Nach einem schönen Abend in einem leider ziemlich ranzigen Pub, fahren wir am nächsten Morgen ziemlich früh ins Fairy Glen. Auf dem zugehörigen privaten Parkplatz sind leider Wohnmobile ausdrücklich verboten. Also parken wir gut einen Kilometer weiter in einer Parkbucht und laufen auf der viel befahrenen Straße zurück zum Fairy Glen. Der Besuch kostet einen kleinen Obolus von 50p, da das Tal auf Privatbesitz liegt und der Erhalt des Weges verständlicher Weise auch Geld kostet. Der Weg ist nicht besonders lang und führt eigentlich immer am Bach entlang bis zu einer engen Schlucht.
Fairy Glen
Wir fahren weiter über den Pen-Y-Pass nach Llanberis.
Pen-Y-Pass
Wenn man den Pass nach Llanberis herunterfährt, fallen sofort die riesigen Schieferhalden auf. Der ganze Berg scheint ein einziger Steinbruch gewesen zu sein. Diesen wollen wir uns anschauen. Um den Steinbruch zu erreichen, muss man ganz außen um den See Llyn Padarn herumfahren und landet dann gegenüber von Llanberis auf einem Wanderparkplatz bei Dinorwig. Der Steinbruch ist großartig und bietet neben vielen Lost Places einen atemberaubenden Blick auf die Landschaft. Man kommt sich aufgrund dieser gewaltigen Halden und dieser Menge aufgetürmten Schiefers vor, als wäre man in einer vollkommen anderen Welt. Die verlassenen und langsam verfallenden Gebäude mit ihren Maschinen und Werkzeugen verstärken den Eindruck.
Wir laufen gut drei Stunden durch den Steinbruch. Besonders beeindruckend sind die gigantischen aus Schiefer gemauerten Transportrampen, auf denen der Schiefer ins Tal befördert wurde. Fotomotive gibt es hier auf jeden Fall reichlich und hinter jeder Kurve entdeckt man Neues. Beindruckend ist auch das Panorama, man schaut auf das Massiv vom Snowden auf der einen Seite und auf der anderen Seite sieht man in der Ferne das Meer.
Schiefer soweit das Auge reicht
verlassene Hütten, im Hintergrund der Snowdon
hier wurde der Schiefer zersägt...
und mit großen Winden...
über riesige Rampen
ins Tal transportiert
Der Steinbruch war der zweitgrößte Schiefersteinbruch der Welt.
--> Link
Über Caernarfon fahren wir zu den Porthor Whistling Sands und suchen uns dort einen CP. Von denen gibt es hier reichlich, wir entscheiden uns für den Maes Gwersylla Dwyros Campsite oberhalb von Aberdaron.
Morfa Nefyn Beach
Am nächsten Tag lassen wir es gemütlich angehen und besuchen zuerst das Harlech Castle. Anschließend geht es zur Cymer Abbey.
Harlech Castle
Cymer Abbey
Wie wir so gemütlich über die A487 rauschen, düsen auf einmal mehrere Flugzeuge dicht über unsere Köpfe hinweg und wir erinnern uns, dass hier irgendwo ja auch der Mach Loop ist. Das ist ein Rundkurs, wo Piloten aus der ganzen Welt Tiefflüge üben. Wir beschließen uns einen CP zu suchen und den morgigen Tag für einen Ausflug zum Mach Loop zu nutzen. Viel gibt es in der Nähe nicht, und so müssen wir mit dem Parkplatz des Pen-Y-Bont Hotels direkt am See Llyn Mwyngil Vorlieb nehmen - für geschmeidige 10 Pfund ohne alles. Das Hotel hat schon bessere Zeiten gesehen und wir fragen uns, ob es überhaupt noch Gäste beherbergt. Die Besitzer scheinen sich jedenfalls auf das Parkplatzgeschäft zu konzentrieren. Wir bleiben nicht alleine, später kommen noch 3 weitere WoMos dazu.
Llyn Mwyngil
Die Nacht war ziemlich ruhig, trotz der nahen Straße. Wir machen uns früh auf zum Mach Loop, da uns gesagt wurde, dass die Parkplatzsituation ziemlich schwierig wäre. Als wir um 8:00 Uhr auf dem Parkplatz ankommen, sind schon jede Menge Spotter, die sogenannten Looper, vor Ort.
wir sind nicht die ersten...
Wir beginnen den kurzen Aufstieg zu einem Felsrücken, von dem man eine gute Aussicht auf die Flugzeuge haben soll.
der Weg vom Parkplatz zum Bergrücken ist nicht weit
Nach knappen 10 Minuten erreichen wir den Bergrücken und suchen uns einen bequemen Platz zum Sitzen. Alleine sind wir nicht, der ganze Hang ist voller Looper und auch auf den gegenüberliegenden Hängen sitzen Menschen. Manche haben Zelte aufgebaut und sitzen entspannt in mitgebrachten Stühlen.
Die Drohne haben wir natürlich im Auto gelassen, ein Schild weist ausdrücklich auf die Gefahr hin.
die Drohne muss im Auto bleiben
Aber erstmal passiert überhaupt nichts, wobei wir auch gar nicht wissen worauf wir achten müssen und von wo die Flieger kommen. Wir warten also und beobachten die routinierten Looper, die noch faul im Gras liegen. Nach gut einer Stunde kommt dann urplötzlich Hektik auf und die Looper zücken ihre Kameras mit Objektiven, die mich neidisch machen. Wir hören und sehen immer noch nichts, bis auf einmal ein kleines gelbes unscheinbares Propellerflugzeug an uns vorbeifliegt. Der Pilot scheint hoch konzentriert bei der Arbeit zu sein, während die Copiloten winkt und uns mit ihrem Handy filmt, eigentlich sollte das umgekehrt sein.
So schnell das Flugzeug erschien, genauso schnell ist es auch wieder weg und das Warten geht weiter. Ein paar Minuten später wird es wieder hektisch, als zwei Trainingsflugzeuge in einem Affentempo an uns vorbeirauschen.
Das war wirklich schnell und recht spektakulär, man ist auf Augenhöhe mit den Piloten bzw. man schaut von oben in die Flugzeuge. Das Ganze dauert nur ein paar Sekunden und da die Flugzeuge nicht gerade langsam fliegen, hat man so seine Mühe die Flieger im Blick zu behalten und scharfe Bilder zu bekommen. Und nun geht es recht zügig weiter, es kommt eine große Transportmaschine, zwei Eurofighter, diverse Trainingsflieger und schließlich noch drei F15 Eagles. Die Düsenflieger sind natürlich schon der Hit - wenn man mal den Zweck dieser Flieger ausblendet.
Um kurz vor 17Uhr machen wir uns auf den Weg zurück zum Auto und überqueren um 18:30 Uhr die Grenze nach England.
Eine Anmerkung / ein Warnhinweis noch zum Looper-Dasein. Entgegen diverser Gerüchte gibt es es keinen veröffentlichten Flugplan für den Mach Loop. Man weiß also nie, ob man überhaupt ein Fluggerät zu sehen bekommt. Wenn Trainingsflüge am Mach Loop durchgeführt werden, dann Montag bis Freitag zwischen 9:00 und 17:00. Nie an Wochenenden und Feiertagen. Wir haben wohl einen ganz passablen Tag erwischt, mancher ist auch schon ganz ohne Sichtung wieder nach Hause gefahren.
Wir fahren durch typisch englische Landschaften mit schönen Weiden und tollen Bäumen. In der Nähe von Shrewsbury finden wir beim New Inn einen Pub, der uns für die Nacht auf seinen Parkplatz stehen lässt.
es geht durch malerische englische Landschaften
bis zum New Inn bei Shrewsbury
Das Essen ist ok und bei einem kühlen Blonden lassen wir den Tag in Ruhe ausklingen.
Am nächsten Tag fahren wir dann nach Shrewsbury und finden ein nettes kleines Städtchen mit netten Geschäften, schönen alten Häusern und engen Gassen vor. Der Wochenmarkt auf dem schönen Marktplatz umrahmt von alten Gebäuden lädt zum Schlendern ein.
Nach gut zwei Stunden verlassen wir Shrewsbury und fahren weiter Richtung Cambridge. Der erste Campingplatz, den wir ansteuern, ist leider schon „fully booked“ und wir werden schon an der Zufahrt recht energisch zurückgeschickt. So landen wir wieder bei einem CP vom Motorhome & Caravan Club. 50 Pfund ohne Strom sind für die Rasenfläche fällig, wobei wir auch hier natürlich persönlich zu unserem Stellplatz geleitet werden und millimetergenau positioniert werden.
Wir nehmen sofort den nächsten Bus nach Cambridge und verbringen den Nachmittag in der Stadt. Es ist unangenehm voll und wir wundern uns, dass so viele Touristen unterwegs sind. Wir schauen uns ein paar Colleges an - allerdings nur von außen, denn die meisten erlauben keine (oder nur im Voraus gebuchte) Besichtigung und gehen ein wenig shoppen. Gegen Abend suchen wir uns ein Lokal zum Essen und fahren so gegen 22Uhr wieder zurück zum CP.
Unseren letzten Tag in GB nutzen wir für die Rückreise nach Dover. Wir machen kurze Stopps in Sittingbourne, was Touristenmäßig schon grenzwertig ist, und Ramsgate. Gegen 17Uhr sind wir beim Coastguard, das hat ja schon Tradition bei uns. Wir hatten uns schon eine Woche vorher dort angemeldet.
Coastguard
Inzwischen scheint es ein beliebter Platz zu sein, 8 Wohnmobile standen diesmal für die Nacht dort. Wobei sich einer mit seinem schweren MAN-Truck bis zum Pub getraut hat. Wer die enge und steile Straße kennt, weiß das man nur hoffen kann, dass einem so ein Fahrzeug dort nicht entgegenkommt. Dem Personal vom Pub fehlen dafür auch jegliche Worte. Mit 8 Mobilen ist es auf jeden Fall kuschelig eng auf dem Parkplatz. Wir unterhalten uns kurz mit der Chefin vom Coastguard. Wir kommen schon viele Jahre hier hin, und in den ersten Jahren waren wir oft die einzigen Übernachtenden. Sie ist etwas unglücklich mit der Situation. Zum einen hat sie nämlich nur eine Genehmigung für 6 Mobile pro Nacht. Da die Mobile den Bewohnern von St. Margaret´s at Cliffe seit jeher ein Dorn im Auge sind, gibt es entsprechend Spannungen. Und sie weiß nicht, wie lange das noch so geht. Zum anderen melden sich leider nicht alle an und stellen sich einfach so auf den Parkplatz, teils ohne etwas zu verzehren. Etwas dreist, finden wir.
Wir verspeisen ein leckeres Abendessen und genießen den Blick über den Channel und das Geräusch der rollenden Kiesel am Strand.
Der Rest ist schnell erzählt. Wir nehmen eine frühe Fähre und sind um kurz vor 11Uhr wieder in Calais und knappe vier Stunden später zurück in Aachen.
Nachtrag zur Maut für den Dartford Crossing: In der Zwischenzeit hat uns eine Zahlungsaufforderung über 3,73 Euro erreicht. Wenn wir die nicht innerhalb der nächsten 14 Tage bezahlen, werden 90,75 Euro fällig. Ich habe natürlich Widerspruch eingelegt und möchte wissen, warum wir plötzlich als „commercial“ gewertet werden.



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