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Eine Reise zu den Orkney-Inseln_I

permanenter Linkvon gnarz18 am 25 Jan 2026 16:27:12


Unser Jahresurlaub steht an – und wo sollte es auch hingehen, wenn nicht nach Schottland. Schließlich hatten wir dort noch eine Rechnung offen. Unser letzter Schottland-Trip endete nämlich weniger mit Dudelsack und Hochlandromantik, sondern mehr mit Abschleppwagen, Werkstattrechnungen und der Erkenntnis, dass eine Autopanne im Nirgendwo erstaunlich viel Zeit und Geld frisst. Über eine Woche Urlaub war damals futsch. Also wagen wir einen neuen Versuch.
Dieses Mal soll es noch einmal auf die Orkney-Inseln gehen, eine Inselgruppe nördlich des schottischen Festlands, die aussieht, als hätte jemand ein Freilichtmuseum für Steinzeit, Wikinger und Weltkriege mitten in den Nordatlantik gelegt. Prähistorische Gräber, Steinkreise älter als Stonehenge und eine Geschichte, die locker 5.000 Jahre überspannt. Das meiste sind Outdoor-Sehenswürdigkeiten – Orkney ist also nichts für Menschen, die bei Regen sofort schlechte Laune bekommen.
Geplant ist, dass unsere Tochter die erste Urlaubshälfte mitkommt und dann von Orkney aus zurück nach Deutschland fliegt. Für die Anreise entscheiden wir uns diesmal für die Fähre von IJmuiden nach Newcastle. Rein rational lohnt sich das Ganze nicht: teurer, längere Anfahrt, spätere Ankunft in Großbritannien. Der große Vorteil gegenüber der Hull-Fähre ist allerdings, dass man sich die eher seelenlose Strecke Hull–Newcastle spart. Komfort schlägt Effizienz – zumindest in der Theorie.
Wir starten mittags in Aachen und fahren bei erstaunlich schönem und mildem Wetter nach IJmuiden. Um 15:30 Uhr erreichen wir den Hafen, kurz darauf dürfen wir an Bord.

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IJmuiden Hafen

Die Kabine ist… sagen wir mal „kompakt“. Sie liegt auf Deck 2, somit unter dem Car Deck und sogar unter der Wasserlinie – perfekte Voraussetzungen für eine Nacht, in der man jede Welle persönlich kennenlernt. Aber es ist ja nur für eine Nacht.

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Gegen 17 Uhr legt das Schiff ab und wir steuern das Buffet an. Von Auswahl und Qualität her schneidet das Buffet der P&O-Fähre Rotterdam–Hull nur unwesentlich besser ab. Das Abendprogramm hingegen reißt niemanden vom Hocker – wobei Geschmack bekanntlich subjektiv ist. Vielleicht waren auch einfach unsere Erwartungen zu hoch.

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Der Sonnenaufgang am nächsten Morgen entschädigt dann aber für alles. Um 9 Uhr Ortszeit passieren wir die Hafeneinfahrt von Newcastle. Das Schiff braucht gefühlt eine Ewigkeit für die letzten vier Kilometer bis zum Anleger, sodass wir erst kurz vor 10 Uhr von Bord dürfen.

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Ankunft in Newcastle upon Tyne

Von dort geht es zügig Richtung Norden: über die A1 vorbei an Alnwick (bekannt für sein Schloss, das unter anderem für Hogwarts als Vorlage diente), Berwick-upon-Tweed – jahrhundertelang zwischen England und Schottland umkämpft – bis nach Edinburgh. Die schottische Hauptstadt, seit 1437 offiziell Hauptstadt des Landes, lassen wir diesmal links liegen und wechseln auf die M90 Richtung Perth.
Perth selbst ist mäßig spannend, glänzt aber mit einem hervorragenden Buchladen. Perfekt, um noch ein paar Weihnachtsgeschenke für Paula zu besorgen. Außerdem kaufen wir eine Vodafone-Datenkarte. 5G gibt es inzwischen fast überall in Schottland – selbst dort, wo es mehr Schafe als Menschen gibt. Streaming am Abend ist also gesichert.
Nach zwei Stunden verlassen wir Perth und suchen uns im kleinen Ort Dunkeld einen Platz für die Nacht. Dunkeld war einst kirchliches Zentrum Schottlands und besitzt eine Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert. Der Stellplatz ist eher zweckmäßig, aber das Örtchen selbst ist nett, mit ein paar Pubs und Geschäften. Genau die richtige Mischung aus „nichts los“ und „gerade genug los“. Wobei das im Sommer durchaus anders sein kann. Die nahegelegene Hermitage (toller Wasserfall mit schönem Waldwanderweg) zieht viele Besucher an.

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unser Schlafplatz in Dunkeld

Am nächsten Morgen geht es entspannt weiter Richtung Inverness, der selbsternannten Hauptstadt der Highlands. Unterwegs machen wir Halt in Pitlochry, einem viktorianischen Kurort aus dem 19. Jahrhundert, der heute vor allem von Touristen lebt. Wir schlendern durch die Straßen, stöbern in Läden und trinken Tee in einer weihnachtlich dekorierten Teestube. All very british. Es fehlt eigentlich nur noch jemand, der „Lovely weather today, isn’t it?“ sagt – obwohl es regnet.

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In Inverness finden wir einen Stellplatz am Freizeitbad an der Bught Lane – offenbar ein Klassiker unter Wohnmobilisten. Nicht schön, weil man am Straßenrand steht. Aber man kommt gut zu Fuß ins Stadtzentrum. Ein netter Fußmarsch in die Innenstadt führt über Ness Islands – mehrere kleine Inseln im River Ness. Der Wasserstand zeigt deutlich, dass es zuvor ordentlich geregnet haben muss. Wir haben Glück: Sonne, etwa 9 °C und fast schon frühlingshafte Stimmung. Man könnte glatt vergessen, dass Dezember ist.

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voll illuminiert

Inverness selbst überzeugt uns nur bedingt. Ein kleiner Weihnachtsmarkt, ein mäßiger Italiener – na ja. Aber: Hier gibt es ein Kino. Da Paula unbedingt den neuen Avatar-Film in 3D im Originalton sehen möchte, buchen wir Tickets für den nächsten Tag. Weiter nördlich gibt es nun mal kein 3D-fähiges Kino mehr.

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Weihnachtsmarkt in Inverness

Die Nacht ist laut, der Regen kräftig. Trotzdem stehen wir früh auf und fahren zu einem dieser riesigen Einkaufszentren außerhalb der Stadt. Da wir noch reichlich Zeit bis zum Filmstart haben, nutzen wir die Gelegenheit zum Großeinkauf. Fleisch-, Wurst-, Milch- und Käsewaren dürfen ja nicht mehr eingeführt werden. Bei einer Grenzkontrolle wegen ein paar Scheibem Salami oder eines Eintopfs mit Würstchen erwischt zu werden, ersparen wir uns gerne - die britischen Strafen sind unbritisch unhöflich.
Um kurz vor 11 Uhr sitzen wir im Kino und schauen uns das 3 Stunden 17 Minuten lange Werk von James Cameron an. Bildgewaltig, ja. Inhaltlich… sagen wir: vorhersehbar. Aber da ist dann auch wieder die Sache mit dem Geschmack …
Zum Glück ist es noch hell, als wir kurz vor 15 Uhr das Kino verlassen. Danach geht es weiter über die A9 Richtung Norden. Kaum Verkehr, wir kommen gut voran. Dank der neuen SIM-Karte buchen wir unterwegs einen Campingplatz nahe Gills Bay und der Fähre zu den Orkney-Inseln.
Kurz vor 16 Uhr wird es dunkel. Google Maps meint, fünf Minuten sparen zu müssen, indem es uns über kleine Single-Tracks schickt. Da quasi kein Verkehr herrscht, stört uns das wenig – unser Vertrauen in Google Maps ist ohnehin längst schon emotional abgestumpft.
Der Campingplatz ist nicht zu übersehen – vermutlich sogar von der ISS aus nicht. Lichterketten überall, alles blinkt und leuchtet.

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Weihnachtsdeko auf höchstem Niveau :D

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Wir werden herzlich begrüßt, bekommen alles erklärt. Sogar ein kleines Restaurant in einem umgebauten Reisebus gibt es hier.

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der Reisebus dient als Restaurant

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Essen und Trinken: gut

Burger, groß und lecker. Paula ist zufrieden – also sind wir es auch.

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Ferry View Campsite

Obwohl Gills Bay nur wenige Minuten entfernt ist, sind wir früh auf den Beinen: die Fähre geht um halb zehn. Bei gutem Wetter sind wir rechtzeitig im Hafen, wo der Katamaran gerade ankommt.

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die MV Pentalina

Das Verladen geht zügig, auch wenn größere Fahrzeuge rückwärts auf die Fähre müssen. Vertrauen in die Einweiser ist dabei alles. Die Überfahrt ist etwas unruhig. Paula und ich merken zwar nichts davon, aber die Spucktüten knistern überall und das Fährpersonal rückt mit Aufnehmer und Desinfektionsmittel aus. Bei bestem Fotowetter geht es an Hoy und Flotta vorbei in die Bucht von Scapa Flow, einst einer der wichtigsten Flottenstützpunkte der Royal Navy.
Nach gut einer Stunde legen wir in St. Margaret’s Hope an.

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St. Margaret’s Hope

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Seehunde in der Bucht von St. Margaret’s Hope

Unser erster Weg führt uns nach Kirkwall, der Inselhauptstadt, die seit etwa 1000 n. Chr. ein regionales Zentrum ist. Die Stadt ist erstaunlich lebendig, mit vielen kleinen Geschäften. Natürlich gibt es viele Schmuckgeschäfte – Schmuck von den Orkney-Inseln wird weit über die Inseln hinaus geschätzt.
Im Zentrum steht die mächtige St. Magnus Kathedrale. Die Kathedrale selbst ist beeindruckend: roter und gelber Sandstein, massive Mauern - ein Bau, der nicht dekorativ sein will, sondern dauerhaft. Errichtet ab 1137, wie so oft finanziert durch politische Intrigen, Mord und religiöse Motivation. Orkney Geschichte in Steinform.

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St. Magnus Kathedrale

Überall wird bereits das Ba-Game vorbereitet – ein archaisches Ballspiel, das am ersten Weihnachtstag und Neujahr ausgetragen wird. Nach Einkäufen und Tee im Community Café wird klar: Es ist deutlich kälter geworden. Wir fahren über den Ring of Brodgar nach Yesnaby, um dort zu übernachten.

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man bereitet sich auf das Ba Game vor

Der Ring of Brodgar ist einer der bedeutendsten Steinkreise Großbritanniens aus der Jungsteinzeit, errichtet etwa zwischen 2500 und 2000 v. Chr.. 27 Steine stehen noch, ursprünglich waren es wohl 60. Niemand weiß genau, wozu das Ganze diente – Kultstätte, Kalender, Statussymbol. Wahrscheinlich von allem etwas. Der Platz ist offen, frei zugänglich, keine Zäune, kein Eintritt. Man steht mitten in 5000 Jahre alter Geschichte und wundert sich kurz, warum das alles so selbstverständlich wirkt.
Ein Historic Scotland Warden von Skara Brae, mit dem wir uns ein paar Tage später unterhalten, erklärt uns, dass der Steinkreis dem Ansturm der Touristen nicht mehr gewachsen ist. Waren es früher jährlich ein paar Tausend, die den Steinkreis besucht haben, sind es nun ein paar Hunderttausend Touristen. Besonders im Sommer, wenn die Kreuzfahrtschiffe in Stromness anlegen, werden Tausende Menschen mit Bussen über die Insel zu den Sehenswürdigkeiten gekarrt. Die Steine stecken teils nur einen Meter tief im weichen Boden. Wenn dann zu viele Menschen um die einzelnen Steine laufen oder sich dagegen lehnen, droht Umfall-Gefahr. Zudem beobachtet man immer häufiger, dass Leute die Steine oder auch Bauwerke immer mehr beschädigen. Da werden die Initialen eingeritzt oder einfach Stücke als Andenken rausgehauen. Somit ist der direkte Zugang zum Steinkreis leider gesperrt bzw. es wird mit britischer Höflichkeit freundlichst darum gebeten, vom Zutritt in den inneren Kreis abzusehen.

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Ring of Brodgar

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...und von oben

Wir fahren weiter nach Yesnaby, einem der wildesten Küstenabschnitte der Hauptinsel Mainland. Steilklippen, donnernde Wellen, permanenter Wind – landschaftlich absolut spektakulär.
Da es noch hell ist, lassen wir die Drohne steigen. Dabei wird einem schon etwas mulmig, wenn man sieht, wie das kleine Gerät gegen den Wind ankämpft. Am frühen Abend werden wir mit einem romantischen Sonnenuntergang belohnt, bevor die Sonne für rund 17 Stunden verschwindet.

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Yesnaby

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hoffentlich hält die Drohne das aus :roll:

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Sonnenuntergang in Yesnaby

Der Schlafplatz ist perfekt gelegen. Wir hoffen nur, dass der Wind nicht noch stärker wird – sonst wird es eine sehr bewegte Nacht. Geräuschkulisse und Aussicht sind jedenfalls beeindruckend.

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Am nächsten Morgen weckt uns ein farbenprächtiger Sonnenaufgang. Erstes Ziel ist Stromness, die zweitgrößte Stadt der Orkney-Inseln. Der Ort zieht sich entlang einer schmalen Hauptstraße, die man mit größeren Fahrzeugen besser meidet. Stromness ist wichtiger Fährhafen (u.a. nach Scrabster) und Anlaufstelle für Kreuzfahrtschiffe. Das merkt man an der Dichte von Souvenir- und Kunsthandwerksläden deutlich.

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Stromness...leider hat alles geschlossen

Da Sonntag ist, sind – Überraschung – viele Geschäfte geschlossen oder öffnen erst deutlich später. Wir beschließen daher, das Thema Shopping elegant zu vertagen und fahren stattdessen zum Brough of Birsay.

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ziemlich eng, die Hauptstraße in Strommness

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Diese kleine Gezeiteninsel liegt vor der Nordwestküste von Orkney Mainland und ist nur bei Niedrigwasser über einen schmalen Damm erreichbar. Die Zeiten der Tiden sollte man bei einem Besuch des Brough auf jeden Fall im Blick halten! Auf der Insel befinden sich die Überreste einer romanischen Kirche (12. Jh.) inmitten einer Wikingersiedlung aus dem 9. Jahrhundert sowie ein Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert. Dieser wurde entworfen von der berühmten schottischen Stevenson-Familie, die offenbar kollektiv beschlossen hat, Schottlands Küsten vollständig mit Leuchttürmen zu versehen

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Birsay

Als wir ankommen, ist der Weg noch nicht ganz freigegeben. Das Wasser zieht sich zwar sichtbar zurück, aber wir haben keine Lust auf unfreiwillige Fußbäder. Also warten wir etwa eine halbe Stunde, dann ist der Damm sicher begehbar und wir laufen trockenen Fußes hinüber.
Die Siedlungsreste sparen wir uns dieses Mal – die kennen wir bereits von früheren Besuchen. Stattdessen steuern wir direkt den Leuchtturm an.

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auf zum Leuchturm

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Stevenson Leuchtturm von 1925

Hier lassen wir die Drohne steigen. Kaum ist sie in der Luft, meldet die Software mit ernster Stimme: starker Wind, mögliche Rückkehrprobleme, bitte Vorsicht. Wir nehmen diese Warnung zur Kenntnis – und fliegen trotzdem hinaus über das Meer.

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Wir ignorieren also sämtliche elektronischen Bedenken und vertrauen ganz auf chinesische Ingenieurskunst. Und siehe da: Die Drohne kehrt brav zurück.

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Danach spazieren wir noch ein wenig über die Insel, genießen das winterliche Licht und den langsam untergehenden Sonnenball.
Die Nacht verbringen wir auf dem Parkplatz des Sands Hotel auf Burray, einer der südlichen Orkney-Inseln. Abends gibt es dort sehr ordentliche Fish ’n Chips – nichts Ausgefallenes, aber genau das Richtige nach einem windigen Tag.
Da der Hotelparkplatz landschaftlich nun wirklich kein Highlight ist, fahren wir am Morgen zum Frühstücken zum Earl’s Bu bei Orphir. Leider regnet es. Earl’s Bu ist ein historischer Ort mit einem rekonstruierten Wikinger-Langhaus und einer Rundkirche aus dem 12. Jahrhundert, erbaut von Earl Haakon Paulsson, einem nordischen Herrscher der Orkney-Inseln.

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Rundkirche in Orphir

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Nach dem Frühstück hört der Regen glücklicherweise auf und wir fahren weiter zum kleinen Fährhafen in Houton. Von hier geht es zur Insel Hoy, der einzigen Orkney-Insel mit nennenswerten Erhebungen. Die Fähre haben wir vorsorglich am Vortag gebucht, da Fahrzeuge über sechs Meter Länge reservierungspflichtig sind. Die Überfahrt führt durch Scapa Flow, einem der größten Naturhäfen Europas und in beiden Weltkriegen von enormer strategischer Bedeutung. Ziel ist Lyness, die Fahrt dauert etwa 30 Minuten und kostet 62 Pfund.

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die Überfahrt ist leider recht langweilig

Spektakulär ist die Überfahrt bei diesem Wetter nicht, aber wir kommen entspannt an. In Lyness könnte man das Scapa Flow Museum besuchen, das sich mit der Geschichte der britischen Flotte und der Selbstversenkung der deutschen Hochseeflotte im Jahr 1919 beschäftigt. Im Winter ist das Museum jedoch geschlossen, sodass wir uns auf die Außenexponate beschränken.
Unser erstes Ziel auf Hoy – genauer gesagt auf South Walls, das über einen Damm mit Hoy verbunden ist – ist der Ort Longhope.

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auf Hoy gibt es eine Menge "Lost Places"

Viel los ist hier nicht. Im Sommer gibt es zwei Hotels mit Gastronomie, im Winter hingegen verschlossene Türen. Auch der Hackness Martello Tower, ein Verteidigungsturm aus dem frühen 19. Jahrhundert, der ursprünglich gegen Napoleons Truppen gedacht war, ist geschlossen. Wir begnügen uns mit dem Blick von außen.

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Hackness Martello Tower

Danach geht es weiter zum Cantick Head Lighthouse, ebenfalls ein Werk der Stevensons. Bei grauem Himmel und Wind hält sich die Begeisterung allerdings auch hier in Grenzen.

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Cantick Head Lighthouse von 1858

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St Johns

Menschen oder Autos begegnen uns kaum. Dafür passieren wir zahlreiche verlassene Häuser – stille Hinweise darauf, dass Hoy früher deutlich dichter besiedelt war.

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viele verlassene Häuser

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und zum Teil viel Schrott

Wir fahren weiter nach Rackwick, einem kleinen Weiler im Südwesten der Hoy. Rackwick ist bekannt für spektakuläre Sonnenuntergänge – heute leider Fehlanzeige. Dafür gibt es hier einen gut ausgestatteten Stellplatz mit Entsorgungsmöglichkeit. Die Zufahrt erfolgt über eine lange, einsame Single-Track-Road, die gefühlt direkt ans Ende der Welt führt.

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einsame Single Track Roads

Zunächst führt die Straße durch eine Moorlandschaft, in der uns ein einzelnes weißes Grab auffällt. Wir halten an und laufen hinüber. Hier liegt Betty Corrigal, eine junge Frau aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurde um 1770 schwanger, der Vater des Kindes verschwand, Betty versuchte sich daraufhin das Leben zu nehmen. Beim ersten Versuch wurde sie zunächst gerettet, erhängte sich aber wenige Tage später. Da Selbstmörder damals nicht in geweihter Erde bestattet werden durften, wurde sie anonym im Moor begraben.

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das Grab von Betty Corrigal

Rund 150 Jahre später fanden Torfstecher ihren erstaunlich gut erhaltenen Körper. Sie wurde mit damaligen Mitteln untersucht und an gleicher Stelle wieder begraben. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie mehrfach immer wieder mal per Zufall beim Torfstechen gefunden und umgebettet – unter anderem 1941 von amerikanischen Soldaten. Der Leichnam wurde erneut untersucht und sollte danach wieder anonym begraben werden. Die Soldaten waren von Bettys Gesichte aber so ergriffen, dass sie ihr schließlich ein ordentliches Grab mit Zaun und Grabstein errichteten. Eine späte Form von Gerechtigkeit.

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Die Straße führt weiter bis Linksness und dann durch ein langes Tal in den Süden der Insel. Im Sommer ist Linksness der Anleger für die Fußgänger- Fähre ab Stromness. Auf den gesamten 20 Kilometern begegnet uns kein einziges Fahrzeug. Einsam, ruhig, angenehm – genau unser Ding.
In Rackwick dürften wir bis zu sieben Nächte auf dem Stellplatz bleiben. Es gibt ein kleines Toilettenhäuschen, eine neue Entsorgungsstation und einen kurzen Weg zum Strand. Außerdem steht dort ein Bothy, eine einfache Schutzhütte.

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Linksness

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Rackwick

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Stellplatz in Rackwick, sieben Nächte sind erlaubt

Vom Stellplatz sind es nur ein paar Meter bis zum Strand mit Bothy.

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am Strand von Rackwick

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Rackwick Beach

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Leider wird es den ganzen Tag über nicht richtig hell, aber der Wetterbericht verspricht Besserung. Für den nächsten Tag steht der Old Man of Hoy auf dem Programm. In der Nacht frischt der Wind kräftig auf, der Himmel ist sternenklar – unser Fahrzeug wird ordentlich durchgeschaukelt. Schlafen ist möglich, aber eher in der Theorie.

Am Morgen bleibt es bedeckt, aber trocken. Wir starten die Wanderung zum Old Man of Hoy, etwa sieben Kilometer insgesamt. Zunächst geht es durch den kleinen Ort, dann langsam bergauf, bis wir die Klippen erreichen.

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Nach rund 45 Minuten taucht er auf: der Old Man of Hoy - eine 137 Meter hohe Felsnadel, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Orkney-Inseln. Der Weg zieht sich noch ein wenig, dann stehen wir direkt am Abgrund. Im Sommer nisten hier Tausende Seevögel, im Winter sind deutlich weniger Vögel in den Klippen – vor allem Eissturmvögel.

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Old Man of Hoy

Die Felsnadel erinnert an die Lange Anna auf Helgoland, ist aber etwa dreimal so hoch. Am Fuß des Felsens entspannt sich eine kleine Gruppe Seehunde im ruhigen Wasser.

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die ganze Familie liegt faul auf den Felsen

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Auch hier lassen wir die Drohne steigen, um den Felsen einmal von der Meerseite zu sehen. Diesmal mit etwas mehr Respekt vor Wind und Physik, denn wenn die Drohne hier verloren geht, ist sie für immer weg.

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Anschließend machen wir uns auf den Rückweg – die Fähre zurück wartet nicht.

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der weg zieht sich...

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bis die Bucht von Rackwick wieder in Sicht kommt

Auf dem Weg zurück zum Hafen legen wir einen kurzen Stopp am Dwarfie Stane ein, einem neolithischen Grab aus etwa 3000 v. Chr., das direkt aus dem Sandstein geschlagen wurde.

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Dwarfie Stane

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Zurück in Lyness erreichen wir die Fähre pünktlich und setzen wieder nach Mainland über. Die Nacht verbringen wir in Deerness am Community Center – dem einzigen Stellplatz der Orkneys, der im Winter geöffnet ist. Nach einem kurzen Telefonat bekommen wir den Schlüssel für das Duschhaus, zahlen für die Nacht und dürfen bei Bedarf jederzeit wiederkommen. Bezahlt wird dann per Bargeld in den Briefkasten. Die nette Lady bittet uns nur darum, vor Abreise auf jeden Fall den Schlüssel im Briefkasten zu deponieren. Sehr entspannt.
Es ist Weihnachten, also fahren wir nach Stromness. Wir parken am Hafen, wo auch die Hamnavoe, die große Fähre nach Scrabster, liegt. Die Geschäfte sind geöffnet und wir merken schnell: im Winter sind Touristen hier eine Seltenheit. Fast jeder Ladenbesitzer fragt uns, wie es uns geht, woher wir kommen, warum wir um diese Jahreszeit hier sind, usw..

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auf dem Weg nach Stromness

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Ölförderung auf den Orkneys

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Hafen von Stromness

Wir kaufen ein paar Kleinigkeiten, schlendern die Hauptstraße rauf und runter und fahren anschließend weiter Richtung Kirkwall, um beim Lidl unsere Vorräte aufzufüllen. Eigentlich wollten wir von hier aus direkt weiter nach St. Margaret’s Hope. Aber der Himmel verspricht einen schönen Sonnenuntergang und so machen wir noch einen Abstecher an die Westküste – ist ja alles nicht so weit hier.

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das Licht macht Hoffnung auf einen schönen Sonnenuntergang

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Ring of Brodgar im letzten Licht

Um kurz vor 18 Uhr erreichen wir St. Margaret’s Hope, den größten Ort auf der Insel South Ronaldsay. Der Ort existiert mindestens seit dem 16. Jahrhundert und war lange ein wichtiger Hafen für den Handel zwischen den Orkney-Inseln und dem schottischen Festland. Heute gibt es hier vor allem Ruhe, Wind – und den sehr netten Pub Robertsons, der überraschend gutes Essen serviert. Da der Pub allerdings nur eine Handvoll Tische hat, waren wir klug genug, schon vor unserem Abstecher auf die Hoy einen Tisch zu reservieren. Spontan ist hier im Winter zwar einiges möglich, ein freier Tisch am Weihnachtsabend gehört aber eher nicht dazu. Da der Himmel nahezu wolkenlos ist, wird es nach Sonnenuntergang sofort empfindlich kalt. Auf der Rückfahrt nach Deerness ist es stellenweise ziemlich glatt. Wir sind froh, unfallfrei anzukommen. Passend zum Heiligen Abend nehmen wir den Platz direkt am Weihnachtsbaum und warten – stilecht – auf das Christkind.

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Stellplatz in Deerness

Es ist Christmas Day, also der Tag des legendären Christmas Ba. Da das Spiel traditionell erst um 13 Uhr beginnt, nutzen wir den Vormittag für einen kurzen Abstecher zum nahegelegenen Gloup. Dabei handelt es sich um eine eingestürzte Meereshöhle, rund 70 Meter lang, die durch jahrhundertelange Erosion entstanden ist. Die Orkney-Inseln sind bekannt für solche geologischen Formationen – hier nagt der Atlantik unermüdlich am Felsen, offensichtlich mit sehr viel Zeit und Geduld.

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Gloup

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