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Reisebericht Polen 17.7. - 18.8.2008 1, 2


WoRo1 am 25 Aug 2008 08:36:49

Reisebericht Polen – 17.7. – 18. 8. 2008

Mit diesem Bericht möchte ich diejenigen unter Euch, die noch nie in Polen waren (und das werden wohl angesichts der wenigen deutschen Womos, die wir in Polen gesehen haben, etliche sein), animieren, dieses interessante und schöne Land einmal kennen zu lernen. Der Bericht ist doch recht lang geworden, da ich ihn bereits unterwegs, wo ich genug Zeit hatte, geschrieben habe und es über Polen auch viel zu erzählen und zu zeigen gibt. Trotzdem soll der Bericht keine exakte Dokumentation unserer Reise sein. Deshalb habe ich etliche Einzelheiten und viele Fotos weglassen. Bevor ich morgen wieder arbeiten muss, nutze ich noch schnell die Gelegenheit, den Bericht ins Forum zu stellen.

Vorab einige Hinweise zu Polen für Noch-Nicht-Dortgewesene :
• In Polen gibt es so gut wie keine offiziellen Stellplätze, so wie wir sie aus Deutschland, Frankreich oder Italien kennen.

• Die Alternative ist zum einen Freistehen, was überall in Polen zumindest geduldet wird, soweit es nicht mit irgendeiner Art „Camping“ verbunden ist (wozu auch schon zwei draußen stehende Stühle zählen). Da wir bei dem hochsommerlichen Wetter, das wir die ganze Fahrt über hatten, lieber draußen als drinnen sitzen wollten, haben wir weitgehend auf das Freistehen verzichtet. Zahlreiche Plätze zum Freistehen im Norden nennt übrigens das Buch aus dem Womo-Verlag. Für den Süden Polens gibt es leider bisher noch keinen Band aus dieser Reihe.

• Die weitere Alternative sind Campingplätze. Diese befinden sich in der Regel - in der masurischen und der pommerschen Seenplatte eigentlich immer - an einem See (In Polen soll es angeblich etwa 10.000 Seen geben; andere haben angeblich sogar 30.000 gezählt. Aber was ist schon genau ein See und was noch keiner?). Soweit wir Campingplätze kennen gelernt haben, waren sie alle ordentlich, aber einfach (und deshalb aus unserer Sicht gerade sympathisch). Geschäft, Restaurant, Spielplatz, Swimmingpool, womöglich Abendprogramm usw. findet man dort also nicht, auch nicht parzellierte Plätze (Ausnahme in Posen) oder Dauercamper. Manche dieser Plätze nennen sich auch einfach nur Zeltplätze. Dieser Begriff ist im Grunde auch insoweit angebracht, als die Polen – noch (?) - in allererster Linie zelten und weniger Urlaub mit Wohnwagen und noch viel weniger mit Wohnmobilen machen. Auf Wohnmobile sind die meisten Campingplatz auch noch nicht so richtig eingerichtet. Einen Wasserhahn, an den man einen Schlauch anschließen kann, oder einen Bodeneinlass für das Grauwasser kennen viele noch nicht. Da muss man eben zu Kanne und Eimer greifen. Wir haben die Campingplätze übrigens trotz Hochsaison meist fast leer oder nur mäßig belegt vorgefunden, so dass wir jeglichen Platz hatten, uns auszubreiten. Anders wird es offensichtlich an der Ostsee sein, was man so hört und liest (und weswegen wir die Ostsee auch vermieden haben). Anders ist es auch, wenn eine geführte Womo-Tour mit über 20 Fahrzeugen den Platz zum Etappenziel erklärt hat, was wir zweimal erlebt haben. Dann kann man sogar den ganzen Abend dem Gesang deutscher Volkslieder aus über 40 Kehlen lauschen. Campingplätze sind - wie vieles anderes auch - im Vergleich zu Deutschland sehr preisgünstig (aber dennoch mit recht unterschiedlichem Preisniveau. So haben wir z.B. in Masuren auf einem schönen Platz unmittelbar an einem See ganze 10 Zloty (3 €) gezahlt, woanders dagegen meist 30 - 40 Sloty (9 – 12 €), in Posen sogar 64 Sloty (19,2 €). Eine gute - wenn auch nicht vollständige - Übersicht über zahlreiche Plätze mit Fotos kann man kostenlos vom Polnischen Fremdenverkehrsamt in Berlin erhalten. Dieses veröffentlicht auch im Internet vollständigere Übersichten zu den einzelnen Gebieten Polens.

• In allen größeren Städten gibt es übrigens ganz zentral im Innenstadtbereich Parkplätze, die rund um die Uhr bewacht werden, auf denen man auch - manchmal aber nur mit Ohropax - übernachten und von denen aus man sorglos einen Altstadt-Bummel unternehmen kann.

• Ver- und Entsorgungseinrichtungen, wie wir sie kennen, gibt es in Polen nicht. Man muss beim Freistehen also gegen Gebühr die Einrichtungen der Campingplätze benutzen oder Tankstellen bemühen, bei denen die Ver- und Entsorgung, wie wir im Womo-Führer gelesen haben, meist kostenlos ist, wenn man dort tankt, ansonsten wohl gegen eine Gebühr möglich ist. An der Ost-West-Autobahn im Süden haben wir bemerkt, dass sich auf nahezu auf jedem Rastplatz eine Entsorgungsstation für Busse befindet, die unproblematisch auch von Womos genutzt werden kann (Hinweise auf die Stationen gibt es deutlich auf Schildern an der Autobahn selbst).

• Zum Thema Gas : Wer meint, mit seinen beiden Gasflaschen nicht auszukommen, sollte nur eine mitnehmen. Da die polnischen Flaschen mit den deutschen Anschlüssen kompatibel sind, sollte man dann bei der Einreise in Polen an einer Tankstelle (fast an jeder möglich) eine polnische Flasche kaufen, diese entsprechend oft gegen eine volle umtauschen und dann bei der Ausreise wieder verkaufen.

• Dass der Spruch „Kaum in Polen, schon bestohlen“ zumindest heute keinen Realitätsgehalt mehr hat, da es Polen nicht unsicherer ist als etwa Frankreich, Spanien oder Italien, ist hier im Forum schon häufiger betont worden. Wir haben in Polen auch keine entsprechenden negativen Erfahrungen gemacht oder davon gehört. Wenn man sich doch Sorgen macht, sollte man eben nicht frei stehen und stattdessen die sehr preiswerten Campingplätze und in den Großstädten die bewachten Parkplätze nutzen (die zudem oft auch die einzige Möglichkeit bieten, mit einem Womo im Altstadtbereich zu parken).

• Auch die Aussage, dass die Straßen in Polen die reine Katastrophe sind, gehört der Geschichte an. Wir sind in Polen etwa 1.500 km, zum erheblichen Teil auf Nebenstrecken, gefahren. Unser Urteil : Die Autobahnstrecken sind sehr gut. Im übrigen kann man keine allgemein gültigen Aussagen machen, zumal überall in Polen Straßen saniert und neu gebaut werden (weswegen unser Navi etliche Male einen Nervenzusammenbruch erlitt, wenn wir auf einer Straße fuhren, meist Autobahn oder Schnellstraße, die es nicht kannte.) Die Landstraßen 1. Ordnung (auf den Karten rot gekennzeichnet) sind weit überwiegend gut, manche sogar sehr gut. Ältere Hauptstraßen weisen allerdings häufig Spurrillen, wo man aber trotzdem 90 km/h – bei Regen nur 80 km/h - fahren kann. Sind sie stark geflickt, muss man schon einmal auf 70 km/h runter gehen. Da man aber eh nicht in besonderer Eile ist, ist das ja kein Problem. Die Landstraßen 2. Ordnung (gelb) sind fast durchweg befriedigend, manchmal auch gut zu fahren. Ist das mal nicht der Fall, gilt auch hier das Rezept „Reduzierung auf 70 km/h“. Nur auf den weiß gekennzeichneten Landstraßen 3. Ordnung kann man schon einmal – muss man aber nicht - in eine bunte Mischung aus Schlaglöchern geraten. Also entweder meidet man diese Straßen oder man bewegt sich auf ihnen eben notfalls, falls man denn einmal in ein solch schlechtes Stück gerät, eine Zeitlang langsam voran. Nach einiger Zeit wird es immer wieder besser. Kopfsteinpflaster wie auf manchen deutschen Dorfstraßen haben wir in Polen übrigens - außer in dem Innenstadtbereichen von Breslau und Stettin - nie erlebt. Schlussfolgerung von allem : Auf jeden Fall wäre der Straßenzustand in Polen überhaupt kein Argument, nicht dorthin zu fahren.

• Zur Frage der Verständigung : Die jungen Polen können meistens (nicht immer!) etwas Englisch, die älteren manchmal etwas Deutsch, weniger dagegen Englisch. Ansonsten kennt jeder Pole die Zeichensprache. Ansonsten sollte man wegen der Höflichkeit doch einige polnische Worte kennen, also die für „guten Tag, auf Wiedersehen, danke, bitte“ („Dzien dobry, Do widzenia, dziekuje, prosze“). Ein weiterer Ausdruck ist auch wichtig : „Nie rozumiem pana“ (Ich verstehe Sie nicht). Einige weitere findet man in jedem Reiseführer. Ansonsten sind einem möglichen Bemühen, sich etwas mehr auf polnisch auszudrücken zu wollen, schnell Grenzen gesetzt. So schön Polen und so nett seine Bewohner auch sind, die polnische Sprache ist einfach schrecklich. Wenn Ihr etwa versuchen wolltet, auf einem Campingplatz auf Polnisch nach einem Stromanschluss zu fragen, müsstet Ihr schon „przylaczenie do sieci elektrycznej“ sagen. Oder schaut Euch zum Beispiel mal die folgenden Schilder an. Also besser ist es wohl, man versucht nicht erst, Polnisch zu lernen und bleibt bei Deutsch, Englisch oder Zeichensprache. Zur Ergänzung bieten sich ein deutsch-polnisches Wörterbuch und ein dünner Sprachführer an, nicht, dass man das alles lernt, was da drin steht, sondern um notfalls mit dem Finger auf einen gerade benötigtes Wort oder einen Satz zu zeigen oder zu versuchen, ihn abzulesen.

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WoRo1 am 25 Aug 2008 08:38:29

Das Wetter auf unserer Reise : Die ersten Tage hat es neben Sonne auch mal einen Schauer oder ein Gewitter gegeben. Aber danach fast nur noch Sonne bei hochsommerlichen Temperaturen. Nach drei Wochen ereilt uns in Krakau für einen Tag der erste richtige Dauerregen und nach vier Wochen war nur noch Regen angesagt. Aber da war das Ende unseres Urlaubs sowieso schon fast da. Ich habe gehört, dass es in Südpolen, Tschechien und Österreich im August ein Unwetter gegeben hat. Gespürt haben wir davon aber nichts. Entweder waren wir vorher oder nachher im Süden Polens.

Zu unserer Route : Wir wollen fünf Wochen in Polen bleiben. Weil mein Bruder und meine Schwägerin in den ersten zehn Tagen, in denen sie uns begleiten, unbedingt Danzig und die Masuren kennenlernen wollen, fangen wir die Reise auch so an : Von Swienemünde aus nach Danzig. Von dort über Marienburg und Allenstein bis zur Masurischen Seenplatte. Danach geht es in Richtung Süden : nach Warschau, Kazimierz Dolny, Lublin, Zamosc, Sandomierz und Niedzika (am Rande der Karpaten). Von dort aus fahren wir nordöstlich nach Krakau, Breslau, Posen, Thorn und Stettin.

[mod="Dirk"]Karte gelöscht, Urheberrecht beachten![/mod]

WoRo1 am 25 Aug 2008 08:41:10

Donnerstag, 17., Freitag 18. Juli : Los geht es von Hamburg über Lübeck nach Usedom. Dort überqueren wir die Grenze und setzen in dem angrenzenden Swienemünde nach einer halben Stunde Wartezeit - kostenlos - über die Swina über. Wir fahren jetzt nicht die polnische Ostseeküste entlang, weil wir häufiger gehört und gelesen haben, dass es dort im Juli und im August brechend voll sein soll. Also geht die Fahrt über Swienemünde auf der gut befahrbaren Bundesstraße 6 über Koszalin in Richtung Danzig. In Slawno biegen wir in Richtung Polanow ab und bleiben in Krag. Dort gibt es an einem idyllischen kleinen See ein wunderschönes Schloss aus dem 14. Jahrhundert, das heute als Hotel geführt wird. Wir können auf dem Hotelparkplatz übernachten, wenn wir in dem Hotel zu Abend essen.

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WoRo1 am 25 Aug 2008 08:44:56

Sonnabend, 19. Juli : Heute morgen fahren wir ein kleines Stück bis Warcino. Dort besichtigen wir den einstigen Wohnsitz von Bismarck. Das Hauptgebäude, heute eine Forstschule, ist umgeben von einem netten Park mit einem idyllischen Teich.

Weiter geht die Fahrt nach Bytow, einer kleinen Stadt, deren Wahrzeichen eine gotische Burg des Deutschen Ordens aus dem 14. Jahrhundert ist. Für die Weiterfahrt wählen wir die Straße 228, die sicherlich nicht so gut zu fahren ist wie die Alternative, die Bundesstraße 20, aber dafür ständig durch Wälder und an malerischen Seen entlang führt.

WoRo1 am 25 Aug 2008 08:48:03

Am Nachmittag sind wir in Danzig/Gdansk, der Königin der Ostsee“, einer bedeutenden Hafenstadt mit heute 460.000 Einwohnern. Wir steuern einen Parkplatz an, der sich nahe der Altstadt befindet und rund um die Uhr – gegen 50 Sloty (15 €) pro Tag – bewacht wird (GPS-Daten im Womo-Führer). Auf geht es in die Altstadt. Wir sind begeistert nicht nur über ihre Lebhaftigkeit, sondern vor allem über ihre Schönheit, die umso mehr beeindruckt, wenn man weiß, dass Danzig 1945 – durch alliierte Luftangriffe und Sprengungen durch die Rote Armee – total zerstört war und die Altstadt danach in mühevoller Kleinarbeit originalgetreu wieder aufgebaut worden ist.

Gast am 25 Aug 2008 08:51:06

Hallo wolfgang ,
danke für deinen schönen und realistischen bericht .
kann alle deine angaben vollkommen bestätigen.
wir fahren schon seit bald 30 jahren in die masuren(bin in lötzen 1949 geboren) u.waren auch schon in anderen teilen polens und haben immer nur die besten erfahrungen mit land und leuten gemacht.kann leider auch nur noch die wörter , die man in jedem fremden land kennen sollte.
liebe grüße
peter

WoRo1 am 25 Aug 2008 08:58:44

Sonntag, 20. Juli : Heute Morgen entschließen uns mutig, die etwa 200 Stufen hoch auf die Aussichtsplattform des Rathausturms zu klettern. Die Anstrengung lohnt sich : Von hier oben haben wir eine grandiose Sicht über ganz Danzig.
Danach schlendern wir durch die malerische Mariacka (Frauengasse), in der unzählige Geschäfte Bernsteinschmuck anbieten, und bewundern die Kostümierung zweier Frauen, die sich gegen kleines Entgelt gerne fotografieren lassen.

WoRo1 am 25 Aug 2008 09:09:39

P.S. : Wenn ich sechs Bilder einstelle, erscheint das letzte immer am Anfang. Ansonsten ist die Reihenfolge aber richtig. Wo ist das Problem ?

Weiter geht es zum Artushof, ein außen und innen prächtiges Gebäude, das in seiner Geschichte Sitz der Bruderschaften, Konzertsaal und Börse war.

Nun geht es in die Marienkirche, die mit ihren 105 m Länge und 68 m Breite schon von außen gewaltig ist (siehe bereits oben) und deshalb im 14. Jahrhundert auch die größte Bachsteinkirche Europas war. Von innen wirkt sie völlig anders, wenn auch gewaltig : Ein breites, hohes und langes Kirchenschiff, in dem bis zu 25.000 Menschen Platz finden, ganz in Weiß gehalten, mit einigen alten Altären, die nach der Plünderung durch die Rote Armee wieder zurück gekommen sind, und einer 14 m hohen Astronomischen Uhr aus dem 15. Jahrhundert.

Weiter schlendern wir an der Mottlau/Motlawa entlang, bewundern das alte Krantor aus dem 15. Jh. und sehen dem bunten Treiben am Ufer zu.

WoRo1 am 25 Aug 2008 09:14:50

Montag, 21. Juli : Heute fahren wir zur etwa 60 km entfernten Marienburg, die von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden ist. Es ist die weltweit größte Backsteinburg. Gegründet wurde sie im 13. Jh. vom Deutschen Orden und war im 14. Jh. ihr Hauptsitz. Anfang des 15. Jh. kam sie nach der militärischen Niederlage des Ordens zu Polen und wurde ständig erweitert. Im 17. Jh. wurde sie durch die Schweden zerstört. 1772 fiel sie an Preußen. Im 20. Jh. begann man mit der Restaurierung der ehemaligen Ordensburg, was durch die Zerstörungen im 2. Weltkrieg wieder zunichte gemacht wurde. Danach wurde sie wieder aufgebaut und zeigt sich heute fast in der ganzen Pracht des 14. Jh.

Gast am 25 Aug 2008 09:18:34

Hallo Wolfgang,

genaus so etwas habe ich gesucht - Kompliment

Ich gehöre nämlich auch zu den Personen die gerne nach Polen reisen wollen aber sich nicht wirklich trauen :oops:
Man kennt wirklich noch die alten Horrorgeschichte und stellt sich wer weiss was vor, aber das ist ja mal ein Reisebericht vom Allerfeinsten.

Ich hoffe Du stellst hier alle Tage rein und hast uns hier nicht nur reinschnuppern lassen :wink:

Ich freue mich jetzt schon drauf und warte gespannt!

Viele
Sandra

WoRo1 am 25 Aug 2008 09:24:58

weiter Marienburg :

WoRo1 am 25 Aug 2008 09:30:56

Dienstag, 22. Juli : Heute fahren wir über Elblag/Elbing in Richtung Süden. Auf der E 77 biegen wir ab und fahren nach Buczyniec, einem kleinen Dorf, das an dem Oberländischen Kanal liegt. Dieser Kanal ist einzigartig in Europa. Seit 1860 überwindet er mit fünf schiefen Ebenen einen Höhenunterschied von 100 m, was ansonsten mit Schleusen erfolgen würde. Alle Boote und kleinen Ausflugsschiffe, die auf dem Kanal fahren, werden auf hölzernen Gestellen, die mit Stahlseilen auf Schienen gezogen werden, auf den schiefen Ebenen hochgezogen. Der Antrieb erfolgt ausschließlich mittels Wasserkraft eines Schaufelrades, das durch unterirdische Rohre mit Druckwasser bewegt wird. Die Kraft wird über die Seile von große Umlenkrädern weiter geleitet.

Weiter geht es über Ostroda/Osterode nach Stebark/Tannenberg. Dort gibt es ein Denkmal und ein Museum, die an den dort errungenen Sieg der Polen und Litauer über den Deutschen Orden 1410 erinnern, ein auch für das heutige Polen bedeutsames Ereignis.

Wir bleiben heute auf einem Campingplatz in der Nähe von Olsztyn/Allenstein, wo wir einen wunderschönen Blick auf einen tiefer gelegenen See genießen.

Mittwoch, 23. Juli : Nachdem eine geführte Gruppe von Womos den Platz verlassen hat, sind wir nahezu alleine dort. Wegen des schönen Wetters und des traumhaften Stellplatzes entscheiden wir, hier noch einen Tag zu bleiben. Und wir bereuen es nicht. Den ganzen Tag sitzen wir in der Sonne, baden, gehen spazieren und essen. So ein Tag muss auch einmal sein.

bertiboa am 25 Aug 2008 09:31:15

Vielen Dank für den schönen Reisebericht. Ist wirklich ein schönes Land mit tollen Landschaften,
lg
Berti

WoRo1 am 25 Aug 2008 09:35:20

Pardon! Manchmal kommen die Bilder in der richtigen Reihenfolge, manchmal - wie eben - aber auch nicht (obwohl sie in der Vorschau richtig zu sehen sind).

Donnerstag, 24. Juli : Wir besichtigen Olsztyn/Allenstein. Interessant ist hier vor allem eine große Burg aus dem 14. Jh.

WoRo1 am 25 Aug 2008 09:41:55

Weiter geht es nach Swieta Lipka/Heiligelinde. Der kleine Ort wird beherrscht von einer barocken Wallfahrtkirche aus dem 17. Jh., die überladen ausgestattet ist, u.a. mit einer gewaltigen Orgel, die mit allerlei Figuren geschmückt ist, die sich beim Spiel der Orgel bewegen. Ein entsprechendes kurzes Orgelkonzert bekommen wir auch geboten, bei dem es dem Organisten aber offenkundig weniger um den Wohlklang geht als darum zu zeigen, was die Orgel so alles leisten kann.

Auf geht es 40 km weiter zu dem für die folgende Nacht anvisierten Campingplatz. Er befindet sich in der Nähe von Gizycko/Lötzen genau in der Mitte der masurischen Seenplatte an dem Dargin-See. Der Preis für einen Tag incl. Strom 10 Sloty (3,30 €). Billiger geht es wirklich nicht.

Poldi am 25 Aug 2008 09:42:11

Hallo Wolfgang, ich habe gerade Deinen wunderbaren Bericht vorgelesen während Hella gebügelt hat. Das ist überhaupt eine gute Arbeitsteilung. :D

Wir sind von Deiner Beschreibung des Landes wie der Reise sehr angetan.

Bis hierher erst mal danke! :daumen2:

WoRo1 am 25 Aug 2008 09:48:10

Wieder das gleiche Problem. In der Vorschau war die Reihenfolge eben anders herum.

Freitag, 25. Juli : Heute fahren wir nach Sztynort, einem kleinen Ort, der auf einem Landstreifen zwischen dem Mamry- und dem Dargin-See gelegen ist. Berühmt ist er, weil sich dort das – recht zerfallene – Schloss nebst landwirtschaftlicher Gebäude der Familie Lehndorf, einer alten preußischen Adelsfamilie, befindet. Der letzte Eigentümer des Schlosses war Graf Lehndorf, einer der Offiziere, die wegen des Attentats auf Hitler hingerichtet worden sind. Zu der Familie Lehndorf gehört auch die langjährige ZEIT-Herausgeberin und Schriftstellerin Marion Gräfin Dönhoff. Störche haben wir schon häufig gesehen. Deswegen wurde es endlich einmal Zeit für ein Foto. Polen soll das Land mit den meisten Störchen in ganz Europa sein. Umso östlicher man kommt, umso mehr werden es offenkundig.

Zurück geht es in der Nähe der Grenze zu Russland nach Gizycko/Lötzen.

WoRo1 am 25 Aug 2008 09:56:13

Am Nachmittag fahren wir nach Süden, wo wir in der Nähe von Mikolajki bleiben wollen. Urplötzlich gibt das nagelneue Ducato-Womo, das mein Bruder gemietet hat, am Ziel seinen Geist auf und ist keinen Meter mehr zu bewegen. Von der Schutzbrief-Versicherung geschickte Mechaniker machen ihn nicht wieder flott, sondern legen im Gegenteil die Elektronik völlig lahm und verziehen sich deshalb schnell, ohne auch nur einen Zloty zu verlangen. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als bis Montag zu warten. Dann soll das Womo in eine Werkstatt in einer nahen Stadt geschleppt werden.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:00:08

Sonnabend, 26. Juli : Die sich aus der notwendigen Wartepause ergebende Möglichkeit, Mikolajki anzusehen, erweist sich als Flopp, da dort Tourismus total angesagt ist. Ähnlichkeiten mit Mallorca im Hochsommer sind offenkundig. n. Für die Binnenansicht soll ein Foto reichen. Immerhin gelingen mir aber doch drei nette Außenansichten. Die Seen-Landschaft, an der Mikolajki liegt, ist ebenfalls recht schön.

Sonntag, 27. Juli : Heute ist nur Baden, Essen, Mittagschlaf und Faulenzen angesagt.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:01:41

Montag, 28. Juli : Das defekte Womo wird heute morgen um 7 Uhr abgeschleppt. Erst nach Mragowo/Sensberg, wo die dortige Werkstatt sich nicht in der Lage sieht, den Schaden zu beheben. Nach einer weiteren Telefonkonferenz zwischen meinem Bruder, dem Womo-Vermieter, der Schutzbrief-Versicherung, dem ADAC und Werkstattleitern geht es 60 km weiter nach Olsztyn/Allenstein, wo es eine spezielle Fiat-Werkstatt gibt. Dort wird der Schaden sofort unentgeltlich behoben. Auch einige Zlotys für die Kaffeekasse werden abgelehnt. Der behobene Schaden : Ein kleines elektronisches Bauteil war kaputt. Außerdem hatten die Mechaniker vom Freitag mit ihren funkensprühenden Starthilfekabel-Experimenten die Hauptsicherung gekillt. Endlich kann mein Bruder beruhigt nach Hause fahren.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:06:03

Wir verbringen des Rest des Tages und zwei weitere Tage wieder auf dem Campingplatz in der Nähe von Olsztyn/Allenstein, wo wir schon am 22. und 23. waren und jetzt wieder nahezu allein sind, mit so wichtigen Tätigkeiten wie Baden, Sonnen, Essen, Lesen, Mittagsschlaf und sonstigem Faulenzen.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:15:06

In Warschau sind im 2. Weltkrieg etwa 800.000 Menschen ums Leben gekommen, davon allein während des Aufstandes im August 1944 etwa 200.000 (Befehl von Heinrich Himmler : Alle Einwohner ohne Rücksicht auf Geschlecht und Alter sind zu erschießen.“) Während dieses Aufstandes wurde die Stadt fast völlig zerstört (Heinrich Himmler : „Warschau ist dem Erdboden gleichzumachen“). Gleich nach Ende des Krieges begann der originalgetreue Wiederaufbau der Altstadt. So wie der Wiederaufbau von Altstädten – wie etwa in Danzig – auch ein Denkmal zur Erinnerung an die Kriegsgreuel allgemein ist, so ist die Rekonstruktion der Altstadt von Warschau insbesondere ein Denkmal zur Erinnerung an die Greuel des nationalsozialistischen Regimes.

Aber daneben ist die Altstadt heute auch einfach nur schön anzusehen : Zuerst der Altstädtische Markt Rynek Starego Miasta mit zahlreichen Patrizierhäusern mit gotischen, barocken oder klassizistischen Fassaden und die Johannes-Kathedrale Katedra Sw. Jana.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:19:29

Weiterhin der ebenfalls von stattlichen Bürgerhäusern gesäumte Plac Zamkowy, das Königsschloss mit der Sigismund-Säule, die St.-Anna-Kirche Kosciol Sw. Anna mit ihrer barocken Ausstattung und der gar nicht dazu passenden venezianischen Fassade und natürlich die vielen beschaulichen, zum Teil aber auch majestätisch breiten Straßen dazwischen. Diese gewaltigen Anstrengungen dieses Wiederaufbaus hat die UNESCO 1980 durch die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes honoriert.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:22:59

Aber auch außerhalb der eigentlichen Altstadt gibt es Sehenswertes, so den gewaltigen im stalinistischen Barock erbauten Palast der Kultur und der Wissenschaft, ein ungeliebtes Geschenk Stalins, oder der geruhsame Sächsische Garten mit einem großen Springbrunnen, oder das Grabmal des unbekannten Soldaten mit einem eindrucksvollen Wachwechsel. Ansonsten besteht Warschau offenbar nur aus mehr oder weniger hässlichen Wohn- und Geschäftsgebäuden.

Die Altstadt ist übrigens nicht nur am Tag, sondern auch am Abend schön und vor allem – und das an einem normalen Wochentag – voller Leben.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:26:33

Freitag, 1. August : Heute fahren wir nach Kazimierz Dolny. Das ist ein kleiner Ort mit 5.000 Einwohnern, 170 km südöstlich von Warschau an der Weichsel gelegen, der den 2. Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden hat. Nach dem ADAC-Führer ist er ein kleiner malerischer Renaissance-Ort mit einem wunderschönen Marktplatz und uralten Getreidespeichern, die vom einstigen Wohlstand der Stadt zeugen. Das hört sich ja gut an und ist es für sich auch so, wenn denn nicht die vielen Lieferwagen auf dem Marktplatz und die unzähligen Andenkenläden wären, an denen sich Massen von Eis essenden Touristen vorbei drängeln. Auf meine Bildern habe ich mit viel Mühe versucht, das alles nicht mit abzubilden. Für die, die so etwas mögen, also ein wahres Highlight, für die anderen ein Ort, um den man einen großen Bogen machen oder ihn allenfalls nur früh morgens, spät abends, in der Vor- oder in der Nachsaison besuchen sollte.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:29:51

Am Nachmittag fahren wir weiter nach Lublin, das 60 km weiter östlich zwischen den Flüssen Weichsel und Bug liegt. Es ist mit 350.000 Einwohnern, zu denen sich während des Semesters ca. 100.000 Studenten gesellen, die größte Stadt Ostpolens. Im 2. Weltkrieg wurde sie stark zerstört und danach ihr Altstadtbereich originalgetreu wieder aufgebaut. Auffällig ist jedoch, dass - im Unterschied zu den Weltkulturerbe-Städten Danzig und Warschau - einige Häuser immer noch Ruinen sind und etliche noch sanierungsbedürftige Fassaden haben.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:41:18

Am Abend finden wir einen nahezu leeren Campingplatz in der Nähe von Lublin am Zemborzycki-See, wo wir mit Baden und Faulenzen bis zum übernächsten Tag bleiben.

Sonnabend, 2. August : Am Vormittag und am Nachmittag unternehmen wir je eine Radtour am See entlang. Ansonsten ist Faulenzen und Lesen angesagt.

Sonntag, 3. August : Die durch ein Gewitter erhoffte Abkühlung war nur von kurzer Dauer. Es wird heute vielmehr wieder heiß. Wir fahren nach Zamosc, etwa 100 km südöstlich von Lublin und etwa 60 km von der Ukraine entfernt gelegen. Auf dem Weg dorthin fällt uns auf, das vor den Dorfkirchen, an denen wir vorbei kommen, viele Menschen stehen. Entweder wir die Sonntagsandacht für sie nach außen übertragen, weil die Kirche rappelvoll ist, oder sie warten auf Einlass für die nächsten Andacht. Auf jeden Fall etwas, was man bei uns in Deutschland wohl kaum sehen wird. Typisch für Polen ist auch, dass überall jeden Tag zu mehreren Terminen Gottesdienste in den Kirchen stattfinden, die recht gut besucht sind. Jetzt verstehen wir die Aussage, dass die katholische Kirche (99 % der Polen sind katholisch) für die Polen ein ganz wichtiger Halt in den Wirren war, in die das Land in den letzten Jahrhunderten immer wieder gestürzt wurde (drei Teilungen im 18. Jh., bei der dritten Auflösung des Landes, im 19. Jh. Unterdrückung durch Russland,1918 Neugründung Polens, 1939 Aufteilung auf Deutschland und die UdSSR, im Krieg Zerstörung aller größeren Städte und Ermordung der jüdischen Bevölkerung, 1945 die Westverschiebung des Landes, 1947 – 1989 kommunistische Diktatur.

Zamosc, etwa 100 km südöstlich von Lublin gelegen, zählt als eine der wenigen verwirklichten Idealstädte der Renaissance zum UNESCO-Weltkulturerbe. Den 2. Weltkrieg überstand die Stadt fast unbeschadet. Die starke jüdische Gemeinde wurde allerdings vollständig vernichtet. Heute leben noch 85.000 Menschen dort. Der 100 x 100 m große Marktplatz wird von farbenprächtigen Arkadenhäusern umgeben. Besonderer Blickpunkt ist das im 17. Jahrhundert errichtete Rathaus.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:46:04

noch Marktplatz von Zamosc.

Nach diesem Besuch gibt es erst einmal einen Picknick-Stopp am Rande eines Kornfeldes mit weiter Sicht über die Landschaft.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:49:22

Weiter geht es nach Sandomierz, wo wir auf dem fast leeren Campingplatz unmittelbar unterhalb der Altstadt bleiben. Sandomierz (21.000 Einwohner) soll eine der schönsten Städte Südpolens sein. Den 2. Weltkrieg überstand die Stadt vergleichsweise unbeschadet, so dass die mittelalterliche Altstadt noch weitgehend erhalten bzw. zum Teil renoviert ist. Besonders hervorzuheben ist der Marktplatz mit dem Renaissance-Rathaus und ein altes Stadttor.

Montag, 4. August : Heute morgen besuchen wir den Markt und decken uns dort mit Obst und Gemüse direkt von den Erzeugern ein. Bemerkenswert an dem Markt ist, dass dort neben Obst und Gemüse an vielen Ständen auch Kleidung, Schuhe, Hauhaltsgeräte, Möbel, Teppiche usw. angeboten.

Schotti am 25 Aug 2008 10:51:20

WOW !!!

einfach Toll geschrieben weiter so :daumen2:

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:53:19

Wir fahren ca. 100 km weiter in Richtung Süden nach Tarnow, einer Mittelstadt mit einem schönen historischen Stadtkern. Glanzstück ist der von pastellfarbenen Bürgerhäusern umrahmten Marktplatz, in dessen Mitte sich ein gotischen Rathaus aus dem 16. Jh. befindet.

Weiter geht es in Richtung Süden bis zum Roznowskie-See. wo wir auf einem einfachen unmittelbar am See gelegenen Zeltplatz („Campingplatz“ wäre weit übertrieben) bleiben.

WoRo1 am 25 Aug 2008 10:57:37

Dienstag, 5. August : Wir fahren am Roznowskie-See entlang durch die Beskiden, einem sanften Mittelgebirge, und kommen bald nach Nowy Sacz, einer lebhaften Stadt mit 75.000 Einwohner, dessen mittelalterliches Stadtbild weitgehend erhalten ist. Mittelpunkt ist der Marktplatz, der von älteren Häusern eingerahmt ist und in dessen Mitte ein prächtiges Rathaus aus dem 19. Jh. steht. Wir schlendern durch die Straßen und gelangen auf einen Markt, auf dem hauptsächlich Obst und Gemüse verkauft wird. Auffällig sind etliche Verkäufer mit einem sehr begrenzten Angebot, das offenkundig aus dem eigenen Garten stammt. Von einer alten Frau erstehen wir ihr gesamtes Angebot an gesammelten Pilzen, das uns bei einem Halt auf dem weiteren Weg nach Süden zu einem leckeren Mittagessen gemacht wird. Da weder sie mich noch ich sie verstehen kann, reiche ich ihr 5 Sloty (1,50 €) zum Bezahlen. Sie nimmt jedoch nur zwei davon (60 Cent) und gibt mir drei zurück. Als ich ihr daraufhin einen wieder gebe, strahlt sie überglücklich. Ja, das ist auch Polen.
Eigentlich wollten wir nach Zakopane, einem bekannten Wintersportort am Fuße der Hohen Tatra, dem höchsten Bergmassiv der Karpaten. Das ganze Gebiet dort ist – was wir gerade lesen - Naturschutzgebiet, das man nicht mit einem Hund betreten darf (Außerdem erfahren wir später, dass Zakopane Massen-Tourismus in höchster Vollendung sein soll, was wir uns wirklich nicht antun müssen). Also entscheiden wir uns für Niedzika, einem kleinen Ort, der an einem großen Stausee liegt und Grenzort zur Slowakei ist. Wir bleiben auf dem dortigen Campingplatz, der unmittelbar an einem Fluss liegt, einen guten Eindruck macht und nur mäßig belegt ist. Bei einem kurzen Spaziergang kaufe ich bei einem Almbauern köstlichen geräucherten, sehr würzigen und etwas nach geräuchertem Schinken schmeckenden Schafskäse, die Spezialität dieser Gegend, die auch überall am Straßenrand zu kaufen gibt.

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:01:39

Mittwoch, 6. August : Heute Vormittag fahren wir mit den Fahrrädern am Stroowieckie-Stausee vorbei zu höher gelegenen, bedeutend größeren Czorsztynskie-Stausee. Dort wollen wir eigentlich eine sehr gut erhaltene Burg besichtigen. Hunde haben dort aber keinen Zutritt. Und abwechselnd hinein gehen wollen wir auch nicht, da Unmengen an Touristen hinein strömen. Deshalb bewundern wir die Burg lieber von außen und bestaunen anschließend noch die gewaltigen Ausläufe der beiden Stauseen.

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:05:05

Am Nachmittag unternehmen wir eine zweistündige Floßfahrt auf de Fluss Dujanec, der während der ganzen Fahrt die Grenze zwischen Polen und der Slowakei bildet. Es werden zwei tolle Stunden, nicht nur wegen der abenteuerlichen Fahrt durch die zahlreichen Stromschnellen hindurch, sondern auch wegen der wunderschönen Wald- und Berglandschaft, durch die wir fahren. Am Ende wird das Floß wieder in seine Einzelteile zerlegt und zum Ausgangspunkt zurück gebracht.

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:07:59

Donnnerstag, 7.August : Heute wollen wir in dem Berggebiet nördlich der Dujanec wandern. Als wir mit den Rädern dort angekommen sind, sehen wir, dass Hunde keinen Zutritt haben, weil das ganze Gebiet als Naturschutzpark ausgewiesen ist. Also ist das wohl so in allen Naturschutzparks in Polen. Stattdessen machen wir „lediglich“ eine gemütliche Radtour auf der polnischen Seite bis Sromowce Wyzne und auf der slowakischen Seite dann zurück.

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:11:09

Freitag, 8. August : Wir fahren in Richtung Norden. Kurz vor Krakow/Krakau besichtigen wir im Ort Wielicka die Salzgrube Kopalnia Soli, eine der ältesten Salzminen der Welt, die seit 1978 zum Weltkulturerbe zählt und seit 1996 still gelegt ist und seitdem als Museum genutzt wird. Die Anlage erstreckt sich über neun Stockwerke bis zu 327 m tief. Bei der zweistündigen Besichtigung der ersten drei Stockwerke erfahren wir über den Salzbergbau nicht all zu viel. Dafür gibt es zahlreiche aus Salz hergestellte Plastiken und Wandreliefs, außerdem Restaurants und Läden unter Tage. Beeindruckend ist dann doch ein riesiger – auch schon früher so genutzter - Kirchensaal 100 m unter der Oberfläche, in dem nahezu alles aus Salz ist : Fußboden, Wände, Decke, Altar usw.

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:19:41

Kurz danach sind wir auch schon in Krakow/Krakau. Wir nehmen für 35 Sloty den erstbesten bewachten Parkplatz in der Nähe der Altstadt, eigenartigerweise auf dem Gelände eines Krankenhauses (Straße : Lazarka Nr.12). Da es schon spät ist, planen wir die Besichtigung der Altstadt für den nächsten Tag ein.

Krakow/Krakau (740.000 Einwohner), das fast sechs Jahrhunderte lang polnische Hauptstadt war, hat als einzige große polnische Stadt den 2. Weltkrieg völlig unversehrt überstanden. Der Grund : Die Stadt war während des Krieges die Hauptstadt des Generalgouvernements Polen, von der aus der berüchtigte Statthalter Hans Frank mit grauenvoller Gründlichkeit die Ausrottung der jüdischen Bevölkerung betrieb. Als die Deutschen 1945 abzogen, zerstörten sie die Stadt nicht. Vielleicht war Hans Frank neben seiner schrecklichen politischen Gesinnung ja ein kulturliebender Mensch.

Krakow/Krakau präsentiert sich deshalb heute in seiner originalen und wunderschönen mittelalterlichen Bausubstanz. Mit seinen 140 Kirchen, 70 Palästen und etwa 5000 erhaltenen Bürgerhäusern wurde die Stadt 1978 von der UNESCO als Teil des Weltkulturerbes ausgezeichnet und zu einer der zwölf bedeutendsten historischen Städte der Welt erklärt. Zudem erhielt sie wegen ihrer 40 Museen, 125 Galerien, zahlreichen Theater und Festivals im Jahr 2000 den Titel einer der Kulturhauptstädte Europas.

Sonnabend, 9. August : Heute Nacht hat es durchgehend geregnet und das bleibt auch den ganzen Tag über so. Aber immerhin hatten wir drei Wochen lang gutes Wetter. Da darf so etwas auch einmal sein. Wir gehen deshalb zum Muzeum Czartoryskich, das neben römische, griechische, ägyptische und etruskische Gegenständen wie insbesondere Büsten, Vasen und Mumien eine umfangreiche Sammlung alter Meister, darunter das berühmte Bild „Die Dame mit dem Hermelin“ von Leonardo da Vinci, enthält.

Durch ein gut erhaltenes altes Stadttor hindurch geht es zum Schlossberg Wawel, einem Ensemble aus Schloss, Kathedrale, Wirtschaftsgebäuden und einem gewaltigen Innenhof. Wir besichtigen die Kathedrale, die neben einer prächtigen Ausstattung auch Sarkophage zahlreicher polnischer Könige, Nationalhelden, Kirchenfürsten und Heiligen enthält.

Jetzt geht es zurück zum Womo. Uns reicht es. Es regnet nämlich immer noch und unsere Schuhe sind völlig durchnässt. Gegend Abend ziehen wir in eine Nebenstraße unterhalb des Wawel am Ufer der Weichsel um, da es für unseren Hund eine schöne große Grünanlage gibt und wir von dort einen günstigeren Ausgangspunkt für die weiteren Programmpunkte haben.

M.Brandes am 25 Aug 2008 11:21:12

ein toller Bericht,
vieles deckt sich mit unseren Erfahrungen von unserer "POLENREISE" (Masurische Seenplatte, und Danzig)
zur gleichen Zeit, vom Juli 2008
leider konnten wir zeitlich nur zwei Wochen bleiben
aber im nächsten Jahr sind wir auf jeden Fall nochmal dort

Vielen Dank für die wirklich tollen Fotos

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:26:29

Sonntag, 10. August : Die Nebenstraße, in der wir genächtigt haben, hat sich doch als sehr laut herausgestellt. Dafür scheint zum Trost wieder die Sonne vom blauen Himmel herab.
Zuerst sehen wir uns etwas genauer als gestern im Regen das Herzstück der Altstadt an : den Hauptmarkt Rynek Glowny, der mit 40.000 qm zu den größten Plätzen Europas zählt. Schöne historische Gebäude säumen den riesigen quadratischen Platz. In seiner Mitte steht zum einen eine riesige langgezogene Halle mit markanten Spitzbogenarkaden, in der 14. Jh. Tuch gelagert wurde und die heute Stände mit Kunsthandwerklichem und allerlei Trödel beherbergt.

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:31:35

Zum anderen steht mitten auf dem Platz der gotische Rathausturm aus dunklem Backstein, der der verbliebene Teil des 1820 abgerissenen Rathauses ist. Das Wahrzeichen der Stadt ist aber die am Rande des Platzes stehende Marienkirche Kosciol Mariacka aus dem 13. – 16. Jh. mit ihren unterschiedlich hohen und gestalteten Türmen und einem wunderschönen blauen Netzgewölbe. Und was wäre der Markt ohne die vielen gut besuchten Restaurants und Cafes und die zahllosen Menschen, die hier flanieren.

Jetzt gehen wir zu dem Kazimierz-Viertel, dem ehemalige jüdischen Viertel Krakaus. Hier sind - scheinbar eigenartigerweise - alle etwa sechs Synagogen noch erhalten. Der Hintergrund : Hitler wollte dieses Viertel zu einer Art Museum machen, in dem der „Niedergang der jüdischen Rasse“ zu besichtigen sein sollte. Gedacht war wohl, dass die Besucher beim Anblick der Synagogen von Abscheu gepackt und so in ihrem Bewusstsein als Herrenrasse gestärkt werden.

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:34:59

Wir sagen Krakau adieu und fahren nach etwa 60 km weiter westlich nach Oswiecim/Auschwitz, wo wir mit dem Womo für 10 Sloty (WC und Duschen gegen Gebühr) bis zum nächsten Tag auf einem riesigen Parkplatz bleiben. Auch wenn man weiß, wofür der Name Auschwitz steht, ist es doch gut, einmal dort gewesen zu sein. Ein unmittelbarer Eindruck ist doch etwas anderes als nackte Zahlen. Zumindest ist ein solcher Besuch nicht schädlich. Zur Erinnerung : Auschwitz I war das größte Konzentrationslager des nationalsozialistischen Regimes mit dem bekannten zynischen Spruch über dem Eingang „Arbeit macht frei“. Ab 1940 wurden hier etwa 400.000 Gefangene, Juden, Polen, Sinti und Roma und sowjetische Kriegsgefangene, registriert, von denen mehr als die Hälfte an Hunger, Krankheiten und Misshandlungen starb. Heute ist das Lager ein Museum für beide Teile von Auschwitz. Gezeigt werden auszugsweise die vielen Dinge, die man den Todgeweihten abgenommen hat wie Koffer, Kleidung, Brillen, Haare, Prothesen, Gebisse usw., aber auch akribisch registrierte Sammlungen von Fotos der Häftlinge von Auschwitz I (Auszüge siehe unten). Und ein Interessantes noch nebenbei : Das Museum ist voller Menschen. Ansonsten nerven Massen von Touristen ja immer. Hier kann man sie aber nur als positiv empfinden, zeigen sie doch, welch großes Interesse, insbesondere bei jungen Leuten, an dieser Gedenkstätte besteht. Erstaunlich finden wir, dass so viel Italiener hier sind (von denen wir auch sonst in Polen relativ viel gesehen haben).

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:38:10

Auschwitz II / Birkenau lieg nur wenige Kilometer entfernt. Dieses Lager wurde 1941 als größtes Vernichtungslager der Nazis auf dem Gelände der IG Farben errichtet. Bis 1945 wurden hier weit über 1 Million Menschen, darunter 90 % Juden, vergast und anschließend verbrannt, bis zu 5000 pro Tag. Heute sind noch das berühmte Eingangstor zu sehen, durch das die mit Menschen vollgepferchten Güterzüge in das Lager rollten, weiterhin etliche der äußerst primitiven Holzbaracken, in denen die - ca. 25 % - zur Zwangsarbeit selektierten als arbeitsfähig erscheinenden Juden hausten, und ein ganzes Feld voller Schornsteine der nicht mehr bestehenden Baracken.

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:49:50

Montag, 11. August : Wir rutschten auf der Autobahn durch das Industrieviertel von Katowice /Kattowitz und Gliwice/Gleiwitz bis nach Opole/Oppeln. Die Universitätsstadt Oppeln befindet sich 80 km südöstlich von Breslau und zählt etwa 130.000 Einwohner. Sie wird von drei Armen der Oder durchzogen und umfasst zwei Inseln. Das Stadtzentrum am rechten Ufer der Oder wird durch ein buntes Gemisch alter und neuer Gebäude unterschiedlicher Stilrichtungen geprägt. Mittelpunkt ist der kopfsteingepflasterte Marktplatz, der durch zahlreiche Bürgerhäuser mit barocken Fassaden eingerahmt wird. In der Mitte steht das im 19. Jh. nach dem Vorbild des Palazzo Vecchio in Florenz erbaute Rathaus. In einer Nebenstraße finden wir für heute Nacht ein ruhiges Plätzchen.

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:54:55

Dienstag, 12. August : Heute fahren wir – weitgehend über die Autobahn – nach Wroclaw/Breslau, einer Universitätsstadt, heute mit 650.000 Einwohnern und zusätzlich 120.000 Studenten. Durch dichtes Verkehrsgefühl erreichen wir endlich den avisierten Campingplatz an der Oder. Den gibt es aber nicht mehr, weil das Gelände von Bauwagen-Bewohnern besetzt ist. Also fahren wir zu dem nächsten Platz, der sich unmittelbar am Olimpijski-Stadion befindet. Das ist zwar weiter von der Altstadt entfernt. Dafür ist er aber fast leer. Außerdem können wir bis in die Altstadt mit den Rädern durch schöne Parks und entlang der Oder fahren, die in zwei mehreren Armen an der Altstadt vorbei fließt und dabei mehrere kleinere Inseln bildet.

Breslau wurde im Krieg zu etwa 70 % zerstört. Die meisten deutschen Bewohner flohen bzw. wurden vertrieben. In ihren Häusern fanden daraufhin Flüchtlingen aus der vormals polnischen Ukraine eine neue Heimat. Heute ist die Innenstadt wieder ein städtebauliches Juwel. Hervorzuheben ist insbesondere der Marktplatz, der mit seinen 173 x 208 m zu den größten Europas zählt und nach unserer Meinung auch der schönste ist. Er wird von zahlreichen - nach dem Krieg wieder aufgebauten - Bürgerhäusern mit prächtigen Fassaden eingerahmt.

WoRo1 am 25 Aug 2008 11:59:23

In der Mitte des Breslauer Marktes befindet sich ein interessantes spätgotisches Rathaus, eine durchgehende Reihe weiterer schöner Bürgerhäuser und eine Kirche, was alles zusammen einen großen quadratischen Block auf dem Platz ergibt, so dass der Eindruck eines riesigen Platzes nicht mehr unmittelbar vorhanden ist.

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