Es gibt tatsächlich in England noch Gegenden, in denen wir komischerweise immer nur mal so im Vorbeifahren, aber nie richtig waren - und so haben wir uns diesmal für den Lake District entschieden. Meistens haben wir dort auf dem Weg von oder nach Schottland immer nur eine Nacht verbracht. Da unser letzter Schottland Trip im Winter ein ziemlicher Reinfall war, dazu vielleicht etwas später mehr, wollen wir mal einer anderen Region eine Chance geben. Am Gründonnerstag geht es bei schönstem Wetter also los in Richtung Calais. Das Auto kam mal wieder frisch aus der Reparatur, Bremsen und die Servo-Lenkung bedurften der Zuwendung unseres Ford-Händlers. Da wir relativ kurz entschlossen unser Ziel gewählt haben, wäre die Fähre nach Hull unverhältnismäßig teuer gewesen - knappe 1400 Euro wollten die von uns haben. Damit war die Entscheidung über Dover und durch halb England zu fahren gefallen. In knappen 4 Stunden schaffen wir es von Aachen über Brüssel bis nach Calais. Die Abfertigung geht recht zügig, was vielleicht an dem vorher eingereichten ETA-Visum liegt, welches seit 1. April 2025 Pflicht für die Einreise nach GB ist.
Es dauert nicht lange und die White Cliffs of Dover kommen in Sicht. Kurz vor 18 Uhr sind wir in GB und machen uns auf den Weg zum Plough Inn.
White Cliffs of Dover
Wir haben im Vorfeld dort angerufen und gefragt, ob wir für die Nacht mit dem Wohnmobil auf dem Parkplatz schlafen dürfen. Die Antwort war positiv und so haben wir einen Tisch für zwei Personen gebucht. Kaum sind wir von der Hauptstraße abgebogen, geht es auf den typischen südenglischen Sträßchen zum Pub. Die Straßen sind verdammt eng. Es ist Frühling, die Vegetation spriest und die Hecken rechts und links sind noch nicht geschnitten. Da tut es einem schon in der Seele weh, wenn man die kleinen Äste am Wohnmobil entlang schrammen hört. Aber es hilft ja alles nichts, man muss ja vorwärtskommen. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir den tollen Pub. Wir parken in der hintersten Ecke des großen Parkplatzes und begeben uns voller Vorfreude in die Gaststätte. Leider hat man von unserer Buchung keine Ahnung und man würde generell keine Wohnmobile für die Nacht aufnehmen dürfen – dazu bedarf es extra Genehmigung und Versicherung. Nach einer etwas längeren Diskussion kommt der Chef und hat des Rätsels Lösung. Er schaut sich die Telefonnummer an, bei der wir die Reservierung gemacht hatten. Daran erkennt er - wir sind am falschen Pub … zwei Kilometer weiter gibt es nämlich noch einen Pub mit dem Namen Plough Inn und dort wären wir bestimmt richtig. Schade, der Pub und das servierte Essen sahen ziemlich gut aus. Nach 10 Minuten sind wir wieder am Plough Inn, diesmal ist es aber auch der Richtige. Der Pub ist aus dem 16. Jahrhundert und dementsprechend urig. Außer uns steht noch ein weiteres Wohnmobil für die Nacht auf dem Parkplatz.
Plough Inn, 16th Country Inn
Am nächsten Morgen sind wir früh auf den Beinen und machen uns auf in Richtung Norden. Ohne größere Staus geht es durch den vorher bezahlten Dartford-Tunnel um London herum auf die M1. Merkwürdig war, dass unser Wohnmobil im Buchungssystem vom Dartford-Crossing als „Commercial Car“ gelistet war und ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass wenn ich nur die normale PKW-Maut bezahlen würde, ich mit eventuellen Strafen rechnen müsste. Ich buche natürlich nur die normale PKW-Maut - mal abwarten, ob da was nachkommt.
Die Fahrt in den Norden ist vollkommen ereignislos. Wir legen nur eine kurze Pause in Aylesbury ein, um uns eine SIM-Karte mit ausreichend Datenvolumen zu kaufen. Der Umweg über Aylesbury hat sich tatsächlich nicht gelohnt. Es ist leider unspektakulär, natürlich mit dem obligatorischen aber eher traurigen Einkaufszentrum versehen. Es ist ziemlich viel Verkehr und so erreichen wir erst am frühen Abend das Hest Bank Inn in Hest Bank. Der Pub liegt relativ zentral, mitten im Ort am Lancaster Canal. Wie auch beim Plough Inn kostet die Übernachtung nichts, sofern man im Pub etwas verzehrt. Am Abend gibt’s sogar noch Live Music.
Lancaster Canal
wir stehen ziemlich zentral im Ortl
Das Essen und die Musik sind auf jeden Fall gut, wenn auch leider an diesem Karfreitag relativ wenig im Pub los ist.
Der Karsamstag startet bedeckt und mit ziemlich viel Wind. Wir fahren nach Kendal, einer kleinen Stadt, die zwischen dem Lake District und den Yorkshire Dales liegt. Kendal ist ein quirliges kleines Städtchen mit ein paar netten kleinen Geschäften, engen Gassen und dem üblichen Verkehrschaos. Wir schlendern über die Hauptstraße, gehen in das ein oder andere Geschäft und suchen uns anschließend ein kleines Café zur Stärkung.
Gegen Mittag machen wir uns dann auf in den Lake District, unser erstes Ziel ist der im Süden gelegene Windermere Lake. Mit einer Länge von 18km ist er der größte See Englands. Es ist die Hölle los und im Schneckentempo geht es um den See herum. Vom See sieht man dabei relativ wenig, überall versperren Bäume oder Häuser die Sicht. Uns ist es auf jeden Fall viel zu voll und die meisten Holiday Parks und Campingplätze haben Schilder am Eingang stehen, dass sie „Fully Booked“ sind. Wir fahren weiter und stoßen sofort auf ein neues Problem: Verbotsschilder für Fahrzeuge über 2 Meter Breite, ausgenommen man hat ein Anliegen. Die Straßen sehen schon verdammt eng aus und man hat leider nicht, wie in Schottland, überall ausreichend Passing Places in der nötigen Größe für ein Wohnmobil. Wir beschließen für dieses Mal unserer Feigheit nachzugeben und suchen uns am nahen Coniston Water einen CP. Dort finden wir einen Farm-Camping, der uns für geschmeidige 35 Pfund - das sind immerhin über 40€ - einen schiefen Platz ohne Strom auf einer riesigen Wiese anbietet. Für die Benutzung der Duschen muss man nochmals 1 Pfund für 5 Minuten berappen. Der Platz ist voll und ziemlich laut, es ähnelt mehr einer Party Location als einem Campingplatz. Aber wir haben keine Lust mehr auf Fahrerei und so bleiben wir für eine Nacht.
Wir haben diesmal unsere Fahrräder dabei. Da es noch relativ früh ist, fahren wir mit den Rädern zu einem nahen Wanderparkplatz, um von dort zur Banishead Quarry zu laufen. Das Problem bei den Parkplätzen in England ist oft, dass sie über Höhenbeschränkungen verfügen und man mit dem Wohnmobil daher meist massive Probleme hat, einen geeigneten Parkplatz zu finden. Gerade hier im Lake District, wo die Straßen oft nicht breiter als ein Wohnmobil sind, ist es schwierig einen Parkplatz zu finden. Gefährt stehen lassen und mit dem Radel zum Einstiegspunkt einer Tour zu fahren, funktioniert hier dagegen ganz gut.
Der Weg führt durch Wiesen und Weiden bis zum Steinbruch.
Es ist eine kurze Wanderung und wir genießen die Ruhe, die man hier abseits der Touristenströme hat. Wobei, alleine ist man hier natürlich auch nicht. Mountainbiker und Wanderer, mal mit expeditionsmäßiger Ausrüstung mal nur in Badelatschen, gibt’s auch hier.
Es gibt tolle kleine Wasserfälle mit moosbewachsen Steinen, sehr schön das Ganze.
Der Steinbruch selber ist ein großes Loch mit einem See, der durch einen Wasserfall gespeist wird.
Nach der kurzen Wanderung fahren wir abends noch ins nahgelegene Dorf, um dort die lokale Gastronomie zu testen. Auch dieser Ort ist ziemlich überlaufen und wir haben Probleme, ohne Reservierung einen Tisch zu bekommen. Aber nach ein wenig Wartezeit an der Bar klappt es dann doch. Zurück am Campingplatz ist erstmal an Schlafen nicht zu denken, überall brennen Feuer und es ist recht laut, da die Nachbarn Party machen.
Der Ostersonntag startet mit strahlend blauem Himmel. Wir verlassen den CP ziemlich früh und fahren nach Seathwaite. Wie schon beim Plough Inn gibt es in relativ geringer Entfernung einen zweiten Weiler mit diesem Namen. Unser Ziel für heute ist das Seathwaite am Duddon River. Der Weg dorthin führt wieder über eine für 6‘-6“ breite Auto gesperrte Straße, aber da am Ende der Straße ein CP sein soll, muß man ja auch irgendwie mit seinem CP-Fahrzeug dorthin kommen. Außerdem liegen rechts und links der Straße diverse Farmen und so ein Traktor mit Anhänger hat ja auch eine gewisse Breite. Nach gut einem Kilometer laufen wir auf eine Fahrradgruppe auf, die uns ihren vermeintlichen Unmut über unser Fahrzeug zu verstehen gibt. Ein etwas älterer Herr steigt von seinem Fahrrad ab und ich denke, jetzt gibt’s Ärger. Aber der durchaus freundliche Herr erklärt uns, dass die Straße weiter oben wegen einer beim letzten Hochwasser zerstörten Brücke gesperrt wäre und wir da nicht durchkämen. Wo wir denn hinwollen, wollte er wissen. Wir erklärten ihm unser Ziel und dann ging es los ... wo wir herfahren sollten, was wir dort alles tun könnten, welchen Pub wir besuchen sollten, dass wir Glück mit dem Wetter haben usw. Eine gute viertel Stunde werden wir in die Geheimnisse der Gegend eingewiesen. Irgendwie typisch englisch. Wir nutzten die von unserem neuen Freund genannte Alternative, auch wieder eine enge für über 2 Meter breite Fahrzeuge gesperrte Straße, es sei denn man hat ein Anliegen. Die Straße führt von der Duddon Bridge aus gut 10km zum Turner Hall Campsite bei Seathwaite. Manch ein Auto, welches uns entgegen kommt ist, schon ziemlich von unserer Anwesenheit genervt aber wir haben ja nun ein berechtigtes Anliegen. Und im Großen und Ganzen nehmen es die meistens Entgegenkommenden gelassen. Irgendwie scheinen uns besonders Tesla-Fahrer dieser Straße nicht gewachsen zu sein, die bleiben einfach mittendrin stehen und hoffen, dass sich die Situation von selbst klärt. Mal zwei Meter zurücksetzen, scheint einfach nicht möglich zu sein und wenn, endet es meist in einem Desaster.
Das Tal zum CP ist absolut der Hit - malerisch und eine wunderschöne Landschaft.
Turner Hall Campsite bei Seathwaite
Viel los ist auf dem CP nicht. Wir suchen uns den schönsten Platz aus und starten sofort auf eine Rundwanderung durch die umliegenden Berge. Zum Glück startet der Rundweg bei einem Pub, so hat man wenigsten ein Ziel für das Ende der Wanderung :) . Zunächst führt der Weg zu einem Fluß, dem man mehrere Kilometer flussaufwärts folgt. Bei dem sonnigen Wetter ein absoluter Traum.
Irgendwann biegt der Weg nach links ab und es geht steil durch einen Buchenwald zu einer einsam gelegenen Farm.
Man kommt an romantischen Bachläufen vorbei und trifft auf entspannte tierische Zeitgenossen.
eine faule Sau
Nach gut 10km und knappe 3 Stunden später sind wir wieder beim Pub, wo wir uns erstmal im Biergarten ein Bier gönnen und für den Abend einen Tisch reservieren. Das Essen im Newfield Inn ist preislich ok und lecker.
So schön der Ostersonntag auch war, so mies beginnt der Ostermontag. Es ist kalt und es regnet leicht. Wir fahren nach Millom, einer kleinen Stadt, die an der Mündung des Flusses Duddon liegt. Der Ort wirkt absolut trist und man trifft kaum einen Menschen auf der Straße. Wir schlendern so durch den trostlosen Ort und überlegen uns, was wir an so einem regnerischen Tag anstellen sollen. Da biegt ein älterer Herr schwungvoll auf seinem E-Lastenrad um die Ecke und hält direkt vor uns. Es ist der nette Mensch vom Vortag. Eine gute dreiviertel Stunde später wissen wir alles. Was es hier in der Gegend zu sehen gibt, warum es hier so trostlos ist, wo die Menschen arbeiten, wo der beste CP in der Nähe ist und natürlich, dass er das einzige E-Bike-Lastenrad von Riese&Müller in der Grafschaft fährt, welches er bei einem Besuch bei seinem Bruder in Deutschland persönlich abgeholt hat. Und da sonst niemand in der Gegend so ein Rad besitzt, braucht er es auch nicht abzuschließen. Der Wiedererkennungswert ist so hoch, dass sich keiner drantraut. Außerordentlich nett und informativ das Ganze.
Wir verabschieden uns und fahren im Regen nach Barrow-in-Furness, in der Hoffnung dort ein wenig Sightseeing zu machen. Aber auch hier ist nichts los, wir stehen ganz alleine auf dem riesigen City-Parkplatz - nur ein etwas verzweifelter Vater versucht hier seiner Tochter das Autofahren beizubringen.
Barrow-in-Furness Town Hall
So wirklich einladend wirkt der Ort nicht – eher deprimierend. Dass es hier in der Gegend eher bergab als bergauf geht, sieht man an den Geschäften, dem Leerstand und auch an den Menschen. Aber immerhin hat Waterstones geöffnet und wir ergattern ein paar Bücher für unsere Tochter. Nach einem ausgiebigen Wettercheck beschliessen wir, wieder in die Berge des Lake Districts zu fahren. Der morgige Tag verspricht schön zu werden und die Bewölkung scheint auch hier in Barrow-in-Furness ein wenig lockerer zu werden. Es geht also zurück zur Duddon Bridge und wieder über die schmale Straße Richtung Seathwaite. Diesmal biegen wir aber auf halber Strecke ab in Richtung Eskdale, dort soll es einen CP vom National Trust geben.
Muncaster Fell
Die Straße ist nicht nur eng, sondern mit 25% auch ziemlich steil. Dazu kommen noch die nasse Fahrbahn und der Fahrradträger, da tut sich der frontgetriebene Ford schon ziemlich schwer und man muss schon ordentlich Schwung holen, um durch die engen Kehren zu kommen. Nach ein paar Meter hat man das Schwerste aber geschafft und es geht über eine ausgedehnte Hochfläche weiter nach Eskdale.
Der CP in Eskadale ist, da er vom National Trust betrieben wird, natürlich Top in Schuss - kostet allerding auch für non-members 49 Pfund die Nacht. Uns wird ein Platz zugewiesen, der Stromanschluss erklärt, darauf hingewiesen wann und wo wir duschen können, dass wir besonders vorsichtig bei Ausfahrt sein müssen usw. Für 49 Pfund all inclusive nimmt die Fürsorge kein Ende.
Eskdale National Trust Campsite
Nachdem wir uns eingerichtet haben und unser Auto vorschriftsmäßig akribisch an den vorhandenen Pylonen ausgerichtet haben, schnappen wir uns unsere Räder und fahren zum nahen Stanley Ghyll Wasserfall. Der 20-minütigen Radtour folgt ein ebenso langer Fußmarsch zum Wasserfall. Leider ist die Klamm gesperrt, weil zu viele Bäume beim letzten Sturm umgefallen sind und diese nun kreuz und quer in der Klamm liegen.
Stanley Ghyll Waterfall
So bleibt einem nichts anderes übrig, als den Wasserfall von der Ferne aus anzuschauen. Der Weg führt weiter zu einer Aussichtsplattform, die etwas über die Klamm ragt. Nicht unbedingt spektakulär, aber toll gemacht.
Am nächsten Morgen wollen wir zu einem römischen Fort, das malerisch am Hardknott Pass liegt. Da der Pass eine Steigung von 30% aufweist und unser Auto schon bei 25% ins Stöhnen kommt (mit 16 Jahren und einem Kilometerstand über 220 000 darf der alte Herr das aber auch), nehmen wir wieder die Räder und fahren gemütlich Richtung Pass. Normalerweise muss der Platz bis 10Uhr geräumt sein, aber man erlaubt uns auf Nachfrage unser Auto vor der Rezeption zu parken. Die Straße führt durch eine malerische Landschaft bis zu Ende des Tales, wo Schilder vor der Steilheit und Straßenbreite des Passes warnen.
auf dem Weg zum Pass
30% - zu viel für unser Auto
Wir fahren ein Stück den wirklich steilen Pass hinauf und lassen die Räder beim Abzweig zum Wanderweg stehen. Die Autos, die uns überholen, leiden ganz schön. Gerade in den engen Kurven verlieren die frontgetriebenen Autos an Haftung und es fängt an zu qualmen, aber die meisten scheinen Spaß daran zu haben. Der Weg zum römischen Fort dauert nicht lange, die Aussicht ist sehenswert. Das Fort liegt auf einem Bergrücken mit Zugängen in jeder Himmelrichtung. Wirklich gut sieht man es natürlich mit einer Drohne.
römisches Fort am Hardknott Pass
Hardknott Pass
Ein beeindruckender Ort, besonders wenn man sich vorstellt auf diesem kargen und einsamen Bergrücken im Winter als römischer Legionär seinen Dienst tun zu müssen. Wir laufen etwas durch das Fort, machen ein paar Fotos und lassen die Drohne fliegen.
Kurz nach Mittag sind wir wieder beim Auto, verladen die Räder und machen uns auf nach Buttermere, in der Hoffnung dort auf dem CP unterzukommen. Die Straße dorthin ist nervig, sie ist stellenweise ziemlich eng und schlecht. Zudem parken in Ermangelung von Parkmöglichkeiten relativ viele Autos in den Ausweichbuchten, was bei häufigem Gegenverkehr natürlich immer wieder zu Problemen führt. In Buttermere entpuppt sich der angestrebte CP als reiner Platz nur für Zelte, was bedeutet, dass wir die ganze Strecke wieder zurück müssen - Mist. Wir halten kurz in Rannerdale für einen kurzen Spaziergang, hier soll es besonders viele Blue Bells geben. Mit Blue Bells bezeichnen die Engländer das Atlantische Hasenglöckchen, ein kräftig blau blühendes
Hyazinthengewächs. Wir haben Glück einen Parkplatz zu bekommen, denn hier rund um Buttermere herrscht ein ziemlicher Trubel - was uns schon wieder mächtig auf die Nerven geht, aber wir selbst sind ja auch nur Touristen. Der Weg zu den blauen Blumen ist nur ein paar hundert Meter lang. Diverse Schilder weisen auf die Blümchen hin und geben Anweisung, wie man sich zu verhalten hat. Das Ergebnis ist allerdings eher enttäuschend. Es gibt zwar ein paar Blue Bells, aber entweder sind wir noch zu früh im Jahr unterwegs oder es hat andere vier beinige Gründe.
Blue Bells....ziemlich enttäuschend
der Grund wird schnell klar...
Crummock Water
Wir müssen uns auf jeden Fall noch einen CP suchen und fahren uns über die miese Straße zurück auf die Hauptstraße. Auf halben Weg zurück scheppert es auf einmal ganz kräftig und unser Auspuff schleift über den Boden. Zum Glück können wir links an einem Cattelgrid anhalten und die Lage begutachten. Eine Halterung hat sich gelöst und ein Gummi von einer anderen Halterung ist abgesprungen. Sowas kann man echt nicht gebrauchen. Ich versuche den Gummi wieder einzuhängen, was allerdings aufgrund der anderen fehlenden Halterung nicht richtig funktionieren will. So befestige ich alles mit etwas Draht, Metallkabelbindern und Schellen aus dem mitgeführten Ersatzteillager und wir fahren vorsichtig nach Keswick, in der Hoffnung dort am kommenden Tag Hilfe zu bekommen.
Achtung: hier folgt nun ein länglicher, aber immer noch kurz gefasster Bericht unseres Problems im Winterurlaub – mit dem eigentlichen Bericht geht es erst ein paar Seiten weiter :wink:
Das ist nun schon das zweite Mal in Folge, dass uns das Auto im Stich lässt und mich nun zu dem Anfangs erwähnten Fiasko in unserem letzten Urlaub bringt. Wir waren über den Jahreswechsel natürlich wieder in Schottland unterwegs, um genau zu sein auf der Insel Mull. Das Wetter war wieder mal lausig und wie wir da so über die Insel fahren, fängt das Auto plötzlich an massivst zu qualmen. Es ist so schlimm, dass man im Rückspiegel von der Straße nichts mehr sieht und auch die Polizei interessiert sich für das komische Verhalten unseres Autos. Aber zum Glück fährt es noch. Am zweiten Weihnachtsfeiertag retten wir uns dann mit der gebuchten Fähre nach Oban - zum einen weil wir Hilfe brauchen, zum anderen weil Paula am morgigen Tag auf einen Flug von Edinburgh nach Düsseldorf gebucht ist (sie mag zwar Weihnachten mit uns im Wohnmobil verbringen, aber eine Silvesterparty mit Freunden zieht sie unserer Gesellschaft mittlerweile verständlicherweise doch vor). Wir retten uns also auf einen Wohnmobilparkplatz im Industriegebiet von Oban und rufen morgens um 9 Uhr den ADAC um Hilfe. Die freundliche Dame erklärt uns, dass das alles kein Problem wäre und in maximal 1 bis 2 Stunden Hilfe vor Ort wäre. Wir nutzen die Zeit und gehen erstmal in Oban einen Kaffee trinken - bringt ja nichts, nutzlos im Womo rumzusitzen. Nach gut 1 Stunde sind wir zurück und niemand ist zu sehen, auch nach 2 Stunden ist noch keine Hilfe in Sicht. Wir fangen nun, an uns einen alternativen Plan für unsere Tochter zu überlegen denn morgen um 9Uhr geht ihr Flug. Um 12 Uhr frage ich nochmal höflich beim ADAC nach und man verspricht mir, beim lokalen Service nachzufragen und mich dann zu kontaktieren. Um 14 Uhr, unsere Laune ist massiv gesunken, kontaktiere ich nun zum dritten Mal den ADAC. Die gute Frau meint, man hätte den Service kontaktiert und er würde heute nicht kommen, da ja wegen der Feiertage zwischen den Tagen sowieso alles geschlossen wäre, morgen um 9 Uhr wäre er dann da. Ich frage, warum man mich nicht schon vorher darüber informiert hätte und erkläre nochmals die Situation unserer Tochter. Man hätte mich in den nächsten 5 Minuten schon noch kontaktiert…naja…. Zusammen mit der Dame vom ADAC beschließen wir, unsere Tochter in den letzten und einzigen Bus nach Glasgow zu setzen, von dort muss sie dann irgendwie nach Edinburgh in das vom ADAC gebuchte Hotel und dann am nächsten Tag zum Flughafen. Das klappt auch alles ganz gut, nach einer viertel Stunde haben wir die Buchungsbestätigung vom Hotel, um das Bus-Ticket müssen wir uns selbst kümmern, bekommen wir aber erstattet. Um 18 Uhr sitzt Paula im Bus. Nach etwas Trouble, um von der Endstation des Busses bis zum Hotel in Queensferry zu kommen, kann sie dann nachts um 1 Uhr im Hotel einchecken. Wir verbringen den Abend und die Nacht in Oban. Am nächsten Morgen hat unsere Tochter es zum Flughafen geschafft und hebt dort pünktlich um 9 Uhr ab. Bei uns in Oban ist die für 9 Uhr versprochene Hilfe nicht zu sehen… Um 11 Uhr kommt dann endlich jemand vorbei, steckt den OBD Stecker ins Auto und meint „da ist nichts“, „der Motor muss sich nur mal richtig frei fahren“. Ich solle mal ein paar Kilometer hochtourig fahren, dann würde der Rauch verschwinden, „der hat nur sowas wie eine Erkältung und muss sich freihusten“. Ah ja, wir haben da so unsere Zweifel, der junge Kerl im modischen Jogging-Anzug hat noch nicht mal mehr die Motorhaube geöffnet. Zur Verabschiedung gibt er uns noch den guten Rat mit, das AGR-Ventil zu „deaktivieren“, die Dinger machen nur Ärger und in GB wäre das so üblich… Da bleibt man etwas sprachlos zurück. Nach knappen 10 Minuten ist der Spuk vorbei und wir machen uns wild qualmend auf den Weg Richtung Fort William. Zum Glück ist wenig Verkehr bzw. die anderen Autos halten respektvoll Abstand zu uns. Aber der schwarze Rauch wird trotz hochtourigen Fahrens, wie von uns erwartet, nicht besser. 15km vor Fort William beende ich das Leiden unseres Autos, halte auf einem Parkplatz und kontaktiere wieder den ADAC. Dort ist man natürlich verwirrt, weil man dachte die Sache ist vom Tisch. Ich gebe unsere Position durch und bestehe diesmal auf kompetentere Hilfe und einen Abschleppwagen. Spätestens in zwei Stunden wäre jemand vor Ort….meint die wiederum nette Dame vom ADAC. Um 14 Uhr frage ich nochmals nach, dann um 16 Uhr und dann um 18 Uhr. Es ist nicht nur Freitagabend sondern inzwischen natürlich stockdunkel und wer die A82 kennt weiss, dass es kein besonders gastlicher Ort ist. Die LKWs donnern mit 100km/h an einem vorbei und es regnet in Strömen. Um kurz vor sieben werden wir von einem Truck Recovery angerufen, der ein Foto von unserem Auto haben möchte. Bei Dunkelheit, Regen und vorbeifahrenden LKWs ein Foto von einem auf dem Standstreifen stehenden Auto zu machen, ist schon eine kleine Herausforderung. Wir geben unser Bestes und hoffen, dass die aufgeschriebene E-Mail-Adresse richtig ist. Das Foto ist angekommen und man ruft uns erneut an. Ja, es kommt jemand und holt uns ab – aber nur um uns in ihrem Lager einzulagern. Ob wir denn schon ein Hotel hätten … Meine GG wird tatsächlich etwas ausfällig und macht sehr deutlich, dass wir nicht eingelagert werden, sondern in eine Werkstatt gebracht werden wollen. Das kann die nette junge Lady am anderen Ende der Leitung auch verstehen. Aber wegen der Feiertage zwischen den Feiertagen haben alle Werkstätten im größeren Umkreis bis einschließlich 06.Januar geschlossen. Und mit dem ADAC wäre das jetzt auch so abgestimmt. Nach mehreren Telefonaten mit diesem und jenem, haben wir uns durchgesetzt und das Einlagern ist erstmal vom Tisch. Unter anderen haben wir auch den Ford-Händler in Sterling mit dem großen Truck-Center angerufen, dort hat man uns zugesagt sich das Fahrzeug anzuschauen. Also nur noch dorthin kommen. Nach einer guten weiteren dreiviertel Stunde kommt dann endlich ein massiver LKW Recovery Abschleppwagen und nimmt uns an den Haken. Dieser junge Mann macht nicht nur einen kompetenten Eindruck, er macht auch tatsächlich die Motorhaube auf und meint, dass ist das AGR-Ventil. Und der Keilriemen sieht – da nur noch zur Hälfte existent - auch nicht mehr gut aus. Das wäre nicht unser aktuelles, aber sicher das nächste Problem. Nicht so schlimm also, wir müssen nur zur Werkstatt kommen.
die Webcam in Fort William zeigt unser Desaster :D



Januar 2026
Juni 2025