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London und die Western Isles I

permanenter Linkvon gnarz18 am 28 Jan 2024 17:35:31


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Dass es im Winter wieder in den Norden gehen soll, war eigentlich klar und wenn man es ruhig haben möchte, dann bieten sich die Äußeren Hebriden förmlich an. Wenn man sich die letzten Jahre, in denen wir über Weihnachten nach Schottland gefahren sind, mal Revue passieren lässt, muss man feststellen, dass Schottland im Winter immer beliebter wird und es an manchen Stellen schon richtig voll werden kann. Die Äußeren Hebriden bilden da hoffentlich noch die Ausnahme. Wir haben die Western Isles schon öfters besucht und sie sind für uns ein gefährliches Pflaster. Ich habe mir dort vor Jahren das rechte Bein gebrochen. Ein paar Jahre später habe ich mir heftigst den linken Fuß verstaucht - und auch diesmal mussten wir wieder der Notaufnahme einen Besuch abstatten. Da unsere mittlerweile unserem Haushalt entwachsene Tochter es ausgesprochen doof finden würde, Weihnachten alleine zu verbringen, beschließen wir schon vor Weihnachten loszufahren. Wir planen ein paar Tage vorweihnachtliches Shoppen in London einzulegen, dann nach Schottland zu fahren, dort Weihnachten mit Paula zu verbringen, sie dann in den Flieger zurück nach Deutschland zu setzen und dann auf die Äußeren Hebriden zu fahren. Mit der Lösung sind alle zufrieden und so geht es am 20ten Dezember los Richtung Calais. Den Weg kennt das Auto inzwischen schon fast von selbst und ohne großartig Stau kommen wir um kurz vor 17 Uhr bei einem lausig kalten Wind in Calais am Hafen an. Es ist wenig los im Hafen und nur wenige Autos stehen auf den riesigen Parkplätzen und warten auf ihre Fähren. Um uns die Zeit zu vertreiben, stöbern wir ein wenig durch den neuen riesigen Duty-Free Shop, aber so richtig günstige Angebote gibt es nicht und so bleibt es beim Stöbern. Da wenig los ist, geht das Verladen recht zügig und wir bekommen die Pool Position für das Entladen.

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leere Fähre und Pool Position

Nach gut 1.5 Stunden erreichen wir Dover und können ohne Kontrolle direkt zum Coastguard fahren, wo wir uns schon im Vorfeld einen Platz fürs Wohnmobil und einen Tisch fürs Abendessen reserviert haben. Auch dort ist wenig los, wir sind nach langer Zeit mal wieder das einzige Wohnmobil und auch im Pub selber ist nur noch ein weiterer Tisch besetzt.
Die Nacht war ruhig - bis auf das aufgewühlte Meer, das die Kiesel am Strand wild durcheinander gerüttelt hat. Aber wir lieben dieses Geräusch. Wir verlassen unseren Schlafplatz ziemlich früh und kämpfen uns die steile Straße nach St. Margaret´s hoch.

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St. Margaret´s at Cliffe

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ein neuer Trend: Eventhäkeln für den Briefkasten

Für unseren London-Besuch haben wir uns im Lee-Valley-Campsite eingebucht. 87 Pfund werden für uns drei, für zwei Nächte fällig. Der Weg von Dover bis in den Norden von London ist schnell geschafft und nachdem wir das Womo auf dem recht feuchten Platz abgestellt haben, machen wir uns sofort auf nach London City. Vom CP geht es erst mit dem Bus zur Walthamstow Central Station und von dort mit der Victoria-Line bis in die Innenstadt. Der ganze Weg dauert eine gute dreiviertel Stunde. In London ist die Hölle los und wir haben ein straffes Programm. Zuerst geht es nach Covent Garden. Ganz London und jede Menge Touristen sind auf den Beinen, es ist ein unheimliches Gedränge und Geschubse. Alles ist aufwendig weihnachtlich dekoriert und irgendwo dudelt immer ein Weihnachtslied.

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Covent Garden

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Eventhäkeln

Als nächstes geht es dann zum Weihnachtsmarkt beim Trafalgar Square. Der ist aber eine ziemliche Enttäuschung, die Briten können einfach kein Weihnachtsmarkt (wahrscheinlich kommen sie deshalb auch in Form ganzer Busladungen während der Adventzeit zu uns nach Aachen ??). Abgesehen von einem recht übersichtlichen Angebot an Buden bekommen wir beim Anblick der Preise Schnappatmung. Für eine nicht besonders große und wenig appetitlich aussehende „German Bratwurst“ rufen die Preise von 10 Pfund aus, das sind nach unserem aktuellen Umrechnungskurs geschmeidige 12€. Der Andrang ist auch dementsprechend gering.

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Die spinnen, die Briten…

Wir verzichten auf diesen zweifelhaften kulinarischen Genuss und gehen zum Butterfly Trail bei der Tottenham Court Road Station. Bei diesem Museum handelt es sich um eine Lichtinstallation, bei dem der Besucher unter einer Kuppe steht und fantastische Bilder und Animationen an die Wände und Decke projiziert werden. Mit seinem Handy kann man zudem mit der Projektion interagieren, was wir allerdings nicht gemacht haben. Sieht auf jeden Fall mächtig cool aus und ist auch noch umsonst.

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Butterfly Trail

Langsam wird es dunkel und die Weihnachtsbeleuchtung kommt so richtig zur Geltung. In der Regent Street besorgen wir uns eine SIM-Karte mit unbegrenztem Datenvolumen, 30 Pfund für 30 Tage. Die Karte ist von Voxi, einer vodafone Tochter, und wir hatten jederzeit und fast überall einen super Empfang und durchgängig LTE.

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Wir schlendern durch die New Bond Street. Dort stehen eine Menge teurer Autos vor den Läden von Dior, Cartier usw. und bestimmt wechselt hier eine Menge Geld den Besitzer. Die Deko der Geschäfte ist beeindruckend.

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New Bond Street

In den Straßen wird es immer voller und manch eine U-Bahn-Station schließt die Tore wegen Überfüllung. Die Straßen und manche Gebäude sind schon wirkliche Hingucker.
So langsam tun uns die Füße weh, aber wegen der überfüllten Öffis schleppen wir uns per pedes zum Themse Ufer und suchen uns dort einen Pub, der uns etwas zu essen gibt.

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Themse Ufer

Um kurz nach neun nehmen wir dann die U-Bahn zurück zum CP. Viel los ist auf dem CP nicht, außer uns stehen noch 4 andere Wohnmobile auf dem Platz. Wir gehen noch in den in die Jahre gekommenen Sanitärhäusern duschen und dann auch direkt ins Bett. Ein weiterer anstrengender Tag in London steht uns bevor. Am nächsten Morgen nehmen wir um kurz nach acht Uhr den ersten Bus nach Walthamstow und frühstücken dort auf Wunsch unserer Tochter erstmal bei McDonalds. Man muss sagen, der Tee ist gut und das Ei mit Schinken kann man durchaus essen, schmeckt gar nicht mal so schlecht. Gestärkt geht es dann weiter nach London. Am CP haben wir uns wie am Tag zuvor Tageskarten von Transport of London für 15 Pfund pP gekauft, somit sind wir mobil. Heute geht`s dann ans Geld ausgeben. Wir stöbern und kaufen in diversen Vintage-Läden, kaufen Schuhe bei Dr. Martens und versuchen ein stinknormales Kniffel bei Hamleys zu ergattern – leider ohne Erfolg. Das größte Highlight für Paula ist aber der Besuch (und der Einkauf) im Buchladen Waterstones am Piccadilly. Mit 6 Etagen ist er der Größte seiner Art in GB und wir verbringen sehr viel Zeit mit unserer Bücher-begeisterten Tochter dort. Der Tag endet in der Carnaby Street.

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Carnaby Street

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Um kurz nach elf sind wir zurück beim Womo und absolut geschafft. So schön London auch in der Vorweihnachtszeit ist, so anstrengend ist es auch.

Am nächsten Morgen lassen wir es ruhig angehen. Heute steht eigentlich nur Fahren auf dem Programm und so geht es vom CP auf den nahen Orbital und zwei Ausfahrten später auf die M11 Richtung Norden. Es ist ziemlich viel Verkehr und viele fahren anscheinend über Weihnachten in den Norden Englands zu ihren Familien. Viele Autos sind auf jeden Fall bis unters Dach voll mit Geschenken, ausländische Autos sehen wir kaum. Gegen drei Uhr erreichen wir Bamburgh. Hier waren wir schon im Herbst und hoffen auf einen leeren Stellplatz direkt am Wasser. Aber zu unserem Erstaunen hat man in den vergangenen zwei Monaten alle möglichen Parkplätze mit Holzpfählen gegen Wohnmobile gesichert … ist den Anwohnern anscheinend zu viel geworden. Fündig werden wir auf dem großen Parkplatz direkt vor dem Castle. Dort gibt es spezielle Wohnmobilparkplätze, auf denen das Übernachten gegen Gebühr erlaubt ist. Der Womo-Parkplatz ist Teil eines Pilotprojekts vom Northumberland Council. Die Plätze können im Voraus gebucht werden oder auch spontan bei Ankunft bezahlt werden:
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Wir sind die einzigen und haben die freie Auswahl. Der Platz bietet zwar keinerlei Facilities aber der Ort ist fußläufig zu erreichen und somit für eine Nacht vollkommen ok.

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Bamburgh Castle

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unser Platz für die Nacht

Da heute Weihnachten ist und wir unbedingt den Weihnachtsabend in Schottland verbringen wollen, machen wir uns zeitig auf den Weg weiter Richtung Norden. Wir umfahren Edinburgh weitläufig über den Autobahnring, wobei der angekündigte Sturm schon seine Schatten vorauswirft. Im Radio und auf den Autobahnen wird eine „Yellow Warning“ ausgerufen, es wird vor sehr starkem Wind und ergiebigen Regenfällen gewarnt. Noch scheint allerdings die Sonne. Es ist unheimlich windig und die Autobahnbrücken sind für hohe Fahrzeuge bereits gesperrt. Wir zählen uns nicht dazu und fahren wir Dank guter Verbauung gegen Seitenwind an der Brücke auch ohne Probleme auf die andere Seite des Firth of Forth. Danach legen wir einen kurzen Kaffeestopp in einer der ältesten Siedlungen Schottlands, in Dunfermline ein. Berühmt ist Dunfermline wegen seiner im romanischen und gotischen Stil erbauten Abtei.

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Dunfermline Abbey

Viel Zeit haben wir nicht, denn hier im Norden wird es merklich früher dunkel als im südlichen London. Paula schlägt vor, das Nachtlager an der Hermitage in Dunkeld aufzuschlagen. Dort hat sie auch während ihrer Tour durch Schottland im Sommer genächtigt. Die Hermitage in Dunkeld, nördlich von Perth an der A9, ist eine der ältesten Parkanlagen Schottlands und die 200 Jahre alten Douglasien zählen mit zu den größten Bäumen von GB. Auf dem großen Parkplatz im Wald ist tatsächlich ziemlich Betrieb und sogar einige Womos stehen dort und machen sich für die Nacht bereit. Da es aber noch hell ist und wir das Tageslicht voll ausnutzen wollen, wandern wir zu den Wasserfällen, die von einer kleinen Steinbrücke überspannt werden. Das Ganze wirkt wie aus einem romantischen Gemälde, was auch kein Wunder ist, da mit dem Park der mystische Dichter und Barde Ossian geehrt werden sollte.

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Hermitage in Dunkeld

Durch die Hermitage führt ein kurzer Rundweg, den man locker in einer Stunde schafft. Leider ist es recht windig und somit nicht ganz gefahrlos im Wald. Immer wieder fallen, zum Glück nur kleine Äste von den Bäumen. Wieder zurück am Parkplatz, schleicht ein Kerl um unser Auto rum, schaut unters Auto, ins Auto … Auf Nachfrage erklärt er uns, seine Katze wäre zum ersten Mal mit auf Reisen und wäre nun aus seinem Womo ausgebüxt und würde sich unter unserem Wohnmobil verstecken. Die Katze erweist sich dann auch als ziemlich beharrlich als es darum geht, den Platz unter unserem Auto zu räumen. Erst das Anlassen des Motors bewegt das Fellknäuel dazu zum Entsetzen des Besitzers mit einem großen Satz in den Wald zu springen. Der Platz an der Hermitage ist uns zu schief und so fahren wir ins nahe Dunkeld auf den abseits gelegen Dorfparkplatz. Hier ist anscheinend das Übernachten gegen Gebühr geduldet, es ist kein No Overnight Schild zu sehen. Wir stellen das Auto in eine abgeschiedene Ecke und gehen in dem kleinen Ort etwas Essen. Die Pubs sind gut gefüllt und es ist richtig was los. Ganz anders als bei uns wird hier der Heiligabend eher mit Besuch im Pub und Party verbracht. Erst der 1te Weihnachtstag ist dann eher besinnlich der Familie mit Bescherung etc. gewidmet.

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Dunkeld

Nach dem Essen ist dann auch endlich Bescherung im Womo, wobei die meisten Geschenk ja aus London stammen.
Am nächsten Morgen, dem Christmas Day, wird es auch hier in GB ruhig. Es ist einer der wenigen Tage, an denen hier alles geschlossen hat. Leider ist das Wetter schlechter geworden und seit dem Morgen regnet es immer mal wieder. Wir schauen uns ein paar alte Gemäuer an, wie zum Beispiel die Restenneth Priory, und fahren weiter nach Montrose. Es wirkt leider alles ein wenig trostlos. Das liegt natürlich zum einem am Wetter, zum anderen daran dass alles geschlossen hat und man keinen Menschen auf der Straße sieht.

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Restenneth Priory

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Am frühen Abend finden wir dann zu unserem Erstaunen in Tayport am Larick Centre einen geöffneten Campingplatz mit top Facilities und einem sehr netten Camping-Warden, der uns später sogar noch Essen von der Weihnachts-Community-Party vorbeibringt. Er erzählt uns, dass es über Weihnachten immer ruhig wäre, aber über Silvester sei er vollkommen ausgebucht. Kaum zu glauben, da außer uns nur noch ein Wohnwagen auf dem Platz steht - so kann der Eindruck täuschen.
In der Nacht hat es gefroren und wir sind froh auf einem CP mit Strom zu stehen, den Heizlüfter laufen lassen zu können und so Gas zu sparen. Wir haben ja noch fast drei Wochen vor uns und auf den Western Isles gibt es um diese Jahreszeit wenig offene CP und keinen Gas Nachschub für uns.
Am nächsten Tag, dem Boxing Day, haben zumindest ein paar Geschäfte geöffnet und wir fahren an den Lighthouses Tayport West und Tayport East vorbei nach St. Andrews. Wir müssen uns heute in der Nähe von Edinburgh einen Platz suchen, da wir morgen gegen 8 Uhr Paula am Flughafen abliefern müssen. Aber erst mal genießen wir noch das tolle Wetter.

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Tayport West

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Tayport East

In St. Andrews haben die Geschäfte auf und die Cafes sind gut gefüllt. Paula braucht unbedingt noch ein paar englische Bücher die in London nicht verfügbar waren. Zum Glück konnte sie sich die per „Click and Collect“ in den Waterstones nach St. Andrews liefern lassen. In der kleinen Stadt sind zwar einige Touristen, vor allem Asiaten, unterwegs aber es ist bei weitem nicht so voll wie im Sommer. Das macht den Bummel durch das Städtchen recht entspannt.

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St. Andrews

Gegen Mittag machen wir uns, vollbeladen mit Büchern, über den kleinen Fischerort Crail auf zum Elie Ness Lighthouse. Der kleine Leuchtturm liegt auf einer Landzunge am Eingang des Firth of Forth. Hier gibt es sogar einige offizielle Wohnmobilstellplätze, die im Sommer allerdings ziemlich begehrt sein dürften. Öffentliche Toiletten und eine Entsorge gibt es auch, jetzt im Winter leider beides geschlossen.

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Crail

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Elie Ness Lighthouse

Hier wäre bestimmt ein toller Schlafplatz, aber leider ist er zu weit weg vom Flughafen und so fahren wir weiter zum Cramond Village nach Edinburgh. Dort gibt es direkt am Forth gelegen einen Wanderparkplatz auf dem das Nächtigen erlaubt ist und der nur ein paar Minuten vom Airport entfernt ist … was nicht zu überhören ist. Da der nahe Pub schon um 17 Uhr seine Küche schließt, kochen wir heute mal im Wohnmobil und wundern uns über die Polizei, die mehrmals über den Parkplatz fährt und in die abgestellten Autos leuchtet. Uns lässt man aber vollkommen unbehelligt. In der Nacht hat es wieder gefroren und der Morgen begrüßt uns mit Regen bzw. Schnee. Wir machen uns früh vom Platz und fahren bei absolutem Mistwetter Richtung Airport. Da ich letztes Jahr mehrmals beruflich in Edinburgh war weiß ich, dass der offizielle Pick up Parkplatz aufgrund einer Höhenbeschränkung mit dem Womo nicht zu erreichen ist und so versuchen wir unser Glück auf dem Parkplatz des nahen Moxy Hotels. Für schlappe 4 Pfund Parkgebühr dürfen wir dann unsere Tochter zum Flieger bringen. Um kurz nach 8 sind wir dann vollkommen durchnässt wieder beim Auto. Wir fahren los und wissen noch nicht, dass nun unsere Odyssee beginnt. Wir haben im Vorfeld die Überfahrt Ullapool – Stornoway gebucht. Unsere Fähre legt um 17:30 Uhr in Ullapool ab. Laut Routenplaner eine Strecke von gut 200 Meilen, für die man entspannte 4 Stunden benötigt. Sollte man eigentlich schaffen. Wir fahren die M90 Richtung Perth und weiter die A9, die uns durch die Cairngorms nach Inverness führen soll. Es regnet, es ist windig und hinter Pitlochy fängt es an zu schneien. Entspanntes Fahren sieht anders aus und es dauert nicht lange, bis die ersten LKWs nicht mehr weiterkommen. Paula ist inzwischen gut in Stansted angekommen und versucht dort ihren Flieger nach Köln zu bekommen. Auch in Stansted herrscht wetterbedingt ein gewisses Chaos. Noch sind wir guter Hoffnung, denn immerhin kommen uns Autos entgegen. Aber es dauert nicht lange und der Verkehr steht. Nach gut zwei Stunden stellt sich raus, die Autos, die uns entgegen kommen sind die Autos, die vor der Straßensperrung drehen. Inzwischen dreht auch ein Polizeiauto seine Runden und verkündet, es hätte einen Unfall gegeben und die Straße wäre noch für mehrere Stunden gesperrt. Auch wir drehen und fahren im Schneckentempo zurück nach Pitlochy.

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ohje, uns sitzt die Zeit im Nacken

Mittlerweile ist klar, dass wir die Fähre nicht bekommen werden. Unterwegs telefonieren wir mit der Fährgesellschaft und buchen bei dem sehr freundlichen und verständnisvollen Mitarbeiter der Calmac unsere Fähre um. Er meint um 21:15 Uhr würde eine Fähre von Uig / Skye nach Tarbert / Harris fahren, diese könnten wir nehmen. Unser nächstes Ziel lautet also Fort William. Paula meldet sich wieder und meint leicht panisch, ihr Gate sei verlegt worden und sie würde es wohl nicht rechtzeitig in den Flieger schaffen, da sie in ein anderes Terminal müsste. Wir raten ihr irgendjemanden zu fragen und um Hilfe zu bitten, mehr können wir auch nicht tun. Eigentlich wollen wir die längere aber besser zu fahrende Verbindung über die Schnellstraße A85 nehmen. Da in der Zwischenzeit die Strecke zwischen Pitlochry und Perth wegen Überflutung und abgesoffener Fahrzeuge gesperrt werden musste, müssen wir uns doch mit vielen anderen über die kleineren Straßen quetschen. Die Verbindung zwischen Pitlochy und Fort William führt über die B846, eine kleine schlechte Straße mit fetten Schlaglöchern. Paula schreibt, dass sie jetzt doch gut im Flieger sitzt, obwohl das Gate eigentlich schon geschlossen war. Puh! Wir haben unterdessen weiter Probleme vorwärtszukommen. Die Straßen stehen so tief unter Wasser, dass uns das Wasser zur Fahrertür reinläuft und sich in der Trittstufe ein kleiner Tümpel bildet.

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Wir sind froh endlich die A82 zu erreichen, die uns durch das Glen Coe bis nach Fort William bringt. Es regnet in Strömen und etliche Autos liegen am Straßenrand.

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Glen Coe

In Fort William müssen wir erst mal tanken, was sich diesmal als gar nicht so einfach rausstellt. Auf zwei Tankstellen sind beim Sturm Bäume gefallen und die dritte hat keinen Diesel mehr. Fündig werden wir bei der etwas abseits gelegenen Tankstelle vom Morrison Supermarkt. Die blöde Tankstellensuche hat uns fast eine dreiviertel Stunde gekostet. Überall liegen umgestürzte Bäume oder die Straßen sind nur einspurig befahrbar, weil die andere Spur unter Wasser steht. Ohne weitere Pause machen wir uns, um ja keine weitere Zeit zu verlieren, auf den Weg. Die einzige Verbindung nach Uig ist die über die A82 bis Invergarry, wo es auf „Road to the Isles“ und somit zur Isle of Skye geht. Wir kommen bis kurz hinter Spean Bridge und stehen erneut im Stau. Wir sehen vor uns Blaulicht und brauchen für die 1.5 Meilen bis zum Commando Memorial fast eine Stunde. Als wir endlich an der Kreuzung zum Memorial ankommen, erklärt uns eine Polizistin, dass die Straße bis Fort Augustus wegen umgestürzter Bäume gesperrt ist und dass es kein Durchkommen gibt. Wir könnte ja am großen Parkplatz vom Memorial warten, vielleicht wird die Strecke in ein paar Stunden ja wieder aufgemacht. Hätte man eigentlich auch schon unten in Spean Bridge den Leuten erklären können… Sie gibt uns den Tipp auf die Internetseite von Traffic Scotland zu schauen, dort gibt es einen aktuellen Überblick über alle Verkehrsstörungen.
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Wir rufen wieder die Calmac an und bekommen zum Glück den gleichen Mitarbeiter wie zuvor an den Hörer, sodass man sich die Hälfte der Geschichte sparen kann. Er bucht uns auf die morgige Fähre von Ullapool nach Stornoway. Das ist allerdings recht kompliziert, da er uns schon den Refund für die Strecke Uig/Tarbert überwiesen hat. Nun müssen wir natürlich wieder nachzahlen, alles gar nicht so einfach über das Telefon. Der Vorteil ist, dass nun haben wir die ganze Nacht Zeit, um nach Ullapool zu kommen. Wir fahren also wieder vom Commando Memorial weg und biegen in Spean Bridge wieder ab, diesmal Richtung Inverness – also zur A9, die wir ursprünglich ja auch nehmen wollten. Laut Internet kommen wir hinter der Sperrung aus, die uns am Vormittag zum Umweg über Fort William gezwungen hat. Als wir endlich auf die A9 kommen, scheint kurz vorher die Spur in Richtung Inverness geöffnet worden zu sein. Die ersten Fahrzeuge kommen langsam den Pass runter. Die Sperrung in die andere Richtung existiert allerdings immer noch. Um kurz nach sechs erreichen wir Aviemore. Hier gönnen wir uns eine Pause in einem kleinen Restaurant, bevor es dann auf unsere letzte Etappe über Inverness nach Ullapool geht.
Es regnet, es schneit und ab und zu liegt ein umgekippter Baum auf der Straße, aber jetzt kommen wir trotzdem einigermaßen voran. Hinter Inverness hört es dann auf zu regnen und es ist „nur noch“ windig. Wir schauen öfters auf die Seite von Traffic Scotland und erfreuen uns an den Namen der schottischen Räumfahrzeuge. Während in Deutschland über eine solche App diskutiert wird, ist das hier in Schottland schon lange Normalität. In der App wird die Position von „HANSEL AND GRIT-ALL“, „WILLIAM WALL-ICE“, „COLDFINGER“, „SNOWING ME, SNOWING YOU“ usw. in Echtzeit angezeigt und was sie schon geleistet haben. Für uns eine willkommene Abwechslung auf unserem Weg durch die Nacht.

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die Gritter

Um kurz vor zehn erreichen wir nach gut 13 Stunden endlich Ullapool. Wir stellen uns in der Nähe vom Tesco-Supermarkt auf den Parkplatz, auf dem man nun offenbar auch offiziell über Nacht stehen darf. Um ein wenig „runter zu kommen“ gehen wir in den Ort und sind sehr erfreut, dass das Arch Inn noch geöffnet ist und wir ein Bier trinken können. Inzwischen ist es sternenklar und kalt, wir begegnen keinem Menschen und der Ort wirkt wie ausgestorben. Ein Womo-Kollege hat sich für die Nacht einfach auf die neu gestaltete Hauptstraße gestellt. Das wäre uns dann doch zu laut und ungemütlich.

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Ullapool Main Street

Nach einer erholsamen Nacht fahren wir früh zum Hafen, stellen uns in die uns zugewiesenen Lane und gehen in einem nahen Café erstmal frühstücken. Kurz nach neun kommt die Fähre und eine knappe Stunde später legen wir ab Richtung Stornoway. Es scheint sogar ein wenig die Sonne als wir Ullapool verlassen.

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Ullapool

Die Überfahrt ist ein wenig ruppig, da es immer noch ziemlich windig ist und die Sicht wird immer schlechter je weiter wir uns den Hebriden nähern. Gut 2.5 Stunden später erreichen wir Stornoway. Das Entladen geht zügig von statten und wir fahren zum nahen Tolsta Beach, um uns ein wenig die Beine zu vertreten.

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Tolsta Beach

Leider hat es wieder stärker angefangen zu regnen und so wird es nur ein kurzer Ausflug. Wir müssen dringend Entsorgen und frisches Wasser benötigen wir auch, also fahren wir Richtung Norden, nach Port of Ness. Dort gibt es beim Gemeindezentrum Sporsnis die Möglichkeit zu entsorgen und Frischwasser zu tanken, um eine Spende wird gebeten.

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auf dem Weg in den Norden

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Port of Ness im Norden von Lewis

Für die Nacht stellen wir uns an den Butt of Lewis mit seinem mächtigen Leuchtturm. Es noch sehr stürmisch und in den Nachrichten zeigen sie die Verwüstungen, die der Sturm angerichtet hat. Auch hier am Butt of Lewis werden wir mächtig durchgeschüttelt und wir hören, mit welcher Macht die Wellen gegen die nahen Klippen schlagen. Am frühen Morgen wird es dann etwas ruhiger und der Mond zeigt sich.

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die Sonne geht auf

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Nach dem Frühstück starten wir zu einer kleinen Wanderung rund um den Leuchtturm. Zum Drohne-Fliegen ist es leider eindeutig zu windig, man kann eben nicht alles haben. Wir fahren zurück zum kleinen Hafen nach Port of Ness, um uns dort noch ein paar Wellen anzusehen und uns in dem kleinen und geöffneten Kaffee/Restaurant Breakwater einen Tee zu holen.

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Unseren ersten Stopp an diesem Tag machen wir am Black House Village in Gearrannan. Dort gibt es einen kleinen Rundweg, der durch das Dorf, zum Strand und über die Hügel zurück zum Parkplatz führt. Wir sind allein und haben das ganze Dorf für uns. Das Wetter ist super, es ist kalt und die Sonne scheint.

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Black House Village in Gearrannan

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