Hallo Michael,
wir haben (seit 08/2012) fast den gleichen Wagen, gleiche Länge, nur mit anderem Grundriß (655 M). Bei uns ist die Nasszelle hinten links, gegenüber der Küchenblock, und in der Mitte zwei Längssitzbänke.
Wie du schon schreibst, hat der Wagen sein Vor- und Nachteile. Wir sind insgesamt gesehen recht zufrieden damit, besonders mit dem Sprinter-Fahrgestell, und auch dass es ein echtes Wandlergetriebe ist, ist eine sehr feine Sache; egal ob es ums Rangieren geht oder man mal in einen längeren Stau gerät. Den Wagen zu bewegen ist mir jedes Mal eine Freude.
Dadurch dass der Wagen ein Dach aus einem Guß hat, welches an allen Seiten nach unten geht (mit den Nähten seitlich, nicht oben), kann er auch nicht
undicht werden; es sei denn dass die Dichtungen der Dachluken undicht würden. Das Dach "deines" Tabbert schaut auf den Bildern ziemlich ungewaschen aus; lass dir mal eine Leiter geben!
In meinem Wagen ist die Stoffbespannung der Decke nicht mehr in Ordnung. Diese war wohl mit dünnem Schaumstoff kaschiert, und die Verklebung dieser Deckenbespannung lässt stellenweise nach. Es sieht dann so aus als ob es ein Nässeschaden sei, weil der Stoff stellenweise abhängt, aber das hat mit Nässe nichts zu tun. Ich habe an den Stellen ein kleines Loch eingeschnitten, Sprühkleber eingesprüht, und großflächig angeklebt; das Loch sieht man hinterher nicht mehr. Im Grunde nur ein "kosmetisches" Problem.
Der Möbelbau ist hervorragend, alles wirkt robust und langlebig. Dies gilt auch für die Polsterstoffe und Schaumstoffe (nur halt die Deckenbespannung...). Es wurden offenbar nur beste Materialien verbaut. Mit einer isolierenden Matte für den Frontbereich ist er auch durchaus wintertauglich, auch ohne Doppelboden, denn die Tanks sind beheizbar, eine starke
Heizung (ALDE 3000) hat er ohnehin. Ich habe bei meinem Wagen die Vortex Blue-one Zirkulationspumpe sowie die Heizungsregelung von Conrad (hier derzeit in einem anderen Thread beschrieben) nachgerüstet, damit hat man durchgehend ein angenehmes Wohnklima. Diese Nachrüstung ist nicht teuer und wenig aufwändig, daher sehr zu empfehlen.
Da du darauf angesprochen hast: Mir ist es schon mehrfach passiert, dass ich auf Stellplätzen von anderen Wohnmobil-Fahrern angesprochen wurde, deren Tenor meist dahin ging, dass man mir empfahl, den Wagen so lange wie möglich zu behalten; so eine Qualität gäbe es heute nicht mehr. ("Ich ärgere mich heute noch, dass ich meinen Tabbert verkauft habe, danach ist es nur noch schlechter geworden", sagte der Fahrer eines großen Frankia)
Die Frontsitze von ISRI sind drehbar; der Fahrersitz wegen des Lenkrades nur zu 90°, die Verstellung ist etwas fummelig, aber ansonsten kann ich nicht meckern. Sier sind absolut langstreckentauglich. Hinter meinem Fahrersitz ist die linke Längssitzbank. Daher kann ich den Fahrersitz ziemlich weit nach hinten schieben. Auf langen Strecken ist es daher möglich, die Beine auch mal auszustrecken, sich mal kurz zu dehnen, was mir sehr angenehm ist. Der 655RS hat die Nasszelle hinter dem Fahrersitz; bei deinen 2 m Länge solltest du das prüfen.
Ich habe vor wenigen Monaten für einen Umzug einen Fiat Ducato mit Kofferaufbau gemietet, und bin damit ein paar Hundert Kilometer gefahren. Mir hat danach alles weh getan, ich empfand die Ergonomie grauenhaft, die Sitzposition unzumutbar, und war froh, als ich diese Kiste wieder zurückgeben konnte. Allein dass man beim Gasgeben den Fuß immer leicht angehoben halten muss, will man nicht ständig mit Vollgas fahren, hat mir einen Wadenkrampf eingebracht. Der Fußraum ist viel zu eng, und nichts passt zueinander, zumindest nicht für mich. Ein
Wohnmobil auf Fiat-Basis wäre für mich einfach nicht möglich.
Falls Du den anvisierten Wagen kaufst, achte darauf, ob er den originalen Tempomat hat, bzw. ob dieser auch funktioniert. Auch dies ist ein Ausstattungsmerkmal, auf das ich nicht verzichten möchte. Dieser lässt sich ggf. nachrüsten, und gäbe evtl. Raum für Preisverhandlungen.
Dass die grüne
Feinstaubplakette kaum möglich ist, weißt du ja schon, und mit der Tatsache, dass du über der 3,5-t-Grenze bist, kann man gut leben.
Mir hat die Zwillingsbereifung (nach zwei Reifenplatzern) immer ein sicheres Gefühl gegeben. Ich habe grundsätzlich Winterreifen auf der Hinterachse, und im Zusammenspiel mit dem "ABD" (aut.Bremsdifferential) kommt man von jeder nassen Wiese.
Wirkliche Schwachstellen hat der Wagen nicht, nur den Preis halte ich für reichlich ambitioniert. Andererseits... Die Qualität der Tabbert-Wohnobile ist bekannt, und ich habe - zumindest bei der einen Verkaufsplattform mit mob....de - seit knapp 5 Jahren die Beobachtung gemacht, dass nur die wirklich überteuerten Wagen dort länger drin stehen. Überleg dir, ob es dir nicht doch was wert ist.
Wenn ich es heute nochmal zu tun hätte, würde ich den etwas längeren 705 suchen, der ein festes Heckbett (mit Fahrrad-Garage drunter) hat. Dessen Grundriß ist im vorderen Bereich so wie meiner, nur etwas kürzere Längsbänke, aber der Fahrersitz kann wirklich weit zurück. Es gab sie mit und ohne Hubbett im Frontbereich, und auch mit gleichem Fahrgestell (412D + Wandler...).
Meine Empfehlung an dich wäre in jedem Fall eine Probefahrt!
Gruß
Martin