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und hier gibt es noch ein paar Videos aufgenommen von Passagieren während der Havarie :
--> Link die ersten Sekunden ist nix zu sehen. Edith : Video aufgenommen von einem Passagier Was ich nicht verstehe, ist die Tatsache, das erst so lange nach der Felsberührung ernsthaft mit der Evakuirung begonnen wurde. Bei der Grösse der Beschädigungen, die der Schiffsführung umgehend hätte bekannt werden m u s s t e, hätte m.E. hier zügig die Ausbootung begonnen werden müssen. Dann hätte man auch ( noch ) nicht die durch spätere dramatische Krängung des Schiffes verursachte Unmöglichkeit des Fierens der backbordseitigen Rettungsboote und Flösse hinnehmen müssen. Es ist hier selbst einem Laien klar, das bei diesen Riesenlöchern ein Schiff nicht zu halten ist.
jonathan
Für mich wird durch die glasklare Logik und das menschliche Fundament dieses Beitrags einmal mehr überdeutlich, das die gesetztlich geforderten mindestens fünf Nautiker mit ausgefahrenem Patent längst nicht ausreichend sind auf einem Kreuzfahrtschiff. Jeder Brückenwache sollte künftig noch ein "Laie vom Dienst" zugeordnet werden, der notwendige Entscheidungen in krisenhafter Situation wie dieser nach kurzer laienhafter Analyse, oder gleich ohne, exektutiert. Mit besten n Wolf
Ich teile Deine Einschätzung, nach der Laien da wohl nix sinnvoll beurteilen können ... aber wie wär´s : Du bist doch Profi ... :?: @wolfworldwide
Der Jonathan hat doch nur geschrieben, dass es selbst einem Laien klar sein muss. Ob ER ein Laie ist, weißt du doch gar nicht oder hast du das eben schnell recherchiert? Man darf sich doch seine Gedanken machen?! Nur daraus erwächst persönlicher Wissenstand und Einschätzen-können einer unbekannten Situation. Es gibt etliche Betroffene der Tsunami-Katastrophe in Thailand/Sri Lanka, die sagten, dass ihnen das Wissen aus dem Buch von Frank Schätzing geholfen habe, die Gefahr zu erkennen. Gedanken und Rückschlüsse bilden sich aus der Kombination von vielem Gelesenen und Gehörten. Wenn jeder alles für sich behalten hätte, dann gäbe es keine richtigen Entscheidungen aus einem Gefühl heraus. Maggie
Ja, das stimmt, ich bin Profi und kenne sogar das Seegebiet recht gut. Ich weiß aber nur drei Dinge ganz sicher, weil die Faktenlage mehr nicht her gibt und die Untersuchung solcher Havarien mit Recht eine ganz langwierige und komplexe Angelegenheit ist: 1. Die besten Kapitäne stehen immer auf der Pier (in der Neuzeit treiben sie sich aber auch gerne in online-foren rum) 2. Die "Costa Concordia" hat ganz offensichtlich eine Grundberührung gehabt. 3. Das Schiff ist hochmodern, das Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere ist eine Premium-Reederei, gehört zum Carnival Konzern mit insgesamt rund 100 Kreuzfahrtschiffen weltweit, das Führungspersonal auf den Costa-Schiffen sind zum allergrößten Teil Italiener, was Sprachschwierigkeiten (ein wichtiger Faktor) vermutlich ausschließt (und selbst das ist schon eine eigentlich unzulässige Annahme). Die Besatzungen sind, und das nicht nur aufgrund gesetzlicher Forderungen, bestens ausgebildet. 4. Die Havarie hat das Schiff in einem ungünstigen Moment getroffen, schlicht weil die Grundberührung es noch vor der regulären Seenotrettungsübung getroffen hat und viele Passagiere überhaupt noch keinerlei Verhaltensanweisungen hatten. Um die Situation weiter zu verschlimmern hätte nur noch das Wetter schlecht sein müssen. Und das war´s. Ich habe jedenfalls während meines Berufslebens schon so einige "Pferde vor der Apotheke kotzen sehen". Und da ist es mir schon noch sehr präsent, wie ein Kollege von mir nach einer schweren Grundberührung in norwegischen Gewässern vor Arendal beinahe mit seinem Dampfer auf Tiefe gegangen ist, und jeder Einheimische natürlich wußte, dass dort an dieser Stelle ein "schwimmender Stein" liegt. Mein Kollege ist noch auf der Pier dort abgelöst worden, wegen schweren nautischen Fehlverhaltens. Blöd nur, dass sich schon nach wenigen Tagen heraus stellte, dass die Untiefe in den deutschen DHI-Seekarten nicht eingetragen war. Mein Kollege hatte vor der Reise BA- bzw. norwegische Seekarten angefordert, da war die Untiefe eingezeichnet, nur dass diese Anforderung aus Kostengründen abgelehnt worden ist. Na ja, da hat mein Kollege später ein größeres und schöneres Schiff als Kapitän übernehmen dürfen. Außerungen des Kapitäns, von Journalisten (in dem Beruf kenne ich mich übrigens auch gut aus) befragter Besatzungsangehöriger oder Passagiere sind übrigens völlig irrelevant, weil es höchstwahrscheinlich nicht zu lesen wäre, wenn 3000 Passagiere behaupten würden, die Rettungsaktion sei von der Besatzung gut durchgeführt worden. Es müsste nur einer da sein der jammert, und schon hätte man die Nachricht. Nur um mal kurz den Advocatus Diaboli zu spielen, und weil es vor allen eine völlig unsinnige Annahme ist, der Kapitän wollte in tiefster Dunkelheit seine Besatzung winken lassen, um die Insulaner zu erfreuen. Gehen wir doch mal davon aus, dass die auf der Brücke, in der Schiffstechnik und auch im Hotelbereich Profis sind. Diese Annahme ist zulässig. Vielleicht ist wirklich nicht auszuschließen dass eine Untiefe nicht in den digitalen Seekarten eingezeichnet war, vielleicht auf den Papierkarten, die parallel mitgezeichnet werden, auch nicht. Und dann rumpelts plötzlich auf so einem grenzdimensionierten Dampfer, dessen Bruttoraumzahl weniger von Nautikern und Schiffstechniker als mehr von Betriebswissenschaftler bestimmt wird, gleichzeitig sind Teile der Besatzung noch neu und noch nicht eingespielt und die Paxe hatten noch keine Rettungsübung. Dann wird eine Schadensfeststellung gemacht, soweit möglich, 70 m lang der Riss, wie wir wissen, da sind Räume blitzschnell überflutet und Ratz fatz ist der Strom weg. Und die Zeit läuft, das Problem der freien Oberflächen des eindringenden Wassers erzeugt sofort eine Kränkung, und das bei einem Schiffskörper, der eine unglaubliche Anfangsstabilität aber Null-Endstabilität hat, anders als so ein uralt-Zampan mit weit ausladenden Rumpflinien. Ältere Schiffe haben Widerstandspantokarenen, die "stehen wie mein Mann seiner", die schaukeln wenn eine Möwe am Schornstein vorbei fliegt, nur Kentern tun sie nicht, weil die benetzte Rumpffläche bei Krängung expontiell wächst. Was tut nun ein Kapitän, der realisieren muss welche Mengen an Wasser in sein Schiff fließen, der ganz genau um die Stabilitätseinschränkungen seines Dampfers weiß, die in so einem Fall sehr schnell tödlich sein können. Der realisiert dass seine Passagiere noch keinen Plan haben und Teile seiner Besatzung vielleicht auch nicht. Ich weiß was ich in Landnähe täte. Ich würde die Passagiere beruhigen, Gas geben und mir ganz schnell eine hübsche Sandbank suchen und dort meinen Dampfer "eingraben". Dann hast du ohne Ende Zeit gewonnen, um die Passagiere und die Besatzung in aller Ruhe zu evakuieren. Blöd natürlich nur, wenn keine Sandbank in der Nähe ist, sondern nur felsige Küste, aber in die Felsen zu fahren ist noch immer besser als zu sinken, mit 4000 Menschen an Bord. Ja, so hätte es auch sein können, aber möglicherweise auch ganz anders. Vielleicht ist der Kapitän ein Held, dass anzunehmen scheint mir jedenfalls wahrscheinlicher, als davon auszugehen dass er ein Dilletant oder ein ?loch ist. Einfach deshalb, weil er sonst so eine verantwortungsvolle Tätigkeit gar nicht ausüben dürfte. Wir werden es sicher erfahren, ob Held oder Dilletant, eines Tages, ganz bestimmt. Sicher ist jedenfalls zu diesem Zeitpunkt, dass es deutlich zu früh ist, um irgendwelche Schuld auf wessen Schultern auch immer hier abzuladen. Mit besten n Wolf Wolf, ich sage es nicht gerne, weil manche deiner bisherigen Beiträge mir die Nackenhaare haben hochstehen lassen. Aber mit diesen Ausführungen hast du meinen höchsten Respekt - ehrlich!
Auch ich habe mir schon gedacht, dass der Kapitän die Evakuierung erst angeordnet hat als er mit seinem Schiff in Hafennähe auf Grund gefahren ist und ein absinken in tiefe Gewässer unwahrscheinlich wurde. Die Havarie mit der Untiefe war ja schon einige Zeit vorher und da mussten erst die panischen Passagiere beruhigt werden, die dies jetzt als Chaos beurteilen. Aber du hast recht, die Zukunft wird es sicher zeigen wie es damals wirklich war. Habe die Ehre Gogolo :D Und schon erscheint der Unfall in einem ganz anderen Licht ! :D
von der schoenen Mittelmosel Achim Die Zeitungen brauchen Schlagzeilen, der Stammtisch was zum reden, die Gerichte brauchen Fakten, die Wahrheit braucht Zeit. Fakt ist doch; das von was weiss ich wieviel 4200 Passagieren "nur 15" vermisst werden. Alleine diese Tatsache zeigt mir zunächst, dass nicht alles schief gelaufen sein kann. Im TV habe ich dieses schreckliche, hessische Ehepaar gesehen, welches wohl wie behauptet, dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Fast eine Neugeburt und schon war alles schlecht. Die Crew, der Kapitän, die Reederei. Haben die ein Rettungsboot mit Zentralheizung, Einzelkabine und TV Anschluss erwartet? Die haben überlebt und nun die Möglichkeit in TV-Kameras zu glotzen und gleicht zeigt sich der Deutsche wieder von seiner besten Seite. Man weiss noch nichts genaues, aber man wusste ja eigentlich schon vor der Katastrophe wer schuld war oder sein wird.
Als vor zwei Jahren die Crew von Moby-Lines im Hafen von Genua zu doof gewesen ist das Schiff fest zu zurren und dadurch ein Ehepaar bei der Aufahrt von der Fähre im Auto nebst Rampe ins Hafenbecken fiel und darin jämmerlich versoffen ist, da sprach man eben von einem einfachen Unglück. Das Unglück hätte wirklich verhindert werden können, weil es durch Leichtsinn und Fahrlässigkeit entstanden ist.
Ja, der war sehr sachlich und gefällt mir auch gut. Maggie
Da stellen sich mir die Nackenhaare auf :ooo: Wenn es nur etwas windiger gewesen wäre, dann wäre der Pott sammt 4000 Menschen abgesoffen. Kannst Du die Gefühle dieser Menschen nicht nachvollziehen? peter Hallo Wolf,
das war sehr interessant zu lesen und absolut nachvollziehbar! Danke dafür. So wird natürlich auch ein Schuh draus. -Und wie kriegt man so´nen Rieseneimer da wieder weg :roll: jonathan der die Riesenreuzfahrer hier soo oft bei Meyer liegen sieht, dann die Ems hinunter hinterhersieht und sich gar nicht vorstellen konnte, wie so ein Riesenwal gestrandet aussieht.
Schließ mich da vorbehaltslos an ... :gut: Aber : da Du (Wolf) die "Journaillenseite" ja auch kennst, ist es doch nachvollziehbar, daß die Medien da mal wieder drüber herfallen - auf der ständigen Suche nach Schlagzeilen - und ein "Opfer" suchen. Mit der Wahrheit hat das mal wieder NIX zu tun, eine klassische Vorverurteilung der Medien ... und auf DEN Zug springen halt viele gern und schnell auf :(
DAS würd mich auch mal interessieren :D peter Nun- evtl. ist der Kapitän doch nicht so ganz frei von Schuld. Soeben hörte ich, daß die dortige Küstenwache nicht einmal mit deren Schnellbooten die von der Concordia gewählte Route wegen der Unterwasserfelsen befährt, und sich verständnislos darüber äusserte, wie man mit einem Schiff in der Grösse eines Flugzeugträgers diese Gewässer befahren könne.
Und dies kommt von der Reederei: Reederei: Anscheinend nicht den Regeln für Notsituationen gefolgt Auch die Reederei distanzierte sich inzwischen von Schettino. Es habe den Anschein, "dass der Kommandant Beurteilungsfehler gemacht hat, die schwerste Folgen gehabt haben", heißt es in einer am Abend verbreiteten Erklärung der in Genua ansässigen Gesellschaft "Costa Crociere". Er sei anscheinend nicht den in der Notsituation üblichen Regeln gefolgt. Aber warten wir ab, was die Untersuchungen ergeben- wenn der Dampfer nicht vorher in die Tiefe abrutscht, was zur Zeit befürchtet wird. jonathan
Moin, moin, Deine Einschätzung ist absolut richtig und die Erkenntnis daraus tragisch. Wir kriegen als Verbraucher in solchen (und natürlich vielen anderen) Fällen häufig "Geschichten", im Sinne von Märchen, in Wort, Bild und Film vorgesetzt. Schöne Geschichten, die so richtig an unsere Urinstinkte appellieren. Scheißegal, ob dabei sogar ganz offensichtliche Unkorrektheiten oder Halbwahrheiten weitergegeben werden, Hauptsache Blut, Schweiß und Tränen. Das gilt im übrigen auch für viele Leitmedien, von denen ich einige schon sehr schätze. Lest beispielsweise mal ganz kritisch die Concordia-Berichterstattung auf Spiegel-online. Auch dort finden sich eindrucksvolle Belege für unkorrekt wiedergegebene oder nichtfundierte Tatsachenbehauptungen. Es ist nie wichtiger als jetzt gewesen, frühzeitig eine solide persönliche Medienkompetenz zu erlangen, um nicht komplett verarscht zu werden. Medienkompetenz müsste daher meines Erachtens längst ein Lernfach an allen allgemeinbildenden Schulen sein. Allerdings, da sehe ich deutlich ein Licht am Ende des Tunnels, bemühen sich vor allem doch die Tagesabonnement-Zeitungen nach einem jahrelangen Ausflug Richtung Boulevard um die Rückkehr zur Seriosität und objektiverer Berichterstattung. Weil sie nämlich inzwischen zur Kenntnis nehmen mussten, dass ihre Leserschaft keinen Wert auf die "tägliche Katastrophe", sondern vielmehr Wert auf eine sachgerechte Berichterstattung, über was auch immer, legt. Immerhin. Ich erlaube mir mal hier ein Beispiel einzufügen, der Bericht eines westfälischen Blattes (keine Sorge, ist eine OTS Meldung und darf so wiedergegeben werden), die sicherlich journalistisch das absolut untere Ende möglicher Berichterstattung darstellt: Bielefeld (ots) - Der Kapitän verlässt immer als letzter das Schiff. Das ist nicht nur in schnulzigen und tränenreichen Filmen so. Francesco Schettino hat diese Regel bei der Havarie des Kreuzfahrtschiffs »Costa Concordia« gebrochen. Da helfen auch seine anderslautenden Beteuerungen nicht. Die Aussagen einer Vielzahl von Passagieren sind schon Beleg genug. Die Tatsache aber, dass noch 24 Stunden nach dem Schiffbruch Menschen aus dem Wrack gerettet werden konnten, sind eindeutiger Beweis dafür, dass der Kapitän die Unwahrheit sagt. Überhaupt scheint an Bord des Kreuzfahrers einiges im Argen gelegen zu haben. Eine absolut überforderte Mannschaft, die keine konkreten Anweisungen und Hilfeleistungen geben konnte sowie das zu späte zu Wasser lassen der Rettungsboote sind ebenso Zeichen für grobe Fahrlässigkeit, massives Fehlverhalten und Unfähigkeit wie das zu nahe Heranfahren an die Küste. Die Ermittlungen dauern zwar noch an. Fest steht aber, Kapitän, Crew und damit die Reederei haben sich schuldig gemacht. Sie haben Menschenleben auf dem Gewissen. Ich will noch ein weiteres Beispiel anhängen, dass mich dieser Tage beschäftigt und meine Behauptung in Sachen Seriösität ebenfalls eindrucksvoll untermauern kann. Kurz vor Weihnachten gab es offensichtlich eine Havarie in der Kadetrinne, also in der westlichen Ostsee. Ein Frachter hatte plötzlich ein kreisrundes Loch am Bug oberhalb der Wasserlinie und ein gleichartiges "Austritts"-Loch darüber auf dem Deck. Am 28. Dezember berichteten zumindest drei große norddeutsche Tageszeitungen (die alle zu einem ganz ganz großen Medienkonzern gehören) in folgende Blickrichtung: Wurde der Frachter XY mit Rakete beschossen? Bei mir machte sich eine unglaubliche Verblüffung breit, als ich in diesen drei Tageszeitungen und deren online-Auftritte unter Nennung meines Namens und einer vor über zehn Jahren beendeten Tätigkeit, als Kronzeuge für diese Behauptung genannt wurde. Inhaltlich war das sowieso der totale Mumpitz (der Dampfer hatte eine Kollision mit dem Bein einer Windkraftanlage wie sich bereits am Erscheinungstag herausstellte), vor allem hatte ich aber überhaupt mit keinem Redakteur der drei Verlage gesprochen (hätte ich aus verschiedenen Gründen, unter anderem auch weil ich selbst für einen anderen Verlag arbeite, ohnedies nicht getan). Da hatte irgendjemand in deren Redaktionsnähe, kein Redakteur, mal schnell meinen Namen als "früher mal kompetent auch in Sachen Flugkörper" in die Runde geworfen, um überhaupt irgendjemanden mit irgendwas in dieser fabulösen Geschichte, die ihnen folgerichtig auch schon am Erscheinungstag journalistisch um die Ohren geflogen ist, zitieren zu können. Und nun ratet doch mal, wie bereitwillig die drei Tageszeitungen sind, meine berechtigte Gegendarstellung in dieser causa abzudrucken? Genau, wird letztlich vor Gericht gehen müssen, weil die sich natürlich mit Händen und Füßen wehren, um nicht öffentlich ihre Unseriösität in dieser Angelegenheit preisgeben zu müssen. Und wenn ich mich diesem posting fertig bin, werde ich daher in dieser Angelegenheit auch formelle Beschwerde beim Presserat einlegen. Nur gut, dass ich so ein bewegtes Berufsleben habe, und mich mit einigen Dingen ganz brauchbar auskenne. Zwei Punkte vielleicht noch. Ich arbeite überwiegend für einen hochseriösen, in der Tat, größeren Tageszeitungsverlag. Ich habe mich aber auch aus den vorgenannten Gründen schon vor Jahren aus der "Katstrophenberichterstattung" verabschiedet, und kann es mir erfreulicherweise auch erlauben. Das einzige, was ich bislang in Sachen Costa Concordia geschrieben habe, könnt ihr hier im Forum lesen. Klar kriegt man den Dampfer da wieder weg. Der muss zerlegt werden und der Schrott auf Bargen weggefahren werden. Wird ewig dauern und vor allem hochteuer werden. Wenn ich allerdings Bürgermeister des kleinen Örtchens wäre, würde ich ihn behalten wollen. Das Wrack würde sicher auf Dauer deutlich den Tourismus beleben. Von Cuxhaven aus kann man im Sommer ja auch die Wracks von "Ondo" und "Fides" in der Elbmündung besuchen. Mit besten n Wolf Problem:"Hauptsache, man kann einen Schuldigen präsentieren"
Hallo wolf, was mich an allen Katastrophen stört, ist die Art der Bewältigung durch die Presse. Kaum ist sie geschehen, schon wird die Frage der Schuld zum zentralen Thema. Ist dann ein Schuldiger gefunden, scheint die Katastrophe plötzlich keine mehr zu sein. Dabei ist die Katastrophe als solches doch erst mal wichtiger und die Schuldfrage sollte in Ruhe geklärt werden. Nun frage ich mich aber, ob die Schuldfrage wirklich die zentral dringendste Frage einer Katastrophe ist. Bestes Beispiel war doch die EHEC-Berichterstattung. Statt sachlicher Suche nach dem Erreger wurden zuerst die Gurken für schuldig erklärt, dann waren es Tomaten, am Schluss waren es Sprossen. Die Spanier und ihre Gurken waren es aber nicht. Die Tomaten waren es auch nicht. Und die arme, kleine Biogärtnerei war es auch nicht. Die Problemlösung war nicht, wie man den Virus schnell findet, sondern der Öffentlichkeit schnellst möglichst einen Schuldigen präsentiert. Und was ist das Ende vom Lied: Heute hat jede Gurke einen Plastikfolienüberzug und die kleine Gärtnerei ist fast pleite. Aber den Auflagen hat es geholfen. Was nutzt es der Öffentlichkeit, wenn man so übereilt Herrn XY als Schuldigen präsentiert. Das macht die Toten nicht lebendig und den Unfall nicht rückgängig. Guter Journalismus wäre es jetzt, Fachleute über die Möglichkeiten der Rettung und Bergung zu interviewen, und dem Leser die Probleme aller Evakuierungen klar zu machen. Diese sind nämlich wir Passagiere und weniger die Rettungskräfte. raidy
Absolut richtig was Du schreibst. Schuldige und Opfer werden präsentiert, die Schilderung und Bewertung von Sachverhalten leidet hingegen. Nur, jetzt reden wir mal nur von Zeitungen (außer Boulevard), ich glaube eben nicht, dass es die Auflagen stärkt. Kurzfristig sicher, aber langfristig? Die überlegene Schnelligkeit anderer Medien (FS, Radio, online) und der latente Voyeurismus der Menschheit, der Krawallberichterstattung ja erst hervorruft, macht es doch gerade den Tageszeitungen zur Aufgabe, sich solchen Themen vor allem sachgerecht und mit fundierten Hintergründen zu widmen. Sonst machen sich die Tageszeitungen überflüssig. Aber, wie bereits beschrieben, das haben viele inzwischen auch erkannt, rudern zurück, und, wer weiß, vielleicht berichte ich auch mal wieder über "Katastrophen". Mit besten n Wolf
Viel effektiver wäre es, wenn du mal über das Problem Panik und Chaos berichten würdest. Das fängt schon beim Check-In ins Flugzeug an. Etwas weniger Egoismus, etwas mehr Disziplin und allen wäre geholfen. Oder bei Kollonenhüpfen im Berufsverkehr, wo letztlich alle die Verlierer sind, nur weil ein paar Idioten meinen, sie müssten für sich eine Minute Vorteil erdrängeln. Einfach mal ein schöner Bericht darüber, was wir als Passagiere in einem solchen Fall besser machen könnten, das wäre aufzuklärende Pressearbeit. Und ich bin mir sicher, die findet auch dankbare Leser. Wenn es uns gelingen würde, die Drängler in der öffentlichen Meinung zu ächten und in eine Ecke zu stellen, in der sie selbst nicht sein wollen, dann wären wir einen Schritt weiter.
:eek: :eek: Unglaubliche Geschichte, die ich höchstens irgendwo im "Bild-Niveau" vermutet hätte ... :( Danke für einen (weiteren) Einblick in die "Journaille" - wobei es sicher die "seriöse Berichterstattung" auch noch gibt - halt schwierig, das auszufiltern ...
Da bin ich ganz dicht bei Dir, und das habe ich auch schon. Die Frau an meiner Seite, ebenfalls Journalistin, berichtet sogar regelmäßig über diese Themenbereiche. Wir haben uns journalistisch in der Tat nichts vorzuwerfen, und werden auch dafür sorgen, dass es so bleibt.
Natürlich kann ich die Gefühle der Menschen nachvollziehen und jeder kann froh sein, dass sein A... gerettet wurde. Gerade deshalb finde ich das Verhalten ja befremdlich. Weil hier wieder aus gefährlichem Halbwissen die tollsten Stories entstehen. Noch ist gar nichts geklärt und wenn ich auf dem Kahn gewesen wäre, wäre ich zunächst mal glücklich darüber, dass ich es geschafft habe. Wie Menschen in Panik reagieren, muss man ja nicht nähers erläutern. In diesem Fall dürfte aber unbestritten sein, dass die Crew und auch die anderen Passagiere sich gegenseitig geholfen haben, sonst wäre mehr passiert. Diese Tatsache ist und bleibt zunächst das Positive an der Geschichte. Hallo Wolf,
würdest du das Buch von Wisnewski "Verheimlicht-vertuscht-vergessen" empfehlen, damit wir als Leser kritischer werden? Amazon Link Maggie
Heute Morgen waren 2 Passagiere im Morgenmagazin. Die haben 2 Tage später noch gezittert wie Esbenlaub. Von Glücklich nach all den Erlebnissen keine Spur. peter ...und nun ist der Kapitän doch noch ganz offiziell von der Reederei entlassen worden, wurde auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz der Reederei Costa Crociere vom Vorstand mitgeteilt. Er habe eigenmächtig und eigenverantwortlich ohne jegliche Autorisation den Unglückskurs gefahren, der vom vorgeschriebenen deutlich abgewichen sei.
Hilft aber den Opfern nicht viel. Hoffentlich schaffen die Retter es noch, die Vermissten zu bergen !!! jonathan Was mich hier ganz mächtig gestört hat ist, das der Kapitän allein schon am Sonntag von der Reederei für alles schuldig gesprochen wurde. Dabei kann es eigentlich gar nicht klar sein, was konkret vorgefallen ist, weil in solchen Fällen immer Befangenheit herrscht.
Auch hat die Reederei erst die Schuldfrage klären wollen um mit weißer Weste dazustehen, alles andere war da nicht im Vordergrund. Keine Bergungspläne, keine Informationspläne, keine große Anteilnahme, keine Diskussion über Schadensbegrenzung nur Schuldzuweisung. Das sagt mir, es stinkt da gewaltig! Ein Unternehmen ist in erster Linie für seine Arbeit und seien Mitarbeiter verantwortlich, und ein Mitarbeiter handelt nicht von heute auf morgen grundsätzlich falsch, wenn er früher alles richtig gemacht hatte. Auch ist (dank unseres ehemaligen Kaptiäns hier :) ) ja gar nicht klar, ob der Kapitän seine scheinbare Verfehlung, nicht mit absoluter Kompetens dann doch viele Menschenleben gerettet hat. Eventuell sind die Anweisungen für Notsitutationen nicht immer und in jeder Lage, richtig. Das kann aber eigentlich (wenn überhaupt) nur ein Sachverständigungsrat und ein erfahrenes Gericht nach langer Untersuchung beantworten. Jetzt nochh ein Vorurteil von mir, wenn so was in einem Unternehmen passieren kann, was kann da noch alles bei diesem passieren. :twisted: Ich würde bei diesem Unternehmen sicherlich nicht mehr buchen. (wenn ich es jemals vorgehabt hätte :wink: ) Jörg Gestern abend war jedoch noch ein Touristen- Video aus dem vergangenen Jahr zu sehen, in dem genau dieser Dampfer fast genauso dicht unter der Küste von Giglio -Begrüssungssignale tutend- vorbeifuhr. Scheint also doch -wie die Inselbewohner aussagten- nicht ungewöhnlich zu sein.
Das sind aber alles nur Indizien- ob jemals genau geklärt wird, was sich zutrug?? jonathan
Ich will niemand etwas unterstellen, doch das verkauft sich doch besser. Sollen sie sich hinsetzen und sagen das es alles easy war? Was mir noch aufgefallen ist sind die Handyvideos die im Internet verbreitet werden. He, also wenn ich Panik habe, auf dem Schiff Panik herrscht weiß ich noch nicht genau ob ich so entspannt alles aufs Handy filmen kann.
Wenn man mal auf youtube usw. schaut, bei was allem die Leute sich heutzutage filmen :roll: Gerade bei jüngeren Leuten scheint die Handycamera ständig mitzulaufen......also wundert es ich nicht, daß auch bei diesem Unfall etliche gefilmt haben. jonathan
Lieber Jörg, das ist ein ganz kluger Beitrag von Dir. Für viele Menschen, insbesondere Medienmenschen, scheint der Sachverhalt jetzt schon völlig klar zu sein: Ein testosterongeschwängerter Kapitän wollte mit einer waghalsigen Nummer wem auch immer und was auch immer beweisen. Dabei gibt es immer noch weit mehr Fragen als Antworten. Ich hab im Moment nicht soviel Zeit, darum nur ein paar Beispiele: Wenn alles regelkonform gelaufen ist, dann müssen sich bei Ansteuerung der Insel mindestens drei Nautiker, davon zwei mit freigefahrenem Kapitänspatent, auf der Brücke befunden haben: Der Kapitän, ein Erster Offizier (Kreuzfahrtschiffe haben in der Regel mehrere Erste Offiziere) als Wachhabender Offizier und ein Zweiter Offizier, der für die sichere Navigation verantwortlich zeichnet. Darüber hinaus, dies darf angenommen werden, war vermutlich auch der "Staff Captain" auf der Brücke, der für die unmittelbare nautische Betriebsführung eines solchen Schiffes verantwortlich ist (Kapitäne sind gleichzeitig ja auch Repräsentanten und übergeordnete Hotel- und Clubdirektoren) und gleichzeitig Disziplinarvorgesetzter der Besatzung, mit Ausnahme des Kapitäns, ist. Die "Staffs" sind erfahrene Nautiker, waren häufig zuvor bereits Kapitäne bei anderen Reedereien. Wenn, mal vorausgesetzt das es so war, der Kapitän selbst "gefahren" ist, was nicht zwingend bedeutet das er das Ruder selber führt, er kann auch einfach nur Kurse und Fahrtstufen vorgeben, dann kann da irgendwas mit dem Crew Coordination Concept nicht stimmen, wenn die anderen Nautiker es zugelassen haben, das der Kapitän sehend Auges in die Steine fährt. Sie müssen darüber hinaus auch zugelassen haben, das auftretende Warunungen des ECDIS-Systems oder der Echographen abgestellt oder unterdrückt worden sind. Für die Konzeption einer solchen CCC, und vor allem deren Überwachung istaber die nautische Inspektion der Reederei verantwortlich. Mal abgesehen davon, dass die anderen beteiligten Nautiker ihren Beruf nicht richtig verstanden hätten, wenn sie in einer solchen Situation nicht eingeschritten wären. Die Fragen: Haben die auch alle keine Ahnung? Führte der Kapitän ein Schreckensregime, was irgendwann hätte auch mal auffallen müssen? War die Brücke nicht regelkonform besetzt, und dies in einer nautisch anspruchsvollen Situation? Vielleicht war sogar völlig unklar, wer bei der Insel-Ansteuerung als fahrender Nautiker auf der Brücke fungierte. Der Kapitän dachte es sei der planmäßige Wachhabende Offizier, und der dachte, der Kapitän fährt selber, weil er die schlanke Passage vermutlich angewiesen hat. Und beide guckten sich verträumt in die Blauaugen und erwarteten eine erlösende neue Ruderlage oder Kursanweisung, die aber, der Begriff ist in diesem Zusammenhang falsch eingesetzt, erst als Manöver des letzten Augenblicks vom Kapitän kam, als die Gefahrenlage schon da war. Oder was? Ein anderer Aspekt: Der Kapitän, so ist zu lesen, ist ein erfahrener Nautiker. Kein Mensch wird von heute auf morgen zum Waghals. Das ist eine Entwicklung bzw. ein Gen-Vorlage, die sich sicher nicht erst im Zusammenhang mit dieser Havarie zum ersten Mal gezeigt hätte. Stimmte also die Personalüberwachung bzw. die Personalförderung in dem Unternehmen möglicherweise nicht? Die Reederei distanziert sich vom Kapitän und vom eingeschlagenen Kurs. Der Vorstandsvorsitzende sagte in einer PK: "Der Kapitän hat sich nicht an die vorgegebenen Regeln gehalten und ist selbständig vom vorgegebenen Kurs abgewichen, daher kann die Reederei unter keinen Umständen mit der Havarie in Verbindung gebracht werden." Für mich steht fest, ich überzeichne bewußt, dass sich die Reederei ebenfalls vom Kapitän und der Havarie distanziert hätte, wenn der Kapitän nach einer offensichtlich unverschuldeten Havarie und einer erstklassigen Evakuierungsoperation, statt einer weißen eine blaue Reedereimütze getragen hätte. Weil natürlich so ein Unternehmen unter keinen Umständen mit so einer Katastrophe in Zusammenhang gebracht werden will. Wenn es nicht auch eine Frage von Empathie und Takt in diesem Stadium wäre, dann hätten die vermutlich längst den Schornstein des Havaristen, alle Namens- und Reedereischriftzüge übermalen lassen. Machen wir uns doch nichts vor: Das Unternehmen fordert natürlich von seinen Kapitänen "Erlebnisse" für die Passagiere zu schaffen. Soll keiner glauben die hätten von diesem, und anderen, "Erlebnissen", also der schlanken Passage (die ja eigenlich auch kein Problem darstellt) nichts gewußt, soll aber auch niemand glauben, dass die nicht ein Papier aus der Tasche ziehen können, wo drinsteht: Die Kapitäne haben jeweils die kürzesten und sichersten Passagen zwischen den Häfen zu befahren etc. pp. Man nennt so etwas Maulfassgeräte. However, ich könnte seitendweise weiterschreiben in Sachen ungeklärter Sachverhalte im Zusammenhang mit dieser Havarie. Im übrigen ist die Medienberichterstattung fast durchgehend grauenhaft. Heute morgen musste ich bei Spiegel-online lesen: Die Besatzung hätte sich nicht um die Passagiere während der Evakuierung gekümmert. Stattdessen hätten die Zimmermädchen, Kellner und Decksjungs die Wege zu den Rettungsinseln und -booten gewiesen. Ja Teufel nochmal, die sind zum einen Besatzung und zum anderen unverzichtbare Bestandteile in solchen Notfallplänen. Es kann eben nicht jeder der rund 3000 Passagiere vom Kapitän persönlich zum fußbodenbeheizten Rettungsboot geführt werden. Da gibt es ausgefeilte Rollepläne an Bord, die ständig überarbeitet und nachgebessert werden. Und die haben auch einigermaßen funktioniert, weil es anderenfalls viel mehr Opfer zu beklagen gegeben hätte. Und nochmal, dass der Dampfer letztlich in die Steine gefahren ist, darf als großer Segen betrachtet werden, weil anderfalls ein Schiff dieser Bauart sehr schnell durchgekentert wäre. Über die Zahl der möglichen Opfer mag ich mir bei diesem Szenario nun wirklich keine Gedanken machen. So, ich wünschen einen schönen Tag Wolf Und damit sind wir wieder beim alten und offensichtlichen Thema angekommen, die zwar unterschiedlche Threads, aber Eines gemeinsam haben.
Das Thema: Banken Versicherungen und nun Reedereien, haben eines gemeinsam. Es ist die Gier nach Erfolg und Macht ohne Rüchsicht auf Einzelne, der Gesellschaft oder deren Zukunftfähigkeit. DAS SCHLIMME IST WIR MACHEN ALLE MIT! Es wird Zeit, unser Wissen um das Leben bewusster einzusetzen. In dem Fall: Kreuzfahrt ja, aber nicht um jeden Preis! Jörg Wolf, ich kann und möchte Dein Fachwissen nicht infrage stellen, frage mich aber dennoch, ob wir vielleicht alle einen unterschiedlichen Wissensstand haben.
Ich habe gestern die komplette Pressekonferenz von Costa verfolgt und auch heute schon eine Weile die neuesten NAchrichten verfolgt. Du magst rein theoretisch und im Allgemeinen recht haben - aber offensichtlich nicht in diesem Falle, mit diesem Kapitän. Die Aussage, dass der Kapitän schuld sei, kommt keineswegs vom Reeder. Zumindest nicht zu allererst. Der federführende Staatsanwalt sagt ganz deutlich, dass davon ausgegangen wird, dass der Kapitän auf der Brücke war und dass sie ebenso davon überzeugt sind, dass es sein Fehler war, der zu der Havarie führte. Wer allerdings diesbezüglich noch mit im Boot sitzt, haben sie nicht gesagt. Außerdem zweifele ich an der Kompetenz des Kapitäns, weil seine Einstellung schon gar nicht seiner Postition entspricht. Der Kapitän ist als einer der ersten auf dem Festland gesehen worden. Er ist mehrfach von der Küstenwache angemahnt worden, wieder auf sein Schiff zurückzukehren. Er weigerte sich mit den Worten:"keine 10 Pferde bringen mich wieder an Bord". Danach hat er sich jämmerlich versteckt. Man kann sich in Detailfragen streiten, aber ich denke, im Großen und Ganzen sieht es, zurecht, wohl schecht aus für den Skipper. Der letzte Umstand alleine, reicht schon für eine mehrjährige Haftstrafe. Zum Punkt, dass das Schiff bereits mehrmals so an der Insel vorbeigefahren worden ist: Das ist schlichtweg falsch. Es war wohl EINMAL der Fall und das war im August und , im Unterschied zum jetzigen Versuch, war das wohl abgestimmt mit der Reederei und auch die Route war genau festgelegt . Diese führte nicht SO nah am Ufer vorbei, wie das jetzt der Fall war.
Nee, nee, wir liegen nicht so weit auseinander. Der Kapitän ist ohnedies immer verantwortlich, unabhängig davon, wie groß das unmittelbare Maß seiner persönlichen Beteiligung an einer Havarie, im Sinne von Handlungsverantwortung, auch immer sein mag. Ich will eben nur zu bedenken geben, dass der gesamte Sachverhalt sehr komplex ist und dass, um es mal ganz bildlich zu machen: Die Strukturen in einer Reederei und an Bord, allemal auf einem Kreuzfahrer, so sein müssen, das es nicht mal einen Unfall dieser Art geben sollte, wenn, warum auch immer, ein testosterongeschwängerer Dilettant (dessen Ernennung die Strukturen aber bereits im Vorfeld hätten verhindern müssen) die vier Streifen auf der Schulter trägt. Ich will den ja nicht schön schreiben, weiß Gott nicht, und wenn er sich mit den o. a. Argumenten seiner Pflicht zur Leitung der Evakuierung entzogen hat, dann ist das natürlich ein strafbewehrter Vorgang, völlig klar. Nur, die Tatsache allein, dass er zeitig auf der Pier gesehen worden ist, gibt für mich noch nicht so viel her. Der Geist der Forderung "Der Kapitän geht als letzter von Bord" bedeutet vor allem, dass ein Kapitän verantwortlich für die Passagiere, seine Besatzung, die Evakuierung und das Schiff ist. Er hat also so eine Evakuierung zu leiten und ist erst von seiner Pflicht entbunden, wenn alle in Sicherheit sind bzw. der Verbleib geklärt ist. Und in diesem Fall gibt es dann immer noch zwei Sachverhalte in Betrachtung zu ziehen. 1. Wenn ein Kapitän ausfällt, der hätte ja auch ertrunken sein können, dann muss die EvakOp immer noch funktionieren, weil es auch für diesen Fall Regelungen gibt und 2. Es mag Situationen geben, wo ein Kapitän so eine EvakOp vielleicht von einem Ort neben seinem Schiff besser leiten kann. Beispiel: Der Dampfer brennt, Brückendeck und Schiffstechnischer Leitstand brennen, die gesamte interne Kommunikation ist ausgefallen, aber auf dem Feuerlöschdampfer in der Nähe gibt es eine Lautsprecheranlage, Funk und Telefone. In so einem Fall würde es vermutlich Sinn machen, seiner Verpflichtung zur Führung eben nicht von Bord des Havaristen nachzukommen. Ich sehe so eine Situation in diesem aktuellen Fall nicht, könnte sie mit meinem jetzigen Kenntnisstand aber auch nicht vollends ausschalten. Nochmal, ich will hier nix gesund beten sondern nur darauf aufmerksam machen, dass es auch in diesem Fall, wie in vielen anderen Unfallsituationen natürlich auch, eben sehr kompliziert ist, und ohne Kenntnis der kompletten Faktenlage eine regelrechte Bewertung eben nicht möglich ist, aber die Finger immer sehr schnell in der Luft sind, um einen Alleinschuldigen zu identifizieren. Aber ganz allein ist nur selten einer verantwortlich für so ein tragisches Geschehen. Mit besten n Wolf Ergänzung zu Wolfs Antwort:
Der Kapitän ist zwar oberste Macht auf dem Schiff, aber dennoch nicht allmächtig darauf, weil: 1. er nicht Eigner des Schiffes, sondern nur angestellt 2. eine Aufgabenverteilung klare Kopetenzen vorgibt und nachfolgenden Ränge in der Hiearchie, den Kapitän von seinen Aufgaben vorrübergehend entbinden können 3. Ein Kapitän eben nicht so einen Pott alleine steuern kann 4. Ein Mensch sich nicht von heute auf Morgen ändert 5. Damit wäre im Prinzip das Unternehmen entweder Mitwisser/Mittäter von Ursachen die zum Unglück führten oder sogar hauptverantwortlich, weil es die Strukturen und Anforderungen so vorgegeben hat. Bei einem Flussdampfer mit 1 Kapitän und zwei Hilfsmatrosen wäre die Schuld wohl viel eher klar zuzuordnen. Hier aber hat das Unternehmen gleich eine konkrete Schuldzuweisung getätigt, obwohl das überhaupt nicht klar sein kann. Und das der Kapitän panisch und egoistisch handelt ist zwar schuldhaft, aber immer noch in der Möglichkeit der Unzurechnungsfähigkeit wegen eines Schockzustandes. Vergleich dazu die Fahrerflucht! Aber wie immer, den Letzten beißen die Hunde und die Westen am grünen Tisch sind immer blütenweiß. Jörg Das war eine NICHT genehmigte Route - wieso sollte da der Reeder schuld sein.
Der Kapitän hat das notwendige Patent und er hat seinen Dienst bisher ordnungsgemäß verrichtet. Was das damit zu tun hat, dass sich ein Mensch nicht einfach so ändert , versteh ich nicht - zumal das ja in sich nicht schlüssig ist, denn ansonsten wäre jeder , der mal aus Versehen einen Unfall verursacht, ein honorisch fahrlässiger Typ, der grundsätzlich Unfälle verursacht. Der Skipper hatte diesmal Pech und war zu mutig. Das ist alles. Was ich allerdings auch nicht verstehe, ist das was Wolf eben auch in den Raum stellte: Was war mit dem anderen nautischen Personal? Warum haben die nichts unternommen und wieso hört man rein gar nichts davon, wie der erste Ofiizier die Sache beurteilt? Die Schuld jetzt einzig auf den Kapitän zu konzentrieren, erscheint mir zu einfach.
Das Schiff wurde oft nahe an der Küste gesehen, die Reederei wusste sehr wohl, was da für ein Gebrauch war (siehe Dankschreiben des Bürgermeisters). So lange es gut ging, war es der Reederei wohl egal. Jetzt wo es schief ging, ist plötzlich der Kapitän ganz allein schuld. Zumindest denkwürdig, finde ich. Selbst wenn der Kapitän falsch gehandelt und zu spät reagiert hat, gibt es doch auch noch andere Offiziere, die ihn zumindest darauf hinweisen müssen. auch wenn der Kapitän das letzte Wort hat, so haben doch auch alle Offiziere im Steuerhaus ein Recht und eine Pflicht, auf Gefahren hinzuweisen. Dass jetzt das ganze Problem aus der Welt geräumt sein soll, indem man den Kapitän alleine verteufelt, erscheint mit zu einfach. Aber einfach Lösungen sind ja auch gewollt. Die beruhigen das Volk schneller.
Kann ein Einzelner für solch eine Dimension überhaupt verantwortlich sein? Mit Dimension meine ich die Schiffsmasse und die hohe Personenzahl. Experten zweifelten schon lange, ob man in so einer Situation nicht schon mit der Evakuierung von 1.000 Personen überfordert ist. Ist Jemandem, der mit so einem Pott mal eben an seiner Heimatinsel vorbeifährt, um Mama zu hupen, überhaupt bewusst, welche Verantwortung er trägt? Ich meine, das hier mehrere Entscheidungsträger die Verantwortung tragen müssten. Und das in Zeiten, wo LKW Fahrer die Kündigung via E-Mail bekommen, wenn die Spedition über ihre Telematik sehen, das ihr Fahrer von der vorgeschriebenen Route abweicht. Schad, das ich jetzt kein Spezialbergungsunternehmen hab, ich glaub man könnt reich werden.... Es drängt sich nach diesem Telefonatsmitschnitt mit dem Hafenkommandanten wirklich die Frage auf, ob der Kapt. mit dieser Situation so überfordert war, das er nicht einmal mehr an Bord zurückging
--> Link jonathan Soweit ich weis gibt es doch Gerichte und Gutachter die einen solchen Unfall
im Nachhinein bewerten. Keiner der hier schreibt kennt die genauen Umstände die zu dieser Katastrophe geführt haben. Die Presse kann man getrost vergessen es geht nur um Auflagensteigerung und Gewinne. Wie viele Luftfahrtunfälle hatt es schon gegeben wo es hies Pilotenschuld und später hatt sich herrausgestellt das dem so nicht war. Der oder die Schuldigen werden sich vor Gericht verantworten müssen. Und umsonst fahre ich ja nicht mit dem Wohnmobil oder eigenem Boot, ich könnte ja auch Bus oder Ausflugsschiff fahren. Ich lebe aber lieber nach dem Motto Totfahren kann ich mich allein ohne fremde Hilfe. mfg apollo Halle
Hier eine Webcam mit dem Schiff drauf:
Flatus (Link) . :( Wenn man überlegt, das da die Menge einer Schulklasse drin ersoffen ist.
Wahnsinn.
@wolfworldwide Hab den Gesprächsmitschnitt heute gelesen (in Übersetzung) ... und meine erste Reaktion war sowas wie "feige Sau" (geschuldet meiner oberbayrischen Heimat Gastn :oops: ). Mich würde interessieren, ob ein Profi das (nach bisher bekannten Fakten) auch so sieht (meine das ganz ohne Polemik oder sonstige Ironie) oder ob da jemand der Presse "zum Fraß vorgeworfen" wird :?: Der Kapitän gabe heute an das er "aus Versehen ins Rettungsboot gerutscht sei..."
*räusper* |
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