Bei unserer Tochter Paula steht Harry Potter schon seit einiger Zeit ganz hoch im Kurs und so haben wir ihr versprochen, dass wenn sie alle Bücher gelesen hat, wir mit ihr in die Harry Potter Studios nach London fahren. Mit an Bord ist diesmal noch ein Kumpel aus Paulas Klasse, natürlich auch ausgewiesener Potter-Fan und -Experte. Pünktlich können wir am Freitag um 13:30 Uhr in Aachen losfahren. In der Höhe von Lüttich fällt Paula auf, dass sie ihre Mappe mit den Harry-Potter-Filmen vergessen hat. Zum Glück finden sich noch "Mr. Bean" DVDs im Auto. Eigentlich zur Einstimmung auf England auch nicht das schlechteste Filmmaterial. Bei schönem, aber recht kühlem Wetter geht es fast ohne Stau um Brüssel rum und weiter über Ostende nach Calais.
Calais
Der englischen Zöllnerin fällt bei der Passkontrolle natürlich sofort auf, dass wir einen familiären Fremdkörper an Bord haben und die Kinder werden zur genaueren Begutachtung in die Fahrerkabine zitiert. Leon wird gefragt, ob er freiwillig mitreist. Der versteht natürlich mit seinen neun Jahren nur Bahnhof, lächelt aber freundlich und nickt brav mit dem Kopf. Dann werden wir gefragt, ob wir irgendetwas Offizielles der Eltern mithätten. Haben wir - wir überreichen der Zöllnerin eine handgeschriebene Vollmacht mit Kopie des Persos der Mutter. Nun versteht die Zöllnerin nur Bahnhof, da die Vollmacht auf Deutsch ist. Sie beratschlagt sich kurz mit ihren Kollegen und dann dürfen wir passieren.
Die Überfahrt ist vollkommen ereignislos und Dover erwartet uns mit dichtem Nebel, auch mal interessant.
White Cliffs of Dover
Über die M2 geht es bis zum Dartford Crossing. Diesmal haben wir schon im Vorfeld der Reise für die Nutzung von Tunnel und Brücke bezahlt. Nochmal so eine Telefonaktion wie im letzten Winter wollten wir vermeiden. Blöd ist, dass man trotz der neuen automatischen Nummernschild-Erkennung immer noch vor den Schranken halten und warten muss bis diese sich öffnet. So kommt es natürlich unweigerlich zum Stau – und genau das sollte ja mit Einführung des neuen Bezahlsystems vermieden werden.
Um 20:30 (englische Zeit) erreichen wir den Lee Valley Campsite im Norden von London. Der hat natürlich bereits geschlossen und so begeben wir uns erst mal auf die Suche nach dem Warden. Wir werden schnell fündig - die Engländer sind ja manchmal schon übertrieben hilfsbereit - und der freundliche Warden weist uns trotz später Stunde doch noch unseren vorher gebuchten Platz zu. Für ein Essen im Pub ist es leider schon zu spät und so lassen wir uns Fish'n Chips zum CP liefen.
Lee Valley Campsite
Der nächste Morgen startet früh um 7:00 Uhr, denn heute soll es nach London gehen. Die Kinder werden aus den Betten gezogen, unter großem Protest unter die Duschen geschickt und um kurz nach neun sitzen wir fertig an der Campingplatz-eigenen Bushaltestelle. Vom CP geht es erst mit dem Doppeldeckerbus in einer ca. 20-minütigen Fahrt durch die Vororte zur Walthamstow Central Station. Dort steigen wir in die Victoria-Line der Tube Richtung Brixton ein. Eine knappe halbe Stunde brauchen wir bis King's Cross zum Gleis 9 3/4 . Es gibt einen kleinen Harry Potter Shop und eine Stelle wo man sich - zwar von Profis aber dafür auch für sehr viel Geld - fotografieren lassen kann.
eine der vielen Platform 9 3/4
Die Kinder sind einverstanden, das Fotoshooting auf die Harry Potter Studios zu verschieben und so nehmen wir die Tube zum Buckingham Palace und laufen die paar Meter durch den St. James‘s Park zur Horse Guard. Leon möchte den Wachwechsel sehen.
Nach dem Wachwechsel wird es dunkel über London und es fängt schließlich auch kräftig an zu regnen.
Zur Mittagszeit sind die Cafes und Schnellrestaurants vollkommen überfüllt. Wir bummeln durch die Touri-Shops bis zum Big Ben und nehmen dort schließlich die U-Bahn zum Tower Hill.
Tower Bridge
Nach einem kurzen Imbiss bei KFC geht es zur Tower Bridge. Wir besichtigen das Maschinenhaus und laufen hoch über der Fahrbahn über den Glasboden.
der Glasboden von unten
Maschinenhaus
Danach nehmen wir die den historischen roten Doppeldecker „Line 15“ zur Millennium Bridge, die es laut Harry Potter eigentlich ja nicht mehr geben dürfte. Auf der Brücke hat ein Künstler über vierhundert plattgetretene Kaugummis angemalt, wirklich toll!
Kaugummi
Über den Trafalgar Square geht es weiter zu Hamleys. Klar - kein Besuch in London ohne diesen riesigen Spielzeugladen. Fast eineinhalb Stunden verbringen wir in dem Geschäft, aber außer ein paar Beans kaufen wir diesmal nichts.
Beans
In der Shaftesbury Avenue essen wir zu Abend und schlendern dann durch China Town zum Covent Garden. Jetzt geben die Kinder zu, müde zu sein. Wir nehmen Tube und Doppeldecker und sind alle froh, kurz nach 23:00 endlich wieder am CP zu sein. Was für ein langer, aber schöner Tag!
Vom Lee Valley Campsite nach Leavesden zu den Harry Potter Studios ist es nur eine knappe halbe Stunde Fahrt und wir können schon an der Tour um 10:00 Uhr teilnehmen. 160€ kostet der Spaß für uns vier. Gebucht hatten wir schon vor zwei Monaten, da es immer mächtig voll ist in den Studios.
Los geht es mit einer kurzen Filmvorführung, dann hebt sich der Vorhang und man steht, bzw. sitzt vor den mächtigen Türen, die in die große Halle von Hogwarts führen. Ab der großen Halle darf man die Tour dann alleine fortsetzen.
die große Halle
Es gibt unglaublich viel zu sehen: Harry's Schlafzimmer in Hogwarts, Dumbledore’s Büro, die fette Dame, Zauberstäbe, das goldene Ei aus dem Feuerkelch und und und....
das Ei aus dem Feuerkelch
Besonders interessant sind die unglaublich vielen, sehr detailliert ausgearbeiteten Requisiten, die einem in den Filmen im Einzelnen gar nicht unbedingt auffallen. Zum Beispiel erfahren wir, dass die 7000 (!) Zauberstabboxen bei Ollivander alle einzeln und per Hand beschriftet und verziert wurden.
das Büro vom Chef
der Eingang zur Kammer des Schreckens
der Fuchsbau
Nagini
Umbridge's Büro
Ein besonderes Highlight für die Kinder und das elterliche Portemonnaie ist das Besenreiten. In einer Green Box mit Zauberbesen können die Kinder auf dem Besen fliegen und werden in verschiedene Harry Potter Film Szenen kopiert. Auch der fliegende Ford Anglia der Familie Weasley steht in einer Green Box. Wir fliegen alle zusammen endlich einmal über das berühmte Viadukt und durch die schottischen Highlands und freuen uns über ein nettes Familienfoto. Drei Fotos + zwei USB-Sticks/ DVDs mit dem Video schlagen mit 55 Pfund zu Buche. Und wir waren noch nicht im Shop... Die nächste Attraktion ist der Hogwarts-Express mit seinen Wagons.
Hogwarts-Express
Bevor man aufs Außengelände kommt kann man im Studio eigenem Cafe erst mal Pause machen, etwas essen und Butterbier trinken. Auf dem Außengelände befindet sich das Haus der Dursleys, Hagrid's Motorrad, der fliegende Ford Anglia usw.
Im anschließenden Raum befinden sich die Exponate zu den Special Effects, die Masken der Kobolde usw.
Durch die Winkelgasse geht es dann zu dem riesigen Modell von Hogwarts und anschließend in den Shop.
Winkelgasse
Die Preise ziehen einem echt die Schuhe aus, aber die Leute kaufen als wäre alles im Sonderangebot.
Fast sechs Stunden waren wir in den Studios, was den Eintrittspreis ein wenig relativiert. Die Kinder möchten jetzt ans Meer und so fahren wir nach Sandwich. Der CP ist wegen dem morgigen Bank Holiday gut gefüllt, aber wir bekommen noch ein Plätzchen.
Sandwich ist echt sehenswert, ein kleiner schöner Ort mit vielen historischen Gebäuden. Wir gehen abends in einem der zahlreichen Pubs Abendessen und besuchen danach die „Family Disco“ auf dem CP.
Sandwich
Der Morgen startet mit Sonne und so geht es bei Deal endlich ans Meer. Die Kinder schlüpfen in ihre Neoprenanzüge und gehen tapfer in dem lausig kalten Wasser schwimmen.
Nach einer guten halben Stunde wird es den beiden dann doch zu kalt und wir fahren weiter zum Dover Castle. Dort findet ein Event über den Zweiten Weltkrieg statt. Schon gut einen Kilometer vor dem Castle werden wir auf einen kostenlosen Parkplatz gelotst und mit einem Shuttle-Bus zum Castle transportiert. Beim Castle ist die Hölle los, es wird geschossen, gebrüllt und Krieg gespielt. Etwas befremdlich für uns Deutsche ist sicherlich der Umgang der Engländer mit unserer Geschichte.
So laufen eine Menge Erwachsene und Jugendliche in deutschen Uniformen, vollgespickt mit Hackenkreuzen, herum. Und einer der historischen Vereine, die die deutschen Truppen nachspielen, nennt sich zum Beispiel ganz schmerzfrei „Das Heer“.
Bei der Fahrt mit dem Autozug durch das große Gelände kommt an einer Haltestelle ein "deutscher" Offizier mit seinem Deutschen Schäferhund, brüllt „Papiere!“ und stempelt unsere Eintrittskarten mit dem Reichsadler ab.
die Engländer
Es werden viele historische Waffen gezeigt, die freimütig den Kindern in die Hände gedrückt werden. Damit diese auch mal ein "Gefühl" dafür bekommen. Wie gesagt, befremdlich.
Wir laufen auf dem Castle Gelände herum, schauen uns eine alte Spitfire, historische Krankenwagen usw. an. Dann genießen wir von der Aussichtsplattform den Blick auf den Hafen von Dover und über den Kanal.
ich habe die Miniaturfunktion meiner Kamera entdeckt...der Hafen von Dover
Nach drei Stunden lassen wir uns vom Shuttle-Bus wieder zu unserem Auto bringen und fahren, wie üblich, für die letzte Nacht zum Coastguard nach St. Margaret's at Cliffe.
Das Wetter ist weiterhin schön und so gehen die Kinder nochmal schwimmen. Leider "vergessen" sie ihren Klamotten auszuziehen. Das bereitet der einen Seite unheimliche Freude, der anderen Seite (also den Erwachsenen) weniger Freude. Schließlich müssen die patschnassen Kinder und Klammotten ja auch wieder trocknen. Abends gibt es ein letztes Mal leckeren Fish'n'Chips.
Am nächsten Morgen werden wir von feinstem Sonnenschein geweckt. Die Kinder können nicht wiederstehen und stürzen sich noch einmal in die kalten Fluten. Anschließend geht es für einen kurzen Spaziergang nach Dover.
Um kurz vor zwölf geht unsere Fähre und es heißt wieder Abschied nehmen von GB. Aber auch diesmal heißt es: Wir kommen bestimmt nochmal wieder!



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