Tag 4 – Ab in den Süden ins Cilento – durch den Regen am Vesuv vorbei
Wir reisen weiter. Genug vom Sand, genug von den Ameisen. Ich habe eine komplette Dose Ameisenstreu verwendet. Alle Reifen umkringelt. Effekt gleich Null. Ameisen im Bad. Ameisenstrassen bis hoch zum Alkoven. Bedeutet wir haben gleich das nächste Problem. Das Auto ist nicht dicht. Egal, wir haben noch Spray aus der Dose. Das wirkt wenigsten gegen die Ameisen.
Wie durch ein Wunder gräbt sich der alte Fiat aus dem Sand und wir starten um 10:30 Uhr. Wir wollen bis hinter Neapel fahren.
Rom lassen wir links liegen und düsen die Autobahn hinunter. Das Wetter wird immer schlechter.
Uns hält nix auf. Zur Stärkung Autobahnpizza. Jedesmal wieder grandios.
Wir sehen den Vesuv nicht. Alles von Wolken verhangen. Kurz vor Salerno geht dann die Welt unter. Um uns rum lauter Autos die mit Warnblinker fahren. Verwirrt mich total. Wie soll ich denn erkennen, wenn einer steht?
Ätzendes Wetter. Wir entscheiden weiter zu fahren ins Cilento. Da muss es toll sein und wir hoffen auf besseres Wetter. Ausserdem ist irgendwann auch gut – über 500 km in dem dröhnenden Womo reichen aus. Über eine Bundesstrasse geht es ans Meer, schöne Landschaft, Mittelgebirge. Könnte auch Westerheim und Wiesensteig sein.
An der Küste entlang. Richtung Sapri. Traumhaft. Pittoresk, wie man auch überall lesen kann. Hier kann man sicher nix falsch machen. Am ersten Campingplatz biegen wir zielstrebig ab, wir sind da. 18 Uhr – Luft raus.
Und wieder rein gefallen. Hätten den Platz mal anschauen sollen. Nur Dauercamper, die ihre Sieben Sachen zusammmen packen. WLan – Fehlanzeige. Gefällt uns nicht.
--> Link.Der Supermercato wird extra für mich aufgeschlossen. Ich kaufe die letzten 3 Brötchen und die letzten 6 Flaschen Wasser.
Stimmung erst mal im Keller. Prosecco – Schorle hilft.
Jetzt erst mal duschen. Mit unseren weißen Bademänteln stehen wir verwirrt an der Dusche, es gibt keine Armaturen. Zum Glück hilft uns ein junges Mädchen weiter. Natürlich brauchen wir einen Chip, der die Dusche von außen in Gang setzt. Es ist dabei immer die Temperatur richtig, die der Campingplatz-Chef für alle festlegt. Hätte man uns beim Check in auch gleich sagen können. Als ich im Bademantel an der Rezeption erscheine ist auch direkt alles klar. Wir verstehen uns wortlos.
Wo ich schon mal da bin, habe ich für 20 Uhr einen Tisch im Restaurant reserviert. Das Essen entschädigt dann tatsächlich.
Klasse Location – im Hintergrund spielt Spanien gg Italien. Wahrscheinlich WM – Quali. Spanien deutlich überlegen, führen 1:0. Hier alles ruhig. Echte Tifosi habe ich mir anders vorgestellt. Jetzt 2:0 – keine Reaktion hier. Enttäuschend.
Wir zahlen. Sind überrascht. Alles zusammen 29 Euro. Was eine Ansage. Und so lecker. Gestern haben wir das dreifache bezahlt.
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Tag 5 – An der Küste Basilicatas entlang nach Scalea – türkisblaues Meer und versteckte Buchten
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Wir starten früh. Um 10:30 Uhr und 37 Euro später sind wir auf der Strasse, auf der Suche nach einem schönen Platz für 3 Nächte. Ab Mittwoch haben wir bis Sonntag eine Wohnung über Airbnb gebucht. Unser nächstes Zwischenziel ist Scilla.
Wir fahren die SS18 Richtung Süden. Vergiss die Amalfi-Küste, hier ist es mal so richtig schön.
Tolle Buchten, tolle Vegetation, wunderschöne Küstenstrassen, das Meer schimmert in blau und violett. Bei Maratea wacht Jesus über uns. Sind wir eigentlich in Rio? Das Wetter zwingt uns immer weiter zu fahren. Es regnet. Leider.
Wir fahren durch Scalea, ein Touristenort, leergefegt, obwohl es Sonntag ist. Nach den Schluchten weiter im Norden ist es hier weitläufiger, schwarzer Kieselstrand. Wir halten und inspizieren die Möglichkeiten.
Das ist gut hier. Wir bleiben. Einkaufen müssen wir noch. Erst Supermercato und dann Ökobauer. Wir kaufen Rote Auberginen – noch nie gesehen. Macht nix. Mit unserer Eataly – Tasche sind wir voll dabei. Da passt auch noch Weißwein, Käse, Tomaten und sonstwas rein.
Wir entscheiden uns für Campeggio Lao, die haben eine Piratenflagge! Wir sind fast alleine und richten uns ein.
Leider haben wir ganz unbemerkt noch fremde Passagiere mitgenommen. Dachten eigentlich das Problem in der Toskana schon gelöst zu haben. Weit gefehlt. Der ganze Alkoven voller kleiner Ameisen. Unter der Matratze feiern die anscheinend ein Fest.
Wir räumen die Karre leer und sprayen und wischen was das Zeug hält. Gesund kann das nicht sein. Kopfschmerzen, tauber Gaumen. Wenns hilft!
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Das Wetter ist unberechenbar – jeden Augenblick kann es regnen. Coole Stimmung.
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Es stürmt, das Meer ist eine Sensation. Surfer und mutig müsste man sein. Wir trauen uns nicht ins Wasser. Die Wellen sind bestimmt 3 Meter hoch.
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Wo entleere ich hier eigentlich die Chemie-Toilette und muss ich da auch 50 Cent für 2 Minuten einwerfen wie in der Dusche? Finde nichts. Nichts ausgeschildert. Wenn die es so wollen, dann eben in die normale Toilette.
Ich bin ferig und höre „no, no, no“. Tja – leider zu spät. Er sagt „besser vorher fragen“. Ich denke „besser vorher sagen und ausschildern und zum richtigen Zeitpunkt da sein“. Habe trotzdem ein schlechtes Gewissen.
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Tag 6 – Chillen am Strand von Scalea – Wellen und azurblaues Meer soweit das Auge reicht
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Die Nacht war kalt. Sehr kalt. Hätten mal nicht alle Fenster offen lassen sollen. 7 Uhr – bin stocksteif vor Kälte, kann mich nicht bewegen. Alles ruhig hier, die Wogen hören wir im Hintergrund. Erstmal warten bis es wärmer wird. Und dann ab an das Meer.
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Neben uns am Strand eine Mutter mit ihrem Sohn. Eindeutig eine Russin, italienisch mit Akzent. Lustig anzuhören. Das Kind schreit, die Mutter schreit zurück. Das Kind weint, die Mutter schreit noch lauter. Russia meets Italy. Fatale Kombination für den Knirps.
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Hot. Hot. Hot.
Bewaffnet mit 20 Cent – Münzen geht es unter die Aussendusche. Fast schon schottische oder schwäbische Verhältnisse hier.
Wir dösen am Strand und wachen durch ein wiehern auf. Vor uns drei Cowboys auf ihren Pferden. Auch noch nie gesehen. Sie reiten in den Campingplatz und dann wieder raus und von dannen. Wahrscheinlich nur mal das Revier abstecken.
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Keinen Steinwurf von uns entfernt fliesst ein Fluss ins Meer. Grossartiges Gefühl wenn Süss- und Salzwasser sich treffen. Zum Glück haben wir die Luftmatratze dabei. Ein Heidenspass ist das, sich über 300 Meter ins Meer treiben zu lassen.
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Juhu, ich darf Roller fahren. Wir haben kein Aranciata Zero. Das ist die Gelegenheit. Düse in die Stadt, überhole rechts und links. Glücklich sein ist so einfach. Zurück am Platz – die Zigarettenfrage. Oh mein Gott, dann muss ich wohl nochmal los. Ich opfere mich und schwing mich nochmals auf das blaue Spassmobil.
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Tag 7 – letzter Tag am Strand bei Scalea – endlich sind wir im Camping – Alltag angekommen
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Das Camper -Leben hat uns eingeholt. Zeit und Raum spielen plötzlich keine Rolle mehr. Sanitäre Einrichtungen sind perfekt, solange Süsswasser aus den Brausen fliesst.
Wir starten mit einem Eddie Murphy – Special in den sonnigen Tag. Das Goldene Kind und der Prinz aus Zamunda entführen uns in die perfekte Welt und lassen uns an das Gute im Menschen glauben.
Gegen Mittag machen wir uns auf zum Strand. Das Meer ist türkis und blau und zum ersten mal ruhig.
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Im Hintergrund wird ein Boot geslippt. Spannend – da fährt ein Raupenbagger ins Meer und lässt das Boot ab. Pfiffig.
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Es ist zu heiß, wir haben Hunger. Gegen 14 Uhr kramen wir die Essensreste aus dem Womo zusammen und essen zu mittag. Anstrengend so ein Leben.
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Zurück am Strand erwartet mich Jack Reacher. Gestern auf den Kindl runtergeladen. Grossartige Erfindung! Stelle mir natürlich Tom Cruise als Protagonist vor und freue mich schon auf klare Wertvorstellungen und unmissverständliche Taten.
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Das Buch – der 1.Band der Reihe ist eine Sensation. Jack ist zufällig Hauptverdächtiger in einem Mordfall. Im Nirgendwo. Opfer sein Bruder, John!, den er seit 7 Jahren nicht mehr gesehen hat. Alles nah an der Realität.
Über die Berge zieht es bedrohlich schwarz an die Küste. Wir packen alles zusammen und sitzen im Dunkeln unter freiem Himmel und warten auf den Regen. Zum Abschluss des ersten richtig entspannten Camper-Tags noch eine Partie Rommee. Wir einigen uns aus ein Unentschieden. Eddie Murphy liegt doch falsch! Morgen gehts nach Scilla.
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Tag 8 – an der Küste Kalabriens entlang – die atemberaubende SS18 von Scalea bis Scilla
Die ganze Mühe war umsonst. Es hat garnicht geregnet. Umso früher kommen wir aber los. Kurz nach 10 Uhr sind wir abfahrbereit. Vor Vorfreude war ich aber schon um 6:30 Uhr wach und habe erstmal My Big Fat Greek Wedding angeschaut. Immer wieder lustig was man mit Glasreiniger so alles anstellen kann.
Es sind gute 200 km die vor uns liegen. Es geht immer die Küste entlang. Ein Ort schöner als der andere. Links die Berge und rechts das in allen Blautönen schimmernde Meer. Vorbei an Diamante und Amantea geht es nach Pizzo. Hier wurde das berühmte Tartuffo – Eis erfunden. Wir fahren in den Ort, ignorieren den Hinweis, dass LKW links abbiegen sollen und schlängeln uns durch die Gassen. Behände wie mit einem Fiat 600. Am Ortsausgang parken wir und steigen ans Meer hinab.
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Es ist kurz vor 1 Uhr – Mittagessen an der Strandpromenade von Pizzo. Wir warten ewig auf die Bedienung. Es hat sich aber gelohnt. Die besten Spaghetti Pommodoro auf dieser Reise.
--> Link.
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Satt und zufrieden suchen wir das berühmte Eiscafé und finden es. Geschlossen. Auch gut, dann eben heute Abend Granita in Scilla.
Nach dem Aufstieg zum Parkplatz entdecken wir eine Öllache unter dem Womo. Komisch. Ganz hinten rechts. Wie soll das denn da her kommen?
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Mir schwant übles. Am Abend zuvor hatte ich Öl aufgefüllt und den Kanister wieder im Heckstaufach untergebracht. Bestimmt nicht richtig verschlossen. Spitze, bei 30 Grad in der Sonne den Roller runtermachen und nachschauen.
Tatsächlich – es sind min. 3 Liter Öl ausgelaufen. Der Teppich ist vollgesogen, zum Glück lag es unten. Scheiss Öl aus Ulm. Liqui Moli ist nicht mal in der Lage eine Verpackung zu benutzen, die wieder schließt. Ganz abgesehen davon, dass schon das Nachfüllen ein Rotz war, da es keinen Trichter gab.
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Noch 100 km bis zum Ziel – Rocco, unser Airbnb – Host wartet in Scilla auf uns.
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--> LinkWir cruisen durch das schöne Kalabrien und fahren in Scilla auf die Piazza San Rocco ein. Polizei, Menschenmassen, überall parken Autos. Quetschen und durch und warten auf Rocco, unseren Host.
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Es ist Gottesdienst. Alles voll. Hier kommen wir nie raus. Rocco kommt und wir folgen seinem Scooter. Wie durch ein Wunder ergattern wir einen Parkplatz und beziehen unser Domizil.
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Wenig später kommen Emma und Marco, sind aus Volterra gekommen. 900 km in 9 Stunden. Lächerlicher Schnitt mit dem BMW. Marco ist mehr auf der Bremse als auf dem
Gas gestanden.
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Und ab ans Meer. Marco fährt. Christina ist unzufrieden. Zu italienisch. Anscheinend wohl nur innerorts. Versucht seinen Schnitt zu verbessern.
Am Strand dann zuerst Granita Fragola con Panna. Liebe es.
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Danach rein in die Fluten. Glasklares Wasser. Trocknen in der untergehenden Sonne:
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Zum Abendessen machen wir uns zu Fuß auf. Wir haben vergessen, dass es in der Innenstadt keine Restaurants gibt, es spielt sich alles am Strand ab hier. Vom letzten Besuch wissen wir aber, dass es noch eins am Ortseingang gibt. In Flip Flops quälen wir uns den Berg nach oben.
Wir sind die einzigen Gäste in einem weiß gekacheltem etwas. Bestimmt Platz für 150 Personen. Verzweifelt versuchen uns die netten Kellner von einem Menü zu überzeugen. Schwierig, wenn man Vegetarier ist. Am Ende einigen wir uns auf hausgemachte Nudeln alla Norma, Salat, Bruschetta und gegrillte Auberginen. Skurrile Situation. Der Kellner spricht mit mir als Patron, ich schaue Marco an, er übersetzt ins Deutsche, ich antworte dem Kellner in Italienisch. Sehr leckeres Essen.
Zurück in unsere Zwei-Raumwohnung legen wir noch die Bad- und Toilettenregeln fest und gehen schlafen. Zum Glück gibt es eine Klimaanlage. Wir schlafen bei gepflegten 21 Grad Celsius. Emma und Marco haben es lieber warm. Auf dem nächtlichen Gang zur Toilette durch ihr Zimmer bekommt man einen Hitzeschlag.
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Tag 9 – Hang Loose in Scilla – Chillen am Strand mit Blick auf Sizilien, Stromboli und Lipari – schwimmen mit Flamingos und Schwänen
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Es ist 5:50 Uhr – ich bin hellwach, die Klimaanlage brummt. 20 Grad im Zimmer, Eiseskälte. Erst mal abschalten das Ding. Irgendjemand muss es heute Nacht kälter gestellt haben. Würde jetzt gerne Tee machen. Geht nicht, da liegen ja Emma und Marco. Langeweile. IPad und Netflix helfen. So, 7:30 Uhr, es reicht. Gehe in das Wozi, die beiden schlafen. Klappere mit Töpfen, setze Wasser auf. Keine Reaktion. Süße unschuldige Kinder, wie die da so auf dem Rücken liegend schlafen.
Laufe durch das morgendliche Scilla, Blick immer auf
Sizilien und hole Kaffee und Tee aus dem Womo. Zurück in der Wohnung sorge ich für gute Stimmung. Alle sind wach, der Tag kann beginnen.
Ich habe einen freien Parkplatz direkt vor dem Appartement gefunden. Ich fahre durch die engen Gassen, Marco weißt mich ein. Würde die LKW-Führerscheinprüfung mit links bestehen.
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Ich bekomme die Haustür nicht auf. Heute morgen habe ich auch schon 5 Minuten dran rumgerüttelt. Jetzt muss Marco ran. Klappt auch nicht. Wir ziehen, drücken, fummeln. Nix geht. Verzweifelt rufe ich Emma an. Just in dem Moment macht es Klick und das Ding ist offen.
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Ums Eck gibt es Frühstück in der Bar Bellavista mit einem grandiosen Blick über die Straße von Messina und perfektem Cappuccino und Cornetti.
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Mit dem Auto geht es runter an den Strand. An unseren Lieblingsplatz direkt unterhalb der Stadt. Glasklares Wasser und kleiner Kiesel machen den Platz perfekt. Außerdem gibt es lecker Granita und Pizza.
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Wir wollen Aufmerksamkeit. Blasen unseren Flamingo am Kompressor auf und erobern das Meer, nur um festzustellen, dass ein dreifach so großer weißer Schwan uns die Schau stiehlt.
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Mittagessen dann in unserem Lido bei Francesco. Es ist perfekt hier. 20 Euro für 4 Liegen und 2 Schirme. Nette Menschen, leckeres Essen.
https:/.com/Lido-Francesco-Scilla-142957203707/.
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Zum Abschluss spielen wir Rommee mit den Kindern, bringen es Marco bei. Er gewinnt. Anfängerglück. Habe ihn gewinnen lassen.
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Nach dem Strand ist vor dem Strand. Weil es einfach so schön ist schlängeln wir uns abends wieder die Serpentinen hinunter zur Gelateria – Pizzeria San Francesco, nur 10 Meter vom Strand entfernt. Ganz ursprünglicher Laden, hat sich seit 4 Jahren nix geändert.
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Nicht ganz. Es gibt doch was neues. Auf einmal haben die Kekse mit ihrem Namen drauf. Coppa Nettuno – 4,50 Euro. Kompletter Abend zu viert – Vorspeise, Pizza, Bier, Wein, Eis – 65 Euro. Willkommen in Kalabrien!
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Tag 10 – Scilla mare und Granita Fragola con Panne am Morgen und mittags durch das regnerische Reggio Calabria
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Die Fernsteuerung der Klimaanlage ist verschwunden, Wasser ist ausgegangen. Eine höllische Nacht. Heiß, stickig, dem verdursten nahe. Trotzdem bis kurz nach 8 Uhr geschlafen.
Wir holen die restlichen Vorräte aus dem Womo und frühstücken Rühreier und Tomaten in der Wohnung.
Die Wetterapp sagt für heute Regen voraus. Das hat bisher noch nie gestimmt und deshalb ignoriert. Wir gehen ans Meer und schwimmen mit den Flamingos.
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Dieser Platz ist tatsächlich magisch. Die Piazza mit der Skylla – Skulptur, der Blick auf die Vulkane und Sizilien, der Stadtstrand und das klare Meer.
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Mittagessen dann wieder in der Gelateria – Pizzeria San Francesco mit einem Wirt wie aus einem Fellini-Film.
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Es schmeckt. Heute morgen um 11 Uhr direkt schon wieder Granita und nach dem Essen natürlich auch wieder.
Pech gehabt. Manchmal hat die App dann wohl doch Recht. Es regnet. Macht uns ja nix aus. Es gibt nur falsche Kleidung.
Mit dem Auto fahren wir nach Reggio Calabria – nur 20 Minuten entfernt und schlendern durch den Regen und die leeren Gassen. Reine Beschäftigungstheraphie.
Dafür entdecken wir das heimliche zweite Standbein der Ebersbacher Malerdynastie auf der Prachtstraße. Der Juniorchef genießt den Augenblick:
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Ho Fame. Wir snacken typisches italienisches Fastfood in leergefegten Straßen und genießen die Ruhe. Die Angestellten tuscheln über uns. Verrückte Deutsche!
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Ein Zwischenstopp bei einer der berühmtesten Eisdielen der Welt darf nicht fehlen. Es gibt ja auch sonst nichts zu tun hier bei dem Wetter.
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Aus reiner Langeweile fahren wir die berühmten Rolltreppen hoch und runter. Jede zweite ist außer Funktion, Lustigerweise machen die Rolltreppen eine Stunde Mittagspause. Wahrscheinlich schlafen sie.
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Es ist noch früh, nix zu tun, wir nehmen einen Aperitiv im b’art cafe – die dazugehörige Pinakothek lassen wir links liegen. So langweilig ist uns dann doch nicht.
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Zum Abendessen geht es zurück nach Scilla, ins Fischerviertel Chianalea. Filmkulisse hier. Unglaublich.
Unter den vielen Möglichkeiten entscheiden wir uns wieder für die Piratenflagge. Traditionelles Fischrestaurant. Auch die Pasta ist sehr lecker im Ristorante il Pirata. Wenigstens haben wir einen Fischesser dabei. Danke Marco.
Großartiger Blick von der Terasse ist hier inklusive.
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Auf dem Rückweg treffen wir unseren Vermieter Rocco. Er lädt uns zu Amaro ein und wir unterhalten uns mit Händen und Füßen. Ein unfassbar netter Mensch.
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Tag 11 – Sprung von der Klippe und Granita satt in Scilla
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Der letzte Tag in Scilla bricht um 5:50 Uhr an. Das kann nicht sein. Irgendwann muss man auch mal länger schlafen können. Wir drehen uns nochmal um – plötzlich ist es kurz vor 10 Uhr. Juhu!
Heute nochmal Strand bis zum Abwinken. Im Lido Francesco werden wir wie alte Bekannte begrüßt. Bekommen gleich 4 Café an den Platz gebracht. Das ist einfach wirklich sehr nett und freundlich hier, alles ohne Chichi und trotzdem oder gerade deswegen perfekt für uns.
Es gibt erst mal Granita satt:
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Dieser Becher der Gelateria San Francesco ist einer der Gründe für uns hier zu sein. Absolut verwunderlich, dass es Granita bei uns nicht gibt. Wäre mal eine Geschäftsidee. Komisch – hier heißen irgendwie alle Francesco. Vielleicht liegt es ja am Namen.
Seit Tagen wollen wir von der Klippe springen. Emma und ich wagen es. Unglaubliche Höhe. Bestimmt 2 Meter. Kein Wunder, dass Marco da vom sicheren Strand aus zuschaut. Könnten natürlich gefährliche Meeresungetüme auf uns warten.
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Wir verabschieden uns aus Scilla mit Pizza und Gelato und nehmen uns fest vor bald wiederzukommen.
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Morgen geht es weiter nach Sizilien.
Tag 12 – Auf nach Sizilien – wie wir Taormina links und Syrakus rechts liegen lassen
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Um 6:50 Uhr ist die Nacht endgültig zu Ende. Seit 1 Stunde überlegen wir hin und her ob wir Emma und Marco wecken oder nicht. Jetzt ist Schluss. Ich mache Kaffee und Tee, röste altes Brot in der Pfanne an und klappere mit allen Töpfen die es gibt. Nach 5 Minuten sind alle wach.
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Wir frühstücken, duschen, packen. Um 8:30 Uhr sind wir startklar. Nach uns die Sinflut. Emma und Marco besuchen Oma und Cousine in Roggiano, wollen dann weiter und sich mit Wohnwagen-Freunden am Gardasee treffen. Versteh einer die Jugend. Denen liegt die Welt oder zumindest Italien zu Füssen, und dann Gardasee. Jedenfalls war es sehr schön mit den Beiden. Neue Erfahrung auch für uns. Urlaub mit Tochter und Freund. Sind mal auf Urlaub mit RoKo gespannt…
Wir wollen nach Syrakus auf Sizilien und auf Kultur machen. Auch nicht besser. Das muss so toll sein mit all dem alten Zeugs.
Es gibt einen kurzen Abschied und wir quetschen uns mit 7 Metern durch Scillas Gassen.
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Wir kommen genau 100 Meter weit. Da ruft es „mein Freund, mein Freund“. Wir halten an und ich sehe denn netten mindestens 70 jährigen Deutsch-Italiener wieder, der mir gestern Abend seine Lebensgeschichte in 20 Minuten erzählt hatte, als ich am Auto nach einer Bikini-Hose suchte. Kommt aus Esslingen und will nur noch Urlaub in Scilla machen, niemals wieder dort hin ziehen. Verkehrte Welt. Mir gehts andersrum. Total süss, wir freuen uns beide uns wieder zu sehen und verabschieden uns herzlich.
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Ab auf die Fähre. Geht alles ganz geschmeidig. 52 Euro und 20 Minuten später sind wir im gelobten Land. Es ist noch richtig früh.
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Bin ich froh, dass ich das Dach vor dem Urlaub noch mit dem Hochdruckreiniger gesäubert habe.
Wir fahren von Messina in den Süden. Taormina kennen wir schon und lassen diesen tollen Ort erst mal links liegen. Wir wollen ja Kultur. Verzweifelt suchen wir in und um Syrakus herum nach einem Campingplatz. Wir finden nichts, treiben immer weiter nach Süden ab, finden nichts.
Dann eben doch keine Kultur. Uns doch egal. Können wir auch nachlesen. Wir fahren ganz in den Süden von Europa und landen im Caming di Vita Vera.
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Der ist ganzjährig geöffnet – das Thema haben wir mal definitiv unterschätzt – und wir werden supernett empfangen. Okay – wir sind auch Gäste Nr.5 an diesem Septembertag.
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Neu und spannend für uns
– wir haben eine eigene Dusche und Toilette. Luxuscamping in Sizilien.
Alles aufbauen und dann ab ins Meer. Ins ionische. Großartig – nach 4 Tagen im Appartment endlich wieder frei!
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Tag 13 – Am wahrscheinlichsten südlichsten Campingplatz Italiens in Marina di Modica den Sturm überstehen
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Das war eine anstrengend Nacht. Zuerst stickig und heiss, dass man kaum Luft bekommen hat und ab 3 Uhr dann Regen und Wind. Im Halbschlaf neheme ich ohrenbetäubenden Lärm war und denke ich zuerst Christina räumt den Wäscheständer wegen des Regens rein, bis mir klar wurde, dass die Markise im Wind klappert. Schlafrunken sichere ich das Gestänge und räume zusammen. An echten Schlaf ist nicht mehr zu denken.
Frühstücken ist angesagt. Eier fehlen, das war klar. Aber wo ist der Espressokocher? Finde nur das alte Stück, bei dem der Siebeinsatz fehlt. Wie Schuppen fällt es mir von den Augen – den habe ich im Appartment in Scilla vergessen. Christina dreht durch, ein Morgen ohne Kaffee ist undenkbar. Ich koche Wasser und bastel aus 2 Papiereinsätzen für die Chemietoilette einen Filter. Es hält so halbwegs – der Morgen ist gerettet.
Zum Glück vertreibt der Sturm die Wolken. Um 13 Uhr wagen wir uns raus.
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Ist toll anzusehen. Aber das war es dann auch. Wir sind ja extra nicht an die Nordsee gefahren. Gegen 14 Uhr ist der Wind dann auch so stark, dass wir Markise und weiteres flugfähiges Zubehör sichern.
Wir brauchen Zigaretten und trotzen dem Wind. Direkt im Ort ist alles geschlossen. Montag. Bleibt uns nichts übrig, als mit dem Roller die 7 km nach Pozzallo zu fahren. Juhu, endlich wieder italienisch fühlen. Auf dem Corso lassen wir es uns erst mal gut gehen. In der Bar Cappello gibts Granita und Eis und Café.
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Komisches Gefühl auf Sizilien, man wartet ständig auf den Paten und beobachtet argwöhnisch das Verhalten der Menschen um einen rum. Jeder könnte ja potentiell zur familia gehören.
Wir cruisen mit dem Roller durch due Stadt. Komisch – so richtig windig ist es nur an unserem Strand.
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Suchen einen supermercato. Brauchen ja Eier und einen neuen Kaffeekocher oder zumindest Filtereinsatz für den defekten Espressokocher.
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Perfekt. Alles bekommen. Über die vierspurige SP66 geht es zurück. Immer hart gegen den Wind. Unsere Sfera gibt alles – mit 50 km/h trotzen wir den Naturgewalten und kämpfen uns durch Sandverwerfungen. Endlich ist klar wie sich sandstrahlen im Gesicht anfühlt.
Am Platz angekommen packen wir alles zusammen. Es tröpfelt, das Wetter wie an der Nordsee.
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Wir ziehen warmes Zeugs an und öffnen die Prosecco- Flasche. Morgen fahren wir weiter.
Tag 14 – Die Flucht vor dem schlechten Wetter und die verzweifelte Suche nach einem Campingplatz – einmal quer über die Insel
Um 8:30 Uhr haben wir schon alles gepackt und sind abfahrbereit. Das Wetter ist besser, wir wollen die südliche Küste entlang nach Agrigento.
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Wir fahren die Nebenstrassen am Meer entlang. Alles sehr trist und traurig. Kein schöner Fleck zu finden.
Bei Vittoria wissen wir endlich
live und in Farbe wo unser Gemüse herkommt.
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Wir verabschieden uns von der Vorstellung sizilianischer Ökobauern, die per Hand unsere Tomaten ernten, nachdem wir kilometerlang an Gewächshäusern und Müllbergen vorbeigefahren sind.
Ein paar Kilometer weiter sehen wir, dass Agrarwirtschaft und Schwerindustrie prima harmonieren.
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Uns egal. Wir müssen tanken und Gemüse ist unser Fleisch. Ausserdem sind wir zum baden hier.
Blöd nur, dass wir direkt in die Wolkenfront fahren und die Scheibe schon Tropfen abbekommen hat. Zum Glück gibts die Wetterapp. In Cefalu soll es schön und sonnig sein. Wir disponieren um und wuchten unser Womo quer durch Sizilien über das Gebirge. Hier gibt es nichts. Nur Brücken. Die ganze Strasse ist auf Stelzen gebaut. Entweder alle anderen machen was falsch, oder der Autobahnbauer besitzt ein Stelzenfachgeschäft. Unglaublich, sogar Brücken die Brücken kreuzen. Auf Stelzen!
Wir erreichen den anvisierten Campingplatz vor den Toren der Stadt. Toller Platz, tiptop. Aber wo ist das Meer? Ganz am Ende, ganz unten, Steine, riesige Brandung. Gefällt uns nicht, wir ziehen nassgeschwitzt vom Aufstieg vom Meer, weiter. Ist ja erst 13 Uhr. Wir fahren mit dem Womo durch Cefalu durch. Spannend. Und dann weiter die komplette Küstenstrasse entlang, halten immer wieder und nichts gefällt uns. Dafür essen wir in der Keramikhochburg Siziliens lecker Granita in der Bar il baronetto
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Habe noch nie so viele Läden mit bunt bemalten Tellern und Figuren gesehen. Das müssen Millionen sein hier inSanto Stefano di Camastra.
Kein Strand, zu viel Brandung, nicht am Meer gelegen. So sieht es heute an der Nordküste aus. Sizilien ist keine Campinginsel, denken wir.
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Fündig werden wir schlussendlich zwischen Patti und Falcone. So weit wollten wir garnicht fahren. Die Gegend kennen wir ja auch schon. Cefalu oder Palermo können wir jetzt vergessen,
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Wir landen um 18 Uhr auf dem Camping Villaggio Marinello und sind einfach nur froh da zu sein. Guter Kompromiss. Riesig, aber leer. Wir stehen am Meer und sind auch sofort nach dem sagenhaft schnellen Aufbau rein gesprungen.
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Tag 15 – Sonne satt am einsamen Strand – nackt in den Wellen baden, wer hätte sowas schönes hier erwartet
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Die juckenden Stiche an unseren Beinen und die Hitze des Morgens wecken uns auf. Die Sonne steht über dem Meer und knallt unbarmherzig in unser Schlafzimmer. Dafür haben wir ja Meerblick und abends dann schön Schatten. Endlich wieder Camping – Normalität.
Zur Dusche ist es eine Weltreise. In unseren weissen Bademänteln lustwandeln wir über den gesamten Platz, ziehen neidische Blicke auf uns. Schon im zweiten Campingjahr sind wir das wahrscheinlich am besten ausgestattete Womo Bj.1991.
Wir wollen ans Meer. Direkt am Platz beginnt ein Naturschutzgebiet. Irgendwo muss da auch eine Grotte sein im Riserva Naturale Laghetti di Marinello.
Wir laufen 200 Meter am Strand entlang und entdecken das Paradies. Nach 500 Metern sind wir alleine, der Strand, die ganze Welt gehört uns.
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Ein großartiger Platz. Über uns, in geschätzt 70 Meter Höhe, trohnt schützend ein Kloster. Wir spekulieren, ob die Sünder sich hier früher mit einem beherzten Sprung reinwaschen konnten. Was man eben nicht so alles macht um dem Fegefeuer zu entgehen.
Wir geniessen Meer und Sonne und baden nackt in den Fluten. Freiheit pur. Immer wieder ziehen Pärchen an uns vorbei, suchen einen schönen Platz. Jedesmal schlingen wir die Handtücher um uns. Alles verläuf sich in der Weite des Strands. Ganz unbemerkt liegen nach einer Weile in 75 Meter Respektsabstand links und rechts 2 ältere Herren neben uns. Haben wir garnicht mitbekommen. Der eine zieht sich aus und stolziert freudig geschwollen ins Meer.
Zeit für uns zu gehen, jetzt wo sich auch die Wasser- und Zigarettenvorräte dem Ende zuneigen.
Ausserdem hat auch Jack Reacher seine Mission erfolgreich beendet.
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Wir hatten heute noch kein Granita und haben keine Zigaretten mehr. Endlich wieder Sfera fahren. Wir düsen in die angrenzende Stadt, nach Oliveri, und wählen die zentralste Bar aus.
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Zwei Cafe und zwei Granite con Panna später sind wir uns einig, dass dies das beste Granita dieser Reise war und wir kommen morgen auf jeden Fall wieder in die Gelateria Orchidea, auch schon um zu sehen ob die fünf Männer immer noch da sitzen.
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Haben sich doch tatsächlich 30min lang angeschwiegen. Müssen schon lange miteinander verheiratet sein.
Mit Bildern:
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