegenden war das Trinkwasser etwas braun und mufflig oder auch gechlort , haben uns dann einen 5l Kanister Wasser gekauft und später auch immer als Reserve mit .

Gute Fahrt

trevor2 am 16 Apr 2023 09:38:33

Der Nationalismus in Estland (in den beiden anderen Ländern sicher ähnlich) ist ein vollkommen anderer als zB. der in Deutschland. Die Est*innen sind einfach so glücklich, endlich nach so vielen Jahrhunderten Unterdrückung (Deutschbalten) und vielen Jahrzehnten Okkupation (Sowjets und Nazis) ein freies eigenständiges Land zu sein. Und das ist ihnen sehr wichtig und wird mit der Pflege ihrer eigenen Sprache und vielen Traditionen (nationale und regionale Sängerfeste, Feier des Unabhängigkeitstages (24.02.) und des Tages der Wiedererlangung der Unabhängigkeit (20.08.)) regelmäßig gefeiert.

Der große und entscheidende Unterschied zum deutschen Nationalismus ist, dass es einfach ihr Stolz auf ihr kleines Land ist und dass sie damit eben andere Nationen NICHT ausschließen, sprich andere Nationen nicht für 'weniger wert halten. Das macht nur ein kleiner Teil der Est*innen, der wie hier die AfD rechtes Gedankengut mit dem Nationalismus verknüpft.

Die Speisen, die Du aufgeführt hast, peenekajak, sind überwiegend in der russischen Minderheit beliebt (Kwas, Bortsch, u.a.m.). Die kalte Rote-Beete-Suppe, die bei Lett*innen und Litauer*innen besonders beliebt ist (Estland eher weniger, nur in den russischen Gegenden) müsst Ihr unbedingt mal probieren. Gibt es zB. im lettischen Freilichtmuseum in Riga, genau wie Pfannkuchen, der auch in Estland sehr beliebt ist. Den besten Pfannkuchen haben wir bisher im Teelistemaja in Anseküla auf Saaremaa gegessen.

trevor2 am 16 Apr 2023 09:51:45

Speziell auf Saaremaa gibt es viele Köstlichkeiten mit kadakad (Wacholder). Vom dort hergestellten Gin (Lahentagge) bis zu Senf (Mustjala Mustard, Birgit Kutzera, Pahapilli, im Norden der Insel auf dem Weg zum Panga Pank) oder Sirup/Essig (Orbu Talu in Leedri, Westen der Insel). Ausserdem Seife mit kadakad, u.a.m.
Das zweite, was kulinarisch die Insel prägt, ist ein besonderer Fisch, der in den Sommermonaten dort gefangen werden kann. Es handelt sich um 'lest' (eine Art kleine Flunder). Schmeckt aber ganz anders, aber hat viele Gräten. Entweder man mag es oder nicht. Ich liebe lest!!! Ihr kriegt ihn direkt bei Fischern in den zahlreichen kleinen Häfen oder im Fischladen im Auriga (riesiges Einkaufszentrum direkt links am Kreisel, wenn Ihr von der Fähre/Muhu nach Kuressaare kommt) in Kuressaare.

wolfherm am 16 Apr 2023 10:14:53

:thema: :thema:

Kommt mal wieder auf das ursprüngliche Thema zurück.

trevor2 am 16 Apr 2023 11:05:53

Wolfgang, Du hast absolut recht!

skandis am 02 Jul 2023 12:31:05

Hallo zusammen

Wir sind wieder zurück aus dem Baltikum und haben wundervolle Tage dort verbracht. Wir werden die drei Länder bestimmt mal wieder bereisen.
Zum Thema Fähre:
Die Verbindung Travemünde-Liepaja fanden wir recht praktisch, da wir an der Küste hoch fuhren (Kap Kolka, Riga, Saarema....) udn durchs Landesinnere zurück (zurück dann Fähre Klaipeda-Kiel).
Die Kabinen und das Schiff selbst waren sehr sauber und gepflegt. Das Verpflegungsangebot völlig ausreichend und preislich im Rahmen. Der Bordshop ist ziemlich klein.
Das Flair mit den vielen LKW-Fahrern hat etwas. Wir haben uns wohl gefühlt.
Beim Ein- und Ausfahren mussten wir rangieren, absolut kein Problem mit dem Personal.
Auf den Aussendecks gabs bei unserer Reise (leichter Wellengang) leider nur sehr wenig Sitzmöglichkeiten.

Fazit: Würden wir weiterempfehlen.

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