Diese Reise sollte eigentlich schon im Sommer 2020 stattfinden, aber aus bekannten Gründen verschob sie sich um 2 Jahre. Das wäre an sich ja kein Problem gewesen, aber wir wollten mit einer befreundeten Familie zusammen fahren, die sich dafür ein Wohnmobil geliehen hatte. Zum Glück hatte der verleihende Händler ein Einsehen und hat die zweimalige Verschiebung klaglos mitgemacht, ohne zusätzliche Gebühren oder ähnliches.
So bekamen unsere Freunde einen fast nagelneuen Forster FA 699 EB mit 4000 Kilometern auf der Uhr. Den packten sie am Freitag fertig, und so ging es dann los:
01.07.2022 – Harpstedt (D), 220 km
Im Endeffekt waren wir trotz vorgepacktem Mobil noch später dran als unsere Freunde mit dem Leihmobil (ich hatte noch bis 14:00 gearbeitet und im Haus herrschte noch Chaos), so dass wir gegen 17:30 bei ihnen aufschlugen und dann gemeinsam auf die A1 in Richtung Norden fuhren.
Erstaunlicherweise war die A1 komplett leer, trotz Freitag und Sommerferien, so dass wir gegen 21:00 auf dem Stellplatz in Harpstedt --> Link ankamen. Den hatten wir als Zwischenstation ausgesucht, damit wir uns noch mal vom Schwiegeropa verabschieden konnten (die Schwiegereltern wohnen dort).
Wir richteten uns häuslich ein, unsere Freunde erkundeten ihr neues Domizil, und nach dem Abendbrot ging es für alle ins Bett.
02.07.2022 – Örkelljunga (SE), 654 km
Am Morgen kam Schwiegeropa wie besprochen kurz zu Besuch auf dem Stellplatz und versorgte die Kinder mit einer Riesenportion Süßigkeiten und etwas Urlaubsgeld für die Reise – außerdem gabs Brötchen fürs Frühstück.
Gegen 08:30 ging es dann los auf die Autobahn; wir hatten für heute die Vogelfluglinie Puttgarden-Rödby gebucht, allerdings als VIP-Ticket, so dass wir jede beliebige Fähre nehmen konnten – das mindert den Stress doch erheblich, insbesondere, wenns mal Stau gibt.
Die A1 füllte sich so langsam, von Süden kamen alle nach, die erst heute Morgen losgefahren waren, aber es blieb staufrei. Wir folgten der A1 bis hoch kurz vor Fehmarn und fuhren über die Fehmarnsundbrücke (Baustelle) bis nach Puttgarden. Der Check-In ging schnell, wir rollten auf die VIP-Spur, als die Fähre gerade einlief, und durften sofort (als letzte Fahrzeuge) mit drauf. Immerhin gabs für die 30 Euro VIP-Aufpreis ein Getränk für alle Personen, was bei den Preisen auf der Fähre mal locker 15 Euro waren – der Mehrpreis relativierte sich dadurch noch etwas.
Von der Fähre runter und 2 Stunden bis Kopenhagen, dann über die ebenfalls vorgebuchte Öresund-Brücke (gebucht über BroBizz/BroPass), und schon reisten wir bei Malmö in Schweden ein. Weiter gings in Richtung Norden entlang der E4, die kurz hinter Helsingborg in Richtung Nordosten abknickt. Auf Höhe von Örkelljunga hatten wir nach der langen Fahrt keine Lust mehr und suchten uns einen Stellplatz. Den fanden wir knapp außer Orts an einer Badestelle am See --> Link. Wurde noch ein schöner Abend, die Kinder konnten schwimmen gehen und den Spielplatz nutzen. Wir aßen Hot Dogs zu Abend (hatten die Tage noch einen ‚Bausatz‘ bei Ikea gekauft).
03.07.2022 – Örkelljunga (SE), 30 km
Morgens suchten wir uns nach dem Frühstück einen offiziellen Stellplatz in der Nähe mit V/E heraus (bei Wohnmobilhändler Bengt direkt an der E4). Entsorgung kein Problem, aber für Frischwasser brauchte man Jetons, die gabs über die Straße an der Tankstelle. OK, also dort noch getankt, zwei Jetons gekauft und wieder rüber zum Wasser Auftanken.
Danach auf die nahe E4, Tempo 90, Tempomat rein… nach ein paar Km fing es an, nach verbranntem Gummi zu stinken, und unsere Freunde (die hinter uns fuhren) meldeten per Messenger blauen Rauch aus unserem Fahrzeug. Oha.
Standstreifen, Warnblinkanlage – hm, die Reifen sahen alle gut aus. Motorhaube auf, der Gestank wurde stärker – der Rippenriemen, der Lichtmaschine und Wasserpumpe antreibt, qualmte blau und sah verdächtig dünn aus. Also langsam mit niedriger Drehzahl zur nächsten Abfahrt, und da auf den Autohof.
Genau der richtige Zeitpunkt, mal den Schutzbrief, der in unserer Kreditkarte inklusive ist, auszuprobieren.
Anruf, Warteschleife. Verbinden zum Versicherungsgeber, Warteschleife. Daten aufgenommen (Ort, Fahrzeugtyp; ich habe mindestens 3 x erzählt, dass wir 5 Tonnen wiegen und 3,30 m hoch sind). Ansage: Pannendienst kommt in 2 h (ca. 14:00), das war gegen 12:00.
Ich beschloss, im nahen Örtchen ein paar Kronen zu ziehen, damit wir für alle Eventualitäten gewappnet waren; meine Frau bereitete das Mittagessen, sollte man ja auch nicht vergessen.
Gegen 13:00 war das Essen auf dem Tisch, und nach den ersten 3 Gabeln stand draußen der Abschleppwagen – war ja klar.
Wir kamen überein, dass unsere Freunde erstmal in Richtung Norden weiterfahren sollten und wir dann wieder aufschließen, wenn alles OK ist.
Nach einer Inspektion des Motorraums und einiger Diskussion mit Händen und Füßen mit dem Abschlepp-Mann kamen wir zu dem Ergebnis, dass wohl irgendein Lager im Rippenriemen-Trieb schadhaft war und der Riemen aufgrund des hohen Widerstands rutschte und sich dabei langsam aufrieb. Er wollte uns nicht auf die Brille nehmen, weil zu schwer (?) und so einigten wir uns darauf, langsam zur nächsten Werkstatt zu fahren. Er fuhr los, wir hinterher – ‚langsam‘ hieß offensichtlich ca. 70 km/h, na ja, da war die Drehzahl noch bei ca. 2000, schien OK, zumindest stank nichts allzu sehr.
Er brachte uns dahin, wo wir heute Morgen entsorgt hatten – Wohnmobilhändler Bengt mit eigener Fiat Professional Werkstatt. Auf meinen Einwand, dass wir einen Iveco besäßen, meinte er, die verkaufen die auch da (Carthago) und kennen sich bestimmt damit aus. Da Sonntag war, mussten wir ja eh bis morgen warten.
OK… wir richteten uns auf dem Stellplatz --> Link ein und ich ging erstmal zu Stressabbau eine Runde um den nahen See laufen. 8 sehr schöne km.
04.07.2022 – Helsingborg (SE), 40 km auf fremder Achse
Morgens um 07:00 (Werkstattöffnung) stand ich bei Bengt auf der Matte und besprach mit dem Werkstattleiter unseren Fall.
Leider konnte er uns nicht direkt helfen (hatte ich mir ja schon gedacht), aber er empfahl die Iveco-Werkstatt in Helsingborg, da würden sie ihre Ivecos auch immer hinbringen.
OK, also wieder Schutzbrief-Warteschleife. Fall erklärt – ja, verstanden, Transport nach Helsingborg wird organisiert. Rückruf wurde versprochen. Das war um 07:30
Frühstück, aufräumen, Abwasser und Klokassette noch schnell entsorgt – immer noch kein Rückruf.
Um 09:30 ging ich wieder in die Warteschleife, um nachzufragen. Dort Verwunderung, der Kollege wäre am Fall dran, gab es noch keinen Rückruf? Wird nachgeholt.
Eine halbe Stunde später kam der Rückruf, Transport wurde für 14:00 zugesagt. Ich erinnerte nochmal an unser Format und dass auch 5 Personen zu transportieren wären. Ja, hätte er berücksichtigt. Na Prima, dann warten wir mal.
Natürlich war der Abschlepper wieder gegen 13:15 vor Ort, in Form eines Flach-Sattelaufliegers mit einem Iveco Daily als Sattelzugmaschine inklusive zweier Schweden, die kein Wort Englisch oder Deutsch sprachen, interessant. Ich wies noch mal auf die Höhe hin, das Womo wurde misstrauisch beäugt, aber für OK befunden. Ich fuhr auf den Auflieger, das Womo wurde gut verzurrt – dann wies ich auf die etwas abseitsstehende Restfamilie hin. Kopfkratzen, Radebrechten. Da kein Taxi in Sicht war und ich auch keine Lust auf wieder eine halbe Stunde Warteschleife hatte, kamen wir überein, dass wir im Mobil mitfahren könnten, wenn sich alle anschnallen. Wäre in Deutschland illegal, aber was weiß ich über schwedische Gesetze? Also los.
War eine interessante Fahrt. An der ersten Unterführung stieg der Beifahrer aus und schaute sich genau den Abstand oben an – das war OK, und so fuhren wir auf die A4 in Richtung Südwesten. Der Fahrer nahm die Autobahn-Überführungen immer an ihrer höchsten Stelle, und so kamen wir nach einer Stunde wohlbehalten im Industriegebiet außerhalb von Helsingborg bei Iveco an.
Die Abschlepptruppe bekam ein Trinkgeld nach dem Abladen, wir bedankten uns und ich ging zu Iveco rein. Die wussten schon Bescheid, weil der Werkstattleiter von Bengt uns angekündigt hatte (nett von ihm). Natürlich kam erstmal die Aussage, es wäre ja Ferienzeit, er hätte nur 2 Mechaniker da und nächste Woche könnts was werden. Ich wies dann darauf hin, dass wir den Schaden vielleicht erstmal begutachten könnten und dann weitersehen. Ja OK. Lustigerweise rief genau jetzt ein Taxifahrer aus Örkelljunga an (ca. 14:30) und fragte, wo wir denn seien – ich erklärte ihm freundlich, dass wir schon in Helsingborg wären. Ah OK, kein Problem.
Nach einer halben Stunde kam der Mechaniker raus zu unserem Mobil. Motorhaube auf, Lampe rein – nach 3 Minuten stand fest: Das Lager der Rippenriemen-Spannrolle hatte sich aufgelöst.
Nach nochmal 15 Minuten stand fest, dass die benötigten Teile (Riemenspanner mit Rolle und Rippenriemen) am nächsten Tag um 10:00 vor Ort wären und jaaaa, man würde sie uns dann auch einbauen. Na also.
Das Übernachtungsproblem war auch schnell gelöst, wir konnten auf dem Gelände übernachten und bekamen sogar noch Nachschub für den Wassertank.
Um 18:00 wurde das Hoftor abgeschlossen, und wir verbrachten eine sehr ruhige Nacht auf dem Parkplatz von Iveco Helsingborg.
05.07.2022 – Lekeryd (SE), 248 km
Dienstagmorgen trafen tatsächlich gegen 10:00 die Ersatzteile ein, und unser Bomber wurde in die Werkstatt gefahren. Wir richteten uns im Kunden-Wartebereich ein (mit einigen Butterbroten und Snacks) und warteten.
11:00, 12:00, 13:00… hm, eigentlich war das doch nur eine Kleinreparatur… gegen 14:00 wurde unser Womo aus der Werkstatt gefahren. Nachfrage beim Mechaniker ergab, dass natürlich der falsche Riemenspanner als Ersatzteil geschickt wurde; glücklicherweise hat unsere kaputte Version die gleiche Rolle montiert wie der modernere Iveco 5, für den ein Spanner vorrätig war. Also eine neue Rolle an unseren alten Spanner montiert und alles war wieder gut. Hat natürlich Zeit gekostet.
Unterm Strich zahlten wir 550 Euro an Reparaturkosten und waren um 15:00 wieder auf Achse. Nochmal vielen Dank an dieser Stelle ans Iveco-Team Helsingborg!
Wir verständigten unsere Freunde (die sich inzwischen Stockholm angesehen hatten) und machten uns auf den Weg in Richtung Norden.
In Värnamo hielten wir noch einmal zum Einkaufen an und bogen dann in Husqvarna von der E4 ab, um an einer kleinen, netten Badestelle an einem See zu übernachten (Uddebobadet in Lekeryd --> Link).
06.07.2022 – Skatan (SE), 689 km
Wir vereinbarten mit unseren Freunden, uns abends auf einem Stellplatz in Skatan nahe Sundsvall zu treffen. Die konnten dadurch noch ein wenig Freizeitprogramm in Uppsala machen und so könnten wir dann am nächsten Tag wieder zusammen fahren.
Viel zu vermelden gibt’s über den Tag nicht, es gab einige ziemliche Wolkenbrüche auf der E4, fast schon Aprilwetter.
Der Stellplatz --> Link war recht nett und lag ruhig, als wir ankamen, waren nur 3 andere Mobile da. Kurz nach uns kamen unsere Freunde an, und danach füllte sich der Platz dann bis 10 Uhr abends noch komplett. Am Forster war eine Kleinreparatur fällig (Aufbautür-Innengriff gebrochen), und es gab Köttbuller zum Abendessen.
07.07.2022 – Sangis (SE), 640 km
Und weiter gings in Richtung Norden. Die Ostsee kam auf der rechten Seite öfter mal in Sicht, wir fuhren über eine sehr schöne Brücke (Die Högakustenbron):
Ansonsten wurden viele Kilometer gemacht, wir testeten zum Mittagessen die schwedische Burger-Kette ‚Max‘ (viel besser als Meckes!) und Abends landeten wir auf einem kleinen CP in Sangis --> Link, der von einem Schweizer Ehepaar betrieben wurde und eine Waschmaschine hatte, der Hauptgrund für einen CP.
08.07.2022 – Sodankylä (FI), 338 km
Heute ging es dann über die nicht mehr weite schwedisch-finnische Grenze und dann natürlich zum Must-Stop (zumindest für die Kinder) in/bei Rovaniemi. Dort durften die Kinder über den auf dem Boden markierten Polarkreis hüpfen und es wurden einige Souvenirs gekauft. Und natürlich die Läden und Ausstellungen besichtigt. Insgesamt sehr kommerziell und für Erwachsene, die keine Lust auf Weihnachtsrummel im Sommer haben, wahrscheinlich verzichtbar.
Dann nochmal schnell an der Shell gegenüber tanken (in Euro, wie ungewohnt :) ) und weiter gings in Richtung Norden.
Diesen Abend fanden wir einen tollen Stellplatz auf einer Kiesfläche (riesig) direkt am Wasser. Es waren noch 5 oder 6 andere Mobile da, aber keins stand näher als 100 Meter an uns dran.
Schnell ein Feuerchen gegen die Mücken (Horror…) entfacht, als es brannte, ging es in der Nähe etwas. Aber hier haben wir dann zum ersten Mal das finnische Nationaltier so richtig kennen und lieben gelernt. Zum Glück sind die Viecher so groß, dass sie nicht durch die Fliegengitter passen.
Das war dann auch die erste Übernachtung, wo es richtig auffiel, dass es nachts nicht mehr dunkel wurde. Tja, Polarkreis überquert eben.
09.07.2022 – Karigasniemi (FI), 242 km
Für diesen Tag hatten wir direkt an der Wegstrecke eine Überraschung für die Kinder eingeplant. In Tankaavara kann man für einen relativ geringen Preis die Kunst des Goldwaschens erlernen und danach den ganzen Tag (wenn man mag) Gold waschen und den Ertrag behalten.
OK, also hin da, lange Hosen und Jacken an und los. Erstmal über das weitläufige Gelände an Tribünen vorbei (?, Nachfrage ergab: hier finden immer Meisterschaften im Goldwaschen statt) zur Waschstelle gelaufen, dort gab es dann Gummistiefel und Goldwaschpfannen und die Einweisung ging im Waschtümpel los.
Ein bisschen ablenkend war die finnische Luftwaffe, es waren diverse Mückengeschwader im Einsatz, die es auf Hände und Köpfe abgesehen hatten. Man konnte sie ganz gut ignorieren, bis, ja bis so’n Viech versuchte, in Nase oder Ohr zu krabbeln. Somit hatte man selten beide Hände für die Waschpfanne frei… aber Leiden bildet ja den Charakter.
Nach zwei Stunden hatte jeder ein paar Flitter Gold gefunden. Reich wird man dabei nicht, aber immerhin weiß man jetzt wie’s geht, wenn der nächste Goldrausch kommt.
Auf dem Gelände auf der anderen Seite der Straße sind übrigens wirklich Claims vermietet und dort wird professionell Gold gewaschen.
Unsere Freunde mit den beiden Mädels waren nach eineinhalb Stunden bedient und fuhren schon mal vor zum Sami-Museum (andere Station heute), unsere Jungs hielten noch eine Stunde durch und dann wars auch genug.
Die nächste Station war dann das Sami-Museum in Inari am gleichnamigen See. Dort gibt es eine sehenswerte Ausstellung über Lebensweise und Alltagsgegenstände der Sami und ein komplettes Museumsdorf (bzw. einen Hof) auf dem Außengelände. Fanden sogar die Kinder gut, für ein Museum… Fun Fact: als in den 1800ern der Norden in Nationen aufgeteilt wurde, gings den Sami erstmal schlecht mit den neuen Grenzen. Am tolerantesten gegenüber den Bedürfnissen des Sami-Volkes waren von allen beteiligten Nationen – die Russen. Wie die Dinge sich ändern können…
Übernachtet wurde dann in Karigasniemi direkt an der norwegischen Grenze (die hier durch einen Fluss gebildet wird) auf einem Campingplatz. Es gab dort andere Camper, eine schöne Aussicht auf den Fluss und einen Entsorgungspunkt in festen Händen der finnischen Luftwaffe. Na ja, hatte man sich bis dorthin dran gewöhnt.
10.07.2022 – Nordkapp (NO), 284 km
Wir brachen am nächsten Morgen um 06:30 auf, um mittags am Nordkapp anzukommen. Am Abend vorher hatten wir nochmal unsere Vorräte untersucht und überschüssigen Alkohol per App angemeldet, alles ganz vorschriftsmäßig, und dafür per App ein paar Euro Zoll bezahlt. Noch kurz an der Automatentanke aufgetankt, und dann ab zum Grenzposten.
Da stand allerdings nur eine einsame rote Ampel und kein Mensch weit und breit – ja klar, in Norwegen war es ja auch erst 05:30… da an der Ampel kein Schlagbaum war, sind wir einfach langsam rübergefahren und das wars mit der Einreise in Norwegen.
Nächster Stop war das Sami-Parlament (Sameting) in Karasjok. Ein schönes Gebäude, und auch ein schöner Gedanke, dass die Sami dort länderübergreifend ihre Dinge regeln können.
Weiter gings über die E6 in Richtung Lakselv. Kurz dahinter fanden wir eine traumhafte Übernachtungsstelle und nutzten die zumindest für die Frühstückspause. Dort sahen wir auch zum ersten Mal in diesem Urlaub das Nordmeer.
An dessen Küste ging es dann immer weiter in Richtung Norden, vorbei an Olderfjord, und dann kam auch schon irgendwann der Nordkapptunnel. Nebel hatten wir keinen da drin (trotz der Warnung), und nachdem wir uns mit 60 km/h die Steigung aus dem Tunnel wieder hochgequält hatten, waren wir auf der Nordkappinsel. Vorbei an Honningsvåg, kurz vor Skarsvåg links abbiegen, alles bei schönstem Wetter. Als dann nach ein paar Km das Nordkapp in Sicht kam, lag es unter niedrigen Wolken verborgen – war ja klar.
Wir fuhren im Nebel an den Eintrittsschalter heran, bezahlten unsere 70 Euro, bekamen die Sticker zum Eintritt in das Polarcenter und tuckerten auf den Stellplatz. Dort hatte sich einiges getan, inzwischen gibt’s sogar Klos – auf Kirmes- oder Schützenfest-Niveau, aber immerhin. Nicht, dass man das für eine Übernachtung bräuchte… Wir fanden einen Platz mit Aussicht in der 1. Reihe (deshalb waren wir so früh losgefahren), nur leider keine 2 zusammenhängenden Plätze – zwischen uns war ein Mietvan. Der verkrümelte sich aber ein paar Stunden später, vermutlich wegen zuviel Remmidemmi :-)
Erstmal Tisch und Stühle raus und Mittagessen. Die Wolken rissen immer wieder auf und in der Sonne war es angenehm warm. Leider zog es sich nach dem Essen komplett zu und durch den Wind waren dann gefühlte 5°C – also Norwegerpulli und Jacke raus.
Dann gings erstmal ins Polarcenter, mal schauen, ob sich da seit 2005 was getan hat, da waren wir zuletzt da. Allerdings können wir uns kaum noch daran erinnern – das Alter…
Der neue Film ist ganz nett, das Licht- und Farbenspiel in der Installation ganz unten auch. Natürlich wurden auch noch mal alle Infos zum Nordkapp den Kindern erklärt. Dann gings raus zur Kugel für den Fototermin, wer weiss, ob das Wetter nicht noch schlechter wird…
So ging der Nachmittag rum, der Abend nahte und mit ihm die Reisebus-Flotte. Vorn auf dem Kapp wurde es immer voller, je näher der 00:00-Termin rückte.
11.07.2022 – 13 km nördlich von Repvåg, 63 km
Und siehe da, pünklich zur Mitternachtssonne senkte sich die Wolkendecke aufs Wasser ab und umspülte das Kapp – sah unglaublich aus, man hätte auch auf 3 km statt 300 m Höhe sein können. Dazu perfekte Mitternachtssonne, es war wirklich sonnig wie an einem Nachmittag in unseren Breiten. Absolut beeindruckend, die Astronomie mal so live am Werk zu sehen.
Ekspedisjon Midnatsol – Ein voller Erfolg!
Nach genug Fotos und einem Drohnenflug ging es dann so langsam ins Bett – Die Kinder waren total fertig, kein Wunder um 01:30. Dementsprechend wurde am Morgen ausgeschlafen. Nach dem Frühstück gings nochmal aufs Kapp (jetzt strahlender Sonnenschein und klares Wetter), Sonnenfotos machen – und dabei konnten wir aufgrund der klaren Sicht sogar von oben vom Kapp noch 2 Wale bewundern, die gemütlich vorbeischwammen. OK, man hat nicht viel gesehen, aber die Fontänen beim Blasen waren ziemlich eindeutig.
Dann nochmal den Souvenirshop geentert (T-Shirts etc.) und dann machten wir uns so langsam wieder auf den Weg in den Süden.
Wir fuhren vom Kapp und bogen als erstes nochmal links ab in Richtung Skarsvåg, das nördlichste Fischerdorf der Welt.
(Kurzer Exkurs: warum ist um das Nordkapp herum eigentlich alles ‚das nördlichste XXX der Welt‘? Das liegt daran, dass der Golfstrom das Wasser vor Nordnorwegen im Winter eisfrei hält. Damit ist einerseits auch im Winter Fischfang möglich und es ist an Land auch nicht so kalt wie woanders auf der Welt so weit im Norden, deshalb gibt es hier die nördlichsten permanenten menschlichen Ansiedlungen.)
Hier gibt es am Ortseingang einen CP/SP/Hüttenvermieter mit V/E, die wollten wir in Anspruch nehmen. Oha, 10 Euro für ne Entsorgung – aber OK, dann haben wir das hinter uns.
Danach noch kurz ins Örtchen, der kleine Hafen ist recht malerisch und man kann in einem Cafe die fiesen, riesigen Nordmeerkrabben essen, wenn man das mag – wir eher nicht. Echt beeindruckend, die Viecher.
Dann gings über Honningsvåg wieder runter von der Nordkappinsel. Auf dem Weg hoch war uns eine sehr nette Bucht mit einem malerischen Strand aufgefallen, die wir uns für einen Ruhetag nach der stressigen Fahrt hoch ausgesucht hatten.
Also ca. 14 km Luftlinie nördlich von Repvåg runter von der Straße, da war ein kleiner planierter Parkplatz, und von da aus führte eine Rumpelpiste nach vorn zum Strand und weiter zu einigen Ferienhäusern, wie es aussah. Wir fanden einen genehmen Platz für unsere zwei Mobile, 50 m von einer anderen Familie entfernt, die da schon stand – und 10 m vom Strand entfernt, nur durch ein wenig Dünengras getrennt.
Die Kinder waren in Nullkommanix in die Neos geschlüpft und rannten zum Strand, der wirklich unglaublich war – Karibik-Feeling pur. Das Wasser war sehr frisch, allerdings im Neo noch auszuhalten, und so wurde eine Weile geplanscht, geschwommen und getaucht, bis die ersten anfingen zu bibbern.
Rasch die Dusche im Mobil zur Aussendusche modifiziert (Brauseschlauch ab, Gardena-Stück drauf, Frischwasserschlauch mit Tülle durchs Fenster raus) und wir konnten uns draußen in der Sonne warm abduschen und die Neos ausziehen und auswaschen. Der pure Luxus…
Nachdem ich aus dem Neo raus war (ja, auch geschwommen :ertrink: ) holte ich Tisch und Stühle raus und wir machten uns für ein nachmittägliches Hamburger- Braten bereit. Dauerte zwar, weil immer nur 3 Burger Patties in die Pfanne passten – aber trotzdem sind alle 9 Personen rechtzeitig satt geworden.
Hinterher mit dem Großen noch einen Strandspaziergang gemacht und dabei einen ganzen Sack voll Plastikmüll eingesammelt (Sack gabs gleich gratis dazu). Ist zwar hier wesentlich weniger als an südlicheren Stränden, aber ein bisschen was treibt trotzdem an.
Die Nacht war dann sehr hell (aber keine direkte Sonne wegen der Berge), aber alle konnten gut schlafen.
12.07.2022 – Kviby (NO), 256 km
Wieder schönster Sonnenschein, und wir brechen nach einem kurzen Frühstück auf in Richtung Hammerfest. Dazu muss man erst südlich bis Oldendal und dann in Richtung Alta, später rechts halten in Richtung Hammerfest (kurz danach noch entsorgt, es war aber leider einer von diesen grünen Klo-Containern, die nur an der Rückseite einen Ausguss für die Kassette haben – Abwasser also geeimert).
Die Fahrt dahin ist landschaftlich recht schön und es gibt einige Brücken und Tunnels, die die alte Straße abkürzen. Als wir 2005 hier waren, gab es noch recht enge Straßenstücke, das ist jetzt alles vorbei und man rollt komfortabel bis Hammerfest. Einen Ort vorher noch kurz zum Tanken und Einkaufen angehalten und dann ab zum Weltkulturerbe, der Meridiansäule. Die liegt leider direkt neben einem Industriegebiet und so machen die Fotos nicht soooo viel her.
Wir nutzten die Zeit und nahmen zur Säule einen Klapptisch und das Zubehör fürs Mittagessen mit hoch, und es gab geschmierte Brote für alle.
Dann die ganze Strecke wieder zurück bis zur Abzweigung Karigasiemi/Alta/Hammerfest – halt stopp, an der Tankstelle dort ist ja auch eine V/E. Hätten wir das mal vorher gesehen, die ist nämlich komfortabel mit Bodenablauf. Na ja, immerhin konnten wir da noch Frischwasser nachtanken.
Dann ging es weiter in Richtung Alta. Nach einiger Zeit hatten wir genug vom Fahren und suchten uns einen Stellplatz. Es ging von der E6 ab in Richtung Kviby und dann ein wenig nordwestlich zu einem Aussichtspunkt über den Altafjord. Dort ist ziemlich viel Platz und wir platzierten uns in der Nähe eines Wohnwages, der dort stand (offensichtlich ein Servicetechniker für Stromnetze). Etwas abseits stand noch ein ExMo im Gemüse.
Die Aussicht und das Wetter waren super, einziger Wermutstropfen waren die Rinderbremsen, die sich dort heimisch fühlten. Zum Glück half unser Insektenabwehrmittel gegen die.
Nach einer kurzen Erkundungstour mit den Kindern (runter zum Wasser des Altafjords – nix für Flipflops) plünderten wir das Gefrierfach und grillten einige unserer Vorräte weg, lecker.
Die Nacht war dann wieder sehr hell, aber auch sehr ruhig.
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