Wir haben vor einem Jahr angefangen, die Reise zu planen und haben hier einen neuen Thread erstellt:
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Ich würde es also gerne auch als eine Art Einsteiger-Reisebericht nutzen und versuchen zu erklären, was für Hürden es gab.
Zu uns:
wir sind eine 4-köpfige Familie aus Baden-Württemberg (2 Erwachsene in den 40ern, Kinder: Mädchen 12 und Junge 9) ohne eigenes Wohnmobil.
Wir haben schon 3-4mal mit den kleinen Kindern Urlaub im Mobil-Home gemacht und es hat uns immer gefallen.
Wobei hauptsächlich meine Frau auch mal entspannten Strandurlaub mag und wir die letzten 3 Jahre dann "normalen" Pauschalurlaub gemacht haben.
Gereizt hat uns ein Wohnmobil-Ausflug immer, aber es war uns auch schlicht zu teuer. Letztendlich gibt es ein paar Tipps, mit denen man nicht teurer ist als im Pauschalurlaub oder sogar wesentlich günstiger Urlaub machen kann. Dazu mehr siehe (Preise).
Reiseroute / Strecke:
Wir hatten 3 Wochen + Wochenende Zeit und wollten bis Portugal kommen über Gardasee, Monaco, Barcelona, Valencia, Gilbraltar, Portugal und zurück.
Dann haben wir uns zusammen gesetzt und konkret die Route geplant.
Als wir die Route konkreter berechnet haben, ist uns aufgefallen, dass wir nach 2 Wochen erst in Barcelona sind.
Also haben wir die Route herumgedreht, direkt durch Frankreich durch mit 1-2 Übernachtungen und wir wollten am 2. / 3. Tag am Atlantik sein.
Nach reichlicher Überlegung und Tipps haben wir beschlossen, dass wir noch für die Kinder 5 Tage an einem Kinder-Campingplatz zubuchen wollen.
Also 2-3 Tage "Anreise" bis Südfrankreich/Nordspanien. Danach 12-14 Tage durch Nordspanien, dann 5 Tage Camping und 2 Tage zurück mit Besuch einer Freundin der Tochter.
Tipp:
Von unseren Erfahrungen und vielen hier im Forum kann man rein als Fahrstrecke an einem Tag 500-800km planen.
Für eine normale Fahrt mit 1 - 2 kleinen Stopps (Strand, See, kleinere Sehenswürdigkeit) sind 100-300km ok.
Wenn man eine Stadt / Sehenswürdigkeit besichtigen will sollte man min. einen kompletten Tag extra planen.
Ein Campingplatz würden wir auch immer min. 2 Nächte buchen/planen, da dieser ja Extras hat (Pool, Restaurant, Grill, Sport-Anlagen, Strand, ...),
die man nicht wirklich nutzen kann, wenn man nachmittags bezieht und morgens wieder fährt.

Ziele:
San Sebastian, Gaztelugatxe, Bilbao, Cabárceno (Tierpark), Picos, Playa de Catedrais, A Coruna, Santiago de Compostela, Porto, Rückweg: Lugo, Burgos, Halbwüste: Bardenas Reales, Wanderung: congost de Mont-rebei, außerdem nochmal 50-100 Ziele / Campingplätze / Stellplätze, die wir in Google Maps gespeichert haben.
Uns war aber von vorne herein klar, dass wir nur so weit fahren, wie es uns und den Kindern gefällt.
Die kürzeste Tour wäre über San Sebastian, Bilbao bis zum Tierpark bei Santander gegangen und rückwärts über die Halbwüste: Bardenas Reales an die Costa Blanca.
Tipp:
Hier kann man, wenn einem etwas in Google Maps gefällt, das Ziel markieren und unten "Speichern" drücken.
Dies kann man sich auch gegenteilig freigeben, so dass jede(r) Punkte hinzufügen kann, die einem gefallen.
So hatten wir einen bunten Mix aus Stellplätzen, Campingplätzen, für uns wichtigen Sehenswürdigkeiten, Stränden und Reisezielen.
Stellplätze / Campingplätze:
Hier hatten wir die meisten Sorgen. Ganz klar muss man sagen - völlig ungerechtfertigt.
Wir hatten vor allem Angst vor Einbrüchen. Diese spielen sich aber hauptsächlich auf Raststätten oder öffentlichen Parkplätzen ohne Überwachung in Autobahnnähe ab.
Diese Plätze sind aber in Google und Park4Night so klar schlecht bewertet deshalb.
Wenn man sich also vorher informiert über die Stellplätze und wenn es in die Städte geht überwachte Plätze nimmt, sehe ich keine Gefahr.
Tipp:
Wie oben geschrieben waren unsere "Helfer" Park4Night, CampingCarPark (CCP) in Frankreich und Google-Maps.
Ein paar CP / SP hatten wir uns auch vorab aus Berichten / Forum gespeichert.
So hatten wir nie wirklich Probleme und immer ausreichend "Ausweichziele".
18.8. SP - CCP - Motorhome Aire Luxeuil
19.8. SP - CCP - Aire Camping-Car Park Messanges
20.8. CP -Campingplatz Sopelana (Bilbao) - 2 ÜN (San Sebastian war alles voll, alle SPs, alle CPs, auch Zarautz etc. und in der Stadt am Parkplatz haben wir uns nicht getraut)
22.8. SP - Área de autocaravanas Cabárceno (kostenlos - morgens kann man Elefanten am Wasserloch beobachten)
23.8. CP - wecamp Cudillero - 2 ÜN
25.8. SP - Lavacolla Camper Park Santiago - 2 ÜN
27.8. CP - Camping Fuentes Blancas , Burgos - 2 ÜN
29.8. SP - Área de autocaravanas de Valtierra (kostenlos nahe der Bardenas Reales)
30.8. CP - El Delfin Verde (6 ÜN)
5.9. SP - CCP Massiac
Preise:
Wohnmobil:
Hier kann man mit 150-200€ in der Hauptreisezeit rechnen. 80-120€ in der "Nebenzeit".
Tipp:
Oft kann man im Nachbar-Bundesland ein Schnäppchen machen.
Bei uns waren es in Hessen (100km weg) 120€ statt min. 180€ hier. Wir haben das Wohnmobil genau am Tag der Ferien gemietet.
So wurden aus knapp 4.000€ "nur" 2.500€. Nur so wurde es für uns überhaupt erst interessant.
Auch die Extras (Geschirr/Campingausrüstung) waren uns persönlich zu teuer und konnten wir ohne Probleme durch normales, vorhandene Gartenstühle/Klapptisch und normales Geschirr/Besteck ersetzen.
Sprit:
Je nach Modell zwischen 10-15L / 100km. Bei 5.000km wie bei uns kommt also eine Menge zusammen.
Leider ist uns erst zu spät aufgefallen, dass beim Wohnmobil sehr stark unterschiedlich ist, ob man 100 , 110 oder 120+ fährt.
Unser Wohnmobil Fiat Ducato mit Alkoven hat z.B. bis 105 km/h ca. 11l und dann je 5km/h mehr einen Liter mehr. Bei 125 also 15-16L.
Maut:
Durch die Höhe des Alkoven bezahlt man LKW Maut. Mit dem ADAC Rechner kann man sich dies gut ausrechnen lassen, allerdings war es bei uns immer etwas mehr.
Wenn man die Strecke komplett auf der Autobahn fährt, wären es ca. 400-500€ Maut. In Spanien gibt es einzelne mautpflichtige Strecken, je nach Strecke haben wir es gemacht oder nicht.
Dies ist aber wesentlich günstiger und kostet oft um die 10€. Auch dies kann man über ADAC Maps rechnen. Im Navi sieht man sehr gut, was die Zeitverluste sind. Wir haben es immer einmal mit und einmal ohne Maut berechnet und dann entschieden. In Frankreich oft gegen die Maut, in Spanien oft dafür.
SP/CP:
Die Preise sind (grob):
SP: 0-25€ (meiste um die 15€) , aber auch die kostenlosen SPs waren wirklich super. z.T. mit neuer Sanitäreinrichtung und kostenloser Dusche. Bei den SPs kostet die Dusche manchmal etwas extra und es gibt reine Stellplätze ohne etwas, über Plätze nur mit Strom bis hin zu halben Campingplätzen mit Pool, Markt etc.
CP: Die Campingplätze sind sehr unterschiedlich. Wir hatten unseren Hauptcampingplatz vorab schon im Winter gebucht und ca. 60-70€ am Tag bezahlt. Wir sind einen Tag früher angereist und haben dann kurzfristig in der Ferienzeit an einem Samstag noch einen Tag dazugebucht, der uns fast 140€ gekostet hat. Ansonsten haben wir für ordentliche CPs 50-70€ gezahlt.
Vorbereitungen:
Ich denke wir waren recht gut vorbereiten, da wir uns mit Büchern / Videos / Reiseberichten recht gut eingelesen hatten.
So haben wir sehr viele Ziele schon vorab eingeplant, auch verschiedene SP / CPs entlang der Route.
Einige Apps haben wir vorab geladen P4N , CCP und schonmal die ersten 2-3 Tage grob überlegt.
Nach diesen 2-3 Tagen waren wir zumindest schon gut drin mit allem.
Wichtig ist, dass man sich schon vor der Miete einmal alle Videos zur Dusche/Toilette, Markise, Zu- und Abwasser, Gas etc. anschaut.
Das bekommt man dann bei der Übernahme noch 30-60 Minuten erklärt, dann gibt es keine Probleme.
Grade die modernen Wohnmobile sind ja so, dass viele Sachen automatisiert sind. (Kühlschrank, Gas) Da muss man nichts mehr händisch umstellen.
Wir wären mit unserem gemieteten Wohnmobil ohne große Zusatzkäufe recht gut klar gekommen, da es ausreichend Stromkabel und eine Gießkanne, Toilettenreiniger an Bord hatte.
Wir wollten eine kleine Kaffeemaschine und einen kleinen Gasgrill und einen Vorleger. Das waren unsere Käufe.
Außerdem sollte man sich vorab überlegen, ob es vom Gewicht her reicht und grob überschlagen, ob es passt.
Bei uns waren es leer 3.000kg. Mit vollem Diesel, 20L Wasser (reicht erstmal) und Personengewicht hatten wir noch ~200Kg Zuladung.
Deshalb war uns von vornerein klar, dass wir die Fahrräder nicht mitnehmen.
Wir sind nicht kontrolliert worden, aber waren auch immer relativ sicher, dass es passt.
Tipp: Gerät, die jede(r) mit an Bord haben sollte:
Wäscheleine, Seil, etwas Werkzeug, Kabelbinder, ein paar Heringe, Beleuchtung/Lampe, Reparatur/Flickzeug, kleines Erste-Hilfe-Kit, Müllsäcke, Feuerzeug, Haken/Karabiner
So, nach (zu) langer Erklärung, geht es los.
Tag0:
Das Gepäck war schon komplett vorbereitet.
Da kam es uns zu gute, dass wir erst Montag das Wohnmobil bekommen haben, so konnten wir entspannt 2 Tage packen und alles bereitstellen.
Tag1:
Montags früh fuhren wir das Wohnmobil abholen, konnten unser Auto dort stehen lassen und fuhren erstmal nach Haus, um das Womo zu beladen.
Es war ein 7m langer, 3.5t schwerer Ducato mit Weinsberg Aufbau, Klima und Automatik.
Nachdem man sich an das Schwanken gewöhnt hatte, sehr angenehm zu fahren und auch gut mit 120km/h zu fahren.
Allerdings aus Spritgründen würde ich jetzt im Nachhinein eher gemütlich ca. 105-110 km/h fahren.
Um 14 Uhr waren wir zu Hause angekommen, konnten das Wohnmobil beladen und um 19 Uhr sind wir los gefahren.
Wir hätten auch noch übernachten können, aber wir wollten jetzt unbedingt los und noch ein paar Stunden fahren.
Da wir noch nichts gegessen hatten, haben wir in der Nähe von Offenburg noch einen McDonalds angefahren und die Kinder waren glücklich.
Da schon 21 Uhr vorbei war, war die Frage, welchen SP wir anfahren.
Ich hatte mir vorab einen SP bei Emmendingen aufgeschrieben, einen an der Grenze "CCP-Stellplatz 'Vogelgrun", CCP bei Luxeuil-les-Bains, SP in Dole und einen CCP in Seurre.
Dole und Seurre waren nicht mehr möglich, da wären wir um 1 oder 2 Uhr angekommen. Auch waren wir noch unsicher und wollten gerne "sicher" übernachten.
Emmendingen war zu nah, da wären wir definitiv nicht an den Atlantik gekommen am nächsten Tag und wir hatten alle noch Motivation und Lust zu fahren.
Also haben wir uns für CCP Vogelgrun entschieden, bis wir allerdings buchen konnten waren die 5 Plätze, die vor einer halben Stunde noch frei waren, weg.
Also fahren wir halt 130km weiter bis zum CCP bei Luxeuil-les-Bains und haben uns hier gleich per App eingebucht. Somit war auch klar, das wir erstmal mautfrei fahren, da dieser an der mautfreien Strecke lag.Auch das hatten wir uns vorher schon angeschaut und die mautfreie Strecke ist knapp 100km kürzer und somit auch "nur" 1,5h länger. Bei 200€ Ersparnis wollten wir das aber testen.
In der Nacht ging das auch recht gut, allerdings kamen wir in eine Vollsperrung und Umleitung über Bauern-Wege. Da ich noch sehr unsicher im Umgang mit dem Wohnmobil war, fuhr ich oft nur 20-30km/h und aus 23 Uhr wurde 0 Uhr Ankunftszeit.
Am SP angekommen musst man dort nur seinen 6stelligen Code eingeben, die Schranke ging auf und wir haben (so leise und langsam wie möglich) den 1. freien Platz angefahren. Es war sehr wenig los und auch kein Problem. Da haben wir noch den Strom angesteckt und sind direkt schlafen gegangen.

