unsere Sommerreise 2012 ging im August über Berlin nach Polen und anschließend nach Litauen, Lettland und Estland - um ein bisschen ins Baltikum zu schnuppern.
Gemäß den Forums-Statuten möchte ich darüber ein wenig berichten.
Den gesamten Reisebericht gibt es auf unserer Homepage: Reiseberichte der Familie Unterwurzacher zum nachlesen und nachschauen:
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Polen:
Berlin (D) - Slubice (PL) - Leba - Frische Nehrung - Marienburg - Oberlandkanal - Heiligelinde - Wolfsschanze - Irgendwo (LIT) (1271 km)
Bei Frankfurt an der Oder überfahren wir die Grenze nach Polen. Kein einziger, gestrenger Zollbeamter will uns bei der Einreise in das EU-Land kontrollieren. Nur eine verlassene Grenzstation erinnert noch an den Übergang zum ehemaligen Ostblock. Im Reiseratgeber "Mit dem Wohnmobil nach Polen" wird ein großer Bazar in Slubice empfohlen und genau dorthin wollen wir. Da es aber schon Abend wird, suchen wir uns zuerst einen Platz zum Übernachten ...
Am nächsten Morgen in der Früh besuche ich die hl. Messe und gemeinsam mit Sonja nach dem Frühstück den besagten Bazar. Ein Verkaufsstand nach dem anderen beherbergt hier Massen an Kleidern, Schuhen, Geschirr, Waffen, Souvenirs und gezählte 14 Friseurläden. Es gibt aber auch Obst, Gemüse und andere heimische Erzeugnisse. Für den, der ein bisschen handeln und feilschen will, ist dieser Bazar durchaus einen Besuch wert.
Uns aber zieht es weiter. Auf Grund der Wettervorhersage (dank Handy, Navi und Netbook sind wir fast immer bestens informiert ...) haben wir unsere Route geändert. Zuerst wollten wir in Richtung Warschau - jetzt geht es an die Ostsee.
Nach dem wir uns ein paar polnische Zloty (Währung) eingetauscht und getankt haben, lassen wir die gut 500 km lange Reise gemütlich angehen. Wir kaufen uns am Wegesrand ein halbes Hühnchen und verspeisen es an einem idyllischen See.
Das Straßenbild ändert sich, je mehr wir uns der Ostsee nähern: Zuerst über neue, gut ausgebaute Autobahnen, danach über die berühmt, berüchtigten Landstraßen, auf denen die LKW's, Traktoren und auch Wohnmobile ganz rechts auf den Pannenstreifen ausweichen, um eine unfallfreies Überholen der anderen Verkehrsteilnehmer zu ermöglichen. Teilweise befahren wir dann auch schon mal Schotterstraßen. Die letzten 40 Kilometer geht die Fahrt auf einer schmalen Landstraße, die wie ein Fleckerlteppich aussieht, dahin. Äußerst mühsam, mit höchstens 60 Stundenkilometer und sehr geräuschvoll sich hier so fort zu bewegen.
Wir schaffen es trotzdem und erreichen Leba gegen 19:00 Uhr. Diese Kleinstadt an der Ostsee ist ein - in Polen - bekannter Badeort und berühmt für seine Wanderdünen, die wir morgen besuchen wollen.
Vorerst stellen wir unser Womo auf einem Parkplatz direkt neben dem Meer ab und genießen den Seeduft, das noch warme Wasser, den herrlichen Sonnenuntergang und ein köstliches, aber sehr günstiges Abendessen ...
Die Nacht verläuft ruhig - wir fühlen uns sicher. Wir stehen neben einem Zaun der ein militärisches Sperrgebiet umschließt. Am Morgen führe ich wieder ein Gespräch mit Igor, den wir schon am Vorabend kennen gelernt haben. Er ist Wachsoldat und spricht dank seiner deutschen Großmutter ein bisschen unsere Sprache. Igor ist ein muskelbepackter junger Pole mit Glatze. Er redet wie ein Wasserfall und erzählt mir von früher, von den Deutschen, von den Russen, von den Polen und von jetzt. Unser, mit Betonplatten befestigter, Parkplatz befindet sich auf einer riesigen Bunker-Anlage aus der NS-Zeit. Hier wurden während des Krieges Raketen produziert. Jetzt dient das abgesperrte Gelände als Feriendorf für Militärangehörige. Ganz in der Nähe befindet sich die Ruine der alten Nikolaikirche und die großen Düne, die wir nun besuchen wollen ...
Bei unserem Womo wieder angekommen, genießen wir nach einem weiteren Gespräch mit Igor, dem Wachesoldaten; noch einmal das Meerwasser, um uns nach der anstrengenden Tour, etwas ab zu kühlen. Im Gegensatz zu den südlichen Ländern schmeckt hier das Wasser fast gar nicht salzig.
Frisch gebraust und wieder fit geht es weiter. Vorbei an Danzig der Küste entlang in Richtung "Frische Nehrung". Dies ist eine 70 km lange, aber sehr schmale Landzunge von einigen hundert Metern Breite, die das "Frische Half" von der Ostsee abtrennt. In diesem Naturpark wurde durch die Aufforstung mit Kiefern die Versandung gestoppt. Die größte Siedlung heißt Krynica Morska, sie ist ein beliebter Badeort. Ansonsten gibt es nur wenige Dörfer und wir fahren weiter bis kurz vor Piaski. Auf einem Waldparkplatz lassen wir uns gemütlich nieder, um den relativ einsamen Strand in ca. 100 Meter Entfernung zu erkunden. Auch wollen wir in diesem lauschigen Kiefernwald - ein paar Kilometer vor der russischen Grenze (Oblast Kalinigrad) - die Nacht verbringen.
Fortsetzung folgt ...
lg
Rupert

