Am nächsten Morgen schlafen wir ein wenig länger und fahren dann zurück auf die A835 bis nach Ullapool.
erster Fotostopp im neuen Jahr
auf dem Weg nach Ullapool
Ullapool
In Ullapool hat natürlich an Neujahr sehr zum Leidwesen meiner Ladies alles geschlossen und so tanken wir an der SB-Tankstelle nur schnell voll. Hier wird die Promenade neugestaltet und die ganze Straße am Wasser entlang ist eine einzige Baustelle. Wir sind mal gespannt, ob sie bis zum Sommer fertig werden und wie das Ganze dann aussieht.
Hinter Ullapool biegen wir dann rechts ab in Richtung Gairloch und je höher man kommt desto winterlicher wird es wieder. Wir fahren durch ein Winter Wonderland. Wir sehen eine Menge Rotwild, das versucht unter der Schneedecke etwas Essbares zu finden.
durch die Ullapool Hills
halbe Strecke geschafft, es wird aber noch eine lange Fahrt
In Gairloch hat dann tatsächlich das Mountain Coffee mit angeschlossenem Hillbillies Bookstore geöffnet und so kommen wir zu unserem ersten Café Besuch in diesem Jahr. Da es schon wieder spät ist bzw. es bald dunkel wird, müssen wir uns auch wieder um einen Schlafplatz kümmern. Wir versuchen unser Glück in Badachro, einem kleinen Dorf mit Hafen und einem Inn. Die Temperaturen haben mächtig angezogen und auf der Nebenstraße nach Badachro ist es spiegelglatt. Wir sind froh, als wir gut am Pier des kleinen Ortes stehen. Der Pub-Besitzer meint, dass Übernachten dort vollkommen ok wäre und dass es heute am Neujahrsabend Live-Musik statt Essen geben würde. Wir nehmen eine kleine Mahlzeit im Wohnmobil ein und gehen dann wieder auf dem rutschigen Weg zum Pub. Der Pub-Besitzer hat aufgrund des Eises in der Zwischenzeit seinen Parkplatz abgesperrt, was einen Volvo-Fahrer nicht abhält es trotzdem zu versuchen. Als die Beifahrerin versucht den Verkehrskegel wegzuräumen, rutscht sie aus und legt sich im wahrsten Sinne des Wortes kräftig auf die Nase. Sofort ist die Frau blutüberströmt. Wir helfen so gut es, aber der Abend ist für die Familie wohl gelaufen und der Mann fährt seine Frau schließlich ins Krankenhaus. Der Pub ist brechend voll und die Live-Musik leider nur mäßig gut, aber lustig ist es trotzdem.
Am nächsten Morgen fahren wir die Straße bis zum Ende und entdecken einen tollen Strand. Gegenüber liegt die Insel Skye mit ihren Schneebedeckten Bergen.
Das morgendliche Licht bietet einen tollen Kontrast, das blaue Meer mit den weißen Bergen. Wir sehen uns solange satt bis das Licht wechselt und der Zauber vorbei ist. Dann fahren wir die 12 Meilen zurück zur Hauptstraße und entsorgen erst mal unsere Toilette in Gairloch. Im Hafen von Gairloch gibt es eine kostenlose Entsorgungsmöglichkeit und man kann Trinkwasser tanken, eine kleine Spende ist erwünscht. Es geht vorbei am Loch Maree bis zu den Victoria Falls. Die haben ihren Namen erhalten, weil Queen Victoria auch schon reisefreudig war und hier schon einmal zu Besuch war. Die schottische Variante kann mit dem Original nicht wirklich mithalten, aber es ist trotzdem ein netter Zwischenstopp und eine gute Gelegenheit sich die Beine zu vertreten. Der kurze Wanderweg vom Parkplatz zu den Falls ist sogar Rollstuhl gerecht angelegt.
Weiter geht’s durch das tiefverschneite Torridon bis zum gleichnamigen Ort. Das Café bei der Community Hall Tee hat geöffnet und wir nehmen dort ausgesprochen leckere Sandwiches zu uns.
neue Arbeitsplätze am Loch Kishorn
Das Wetter hat sich leider ganz zugezogen und so geht es bei leichtem Schneeregen über Shieldaig, Loch Carron und Dornie, vorbei am Eilean Donan Castle bis ins Glenshiel.
wo bin ich :nixweiss:
Im Glenshiel stellen wir uns abseits mit einem anderen Wohnmobil auf einen abgelegen Parkplatz. Vorher gehen wir allerdings noch im einsamen Cluanie Inn Essen. Das Essen ist nur mäßig gut und dazu auch noch fast schon unverschämt teuer. Eine unserer Quellen gibt an, dass der Cluanie Inn Womo-freundlich sei und auf Rückfrage auch Übernachtung auf dem Parkplatz erlaubt. Dem war leider nicht so, der Rezeptionist war sogar eher empört, dass wir überhaupt fragen. Alles in allem also enttäuschend und eher eine Touristenfalle. Absolut nicht zu empfehlen, aber sowas weiß man ja immer erst nachher. Am nächsten Morgen fahren wir bei kräftigem Regen nach Fort William. Von den Bergen ist Nichts mehr zu sehen, so tief hängen die Wolken.
In Fort William haben die meisten Geschäfte geschlossen und die wenig offenen, vor allem die in denen es Bücher gibt, besuchen wir natürlich. Es regnet ununterbrochen und so ist unsere Shopping-Tour nur von kurzer Dauer. Wir fahren weiter, vorbei am Stalker Castle bis nach Oban. Hier ist schon deutlich mehr los als in Fort William und so steigen wir natürlich aus. Es fängt bereits an zu dämmern als wir Oban wieder verlassen. Trotzdem machen wir einen Halt beim Kilchurn Castle, welches mystisch aus dem nun herrschenden Nebel erscheint.
Kilchurn Castle
mystisch
Als wir Inveraray erreichen ist es schon stockdunkel. Der Ort sieht gemütlich aus und im Stellplatzführer steht, dass das Übernachten auf dem öffentlichen Parkplatz zwar offiziell verboten ist, aber für eine Nacht vom Tourist Board toleriert wird. Uns waren alle Parkplätze zu schief, zu hell oder beides. Schweren Herzens fahren wir weiter und nach langer Suche landen wir auf einem Wanderparkplatz in der Nähe von Dunoon. So richtig toll ist der Platz nicht, er liegt zwar etwas abseits der Straße im Wald, ist aber trotzdem recht laut.
Das erste Ziel am neuen Tag ist die kleine Hafenstadt Dunoon. Die Stadt wirkt ziemlich runtergekommen und wir laufen auch nur einmal die Hauptstraße rauf und runter. Viel zu sehen gibt es nicht, lobend erwähnen müssen wir aber den tollen liebevoll eingerichteten Buchladen.
altes Pier in Dunoon
Wir besorgen uns einen Kaffee und fahren weiter zum Carrick Castle. Das Castle ist jetzt auch nicht so beeindruckend, liegt aber recht fotogen am Loch Goil.
Carrick Castle
Leider regnet es immer noch leicht und so fahren wir auch zeitnah weiter am Loch Lomond vorbei bis nach Falkirk. Wir halten kurz bei den Kelpies.
Für die Nacht stellen wir uns beim Pub Canalside MBK auf den Parkplatz. Die Nacht war trotz der nahen Straße recht ruhig und wir besuchen am nächsten Morgen Linlithgow. Der Palast ist wie viele Sehenswürdigkeiten im Moment geschlossen. Es ist uns schon im Sommer aufgefallen, dass viele Bauwerke, die von Historic Scotland betreut werden, wegen Renovierung oder Prüfung der Sicherheit geschlossen sind. Weiter geht es also zum Blackness Castle, Drehort diverser Filme und Serien. Ein wirklich schönes Castle in einer tollen Lage.
Blackness Castle
Ausblick auf das Brücken-Trio
Wir schlendern etwas in dem alten Gemäuer herum, machen ein paar Fotos und fahren zum Mittagessen nach South Queensferry unterhalb der Forth Bridge. Netter kleiner Ort, mit hübschen Häusern und dominiert von der eindrucksvollen Stahlkonstruktion der Forth Bridge.
Forth Bridge
Eigentlich wollten Uschi und ich nun direkt nach Edinburgh zum Mortonhall CP, aber Paula hat andere Pläne. Dank dem unlimited Datenvolumen und guter Internet Verbindung hat sie auf der ganzen Reise immer den nächsten Buchladen im Blick gehabt und ihre Must-Have-Liste mit dem jeweiligen Bestand abgeglichen. Da sie nicht nur einfach Bücher sondern Sondereditionen, signierte Bücher oder Bücher mit einer bestimmten Größe (damit sie im Bücherregal auch zu den anderen passen) sucht, kennen wir nun eigentlich jeden Buchladen nördlich von Edinburgh. Die nächste Fundgrube ist also am Ocean Terminal in Edinburgh und da müssen wir nun unbedingt noch hin. So wühlen wir uns durch fetten Verkehr bis zum Ocean Terminal Einkaufscenter, die gewünschten Bücher gibt es allerdings dann doch nicht. Ich weiß jetzt auch wieder, warum ich P&R mag. Nun geht es quer durch Edinburgh am Holyrood Park vorbei, durch diverse Wohngebiete mit sehr unangenehmen Ramps bis zum Mortonhall Campsite.
Am vorletzten Tag der Reise steht Edinburgh auf dem Programm, wir kaufen uns für 4,50 Pfund pro Person ein Tagesticket und fahren mit dem Bus in die Stadt. Unser erstes Ziel in Edinburgh ist das Dean Village, ein ehemaliges Dorf nordwestlich vom Stadtzentrum.
nicht zu verfehlen
Dean Village
Es liegt am Leith Water, einem kleinen Fluss, der früher einmal elf Getreidemühlen in dem kleinen Ort angetrieben hat. Wir laufen den kurzen Wanderweg am Leith vorbei, sind aber ein wenig enttäuscht. Wir hatten uns das Ganze etwas größer vorgestellt hatten. Mit dem Bus fahren wir weiter zur Circus Lane, die eine der zauberhaftesten Straßen von Edinburgh sein soll. Und in der Tat, so eine Straße hätte man so hier nicht vermutet. Wobei es im Sommer, wenn alles blüht, bestimmt noch besser aussieht.
Circus Lane
Genug der Sehenswürdigkeiten, Paula möchte Shoppen und so machen wir uns auf den Weg zurück zur Princess Street.
am Wegesrand
Ein kleiner, von unserer Tochter wohl gewählter Umweg führt uns zum Blenheim Place. Dort findet sie zwar auch nicht alle Bücher, aber den Buchladen ihrer Träume: wohlsortiert mit in Glasvitrinen signierten Erstauflagen, kleine Räume mit Regalen bis zur Decke, die man mit Schiebeleitern wie in alten Bibliotheken erkunden kann. Wir verweilen eine geraume Zeit und gehen dann schwer bepackt weiter. Nach dem Schlendern durch die Geschäfte entscheiden wir uns noch zum schottischen Parlament zu fahren. Im Bus stellt Paula unauffällig fest, dass der Bus ja auch bis zum Ocean Terminal fährt. Kurzentschlossen trenne sich also unsere Wege. Paula fährt nochmal in die Buchhandlung am Ocean Terminal, meine GG und ich steigen beim Parlament aus.
schottisches Parlament
Dort ist es zum Fotografieren aber leider schon zu dunkel und so kehren wir erstmal in einem netten Pub ein. Gut gestärkt entscheiden wir noch auf den Carlton Hill zu gehen. Von dem aus hat man einen schönen Blick auf die Stadt.
Blick vom Carlton Hill
Eine glückliche Paula treffen wir dann am Grass Market wieder, wo wir bei einem Italiener mäßig gut essen.
Grassmarket
Nach dem Essen geht es dann auch auf direktem Weg zurück zum CP. So ein Tag in der Stadt ist schon recht anstrengend und wir sind alle froh, wieder beim Womo zu sein. Am nächsten Tag steht eigentlich nur die Rückreise nach Hull auf dem Programm. Bevor wir uns aber auf die Autobahn schwingen, besichtigen den Colinton Tunnel. Ein alter Eisenbahntunnel, der heute als Fußgängertunnel genutzt wird und in dem sich diverse Künstler, Schulklassen und andere Institutionen verewigt haben. Der Tunnel ist eine einzige Kunstinstallation, die das folgende Gedicht interpretiert.
[...]
Faster than fairies, faster than witches, Bridges and houses, hedges and ditches,
Charging along like troops in a battle
All through the meadows the horses and cattle:
All of the sights of the hill and the plain
Fly as thick as driving rain;
And ever again, in the wink of an eye
Painted stations whistle by.
Here is a child who clambers and scrambles,
All by himself and gathering brambles;
Here is a tramp who stands and gazes;
And here is the green for stringing the daisies!
Here is a cart run away in the road
Lumping along with man and load;
And here is a mill, and there is a river:
Each a glimpse and gone forever!
[...]
Colinton Tunnel
Gut gemacht und auf jeden Fall einen Besuch wert. Um kurz vor elf überqueren wir die Grenze nach England und sind um kurz vor vier in Hull. Wir fahren noch kurz zum Paull Lighthouse, welches direkt am Humber liegt und checken danach pünktlich um halb fünf ein.
Paull Lighthouse
unsere Fähre wartet schon
Um halb neun sind wir bei strahlendem Sonnenschein am nächsten Morgen wieder in Rotterdam. Direkt nach dem Losfahren geht dann die Motorkontrollleuchte an, was natürlich für den Rest der Fahrt für eine gewisse Nervosität sorgt. Aber das Auto verhält sich ganz normal, also was soll’s. Gegen Mittag sind wir dann auch wieder in Aachen. Fazit: Für Fans ist Schottland im Winter ein echtes Muss!



Januar 2026
Juni 2025