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Kroatien-Albanien-Griechenland-Türkei-Syrien-Jordanien-Israe


Gast am 14 Mär 2007 20:27:26

Über 300 Tage waren wir unterwegs. Italien, da den meisten bestens bekannt, lassen wir hier einmal aus und berichten über den langen Weg über Kroatien, durch Albanien nach Griechenland. Dann Kreta und über Griechenland in die Türkei. Von dort nach Syrien, Jordanien und Israel.
Viel Spaß bei der Lektüre, die wir in Segmenten verfassen:

Tag 1: Die große Reise beginnt, … auf Istrien angekommen
Istrien ist eine waldreiche Halbinsel auf 3.885 km2. Sie erstreckt sich vom Golf von Triest bis zur Kvarner-Bucht. Die Region teilt sich nordwestlich auf in Italien, im Norden Slowenien und im Süden Kroatien. Istrien besteht zum großen Teil aus verkarsteten Kalkgebieten. Die höchste Erhebung ist der 1.396 Meter hohe Vojak. Verträumt, verschlafen, und wohl zu klein um vom Massentourismus eingenommen zu werden liegt der bereits in der Römerzeit beliebte Ferienort Umag an der Nordwestküste Istriens.
Vom Faaker- See kommend erreichen wir Umag gegen 14 Uhr an diesem November-Tag und haben auch keine Mühe einen Parkplatz für unseren Camper direkt am Meer und nördlichen Eingang zur Altstadt zu finden. Dies verdanken wir wohl eher der winterlichen Jahreszeit. Touristen jedenfalls finden wir an diesem sonnigen und relativ 18 Grad warmen Tag kaum vor.
Ein Ausflug nach Umag lohnt sich. Einmal die Gassen durchstreifen. Die dem Festland vorgelagerte, felsige Landzunge, auf der dieses Städtchen gebaut wurde bietet zahlreiche Ansichten, Aussichten und so manches Fotomotiv.
Umag, ein kleiner verträumter Ort an der Nordwestküste Istriens ist Ferien– und Fischerort gleichsam. Viele Restaurants säumen den Küstenweg rund um die Stadt. Eine willkommene Gelegenheit bei einem Dinner den Sonnenuntergang auf einer der vielen Terrassen am Meer zu erleben.

… die erste Nacht und unser „Hotel„ direkt am Meer
Nur 5 Kilometer südlich von Umag findet sich nur wenige hundert Meter von der Küstenstrasse Richtung Rovinj, rechts zum Meer hin, der Ort St. Lorenzo. Hier in der Bucht kann man ungestört und fernab lauter Orte die Nacht verbringen. Sonnenuntergang am Meer inbegriffen. Wir jedenfalls stehen hier erstklassig und genießen unsere erste Nacht am Meer. Die erste unserer Reise.

Land + Leute
Wir sind überrascht wie freundlich die lokale Bevölkerung ist. Keine Aufdringlichkeiten der Verkäufer der zahlreichen Shops an der Promenade. Die Leute sind eher leiser und zurückhaltender was wir als sehr angenehm empfinden.
Preise
Wir kaufen 1 Kilo kleine Hummer und zahlen € 12,00. Der Liter Diesel kostet 730 Kuna, das sind umgerechnet € 1,00. Für einen Euro bekommen wir auf dem Markt 10 Mandarinen. Ein Päckchen Zigaretten ist mit € 2,50 noch erschwinglich.

Tag 2: Zwei wahre, istrische Perlen; Porec und Rosinj
Von St. Lorenzo, wo wir die Nacht sicher und gut verbrachten folgen wir der Küstenstrasse in südlicher Richtung. Das Novigrad durchfahren wir nach ca. 12 Kilometern und machen den ersten Tagesstop in Porec, einem kleinen Hafenstädtchen welches auf einer Halbinsel liegt. 129 v. Chr. von den Römern erobert und in damals in Parentum umbenannt ist der Ort heute ein lohnendes Ausflugsziel.
Die Altstadt und die Basilika stehen seit 1997 unter dem Schutz der Unesco und sind im Weltkulturerbe aufgenommen.
Wir durchstreifen die Stadt und atmen tief die Ausstrahlung und Geschichte der alten Baudenkmäler, der vielen Gassen und kleinen romantischen Plätze ein. Ein wahrhaft lohnender Besuch. Porec hat nicht nur Geschichte sondern auch ganz viel Charme und einen natürlichen Charakter.
Auf dem Frischmarkt von Porec, der direkt an der Altstadt angrenzt, decken wir uns mit Fisch, Gemüse, Kartoffeln und Wallnussschnaps ein.
Weiter geht es am Limski-Kanal vorbei. Vorbei? Nein, wir halten an und schauen uns um. Ist dies vielleicht ein Platz für die Nacht? Viel gepriesen und beschrieben als der einzigartige Fjord Istriens und ebenso als geomorphologisches Wunder können wir diese Beschreibung nicht so recht nachvollziehen. Nein, wir wollen „Meer“ erleben und attraktiver übernachten.
Es geht weiter nach Rovinj, der wahren Perle Istriens. Auf einen Felsvorsprung ins Meer gebaut zeugt diese Stadt von der Architektur und Leben des Mittelalters.
Kleine enge und romantische Gassen mit Häusern die sich aneinander anzulehnen scheinen oder wiederum, wie als trutzige Festung ineinander verkeilt sich gegenseitig stützen. Gerade so als wollten sie sich dem Meer entgegenstemmen.
Als Krönung auf dem Stadthügel die Kirche der hl. Euphemia aus dem 18. Jahrhundert. Wer die schmalen engen Gassen Stiegen und Steigen durchwandert findet viele interessante Fotomotive. Rovinj muss man einfach besucht haben. Am Ortseingang findet sich ein ausgewiesener Camper-Stellplatz mit guter Ausleuchtung und auf Asphalt. Die Übernachtung ist kostenfrei. Wir nehmen die Einladung gerne an.

Sprache
Wo wir auch hinkommen, man spricht meist sehr gut Deutsch und Englisch auf Istrien, Cres und Krk. Irgendwie fällt uns dazu etwas in Richtung Pisa-Studie ein. Wie viel Sprachen sprechen deutsche Schüler …?

Tag 3 und 4: Die Insel Cres, ein leerer Planet im Winter
Von Rovinj, wo wir eine ruhige Nacht verbrachten planen wir am nächsten Tag nach Pula, im Süden Istriens, zu reisen.
Uns lockt das antike Amphitheater, welches seinerzeit das drittgrößte Europas war. Den Beschreibungen gängiger Reiseführer entnehmen wir, das Pula eine echte Attraktion ist und wir planen 2 Tage. Das Amphitheater ist schnell gefunden und besichtigt es grenzt direkt an die Altstadt und ist auf dem Weg zum Stadtzentrum nicht zu übersehen. Pula selbst allerdings entspricht nicht den Beschreibungen. Sicherlich gibt es für den geschichte- interessierten Reisenden viel zu erkunden in der Altstadt von Pula. Wir vermissen jedoch den Charme dieser Stadt, der laute und aufdringliche Verkehr nervt, im Hafen geht es laut zu und wir entscheiden uns kurz und schnell zur Weiterreise.
Die Ostküste Istriens fahren wir hinauf über Labin nach Brestona. Hier setzen wir über zur Insel Cres. Die Überfahrt für unser knapp sieben Meter Wohnmobil und mit zwei Personen kostet € 33,00. Nach einer halben Stunden landen wir an auf Cres.
Wir besichtigen das Hafenstädtchen Cres und fahren weiter südlich die Küste hinunter zum Örtchen Osor. Hier ist die Insel Cres mit der Nachbarinsel Losinj per Drehbrücke verbunden.
In Osor und direkt vor der Brücke, rechts hinein, finden wir einen Platz für die Nacht. Wieder stehen wir direkt am Meer und haben einen wunderschönen Blick auf die Insel Zeca. Abends schauen wir den Einheimischen beim fischen zu. Die Sonne verliert sich im Meer und auf unserer Menükarte stehen heute Abend Hummerkrebse, frisch gefangen aus dem Limski-Kanal. Die Nacht ist ruhig und friedlich, nichts stört unseren tiefen Schlaf. Am frühen morgen werden wir durch die Motoren der Fischerboote geweckt. Ein neuer, sonniger Tag beginnt.

Cres ist ein echtes Erlebnis
Der erste Eindruck verschlägt uns den Atem. Wunderschöne Ausblicke über das Meer und die Inseln, weiße Gerölllandschaften, üppige Vegetation und ein strahlend blauer Himmel bei 18 Grad.

… zu empfehlen
Auf der Insel Cres sollte man sich unbedingt die Hafenstadt Cres selbst und auf Losinj den Hafen von Mali anschauen. Auch der Süßwasser-See im Landesinneren bei Lubenice ist einen Ausflug wert.
Frischwasser tanken …
Die Tankstelle vor direkt rechts vor Mali auf Losinj bietet kostenlos Frischwasser für unseren Tank.

Internet
Cres bietet 4-5 Wireless-Lan-Netze, die ungesichert und offen sind. Uns gelingt es jedoch nicht unser AOL damit zu starten. In Mali befindet sich direkt im Hafen ein Computer-Shop. Hier können wir internet(ten) und erste Bilder verschicken. Für rund eine Stunde zahlen wir € 1,00.

Tag 5 bis 8: Die Insel Krk, Wintereinsamkeit pur Einen besseren Platz für die Nacht hätten wir nicht finden können, wir stehen im Hafen und schauen auf die mittelalterliche Stadt Krk.
Krk selbst muss man gesehen haben, allerdings reichen 2 Stunden aus für diese Exkursion. Krk ist auf keinem Fall zu vergleichen mit Rovinj auf Istrien. Leider sind auf Krk die Restaurationen nicht sehr fachgerecht und die Weiterentwicklung und Erhalt dieser alten Stadt eher dürftig durchgeführt worden. So fehlt hier ganz klar der Charme und die Ausstrahlung, die eine solche Stadt haben sollte. Zu erkunden gibt es dennoch einiges und wenn man auf Krk ist, ist Krk auch ein Muss.
Der Tag 6 ist ein diesiger Tag mit aber immerhin 17 Grad im Schatten geht es weiter nach Stara Baska. Eine wunderschöne Fahrtstrecke die weißen Gebirge hinunter. Weit kommen wir allerdings nicht, im Ort haben die Strassen eine Breite von zwei Metern und verwehren uns somit Zufahrt zum dem kleinen Örtchen.
Auf dem Rückweg biegen wir links ab. Eine Teerstrasse führt zu einem ?-Campingplatz direkt an der Bucht gegenüber Krk. Der Platz ist geschlossen aber bietet die Möglichkeit sich vor dem Eingang aufzustellen. Hier ist es sehr einsam und wir haben Zeit und Ruhe den Camper zu reinigen, hier und große Wäsche ist auch angesagt. Wir richten uns für die Nacht ein und werden auch heute wieder ein großartiges Panorama über das Mittelmeer und Krk genießen. Auf dem Markt von Krk haben wir uns noch schnell am morgen mit den wohlschmeckenden Hummern eingedeckt. Heute wird gegrillt. Wir freuen uns auf den Sonnenuntergang, die Hummer, eine Flasche Wein und eine gute Zigarre.

Das Hafenstädtchen Krk
Und das ist der Blick den wir quasi aus unserem Wohnzimmerfenster haben, über die Hafenbucht auf die Altstadt von Krk.
Wir stehen direkt im Hafen vor einer kleinen Werft und genießen am Abend die Lichter der Stadt und das Treiben der Fischer im Hafen.

Gas
Mit einem Adapter ist es möglich unsere deutschen Gasflaschen an der Tankstelle von Krk nach Banska füllen zu lassen. Die hier in Kroatien genutzten Gasflaschen passen nicht in den Flaschenschrank des Campers. Den Adapter sollte man allerdings selbst mitbringen.

Ein Stellplatz mit Blick auf die Altstadt Krk und weitere …
Besser hätten wir die letzten drei Nächte auf Krk nicht stehen können.
Den ersten Abend genossen wir den Blick auf die Stadt Krk vom Hafen aus. Die zweite Nacht hatten wir Einsamkeit pur in den Bergen Krk`s plus Blick auf die Stadt Krk, mit ihren vielen Lichtern, die sich im Hafenwasser spiegeln. Der Stellplatz für die dritte Nacht in Baskra war von einer spektakülären Kulisse und einem tosendem Meer geprägt.
Wir stehen in Banska direkt am Meer. Blicken auf das kleine Städtchen und nur 5 Meter von uns entfernt rauscht die Brandung des Meeres ans Ufer. Der Ausblick ist „Meer“ als einmalig. Der Blick hinauf zum Himmel mit dramatischen Wolkenformationen und Farben lassen uns winzig erscheinen. Natur ist was Einmaliges. Wir freuen uns es so direkt erleben zu dürfen. Es ist kühler geworden und Sturm kommt auf. Bei 10 Grad Außentemperatur schmeißen wir die Heizung gerne an.

Strecke
Auf Krk haben wir insgesamt ca. 130 km zurückgelegt.

Tag 8: Die Dalmatinische Küstenstrasse
… von Rijeka nach Karlobag
Nach dem gestrigen äußerst stürmischen Tag begrüßt uns heute Morgen die Sonne und wir entscheiden uns für einen zeitigen Aufbruch.
Nach einem ausgiebigen Frühstück rollen wir in Richtung Rijeka und erreichen über die Brücke das Festland. Kurz darauf verlassen wir Kvaner und Primorje, um die Dalmatinische Küste in Richtung Süden zu rollen.
Atemberaubende Küstenlandschaften und erster Schnee auf den bis zu 1.600 Meter hohen Gebirgen zu unserer Linken.
Crikvenica, 25 km südlich von Rijeka wird vielfach in den zahlreichen Reiseführern als lohnendes Ziel angepriesen. Ein Thermalbad befindet sich dort und auch eine schöne Hafenpromenade. Wir durchrollen diese kleine Stadt und können dem Trubel der hier um diese Jahreszeit noch herrscht nicht viel abgewinnen. Weiter geht es die E 65 Küstenroute durch Senj und zu unserem nächsten Stopp für den Tag und die Nacht in Karlobag. Hie stehen wir direkt am Ortsausgang auf dem Parkplatz unmittelbar am Meer und genießen zur rechten den Blick auf dieses malerische und ruhige Örtchen. Zur linken schlagen die Wellen fast direkt an unser „Hotel“. Ein schöner Platz den Rest des Tages zu verbringen und weiter am Tagebuch zu arbeiten.
Von Rijeka nach Karlobag sind es ca. 100 km. Wir fühlen uns, als wären wir die einzigen die hier unterwegs sind. Keine 20 Fahrzeuge begegnen uns auf dieser herrlichen Strecke. Wer Ruhe sucht sollte eben auf jedem Fall in der Nachsaison oder im Winter diese Strecke befahren. Von einem Polizisten erfahren wir, dass ein großer Teil der Strecke gestern für Wohnwagen, Camper, Busse und Motorradfahrer gesperrt war. Dies wegen starken Windböen und orkanartigem Sturm. Die kommende Nacht dürfen wir diesen Sturm, in Kroatien „Bura“ genannt auch erleben. Wir werden kräftig durchgeschüttelt. Irgendwie haben wir das Gefühl in einem Boot zu schlafen. Die Nacht verbringen wir in Karlobag auf einem kleinem Landzungen-Parkplatz. Zur einen Seite überblicken wir die Stadt und zur anderen Seite können wir das Meer genießen. Wir schmeißen die Heizung an, Bura beschert uns einen kalten Abend und eine fast frostige Nacht um die drei Grad.

Tag 10: Die Dalmatinische Küstenstrasse
… von Biograd nach Trogir, eine kleine Rundreise
Wieder wird es ein frühes Aufstehen, denn viel haben wir uns für den heutigen Tag vorgenommen. Nicht nur viel vorgenommen, wir haben sogar noch mehr unternommen als ursprünglich geplant. Ein erlebnisreicher Tag liegt nun hinter uns, als wir unser Ziel gegen 15 Uhr erreicht haben. Wir stehen in Trogir, dem kleinen Venedig Kroatiens, befinden uns direkt im Hafen und schauen auf die erhabene und stolze Kulisse der Altstadt mit ihrem breiten Boulevard und den vielen Palmen.
Ein schöner Ausblick tut heute auch Not, denn nicht alles was uns der Tag bescherte war ein Zuckerschlecken, optisch – wie auch gedanklich. Doch fangen wir den Tag erst einmal von vorne an.
Um 7:00 Uhr weckte uns die Sonne und sogleich bemerkten wir, das sich unser unangenehmer Begleiter der letzten drei Tage unbemerkt in der Nacht verabschiedet hatte. Bura war gegangen und mit ihm eiskalter, peitschender Sturm, der nicht nur das Meer in eine reine Gischtküche verwandelt hatte, auch dessen kalter Atem durch alle Kleidung blies und uns im Freien erschauern ließ.
Ein schneller Kaffee und alles war für die Weiterfahrt verstaut. Erste Etappe war das nur 35 km vom letztem Schlafplatz entfernte Sibenik. Sibenik ist eine der ältesten Städte Kroatiens und viele seiner altertümlichen Gebäude zählen zum Unesco-Kulturerbe. Direkt am Kanal steht die im 16. Jahrhundert errichtete Festung des hl. Nikolaus. Auf den Inseln vor Sebenik gibt es noch Schwammtaucher, lassen wir uns sagen.
Weiter geht’s zum Nationalpark Krka, 20 km westlich von Sebenik. Dieser ist übrigens hervorragend ausgeschildert. Der Name kommt von dem Fluss Krka der ca. 75 km seinen Weg zum Meer findet. Dabei hat er einige Attraktivitäten parat, 7 Wasserfälle, einen Canyon und ein paar Seen. Das ganze in den Ausläufern der Gebirge der Dinara.
Die Zufahrt in den National-Park ist nicht erlaubt. Wer sich die Naturschauspiele erleben will, muss gut zu Fuß sein. Per Pedes kann man dann auch hoch oben am Fluss das Kloster des Erzengels, Kloster des hl. Arhandels, aus dem 14. Jahrhundert erleben. Ein großer und sicherer Parkplatz befindet sich am Eingang zum Krka-Nationalpark.
Um uns lange Fußmärsche zu ersparen versuchen wir den Park zu umfahren und finden hierbei den verträumten Ort Skradin.
Skradin sollte man sich anschauen. Fern vom Rummel des Tourismus erlebt man hier noch Ursprünglichkeit.
Von Skradin aus fahren wir durch die Berge zurück und dann Richtung Knin. (50 km)
Knin liegt im Grenzgebiet der Krajina entlang der Grenze zu Bosnien-Herzegowina. 1990 begann der serbische Aufstand gegen Kroatien und mündete in einem der blutigsten Bürgerkriege unserer Zeit.
Serbien eroberte zunächst diese Gebiete der Krajina und Kroatien erkämpfte sie sich 1995 in einer Art Blitzkrieg zurück. Die Spuren die diese kriegerischen Auseinandersetzungen hinterlassen haben beängstigen auch heute noch.
Wir durchfahren Zitnic, nur ca. 30 km westlich von Sibenik auf dem Weg nach Knin. Der Krieg hat diesen kleinen Ort vollständig ausgelöscht. Niemand wohnt hier heute noch. Die Häuser sind zerbombt, zerschossen, waren in Brand gesteckt und weisen tausende von Schusslöchern an den Außen- und Innenwänden auf.
Wir sind erschüttert. Wir kennen die Berichte aus den Kriegstagen aus dem Fernsehen, aber wenn man davor steht, es wirklich in der Realität sieht, wird einem erst richtig klar, was Kriege bedeuten, was Menschen, Menschen antun können. Wo mögen die Bewohner von Zitnec heute sein, fragen wir uns. Haben sie dieses Bombardement überlebt?
Einen Ort weiter ein Schilder der Europäischen Gemeinschaft und dem Arbeiter Samariter Bund, die den Wideraufbau anpreisen.
Die Idee hat sich wohl von selbst überlebt. Man wollte die Leute in diese Städte zurückholen, ihnen beim Wiederaufbau helfen. Wiederaufbau? Mit den Erinnerungen an jene Tage? Im Gedanken an die vielen toten Nachbarn, Freunde, Bruder, Schwester, Eltern, Kindern?
Die wenigen wohl hastig errichteten Häuser stehen jedenfalls leer. Wer möchte schon auf die Ruinen des Krieges schauen? Grauen beschleicht uns.
Wir fahren weiter, offensichtlich durch ein Minenfeld. Links und rechts künden die Schilder davon.
Wir erfahren dass es vor ein paar Jahren einen Holländer, der dies wohl für eine Touristenattraktion hielt ein Bein abgerissen hat. Mit der Kamera nähere ich mich den Schildern um sie zu knipsen. Vorsichtig schaue ich auf jeden Tritt den ich mache, ein unheimliches, beängstigendes Gefühl.
20 km weiter stand einst der Ort Kosovo. Man könnte sagen, wie ein kleiner Bergort im Allgäu gelegen. Er ist ausgelöscht, nur das Ortsschild deutet das er einst war. Die Häuser sind ausgebombt, nur noch Ruinen. „Betreten verboten“, lesen wir überall in englischer Sprache und auch „Vorsicht Minen“. Weiter fahren wir durch Teljuh bis nach Knin.
Hier und da, in halb zerfallenen Ruinen sieht man noch alte Menschen, die sich hier noch eben so eingerichtet haben. Alte Männer und Frauen, Greise, sie wissen wohl nicht mehr wohin oder können von der Heimat ihrer Eltern und Großeltern nicht mehr lassen. Was mag in Ihnen vorgehen? Trauer? Wut? Hass? Unverständnis über soviel Greul die sie erleben mussten?
Wir haben genug gesehen, mehr als genug und entscheiden in Knin direkt umzukehren. Ruhig im Gedanken tief versunken durchfahren wir die Geisterstädte des Krieges auf dem Rückweg nochmals. Nur weg hier, ist wohl der tiefe Wunsch den wir Beide hier und jetzt empfinden.
Es wird langsam Nachmittag. Hier wollen wir ganz bestimmt nicht die Nacht verbringen und geben richtig Gas.
30 km nordwestlich von Split gelegen liegt Trogir, unser Zielort für den Tag und hoffentlich auch Hotelparkplatz für die Nacht. Trogir nennt man auch das kleine Venedig Italiens. Was sich doch Reiseführer so alles einfallen lassen. Dennoch, Trogir hat es, das was wir suchen, Charme, Charakter, Charisma und die Sonne lacht über den Dächern dieser Stadt, die im 13. Jhr. Seine Blüte hatte und es gibt sie noch, einige dieser Bauwerke aus so alter Zeit. Trogir lohnt den Besuch. Eine palmen-umsäumte Hafenpromenade entlang alter Festungen und Stadtmauern bietet echt was fürs Auge.
Kein Wunder das Trogit in das Unesco Weltkulturerbe 1997 aufgenommen wurde.
Über Brücken kann man das Inselchen Ciovo erreichen. Dies war die einstige Insel für Leprakranke.
Wir steuern über die Brücke und befinden uns auch schon im Hafen. Unser Hotel wird so gestellt, dass sich aus unserem „Wohnzimmer“ heraus der Blick auf die Altstadt einstellt.

Die bettelnden Hände von Trogir (Kleine Geschichte)
Erst können wir es nicht einordnen, die Stimmen, diese unendlich flehenden und traurigen Stimmen, die wir erst wahrnehmen, als wir uns von unserem Trogir-Bummel zurück zum Hafen begeben. Die Sprache verstehen wir sowie so nicht, wissen nicht was sie rufen, diese Stimmen, und forschen nach. Unweit unseres „Hotelparkplatzes“ finden wir sie dann, die flehenden Hände von Trogir, wie sie die eiskalten Eisenstangen der Tore umfassen und wann und wenn immer ein Mensch vorbeikommt flehend die Hände herausstrecken und ihre Worte in eine Art unendlich traurigen Sprechgesang mischen. „Cigar“ oder so ähnlich, verstehen wir sie, die Greise die hier ihr Dasein fristen. Wir geben Ihnen die gewünschten Zigaretten. Aus dem Hotel heraus können wir sie bis zum Einbruch der Dunkelheit noch ihr Klagelied sprechen hören. Ihre Hände, wie festgefroren an den Eisenstangen, für Stunden, ohne Regung so verharrend. Wir wissen nicht ob es sich um ein Altersheim oder eine Anstalt handelt. Wir sind traurig, dass eine so herrliche Stadt wie Trogir, so ein landschaftlich wundervolles Land wie Kroatien, solche Heime vorzuweisen hat. In der Nacht verschwinden die flehenden Hände. Mit den ersten Sonnenstrahlen krallen sie sich wieder am Eisentor fest und beginnen ihren traurigen Sprechgesang, wenn immer, wann immer ein Mensch an ihnen vorbeizieht.

Land + Leute
Wir stellen fest dass die Menschen von Istrien bis Dalmatien eher ruhige und gelassene Typen sind. Nirgends werden wir dumm angemacht. Ein Lob den Autofahrern, sie fahren extrem defensiv und teils übervorsichtig. Vielleicht liegt das auch an den vielen Geschwindigkeitspistolen die wir unterwegs sahen.
Erfreulich auch die Tatsache, das Straßen, Parkplätze und Orte sehr sauber sind. Im Gegensatz zu Italien, wo fast alle Parkplätze einer Müllhalde gleichen, finden wir hier nur sehr selten mal eine kleine Umweltsünde.

… wie zu guten alten DM-Zeiten
Sonntagabend in Trogir gab es mal was einfaches, zwei Pizza und zwei halbes Maß Bier. Wie zu in den guten alten Deutsches Mark-Zeiten zahlten wir für die großen, reichlich belegten Pizzas nebst 2 x ½ Liter Bier nur 120 Kuna, ergo ca. 16 Euro, ergo DM 30. Und das direkt am Meer, unter Palmen und mit jeder Menge Sonnenschein.

Tag 11: Die Dalmatinische Küstenstrasse
… ein einfacher Tag an der Küste
Dieser Montag ist ziemlich einfach gestrickt.
Nicht ganz so früh verlassen wir Trogir um die Küstenstrasse weiter gen Süden zu rollen. Split lassen wir bewusst rechts liegen, Split, diese 250.000 Einwohner zählende Stadt, beton-gewordene Grausamkeit für Herz und Seele. Die Altstadt soll sehr schön sein und auch über einige von der Unesco geschützte Gebäude verfügen, aber dieser Moloch zieht uns nicht an. Wir bringen es nicht über uns, in dies Szenerie aus Verkehr, Beton und Abgasen einzutauchen.
Ganz anders das Örtchen Makarska mit seinen schönen Promenaden, einladenden Gässchen und endlich mal wieder einem Internet-Lädchen. So bekommen die Lieben daheim ausreichend Post und viele Bilder.
In Drvenik stehen wir direkt am Meer. Es ist erst 13:30 Uhr und Großputz angeordnet. Auch das muss sein, der Camper wird einer gründlichen Innenreinigung unterzogen.
Sehr schön und besonders zu empfehlen ist die Küstenstraße, welche als die Kroatische Riviera angepriesen wird. Ein Blick rechts aus dem Fenster und wir sehen die Inseln Brac, Hvar und Korkula im Sonnenlicht.

Tag 12: Bura treibt uns aus dem Land heraus
Dubrovnik, 600 km sind es von Rjeka bis nach Dubrovnik
Über Nacht kam unser ungebetener Gast wieder, Bura, der Küstensturm, wie er in Kroatien genannt wird. Gleichsam änderte er unsere Pläne dramatisch.
Wir dachten dass jeden Moment das Reisemobil umkippt. Sturmwände peitschten gegen das Fahrzeug und rüttelten uns wach. Es hatte keinen Zweck direkt am Meer stehen zu bleiben, wir mussten uns einen etwas geschützteren Platz suchen. Erstmal weiterfahren lautete die Devise.
Wieder erwarteten uns wunderschöne Landschaften entlang der Küstenstraße. Allerdings wurden wir vom Sturm begleitet, er schob uns quasi vor sich her, als wolle er uns aus dem Land hinausfegen. Bei Neum flog schon ein Buswartehäuschen über die Strasse. Umgefallene Mülltonnen, abgerissene Äste, hier und da ein paar Ziegel, alles dies säumte unseren Weg.
Wie schon früher gesagt, wir sind zu spät unterwegs, vier Wochen früher waren es hier noch 25 Grad und wunderschönes Wetter, sagte der Mann im Internet-Kaffee. Dabei hatten wir an dieser Küste noch soviel vor. Korkula, die Stadt des Marco Polo, wollten wir noch gerne besuchen. Montenegro vor uns, lockt mit vielen alten Städtchen, wunderschönen Stellplätzen für unser Hotel und nicht zu vergessen die traumhaften Strände und das Hinterland mit den vielen Seen.
Wir müssen uns entschließen, Jetzt und Hier, denn der Wetterbericht verhieß auch nicht viel Gutes. Auch liegt das unbekannte Albanien noch vor uns. Was wird uns dort erwarten? Ist der Winter im Inland schon eingezogen? Schnee? Kommen wir da überhaupt dann noch durch? Wenn nicht welche Alternativen haben wir? Fähre nach Bari oder Ancona in Italien und dann von dort mit wieder einer Fähre nach Griechenland?
Zu kompliziert, zu unbestimmt denken wir. Wir müssen Gas geben. So schnell wie möglich ein paar hundert Kilometer südlicher gelangen. So entscheiden wir nach kurzer Überlegung. Dubrovnik nehmen wir noch mit, dann aber schnell durch, durch Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Albanien. Ein Wettlauf gegen Schnee, Frost, den Winter beginnt.
Gegen Mittag erreichen wir Dubrovnik, die Schöne, die Stolze, die Ehrenhafte, eine Perle an den Gefilden Kroatiens. Der Campingplatz hat natürlich geschlossen und unser „Hotel“ zu parken ist ein echtes Problem, denn auch jetzt im Winter hat die Stadt viele Besucher. In der Neustadt werden wir fündig und laufen zur Altstadt. Hunderte von Stufen steigen wir hinunter zur Küste und zu dem Felsvorsprung im Meer, der diese Stadt trägt. Dubrovnik ist zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert entstanden und gilt als eine der schönsten und originalgetreusten mittelalterlichen Städtchen Europas.
Seit 1991 ist die Stadt im Weltkulturerbe der Unesco. Dubrovnik muss man gesehen haben. Ein Plakat in der Bank trägt die Überschrift „Das waren Barbaren“ und zeigt Bilder von den Schäden die diese Stadt am 21. Dezember 1995 von dem Beschuss und den Granaten des Krieges davon getragen hat.
Wir bummeln über die großen Plätze dieser Stadt und flanieren durch die vielen Gassen und wären sehr gerne länger geblieben, doch wir müssen los und Bura bläst noch immer ungemindert weiter.
Wir rollen weiter, durch Montenegro hindurch und stehen am späten Nachmittag an der Grenze zu Albanien.

Tag 13 + 14: Albanien, … ein Abenteuer?
Albanien Die 380 km lange Fahrt von Norden nach Süden.
Der kleine Grenzverkehr läuft reibungslos. Bei der Einreise müssen wir pro Kopf € 10,00 bezahlen und nochmals € 2,50 für die Fahrzeugdesinfektion, die allerdings nie stattfand. Schnell versenden wir noch einige SMS an unsere Kinder und klären sie über Standort und Plan zur Durchfahrt auf. Sie sollen wissen dass wir nun Albanien angehen. Dann rollen wir.
Die ersten Kilometer laufen gut. Wir queren auf einer alten, einspurigen Holzbrücke ein auf der Karte nicht näher bezeichnetes Gewässer. Fast hätten wir die Brücke links von uns verpasst, sieht es doch so aus als führe die Hauptstrasse immer geradeaus. Beschilderungen sind in Albanien eher eine Seltenheit. Zum Glück steht an der Straße ein Bauer der uns wild gestikulierend anzeigt, dass wir auf dem falschen „Holzweg“ sind. Wir danken per Handgruß, wenden und rollen langsam über die alten und vom Regen spiegelglatten Bohlen der Holzkonstruktion und Brücke. Ein Polizist regelt diese „Einbahnstraße“ und passt auf, dass nicht gleichzeitig zwei oder mehr Lkws dieses wackelige Gebilde befahren.
Bei Skhodar erreichen wir die Schnellstrasse nach Tirana, der Hauptstadt Albaniens. Es regnet in Strömen, aber die Straße ist soweit sehr gut ausgebaut und wir machen schnell die knapp 100 Kilometer nach Tirana wett. Unterwegs und auf der Straße begegnen uns Eselsfuhrwerke, natürlich ungesichert und ohne Licht, auch ganze Schafherden tummeln sich auf dem Asphalt, wie auch Kühe und eigentlich alles, was man auf einer Schnellstraße nicht vermuten würde.
Kaum in Tirana angekommen erkennen wir auf welches Chaos wir uns eingelassen haben. Die Straßen, wenn man sie so nennen kann, sind eher verschlammte Pisten. Schlaglöcher so groß wie unser ganzer Campingbus und bis zu 40 cm tief, voll mit braunem Schlamm und Regenwasser müssen wir im Schritttempo durchfahren. Dabei ein höllischer Verkehr um uns herum. Vor uns staut es sich, hinter uns wird hemmungslos gehupt und zu beiden Seiten drängeln sich alle möglichen Fahrzeuge an uns vorbei. Es scheint keine Regeln zu geben und wenn es welche gibt, so hält sich niemand daran. Ergo müssen auch wir eine etwas rabiatere Fahrweise an den Tag legen, sonst kommen wir nicht vom Fleck.
Die Straßengullys liegen bis zu 40 cm tiefer als der noch teilweise zu erahnende Asphalt. Wir werden kräftig durchgeschüttelt und mit uns alles was im Fahrzeug verstaut ist. Unser 4-Tonnen-Reisemobil ächzt, knirscht, rappelt und scheppert.
Gerade verabschiedet sich der Halter einer Gardinestange, gefolgt von einem lautem knacken und Bruch der Kleiderstange. Jetzt können wir nur erahnen was hinter uns alles im Fahrzeug passiert und was wir noch vor uns haben werden. Doch egal, wir sind in Tirana und nun müssen wir auch durch Tirana durch.
Die bunt getünchten Häuser Tiranas verleihen der Stadt einen gewissen Hauch von Fröhlichkeit in der Höhe. Allerdings beschränkt sich das wirklich nur auf die Hausfassaden. Lässt man den Blick auf alles andere schweifen sieht die Realität doch eher ernüchternd aus. Irgendwie kommen wir uns vor, als würden wir eine riesige, belebte Müllhalde durchkreuzen. Ein Science Fiktion aus einer anderen Welt? Es wird langsam dunkel und somit Zeit einen halbwegs sicheren Stellplatz für die Nacht ausfindig zu machen. Wir biegen auf die Autobahn Richtung Küstenstadt Durres ab. Bis Durres sind es 35 Kilometer. In Tirana wollen wir unser Nachtquartier jedenfalls nicht aufschlagen. Nach ca. 20 Kilometern finden wir eine große Tankstelle mit Restaurant und Hotel auf einem großem und hell erleuchtetem Parkplatz. Wir parken so, dass das Heck unseres „Hotels“ an einem hohen Metallzaun zu einer Raffinerie steht. Eine gute Idee wie wir später feststellen, denn gegen 20 Uhr sichern 3 große und laut knurrende Schäferhunde das Gelände. Links von uns ist das hell erleuchtete 24-Stunden-Restauant und vor uns die Tankstelle. Alarmanlage, KO-Gas-Warngerät, Rauchmelder, alle möglichen Verrieglungen werden von uns eingesetzt diese Nacht. Wir fühlen uns sicher, relativ sicher. Das letzte was wir wahrnehmen ist der Sprechgesang eines Muezzins, dann schlafen wir ein.
Gegen 4 Uhr morgen werden wir daran erinnert wie sicher unsere Platzwahl war. Vor uns wurde in der Nacht eine Polizeisperre errichtet die den Autobahnverkehr überprüft. Mehr Sicherheit konnten wir uns wohl kaum wünschen, allerdings mussten wir dafür auch unsere Nachtruhe opfern.
Laut grölend, teils lauthals singend verrichteten die Ordnungshüter ihren Dienst. Wie Kinder balgten sie sich auf der Autobahn herum, wenn mal gerade kein Fahrzeug kam. Was bleibt uns übrig, als in warme Decken gepackt dem Treiben eine Weile zuzuschauen. Es ist noch stock dunkele Nacht und die Fahrzeuge die angehalten werden sind zum größten Teil ohne Licht unterwegs, was die Ordnungshüter offensichtlich nur peripher tangiert. Wohl gemerkt, wir stehen an der Autobahn! Manche Fahrer mussten aussteigen und den Beamten die Innen- und Außenhandflächen zeigen. Nennt man das hier Zielfahndung? Auch tummeln sich auf der Autobahn Mofas, wobei die oder der Sozius, des starken Regens wegen, dem Fahrer auch noch einen Regenschirm vor das Gesicht hält.
Fünf Polizisten tun hier in dieser stürmischen Regennacht Dienst. Zwei in Uniform und gelben Regenjacken, drei schwer bewaffnet in Kampfanzügen mit schusssicheren Westen. Die ersten zwei halten die Fahrzeuge an, die anderen drei befinden sich eher im Hintergrund am Parkplatz, offensichtlich für den Fall der Fälle. Nach einer Stunde zuschauen wird die Sache dann aber eher langweilig und wir visieren das Bett an und da passiert es. Quietschende Reifen, Geschrei, Trillerpfeife!. Ein Fahrzeug durchbricht die Polizeikontrolle und die beiden Verkehrspolizisten springen zur Seite und in Sicherheit. Nun geht alles sehr schnell. In Windeseile sind vier Polizisten im Polizeiwagen, um die Verfolgung aufzunehmen. In gleicher Windeseile springen Drei wieder aus dem Auto raus, denn anspringen will der Wagen offenbar nicht. Sie versuchen es mit anschieben, ohne Erfolg, es geht ja auch bergauf. Der Vierte steigt nun auch wieder aus, gemächlich und gemütlich diesmal. Man beschließt wohl die Verfolgung aufzugeben und geht zur Tagesordnung über. Sie balgen sich wieder wie Kinder, lachen und grölen herum. Na dann Gute Nacht, oder was von der Nacht noch übrig blieb.
Gegen 6 Uhr und einem gutem, starken Kaffee besichtigen wir die kleineren Schäden im Fahrzeug und flicken provisorisch Gardinenhalter und Kleiderstange. Es kann weiter gehen. Nach 15 Kilometer erreichen wir Durres, die Küstenmetropole. Auch hier herrscht das in Tirana schon erlebte Chaos an Verkehr und natürlich wie könnte es anders sein, regnet es ohne Unterlass und die Straßen gleichen Kanälen. Das macht das Fahren nicht gerade einfacher, denn wir können ja nicht sehen, was sich unter der Wasseroberfläche befindet. Langsam durchfahren wir die Stadt. Natürlich verfahren wir uns, denn Beschilderungen gibt es ja kaum welche. Ein Polizist weist und freundlich den Weg und wir kommen am großen Hotelboulevard am Hafen an. Hier fahren wir südlich und dann immer der „Schnellstraße“ entlang.
Die Hotels sind alle recht neu und leuchten ebenso in fröhlichen Pastellfarben. Touristen sehen wir keine, haben wir zu dieser Jahreszeit auch nicht erwartet.
Vorbei an der großen Bucht von Durres zur rechten fahren wir entlang der touristischen Zentren. Das Mittelmeer können wir nur erahnen, denn eine Wand von Hotels türmt sich vor uns auf. Die schöne Seite zeigt natürlich zum Meer und den Stränden, die Hässliche zur Straße. Was wir hinter den Hotels sehen verschlägt uns dann doch den Atem. Angefangen von Öllachen, Müllhalden und einem Berg von Tausenden von Autobatterien ist alles dabei, was für die Umwelt schädlich ist. Dies sehen die Touristen jedoch nicht. Ihre Fenster weisen zum Strand, nicht zur Straße. Hier möchten wir nicht mal den Finger ins Meer halten um die Temperatur zu erfühlen. Wie war das doch in Deutschland? € 7,50 Pfand für eine Autobatterie! Wer nun Pfandmarken und einen LKW zum Verladen hätte könnte ein Vermögen verdienen.
Kurz hinter Durres, in Erwartung schlimmster Straßenverhältnisse und hoffend Albanien überhaupt mit unserem Camper durchfahren zu können, immerhin die Berge in der Ferne strahlen mit ihren leuchtenden Schneekappen, werden wir angenehm überrascht.
Wir rollen auf einer Autobahn! Rollen? Nein, wir glauben zu schweben! Eine Asphaltdecke, so eben, wie wir sie heute nicht einmal mehr in Westdeutschland vorfinden. Na dann ist ja alles klar, es ist 7 Uhr, ca. 270 Kilometer bis zur griechischen Grenze, in 2,5 Stunden sind wir durch. Hurra! Wir freuen uns über den Edelasphalt und lächeln nur noch dankend für die guten Straßenverhältnisse über die unzähligen Kreisverkehre, Eselsfuhrwerke, Mofas, Schaf- und Kuhherden und paar Geisterfahrer die auf dieser Autobahn unterwegs sind.
Schnell erreichen wir den Ort Kavaje und rollen gemütlich gen Rrogozhine. Aus unseren Lautsprechern klinkt ein Konzert von Ken Hensley, wir sind einfach super drauf.
In Rrogozhine endet die Autobahn im Ort. Nicht schlimm denken wir, hinter dem Ort geht’s dann weiter mit einer Schnellstraße, so zeigt es unsere Karte an. Guter Dinge durchfahren wir den Ort, schießen so manches Foto und wundern uns über die merkwürdigen Errungenschaften des neu gewonnenen Kapitalismus zu unseren beiden Seiten. Garagen sind direkt an die Straße gebaut. Sie dienen als Ladenlokale. Alles wird hier feilgeboten. Vom LKW-Spiegel bis zum Hausschlappen, meist unsortiert, Jeder führt alles in seinem Sortiment. Wir haben schnell einen passenden Namen für diese Läden „Ich-Habe- Alles-Kaufhaus“. Das lassen wir uns ja noch gerne gefallen, allerdings würgt es uns schon, wenn wir die Lebensmittelläden (Garagen oder Holzschuppen) sehen. Da hängen direkt an der Strasse beim Metzger ganze Hammelhälften und der nächste noch lebende Artgenosse, dem das gleiche Schicksal in wenigen Minuten erwartet, weil der Metzger davor schon zwei Messer schärft, ist darunter angebunden. Gleich wird er wohl auch geschächtet. An den Hammelhälften kleben die Fliegen und so mancher Spritzer brauner Dreckbrühe aus den zahlreichen Pfützen und Schlaglöchern, der durch einen vorbeifahrenden Laster in die Höhe spritzt erreicht auch das hängende „Lebensmittel“. Fleisch soll in Albanien ja sehr billig sein, doch wir verzichten lieber auf den Hammelgulasch und vergewissern uns noch mal schnell, das unser Tief-Kühlschrank noch gut gefüllt ist. Warum sollten wir eigentlich an der Grenze desinfiziert werden?
Noch erahnen wir nicht was uns hinter der Ortdurchfahrt von Rrogozhine erwartet. Die eingezeichnete Schnellstraße entpuppt sich als ein etwas äußerst schwer zu beschreibendes Etwas. Man kann noch erahnen, dass es einmal eine Straße mit Asphalt war, aber nun? Wir finden kein Wort dafür und umschreiben es mal so.“ Schlammige Buckelpiste mit Trümmerresten von Asphalt, übersäht mit riesigen, tiefen Schlaglöchern, bei teilweiser Fahrbahn-Überschwemmung, ohne feste Bankette“. Noch rund 200 Kilometer, schießt es uns durch den Kopf. Das schaffen wir dann in 2-3 Tagen, nicht früher und schon gar nicht schneller. Irgendwie kommt mir der Gedanke von dem Metzgerladen wieder in den Sinn. Ich verwerfe diesen wieder schnell, man kann ja auch mal ohne Fleisch auskommen, wenn’s wirklich länger dauert, tröste ich mich darüber hinweg.
Im Schritttempo geht’s weiter. Mehr als 10-20 Stundenkilometer sind nicht drin. Die Schneeberge grüßen nun schon aus der Nähe und irgendwie überfällt mich der Wunsch hier und jetzt aufzugeben, zu wenden, einfach zurückzufahren. Wie heißt es so schön, „ … die Hoffnung stirbt zuletzt!“ und deshalb entschließen wir uns weiter durchzuhalten. Es kann schließlich nicht mehr schlimmer kommen.
Als sich vor uns zu beiden Seiten einmal wieder Müllberge in den Straßengräben auftürmen wissen wir aus neu erlangter Erfahrung, dass sich nun der nächste Ort ankündigt. Lushnje müsste es sein laut Karte sein, Ortschilder gibt es hier unten keine mehr. Mit einer Großstadt vor uns wissen wir was uns nun wieder an jedem Verkehrsknotenpunkt erwartet. Mit Karte raus aus dem Wagen raus und irgendein Gesicht ausfindig machen, welches einen halbwegs kompetenten Eindruck vermittelt, um nach dem Weg zu fragen. Nach einer Stunde sind wir auch durch Lushnje durch. Mehrfaches Wenden war wieder einmal angesagt, dann stimmte die Richtung, wir rollen gen Süden. Wie in Lushnje so auch in Fier, der nun vor uns liegenden, nächsten Stadt.
Wir möchten noch erwähnen dass wir auf diesen Strecken nicht etwa das einzigste Fahrzeug unterwegs sind. Vorzugsweise fährt man in Albanien deutsche Autos. Wir schätzen das rund 80% aller Pkws die wir sehen aus der Daimler-Benz-Schmiede in Stuttgart stammen. Es sind alle Typen dabei, von uralt bis nagelneu. Gefolgt wird diese Nobelmarke von BMW und Audi. Rund 90% deutsche Karossen. So manches von seinem Eigentümer in Deutschland vermisste Fahrzeug mag darunter sein.
Auch rollt hier der Fern- und Lastverkehr ohne Pause. Volvo und Scania sind hier die Marken die auffallen. So werden wir fleißig überholt, so mach einer kommt uns auf unserer Seite entgegen, um dann im letzten Moment sich wieder nach rechts zu besinnen. Es gibt viele nicht ganz ungefährliche Situationen, was auch die vielen Gedenktafeln mit Fotos Verunglückter und Verstorbener auf diesen Strecken beweisen. Hunderte dieser Gedenkstätten, vom einfachen Holzkreuz bis zu kleinen Kapellchen sehen wir am Rande der Pisten. In einer Kurve kommt uns ein LKW entgegengeschleudert. Zum Glück fängt der Fahrer den Wagen rechtzeitig wieder ab.
Ließt man so die Beschriftungen auf den Lkws könnte man sich in Deutschland wähnen, wären da nicht die albanischen Kennzeichen an den Fahrzeugen. Von Vießmann-Heizkessel über Aldi bis hin zu Continental-Gummireifen ist jede Beschriftung und Werbung dabei. Dabei sind dies nicht diese Firmen die hier fahren oder für die gefahren wird. Es handelt sich um nach Albanien importierte Lastkraftwagen.
Nächster Zielort ist Vlore und von dort aus geht muss es ins Inland gehen. Es ist schön später Nachmittag als wir Vlore erreichen. Noch 160 km laut Karte. Wir rollen durch Vlore und wieder grüßt unser „Kartenspiel“. Wo sind wir, wo müssen wir abbiegen, welches ist die richtige Straße? Wir versuchen es bei einem älteren Herrn der für diese Ortschaften einen recht ordentlich gekleideten Eindruck macht, vielleicht ein Lehrer? Ein Beamter?
Mit Händen und Füßen verständigen wir uns. Seine Handzeichen sind eindeutig, wir verstehen dass es hier nicht mehr weitergeht. Unmöglich, hier, die Karte zeigt es doch eindeutig. Wieder wiegelt er ab. Wir verstehen nur zwei Wörter die er sagt. Das eine ist eine Art von „No“ unterstützt von eindeutiger verneinender Gebärdensprache, das andere lautet „Vier“. Was meint er nur? Meint er 4 Straßen weiter? Er zeigt in die entgegengesetzte Richtung dabei. Als wir nicht zu verstehen scheinen wird er massiver und ruft laut und mehrmals „Vier – Vier- Vier!“ und fasst sich dabei an den Kopf. Dann schlingt er seinen Arm so komisch herum, soll wohl abbiegen bedeuten. Wir jedenfalls verstehen jedenfalls nur „Bahnhof“.
Es folgen drei weitere Versuche wieder auf Strecke zu kommen. Ein Kontakt erübrigt sich sehr schnell, mit verbalem aus zweiten Weltkriegstagen werden wir empfangen, um uns gleich wieder abzuwenden. Andere Kandidaten, bessere Auskünfte? Endlich finden wir einen Uniformträger. Er spricht nur italienisch, ist wohl vom Zoll. Vlore ist ja schließlich eine große Hafenstadt. Mit italienisch kommen wir besser voran. Wir sprechen selbst ein paar gängige Worte. Schnell wird uns klar, was uns der ältere Herr von vorhin vermitteln wollte. Er wiederholte doch so oft das Wort „Vier“. Nun wird klar was er meinte, wir müssen zurück nach Fier, dem Ort Fier, nur von dort soll es gen Gjirokaster und dann zur griechischen Grenze gehen, bestätigt auch unser italienischer Zollbeamte freundlich.
Was war geschehen? Eine einfache Erklärung, die Karte, vom ADAC immerhin, stimmte nicht. Gjirokaster ist von Fier aus zu erreichen, nicht von Vlore.
Mit Grauen quälen wir uns die 38 Kilometer zurück nach Fier. 2,5 Stunden verlorene Zeit. Wir wollen auf jeden Fall schnell aus Albanien raus. Zum einem wegen dem Wetter, es regnet immer noch stark und lässt darauf schließen, das es in den inländischen Bergregionen bereits schneit. Zum anderen möchten wir nicht in diesen schmutzigen Städten, oder irgendwo ungesichert am Rande der Pisten übernachten. Wir treten aufs Gas. In Fier angekommen, wiederholt sich das alte Spiel. Karte her, aus dem Fahrzeug raus, Richtung erfragen. Diesmal haben wir Glück, an einem Kreisverkehr müssen wir wegen Stau stehen bleiben und ein Schreiner in einem dieser merkwürdigen dreirädrigen Wagen bietet uns an ihm zu folgen. Wir nehmen die Einladung gerne an, folgen ihm und erreichen bald den Ortsausgang von Fier Richtung Gjirokaster.
Wir bemerken sogar ein Schild, „Gjirokaster 160 km“. Nun geht es Richtung Inland und einige kleinere Pässe sind zu nehmen. Die Piste ist nicht ganz so schlecht, wie die völlig zerstörte vorher beschriebene Buckelpiste, jedoch mehr als 30-50 km/h sind nicht drin, ohne das Risiko eines Achsbruches und des Zusammenbruch der gesamten Inneneinrichtung unseres Reisemobils einzugehen.
Wir durchfahren unzählige kleine Orte. Wie schon vorher beschrieben kündigen diese sich nur durch Müllhalden zu beiden Seiten der Piste vor den Ortschaften an. Ist das die Errungenschaft der freien Marktwirtschaft? Wir diskutieren darüber, wie lange es dauernd könnte, bis die Ortschaften rundherum völlig zugemüllt sind. In welchen Verhältnissen die Kinder hier aufwachsen und welche gesundheitlichen Risiken durch diese Müllberge entstehen. Schließlich sickert das Regenwasser durch den Müll und gelangt so in Quellen, Brunnen, in das Trinkwasser, in die Flüsse und Seen, oder schwappt einfach durch die Orte selbst. Wir mögen nicht daran zu denken, wie es im Sommer, bei Inlandtemperaturen um 40 Grad hier stinken mag und welche Trilliarden Bazillen und Viren hier wirken. Von den Ratten ganz zu schweigen.
Derweil sehen wir in allen Orten das die Männer wohl ein und dasselbe Hobby zu pflegen scheinen. Sie stehen an der Straße herum. Scheinbar von morgens bis abends, oder wechseln sie sich ab? Kein Ort ohne die Herren mit den berühmten Händen in den Taschen an den Straßen. Irgendwie kommt uns das so sinnlos vor und auch wenig attraktiv.
Es geht durch den Ort Sinanay weiter nach Tepelene. Wir hoffen einmal wieder. Hoffen, dass sich die falsch eingezeichnete Route unserer Karte hier vielleicht als Anbindung in eine Schnellstraße verwandelt. Diese Hoffnung begraben wir als wir Tepelene erreichen, die Straße bleibt wie sie ist, eine einzige Katastrophe.
Es ist schon fast dunkel als wir Gjirokaster durchfahren und dann unerwarteter Weise hinter Jergucat auf eine echte Asphaltpiste gelangen, die uns sicher bis zur Grenze geleitet. Zur Grenze sind es noch 18 Kilometer. Inzwischen ist es dunkel. Straßenlampen gibt es wohl einige wenige, doch die sind wohl defekt. Für die rund 270 Kilometer haben wir 12 Stunden gebraucht, ohne Pause.
Nun noch schnell über die Grenze nach Griechenland, den nächsten großen Rastplatz ansteuern, zwei-drei Bierchen, ein Stück Wurst und Brot und dann ab ins Bett, mehr wünschen wir uns jetzt nicht mehr.
Der Grenzübergang auf albanischer Seite, wie zu erwarten, ein Chaos an Fahrzeugen und Menschen. Lauter kleine Shops, zurechtgezimmert aus ein paar Latten und Blech bieten alles was in Albanien billig und Griechenland teuer ist. Zigaretten gehören dazu, wie auch Schuhe, Textilien. Wie auf einem Bazar geht es hier zu.
Der albanische Grenzpolizist winkt uns uninteressiert und schnell durch. Wir zahlen wieder für die nicht stattfindende Desinfektion des Fahrzeugs € 2,50 und nochmals eine Straßenbenutzungsgebühr in Höhe von € 16,00. Der Zollbeamte hingegen will alles inspizieren. Er ist wohl der Chef des ganzen. Führt sich auf wie auf einem Kasernenplatz beim Morgenappell und schreit die LKW-Fahrer an und kommandiert sie herum. Er springt von einer Ladefläche auf die andere, na das kann ja heiter werden. Er mustert uns mit strengem Blick durch die Windschutzscheibe und gibt klare, nicht zu überhörende Anweisung, die wir akustisch nicht verstehen. Seine Körpersprache hingegen ist nicht zu übersehen, wir sollen links einparken und auf ihn warten, so die unmissverständliche Deutung.
Während wir überlegen was wir an Bord haben, was wir vielleicht nicht unbedingt haben sollten, oder jedenfalls nicht in den Mengen, klopft der resolute Beamte an die hintere Tür. Um ihn von der Inspektion abzubringen versuche ich ihm noch klarzumachen, dass es sich hier um unser Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, ja Lebensraum handelt und er gefälligst die Schuhe auszuziehen hat, schon wegen des Teppichbodens. Schließlich würde ich sein Heim ja auch nicht mit Dreckschuhen voller Lehm und Diesel betreten. Interessenslos ignoriert er meinen Wunsch und steht auch schon mitten in unserem „Hotel“. Er deutet uns das Licht anzumachen. Wir schalten das Licht ein, drücken ihm unsere Taschenlampe zudem in die Hand. Nun beginnt er jede Schublade, jede Schranktür zu öffnen, selbst das Hubbett muss herunter. Er kramt in unserer Bettwäsche herum. Dann fasziniert ihn auf einmal etwas. Die Verschlüsse unserer Schränke. Sie haben zwei Funktionen. Einmal als Knopf zum öffnen und einmal als Sicherung gegen Selbstöffnung beim Fahren. Sein Spieltrieb kommt zum Vorschein. Er fummelt daran herum, schaut sich genau an, wie sie funktionieren, scheint stolz zu sein sie auch selber bedienen zu können und wir nun etwas zahmer, ja lächelt sogar und entschuldigt sich, als einige DVDs aus dem Schrank herausfallen.
Mit den Worten „Policia finished“ , so kam es bei mir akustisch an und einem knappen militärischem der Handfläche an den Kopf verlässt er unser Hotel. Wir atmen auf und werfen einen Blick auf den Teppichboden. „Ach komm, das macht nichts, ich schrubb ihn wieder sauber!“, sage ich zu meiner Frau.
Wir sind nun durch, haben Albanien selbst gefahren und erfahren. Alles In knapp 2 Tagen. Müssen wir uns das noch mal gönnen? Nein! Nächstes mal wird’s ne Fährfahrt und dann schauen wir vom Fährschiff aus auf die albanische Küste, setzen uns in unseren Sesseln zurück, trinken ein Glas Champagner und werden uns lächelnd erinnern.
Wir fanden das Albanien nichts Wirkliches zu bieten hat. Weder landschaftlich, noch architektonisch. Kein Charme oder Romantik versprüht. Wir fanden nichts ursprüngliches, nichts Typisches oder Neues, sieht man einmal von den farbenfrohen Fassaden einiger Gebäude der großen Städte wie Tirana und Durres ab. Die Menschen denen wir begegneten waren freundlich und hilfsbereit. Die Verständigung in englischer Sprache ist schwierig.
Der Liter Diesel kostet umgerechnet € 1,00. Griechische Zigaretten € 15,00 pro Stange. Für große 3 LKW-Spiegel zahlen wir nach langen handeln € 25,00, was sehr günstig ist. Lebensmittel mochten wir uns gar nicht erst anschauen. Fleisch schon gar nicht und der an den Straßen angebotene Fisch machte auch nicht den frischesten Eindruck. Textilien brauchten wir nicht, Schuhe ebenso, Andenken haben wir in Hülle und Fülle in Form von Fotos und unseren eigenen Erinnerungen. Ergo, mit uns war kein Geschäft zu machen.
Abenteuer Albanien? Wohl eher nicht, schon gar nicht für Reisemobilisten, mit ihren doch meist eher zart beseelten, empfindlichen Fahrzeugen.
Endlich kommen wir spät abends in Griechenland an. Eine kleine verschlafene Taverne am Rande einer Tankstelle. Wir gehen schnell in die Taverne essen und müssen laut lachen, als wir endlich in unserem „Hotel“ in die Betten fallen und über uns der Sternenhimmel leuchtet und wir schnell, auch ohne Muezzingesänge, einschlafen.

Und wer bis hierher gelesen hat, kann mir bestimmt auch den Tipp geben, wie ich die rund 50 Fotos zu diesem Reiseberichtsabschnitt einfügen kann.Ich schaffe hier nur 4. Mehr nimmt die Seite nicht an.

Danke!

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Hier findest Du vielleicht schon, was Du suchst: Artikel auf eBay oder versuchs hier bei Amazon

BPHennek am 14 Mär 2007 23:39:00

Macht mir keine Lust die Tour nachzumachen...

lupo3 am 15 Mär 2007 03:22:48

BPHennek hat geschrieben:Macht mir keine Lust die Tour nachzumachen...


Komisch, mir geht es genau umgekehrt .......

Lupo3

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Tipsel am 15 Mär 2007 09:24:22

Also ich habe diesen Bericht genossen. Gemütlich bei Cappu und Zigarettchen auf die schöne Asphaltdecke vorm Fenster geschaut und mich an eine kleine Strecke unsrer Polenfahrt erinnert. Das war ja sowas von harmlos und wir wollten da schon nicht mehr weiter fahren :oops:

Aber Istrien bauen wir irgendwie im Herbst noch ein.

Danke für den eindrucksvollen Bericht und ich freu mich schon auf eine Fortsetzung.

Übrigens kannst du deinen Bericht abschnittsweise reinsetzen und jeweils 4 Bilder anhängen. Oder die Bilder irgendwo auf einen Server legen und verlinken, dann passen wesentlich mehr rein.
Eine weitere Möglichkeit ist ein Album anzulegen, ich hab eines bei Medion. Das ist kostenlos und mit dem Link dazu können wir uns alle deine Bilder angucken.

Das sieht dann z.B. so aus

--> Link

Gast am 15 Mär 2007 10:48:04


Gast am 16 Mär 2007 10:29:48

Tag 15 und 16: Meteora, vom Himmel gefallen?
Der erste Tag in Griechenland beschert uns unglaubliche Landschaften.
Wie bereits in den letzten Tagen stehen wir auch heute relativ früh auf. Um 8:00 Uhr ist das „Hotel“ fertig zum rollen. Rund 28 Kilometer sind es nun bis Ioanina, von wo wir links abbiegen Richtung Metsovo und dann weiter nach Meteora, dem Ziel der heutigen Etappe, am Tag 15 unserer Reise.
Schon wenige Kilometer hinter Ioanina führt die Straße steil hinauf in die Gebirge und bietet phantastische Panoramen. Der Blick zurück über Ioanina wird natürlich gleich festgehalten. Ein riesiges Tal mit dem Lake Ioanina bietet etwas fürs Auge und die Kamera.
Weiter geht’s tief in und auf die Berge. Alle Kuppen sind schneebedeckt und wir ahnen jetzt noch nicht, dass auch uns unser erster richtiger Schnee für dieses Jahr erwarten wird. Rechts von uns strahlt der 2295 Meter hohe Lakmos in der Sonne. Drei Pässe müssen wir fahren, um nach Meteora zu gelangen. Der höchste ist der 1705 Meter hohe Afhin Kataras. Hier oben schneit es und rechts und links türmen sich bis zu zwei Meter hohe Schneewälle. Die Straße ist gut geräumt und wir kommen gut voran.
Die Berge zu unserer Linken verfügen über gefasste Quellen an der Straße. Trinkwasser! Wir füllen die Tanks auf und weiter geht’s. Von dem Ort Metsovo, den wir gerade passieren liegen nochmals 55 km nach Meteora vor uns. Es geht hinab ins Tal, die Sonne scheint wir erleben Aussichten die man sonst nicht einmal von Postkarten her kennt.
Ein paar Kurven und er liegt vor uns, Meteora, der Felsen, oder besser die Felsformationen. Mächtig, schwarz, fast unheimlich ragen sie als markanter Punkt aus der thessalischen Ebene heraus.
Viele Wissenschaftler haben versucht die Entstehung dieses Fels-Phänomens zu erklären. Der deutsche Geologe Al. Philippson deutet es wie folgt: Die Felsen seien durch Geröllablagerungen aus einem Urstrom entstanden der in Jahrtausenden hier, in der thessalischen Ebene, seinen Weg zum Meer suchte. Die gewaltigen Wassermassen haben bizarre Spuren tief in das Meteora-Gestein hinein gegraben, sie rund geschliffen, durchschnitten und die Wasser haben an ihnen gefeilt.
Eine solch ungewöhnliche Formation von Felswänden und Bergen, als herausragender, hoch in den Himmel weisender Dorn, eingebettet in einer Ebene, muss für die Menschen aller Zeiten etwas besonderes und ungewöhnliches gewesen sein. So ist es kein Wunder, das diesem Platz schon bald eine spirituelle Bedeutung zugeschrieben wurde. Das man hier, in den Bergen der Meteora, dem Himmel besonders nah sein konnte, die Ruhe und Abgeschiedenheit von der Welt erleben durfte, war für die ersten Eremiten, die bereits vor dem zehnten Jahrhundert nach Christus, hier Selbstfindung, Selbsterkenntnis und das Göttliche durch Meditation finden wollten, ein idealer Platz.
Eine ausführliche Information in allen Sprachen kann man sowohl in Kalambaka am Fuße der Meteora, wie auch in Meteora selbst für nur € 4,00 erwerben.
In dieser Farbbroschüre werden die Geschichte der Steine, die der ersten Eremiten, bis zum Bau der ersten Klöster beschrieben. Einst waren es über 30 Klöster, die auf die Kuppen der steilen Einzelfelsformationen in abenteuerlicher Art und Weise errichtet wurden.
Wir können nur Jedem empfehlen die 120 Kilometer von Ioanina oder knapp 200 Kilometer von Igoumenitsa in Kauf zu nehmen, um sich an dieser Bilderbuchlandschaft zu berauschen. Für die nächsten 2 Jahre mag die Anfahrt noch beschwerlich über die Passstrecken gehen. Doch ist bereits eine Autobahn so gut wie fertig gestellt, um den Reisenden schnell nach Meteora zu bringen. Dennoch hat die Passstrecke seine absoluten Reize und ist mehr als zu empfehlen.
In Kalambaka angekommen stellen wir sehr schnell fest, dass es sich hier um einen typischen Touristenort handelt. Selbst jetzt in den späten Novembertagen des Jahres 2005 wälzen sich Busse und Touristen durch die engen Gassen und Straßen.
Wir wollen zur allgemeinen Verkehrsdichte nicht beitragen und fahren weiter nach Kastraki, kommen so dem Naturschauspiel wesentlich näher, haben unsere Ruhe und können unbehelligt und fast alleine die Strecke die sich zu den Höhen der Meteora hinaufschlängelt mit unserem immerhin 7,20 Meter Hotel in Ruhe antreten. So erreichen wir leicht einige der noch über 20 intakten Klöster mit dem Reisemobil. Parkplätze vor den Klöstern gibt es zu dieser Jahreszeit mehr als ausreichend. Uns begegnen jedenfalls hier oben in den Höhen der Berge keine Touristen.
Wir genießen prachtvolle Ausblicke und vom Kloster des Heiligen Stephano kommend in Richtung Kastrati befindet sich ein kleiner Höhenparkplatz, den wir nutzen, um den Sonnenuntergang in der Meteora zu genießen. Die Sonne entschwindet hinter dem 2204 Meter hohen Tringia. Das thessalische Tal wird in allen Farbspektren des Universums ausgestrahlt, die Felsen erhalten eine orangenfarbige Tönung zur sonnen- zugewandten Seite und alles um uns herum wird irgendwie unwirklich.
Ich denke wir haben noch nie einen Platz auf dieser Erde besucht, an dem wir dermaßen viele Fotos geschossen haben. Erst abends im Camperhotel, beim runterladen der Fotos auf mein Powerbook, stelle ich fest, es waren 206 Fotos, gelungen Fotos.
Wir vermögen nicht zu sagen, wo der die Meteora im Sommer besuchende Reisemobilist gut parken kann. Es gibt vor Kalambaka und auch in Kastrati Campingplätze zur genüge. Wir hingegen haben die freie Auswahl und entscheiden uns für einen Naturparkplatz direkt unterhalb der Meteora von Kastrati in die Berge führend und erleben hier, zwischen zwei Felsformationen einen tollen Fernblick auf die Lichter der Stadt Kalambaka.
Wir möchten es an dieser Stelle noch einmal wiederholen! Wir haben selbst fast die gesamte Welt bereist. Sollten wir unter allen Plätzen die wir gesehen haben die zehn Eindrucksvollsten, in der Kategorie Landschaften, listen und zwar die, die uns am meisten fasziniert haben, würde die Meteora unter den ersten Fünf liegen.
Besuchen Sie die Einmaligkeit dieses Stückchens unserer Erde und wir sind sicher, Sie werden mehr als begeistert sein.
Gerne hätten wir an den einsamen Felsen der Meteora mehr Zeit verbracht. 1,5 Tage sind bestimmt zu kurz, um zu würdigen was die Erde hier für uns geschaffen hat. Jedoch ist schon jetzt auch die Meteora in den Kammlagen verschneit, nachts wird es empfindlich kalt und es dürstet uns einfach nach wärmeren Gefilden. So versprechen wir uns und den Bergen wieder zu kommen, zu einer anderen, etwas wärmeren Jahreszeit und verlassen das Nataurspektakel am 16. Tag unserer Reise.
Auf dem Rückweg nach Ioanina dürfen wir das Naturschauspiel rückwärts erleben. Wieder gewinnen wir neue Eindrücke und schießen so manches Foto.
Wir passieren Ioanina und weiter geht’s durch die Berge nach Igoumenitsa, wo wir gegen 14 Uhr ankommen. Igoumenitsa ist ein Hafenort. Hier kommen Menschen, Waren, Autos, Maschinen und Träume an, werden ver- oder entladen und gehen wieder. Der nette Herr an der Tankstelle sagt es treffend: „Hier lässt man seine letzten Pfennige nach dem Urlaub!“
Igoumenitsa selbst hat keine großen Reize, gleichwohl aber die vorgelagerte Insel Korfu, die wir ebenso gerne besucht hätten. Im Hinblick auf unsere künftige Reiseroute und der Möglichkeiten Inseln über Inseln zu sehen und zu bereisen, verzichten wir diesmal auf diese Perle vor der nördlichen Westküste Griechenlands.
In Igoumenitsa gibt es, von Ioanina kommend, direkt am Ortseingang rechts einen Lidl-Markt. Dies nur für diejenigen, die sich preiswert mit Dosen versorgen möchten. Selbst Bier ist in Griechenland relativ teuer. Da lohnt sich vielleicht ein Stopp bei dieser deutschen Diskounterkette. Das soll aber keine Schleichwerbung sein und wir versichern, das Lidl keinen Cent zur Herausgabe dieses Buches beigesteuert haben.
In Igoumenitsa gibt es, direkt am Ortseingang, ca. 1 km hinter dem Lidl-Markt, einen kleinen lokalen Markt mit allem möglichen. Man kann das Lädchen nicht übersehen, denn es stehen Gasflaschen draußen an der Straße. Hier bekommen wir sogar eine deutsche, graue 11 Liter-Flasche, gegen eine ebenso deutsche, rote, Flasche getauscht. € 16,50 zahlen wir und sind zufrieden, denn nun haben wir mit 22 Litern Gas im Schrank erst einmal Ruhe mit dem Nachschub, der sich in Griechenland bisweilen, wegen der andersartigen Anschlüsse, schwierig gestalten kann.
Nun wird es Zeit ein Plätzchen für die Nacht zu finden. Wir durchfahren Igoumenitsa in Richtung Parga. Nur wenige Kilometer weiter, in der Bucht von Plataria werden wir fündig. Ein Kilometer Strand, da wollen wir ruhen für die Nacht. Direkt noch vor der Brücke am Ortsausgang biegen wir rechts in eine kleine Zufahrtsstraße zur Beach. Mindestens 500 Meter Uferstrasse, mit oder ohne Beleuchtung, mit oder ohne Palmen, mit oder ohne Eukalytusbäumen, warten auf unsere Auswahl. Wir entscheiden uns für die Palmen und schauen des Nachts hinüber auf die Lichter Korfus.
Ein schöner Tag geht zu Ende. Noch lange reden wir über die Meteora und mit diesem Platz im Gedanken schlafen wir tief und friedlich und vor allem ungestört.

Gast am 16 Mär 2007 10:31:39


conga am 16 Mär 2007 10:55:32

Hallo Jeff,
Deine Berichte sind höchst interessant und Deine Bilder eindrucksvoll.
Aber leider hat sich in Deiner Diaschau der Fehlerteufel eingeschlichen. Viele Dias sind doppelt drin (z.B. die Korbach-Serie, die "Holzbrücke",..) und irgendwie ist die Reihenfolge durcheinander.
Dadurch wird es sehr schwierig die Diaschau mit Deinen Reiseberichten zusammen zu bringen. Das ist schade um die viele Mühe und die tollen Eindrücke, die Du vermittelst.
Vielleicht kriegst Du das ja geregelt. :razz:

topolino666 am 16 Mär 2007 11:57:50

Hallo Jeff!

Toller Reisebericht - weiter so!

Eine Frage an Dich, (und eventuell auch an einen / den Admin):

Der Übersicht halber wäre es nicht möglich Deinen Reisebericht als "Fortsetzungsroman" in einem Thread zu schreiben?

Vielleicht findest Du (oder noch jemand) meine Idee gut, und ein lieber Admin bastelt uns das wieder in einen Thread zusammen!?

Nur so als Idee :oops: - keinesfalls als Kritik!!



topolino
Matthias

eva b. am 16 Mär 2007 15:09:15

Wie steht's in Deinem Profil:
... neue Grenzen finden, die ich überschreiten kann
Die hast Du in Albanien anscheinend gefunden :wink:
Sehr schön geschrieben, sehr anschaulich - beim Lesen war ich mit auf der Holperstrecke und ich hatte den Geruch von angegammelten Hammelfleisch in der Nase :( :D Nein, Albanien gehört nun wahrlich nicht zu meinen Urlaubsfavoriten.
Jetzt bin ich sehr gespannt, wie es Euch in Griechenland ergangen ist....

Hoppimobil am 16 Mär 2007 18:19:20

Toller Bericht, Fotos sind auch super, seit ihr in Kroatien über die neue Autobahn Rijeka in Richtung Süden oder über die Küstenstraße hauptsächlich?

Aretousa am 16 Mär 2007 19:51:11

Mir geht es wie Conga- toller Bericht und tolle Fotos- aber wo fängt was an? Wenn ich die Fotos von Meteora schauen möchte will ich natürlich nicht noch mal Albanien von vorne bis hinten durchblättern. Da lässt sich bestimmt was machen

Aretousa am 17 Mär 2007 13:07:15

Oh, dein Bericht lässt mich mal wieder träumen und die zu machende Hausarbeit vergessen. Ich hab in den letzten fast 30 Jahren auch fast alles in Griechenland gesehen wo auch du nun warst, aber immer nur häppchenweise, nie im Winter dafür Ostern und Herbst, zum ersten mal mit Zelt in den siebziger Jahren (u.a.Meteora). Und seit K.Wecker in den 80ern sang "wenn ich einmal Rentner bin" träume ich auch vom endlosen Reisen. Damals trafen wir Überwinterer in der Türkei.- Wie habe ich sie beneidet. Alles in allem waren wir nun auch mehr als ein halbes Jahr in Griechenland (kann man sich gar nicht vorstellen) nur leider müssen wir immer spätestens nach 3 Wochen zurück. Schön die Schneeaufnahmen, kann sich jemand der das Land im Juli /August bereist bestimmt gar nicht vorstellen.
Mich interssiert- weiß nicht, ob du es schon geschrieben hast, hast du eine Auszeit genommen für diese lange Reise oder bist du in der glücklichen Lage nun ohne Urlaub immer reisen zu dürfen???? Und über welchen Zeitraum erstreckte sich die Reise- irgendwo habe ich als Datum Dezember entdeckt....
Ich freu mich aufs Weiterlesen, -schauen und -träumen
Aretousa

Gast am 17 Mär 2007 16:44:49

Tag 17 + 18: Hades und im Vorraum zum Reich der Toten
Am nächsten Morgen folgt was sich so eingebürgert hat. Der obligatorische Kaffee, ein paar Plätzchen und ein rascher Aufbruch in den neuen Tag.
Unsere Zieletappe ist Preveza, rund 100 Kilometer von unserem Nachtlager entfernt. Unterwegs wollen wir Parga besuchen und auf keinem Fall einen Bogen um das Nekromanteion, Morfi und Mesopotamo schlagen.
So liegt ein relativ ruhiger Sonntag vor uns.
Draußen sind es 18 Grad, Sonnenschein, das Meer hat auch immerhin noch 17 Grad, was wollen wir mehr, sehen wir doch abends im Fernsehen die Bilder aus Deutschland und einem Münsterland, in dem nichts mehr geht, nicht mal mehr der Strom und alles im Schneechaos versinkt. Da haben wir es schon etwas besser und soviel gemütlicher.
Wir entscheiden uns nicht für die Hauptstraße und rollen die Küstenstraße mit ihren verträumten Buchten entlang nach Parga. Parga ist ein stiller und sehr beschaulicher kleiner Ort. Erste griechische Romantik kommt in uns hoch. Weiße und leicht in Pastell gehauchte Fassaden an einer wunderschönen Bucht mit einem kleinen auffallend grünen Inselchen davor. Ein Besuch lohnt sich allemal. Parken kann im Sommer hier sicherlich zu einem Problem werden, denn die Küstenstraße ist schmal und für unser Hotel können wir auch keinen Parkplatz für die Nacht erspähen. Gerne wären wir vielleicht geblieben, denn Parga hat sehr viel Idylle, Charme und Charakter, auch wegen seiner venezianischen Festung und dem Blick auf die Insel Pax mit ihren uralten Olivenhainen.
Wir folgen weiter der Küstenstraße nach diesem kurzen Besuch. 20 Kilometer weiter schauen wir aus der Bergregion hinab auf das Delta des Gliki-Flußes. Vor uns liegt ein Tal mit einem Hügel der in der griechischen Antike eine so große Bedeutung hatte. Hier suchten die antiken Griechen nach dem Orakle des Todes. Unter einer kleinen viel später gebauten Kapelle ist der Vorraum zum Reich der Toten, heute wieder zu besteigen. Den Toten wurde unterstellt die Zukunft schauen zu können und die Besucher dieser Anlage in antiker Zeit wurden nach langen Vorbereitungen, Klärungen und Reinigungen durch die hohem Priester in diesen Raum eingelassen, um die Geister ihrer Ahnen zu befragen. Acheron der Totenfluß fließt hier ins Meer, der Fluss der die Toten von den Lebenden trennt, so die Sagen. Hier befuhr Charon der Fährmann den Acheron und beförderte nur die Toten, die ein Geldstück unter ihrer Zunge, oder hinterm dem Ohr trugen. Zerberus, der Höllenhund, wachte hier Einst über das Reich der Toten.
Ein lohnender Besuch. Information über die ganze Geschichte dieses vor langer Zeit so bedeutenden Platzes erhält man direkt am Eingang zu den Ausgrabungen, kostenlos!
Ein lohnender Stopp für rund 2 Stunden auf dem Weg nach Prevenza ist diese Anlage auf jeden Fall wert.
Am frühen Nachmittag erreichen wir den Ort Kanali. Hinter Kanali in Richtung Süden und nach ca. einem Kilometer biegen wir wieder rechts auf die der Hauptstrasse parallel folgende Küstenstraße ab. Nach nochmals ca. 300 Metern sehen wir rechts von uns einen ca. 10 Kilometer langen Feinkiesstrand und rechts eine kleine Duschanlage. Hier gibt es Trinkwasser, ein kleines Wäldchen zur Linken und der Möglichkeit mal zwei Tage in Ruhe zu genießen und den inzwischen beträchtlichen Wäscheberg zu verarbeiten.
Wir legen Pause ein, reinigen unser Hotel erneut und waschen was zu waschen ist. Wasser finden wir hier im Überfluss. Parken können wir mit Blick über die Bucht. Ein zu dieser Jahreszeit sehr ruhiges Plätzchen.
Tag 19: Inland: Preveza nach Messolongo 150 km
Am Tag 19 geht es weiter. Erste Etappe die Stadt Preveza und dann einen 150 Kilometersprung an die Südküste Griechenlands. Der Besuch Prevezas ist kein Muss. Preveza ist eine Hafenstadt mit allerlei Fähranbindungen. Charme und Charakter eher weniger. Es ist ein Logistikport mit den üblichen Geschäften und Restaurants am Ambrakischen Golf. Wir sind nicht allzu fasziniert, tätigen unsere Einkäufe und verlassen Preveza so schnell wie wir kamen. Geschichtsinteressierte können erfahren, dass vor Preveza, bei Aktion, am Ionischen Meer, eine der größten Seeschlachten der Antike geschlagen wurde. Octavian kämpfte hier mit seiner kleineren aber wendigeren Flotte gegen die auf schweren Galeeren rudernden Seeleute des Antonius. Zum Andenken an diesen Sieg ließ Octavian die Stadt Nekopolis errichten. Nach vielen Jahrhunderten von Überfällen und Brandschatzungen sind nur noch Ruinen und Trümmer übrig geblieben.
Es geht weiter Richtung Südküste und zum Nachtziel unserer Tagesetappe Messolongi.
Hinter Preveza durchfahren wir für € 5,00 den Tunnel, der uns an das andere Ufer und wieder auf die Hauptstraße bringt. Von nun an gibt es nichts Besonderes zu berichten. Die Landschaft ist bergig aber nicht besonders spannend. Wir umfahren den Ambrakischen Golf über die Straße 42 oder auch E 952 durch Vonitsa. Hier gibt es eine kleine Insel mit einer langen steinernen Brücke zum Kirchlein der Insel.
Es folgen die Orte Amfilohia, das riesige und industrielle Agrinio gefolgt von Messolongi.
In Messolongi finden wir einen traumhaften Stellplatz für die Nacht. Er befindet sich direkt am Hafen, ist gut ausgeleuchtet und bietet uns wieder einmal einen herrlichen Blick über die Bucht bis hinüber zu den Inseln und zur größten griechischen Halbinsel, Peloponnes. Zum ersten Mal auf unserer Reise erleben wir einen roten Winterhimmel. „Die Engel backen Plätzchen“, wurde uns Kindern immer erzählt.
Messolongi liegt auf einer flachen Halbinsel. Sie ist die Stadt des Freiheitskampfes der Griechen gegen die Türken (1821-1827). Nach monatelanger Belagerung brachen die Griechen aus und wurden von den Türken niedergemetzelt. 1937 wurde Messalongi zur heiligen Stadt erklärt. Der Heldenpark (Heros Thomb) erinnert an diese blutige Schlacht zweier Völker. Wer tiefer in die Geschichte dieser Stadt einsteigen möchte ist gut beraten, sich die Informationsbroschüre im Rathaus zu holen. Sie ist kostenfrei.
Von unserem 5-Sterne-Nachtplatz beobachten wir das Farbenspiel des Sonnenuntergangs in der Bucht von Messolongi.

Tag 20: Südküste: Nafpaktos mit alter Festung und Wehrtürme
Nafpaktos, nur 10 Kilometer von der Brücke, die über den Golf von Patra auf die Halbinsel Peloponnes führt, ist absolut einen Besuch wert. Gleich morgens machen wir uns auf den Weg Nafpaktos zu erkunden und finden ein mehr als lohnendes Ziel. Die Stadt liegt in einer Bucht am Korinthischen Golf und gilt als ein beliebter Urlaubsort. Hier finden wir was wir auf unseren Reisen immer suchen; Ursprünglichkeit, Originalität, Charme, Geschichte und Charakter und zu allem Überfluss einen „Hotel-Parkplatz der Sonderklasse am westlichen Ende der Hafenpromenade, in der Nähe des Spaßbades. Die Stadtmauern der Stadt sind venezianischen Ursprungs und stammen aus dem 16. Jahrhundert. Es gibt einen Burgberg mit Mauern und Türmen und einen großartigen Blick auf den 1926 Meter hohen Panahaiko, auf der gegenüber liegenden Halbinsel Peloponnes. Wir empfehlen den Besuch der Altstadt und der alten Hafenbefestigungen mit ihren kleinen mittelalterlichen Wehrtürmen, den Kanonen aus grauer Vorzeit, sowie das schlendern durch die Gassen von Nafpaktos, wo wie vor Hunderten von Jahren die Fischer am späten Vormittag ihre Fänge zum Verkauf feilbieten. Nafpaktos hat eine bewegte Geschichte, gehörte einst dem Stamm der ozolischen Lokrer und war später die Hauptstadt Ätoliens. 146 v.Chr. eroberten es die Römer. 1403 wurde die Stadt an die Venezianer verkauft. 1499 hatten sie die Türken erobert und hielten diese Stadt bis 1829 mit der Unterbrechung 1687 – 1700, während der venezianischen Besatzung. So finden sich viele Zeitzeugen in Form von Baudenkmälern und dieser schönen, antiken Stadt.
Heute geht der Monat November zu Ende. Wir sind nunmehr 3 Wochen unterwegs. Immer wieder schauen wir uns die inzwischen 500 geschossenen Fotos an. Unglaublich was man in nur drei Wochen bereisen und erleben kann. Diese Möglichkeit bietet eben nur der Vorteil eines Hotels auf 4-Rädern.

Tag 21: Peleponnes: Von Patra nach Olympia 214 km
Der Peloponnes ist eigentlich eine Insel südlich des kontinental-griechischen Festlandes, mit dem sie über Brücken verbunden ist. Dennoch bezeichnen sie die einen als Festland, andere sprechen von einer Halbinsel. Die Küsten der Peloponnes liegen am Ägäischen – und Jonischen Meer. Sie bilden zahlreiche Golfe: den Saronischen und den Argolischen im Osten, den Lakonischen und den Messenischen im Süden, den Kyparissia im Westen, sowie den von Patras und Korinthischen im Norden. Die ältesten Funde datieren aus der Jungsteinzeit (6000 – 3500 v.Chr.) Die ersten Griechen kamen 2000 v.Chr. auf die gebirgige Halbinsel. Viel gibt es an Sagen, Geschichte und Entwicklung der Peloponnes zu berichten, zu viel, um es diesem Reisetagebuch anzuvertrauen. Wir empfehlen den Kauf eines Buches über die 8500-jährige Kultur Griechenlands.
Die Sonne geht gegen 8:00 Uhr auf. Die ganze Nacht hatte es geregnet und nun Sonnenlicht und Wärme, ein strahlend, blauer Himmel, als wir Nafpaktos verlassen.
Wir folgen der E 65 zur Brücke, die uns über den Golf von Patras und somit auf die Peloponnes führt. Eine hochtechnisierte, anmutige und im Sonnenlicht glänzende Metallkonstruktion von knapp einem Kilometer Länge verbindet die Westküste Griechenlands mit Patra. € 15,50 zahlen wir an Mautgebühren. Die Fähre wäre billiger gekommen, aber dann hätten wir nicht so eindrucksvolle Fotos von der Überfahrt schießen können. Dank fehlender Beschilderung gelangen wir auf die Autobahn nach Athen, wollten aber entgegengesetzt nach Patra. An der Mautstation wird der Irrtum aufgeklärt. Wir zahlen € 4,20, ohne die Autobahn zu benutzen, dürfen dafür aber darauf wenden. Nun stimmt die Richtung wieder, es geht zur Westküste. Die Großstadt Patra lassen wir rechts von uns liegen und steuern hoch hinauf in die Berge um Kalogria zu erreichen. Wir haben uns für heute gleich mehrere Ziele gesetzt und beschließen dort zu bleiben, wo sich uns einmal mehr und wieder etwas Besonderes bietet. Kalogria ist einen Besuch wert, stellen wir sehr schnell fest. Im äußersten Nordwesten der Peleponnes gelegen, säumen ein 15 Kilometer langer Walloneneichenwald, Aleppokiefern und eindrucksvolle Schirmpinien die Straßen und Strände. Vorbei geht es am Prokopos-See über dem eine rot-braune Felswand aufragt. Völlig einsam und verlassen finden wir den kleinen Ort vor. Die wenigen Hotels geschlossen und der Strand verwaist. Wir schauen uns um und beschließen weiter zu fahren. Dieser Platz ist uns nun doch zu einsam, außerdem ist der Tag noch früh, es ist erst 9:30 Uhr.
Die nächsten Etappen zur Auswahl lauten Kilini, Loutra Kilini und Olympia. Kilini durchfahren wir kurz. Hier finden wir nichts was und bewegen könnte den Tag zu beschließen. Loutra Kilini hingegen beschert uns eine Überraschung. Zum einen fühlen wir uns landschaftlich in die australischen Subtropen versetzt. Riesige Eukalytusbäume und ein durchaus subtropisches Klima. Wir erreichen den Platz der antiken Thermen. Es riecht unangenehm faulig, sprudeln hier doch aus dem Boden warme Schwefelquellen. Schon die alten Griechen wussten dies zu schätzen und wählten diesen Platz für den Bau ihrer Thermen. Nur die altertümlichen Grundmauern sind noch zu sehen, aber ein nicht aus der Antike stammender Rundbau, für die Vergnügungen nach dem Bade, ist recht gut erhalten. Ich wage ein kurzes Bad in dem Schwefelwasser und glaubt man der Nase meiner Frau, … stinke nun wie der Teufel höchstpersönlich. Ein Gläschen Schwefelwasser und es geht weiter Richtung Pirgos.
Vor Pirgos wandelt sich die Landschaft erneut. Sie wird milder und erinnert mit den aufstrebenden Zypressen an die Toskana Italiens. Pirgos als Metropole steuern wir gar nicht erst an und bleiben auf der sehr gut ausgebauten Piste und noch 21 Kilometer bis nach Olympia.
Die neue Stadt Olympia selbst gleicht eher einer architektonischen Geschmacksverirrung. Sie muss sehr schnell und nur im Hinblick auf optimale Flächenschaffung entstanden sein. Sie besteht zu einem großem Teil aus hässlichen Betonfertigteilen und Shop an Shop reiht sich, mit dem gleichen Sortiment an Nachbildungen antiker Vasen, Büsten, Schmuck, Schalen und Teller, was sich an den Touristen bringen lässt.
Der Großparkplatz am Ende der Stadt, auf dem Wege zu dem historischen Stätten, bietet sich für die Nacht an und wir beschließen mit einem Besuch der antiken Stätte Olympias den Tag zu beschließen.
Das antike Olympia liegt im Tal, umgeben von Pinien, Pappeln, Platanen und Zypressen. Die kleinen Flüsse Alpheos und Kladeos durchfließen es. Der Eintritt in die antiken Stätten ist mit € 6,00 pro Person nicht überzogen. Von 776 vor Christus fanden hier, bis ins späte 4. Jahrhundert, alle 4 Jahre, die Olympischen Spiele statt. Olympia hat eine Verbindung zu Deutschland. Es war der Deutsche Ernst Curtius, der im Jahre 1875 die Rechte zu den Ausgrabungen für das Deutsche Archäologische Institut erhielt. Ein Rundgang über das antike Gelände vermittelt auch Dank deutsch- und englischsprachiger Schilder zu jedem einstigem Gebäude interessante Hinweise über Funktion und Geschichte und selbst eine Darstellung über das Aussehen in einstiger Zeit. Besonders Eindrucksvoll sind die Reste des Heratempels. Im Jahre 426 n.Chr. wurden die Anlagen und Tempel augrund eines Dekrets vom Kaiser Theodosius, der alle heidnischen Zeremonien und Stätten ablehnte, zerstört. Im 6. Jahrhundert n.Chr. sorgte ein Erdbeben dafür, dass von der einstig so großartigen Kultur-, Kult- und Sportstätte nur noch Trümmer übrig blieben. Aber, noch heute, wird alle vier Jahre das Olympische Feuer in dem antiken Olympia entzündet und von hier zu den Austragungsorten getragen. Dieser Platz findet sich ebenso auf dem Ausgrabungsgelände.
Am Ticket-Schalter und in den zahlreichen Souvenirläden gibt es umfassendes Kartenmaterial, Beschreibungen und Geschichtsbüchlein. Wir meinen, Olympia ist in jedem Fall einen Besuch wert.
4-5 Stunden reichen aus, um sich einen gründlichen Überblick zu verschaffen und Geschichte tief in sich aufzunehmen.
Achtung: Im Winter wird das Gelände bereits um 15 Uhr geschlossen.

Tag 22: Von Olympia nach Pylos 110 km
Olympia hat uns schwer beeindruckt. Wir sprechen noch den ganzen Abend über das Gesehene und die Eindrücke. Welch eine Kultur herrschte zu dieser Zeit, 600 Jahre vor Christus in diesen Ländern. Welch ein früher menschlicher Aufbruch hat sich in diesen Gefilden sich vor mehr als 2500 Jahren vollzogen.
Es geht weiter, Zielort für die nächsten Tage und das vor uns liegende Wochenende soll die Bucht von Navarino bei Pylos, am unteren Ende des westlichen Ausläufers sein.
Zurück über Pirgos fahren wir die E 55, oder Bundesstrasse 9 in südlicher Richtung. Der Asphalt ist perfekt, wie überhaupt die Straßen in Griechenland sehr gut ausgebaut und asphaltiert sind.
Vorbei an Karlo Nero, welches uns nun gar nicht begeistert biegen wir nun ab auf die kleine Küstenstraße Richtung Pylos, rund 35 Kilometer liegen vor uns. Sie ist sehr schmal und führt uns durch üppige Olivenhaine und ganze Olivenbaumplantagen. Die Ernte ist im vollen Gange. Überall an den Straßen stapeln sich Jutesäcke, prall gefüllt mit der begehrten Frucht, die uns das grüne Olivenöl schenkt.
Diese sehr gut asphaltierte, eher Weg zu nennende Piste, gefällt uns sehr. Sie bietet gute Einblicke in die Landschaft und somit auch das Leben der einfachen Leute hier auf dem Lande. Gegen Nachmittag erreichen wir die Bucht von Navarino und machen, zum ersten Mal auf unserer Reise auf einem Campingplatz halt. Wäsche ist einmal mehr fällig und diesmal soll es komfortabler zugehen, als letztens, wo Brigitte alles mit der Hand gewaschen hat. Der Campingplatz Navarino hat ganzjährig geöffnet. Er ist nicht gerade eine Perle, was die Sauberkeit und Zustand der Anlagen, anbetrifft. Wir aber freuen uns über ausgiebiges Duschen und stellen ebenso zum ersten Mal auf dieser Reise unseren Tisch und die Stühle direkt an den Strand. So sitze ich hier auch und schreibe diese Zeilen. Neben mir rauscht das Meer, ich kann auf einen alten, großen, gestrandeten Fischtrawler schauen, dessen dem Meer zugewandte Seite völlig vom Rost zerfressen und zur Landseite noch erahnen lässt, das er einmal die Farbe Grün trug. Im Meer schauen wir auf die Insel Sfaktira, die lang gezogen, fast die gesamte Bucht abschirmt. Hier in der Bucht fand eine für die Griechen entscheidende Seeschlacht statt. Im Freiheitskampf des Jahres 1827 löste das Ungeschick, oder die Nervosität, eines türkischen Seemannes die vernichtende Schlacht aus. Er zündete wohl unbeabsichtigt den ersten Kanonenschuss, so die Überlieferung. Dieser wurde dann als Angriff bei den alliierten Flotten bestehend aus Franzosen, Engländern und Russen interpretiert. Das Ergebnis war für die türkisch-ägyptische, von Ibrahim Pascha befehligte, Flotte verheerend. Innerhalb von vier Stunden wurden von den 88 Schiffen der Türken und Ägypter ganze 55 versenkt. Die Schlacht war geschlagen, die Ibrahim Pascha und seine Seekrieger unterlagen. Die Griechen indes waren in ihrem Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit weiter gekommen.
Wir schauen über die Bucht, stellen uns vor, wie Hunderte von Booten, ganze Armaden, da draußen segeln. Wir können den Donnerhall der Kanonen, deren Echo von den steilen Felshängen zurückgeschallt wird, fast noch hören. Vernehmen die Rufe der Offiziere, das Schreien der Mannschaften und das Wehklagen der über Board gehenden Matrosen. Fast riechen wir noch den Brand des Schwarzpulvers, welches die Bucht in einen dichten Nebel des Todes getaucht haben muss. Die Seeschlacht ist gerade mal 178 Jahre her. Gut 3 Generationen, wenn man so rechnet. Heute sitzen wir friedlich und hoch technisiert mit einem Powerbook an diesen Gestaden. Wie schnell hat sich doch diese Welt entwickelt.
Auf der Insel Sfaktira, deren rot bis ockerfarbenen steilen Klippen bis zu 90 Meter tief in das Meer hinabfallen, erinnern Denkmäler, an die vielen Opfer dieser großen Seeschlacht, deren Auslöser vielleicht wirklich nur diese eine türkische Matrose war. Wie wäre diese Geschichte ausgegangen, hätte er nicht die Lunte gezündet. Hätten die Türken angesichts dieser Übermacht ihr Heil in der Flucht gesucht und es wäre gar nicht erst zu der erbitterten Seeschlacht mit vielen Hunderten Toten gekommen?
Der Tag klingt für uns aus, hinter Sfaktia verschwindet die Sonne und schenkt uns noch einmal für diesen Tag ihr abendlich rotes Licht. Es ist Winter, der 2. Dezember, wir sitzen in kurzen Hosen und freiem Oberkörper hier am sandigen Strand der Bucht Navarino. Es sind noch knapp 20 Grad.
Brigitte kredenzt uns ein Glas Ouzo und der schmeckt zu unserer Pastete ausgezeichnet.

Freundliche Griechen …
Die Griechen sind wirklich lässige und äußerst freundliche Menschen. Ihre Hilfsbereitschaft ist mehr als rühmlich. Wie oft haben wir vor großen Kreuzungen gestanden und uns nach dem richtigen Weg gefragt. Viele Male, ohne selbst aktiv Fragen zu müssen, kamen Menschen an unser Fahrzeug und baten von sich aus Hilfe an. Ein älterer Herr fuhr sogar 10 Kilometer vor uns her, nur um sicherzustellen, das die Gäste seines Landes auch wirklich auf dem rechten Weg waren. Ein junger Mann wendet extra den Trecker mit Anhänger, um uns auch richtig um die nächste Weggabelung zu weisen. Wir fühlen uns überall sicher. Vorbeifahrende Bauern grüßen freundlich und wir fühlen uns als wirkliche Gäste dieses wunderschönen Landes.

… von der Umstellung zu reisen
Nach drei Wochen bemerken wir, wie der alte Stress nach und nach von uns abfällt. Habe ich bisher doch einen 12-16 Stunden Job gemacht, muss Körper, Geist und Seele sich wohl erstmal ans „baumeln“ gewöhnen. Bisher fast jeden Tag von einem Flugzeug ins andere, ist das mehr stetige und langsamere Reisen zunächst gewöhnungsbedürftig. Und noch etwas fällt uns auf. Auf ganz natürliche Art und Weise passen wir uns dem Tag an. Zu dieser Zeit wird es hier um 17:20 Uhr dunkel. Meist essen wir schon gegen 18:00 Uhr zu Abend, schauen kurz Nachrichten aus Deutschland, unterhalten uns über den Tag und das Erlebte und gehen dann meist schon gegen 20:00 Uhr müde zu Bett. Mit den ersten Sonnenstrahlen stehen wir auf. Das ist so gegen 7:30 Uhr. Ein völlig anderer Rhythmus, als wir ihn in Deutschland pflegten. Die Umstellung und der viele Schlaf bekommen uns sehr gut. Vielleicht nehmen wir langsam auch die Gelassenheit der Griechen an.
Mit dem doch engen Raum in unserem Hotel kommen wir auch gut zu recht. Alles läuft perfekt.

Tag 23: Pylos und die Bucht von Navarino 4 km
Wir lassen uns noch etwas Zeit auf dem Campingplatz. Der Tag beginnt sonnig, das Meer in der Bucht glänzt wie ein Spiegel. Noch muss die Wäsche etwas trocknen. Wir bummeln an den Gestaden der Bucht entlang. Besuchen nochmals den gestrandeten Fischkutter, von dem eine gewisse Faszination ausgeht und packen gegen Mittag unsere sieben Sachen. Einige wenige Minuten später, nach Kilometer Drei bietet sich ein herrlicher Panoramablick über das Küstenstädtchen Pylos. Wir halten, schießen ein paar Fotos und erkunden aus der Höhe bereits unseren Stellplatz für den Tag und die Nacht. Vor dem Hafen liegt eine riesige, befestigte Fläche. Ideal als Stellplatz. Bestens sogar, denn zur einen Seite haben wir Palmen und einen uralten metallischen Fischerkahn, zur anderen sehen wir die Landzunge von Pylos und die abgebrochenen Felsen der Insel Sfaktrina. Über uns riesige Laternen die alles ausleuchten. Das Gelände ist zu dieser Jahreszeit ziemlich verwaist und erlaubt uns das Hotel mit voller Breitseite zum Panorama zu parken. Wir statten Pylos auch sogleich einen kleinen Besuch ab. Direkt am Hafen befinden sich zahlreiche Kaffees, kleine Kneipen und allerlei Shops, die dies und jenes feilbieten. Zur Befestigung der Kleiderstange benötige ich 3 Schraubhaken. In Deutschland hatte ich solche schon in einem Baumarkt erstanden. Sie waren in einem Plastikdöschen ordentlich verpackt und ich durfte € 2,50 dafür bezahlen. Da bekomme ich in Pylos schon einen Preisschock der positiven Art, als ich hier für die lose Ware, völlig identisch in Qualität und Ausführung, nur ganze 14 Cent bezahle. Da stellt man sich dann doch die Frage, ob die ganzen großen Ketten in Deutschland eher Fluch oder Chance sind.
Pylos, 1828, nach der großen Seeschlacht gegründet, hat Charme und Charakter, genau das was wir immer suchen. Es macht Spaß die aufstrebenden, kleinen Gassen mit den zahlreichen Shops zu durchstreifen und gleichzeitig frisches Obst und Fisch einzukaufen. Hoch oben über Pylos thront die gleichnamige Burganlage.
Rund um Pylos gibt es dann auch noch interessantes zu erkunden. Entlang der nördlichen Küstenroute befinden sich die Ausgrabungen des antiken Nestor-Palastes aus mykenischer Zeit, ca. 1250 v. Chr. .
Homer berichtet, dass König Nestor von Pylos noch im betagtem Alter von 90 Jahren mit seinen Schiffen und Kriegern am Trojanischen Krieg teilgenommen hat.
Im Sommer, wenn Touristen in Pylos sind, herrscht reger Bootsbetrieb in der Bucht von Navarino, die einst von den Italienern so genannt wurde und ihren Namen bis heute beibehielt. Die Bootsführer bringen die Touristen zu der Insel und den Gedenktafeln für die gefallenen englischen, russischen, französischen und türkischen Kriegern zur See, die ihr Leben, in der Seeschlacht von 1827 lassen mussten.
Die Sonne scheint, die Batterien, der Frischwassertank und der Kühlschrank sind gut gefüllt und wir lassen für heute unsere Seelen baumeln. Es ist schließlich auch Wochenende.

Gast am 17 Mär 2007 16:51:41

Auszeit oder Einstieg in den Ausstieg?

„Toll, … ihr macht das völlig richtig!“ bis hin zu „ihr seid ja völlig verrückt!“ lauteten die Kommentare unserer Familie, Freunde und Bekannten als wir unseren „Plan“ vorstellten.
„Was wollt ihr durchfahren, den Iran? Pakistan? Ihr seid ja völlig lebensmüde!“
„Plan“? Hatten wir denn überhaupt einen Plan? Irgendwie schon und irgendwie doch nicht.
Wir wussten zumindest was wir nicht wollten und das war unseren alten Trott, das Alltagsleben so fortzusetzen wie bisher, das war unser großer Plan „A“ und erklärtes Ziel für mindestens ein Jahr.
Auszeit oder Einstieg in den Ausstieg? Noch wissen wir es selbst nicht an diesem trüben und nebligem 11. November 2005, 15:45 Uhr, am Faaker- See, unserem Zwischenhalt auf dem Weg nach Istrien und Beginn einer fast unendlichen Reise.
Wir schauen über den See der so ruhig vor uns liegt und nur wenig der Silhouette des anderen Ufers im Nebel frei gibt. So wenig, wie auch wir noch so wenig über unsere Zukunft, zumindest die nächsten 365 und ein Tag sehen können.
Doch die Nebel, die unsere Reisezukunft einhüllen werden sich sicherlich schon bald und Kilometer für Kilometer, lichten.
Unsere Gespräche drehen sich wie schon so oft vorher über das Abenteuer, eine so lange und große Reise anzutreten, irgendwo vielleicht sogar zu stranden, oder nach einem langen Jahr wieder nach Deutschland zu kommen.
Heute sind wir jedenfalls offen, offen für neue Ideen und abenteuerliche Wege und ganz besonders für die Tausende Kilometer vor uns.
Der Abschied fällt irgendwie leicht dieser Tage, der Himmel ist grau, die Temperaturen sinken um den Gefrierpunkt und die große Koalition streitet gerade darüber wie sie den Steuerzahler noch mehr belasten kann. Das Gespenst der Mehrwertsteuererhöhung geht um.
Derweil freuen wir uns über unsere Entlastung aus der Pflicht und das Wort „Mehrwertsteuererhöhung“ bekommt für uns ab morgen eine völlig neue Bedeutung. Zum einen erhöhen wir den „Mehrwert“ an Lebensqualität zu unseren Gunsten und zum anderen „steuern“ wir selbst einer neuen und sicherlich abenteuerlichen Zeit entgegen.
Auf zum Dach der Welt …
Wenig haben wir uns gerade nicht vorgenommen.
Von Deutschland bis zum Dach der Welt!
Über Österreich, Kroatien, Albanien, Griechenland, Türkei, Iran, Pakistan nach Indien und dann weiter nach Nepal und Tibet.
So die geplante Reiseroute.
Werden wir das überhaupt schaffen, hält das Fahrzeug durch, gibt es Probleme an den Grenzen? Was ist mit Erdbeben, Überschwemmungen, politischen Unruhen, Kriegen und Krisen; und wie sieht es überhaupt mit unserer Sicherheit in diesen von Unrast geplagten Ländern aus.
Diese Fragen stellen wir uns immer wieder. Die Antworten werden wir selbst noch suchen müssen und bestimmt auch finden.

Von immobil auf mobil umsteigen …
Wir haben unseren ansehnlichen Hobby-Bauernhof in der Nähe des Edersees in Nordhessen und unsere Stadtwohnung in Frankfurt am Main aufgegeben. Der Hof wurde in gute Hände verkauft. Die Wohnung vermietet.
Getauscht haben wir gegen ein Hotel auf vier Rädern das uns den langen Weg Hotel, Transportmittel und auch Büro gleichzeitig sein soll.

Gast am 17 Mär 2007 16:55:05


Gast am 17 Mär 2007 19:39:31

... ist mehrfach gesetzt.Album ist nun geordnet.

Gast am 18 Mär 2007 11:45:03

Tag 24: Methoni und Koroni, einst venezianische Burgen, 45 km
Kommen wir noch einmal zu unserem Stellplatz in Pylos zurück. Gegen Abend verlässt der alte Metallkahn den Hafen am Tau eines Schleppers. Nun eröffnet sich zu der Seite, wo er den Tag über lag auch noch ein zusätzliches Panorama auf das Hafenstädtchen Pylos. Wir haben nun einen herrlichen Panoramablick auf allen Fenstern unseres mobilen Hotels.
Die Nacht allerdings wird schlimm.
Gegen Abend versammeln sich erstmal lautstark Jugendliche, die offensichtlich mangels Diskothek ihre gut getunten Autos mit Kofferraumladungen voller Lautsprecher zum dröhnenden Einsatz bringen. Pylos wird vom Hafen aus regelrecht beschallt. Techno ist die Trend und es hämmert so auf uns rund 90 Minuten ein. Wir glauben inmitten des Umzuges der Love-Parade in Berlin geraten zu sein. Nach gut 1,5 Stunden brechen sie auf und eine friedliche Ruhe kehrt ein. Nur der Wind und das plätschern der Wellen an die Kaimauern schmeicheln nun unseren geschädigten Ohren.
Gegen 21:00 Uhr, nach einem opulenten Mahl aus Scampis in Mangosoße verschlägt es uns in die Kojen. Der Schlaf lässt nicht lange auf sich warten, um dann gegen 3:00 Uhr morgens ein jähes Ende zu finden.
Motorenheulen in höchsten Drehzahlbereichen, bei nicht zu überhörenden, offenen Auspuffrohren, lässt uns aus den Betten schrecken. Reifen quietschen, Gedröhn und Gedonner aus Lautsprechern. Ein Möchte-Gern-Schummi ist in Pylos auf Strecke gegangen. Er heizt durch den nun im Schlaf versunkenen Ort, die Küstenstraße und den Hafen. Nicht das er nur einfach schnell ist, nein, Reifenquietschen und Motorengeheul wechseln sich im Sekundentakt, ohrenbetäubend laut, ab. Die Berge reflektieren was Gummi und Drehzahl so hergeben und addieren, als wenn es nicht laut genug wäre, 2-3 Echos hinzu. Neben unserem Hotel werden dann in dieser Nacht die Bremsanlagen, nach vorheriger ausgiebiger Beschleunigung, auf Tauglichkeit zur Vollbremsung, getestet. Dann geht es erneut, nach dieser Art Boxenstopp, hinauf in die Gassen von Pylos. Man könnte sich auch in Monte Carlo zum Formel 1 Zeit wähnen. Nach rund 30 Minuten, inzwischen sind zahlreiche Zimmer in Pylos wieder beleuchtet, endet das Spektakel und wir schlafen erneut ein.
Kaum im Reich der Träume angekommen, es sind nur ca. 20 Minuten vergangen, wiederholt sich der Vorgang von neuem. Pylos erwacht erneut, denn nicht einmal der tiefste und gesündeste Schläfer könnte sich dem Orkan an Auspuffsound und radierendem Gummi auf Asphalt, widersetzen.
Erneut fallen wir, inzwischen ärgerlich, in den Schlaf und hoffen auf endgültige Bettruhe. Doch, weit gefehlt, kaum die Augen zu und die Gedanken in Träumen um die griechische Antike versunken, geht der „Zauber“ von vorne los. Spätestens jetzt wünscht sich wohl ein Jeder in Pylos, der sich die Ohren mit dem Kissen zuhält, dass es einen befreienden Knall geben möge, der offensichtlich „Wahnsinnige“ an irgendeinem Pfeiler zum stehen kommt und endlich Ruhe eingekehrt. Ruhe hingegen kehrt in Pylos erst gegen 5:45 Uhr ein. Ist der Möchtegern-Testpilot zu Bett gegangen, oder hat es ihn in irgendeiner Kurve zerlegt? Wir wissen nicht, jedenfalls jetzt noch nicht, sind so wütend, das es uns auch egal ist.
Um 7:00 Uhr geht wieder die Sonne auf, wir genießen, eher müde und unausgeruht von der lautstarken Nacht, unseren Morgenkaffee. Gerne wären wir noch ein oder zwei Tage in Pylos geblieben. Aber die Nacht hat uns genervt. Eine Polizeistation scheint es hier auch nicht zu geben und nochmals die gleiche Prozedur vom Einschlafen über Aufwachen und wieder und wieder von vorne, möchten wir nun wirklich nicht über uns ergehen lassen.
Zeitig brechen wir auf. Gegen 8:00 Uhr rollt das Hotel in Richtung Methoni, wo wir vielleicht bleiben werden, wenn uns einmal mehr das erwartet was wir sehen möchten, Charme, Romantik und ein ruhiger Stellplatz.
Methoni ist nur 11 Kilometer von Pylos entfernt. Wir durchfahren die Berge und genießen die fantastischen Blicke über das blaue Meer und die südliche Insel Shiza.
Kaum haben wir Kilometer 6 hinter uns gelassen sehen wir, was aus unserem Ruhestörer und Kamikaze-Pilot des frühen morgens geworden ist. Der fast neue und stark aufgemotzte BMW der Dreierreihe hängt noch mit dem Heck noch auf der Fahrbahn, die Front hat sich 3 Meter tiefer in den Erdboden eines Olivenhains gerammt. Auf der gegenüber liegenden Seite ist die Leitplanke arg zerknittert. Von dem stolzen Flitzer ist indes nicht viel übrig geblieben. Nur die Innenbeleuchtung scheint noch zu funktionieren. Im Wagen befindet sich niemand mehr.
Ist es das wirklich wert gewesen? Möge der Fahrer und jeder andere im Wagen an Weißheit gewonnen und nicht an Gesundheit oder gar Leben verloren haben.
Wir rollen weiter und erreichen Methoni, den Ort, der in vielen Reiseführern angepriesen wird. Einst war Methoni für die Venezianer der Kontrollposten und Herrschaftsraum über den Seeweg in der Ägäis. Methoni, auf einer Halbinsel erhaben situiert, profitiert von einer alten Festungsanlage und Burg. Sie ist eine der größten in Griechenland überhaupt. Bis ins 19. Jh. hinein verkauften die Türken hier ihre griechischen Gefangenen auf dem Sklavenmarkt. Freunde griechischer Geschichte sei die Besichtigung der Burg empfohlen, Methoni selbst hat indessen jeglichen Charme und Ursprünglichkeit, auf dem Karriereweg in den Tourismus, eingebüßt, empfinden wir. Die Stadt ist einfach unattraktiv. Zudem scheint ein Mammutprojekt auf den Weg gebracht zu sein. Alle, aber auch wirklich alle Straßen, sind aufgerissen. Baumaschinen und Materialien überall im Einsatz. Entsprechend dreckig mutet die Stadt heute an. Als wir dann im Hafen noch das erste Schild „Wohnmobile verboten“ unserer Griechenlandriese bemerken, haben wir von Methoni völlig die Nase voll. Methoni können wir nicht empfehlen und mit den Baustellen für die nächsten Jahre sicherlich schon gar nicht. Was dann aus Methoni geworden sein wird, vermögen wir nicht zu sagen. Wir jedenfalls rollen weiter!
Unser nächstes Ziel lautet Koroni, auf süd-östlicher Seite des westlichsten Ausläufers der messianischen Halbinsel.
Koroni wird in einem Reiseführer als verkommen und dreckig beschrieben. Die Stadt lädt aber schon bei der Anfahrt und von Weiten mit malerischen Buchten und weit ins Meer ragenden Felsen ein, den Test zu bestehen. Koroni, eine Perle auf unserer Strecke, oder doch eher eine Station die man schnell hinter sich lässt?
Wir haben gelernt Ausführungen in Reiseführern und Magazinen mit eigenen Augen und Empfinden zu hinterfragen. Diese Chance soll Koroni bekommen.
Durch kleine, enge Gassen durchwinden wir die Abfahrt zum Hafen. Es ist so eng, das unser Hotel kaum um die Biegungen herum kommt. Dafür bietet sich unseren Augen die absolute Überraschung. Ein kleiner, mehr als malerischen Hafen. Palmen entlang des Ufers und Hunderte dieser typisch bunten, griechischer Fischerboote auf den Wellen tanzend. Über dem Hafen thronen ebenfalls die Reste einer Burganlage aus venezianischer Zeit, wenn gleich nicht so gut erhalten wie in Methoni. Im Hafen angekommen versuchen wir den besten Platz für unser Hotel zu erspähen und stoppen kurz. Ein freundlicher Fischer kommt auf uns zu und weist uns einen Platz direkt unter Palmen, direkt in der Bucht mit Blick auf die vielen verträumt in der Sonne tanzenden Fischerboote und, was kann man mehr wünschen, Trinkwasseranschluss inklusive. Auch deutet er sogleich, dass wir hier kein Problem haben werden. Die Polizeistation ist nur 50 Meter entfernt und niemand wird uns hier wegschicken. Er freut sich offensichtlich über jeden Gast und wir stehen einmal mehr auf exklusivem Terrain mit Meeresrauschen, Blick zur Burg und auf Koroni, umgeben von bunten Booten. Eine wahre Idylle, wir bleiben.
Am Nachmittag erkunden wir die eher wenig empfohlene Stadt und den Hügel mit dem Kloster Timiou Prodromou. In dem Kirchlein folgen wir einem alten Brauch den wir pflegen und zünden für unsere Familie und Freunde ein Kerzlein an. Koroni war wie Methoni in 1206-1500 und 1686 – 1705 ein wichtiger Flottenstützpunkt der Venezianer, die zu dieser Zeit hier herrschten.
Koroni, als die Ungepflegte und Schmutzige in einem bestimmten Reiseführer beschrieben, empfinden wir ganz anders. Wir fühlen sie als die Ursprüngliche, Arm aber Anmutige, die Stolze aber ehrliche Stadt, gelegen in der Südwestecke der Messianischen Halbinsel. Koroni möchten wir empfehlen. Ein Bummel durch die Gassen bietet zahlreiche sehr ehrliche, ungetünchte Motive, gleich wenn, neoklassizistische Bauten das Bild der Stadt prägen. Koroni hat jedenfalls, so empfinden wir, Charme durch Ursprünglichkeit im Überfluss.
Das Wetter ist einmalig für diesen 4. Dezember. 20 Grad, ein lauwarmes Lüftchen, strahlend, blauer Himmel und ein mediterranes Farbenspiel so weit das Auge reicht. Schauen wir gen Osten sehen wir auch fast schon unsere nächsten Ziele. Über dem messianischen Golf hinweg können wir die Konturen des 2.404 Meter hohen Ag. Illias und darunter die Städte Kardamili und Areopoli erahnen. Wir schauen auf den mittleren der drei Ausläufer Messeniens und Lakoniens, weit hinüber zu den Gebirgszügen der Mani.
Hoffen wir für Heute auf eine ruhigere Nacht im Hafen von Koroni. Es ist der 2. Advent im Dezember 2005.
Abends gehen wir aus, das Hafenstädtchen bei Dunkelheit zu erleben. Ein Restaurant überzeugt uns mit seiner Speisekarte und wir gehen heute Abend einmal typisch griechisch dinieren.
Dabei treffen wir ganz zufällig Manfred aus Deutschland. Manfred hat sich hier in der vermeintlich verlorenen Welt schon vor 30 Jahren ein Grundstück gekauft. Heute ist er stolzer Besitzer eines Hauses darauf und lebt inzwischen ganz in diesem versteckten Teil der Welt.
Wir erfahren viel über die Geschichte, das Klima, die Deutschen die hier recht zahlreich siedeln, über Preise und alles was das Leben hier so ausmacht.
Wir verabreden uns für den nächsten Tag für ein Interview um einfach mehr zu erfahren.

Tag 25: Ein Ruhetag in Koroni, 0 km
Eine ruhige Nacht liegt hinter uns, wir konnten den Schlaf der vorherigen Nacht aufholen. Die Sonne weckt uns und wir besorgen gleich erstmal Brot für ein gediegenes Frühstück, im Hafen, mit Blick auf die Burg und die immer noch tänzelnden Fischerboote in der Bucht. Ein weiteres Reisemobil gesellt sich zu uns. Wir bleiben heute in Koroni, es gibt noch viel zu erkunden.
Nach ausgiebigem Bummel durch die Stadt und Burganlagen treffen wir gegen Abend Manfred wieder.

Gast am 18 Mär 2007 13:20:28

Das Gespräch mit Manfred, dem Neueinsteiger in Koroni
Manfred ist 1945 geboren und kommt aus München.
Manfred, was haben Sie bevor Sie nach Griechenland zogen beruflich gemacht?
Ich hatte einen Vertrieb für Dental-Medizinische Geräte, den heute mein Sohn weiter betreibt.
Was hat Sie bewogen schon vor 30 Jahren hier in Griechenland, und damals war Griechenland ja noch nicht in der EU, ein Grundstück zu kaufen?
Mein Traum war es eigentlich einmal ein Grundstück und Haus, generell im Süden Europas zu haben. Während meiner Urlaube, war ich es sehr schnell leid, mich in die Schlangen der Touristenströme einzureihen und ein Hotelleben im Urlaub nach Zeit zu führen. Durch eine Annonce in einer großen Deutschen Tageszeitung mit der Überschrift „Grundstücke am Peloponnes zu verkaufen“ kam ich nach Koroni. Ich flog dann irgendwann hierher und habe mich nach vielen Grundstücksbesichtigungen, in eine Parzelle regelrecht verliebt.
Warum haben Sie vor zwei Jahren Deutschland vorerst endgültig den Rücken gekehrt?
Erstens das Klima und das Meer, Zweitens die Deutsche Preispolitik und Drittens die Freundlichkeit der Griechen.
Was heißt für Sie deutsch-griechische Lebensqualität?
Die Freiheit!
Was ist hier echt preiswert und was teuer?
Preiswert ist Treibstoff, im Vergleich zu Deutschland. Halbe Preise zahlt man für Getränke, wenn man abends einmal mit Freunden an die Bar geht. Ein guter griechischer Hauswein vom Fass kostet hier im Restaurant um die € 4,00.
Teuer ist leider der Fisch, obwohl das Meer direkt vor unserer Haustür liegt.
Wie kommen Sie mit der griechischen Sprache klar?
Learning by doing lautet meine Devise!
Gibt es hier Berufe, die besonders nachgefragt sind und Chancen für Deutsche Einsteiger eröffnen?
Ja, die gibt es, insbesondere Handwerksberufe.
Wie viele deutsche Aussteiger / Neueinsteiger kennen Sie hier und wovon leben diese Leute?
In Koroni kenne ich ca. 40 Deutsche die ständig hier leben. Fünf davon haben eigene Boutiquen, eine Deutsche Tanzschule gibt es, einen Architekten, Restaurantbetreiber, Surfschulenbesitzer, eine Sprachschulenbetreiberin, Vermieter von Appartements und Pensionen und natürlich die deutschen Rentner.
Kennen und treffen sich die Deutschen hier regelmäßig? Hilft man sich gegenseitig?
Ja, es gibt sogar zweimal wöchentlich einen Stammtisch. Man lädt sich auch gegenseitig ein und pflegt guten Kontakt.
Fühlen Sie sich von den Griechen eher integriert, anerkannt, oder ausgeschlossen?
Absolut integriert!
Welche Nationalitäten kaufen hier Immobilien?
Eigentlich alle Nordeuropäer. Viele Skandinavier, Deutsche, Schweizer, Österreicher und Holländer. Langsam zieht es auch Franzosen und Italiener in unsere schöne Region.
Gibt es gute und viele Verkaufsangebote und was kostet ein Haus mit rund 80-120 m²?
Ein schlüsselfertiger Neubau mit mittlerer Ausstattung kostet pro m² Wohnfläche ca. € 1.000. Je näher zum Meer, umso teurer sind die Grundstückspreise. Dabei ist zu beachten, dass Innerorts keine festgelegten Grundstücksgrößen vorgeschrieben sind. Außerorts sind mindestens 4.000 m² erforderlich. Dabei kann ich auf ein solches Grundstück 200 m² Wohnfläche erstellen, oder auch zwei Häuser mit je 100 m². Ein 4.000 m² Grundstück mit Meerblick, mit Strom und Wasser kosten zwischen € 50.000 bis € 100.000, in normalen Lagen.
Gibt es einen echten Schnäppchenmarkt für gebrauchte Immobilien?
Bis zu 100 Jahre alte Steinhäuser im Ort, unrenoviert, kosten zwischen € 25.000 bis € 50.000, inkl. Grundstück. Nach Renovierung kann man bereits für € 75.000 eine ansehnliche Immobilie sein eigen nennen.
Wie steht es mit Heizung, Wasser, Strom und sonstigen Betriebskosten?
Wasser ist sehr günstig. Der Qubikmeter kostet € 0,60, inkl. Abwasser. Strom kostet je nach Tagesbereich, Tagstrom oder Nachtstrom € 0,12 - € 0,15, pro Kilowattstunde. In der Übergangszeit heizt man hier mit der Klimaanlage, offenem Kamin oder Schwedenofen.
Muss man Grunderwerbssteuer oder Ähnliches zahlen und wie viel?
Einmalig zwischen 9 und 11 %, beim Kauf. Danach zahlt man nichts mehr.
Gibt es Grundbuchsicherheit?
Ja, das ist genauso geregelt wie in Deutschland!
Gibt es hier deutsche Rechtsanwälte und Notare?
Deutschsprachige gibt es!
Wie hoch sind die Mietpreise hier im Süden der Peloponnes?
Für eine Wohnung mit 2 Zimmern ist die Miete zwischen € 250 und € 300. Häuser gibt es eher selten zu mieten, da hier jeder sehr schnell sein Traum vom eigenem Heim verwirklichen kann.
Was braucht ein Ehepaar hier im Monat an Lebenshaltungskosten, wenn es gut und auskömmlich wirtschaftet, nur reine Lebenshaltung, keine Miete oder sonstigen Kosten, nur Lebensmittel?
Inklusiver vierer Restaurantbesuche im Monat ca. € 300 - € 500.
Wie läuft das mit der Krankenversicherung in Griechenland?
Ich bin in Deutschland versichert und zahle entsprechend deutsche Gebührensätze.
Gibt es hier deutsche Ärzte? Gibt es ein Krankenhaus?
Es gibt einige deutschsprachige Ärzte und ein 24-Stunden, rund um die Uhr funktionierendes Medial-Center.
Gibt es Altersheime und Altenbetreutes Wohnen, wie wir es von Deutschland her kennen?
Dieser Bereich entwickelt sich gerade erst, da zunehmend Rentner Interesse zeigen.
Ist es einfach sich hier selbständig zu machen, oder gibt es spezifische Hürden die gerade Ausländer, trotz EU-Richtlinien, nehmen müssen?
Das ist sehr viel leichter als in Deutschland. Ein Antrag bei der Gemeinde ausfüllen und man ist im Geschäft.
Viele träumen von der eigenen Farm, der Finka wie in Spanien, gibt es hier vergleichbares?
Vielleicht nicht so wie man es von Spanien her kennt, aber es gibt durchaus ein Angebot an Farmland und Farmen.
Überall werden Oliven angebaut und geerntet, ist das was für einen Aussteiger und kann man eine solche Plantage überhaupt erwerben und wie viel kostet so was?
Ja, man kann ganze Plantagen kaufen. Ein Olivenhain mit ca. 12.000 m² und 270 Bäumen steht gerade zum Verkauf für € 35.000.
Könnte ein Aussteiger hier ein kleines Hotel bauen oder erwerben und gut davon leben und wie viel müsste er investieren, für ein solches Vorhaben?
Ein kleines Hotel zu bauen liegt von den Baukosten ebenfalls bei ca. € 1.000 pro Quadratmeter. Natürlich kommen die Kosten für die hotelspezifische Ausstattung hinzu.
Gibt es hier ein Angebot bereits erfolgreiche Geschäfte zu kaufen und was kostet so was?
Es gibt kein großes, aber immerhin doch ein Angebot. Die Preise richten sich nach dem Umsatz und Lage.
Was fehlt hier im Süden der Peloponnes, welches ist oder sind echte Marktlücken für Neueinsteiger?
Alten- und Pflegeheimbetreiber, ein Ofenbauer fehlt gänzlich und schon wie vorher gesagt, gute Handwerker.
Ist das touristische Angebot hier ausgereift, oder ist es ein Wachstums- und Chancenmarkt?
Hier besteht im Dienstleistungsbereich und im Tourismus noch echter Nachholbedarf.
Haben Deutsche einen Wettbewerbsvorteil, weil sie vielleicht härter und effizienter arbeiten?
Gründlichkeit und Pünktlichkeit sind hier noch echte Tugenden!
Zu welchen Zeiten und wie lange läuft hier die Saison?
Von Ostern bis Mitte Oktober. Dann um die Weihnachtszeit herum.
Was macht man dann im Winter?
Ausruhen, oder wie einmal Silvester, bei 20 Grad Wassertemperatur einfach mal schwimmen gehen.
Welche Touristen kommen nach Koroni und wie viele sind es im Jahr ca.?
Engländer, Franzosen und überhaupt die Nordeuropäer, die es endlich einmal richtig warm haben wollen. Italiener scheint es im eigenen Land inzwischen zu teuer geworden zu sein. Ihre Besucherzahlen nehmen deutlich zu. Sie erreichen Griechenland eben auch sehr einfach und schnell per Fähre zum Beispiel. 30 Kilometer von hier wird der erste Golfplatz auf den Peleponnes gebaut, dann erwarten wir viele auch internationale Golfer.
Welches ist der Zielflughafen um nach Koroni zu kommen und welche Airlines aus Deutschland steuern diesen Landeszipfel in der Ägäis an?
In der Saison die Stadt Kalamata, 50 km von Koroni mit Verbindungen nach München, Frankfurt und Düsseldorf durch Hapag-Lloyd.
Die Gegend hier im süd-westlichen Finger der Insel Patra ist abgesehen vom Tourismus eher landwirtschaftlich geprägt, wird es Ihnen nie langweilig?
Ein ganz klares Nein!
Fehlt Ihnen die Deutsche Kultur?
Nein!
Was sollte man an Talent und Eigenschaften mitbringen, um es hier zu schaffen?
Ehrgeiz und die guten alten deutschen Tugenden sind hier anerkannt und nachgefragt.
Welche Eigenschaften sollte man am besten zuhause in Deutschland lassen?
Arroganz und Überheblichkeit, mögen die Griechen gar nicht.
Was fehlt Ihnen, Manfred, hier am meisten?
Ein etwas größeres Unterhaltungsangebot im Winter wäre sehr wünschenswert.
Was vermissen Sie im Vergleich zu Deutschland überhaupt nicht?
Das Wetter und das Beamtentum.
Darf und kann man Sie erreichen und ansprechen wenn man Fragen hat?
Welchen Tipp haben Sie für Neueinsteiger in Griechenland parat?
Ohne Geld geht nichts. Träume sind auch hier nur Schäume!
Welchen Fehler sollte man unbedingt vermeiden? Man sollte den Realismus nicht verlieren, die Menschen und ihre Religion unbedingt achten.
Wenn Sie drei Wünsche für die nächsten 5 Jahre hätten, welche wären das?
1. Gesundheit!
2. Seelenfrieden!
3. … und nette Nachbarn!
Vielen Dank für das Gespräch!

Gast am 18 Mär 2007 13:23:51

Liebe Mitreisende, das Album bei Medion ist nun fast voll. Ich werde in Kürze einiges löschen müssen.

--> Link

Jeff

Flywolf am 18 Mär 2007 14:07:19

Leg dir doch z.B. bei Arcor ein Neues an. Da passen dann noch massenweise Fotos rein. Wäre schade, wernn du welche löschen müßtest. Außerdem hast du ja auch hier ein Fotoalbum zur Verfügung.
Wolf

Gast am 18 Mär 2007 15:27:13

Tag 26: Über Kalamata in die kriegerische Mani 147 km
Wir müssen Koroni heute sehr früh verlassen. Der freundliche Fischer, der uns den Platz anbot gibt uns zu verstehen, dass heute der Tag des Heiligen Nikolaus sei und damit der Namenstag fast jeden Dritten Griechen, der Nikolaus als zweiten oder dritten Vornamen trägt. Da man in Griechenland nicht den Geburtstag, sondern den Namenstag feiert, kommen heute alle „Nikoläuse“ aus der Gegend in die Hafenstadt, um zu feiern. Der freundliche Herr fragt noch fürsorglich, wie man einen Hotelgast an der Rezeption fragen würde: „Waren Sie zufrieden, war alles schön, hat es Ihnen gefallen?“ Soviel Herzlichkeit hätten wir nicht erwartet. Wir danken ihm vielmals und versichern, dass unser Besuch sehr lohnend und angenehm war. Er freut sich sehr darüber, man kann es ihm ansehen.
Da fällt mir doch glatt eine kleine Anekdote vom Rhein ein. Wir parkten im Sommer 2005, weit ab von Stadt und in keiner Art auffallend oder störend unser Hotel direkt am Vater Rhein ab. Keine Stunde verging und ein vermeintlicher Ordnungshüter ohne Uniform, aber mit eindrucksvollem Ausweis, denn Ausweise sind ja so wichtig in unserer Heimat, gebot uns mit gestrenger Stimme „Das parken hier ist verboten!“ Er entbot uns nicht etwa erstmal einen freundlichen und wirkte aufklärend. Nein, barsch, frech, kasernenhofartig brachte er seine Nachricht rüber. Ich erwiderte darauf ebenso plump „ … wussten Sie schon das alles ist in Deutschland verboten, demnächst auch das Atmen?“
Nun war sein Ehrgefühl aber getroffen, er stampfte von dannen und kündigte zur Untermalung seiner Autorität schon mal vorsichtshalber an, der Wasserschutzpolizei eine Nachricht zukommen zu lassen. Wie anders könnte Deutschland doch sein? Wie gemütlich? Wie freundlich, wenn wir nur etwas von der Freundlichkeit, Konstruktivität und Gelassenheit des griechischen Fischers hätten.
Wenn wir also nicht gegen 9:00 Uhr aus der Stadt, mit ihren vielen, engen Gässchen raus sind, geht nichts mehr und wir befinden uns mitten im Trubel der Feierlichkeiten. Sicher hätte das auch seinen Reiz, wir aber entscheiden schon am Vorabend „abzudrehen“ und wieder zu rollen. Um 8:00 Uhr, die Sonne blinzelt gerade über der Burg ihr freundliches „Kalimera“ (Guten Morgen!) und taucht die Landschaft rundherum in ein Zartrosa bis Rot, so dass wir uns erstmal gar nicht auf dieser Erde, sondern eher auf dem Mars zu befinden glauben. Noch ein paar Fotos von dem ungewöhnlichen Farbenspiel und der Diesel springt an, das Hotel setzt sich in Bewegung. Wir rollen Richtung Kalamata, immer der Küstenstraße entlang. Wir durchfahren zahlreiche, kleine Dörfer, in denen heute Morgen, um diese frühe Stunde sich eine Art griechischer Rushhour abspielt. Kinder entsteigen den zahlreichen Schulbussen, viele Griechen sind auf dem Weg zur Arbeit. Die Straßenhändler dekorieren ihre Stände mit Obst, Honig, Wein, Gemüse und Oliven. Kalamata ist nach 51 Kilometern in einer Stunde schnell erreicht und durchfahren. Die Stadt, mit ihren heutigen 45.000 Einwohnern, wurde 1986 in einem Erdbeben stark zerstört. Betroffen war besonders die Altstadt und damit dürfte viel Sehenswertes auch nicht mehr vorhanden sind. Auch können wir diesen großen Städten können wir nicht viel abgewinnen. In Kalamata geht es rechts ab und wir steuern, voller Spannung auf das, was uns die Mani, der 2 Ausläufer, oder Halbinsel, zwischen Messinischen und Lakonischem Golf bringen wird, gen Süden. Es geht bald steil bergauf und westlich am 2.404 Meter hohen Mt. Illias, und das Taygetos-Gebirge, in denen sich in den Gipfeln die Wolken verfangen, vorbei Richtung Arepolis. Das Wetter so erfahren wir, ist auf der Mani durchaus völlig anders als auf der nur 25 Kilometer Luftlinie entfernten Halbinsel zur westlichen Seite hin.
Die Piste auf der unser Hotel rollt ist nicht die Schlechteste und dennoch kommen wir kaum voran. Wir produzieren die 80 Kilometer nur sehr, sehr langsam. Schuld ist weder Piste noch die die vielen Serpentinen, schuld sind die wahnsinnigen Panoramen die sich uns bieten. Wir können bei recht klarer Sicht in Höhe des Ortes Kardamill schon die Felsmassive der Küste und das Ende der Mani sehen. Blicken über Landzungen, Städtchen, Olivenhaine und die riesigen Felsmassive links und damit östlich von uns. Wir halten immer wieder an, um diese Welt zu genießen. Unglaublich, wir werden gegen Abend feststellen, dass wir 150 Fotos geschossen haben.
Wir durchfahren die Äußere Mani, die sich von Karlamata bis zur Mitte der länglichen Halbinsel erstreckt, um dann zur Inneren Mani zu werden.
Vorbei geht es an Kardamil bis zum Fischerdörfchen Stoupa. Idyllisch und romantisch ist der kleine Hafen in der ebenso kleinen Bucht. Es reiht sich Taverne an Taverne und die Boote wiegen sich in den seichten Wellen des azurblauen Wassers. Stoupa ist einen Besuch wert. Allerdings auch wirklich nur das Hafensträßchen mit dem kleinen Strand. Parken wird hier zum Problem, denn das Hafengässchen ist nur drei Meter schmal und es herrscht, voran sich hier keiner hält, absolutes Halteverbot. Schade, gerne hätten wir hier die Nacht verweilt, aber das bot sich nun nicht wirklich an.
Wir erreichen erneut die Hauptstrasse und kurven, in wahrsten Sinn des Wortes, Richtung Süden. Nach ca. 20 Kilometern erreichen wir, fast nicht wahrnehmbar, da so klein, das Dorf Nomitsi. Achtung! Wenn Sie jemals diese Route befahren, halten sie an dem kleinen Kirchlein und statten sie diesem einen Besuch ab. Sie ist so klein, das vielleicht gerade einmal 5-7 Personen hineinpassen. Wunderschöne, noch einigermaßen erhaltene Wandmalereien und die Anmut der Bescheidenheit dieser Gotteshäuser en miniature verleihen ihnen mehr Großartigkeit als mancher Tempel oder Dom je zu bieten hätte. Parken kann man am Ortsausgang, nur wenige Metern von den Kirchlein, zur Linken, auf dem Weg nach Süden. Wir waren total gefangen und voller Bewunderung für die Ausstrahlung, dieser kleinen Kapelle am Wegesrand nach Areopoli.
Kurz danach erreichen wir die Innere Mani, die ab Thalames beginnt. Unser nächstes Ziel, abgesehen von unzähligen Stopps fürs Auge und Objektiv ist, Areopolis.
Viel haben wir über diese Stadt und die kriegerischen und einstmals Nachbarn mordenden Völkchen, die so arm und doch so stolz waren, das die kleinste Kränkung einer Familie durch eine Andere, oder eines Nachbarn durch den Anderen, in jahrelangen, blutigen Vendetten, ausarteten.
Areopolis, die Hauptstadt der Inneren Mani erreichen wir gegen Mittag. Die Stadt des Ares, einst gefürchtet für die von ihren Bewohnern ausgehende Piraterie, Fehden und Blutrachen, lädt unser Hotel direkt am Marktplatz zum Verweilen ein. Kaum dem Hotel entstiegen steigen uns orientalisch zuzuordnende Düfte in die Nasen. Irgendwo hier muss es etwas ausgesprochen Leckeres zu Essen geben, es riecht wirklich vorzüglich nach Holzkohle, gegrilltem Fleisch, verbrannten Gewürzen und destillierenden Kräutern. Wir können gar nicht anders und folgen unseren Nasen und werden nur 25 Meter weiter in der alten Marktgasse fündig. Eine alte, eher heruntergekommen anmutende Taverne mit schummrigem Licht und voller Rauch zieht uns in ihren Bann. Unsere Mägen entscheiden gegen den Verstand, der uns mahnt, doch vor 30 Minuten erst ausgiebig gefrühstückt zu haben. Die Mägen widerlegen den rationalen Einwand mit dem Gedankenimpuls „… na dann schließen wir das als Dinner gleich an und fasten eben später!“
Noch nicht zu Ende gepulst nehmen wir bereits an einem der Tische Platz. Griechische Volksmusik kommt aus den herzlos an die Wand genagelten Lautsprechern. Hinter der Theke erspähen wir den Grill, belegt mit saftigen Köstlichkeiten. Ein älterer, schnauzbärtiger Grieche dreht die Spieße voller Liebe von einer Seite auf die andere und streut gefühl- und maßvoll Kräuter darüber. Die Taverne ist voller Manioten (Areopolitaner), die hier ihren Lunch einnehmen. Wir bestellen einen halben Liter hausgemachten Wein, zwei Souvlakispieße und Hähnchenteile, natürlich vom Grill. Dazu werden ebenso gegrillte Kartoffelscheiben, frischer Krautsalat getränkt in Olivenöl mit Zitrone, Wasser und angegrilltes Brot gereicht. Es schmeckt köstlich und wir sind sehr froh, dass diesmal der Verstand unterlegen ward. Für die Zeche zahlen wir nur unglaubliche € 12,00 und verlassen zufrieden die Taverne. Wenn immer, wann immer, Sie in Aeropoli sind, folgen Sie Ihrer Nase, direkt vom Marktplatz aus und lassen sie diese Gaumenfreude und sinnlichen Genuss einer typischen griechischen Taverne nicht aus. Sie werden es nicht bereuen. Stoßen Sie dann mit einem Glas Wein auf uns an.
Aerepoli, wie schon gesagt, trägt den Namen des Ares, des Kriegsgottes und Kriege waren Programm für die Menschen hier. Bis ins 20. Jahrhundert hinein folgten sie dem ungeschriebenen Gesetz der Blutrache.
Neben dem Anbau von Olivenbäumen, es gibt quasi keine Quadratmeter auf der Mani, der nicht von den Blättern der wertvollen Frucht beschattet wird, lebte man hier einst von der Schafzucht, von der Fischerei und vor allem von der einträglichen Piraterie auf venezianische und andere reich beladene Segelschiffe.
Die Mani ist bis auf die Olivenplantagen eine karge und abweisende Landschaft, die eher nichts zum Leben der Bevölkerung, aber viel für die Augen und die Seele bietet, sofern man eine solche Landschaft lieben und bewundern kann.
In Areopoli begegnen uns auch zuerst die viel erwähnten Turmhäuser mit ihren Schießscharten. Von diesen Türmen aus wurden die blutigsten Vendetten ausgetragen. Quasi von Haus zu Haus, von Nachbarn zu Nachbarn, über die Wege, Straßen und Plätze hinweg. Friedliche Zeiten gab es auf der Mani-Halbinsel nur, wenn die Clanchefs, die Familienoberhäupter, dies einstimmig verabschiedeten. Solche, von hoheitlich-gemeinsamen geprägten Interessen und Zeiten waren eher selten. Sie gab es zu den Beispielen bei Angriffen anderer Volksstämme gegen die Manioten selbst, oder bei hohen kirchlichen Festen, wie Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten. Danach gingen die sinnlosen, aus falsch verstandenem Stolz bestimmten Gemetzel innerhalb und außerhalb der Orte weiter. Ganze Familien wurden so ausgelöscht. Generation zu Generation übertrug sich quasi von Sterbebett zu Kindern, Enkeln und Urenkeln den ewigen Schwur und Fluch zur Vendetta, zur Wahrung der eigenen und der Familienehre wegen.
Areopoli ist einen Besuch wert. Schon der Gaumenfreuden wegen. Wer aber tiefer in die Geschichte, Mystik und die dunklen Bilder der Vergangenheit der Mani einsteigen möchte, reist weiter gen Süden und den erwartet wahrlich Spektakuläres.
12 Kilometer von Areopoli entfernt befindet sich das Dörfchen Pirgos Dirou. Von hier gelangt man über eine zur Küste führenden Straße zu den berühmten Höhlen der Mani. Forscher fanden heraus, dass in diesen Höhlen schon vor 250.000 Jahren, in der Altsteinzeit ( 600.000 (?) – 8.000 v.Chr.), hier erste Menschen lebten und auch ihre Toten bestatteten. Ein rituell, heiliger Ort, aus grauer Vorzeit. Heute ein Touristenziel, bieten diese Höhlen ein Erlebnis für die Augen. In gelben und rötlichen Tönen schimmern diese Tropfsteinhöhlen mit ihren unzähligen Stalagmiten und Stalaktiten. Ein unterirdischer Fluss kann durch einen erfahrenen Bootsmann durchfahren werden. Dieser nimmt gegen entsprechenden Obolus natürlich Touristen mit.
Uns indes, höhlenerfahren von zahlreichen Exkursionen, zieht es weiter in den tiefen Bann der Mani. Es ist inzwischen 14 Uhr und wir brechen auf, um das Camp für die Nacht zu finden.
Wir rollen Richtung Gerolimensas und erreichen damit gleichzeitig wieder die Küste. Hinter diesem Ort, Richtung Vathia, befindet sich eine Tankstelle auf der rechten Seite. Etwa 200 Meter weiter empfehlen wir rechts abbiegend, einer kleinen Betonpiste zu folgen. Man kann sie nicht verfehlen, wenn man die Augen zum Meer richtet und mehrere kleine Wehrtürme zu sehen bekommt. Diese Türme sind das nächste Etappenziel und hier am Meer sollte eigentlich unser Nachtlager aufgeschlagen werden.
Ein herrliches Fleckchen Land erwartet uns. Zwei Miniaturstrände mit jeweils nicht mehr als 5 Quadratmeter und noch immer 20 Grad Badetemperatur, einem Seekirchlein, gebaut auf ein kleines Riff und einem ebenem Gelände davor. Dem Kirchlein statten wir einen Besuch ab. Es ist noch kleiner, noch schöner, noch eindrucksvoller, noch erhabener als das zuvor beschriebene in dem Dörfchen Momitsi. Hierhin verirrt sich sicherlich nie ein Tourist ist uns klar. Die Luft in dem Gebetsraum ist rauchgeschwängert. Einige, kleine Kerzen stehen in sorgfältig und kunstvoll aus Metall geschmiedeten Ständern, welche mit Sand gefüllt sind um den Kerzen somit halt geben. Eine kleine bescheidene Kollekte liegt auf einem Samttuch. Abbildungen Heiliger und Bilder von Schutzpatronen zieren den weiß getünchten Raum. Wir empfinden das Gefühl tiefer Religiosität der Menschen die hier in dieser Einsamkeit, an so verlassenem Ort, so nah an dem Meer und dem Wunder der Natur ihre Gebete, ihre Trauer, ihre Freuden, ihre Klagen und ihre Bitten gen Himmel schicken. Ergriffen steuern wir zur Kollekte bei und entzünden unserem alten Familienbrauch folgend ein Kerzlein, um dann tief gebückt die kleine nur 80 cm hohe Tür zum Kirchlein wieder zu verlassen.
Wir erkunden das Terrain und wären so gerne geblieben. Leider graste hier zu der Zeit eine Herde kleiner und größerer Bullen, die uns und unser Hotel argwöhnisch begutachteten.
Aus Erfahrung wissen wir, was Wasserbüffel in Australien unserem damaligem Reisegefährt angetan hätten, wären wir nicht schnell genug im Rückwärtsgang der sich anbahnenden Misere entkommen und was Bullen, ob groß oder klein mit einer Bordwand so anstellen, wenn sie sich mal eben gerade die Hörner wetzen oder einfach nur spielen wollen.
Wir entscheiden uns zur Weiterfahrt, schade! Wieder folgen wir der Landstraße in Richtung Paliros, dem südlichstem Punkt des kontinentalen Europas, auf dem gleichem Breitengrad wie Tunis in Tunesien und Antalya in der Türkei.
Unser Hotel erklimmt schon bald neue Höhen, hinauf zum Dörfchen Vathia. Je näher wir Vathia kommen umso klarer wird uns, wir werden heute keine Beachnacht haben, wir geben einer Gebirgsnacht heute einmal und ausnahmsweise den Vorzug. Die Kulisse von Vathia ist atemberaubend, ist unheimlich, ist irgendwie unendlich traurig, angst einflössend und doch so schaurig schön und charaktervoll.
Wir parken unser Hotel direkt am Ortsausgang, Richtung Paliros, nah den steilen Hängen zum Meer und mit Panoramablick aus dem Hotelwohnzimmer. Wir schauen über die nun in Dunkelheit getauchte und noch unheimlicher wirkende Kulisse von Vathia. Wehrturm reiht sich an Wehrturm, einige intakt, andere zerfallen, hält sich dieses Örtchen auf einer Anhöhe und auf einem Bergklamm fest. Nur die Taverne am Ortsausgang ist erleuchtet. Der einzig bewohnte Wehrturm.
Mit dem gespenstigen Blick vor Augen, belassen wir es für heute bei einem Bierchen und essen nicht mehr. Ich lese Brigitte die Geschichte dieses Städtchens vor.
Vathia, wir befinden uns tief im südlichem Teil der kriegerischen Mani. Hier wurden die eifrigsten Vendetten ausgetragen. Hier währte der Familienzwist am längsten und am fürchterlichsten und auf kleinstem Raum. Der Ort durchmisst mal eben 200-mal 200 Meter. Turm neben Turm, Schießscharte gegenüber Schießscharte beäugten und bekämpften sich die Nachbarn ein und desselben Dörfchens hier noch bis 1928. Die Kugel flog von Turm zu Turm, von Fenster zu Fenster und Tür zu Tür und auch übers Land. Das Wissen um die Geschichte macht den Anblick der nun im schwarz der Nacht gehüllten Dorfanlage nicht eben freundlicher. Ein Blick aus der Lichtkuppel unseres Hotels lässt mich nun auch noch den Bergfriedhof im Mondlicht erahnen, der hoch oben im Berg, einen Schatten über uns werfend, liegt.
Wir unterhalten uns noch lange über die Motivlagen der einstigen Vendetten-Schützen und gehen dann rasch zu Bett. Hatten wir in den vergangenen Tage doch eher laute Nächte zu ertragen, sind wir nun hier in völlig schwarzer Nacht und „Toten-Ruhe“ eingebettet. Brigitte bat noch etwas Musik zu machen, sie konnte die Ruhe kaum ertragen. So hören wir noch etwas Musik, bevor wir hinwegdämmern, einem neuen Tag entgegen.
Vathia bot uns den schaurig-schönsten Stellplatz unserer Reise und auch wirklich den absolut ruhigsten. Es war so leise, das ich fast nicht schlafen konnte. Um 6:00 Uhr früh beschloss ich, Brigitte ward noch im Reich der Träume, Friedhof und Dörfchen zu erkunden. Es war noch dunkel als ich zum Friedhof aufstieg. Da lagen sie vor mir, die Ruhestätten der einstigen Einwohner Vathias. Zur Meer hin zugewandten Seite die alten, frühen, Gräber, aus vielen Jahrhunderten der Zeit. Einige durchaus gut erhalten und noch verschlossen, andere eingefallen scheinbar leer, manche nur noch zu erahnen. Alte, unleserliche Grabplatten schmücken jeden Schritt den ich tue, so wie diese krokusartigen Blumen, die hier wild und ungebändigt gedeihen meinen Weg säumen. Ich streune durch die Grabfelder. Es klappert an vielen Gräbern, als wollten die, die hier liegen noch ihre Vergangenheit rächen und sich aus den Stätten des Todes erheben. Doch was da klappert sind nur Glasscheiben in ihren Rahmen. Hinter den Glasscheiben verbergen sich kleine Ikonen, Fotos, Briefe und immer auch eine Flasche mit Olivenöl.
Am Rande der Grabanlage entdecke ich ein relativ gut erhaltenes Grab, dessen Deckelverschluss nur aus übereinander gestapelten Steinplatten besteht. Große Risse lassen einen Blick in die kalte, dunkle Tiefe zu. Man mag es pietätlos nennen, aber die Geschichte der Vendetten hat mich so fasziniert und neugierig gemacht, das ich nicht umhin komme, drei Fotos zu schießen, man möge es mir verzeihen. Ich lasse das Kameraobjektiv zwischen die Steinplatten blicken und drücke ab. Erst später beim Herunterladen der Fotos dieses Morgens sehe ich, was der Chip der Kamera gespeichert hat: Eine Grabstelle mit vier Skeletten.
Weiter am Hang befinden sich die neueren Grabkapellen. Hier, wurden ganze Familien bestattet. Da man in diesem karstigen Boden keine Erdbestattungen durchführen konnte oder wollte und es wohl zu aufwendig war, wurden die Toten entgegen der Steinbettbestattung über Grund hier erst zur leiblichen Verwesung gelagert, um dann die Knochen samt den wenigen persönlichen Gegenstände in Metallkisten einzulagern. Die Grabkapellchen sind teils verschlossen, manche offen und wieder andere bieten Einblick. Die Wände sind mit Bildern Heiliger geschmückt, Stofffetzen ehemals reichlich verzierter Decken auf steinernen Altärchen und Kerzen zeugen von den Ritualen der Bestattungskulte längst vergangener Zeiten.
Langsam wird es hell und ich steige den steilen Pfad wieder hinab, hinab zum Dörfchen Vathia. Ich durchstreife die engen Gassen und werfe so manchen Blick in die kärglichen Steinhütten und Zimmer der Wehrtürme und ihrer Anbauten. Fasziniert entdecke ich ein, an einen großartigen Wehrturm angebautes Steinkämmerlein und begebe mich hinein. 10 Quadratmeter misst dieser Raum höchstens. Eine kleine Feuerstelle mit steinernem Sims und Rauchabzug zur Seeseite hin und einem in Stein gehauenem Waschtiegel ist aller Luxus den er bietet. Hier lebte einst ein Mensch, oder gar eine ganze Familie! Wie eingesperrt musste er sich, oder sie sich vorkommen. Kalter Steinboden, kalte Steinwände und selbst das Dach besteht aus aufgeschichtetem Gestein. Vielleicht kühl in den heißen Sommern, was aber im Winter? Was mag diese über an irdischen Gütern so armen Menschen veranlagt haben einen so hohen Stolz in sich zu tragen und sich gegenseitig, schon bei kleinsten, vielleicht auch oft nur vermuteten Kränkungen und Beleidigungen, umzubringen.
Die gesamte innere Mani zeugt mit all ihren Dörfern von diesen Blutrachen. Und es sind zahlreiche dieser Wehrturmdörfer, die sich entlang unserer Route zeigen.
Die Sonne geht auf. Ich sehe wie Brigitte gegenüber dem Hotel entsteigt und beschließe meine morgendliche Exkursion in die Unheimlichkeit zu beenden.
Ein neuer Tag liegt vor uns, mal sehen, was er bringt!

Tag 27: Vom Messinischen zum Lakonischen Golf 83 km
In den warmen, gerade aufgehenden Strahlen der Sonne verliert das Dörfchen Vathia seine Gespenstigkeit. Wir trinken unseren Kaffee und unterhalten uns über meinen kleinen morgendlichen Exkurs auf eigene Faust.
Um 8:30 Uhr bewegt sich das Hotel weiter Richtung Süden nach Paliros, dem südlichsten Zipfel des mittleren Ausläufers der Halbinsel Peleponnes. Von hier aus gehen Fähren, auch nach Kreta. Der Ort selbst, eine handvoll Häuschen und eine Taverne ist nicht weiter sehenswert. Nur wollten wir eben einmal auf dem südlichsten Punkt gestanden haben. Manche Dinge sind eben unlogisch und nicht weiter zu erklären, man tut sie eben, weil man sie tun will, oder einer Eingebung folgt.
Irgendwie verwöhnt von spektakulären An-, Aus- und Einsichten, hätte ich vom Kap Matapan, so der Name des sich hier im Meer verlierenden Küstchens, mehr erwartet. Hier lag doch in der Antike der Eingang zur Unterwelt. Tainaros genannt, markierte dieser Platz den Punkt, wo Orpheus einst tief hinab stieg um seine Eurydike zu finden, sie mit sich zu nehmen, ob geraubt oder freiwillig sei dahingestellt und somit den Trojanischen Krieg ausgelöst zu haben. Herakles zwang hier den Höllenhund Kerberos ans Tageslicht. Reste des Poseidontempels sind auch noch zu bewundern.
Wir rollen weiter, folgen den kleinen Sträßchen zurück Richtung Pirgos Dirou und biegen dann rechts ab, durchqueren das Landesinnere der Mani, um zum östlich gelegenen Golf von Lakonien zu gelangen.
Es müssen Millionen von Olivenbäumen in der Inneren und Äußeren Mani stehen. Sie ragen in den schmalen Straßen bis an die Wände unseres Hotels heran. Kein Plätzchen, sei es auch noch so klein, ohne einen Olivenhain.
Nach 13 Kilometern erreichen wir Koronas an der Küste. Ein netter kleiner Hafen mit zwei Tavernen. Die Brandung klatscht schäumend laut an die Kaimauern.
Wir folgen der schmalen, sehr schmalen und engen Piste weiter aus dem Örtchen heraus und gelangen auf eine breit und sehr gut ausgebaute Straße Richtung Githio. Nach einem kleinem aus der Karte nicht genannten Örtchen geht es erstmal 20 Kilometer Inland weiter, dann treffen wir noch früh am Tag in Githio ein und finden eine einsame Beach mit Blick zur dritten Halbinsel der Peloponnes, den wir in den nächsten Tagen bereisen werden. Wir machen Schluss für heute, stehen erholsam direkt am Meer. Frischwasser gibt es gleich nebenan auch noch, was wollen wir mehr.
Damit beenden wir unseren Ausflug in den zweiten, mittleren Ausläufer, der Mani. Die Eindrücke, Empfindungen, Geschichte, Außergewöhnlichkeiten und Panoramen die wir hier erleben durften erheben diesen einsamen Platz der Welt gleich auf mit den besten Plätzen, die uns unsere Reise bisher bot. Wir setzen die Mani gleichauf mit der Meteora und Olympia. Man muss sich die Mani angeschaut haben, wir können sie nur empfehlen.
60.000 Jahre alte Olivenbäume …
Wir haben soviel über Olivenöl und Olivenbaumplantagen gelesen, dass wir selbst neugierig geworden sind. Hier einige Informationen: In Kimi und Euböa wurden versteinerte Blätter des Baumes (olea noti) gefunden. In der französischen Provence und einigen Ländern Nordafrikas gibt es Beweise dafür, dass der Baum auch dorthin transportiert und angebaut wurde. Die ältesten Befunde des Professors Evangelos Velitselos, der fossil-gewordene Blätter der Inseln Santorini, Nisiros und den Ägäischen Inseln, untersuchte, konnte diese auf 50.000 bis 60.000 Jahre zurückdatieren. Kein Wunder also, das der Olivenbaum in Griechenland als ein heiliger Baum gilt. Das Öl der Oliven, kann je nach Olivensorte von grün bis goldgelb schimmern. Das gute Öl ist das Extra-Virgin-Öl und ist prinzipiell kalt gepresst, niemals destilliert. Von außergewöhnlich hoch stehender Qualität und außerordentlichem Geschmack und Aroma, dessen Säuregehalt zwischen 0,1 – 1 liegt. Das heiß, 0,1 – 1 Gramm Fettsäure auf einen Deziliter Öl. Extra-Virgin-Öl wird zu 85-90% auf Kreta gewonnen. Auf unserer letzten großen Reise, die uns auch nach Jerusalem in Israel führte, besuchten wir natürlich den Garten Gethsemane, wo vor rund 2.000 Jahren, so die Überlieferung der neuen Testaments, Christus durch Judas Ichariot, an de Römer verraten und durch letztere gefangen genommen wurde, was dann zur Kreuzigung führte. Die Olivenbäume in diesem Garten sollen 4.000 Jahre alt sein. Sie wären somit Zeugen dieser Handlung geworden. Könnten Sie erzählen, würden wir sehr viel von ihnen erfahren können. In der kretischen Sage ist der Baum heilig, weil Jesus Christus, als er seinen Häschern zu entfliehen versuchte, an eben einem dieser Bäume, in Garten Gethsemane, Halt suchte. Er war zu schwach und zu müde weiter zu flüchten. Er soll an diesem Baum nieder gesessen und ausgeruht haben. Dabei sind seine Tränen in die Wurzeln des Baumes gelangt. Durch diese, seine Tränen, wurden gleichsam alle Olivenbäume geheiligt.
Zurück nach Griechenland. Auf Kreta wurden bei Ausgrabungen in einem von einem Erdbeben heimgesuchten Gebiet in der Umgebung von Zakros 3.500 Jahre alte Tafeloliven gefunden. Sie dienten nicht nur als wertvolles Nahrungsmittel, vielmehr auch als sakrale Grabbeilagen, so die Befunde und Auswertungen. Die Menschen dieser Zeit glaubten, viele offensichtlich auch noch Heute, denn Olivenöl wird an vielen Grabstellen jetzt noch deponiert, ist für die Reise in das Reich der Toten unentbehrlich. Ferner gibt es Befunde das Olivenöl auch zur Anreicherung von ersten Parfümen und auch als Heilmittel zur äußeren Anwendung eingesetzt wurde. Die Athleten im alten Olympia bekamen nicht etwa eine Goldmedaille oder Goldkrone, wie so oft dargestellt, vielmehr bestand Ihre Auszeichnung in der Überreichung eines Olivenzweiges.
Wer wirklich alles über den magischen Baum, seine Frucht, das Öl, die Geschichte und auch leckere Rezepte erfahren möchte, dem sei das Buch von Nikos & Maria Psilakis empfohlen. Der Titel: Die Kultur der Olive und Olivenöl. Ob es in Deutschland verlegt wird können wir von hier aus nicht feststellen, da kein Verleger angegeben wird. Wir wissen jedoch, dass es Griechische Buchhandlungen, wie diese in Githio, auch in deutscher Sprache führen. Es kostet € 7,30, in dem Buchladen an der Strandpromenade. Knapp 200 Seiten, viele Fotos und 150 Rezepte finden sich darin. 35 Millionen Olivenbäume soll es alleine auf Kreta geben.

… in eigener Sache
Ich sitze heute Abend alleine hier im Wohnzimmer unseres Hotel-Büros. Draußen strahlen die Sterne über dem Lakonischen Golf. Brigitte hat sich längst schlafen gelegt. Gedanken kreisen in meinem Kopf und immer wieder kommen diese, auch auf dieses Reisetagebuch zurück.
Menschen gehen mir durch den Kopf, Menschen die mir sehr nah stehen. Ich frage mich ferner, ob diese Zeilen jemals in Druck gehen werden? Schließlich wird es was die Anzahl der Seiten und Fotos anbetreffen ein Mammutband. Aber eigentlich ist es egal! Werden sie nicht gedruckt, sind meine Gedanken, Erlebnisse und Gefühle Jenen gewidmet, die ich besonders schätze auf dieser Welt.
Sie erhalten dieses Tagebuch und die Hunderten von Fotos, in wöchentlichen Abständen, via Internet oder CD und nehmen so an dieser Reise teil.
Werden sie veröffentlicht, werden hoffentlich viele Leser daran teilhaben. Viele, die vielleicht eine andere Ordnung eines Buches gewohnt sind... . Ich kann und möchte eine solche Ordnung nicht einhalten, denn die Gedanken kommen nicht mit einer Buchidee oder dem Buchtitel. Sie kommen nach und nach in und mit der Zeit, Erfahrung oder auch nur einfach so beim schreiben selbst. So beginne ich meine Widmung erst hier, erst nach den ersten vier Wochen der Reise, weil es mir nun in diesem Moment zu einem Bedürfnis geworden ist.
Ich widme dieses Reisetagebuch …
… meinem Sohn Steven, auf den ich unendlich stolz bin. Steven Du bist so ein „Macher“ in Deinem Leben und für Deine Ziele. Ich kann viel von Dir lernen und ich danke Dir dafür. Du bist mir nicht nur Sohn, vielmehr auch mein bester Freund und Du opferst Deine Freizeit für unsere vielen kleinen Geschäfte und Belange, die in Deutschland, trotz unserer Abwesenheit, zu erledigen sind. Danke dafür!
… meiner Tochter Jenny, auf die ich nicht minder stolz bin. Jenny Du überzeugst mit Deinem Herzen, Deiner ehrlichen und offenen Art und Deiner unendlichen Freundschaft zu mir. Ich danke Dir dafür! Es ist schön Dich zu haben.
Wie gerne hätten wir Euch Beide bei dieser Reise dabei!
… meiner Frau Brigitte, die schon fast unser ganzes Leben lang an meiner Seite die Welt mit mir in Höhen und Tiefen durchwandert ( … und durchfahren!) hat. Ich danke Dir für unsere Freundschaf, neben dem „Mehr“, was uns verbindet. Nur Freunde können bestehen, was wir bestanden haben und sicher noch bestehen werden.
… meiner Freundin Traudl, die mir niemals ein „Nein“ zu meinen verrückten Ideen spendieren würde. Die mir in schwerer Zeit sehr geholfen hat und die mich immer ermutigen würde, was völlig Neues zu tun und wäre es das Unmöglichste, was man sich vorstellen könnte. Danke Traudl, Du machst mir immer wieder Mut!
… meiner noch so jungen Freundin Janina, die ich vor 4 Jahren kennen lernen durfte. Janina ich wünsche Dir doppelt so viele Reisen vor Dir, wie ich sie hinter mir habe.

Neue Freunde …
Am Strand von Githio gewinnen wir an diesem Nachmittag auch gleich zwei, neue Freunde. Freunde auf vier Beinen. Sie begrüßen uns freudig und bekommen als Dank ein paar Scheiben Wurst. Zu unserer Überraschung übernehmen sie dafür freiwillig die Funktion als Hotelwachhunde. Niemand darf sich unserem Hotel mehr nähern. Sie verbellen selbst Autos die passieren und bleiben die ganze Nacht vor dem Reisemobil liegen.

Tag 28: Am Strand von Githio 0 km
Wir legen einen Rasttag ein und bleiben an der Beach. Es wird einfach nur einmal gefaulenzt und ein wenig weiter an diesem Reisetagebuch gearbeitet. Sie Sonne scheint und wir genießen in Badesachen die wärmenden Strahlen der Sonne.
Unsere neuen, treuen Begleiter folgen uns auf Schritt und Tritt. Der Schwarze geht sogar mit uns schwimmen. Am Nachmittag kommt ein Polizeiwagen an dem sonst so einsamen Strand entlang gefahren. Unsere neue „Wachgesellschaft“ versucht sich gar in die Reifen zu verbeißen. Auszusteigen trauen sich die Beamten wohl nicht, denn sie fahren, nach kurzem Stopp, gleich weiter. Nichts passiert! Wir hingegen simulieren, uns an der Sonne labend im warmen Sand liegend, was wohl nun in Deutschland angelaufen wäre.
Die Polizei hätte den Tierfänger beauftragt die Hunde einzufangen und ins Tierheim zu überstellen. Wir wären, obwohl völlig unbeteiligt, es sind ja nicht unsere Hunde, vernommen worden. Ein Polizeibericht würde alles dokumentieren. Mit Durchschlag an das Ordnungsamt, versteht sich von selbst. Das Ordnungsamt hätte, weil ja offensichtlich Aggressivität der Tiere vorlag, Strafanzeige gegen unbekannten Hundehalter erstattet. Und überhaupt, liegt hier ja Steuerhinterziehung vor, die Hunde haben ja keine Steuermarken. Also, auch ein Durchschlag vom Ordnungsamt an das Finanzamt. Ein besonders findiger Ordnungsamtmann erinnert sich dann auch noch, einmal etwas von Fliegenden Hunden gehört zu haben und schaltet, wegen des Verdachts der Vogelgrippe das Veterinäramt vorsichtshalber gleich mit ein. Der Staatsanwalt wäre inzwischen tätig geworden und hätte wiederum Beamte ermitteln lassen. Fotos würden von den Tieren geschossen. Alter, Rasse, Größe, Gewicht, Farbe und besondere Merkmale hätte man peinlichst genau notiert. Ein Tierarzt hätte dabei vermutlich mitgewirkt und seine Ergebnisse mit entsprechenden Kopien an die Staatsgewalt, gegen Gebühr natürlich, zur Verfügung gestellt. Dem Ordnungssinn folgend und das nicht sein darf was durchaus mal sein kann, wäre wohl eine Nachbarschaftsbefragung durch Hilfsbeamte, nach dem Motto, „Wer kennt diese Hunde?“, eingeläutet worden. In kleineren Städten wäre gar in der lokalen Presse ein Bild der Tiere mit Aufruf erschienen. Nach 12 Monaten Widervorlage beim Staatsanwalt wäre dann, nach vorheriger Prüfung der Tiere durch einen Verhaltensforscher, das Verfahren vielleicht eingestellt worden, wäre da nicht diese verdächtige Nähe der Hunde zu uns am Strand liegend, im Protokoll aufgetaucht. Auf diesen Verdacht hin würden wir vermutlich alsbald Post, als Angeklagte, vom Amtsgericht erhalten. Natürlich wäre vorher vom Veterinäramt noch ein Bericht an das Statistische Bundesamt gegangen, so was muss ja schließlich erfasst werden. Inzwischen hätten Dutzende von Schriftsätzen ihre begeisterten Leser auf Seiten unserer Anwälte und der Staatsanwaltschaft gefunden. Mit einem Freispruch hätte das Verfahren, dann gegen uns, hoffentlich, nach irgendwann so 24 Monaten Kleinkrieg mit den Behörden, geendet. Der Schlusssatz des Richters hat dann gelautet: „Die Kosten des Verfahrens fallen der Staatskasse zur Last!“ Wenn, ja wenn, es hier enden würde und der junge, Karriere geile Staatsbeamte der Staatsanwaltschaft, nicht noch in Berufung ginge, denn Hunde fallen nun mal nicht vom Himmel.
Die armen Hunde wären inzwischen vermutlich an Altersschwäche eingegangen. Vorsichtshalber hätte uns das Tierheim, über das Ordnungsamt, da hier die Gewalt des Staates durch Paragraphen besonders greift, schon mal die Kosten für Verpflegung der Tiere, Tierarzt und Tierkörperbeseitigung, in Rechnung gestellt. Frei nach dem Motto „man kann es ja mal versuchen!“
Das alles hätte viel Geld und noch mehr Zeit gekostet, fürwahr, aber so ein Einsatz und Aufwand lohnt sich und schafft ja auch „Arbeitsplätze“ für Beamte und solche die es noch unbedingt werden wollen. Wir lachen laut bei dem durchaus realen Gedankenspiel und wenden uns einmal mehr in der Sonne, ohne dafür Kurtaxe prellen und mit einer Belehrung und teurer Anzeige rechnen zu müssen, während unser Hotel derweil sicherlich vom Strand abgeschleppt würde.

4 Wochen „ … on the Road!“ … was hat uns das gekostet?
Wir sind nun insgesamt rund 3.000 Kilometer gereist, rechnen wir ab Frankfurt, von wo wir eigentlich aufbrachen, die Welt zu sehen. Wir haben fürstlich gelebt in diesen 4-Wochen. Jeden Tag 2-3 Mahlzeiten und darunter meist echte Gaumenfreuden. Wir tranken Wein, Bier und auch ab und an mal einen Schnaps, in Griechenland vorzüglichen Ouzo. Zigaretten und Zigarren nicht inbegriffen. Es hat uns an nichts gemangelt. Fünf Mal waren wir aus und haben in Restaurants oder Tavernen gespeist. Außer zweier Nächte verbrachten wir alle an attraktiven Gestaden der Meere, in herrlicher Gebirgskulisse oder mit 5-Sterne-Panoramen auf mittelalterliche Städtchen wie Krk oder Trogir.

Kosten für Dieseltreibstoffe € 336,00
Mautgebühren € 88,00
Grenzübergangsgebühren Albanien € 48,00
Fähren € 65,00
Lebensmittel € 366,00
Restaurantbesuche € 86,00
Gas € 45,00
Internet und Porto € 30,00
Campingplatz € 11,00
Summe € 1.075,00

Ein für 4-Wochen preiswertes Vergnügen, wie wir finden, vorausgesetzt, man hat ein Hotel auf 4-Rädern und muss keines mieten, was über einen so langen Zeitraum und Reise hinweg eher wenig Sinn machen würde.
Wir beschließen den Tag und feiern unsere so gelungenen, ersten 4-Wochen „ … on the Road!“

Gast am 18 Mär 2007 15:28:59

Fotos zur Mani unter diesem Link:
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Aretousa am 18 Mär 2007 15:44:45

Gut, dass es Reiseführer wie den von dir benutzten gibt- dadurch haben Orte wie Koroni noch die Chance ihren Charme zu bewaren. Wir waren nur zu Fuß dort, haben uns mit dem Alkoven nicht reingetraut und fanden dass es einer der schönsten Orte ist den wir am Peloponnes gesehen haben.
Methoni mag ich aber auch sehr, kenne es aber bisher nur ohne Baustelle. Unter dem Camping verboten Schild darf man aber, wenn der (absolut scheusliche) Campingplatz zu hat, übernachten. Jedenfalls sagte uns das die Wirtin eines Lokales in der Nähe und wir taten es.

Gast am 18 Mär 2007 15:49:06

Tag 29: Mit der Fähre von Githio zur Insel Kreta 15 km
Die ganze Nacht über war unsere „Wachmannschaft“ auf 8 Beinen für uns im Einsatz, um beim ersten öffnen der Tür uns auch noch freudig zu begrüßen. Es gibt Leberwurstbrot und einige Zipfel der harten, roten Bauernwurst. Sie nehmen es dankbar an. Als wird dann starten werden die Gebärden eher traurig und wir fühlen uns nicht anders. Gerne hätten wir sie mitgenommen, aber spätestens an den Grenzen hätten wir die Probleme. Es tut uns unendlich leid, diese lieben Vierbeiner, die übrigens weder unterernährt noch ungepflegt waren, dazulassen.
Nun treibt uns eigentlich der Zufall an. Den Abend vorher haben wir Karten und Beschreibungen studiert. Dabei fanden wir heraus, dass es eine wöchentlich und ansonsten sporadisch je nach Sturmlage, auch im Winter fungierende Fähre von Githio nach Kreta gibt. Die Beschreibungen von Kreta lesen sich so gut, insbesondere die Klimatabelle, so dass wir im Hafen von Githio den Schiffagenten aufsuchen. Unsere 7,30 Meter langes und 3,35 Meter hohes Hotel, inklusive uns, kosten für die Hin- und Rückfahrt Euro 327. Das soll uns die Sache wert sein! Wir buchen, stehen wunderschön im Hafen und schauen auf das ebenso anmutige Hafenstädtchen Githio, gegenüber. Nach einem deftigen Frühstück bummeln wir durch die, um eine künstlich angelegte Hafenlagune, zum Berg hin aufstrebende Stadt. Endlich finden wir auch eine preiswerte Angel, die wir sofort erstehen. Ob jemals ein Fisch daran hängen wird?
In Githio gibt es übrigens einen kleinen Park und hinter dem Park auch ein Internet-Kaffee. Eine gute Gelegenheit, unsere Post zu bearbeiten und Mails zu versenden.
Githio selbst ist eine doch recht schöne Hafenstadt und lädt Besucher freundlich ein. Es gibt genügend Parkraum, auch für das Hotel. Einen kurzen Besuch von Githio können wir empfehlen. Die Stadt war einst der Hafen der Spartaner, die nur 27 Kilometer entfernt ihre Siedlungen hatten.
Nun ist es 16:30 Uhr und wir warten auf die Fähre nach Kreta und den Hafen Kissamos, wo wir anlanden werden. So können wir heute Nacht leider nicht in unserem Hotel verbringen, da aus Sicherheitsgründen der Fahrzeugladeraum verschlossen wird, so der Schiffagent. Wir hoffen nun auf eine gute Küche an Bord der Fähre und berichten morgen darüber, wie die Nacht und die Überfahrt sich gestaltet haben. Vielleicht in einer Woche, in 14-Tagen oder erst nach Weihnachten werden wir wieder in Githio anlanden.

Nacht 29: … wie Jonas im Bauche des Wals, 9 Stunden
Es ist schon ein alter Seelenverkäufer, der uns hinüber nach Kreta bringen soll. Im Bauch des Schiffes sieht es irgendwie, wie in einer unaufgeräumten Klempnerwerkstatt, aus. Viel Betrieb herrscht außerdem nicht auf dem morschen Pott. Einige wenige Lkw, Pkw und, ausgerechnet direkt neben uns, ein Bestattungswagen mit blumengeschmücktem Sarg darin. Brigitte schaut mich ungläubig an. Ihr sind Schiffspassagen sowieso schon höchst suspekt und nun auch noch das. Ich muss ihr versichern, dass dies kein schlechtes Omen ist und der marode Metallpott sich in einem hervorragenden Zustand befindet. Sie scheint es mir nicht so ganz abnehmen zu wollen. Wir gehen schließlich hinauf in den Salon und schauen, wie die Fähre ablegt. Außer Sandwichs gibt es nichts Essbares an Board des Kahns. Die Türen zur Schiffsgarage werden natürlich nicht geschlossen und überhaupt scheint Sicherheit hier keine große Rolle zu spielen. Wir werden langsam müde und ich kann Brigitte doch noch überreden unser Hotel aufzusuchen, gleich wenn wir dann in unmittelbarer Nachbarschaft des Bestattungsagens schlafen werden. In unserem Hotel finden wir besseres für unsere Gaumen und genießen ein paar Bierchen. Dann legen wir uns schlafen und fühlen uns, bei der Schaukelei, wie einst Jonas sich im Bauch des Wals gefühlt haben muss. Die Fähre stoppt zudem noch auf den Inseln Kithira und Potamia und entleert sich hier fast völlig. Wir und zwei weitere Pkw sind die einzigen in diesem riesengroßen Laderaum und auf dem Weg nach Kreta.
Gegen 2:30 Uhr und nach 9 langen Stunden, spuckt uns der rostige Metallkahn im Hafen von Kissamos auf Kreta wieder aus. Hier finden wir auch gleich ein Plätzchen, um die Nacht weiter zu verbringen.

Tag 30: Auf der Insel des Göttervaters Zeus, 120 km
Nun befinden wir uns auf dem südlichsten Vorposten Europas. Zur nördlichen Seite rauscht das Ägäische Meer und zur südlichen das Libysche Meer an die Küsten dieser geschichtsträchtigen Gestade. Kreta ist eine in der Länge ausgerichtete Insel. Rund 230 Kilometer ist sie lang und zwischen 30 und 80 Kilometer schmal. 8.261 km2 misst ihre Fläche und damit ist Kreta auch die größte Insel Griechenlands, wenn man die Halbinsel Peloponnes nicht als Insel hinzuzählt. Ebenso ist sie damit das fünfgrößte Eiland des Mittelmeerraumes und man höre und staune, gleichzeitig die Wiege der europäischen Kultur. An Landschaft hat Kreta viel zu bieten, über 700 Kilometer Küsten, das immense, weiße Ida-Gebirge, welches sich von Westen nach Osten erstreckt und mit dem 2.456 Meter hohen Oros Idi den höchsten Punkt der Insel markiert. Zwischen den beiden Meeren und den Gebirgen finden sich fabelhafte Hochebenen, schwindel-erregende Schluchten, saftige Täler mit zahlreichen, kleinen, verschlafenen Dörfchen. 600.000 Menschen leben auf Kreta und nennen ihre Felsscholle selbst gerne den „vierten“ Kontinent. Das Klima Kretas reflektiert sich in seiner Lage und Landschaft. In den Gebirgen kann es im Winter durchaus schneien, während an den Gestaden 20 Grad und mehr gemessen werden. Auf Kreta, so die Sage, soll der Göttervater Zeus, der erste der olympischen Götter, geboren worden sein. Die Göttin Athene soll in dem Voulismeni-Süßwassersee in Aghios Nikolaos gebadet haben. Minotauros, das Ungeheuer, halb Menschenkörper, halb Stierkopf, lebte einst auf Kreta, so die Mythen. Kreta war schon in der Jungsteinzeit (6500 – 3000 v.Chr.) besiedelt. Die glänzende Epoche jedoch hatte dieses Land in der Bronzezeit (3000 – 1100 v. Chr.). Die Minoiten bauten hier ihre Paläste und errichteten eine für die damalige Zeit unglaubliche Zivilisation, die dann durch den großen Vulkanausbruch im 15. Jahrhundert vor Chr. auf der Insel Thera vernichtet wurde. Die Araber rissen Kreta an sich, dann kauften die Venezianer die wilde Insel, die Türken erkämpften sich das Eiland, es folgten Erdbeben und Schlachten. All dies, und Zeus, haben diese Felsscholle zwischen den Meeren geprägt.
Wir sind nun gespannt, was die Götter, insbesondere Zeus, für uns bereiten werden.
Von Kissamoss, im Westen der Insel, brechen wir auf um den nördlichen Teil zuerst zu bereisen. Nach 39 Kilometern gut ausgebauter Straßen, stehen wir inmitten der zweitgrößten Stadt Kretas, in Chania. Wir versuchen den Hafen und dort einen Stellplatz für unser Hotel zu erreichen, geben aber schnell auf. Die Straßen zum Meer hin sind eng und regelrecht zugeparkt. Wir haben Mühe zurück zur Hauptstrasse zu gelangen, aber sind des Eindrucks reicher, dass wir diese Stadt besuchen möchten. Es findet sich schließlich ein Platz für den Camper am Rande der Bundesstrasse.
Chania ist eine kleine Perle entlang der kretischen Küste. Ihr Besuch lohnt auf jeden Fall, wenn man das Gebiet um den Hafen herum als Ziel hat. Einst minoische, 1252 von den Venezianern erobert, wurde die Stadt selbst im 2. Weltkrieg stark zerstört. Rund 70.000 Kreter leben in Ghania.
Wir schlendern vorbei an den Akti Enoseos, den riesigen, venezianischen Arsenalen und Werfthallen. Von ursprünglich 23 stehen heute noch sieben. Weiter geht es über malerische kleine Plätze und durch verträumte Gassen zu der 1913 erbauten Markthalle und zum Hafen. Schon bei unserem Spaziergang durch Ghania werden die vielen Einflüsse der Kulturen sichtbar. Aus dem 16. Jahrhundert stammt die Stadtmauer. Wir finden noch Patrizierhäuser, osmanisch geprägte Bauten mit ihren hölzernen Erkern, wunderschöne Brunnen und zahlreiche Hinweise aus der Antike und dem Orient.
Zur Meeresseite gesellen sich Taverne an Taverne, in den Gassen Geschäft an Geschäft. Der Tourismus hat Chania längst entdeckt.
Mangels attraktiven Stellplatzangebots für die Nacht zieht es uns am Nachmittag weiter Richtung Rethymnon, gen Osten. Jeder Reisemobilist hätte bei dem Angebot an erstklassigen Stellplätzen an der Strecke, die wir zurücklegen, seine wahre Freude. Die Landschaft teilt sich erneut, wir reisen durch wunderschöne Kiefernwälder, bemerken die Schluchten zur südlichen Seite, wie auch die aufsteigenden Bergkämme. Die Fahrt alleine ist schon großartig und bietet Panoramen über Panoramen.
In Rethymon angekommen werden wir auch sogleich fündig und parken unser Domizil mit voller Breitseite unterhalb der Festungsanlage im Hafen und, wieder einmal direkt am Meer. Es wird bereits dunkel und wir beschließen den Tag in Ruhe, bei einem Fläschchen kretischen Weins ausklingen zu lassen.

Tag 31: Der 3. Advent in Rethymnon 0 km
Nach Weihnachtlich ist uns gar nicht zumute, gleichwohl die kretischen Städtchen reichlich weihnachtlich geschmückt sind. Unser Stellplatz im Hafen ist so einmalig wie Rethymnon attraktiv ist. Wir beschließen zu bleiben, denn hier wird sich ein abendlicher Romantikbummel durch die alten Gassen lohnen. 25.000 Einwohner zählt die Stadt, die eine wechselvolle Geschichte vorzuweisen hat. In der Altstadt fühlen wir uns fast in den Orient versetzt. Vielleicht weil heute Sonntag und Advent ist, zieht ein Duft von Weihrauch durch die Gassen. Die Gesänge des orthodoxen Priesters finden ihren Weg aus der Kirche auf den kleinen Platz davor. Minarette ragen in den blauen Himmel und überhaupt erinnern hier viele Bauten mit ihren reichlich geschnitzten Holzerkern an das Land am Bosporus. Die Tis-Narantzes-Moschee verstärkt diesen Eindruck. Ebenso finden sich auch wieder venezianische Einflüsse an Häusern mit meisterhaft geschmiedeten Ornamenten. Rethymnon ist jedenfalls einen Besuch wert.

Tag 32: … bis kurz vor Heraklion 65 km
Die Nacht war stürmisch, der Wind war allerdings recht warm. Die Gischt schäumte über die Kaimauern und besonders hohe und schwere, rollende Wellen verursachten dumpfe Explosionen, als sie sich am meterhohen Beton für immer, nach ihrer langen und weiten Reise über die Kretische See, auflösen mussten. Entsprechend unruhig waren die Nacht und wir daher einmal mehr früh auf. Gegen 9:00 Uhr statteten wir bis etwa gegen Mittag Rethymnon noch einen Besuch ab. Wir wollten einmal die Straßen mit den hunderten von kleinen Shops, geöffnet sehen. Gestern, am Sonntag war ja alles geschlossen und der sonst so quirlige Bereich um den Hafen und die Altstadt einsam und verlassen.
Um 13:00 Uhr brechen wir auf. Es geht Richtung Heraklion. Eine interessante und eindrucksvolle Fahrstrecke, mit sich rasch wandelnder Natur und immer einem Stück Meeresblick zu unserer Linken.
Zahlreiche kleine Fischerdörfer laden zum Verweilen ein. Die großen Bettenburgen die sich die Küste entlang ziehen sind geschlossen. Ihnen wird erst im Sommer, wenn die Touristen Flugzeugladungsweise eingeflogen werden, Leben eingehaucht.
1-A-Stellplätze sehen wir für unser Hotel reichlich im vorbeifahren. Gegen 14:00 Uhr, nach dem Passieren von Rodia, liegt sie vor uns, die Hauptstadt Kretas, mit ihren rund 130.000 Einwohnern. Heute wollen wir uns die Großstadt nicht mehr antun und finden einen kleinen Strand bei dem Ort Gazi, mit weitem Blick bis zur Insel Dia. Wenn es dunkel ist, werden wir die Lichter von Heraklion sich in der kretischen See, spiegeln sehen.

Tag 33: Heraklion und Knossos 35 km
Am frühen morgen kündigt sich einmal wieder ein technisches Problem an. Die Wasserpumpe schaltet nicht mehr ab. Ich stelle den Hauptschalter der Wasserversorgung auf „Aus“ und wir rollen erstmal ein, in Heraklion. Im Hafen zahlen wir brav € 3,00 und dürfen sicher dafür stehen. Ich untersuche die Wasseranlage und finde das Problem, indem ich mich unter dem Hotel hindurchrobbe schließlich beim Wasserkran in der Küche. Warum habe ich nicht gleich dort angefangen zu suchen? Okay! Wir kennen nun das Problem und werden hoffentlich einen Wasserinstallateur finden, der es richtet, denn der große Techniker bin ich nun mal nicht.
Wir statten Heraklion einen Besuch ab, obwohl wir große Städte ja eher und viel lieber meiden. Aber wenn man schon auf Kreta angelandet ist, gehört Heraklion zum Pflichtprogramm und überhaupt würde man uns Kulturbanausen schimpfen, ließen wir das nur 6 km südöstlich gelegene, minoische Knossos aus.
Heraklion ist, was die alte National Straße Kretas anbelangt, gut anzufahren, wenn man auf Abstecher in die Seitenstraßen der Stadt bewusst verzichtet. Denn dort geht’s sehr eng zu. Zum einen durch die schmalen Gassen, zum anderen durch die wilde Parkerei der Heraklier. Wir wandern den venezianischen Hafen, mit seiner überdimensionalen Festungsanlage entlang, lassen den El Greco-Park, der an den großen Kreta gebürtigen Maler erinnert, der allerdings erst in Spanien Furore machte, links von uns liegen und wandeln durch die Altstadt hinauf zum Straßenmarkt. Dort kaufen wir frischen Fisch, Gemüse, Obst und Gewürze ein. Die Stadt mutet ein wenig türkisch an, was das Leben um uns herum anbetrifft. Ein großes Chaos, was in seiner Lebhaftigkeit und dem Wirrwarr wiederum eine gewisse Ordnung erkennen lässt, beobachtet man die Lässigkeit der Griechen und ihren Willen als Teil der Unordnung sich dieser anzunehmen, indem sie auch Anderen alles gestatten, was das Chaos bereichert.
Im Hafen Heraklions liegt eine gute, alte Bekannte vor Anker. Mit ihr bereisten wir 1994 das Mittelmeer und landeten an den Gestaden Israels, Ägyptens, den Inseln Rhodos und Zypern und der Süd-Türkei. Dieses Jahr trafen wir sie schon einmal im Hafen von Messina auf Sizilien. Noch heute träumen wir von der guten Bordküche der Aida, dem Clubschiff der sieben Weltmeere.
Nach diesem zwei Stunden Besuch der kretischen Metropole starten wir den Diesel unseres Hotels und brechen auf nach Knossos, welches nur 6 km südöstlich von Heraklion gelegen ist. Knossos war einst das Zentrum der Minoer. Um 2000 v.Chr. wurde die 25.000 m² umfassende Palastanlage auf einem Hügel und über 3-4 Stockwerke, errichtet. Die Minoer bauten schon damals Kanäle und Röhren in die anmutige Anlage ein, um für fließendes Wasser zur Körperhygiene und für die Fäkalienentsorgung zu sorgen. Die Geschichte besagt, dass Knossos einst durch ein Erdbeben vernichtet, danach zweimal wieder aufgebaut wurde, zuletzt in 1400 bis 1700 v. Chr. . Ein Engländer, Sir Arthur Evans, begann um 1900 mit der Rekonstruktion der Palastanlagen. Seine Arbeiten sind in der Archäologie, wie auch in der Wissenschaft eher umstritten. Wir denken der Besuch war Pflichtprogramm, haben ehrlich unsere € 6,00, pro Kopf, Eintritt bezahlt und ziehen am frühen Nachmittag weiter.
Auf dem Rückweg entdecken wir einen Händler der Gasflaschen anbietet. Schnell probieren wir unseren Adapter, „Hurra – er passt!“, zahlen € 13,00 und tauschen unsere letzte graue Deutschlandflasche gegen eine blaufarbige, von der uns ein gelber Drachen frech angrinst.

Wahre Hilfsbereitschaft …
Nun noch die Sache mit dem Wasserkran. Immerhin tropft es in unserem Wohnzimmer durch den Anschlussschrank auf den Boden, um dann unten am Fahrzeug auszutreten.
Wir finden einen Laden, vor dem Rohre und Waschbecken sich in die Höhe stapeln. Von den Griechen gelernt nur dann akzeptiert zu werden, wenn man zum allgemeinen Chaos beiträgt, parke ich das Hotel dann auch ebenso frech auf der Schnellstraße und überquere den vierspurigen Fahrdamm, zum Klempner. Vor mir sitzt eine betagte Dame, die sich mit einem jungen Mann unterhält. Natürlich verstehe ich nicht was sie sich erzählen. Nach rund zehn Minuten bin dann endlich ich dran und beginne die Konversation, wie könnte es anders sein mit den Worten „Do you speak English? No!? – German may be!? No?! No! Der junge Mann der schon auf dem Weg nach draußen war wendet seinen Schritt und bietet an zu dolmetschen. Ich nehme gerne an und erkläre das Problem. Er schaut mich etwas ungläubig an und wir beschließen eine erneute, abenteuerliche Fahrbahnquerung, um ihn vor Ort den Schaden zu vermitteln. Er versteht sofort und erklärt, dass es um diese Zeit, und überhaupt, sehr schwierig ist einen Installateur zu bekommen und das, dass, ganz schön kosten wird. Kein Problem mit Geld, gebe ich ihm zu verstehen, denn wir wollen ja in unserem Camper trocken leben und ihn nicht etwas zum Aquarium ausbauen. Mangels Installateur vor Ort, bietet er seine Hilfe an. Er sieht wohl die Ungläubigkeit in meinen Augen und beschreibt, dass er Lehrer an der Technischen Hochschule sei, und das, ausgerechnet im Fach Wasserinstallation. Wie mir geholfen wird ist mir egal, das Problem lässt sich im Blaumann so gut lösen, wie von einem Akademiker, wenn er denn weiß was er zu tut ist und mit Wasserzange und Schraubzwinge umgehen kann. Der junge Mann fragt mich noch, ob ich einem Griechen, der in Deutschland ein Problem hätte, auch helfen würde. Ich versichere ihm, dass ich ebenso helfen würde, wenn ich es denn könnte, zumindest würde ich vermittelnd wirken. Er zeigt mir schnell, dass er das kann und sein Fach versteht, denn er erkennt, dass der Wasserkran, eine Einhebelmischerbatterie auch noch eine elektrische Finesse aufweist. Über zwei Kabel mit der Wasserpumpe, zwecks Druckerzeugung in den Leitungen, verbunden ist und bei Bedienung sofort diese, eben jene Pumpe, zum laufen bringt. Erstmal ausbauen lautet die Devise und nach wiederum mehreren wagemutigen Fahrbahnquerungen, nun nur noch meinerseits, zwecks Werkzeugbeschaffung, geht er die Sache forsch an. Ich nehme nun die Rolle des Handlangers ein. Das Problem ist relativ schnell ausgebaut. Nun geht es ans überlegen. Eine Mischerbatterie mit integriertem Schalter, in Heraklion, eher Fehlanzeige. Eine normale Mischerbatterie, kein Problem. Der Mann, so um die 33 Jahre wird er sein, entpuppt sich als sehr gewissenhaft und Macher. Nach einigen Telefonaten, spürt er ein Geschäft für Bootszubehör auf und erklärt dem Mann am anderen Ende der Leitung, oder besser des Satelliten, die Funktionsweise meines Problemmischers. Worte nützen nicht viel, offensichtlich gibt es da ein Teil was helfen könnte, aber das muss man vor Ort anschauen. Er lädt mich in seinen Kleinwagen ein und es geht hinab zum Hafen. Unterwegs bekomme ich noch das eine und andere historische Stadtbild erklärt und Nachhilfeunterricht in Sachen griechischer Geschichte. Nach 20 Minuten sind wir da. Schnell entpuppt sich das, dass, was auf Schiffen optimal, für ein Reisefahrzeug untauglich ist. Es geht weiter durch die Stadt in einen anderen Laden. Hier gibt es dann zwar den Einhebelmischer, nicht aber mit Schalter. Egal, das Ding wird für € 26,50 angeschafft. Die Pumpe muss dann eben per Schalter extra geschaltet werden. Den Schalter gab es dann auch gleich dabei. Unterwegs unterhalten wir uns noch über unsere Reise und sind einer Meinung, dass der Euro alles wesentlich verteuert hat und ich lieber wieder die DM und er die Drachme in der Tasche und auf dem Konto hätten. Am Reisemobil beginnt er schnell mit dem Einbau und improvisiert hier und da und nach alles in allem zweikommafünf Stunden ist das Werk vollbracht. Ich zücke meine Geldbörse und reiche ihm € 70 mit einem ehrlich gemeintem Dankeschön. Der junge Mann fragt zurück, ob ich ihn beleidigen wollte. Er verstand sein Tun als Hilfsbereitschaft. Er erinnerte mich an seine eingangs an mich gerichtete Frage, ob ich denn einem Griechen in Deutschland helfen würde. Ich hätte dies bejaht und so würde er das als Gastfreundschaftsleistung verstehen. Ich fühle mich irgendwie beschämt. Ich frage ihn noch ob er gerne Whisky trinkt und ich ihm eine gute Flasche aus meiner „Bordapotheke“, immerhin 20 Jahre alten schottischen Single Malt aus den Highlands, als Dank überreichen dürfte. Er verneinte, ich dankte ihm vielmals und wir verabschiedeten uns.
Wir haben in Griechenland soviel Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erfahren, dieses Erlebnis hier hat uns beide überwältigt.
Gegen Abend verlassen wir Heraklion, um einen ruhigen Hotelparkplatz am Meer zu finden. Nur 10 Kilometer weiter, in Kokkini Hani, werden wir fündig. Die Sonne versinkt und wir hatten einen erfolgreichen und dankbaren Tag. Vielleicht sollten wir im menschlichen Umgang miteinander alle etwas griechischer werden, wie schön könnte es dann in Deutschland sein.
Gegen später Stunde verabschiedet sich unsere alte Bekannte noch. Ihre Lichter scheinen weit über das Meer bis zu uns an der kretischen Küste. Die Aida hat abgelegt und steuert in Richtung Kykladen. Wie gerne würden wir nun auf dem Achterdeck sitzen und unsere Gaumen verwöhnen lassen.

Tag 34+35: Lassithi-Hochebene und Aghios Nikolaos (14.12.2005) 97 km
Ein fröhliches Kalimera und schon geht es weiter. Wir verlassen die Küstenstraße, die alte National-Straße, in Richtung Süden bei Chersonissos. Die Lassithi-Hochebene ist deutlich ausgeschildert, es sind von der Küste rund 28 Kilometer hoch hinauf in die kretischen Gebirgsmassive, in Richtung des 2.148 Meter hohen Dikti-Gebirges. Wir durchrollen einige, an unserem Wege liegende verträumte Gebirgsdörfchen, die allerdings nicht, wie in so vielen Reiseführern angepriesen, von malerischer Qualität sind. Die Straße in die Berge ist gut ausgebaut und dennoch rollen wir sehr langsam, um die atemberaubenden Panoramen die sich uns bieten aufzunehmen. Schon denken wir die Hochebene erreicht zu haben, als nur noch gewaltige Gebirgszüge vor uns liegen, werden jedoch hinter dem Pass erfahren, dass hier erst die fruchtbare und wie mit einem Spachtel glatt gezogene, grüne Ebene vor uns liegt. Eingerahmt von 20 Örtchen am Rande der Felder und in einer Höhe von 900 Metern, standen hier einst über 7.000 Windmühlen. Leider sind diese heute aus dem Landschaftsbild verschwunden. Es muss ein überwältigender Anblick einst gewesen sein, diese Ebene mit den sich im Winde drehenden Tüchern und Segeln betrachtet zu haben. Technik ersetzt heute, was einst das Auge erfreute und damit ist ein großes Stück Anziehungskraft verloren gegangen. Wir sind uns sicher, man wird den Fehler, wenn erst die Touristen ausbleiben, schnell erkennen und korrigieren. Wenn das geschieht, ist die Lassithi-Hochebene bestimmt wieder einen Besuch wert. Die Anfahrt war es allemal.
Die Witterung an diesem Tag bietet uns die Hochebene in einem Schleier aus Nebelschwaden und Sonne. In der Nähe des Örtchens Psicho befindet sich die Grotte, in der einst der spätere Göttervater Zeus geboren und aufgewachsen sein soll. Die Höhle ist abseits gelegen und kann nur mit festem Schuhwerk, dicken Pullovern, sicherheitshalber einer Flasche Wasser ( … in den heißen Sommermonaten) über steinige Käme, erreicht werden. In den Zeiten, in denen sich die Touristenflut (noch) über die Hochebene ergießt, bieten die findigen Bauern für ein paar Euro ihre Esel zum Beritt zu der Grotte, an.
Wir finden keinen Esel an diesem Tag, der bereit gewesen wäre uns Zeus näher zu bringen und verlassen das Hochplateau gegen Mittag, Richtung Aghios Nikolaos und nehmen diesmal die Route über Malia und kommen so noch etwas schneller in Richtung Osten voran.
Aghios Nikolaos liegt am Hang über dem Golf von Mirabello. Die Stadt, die erst 1870 an alter Dorfstelle neu erbaut wurde, bietet wenig an Geschichte. Nur im Voulismenisee, einem 60 Meter tiefen Süßwassersee, der über einen Kanal mit dem Hafen verbunden ist wird berichtet, das einst die Göttin Athene, ein Bad genommen haben soll.
Wir steuern wie fast immer auf unserer Reise den Hafen an. In den Häfen findet sich fast immer ein Plätzchen mit großzügiger Ausleuchtung und natürlich am Wasser, zwischen oder nahe den bunten Fischerbooten. So auch hier! Für € 3,00 mieten wir die rund 20 m² die wir für unser Hotel brauchen, gleich für den ganzen Tag und die ganze Nacht und haben genügend Zeit den Ort zu erkunden. Erfreulicher weise hat der Ort zudem ein ungesichertes Lan-Netzwerk und wir können am Abend all unsere E-Mails lesen und verschicken und berufen natürlich bei solch einer Gelegenheit einen Chat für den Abend ein. Einige Freunde treffen sich ein und wir berichten über die Reise und beantworten gerne die Hunderte von Fragen. Die Nacht ist ruhig und wir nehmen nur das singen der Maste und Rahen wahr, die durch den leichten, warmen Wind in Schwingungen geraten.
Aghios Nikolaos gefällt uns sehr gut. Nicht Großstadt mit nur knapp 10.000 Einwohnern, aber auch kein Provinzdörfchen. Eigentlich genau richtig und auch noch gut platziert auf einem Berg und somit zweigeteilt, vom Wasser umgeben. Die Bergseite zum Segelhafen ist eher die ursprüngliche, einfache Seite mit den vielen, kleinen, griechischen Geschäften. Oben auf dem Berg ist ein kleiner Park mit Palmen und zur Fährseite hin geht es hingegen viel touristischer zu. Im Sommer werden wir es vielleicht nicht so mögen, nun aber im Winter, präsentiert sich alles als wäre es ausschließlich für uns gemacht und da. Die Stadt ist für das Weihnachtsfest gut gerüstet. An jeder Laterne brennen abends Lichter mit den verschiedensten Symbolen. Hier ein Tannenbaum, dort ein Segelschiff, dann wieder eine Sternschnuppe. Der Höhepunkt allerdings ist ein riesiges, nur aus Lichtern bestehendes Segelschiff, welches ca. 15 Meter in den Himmel ragt. Genau darunter stehen wir. Zu allen Seiten haben wir einen phantastischen Ausblick. Zur einen Seite die See mit ihren Inseln und einen Teil des nördlichen Festlandes, zur anderen auf den Teil des Hafens, um den sich die vielen kleinen Tavernen und Geschäfte schmiegen. Ein Blick aus der Windschutzscheibe präsentiert uns das Treiben der Fischerboote und das Kommen und Gehen der Fähren. Aus dem Bad sehen wir die See und ein Teil des Festlandes gegenüber. Aghios Nikolaos können wir sehr empfehlen, es hat Flair, wirkt freundlich, vielseitig und einladend, gleichwohl es kaum geschichtliches hier zu bestaunen gibt. Sehr schön ist der kleine See mit seinen vielen Ente und den romantischen Tavernen drum herum. Fährt man allerdings weiter Richtung Osten, kommen dann wieder Geschichte und antike Stätten, die Minoische Siedlungsreste einer Totenstadt, die wir allerdings überall auf Kreta, in der einen, oder anderen Form, finden und durch jede Ruine müssen wir auch nicht stapfen. Überhaupt haben wir noch nie so viele Hinweise auf antike Stätten gesehen wie auf Kreta. Es scheint ein regelrechter Ausgrabungsboom im Gang zu sein. Immer wieder sehen wir auch die Europäischen Schilder die wohl besagen, das es hier um finanzielle Förderung geht, lesen hingegen können wir sie nicht, eigentlich schade.

Tag 36: Die traumhafte Küstenstraße nach Sitia 80 km
Aghios Nikolaos ist ein schönes Städtchen, aber, wir wollen weiter und wir verlassen den Ort schön recht früh am Morgen, ohne jedoch vorher auf den Geburtstag von Brigitte anzustoßen. Schon vorher am Abend lagen die beiden kleinen Geschenkpäckchen unter dem kleinen künstlichen Tannenbaum, der am Fenster steht und uns etwas weihnachtliche Zeit und Gefühle vermittelt.
Dann geht’s los. Die alte Küstenstraße von AG Nikolaos nach Sitia muss man einfach gefahren sein. Die Landschaften, mal entlang der kretischen See, mal hoch oben über die Ausläufer der Gebirge bietet Tausende von Eindrücken und so manchen Schnappschuss mit der Kamera. Wie schön diese Welt doch ist, wie viel sie fürs Auge und Gemüt anzubieten hat, wenn man ihre Anmut, Ehrlichkeit, Reinheit und Wahrheit wahrnehmen, gar annehmen oder in sich aufnehmen, will.
Über die Berge kommend begrüßt uns gegen Mittag Sitia, mit ihren vielen weißen und sandfarbigen Häusern, in das Licht der Sonne eingehüllt. Was für ein Anblick, genau das ist was wir suchen und ein einfacher flacher Strand uns niemals vermitteln kann. Sitia, im Nordosten der Insel gelegen, hat heute rund 7.500 Einwohner. Wir empfinden diese Stadt als noch nicht verdorben von Tourismus und Industrie, erfreuen uns einmal mehr im Hafen, mit Blick auf Sitia und vielen tänzelnden und bunten Fischerbooten, dem Gefühl zu reisen, andere und fremde Länder und Menschen kennen zu lernen. Spontan nach einem ersten Bummel fällt die Entscheidung: Wir bleiben länger als nur einen Tag und eine Nacht, denn Sitia soll auf uns wirken, der Anblick ist einfach zu schön und so romantisch.
Am Abend feiern wir Brigittes 53sten Geburtstag in einer Taverne, die sie sich schon vorher ausgesucht hat. Es ist nicht eine der vielen Touristentavernen, sondern eine urige und nur von den Einheimischen besuchte Gaststätte. Während die anderen Tavernen kaum Gäste vorweisen können, herrscht hier eher gedrängte Dichte. Draußen vor der Taverne dreht ein älterer Grieche über dem Holzkohlegrill diverse Fleischspieße. Es dampft, knistert und riecht nach Braten, Gewürzen und Olivenöl. Wir wählen drei Gänge aus, unter anderem auch die berühmten, kretischen Schnecken und werden als Dank für unseren Besuch auch noch mit frischen Obst und zwei Raki bedankt.

Kretische Gebirgsschnecken, ein besonderer Gaumenschmaus …
Gourmets sagen, dass die Schnecken von Kreta und besonders die der bergischen und unbestellten Gegenden, die Besten und Schmackhaftesten sind. Sie sind nicht mit den französischen Weinbergschnecken zu vergleichen. Eher klein und etwas härter ist ihr Fleisch ist ihr Geschmack ebenso, wie der Honig, geprägt von den besonderen Kräutern Kretas. In den Restaurants werden sie angeboten. Wir empfehlen Kretische Schnecken in der Pfanne zubereitet und in einer braunen Thymian- und Rosmarinsoße. Ein wahrhafter Genuss. Wir fanden besonders die kleineren Schnecken, deren Fleisch härter und knuppiger ist, besonders lecker.

… der kretische Honig, ein ganz besonderer Saft
Kretischer Honig ist über alle Maßen aromatisch und geht von goldgelber bis dunkler Farbe mit goldenem Schimmer. Seine aromatischen Eigenschaften erhält er von den besonderen Pflanzen und Kräutern der Insel. Die Imker auf Kreta stellen ihre Bienenkörbe dort auf, meist in gebirgigen Regionen, wo es keine Anbaufelder gibt und keine Pflanzenschutzmittel angewendet werden. Man sollte den Honig, der nicht ganz billig ist, auf jedem Fall probieren. In kleinen Märkten bekommt man ihn rein und direkt vom Fass. 1 Liter kostet rund € 10,00.

Tag 37: Ruhetag in Sitia 0 km
Die Nacht über hatte es heftig geregnet. Der grobe Staub ist vom Hotel abgewaschen. Am Morgen jedoch scheint die Sonne und das Thermometer zeigt angenehme 23 Grad im Schatten. Wir bummeln durch die kleinen und engen, nun sehr belebten und quirligen Gassen Sitias. Hoch oben am Berg liegt die alte Venezianische Festung Kazama. Von ihren Mauern haben wir einen weitreichenden Blick über die Stadt, den Hafen und können die letzten Winkel der nordöstlichen Küste und unserer weiteren Ziele schon einmal optisch ins Visier nehmen. Wir bleiben heute im Hafen und finden auch Trinkwasser vor. Der Tank wird wohl zum 100sten Mal gefüllt. Kaum zu glauben, kommenden Sonntag schreiben wir den 4. Advent.

600.000 Reisemobile …
… sollen in Deutschland zugelassen sein. Wir dachten, wir würden in diesen warmen Gefilden eine Menge Rentner, in ihren fahrenden Hotels, hier und dort an Häfen oder markanten Punkten als Nachbarn, für eine oder zwei Nächte, gewinnen und den einen oder anderen Tipp austauschen können. Weit gefehlt! Während es wohl viele nach Spanien zieht, haben wir bisher auf unserer Reise nur vier Reisemobilisten getroffen. Auf Kreta gar nur Einen. Wir sprechen oft darüber, warum das südliche Griechenland und die Inseln dieses wunderschönen und so abwechslungsreichen Landes nicht von den rollenden Heimen frequentiert werden. Dabei liegen wir vom Breitengrad her schon im nördlichen Nordafrika unterhalb der Gestade von Marokko. Beirut liegt auf unserem Breitengrad zum Beispiel. Das Klima, hier im Winter, ist angenehm. Die Griechen sind freundlich und gar nicht aufdringlich. Die Landschaften sind atemberaubend. Es gibt keine Verbotsschilder für die von uns nachgefragten und so heiß ersehnten Stellplätze in Häfen und am Meer, wie sie z.B. in Italien und Spanien an jeder schönen Ecke zu finden sind. Griechenland ist ideal im Winter, finden wir und genießen die Ruhe und die Freiheit zu stehen, wo es uns gefällt und beliebt, immer an den schönsten Aussichten, dort, wo man nicht einmal eine Baugenehmigung für ein 5-Sterne-Hotel bekommen würde.

Tag 38: Kloster Toplou, Vai`s Palmen bis zur Südküste 120 km
Es treibt uns einfach weiter voran. Sicherlich hätten 1-2 Tage Sitia unseren Seelen noch mehr gefälliges Baumeln geboten, aber …, wir wollen Neues sehen, erleben, entdecken. Am frühen Morgen brechen wir auf und ahnen noch nicht, welch überwältigenden Schönheiten der Tag uns heute bietet. Nach rund 20 Kilometern Fahrt, entlang der nördlichen Ostküste erreichen wir das Kloster Moni Toplou. Die Klosteranlage, in der heute noch Mönche ein gottgefälliges Leben, leben, stammt aus dem 17. Jahrhundert und war einst ein Bollwerk des Widerstandes der Kreter gegen die Türken und Zuflucht gegen die Deutschen im 2. Weltkrieg. Die Besichtigung von Moni Toplou lohnt sich sehr. Die Anlage selbst ist überaus gepflegt, interessant und vielseitig angelegt. Es finden sich viele kleinen Gärtchen, Höfchen mit einladenden und schattigen Eckchen zum ausruhen, wie auch die Mönche den Gästen gerne ein bescheidenen Tee mit Honig mit Joghurt reichen. Höhepunkt ist der Vorplatz mit dem Kirchlein. Im Sommer schieben sich die Touristen durch das abgelegene Kloster. Wir nun, mitten im „tiefem“ kretisch-warmen Winter, haben den Vorzug alleine zu sein und alles in Ruhe auf uns wirken zu lassen. Ein Mönch zieht an uns vorbei uns entbietet uns sein freundliches Kalimera. Als wir den Kirchenplatz schon verlassen wollen, ruft jemand hinter uns her. Es ist der Mönch, der eben noch freundlich grüßte. Ich dachte schon er würde schimpfen, so hörte es sich an, da ich, einmal wieder, Fotos gemacht habe, was offensichtlich nicht so gern gesehen wird. Aber …, weit gefehlt, er schließt für uns das Kirchlein auf und wir dürfen eintreten. Atemberaubend was wir hier sehen dürfen. Alte Fresken zieren die Wände, ein wunderschöner kleiner Altar, viele typisch orthodoxe Metallleuchter und unbeschreiblich schön, gemalt aus der Hand eines Mönches vor vielen, vielen Jahren, die Geschichte des alten und des neuen Testaments in kleinen Bildern, aneinander gereiht, verwoben in Farben, verknüpft in Geschichte zu einem wahren Epos für die Augen in einem Bild von ca. 1,30 m x 1,00 m. Bis ins kleinste Detail, für uns nur mit Brille zu erkennen, rankt sich um den Galwarienberg in der Mitte alles, was die Geschichte des Glaubens ausmacht. Wir verharren für bestimmt 15 Minuten alleine vor dem Bild und danken dem Mönch ehrfürchtig für seine Gastfreundschaft. Gerührt verlassen wir das Kloster.
Vor dem Kloster sitzt ein ärmlich gekleideter Mann so vielleicht im Alter von 50 Jahren. Ein Auge wurde ihm zugenäht. Er kommt zu unserem Camper, spricht ein paar Sätze, die wir nicht verstehen. Was macht man in einer solchen Situation, wir geben ihm ein paar Euro, er bedankt sich und setzt sich wieder auf die Mauer. Wir werden ihm an diesem Tag noch einmal begegnen, fern ab vom Kloster.
Über herrliche Berge und von karstiger Landschaft bis hin zu heideartigen Faunen geprägt, zieht sich unser Weg nun zur einstigen minoischen Stadtanlage Itanos, am Karphatischen Meer. Das erste was wir erblicken ist eine friedliche Badebucht mit feinem, weißem Sand, eingerahmt von Felsen und beschattet durch riesige Palmen. Eine echte Postkartenidylle. Jeder der seinen Urlaub in südlichen Gefilden bucht, muss ein solches Bild im Kopf haben. Vorbei an dem Strand erklimmen wir die Hügel über dem Meer und erkunden die Reste der antiken, minoische Siedlung. Ein altes Haus, immens in seinen Ausmaßen ist noch so gut erhalten, was die Außenmauern anbetrifft, das wir uns das Leben vor rund 3500 Jahren hier gut ausmalen können. Beeindruckend auch hier, der Verlauf in Stein gehauener Leitungen zur Trinkwasserversorgung. Nach gut einer Stunde verlassen wir Itanos und fahren quasi nur einmal um die antike Hochebene herum um dann am nord-östlichsten Punkt Kretas anzugelangen, in Vai. Es ginge noch ein paar hundert Meter weiter, aber hier tut sich militärisches Sperrgebiet auf und Vai ist somit Endstation für jeden Besucher. Vai bietet einen noch traumhafteren Strand als die kleine Bucht vor Itanos. Wir sind inmitten des geschützten Reservates der Palmen von Vai. Ein Wald, … ein wahrer Urwald, mit hunderten von riesigen mehrstämmigen und wild verzweigten Palmen beschattet hier die Küste und unmittelbares Umland. Niemand darf den Palmenwald betreten. Es ranken sich zahlreiche Geschichten über seine Geschichte und Entstehung. So soll der Gott Apollo im Schatten der Palmen geboren sein. Seiner Zwillingsschwester Artemis gab er einen Palmsprössling, die diesen wiederum pflanzte. Daraus entstand dann ein Palmenwald. Soweit die Geschichte aus der Antike. Aus viel jüngerer Geschichte wird gemutmaßt, das einst ägyptische Soldaten Palmen mit nach Itanos brachten, wo sie campierten und den Itanern bei der Verteidigung gegen die Angriffe ihrer Nachbarn beistanden. Dies klingt plausibel, trieben doch die Minoer schon reichlich Handel mit den ägyptischen Nachbarn, wird berichtet. Auch spannend klingt die Legende von den Piraten, die hier, im 16. Jahrhundert nach Chr. Auf Beutezug gingen und irgendwann einmal Kokosnüsse als Beute machten, mit ihnen nicht viel anfangen konnten und sie weiträumig verstreuten. Wie immer der Palmurwald von Vai entstanden sein mag, ein Besuch ist überwältigend und sollte auf jeden Fall unternommen werden. Allerdings, die großen Busparkplätze vor Vai lassen erahnen, welche Touristenströme hier im Sommer an den Strand und unter den Schatten der Palmen von Vai gehetzt werden. Wir genießen es völlig alleine zu sein und nur das Rauschen des Windes in den Palmen und die leichte Brandung als Musik in unseren Ohren zu genießen.
Gegen Mittag ziehen wir weiter über Paleokastro zur Schlucht der Toten bei Kato Zakros. Schon die Fahrt von steinigen Bergketten hinunter zum Strand eröffnet hunderte von Panoramen. Kato Zakros ist eine kleine Bucht mit Sandstrand und einer handvoll verwegener Tavernen am Ufer. Schon hinter den Tavernen beginnt antikes Gebiet. Hier werden zurzeit wohl mit Hochdruck Reste eines weiteren minoischen Palastes ausgegraben. Die Schlucht des Todes beginnt hinter der antiken Stätte und trägt den Namen, weil die Minoer hier ihre Toten zur letzten Ruhe gebettet hatten. Auch hier, sind wir völlig alleine. Niemand ist am Strand. Nur ein kleines, blaues Fischerboot zieht seine Netze in Küstenähe vorbei an Kato Zakros.
Von hier geht es zurzeit nicht weiter in Richtung Südküste am Libyschen Meer, wo wir die Nacht verbringen wollen. Hier, auf diesem verlassenem Eckchen der Erde, steht der Einäugige vom Kloster wieder an der Straße. Er erkennt uns und winkt freudig und aufgeregt als er unseren Camper wieder erkennt. Nun verstehen wir auch was er wollte, wir sollten ihn am Morgen mitnehmen. Nun wartet er auf den Bus zurück zum Kloster. So haben vielleicht unsere wenige Euros ihm an diesem Tage den Ausflug in die Landschaft ermöglicht.
Eine neue Straße befindet sich jedoch im Bau zwischen Nord und Süd. Eine kurze schnelle Verbindung soll es werden. Auf ein freundlich aufforderndes Nicken eines Olivenbauern hin versuchen wir unser Glück, die im Bau befindliche Piste, zwecks Abkürzung zur Durchquerung Kretas zu nutzen. Nach 5 Kilometern geben wir, durchgeschüttelt, auf, obwohl uns nur noch 7 Kilometer von unserem Ziel trennen. Die Gefahr einen Achsbruch zu erleiden, oder gar hier, wo nicht mal Esel und Ziege mehr grasen, mit Panne liegen zu bleiben.
Der Weg über die Berge ist nicht weit, aber dafür sehr zeitaufwendig. Wir durchfahren zahlreiche, arme, kleine Örtchen und erreichen am späten Nachmittag Koutsouras und erleben eine völlig aufgebrachte Libysche See mit bis zu 4 Meter hohen Wellen, die nur wenige Meter vor unserem Camper mit Wucht und Getöse und geklacker der bis zu 5 Kilo schweren Kiesel an Land treffen. Was für ein Tag war dies. Was haben wir gesehen und erlebt. Das Kloster Toplou, das einst so stolze Itanos, die Palmen von Vai, die Schlucht der Toten von Kalo Zakros und die Querung der Gebirge zum Libyschen Meer. Das alles auf nur 120 Kilometern. Zufrieden hauen wir uns in die Kojen.

Tag 39: Hierapetra nach Matala Beach 135 km
Die Nacht war nicht gerade leise. Die laute Brandung, das rollen und klackern der Steinkiesel am Ufer, der peitschende Sturm und ein starker Regen, der sich dem Spektakel der Natur noch hinzugesellte. Am Morgen schien die Natur wieder völlig harmlos. Das Meer unschuldig, mit leichten Wellen das Ufer benetzend, der Himmel mit einem strahlendem Blau so anmutend, als hätte sich in der Nacht gar nichts auffälliges unter seinem Firmament ereignet. Das Thermometer zeigt ebenso völlig unschuldige 23 Grad.
Wir brechen auf, Hierapetra, die südlichste Stadt Europas und somit auch die Winterwärmste steht auf dem Zielplan. Nur 36 Kilometer von Aghios Nikolaos gelegen, ist hier die kürzeste Querung von Süd- nach Nordkreta möglich. Vor uns liegen entlang der Küste nur rund 32 Kilometer, um in die von rund 12.000 Einwohnern besiedelte Stadt zu gelangen. Wir wollen Hierapetra mit seiner venezianischen Festungsanlage im Hafen besuchen. Einst lag hier der antike Hafen Hierapydna und war Mittelpunkt des minoisch-ägyptischen Handels über das Libysche Meer.
Nach 40 Minuten Fahrtzeit liegt sie vor uns, die größte und südlichste Stadt Europas. Schön sieht sie aus, aus der Ferne. Der lange Sandstrand, die Festung mit Hafen und die im Licht schimmernden, weißen Häuser. Leider, ja leider nur von Ferne. In Hierapetra angekommen wird uns schnell klar, dass wir uns die Festung anschauen und uns schnellstens wieder auf den Weg begeben. In Hierapetra scheiden sich wohl die Geister der Entwicklung in den Richtungen Landwirtschaft, Industrie oder Tourismus und noch scheint nicht klar zu sein, wie sich das optisch einmal auswirken soll. Um den Hafen herum ist alles auf Tourismus ausgelegt, schaut man auf die Fassaden und nicht zu vergessen die Preise, bei denen die Gastwirte wohl auf die Dümmlichkeit nordischer Besucher ausgerichtet zu sein scheinen. Hinter den Fassaden sind Dreck und Unrat, Straßen die uns mit ihren Löchern eher an Tirana in Albanien erinnern. Ein Chaos an Kabeln und Strommasten gen Himmel schauend und überhaupt nach dem Regen der letzten Nacht ist hier alles eher überflutet mit brauner Brühe. Wir möchten keine vernichtenden Urteile aussprechen, tun dies hier aber bewusst. Hierapetra kann man sich sparen, ersparen, es sei denn, man ist auf einen Ballermann-Urlaub aus und trinkt sich jeden Abend die Schönheit der Stadt herbei, indem man entlang der hundert Tavernen mit Gleichgesinnten um die Wette gröhlt. Kein Stern bekommt die Stadt von uns und wir ziehen weiter.
Es geht über die Berge und den Ausläufern des 2.148 Metern hohen Dikti-Gebirges, welches wir von nördlicher Seite auf dem Weg zur Lassithi-Hochebene schon befahren haben. Es ist der 4. Advent.
105 Kilometer werden es noch sein, bis wir den Platz finden, der unseren hohen und winterlichen Anforderungen an einen Stellplatz für unser Hotel entspricht. Auf zur ehemaligen Hippie-Kolonie, auf nach Matala-Beach, lautet die Devise für Heute.
Über die Fahrstrecke nach Matala-Beach lässt sich nicht viel sagen. Bergig geht es zu, einige Ausblicke zum Meer hin, aber eben nichts dramatisches, wie am Tag zuvor. Dennoch, viele kleine Buchten und Badestrände mit lieblichen kleinen Fischerorten soll es entlang unserer Route zur Meeresseite hin geben. Die Ortschilder verheißen auch die Namen dieser Orte. Die Straßen dorthin können wir allerdings nicht befahren. Sie sind zum größten Teil nicht einmal befestigt und Geröll und Steigungen, wie auch Gefälle von 10% und mehr könnten unserer Reise ein schnelles Ende bereiten. So müssen wir verzichten und rollen weiter auf Asphalt. Am späten Nachmittag erreichen wir den einstigen Strand der Hippiekolonie und können direkt und unglaublich mit voller Breitseite unserer Hotels zwischen Strand und Hippiehöhlen parken. Vor uns liegt die panoramenartige Bucht und spendiert uns zudem einen Blick auf die Insel Paximadia.

Hippiestimmung am Strand von Matala
Es wird schon dunkel, aber ich muss unbedingt noch in eine solche Höhle hinein, die in ihrer jüngsten Zeit ihrer Geschichte Wohnort für Hippies waren, in steinzeitlicher Geschichte den ersten Menschen Zuflucht boten und unter römischer Herrschaft zu Begräbnisstätten wurden. Wie mag es hier in den wilden Sechzigern ausgesehen haben. Damals hatten wir doch fast alle lange Haare, trugen Blümchenhemden und Armeejacken mit der Aufschrift „Make love – No war!“ Das Atomgegnerzeichen prangerte unübersehbar auf dem Rücken. Ich schaue aus einer der Höhlen hinunter zum Strand, sehe vor meinem geistigen Auge lauter junge Menschen im Kreise sitzen. Einer spielt Gitarre, ein anderer taktet das schellende Tamburin gegen seine linke Hand, die Mundharmonika jammert mit zittrigen Tönen, viele der Anderen singen und tanzen barfuss im warmen Sand dazu. Der Schein des Lagerfeuers erhellt die Bucht und die Gestalten und taucht alles in eine gespenstische Kulisse. War es gerade Cat Stevens, der da in die Saiten griff? Hier soll er doch sein berühmtes „Tea fort he Tillerman“ - Album komponiert haben, oder war es jemand der Donovans „Atlantis“ und den „Universal-solider“ zum Besten gab, oder gar Barry Macquieres raue Anklage des „Eve of destruction“ aufspielte? Janis Joplin, sang an dieser Beach ihre Proteste gegen den Wind und in die Brandung. Das war die Folklore der Sechziger Hippiekultur und ich kann sie förmlich noch hören und summe gerne mit. Ich schau ich mich um und will den Kerzenschein aus den Höhlen flackern sehen, die Düfte von Räucherstäbchen inhalieren und den Bratenduft von frisch gefangenen Fisch dazu genießen. Was für eine Zeit war das damals! Was ist aus den Hippies geworden? Warum haben sie sich überlebt? Warum war ihre Bewegung von nur so kurzer Dauer? Fragen über Fragen. Ich werde darüber nachdenken müssen, denn das Thema fasziniert mich nun von Neuen. Mich, den Typen der selbst einst schulterlanges Haar trug, Gitarre in einer Band spielte, die Mao-Bibel stets in der Gesäßtasche der Jenas mit sich trug und für den das kommunistische Manifest biblischen Charakter besaß. Was waren wir nur für Träumer? Wir wollten die Welt verbessern! Ist es den Anderen auch so wie mir ergangen? Jobben, Studium, Kinder, Ehe, Job, Karriere, Wohlstandsbäuchlein, Häuschen, das berühmte Bäumlein pflanzen und die Geschichte setzt sich so fort, gleich der unserer Eltern und deren Eltern? Am Ende unseres Dranges nach Freiheit und einer von anderen Werten bestimmte Gesellschafts(un)ordnung stand die Anpassung an die Gesellschaft und ihrer “ bewährten-gelebten“ Ordnung, die uns doch so verhasst war. Wir blickten damals auf die Geschichte zweier Weltkriege zurück und stellten sie natürlich in Frage, während in Vietnam die Amerikaner begannen ihr vernichtendes Agent Orange zur Entlaubung ganzer Urwälder und todbringendes Napalm abzuwerfen, um gleich ganze Dörfer und Landstriche zum verglühen zu bringen. Junge Amerikaner zogen in den Krieg ins Ferne Asien. Menschen, so jung, oder so alt, wie wir es gerade einmal waren, ließen dort ihr Leben. Wer zurückkam, die grüne Hölle überlebt hatte, war für immer gezeichnet, psychisch und viele physisch. Klar waren wir gegen jede Art kriegerischer Auseinandersetzung, Frieden bestimmte unser Denken. War es gut so, das sich die Hippies überlebt haben, oder schlecht? Hätte beides, dass Alte und das Neue, nicht irgendwie verschmolzen werden können? Was hätte aus einer anderen Gesellschaftsform und Werteordnung werden können? Wir werden es wohl nie erfahren, denn die Chance wurde verpasst es zu probieren. Wie von den Spartanern, ist von den Hippies nicht viel übrig geblieben. Beides lebt nur noch in der Geschichte fort.
Es wird dunkel, die bunt gekleideten Hippies, die eben noch schemenhaft vor meinen Augen tanzten, sangen und lachten sind wie Geister aus einer fernen Zeit mit dem letztem Licht entschwunden. Der Platz ist wieder einsam geworden. Ich blicke hinunter auf den treuen Camper, auf unser Hotel und Zuhause und komme gleich zum naheliegendsten Gedanken: Was wird Brigitte heute gekocht haben? Wie banal das Leben doch ist, aber man hängt eben an dieser Banalität, sie ist ein Teil von uns geworden. Ich verlasse den Felsen etwas wehmütig, um ihn morgen, bei Tagesanbruch nochmals und diesmal mit Brigitte zu erklimmen. Ein freundliches Kalinichta und wuchtiges Jammos auf den heutigen Tag und die goldene Zeit der Hippies, die nichts weiter als Frieden wollten auf der Welt, Liebe und Frieden für alle und nur das der Erde entnehmen, was man zum (Über)-Leben brauchte. Ich bin dankbar, diese Zeiten miterlebt, mitgefühlt zu haben und schäme mich dafür keinesfalls, auch wenn, einem ehemaligen Vorstandsvorsitzendem aus Deutschland eine solche Vergangenheit als Schwäche und schwerwiegendem Fehler beim Karrierestart auszulegen ist. Vielleicht ist es jetzt, wo ich 54 Jahre alt bin, Zeit, meine, mir damals aufgepresste, alte Werteordnung hier in den alten römischen Gräbern rituell abzulegen, und, für mich eine neue Ordnung, ein neues Leben und sinnvolle Aufgabe zu suchen. Dies ist ein wichtiger Gedankenimpuls und ich weiß, es wird etwas Neues folgen, den alten Pfaden vermag ich nicht mehr zu folgen. Aus Protest öffne ich später alle Fenster des Reisemobils, lege von Bob Dylan „ … like a Rolling Stones“ in die CD-Maschine und drehe den Regler auf volle Phonzahl. Es schallt zurück von den Felswänden. Das mag eine lächerliche Geste sein, … aber es tut irgendwie gut, es befreit sogar, … wir singen es nun Beide lauthals in die Brandung und den Wind, „ … Like a Rolling Stone!“ „ Jammos!“ (Prost), auf alle, die unseren Zeilen, bis hierhin gefolgt sind.

Tag 40: Matala-Beach und Agia Galini 28 km
Der Tag beginnt mit Sonnenschein, die Nacht hatte es, wie die Nacht davor, geschüttet was die Schleusen des Himmels aufgestaut und hergeben konnten. Mit dem Aufgehen der Sonne erstrahlen die Felsen von Matala-Beach nun freundlich und strahlend in ihrem ihnen eigenen Ockerton. Nach einem starken Kaffee sind wir für die Höhlen gut gerüstet.
Wir beschreiten die romantische Bucht, in der Zeus, nach dem Raub der Europa, an Land gegangen sein soll. Die Gestade, an denen der Apostel Paulus, auf seinem christlichen Feldzug Richtung Norden, bei starkem Seegang, Zuflucht gesucht haben soll. Brigitte und ich erklimmen die recht gut zu „bezwingenden“ Felsen und Höhlenplätze. Einige der Höhlen sind sogar miteinander verbunden, bilden richtigen Wohnraum und Zimmer, wenn man bescheidene Maßstäbe ansetzt, wie es sicherlich, in der Jungsteinzeit der Fall war und für die Hippies einfach nur schick. Unser Blick richtet sich nun aber mehr in die Betrachtung der Höhlen als Begräbnisstätten. Deutlich sind die in Stein gehauenen Lagerstätten zu erkennen. Selbst die „Kopfkissen“ der Lager der letzten Ruhe sind aus Stein gehauen. Kleine Opferstöcke für Gaben an die Toten in Form von Nischen in den Sandstein geschlagen sind erstklassig erhalten. Brigitte, die irgendwie alles immer noch deutlicher als ich unter die Lupe nimmt, erspäht dann auch sofort Reste von Muscheln und Austern, die im Stein fossilienartig eingebettet sind. So hoch stand einst das Meer. So hoch rauschten hier die Wellen an Land und bauten vielleicht aus diesen Urgewalten die ersten Felslöcher, die später zu dem was wir heute sehen, ausgebaut wurden. In den Höhlen hat es den Anschein erhaltener, wenn auch sehr verblichener Wandmalereien, die aber eher urzeitliche Symbole darstellen. Wir können nicht glauben, dass sie rund 250.000 Jahre alt sind. Es werden wohl Übrigbleibsel der Höhlenkinder der Sechziger sein. In einer Höhle entdecken wir ein richtiges kreisrundes Symbol, das entgegen den typisch rauen Oberflächen des Sandsteins eher glatt geschliffen erscheint. Wir betrachten es genauer und erkennen dann, dass es sich um Ying und Yang handelt, den chinesischen Symbolen für Ausgeglichenheit. Das hatte bestimmt kein Jungsteinzeitmensch hergestellt. Gegen Mittag verlassen wir Matala-Beach, um zu dem Dörfchen Agia Galini zu gelangen. Dort angekommen finden wir im Hafen einen erstklassigen Stellplatz mit Blick auf die Hafenanlage, den nun schon gewohnten bunten Fischerbooten und die Berge. Die letzten zwei Tage waren ereignisreich genug, um nun mindestens mal wieder ebenso zwei Tage auszuspannen. Und dann ist da ja noch die Frage die uns sehr beschäftigt, wo werden wir Heiligabend verbringen?

Weihnachten mit der Familie, der Plan hat sich geändert …
Wir wissen es nicht erst seit gestern, so wie geplant, läuft Weihnachten nicht ab. Unsere Kinder werden nicht einfliegen und den Heiligabend mit uns verbringen. Das wurde nun schon vor zwei-drei Wochen klar. Die Weihnachtstage liegen nicht urlaubsverlängernd und wenn schon … und denn schon …, möchten unsere Kinder, wenn wir schon einladen, das ganze mit einem richtigen, kleinen Urlaub verbinden. Bisher haben wir diese Tatsache verdrängt, nun sind es aber nur noch fünf Tage und wir stellen uns dem Wunsch unserer Kinder und deren Partnern. Sie haben ja Recht. Billigflüge gibt es zu Weihnachten keine und Linienflüge sind nun mal teuer, so teuer, wie ein Pauschalurlaubsangebot mit Hotel und Verpflegung. Nächster Termin ist März-April, doch wo werden wir dann sein? Die Zeit wird es zeigen. Nun werden wir Weihnachten alleine verbringen, nur wo, ist die Frage? Wir diskutieren darüber. Heiligabend soll schon ein Höhepunkt werden, auch wenn die eigentlichen Höhepunkte, nicht einfliegen. Das stimmt doch schon sehr traurig.

Tag 41: (Un)Ruhetag in Agia Galini …? 0 km geplant, 127 km gefahren
Was macht man an einem Ruhetag? Faulenzen, lesen, Fernsehen schauen? Weit gefehlt! Eine Wäscherei wird gesucht und dorthin verschleppt was der Reinigung bedarf. Großeinkauf steht auf dem Programm, ebenso, wie das suchen einen funktionierenden Internet-Kaffees zum Übermitteln der vielen Texte und Fotos. Ebenso ist Post zu beantworten. Das Hotel wird von Grund auf gereinigt. Diesmal gar der Teppichboden shampooniert. Nur von außen bleibt das Hotel unansehnlich, denn Waschanlagen, wo wir den Camper reinigen könnten gibt es hier nicht und durch eine LKW-Waschanlage möchte ich unsere Plexiglasscheiben nebst Solaranlage und Satellitenschüssel auf dem Dach, nicht jagen. Wenn das alles erledigt ist, beginnt der Mühsaal des Ausruhens und es kommt fast ein Gefühl von Langeweile auf, so sehr hat man sich an die Abwechslung vorbeihuschender Landschaften, Gestade und verträumter Örtchen gewöhnt.
Agia Galini ist ein altes Fischerörtchen, welches es verstanden hat das Notwendige, den Fischfang und die Landwirtschaft mit dem Ersehnten, den Einkünften vom Fremdenverkehr zu einer gelungenen optischen Mischung zu vereinen. Etwas, wovon, Hierapetra, noch Lichtjahre entfernt zu sein scheint.
Ansehnliche Häuschen und Hotels schmiegen sich an den Berg. Alles macht einen frischen, freundlichen und auch griechischen Eindruck. Der Hafen ist gepflegt. Mit viel Liebe wurden Palmen gepflanzt und Bänke am Wasser platziert. Die Hafenanlage ist aufgeräumt und die auf Trockendock stehenden Kähne sind gut in Schuss und tragen zu einer gelungen Gesamtoptik der Anlage bei. Die Lage des Ortes ist landschaftlich wunderschön. Die riesigen Massive des Gebirges gen Norden, darunter die fruchtbaren Ausläufer und dann der Berg, an denen sich Häuschen an Häuschen reihen. Überrascht sind wir auch von den Geschäften. Hier gibt es noch den ursprünglichen Bäcker, Metzger und Gemüseladen. Alles macht einen sauberen nicht verdorbenen Eindruck, gleichwohl der Tourismus eine große Industrie für Agia Galini darstellt.
Wir tätigen unseren Einkauf. Beim Metzger zahlen wir für rund 3 Kilo Schweinelendchen und Koteletts € 10,00. Bei der netten Dame, in deren Gemüselädchen es so aufgeräumt und gemütlich wie in einem Wohnzimmer ist, zahlen wir nach einigen Minuten, denn sie schaut gerade die Verfilmung des Lebens des Christopher Reeves, den sie wohl abgöttisch verehrt, für 3 große Fleischtomaten, 2 Orangen, 3 Zitronen, 4 Zwiebeln und 4 kleine französische Zwiebeln ganze € 1,60. „Oh Europäische Beamten, die ihr in Brüssel aus lauter Langeweile und zur Rechtfertigung Eurer überzogenen Gehälter und Spesen für alles Normen und Gleichheit in Größe, Farbe, Beschaffenheit und Preisen, in allen Ländern anstrebt, versagt hier in Griechenland und lasst die Preise wo sie sind“, schießt es mir durch den Kopf. Auch ich genehmige mir wieder einmal 4 Päckchen Zigaretten und nehme die Großpackungen mit je 24 Stück für nur € 2,50 pro Päckchen. Immerhin stolze € 5,70 in Deutschland. Das deutsche Bier bei Lidl, erfreulicher Weise ohne Dosenpfand, zu erstehen der halbe Liter für € 0,35. Nicht das ich gegen Recycling bin, nein bestimmt nicht, aber auf so engen Raum die Dosen einer Woche oder mehr zu lagern ist unzumutbar.
Nach so vielen guten Erfahrungen in Griechenland, muss zwangsläufig die Negative irgendwann kommen. Wir wussten, dass sie kommt und heute war ihr großer Tag! Gegen Mittag klopft es an unser Hotel. Ein junger Hafenbeamter steht vor uns und entschuldigt sich vielmals. Er weist uns an, den Wagen aus dem Hafen zu entfernen. Der Grund sei weder der Camper, der ja ordentlich, nicht störend und kaum sichtbar und auf einem ausgewiesenem Parkplatz, geparkt ist. Auch hätten sich die Fischer und die kleinen Shops im Ort über uns als Gast und Einkäufer gefreut. Grund sei, ein Mann, der seinen großen Einfluss, leider in den negativen Sinn einsetzt. Wer könnte dies anderes sein, als der Campingplatzbesitzer der Stadt. Sein Platz liegt außerhalb der Stadt, was für uns sowieso ein Grund gewesen wäre ihn zu meiden. Vielmehr ist dieser Platz auch keine Stelle die wir frequentieren würden. Alles diskutieren nützt nichts. Auch der Hinweis, dass wir ja auf einem Parkplatz stünden und unser Fahrzeug nun mal ein KFZ sei, für die, dieser Platz geschaffen wurde. Auch stünde hier ja kein Schild „Parken verboten – Camping verboten“, oder ähnliches. Wir haben 2 Stunden Zeit unser Hotel zu entfernen. Leider, denn hier gefiel es uns sehr gut. Wir sahen auch den ersten Schnee, der in der letzten Nacht gefallen war, hoch oben in den Bergen des Dikti-Gebirges.
Ein deutschsprachiges Ehepaar nimmt die Diskussion wahr und erklärt uns, dass der Campingplatzbesitzer selbst jene Hotels und Tavernen der Polizei meldet, die einem Camper erlauben den Parkplatz zu nutzen während er dort sich verköstigen lässt, oder gar ein Zimmer im Hotel gebucht hat, um einmal wieder in einem richtigem Zimmer zu schlafen und ein Vollbad zu nehmen. Selbst die Vermieter von Appartements trauen sich nicht an einen Wohnmobilfahrer zu vermieten, um dem Ärger mit der Polizei zu entgehen. Es muss sie eben doch geben, die maffiaähnlichen und von Beziehungsgeflecht durchsetzten Strukturen, die anderen Interessen Schaden, um eigene durchzusetzen. Schade, dass sich gerade die Polizei solchen Strukturen in Agia Galina unterwirft. Reisemobilisten, die Ihr diesen Bericht lest, meidet den Campingplatz mit dem Namen „No Problem“,. Der Name seines Platzes scheint auch sein Programm zu sein. Nur wer bei ihm Geld lässt hat in Agio Galina „ … no Problem!“
Wir entschließen uns aufzubrechen und starten das Hotel gegen 12 Uhr Mittags. Ein wenig sauer sind wir schon.
Wir verlassen die Südküste, weil die weiteren Dörfchen Richtung Westen und entlang der Küste nicht viel zu bieten haben, oder eben kaum erreichbar sind, da es befestigter Straßen bedarf, wenn man mit einem Reisemobils, wie wir es haben, unterwegs ist.
Über die Berge geht es von Mires, westlich vor Hierapetra, nach Heraklion, zurück zur Nordküste. Eine kurze und schnelle Entscheidung war dies und sie stand im Zeichen des herannahenden Weihnachtsfestes, welches wir auf Kreta, aber eben in einer der schönsten Regionen verbringen wollen, an der Nordostküste, um Aghios Nikolaos herum. Dieser Flecken Kretas hat uns am besten gefallen.
So nutzen wir den nicht ganz freiwillig ausfallenden Tag und steuern vor Aghios Nikolaos noch Elounda, 9 Kilometer nördlich, an. Hier treffen wir auf ein wunderschönes Fischer- und Fremdenverkehrsörtchen und stehen im Hafen, zu beiden Seiten Meer und Wasser und wieder einmal den bunten, sich in den Wellen wiegenden Fischerbooten. Wir beschließen zu bleiben, wenn es denn in unserer Macht steht. Der unfreiwillige Umzug von Süd- zur Nordküste hat uns ganze zwei Stunden gekostet. Für heute machen wir Pause. Morgen steht die versunkene, dorische Stadt Olus auf dem Inselchen Spinalonga auf dem Programm.

Tag 42: Spinalonga und zurück nach Aghios Nikolaos 35 km
Die Nacht war ruhig, niemand klopfte an unser Hotel und mahnte zur Weiterfahrt. Wir freuen uns darüber. Zeitig brechen wir auf, um die versunkene, dorische Stadt zu besuchen. Schnorchler und Taucher haben hier ihre antike Unterwasserwelt, die es zu erkunden gilt. Wir verzichten allerdings auf ein Bad im Meer, es herrscht Nordwind, in den Gebirgen fällt Schnee und es sind eiskalte 10 Grad plus, die wir allerdings viel kälter erleben, denn der Wind von Norden schneidet uns durchs Gesicht.
Gegen Mittag verlassen wir die Gegend um Olus und Elounda und kehren zurück an unseren Stellplatz in Segelhafen von Aghios Nikolaos. Vorige Woche bei unserem Besuch dort wollte die Dame an der Kasse noch € 3 für 24 Stunden haben, heute € 6. Ein wenig lamentieren hilft und sie kurbelt die Schranke auch für drei Euro hoch. Gegen Abend schlendern wir durch die vielen kleinen Gässchen hinunter zum Voulismeni-See. Werden wir die Göttin Athene dort vielleicht baden sehen? Der Sage nach hat sie hier einst ein Bad genommen. Leider, heute, nicht, auch ihr wird es zu kalt sein an diesem Tag, um diese Jahreszeit. So gehen wir griechisch essen, genießen Raki und verbringen den Abend dann in unserem Hotel und Dank Wireless-Lan mit Freunden im Chat.
Morgen wollen wir einen Ruhetag einlegen!

Wie man Garnelen das fliegen beibringt …
Die Angel musst ja nun endlich einmal ausprobiert werden. Im Hafen von Aghios Nikolaos wünschte Brigitte mir lachend ein „Petri-Heil“, als ich mit ganzen Gerödel loszog Richtung Kaimauer. Zunächst fällt mir auf, das ich die Angel ja verkehrt herum aufgespult habe und damit die Leine nicht über die dafür vorgesehene Rolle läuft. Kein Problem! Kurzerhand wird der Haken an eine Laterne gebunden und ich bewege mich rund 150 Meter langsam von dieser weg, bis die gesamte Leine von der Rolle gespult und gespannt ist. Zwei Spaziergänger habe ich dabei fast erlegt, denn sie stolpern über die fast unsichtbare Schnur. Endlich kann ich nun auch das Gerät auf linkshändig umstellen. Schnell bewege ich mich zurück in Richtung Laterne und spule auf was das Zeug hält. Hurra! , die Angel ist nun einsatzbereit. Die Garnele wird nun per wuchtiges Ausholen der drei Meter langen Rute zu Wasser gelassen. Nah-Ja, zu Wasser ist vielleicht übertrieben, es sieht eher wie der Start eines Jumbo-Jets aus, denn ich sehe, wie sie einem Vogel gleich, in die andere Richtung fliegt als der Haken und die Bleigewichte. Dies sehr zur Freude einer Möwe, die im Sturzflug auf die Wasseroberfläche fliegt und meine Garnele stiehlt. Der Haken ist nun erstmals gewässert, ohne Köder, und ich rolle die Leine wieder ein. Das geht aber nicht so einfach, irgendwas hält den Haken fest. Ein Hai wird’s nicht sein denke ich und ziehe fester. Die Angel peitscht zurück, ohne Gewichte, ohne Haken. Erneut wird alles bestückt, eine neue Garnele – ein neues Glück.
Der Vorgang wiederholt sich und tatsächlich, nachdem sich weitere Möwen die zweite und dritte Garnele genüsslich einverleibt haben, landet die vierte im Hafenbecken, fest am Haken. Nun ist Geduld angesagt! 5 Minuten sind vergangen. Geduld? Weis ich denn, ob die Garnele nicht längst gefressen, der Fisch entkommen ist? Erneut wird eingezogen was die Rolle hält und zur großen Überraschung, ist was am Haken. Ich spüre es genau. Es zieht und gibt auch wieder nach. Aber sehr langsam. Ein Oktopus vielleicht? Ich ziehe, gebe nach, ziehe wieder an und langsam aber sicher verringert sich der Abstand zwischen mir und meinem Abendessen. Es muss was großes sein, denn die Angelrute biegt sich stark durch, wenn ich anziehe. Inzwischen schauen mir einige Kinder gespannt zu. Als der Haken endlich in Nähe der Kaimauer gespult ist mache ich mir auch schon Gedanken, wie ich den schweren Fang, ohne Käscher, über die 2 Meter hohe Kaimauer hieven kann. Den Gedanken kann ich schon bald wieder fallen lassen. Was ich geangelt habe ist ein Bootstau mit jeder Menge grüner Algen dran. Na jedenfalls habe ich damit die Dorfjugend belustig, denn ich habe laut lachendes Publikum, um mich herum versammelt. Ich probiere es immer und immer wieder. Ich wünsche schon, eines der Fischerboote käme in den Hafen und ich könnte einen Fisch kaufen. Aber die sind ja dann schon ausgenommen, was ich nicht kann, weil es mir schlecht dabei würde, und das nähme mir dann Brigitte auch wieder nicht ab. Ein guter Fang wäre für sie überzeugend, dass sich die Investition in eine Angel gelohnt hat. Das Fazit der Angelei an diesem Tag ist der Verlust von rund 15 Garnelen, (… immerhin ein bescheidenes Abendessen! ) rund 20 Metern Angelschnur, 8 Gewichten, 5 Haken und 6 Ösen. Schade! Zurück im Camper hat Gitte schon ein Steak in die Pfanne gehauen. Wie konnte sie nur wissen, dass es h

Gast am 18 Mär 2007 17:13:25

Fotolink zu Kreta

--> Link

Aretousa am 18 Mär 2007 19:00:14

Wie komme ich denn nichtangemeldet bei Arcor ein?
Kreta- dein Bericht ist wieder klasse.

Flywolf am 18 Mär 2007 21:18:03

Jeff, entweder hast du dein Album bei AOL nicht für die öffentlichkeit freigegeben oder du hast den Link aus deiner Anmeldung über nommen. Ist mir auch schon bei Arcor passiert. Ich habe mich dann ausgeloggt, die öffentlichen Alben angewählt, meines ausgesucht, wie auch immer, und dann den Link kopiert und hier reingesetzt.
Wolf

Gast am 18 Mär 2007 21:32:10

Tag 43: Alles unter Wasser 3 km
Brigitte nimmt es als erstes wahr. Der Teppichboden im Bad ist, an der Schrankwand, völlig durchnässt. Was folgt ist ein Einsatz der den ganzen Morgen andauert. Schrank leer räumen und da ist eine Menge verstaut. Verkleidungen und Deckel abbauen und so weiter. Was war geschehen? Vermutlich durch die ständigen Bewegungen die ein Fahrzeug dieser Art nun mal aushalten muss, hat sich eine Schlauschelle gelöst und Wasser tritt aus. Kleine Ursache – große Wirkung! Unsere, über Internet, an den Hersteller gerichtete Anfrage wurde nicht beantwortet. Wer will uns auch schon hier am Ende der Welt helfen können. Rod, der Mann, der den Bootsshop im Hafen leitet und an den ich mich zuerst mit der Bitte um Hilfe gewandt hatte, kommt in der Reparaturzeit dreimal vorbei. Er ist ein Engländer der irgendwann einmal hier hängen geblieben ist, tippt immer wieder auf eine defekte Wasserpumpe und preist seine Pumpen lobend an. Man merkt, wie er darauf spekuliert, eine an den Mann, oder in diesem Fall, an das fahrende Hotel zu bringen. Meiner Bitte um physischer Hilfe wollte oder konnte er nicht nachkommen, ihm lag wohl eher ein kleines Geschäft im Sinn. Die Schelle war schnell repariert und wenn schon alles ausgepackt ist, dachte ich, kann ich auch gleich die Runddusche reparieren und baue sie vollständig aus. Rod schaut zu und staunt entgeistert, was in solch einem Camper alles drin ist, während er derweil seine Cola schlürft und sich auf unserer Sitzecke rekelt. Er vergisst nicht hier und da, wenn ich einmal um die Ecke schaue, erneut den Hinweis mit der Wasserpumpe anzubringen und schlägt vor diese doch einfach mal nur so zu tauschen um dann zu sehen was passiert. Ich kann den Sinn darin jetzt noch nicht entdecken, den sie läuft ja, dabei soll sie aber gerade nicht laufen, wenn kein Wasser gezapft wird. Auch der Schaden an der Dusche ist schnell behoben, es war nur ein Kontaktfehler im Wasserkran, der beim Bedienen desselben neben dem Wasserfluss auch einen elektrischen Impuls an die Pumpe geben soll. Soviel hatte ich ja schon von unserem so hilfsbereiten, griechischen Freund in Heraklion gelernt. Rod schaut verdutzt darüber, dass ich es alleine geschafft habe und resümiert, dass er das alles auch hätte reparieren können und nun sicherlich um € 50 reicher wäre, hätte er nur mit angepackt. „Tja, Rod, zu spät, mein Lieber!“ Alles wird wieder eingebaut, die Schrauben sicherheitshalber zusätzlich eingeklebt und siehe da, die Wasserpumpe funktioniert so, wie sie auch funktionieren sollte. Rod bekommt von mir für die gesellige Unterhaltung, die Ratschläge aus sitzender Position erteilt und das nett gemeinte Angebot in Sachen Wasserpumpe eine gute Flasche Rheinwein aus der Bordapotheke. Glücklich und mit besten Wünschen für ein friedliches Weihnachtsfest zieht er von dannen. Wir wechseln indes den Standort in Richtung Fährhafen, auf der anderen Seite der Stadt, da wir, wie wir in der Nacht zuvor bei unserem Herumbummeln gesehen haben, ein Panoramastellplatz über das Meer, die Inseln und die Stadt geboten bekommen. Das ganze dann auch noch kostenfrei. Wir laden uns selber ein diesen Platz, unterhalb eines aus Hunderten von Lichtern in den Himmel gezeichnetes Segelboot, freudig anzunehmen. Es ist nun 15 Uhr und wir ruhen uns nun wirklich aus. Es war ja auch ein ganz schön aufregender Vormittag. Brigitte ist stolz auf mich, sagt sie, denn für einen handwerklich völlig Unbegabten hätte ich doch ein technisches Problem recht gut gemeistert. Ach!, … so ein Lob tut auch mal ganz gut, und sauge es tief in mich hinein.

Tag 44: Weihnachtseinkäufe in Aghios Nikolaos 0 km
Der kälteste Tag unserer Kretareise liegt vor uns. Das Thermometer zeigt nur noch 9 Grad plus. Es regnet und auch in der Nacht trommelten die Tropfen auf unser Flachdachhotel. Dies ist kein Tag für Ausflüge beschließen wir, bleiben in Aghios Nikolaos und werden uns mit Lebensmitteln für Weihnachten versorgen. Brigitte kauft auch das berühmte, traditionelle, griechische Weihnachtsbrot, welches besonders dekoriert an der Oberfläche, wie ein Geschenk, eingepackt wird. Das Weihnachtsbrot fehlt nie auf einer weihnachtlichen Tafel und unterscheidet sich optisch, manchmal auch mit einem Kreuz verziert, von den Broten der anderen Tage des Jahres. Das Kreuz, seitlich auch als „X“ zu deuten, weist auf den ersten Buchstaben des Alphabets hin, mit dem auch der Name von Jesus Christus, in orthodoxer Schreibweise, beginnt. In manchen Gegenden, insbesondere auf Kreta, wird in der Mitte eine Wallnuss eingebacken. Eine kleine kretische Taverne im Hafen, mit Blick über das Hafenpanorama und die Stadt, buchen wir für den kommenden Heiligabend, nachdem wir das Menü haben erklären lassen. Der Koch, er spricht recht gut unsere Sprache, beschreibt mit wilden Gesten und immer mit der Hand zum Mund fahrend, sein exquisites Angebot. Kretische Schnecken sind dabei, frischer Fisch, Tintenfisch, am Morgen des Heiligenabends gefangen, wie auch Muscheln, gehören dazu. Das wird ein Gaumenschmaus der besonderen Güte und damit beschenken wir uns gegenseitig. Darauf freuen wir uns jetzt schon.

Tag 45: Heiligabend in Aghios Nikolaos 0 km
Brigitte schmückt unser „Hotel“. Ein kleiner, reichlich behangener Weihnachtsbaum, wenn auch aus Plastik, ziert unseren Tisch. In der Mitte des Tisches ist das Weihnachtsbrot sorgfältig platziert, so wie es Brauch ist, auf Kreta. Die Fenster zieren Silbergirlanden und überhaupt sieht es schon sehr nach Weihnachten aus. Eine Zimtkerze verbreitet angenehmen Duft. Das zweite, eher bescheidene Bäumchen mit Lametta, steht hinter der Frontscheibe und neben ihm verweilt das aufblasbare Weihnachtsmännchen mit dem Rucksack, an dem sie die Kinder schon in den letzten Tagen beim Vorbeigehen an unserem Hotel erfreut haben: „Mama, kommt in dem Auto der Weihnachtsmann?“
Die Stadt, Aghios Nikolaos, ist heute ruhiger geworden, eine Art feierliche Stille ist eingekehrt. Weihnachtsmusik schallt dezent aus den Lautsprechern rund um den Hafen. Kinder ziehen als Nikolaus verkleidet durch die Geschäfte, singen ihr Liedchen, begleiten dies mit dem klingeln einer Triangel und werden dafür beschenkt. Ich sitze im Segelhafen und beantworte Weihnachtspost und versende Karten.
Da wir im Fährhafen stehen und die einzige Wireless-Lan-Verbindung nur im Segelhafen besteht und es zudem stürmt und etwas regnet, breite ich mich mit meinem Powerbook unter einer Telefonhäuschenbedachung aus. So bleibt die Technik zwar trocken, dafür läuft mir aber der Regen vom Hals den Rücken hinunter.
Hoch oben in den Gebirgen rund um Aghios Nikalaos hat es geschneit. Die weißen Bergkuppen glänzen über der Stadt. Draußen herrscht Sturm und es sind nur noch 5 Grad plus. Die Heizung im Hotel läuft und wir haben es gemütlich. Nun ist es bereits 16 Uhr und wir freuen uns auf das heutige Weihnachtsmenü. Gegen 18 Uhr ziehen wir uns fein an und auf geht’s, in die kretische Taverne am Hafen. Der Chef und Koch erklärt was er an Delikatessen zubereiten kann. Die Entscheidungen sind schnell gefallen, 3 Gänge sollen es werden. Zuerst kretische Miesmuscheln mit Kräutern aus den Bergen in Olivenöl fein angebraten, dazu Weihnachtsbrot und hausgemachten Rotwein. Der zweite Gang, auf den wir uns am meisten gefreut haben, besteht aus Gebirgsschnecken. Mit Rosmarin, einem Hauch Knoblauch und etwas Fenchel angemacht schmecken sie wieder einmal hervorragend. Zu Abschluss folgen Riesengarnelen vom Grill, gereicht mit einer gebackenen Kartoffel mit viel Olivenöl. Wir mochten es gar nicht glauben, aber Kartoffel passt, wenn so zubereitet, exzellent zu den Prawns. Nach rund zwei Stunden dinieren zieht es uns zurück zum Hotel. Uns dürstet nach einem kalten Bierchen oder zwei und einen Raki. In den späten Stunden des Heiligabends stürmt es noch. Wir sprechen über die 27 Heiligabende die wir schon gemeinsam begangen haben, soweit wir sie noch zusammen bekommen. Dann lese ich die Weihnachtsgeschichte vor, die ich, so alter Brauch in unserer Familie, für sie schrieb:

„Der Wind ist frostig. Schnee fällt vom Himmel und treibt von Sturm getrieben fast schon waagrecht durch die Luft, als ich durch die Straßen meiner Stadt hetze, um letzte Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Es war bereits der Tag des Heiligenabends. Schon am frühen Nachmittag war ich mit den Einkäufen fertig, war voll gepackt mit Kartons, in denen sich allerlei Geschenke befinden. Es wird noch kälter, ein eisiger Sturm fegt durch die Gassen und ich beeilte mich schnell nach Hause zu kommen, als ich durch Schnee und Sturm ein junges Mädchen wahrnehme. Sie ist vielleicht gerade mal 12 Jahre alt. Trägt nur eine dünne Jacke, Halbschuhe, keine Handschuhe, keine Mütze und keinen Schal. Ich sehe, wie sie friert und ihr Gesichtlein ist vom kalten Wind gerötet. Der Sturm peitscht ihr ihre langen Haare immer wieder ins Gesicht. Ich rufe zu Gott: „Herr, wie kannst Du das zulassen, solch eine Armut an Deinem Geburtstag, am Heiligabend?“ Doch ich bekam keine Antwort, hatte wohl auch keine erwartet. Das Mädchen geht auf der anderen Straßenseite parallel zu mir und ich kann sehen, fühlen, spüren, wie sie zittert und friert. Der Anblick ist so erbärmlich, dass ich mit Gott schimpfte: „Typisch von Dir Gott, das arme Mädchen erfriert fast und mir gibst Du nicht mal die Antwort, wie Du dem Mädchen helfen willst!“ Ich gehe eine Weile weiter in der engen Gasse, nun fast neben dem Mädchen, als ich eine Stimme höre: „Siehst Du denn nicht, ich habe dem Mädchen doch schon geholfen, warum schimpft du dann mit mir?“ Ich schaute zu der Kleinen herüber und sehe, dass sie immer noch so ärmlich ausschaut wie vorher und eher noch mehr friert und zittert. Ich grolle zu Gott zurück: „Du hast Ihr geholfen? Wie denn? Nichts hat sich geändert, nichts hast Du getan Gott und wirst es auch wohl nicht!!“ Die Stimme antwortete mir: „Doch, ich habe ihr schon vor 53 Jahren geholfen, indem ich Dich erschuf!“

Etwas Göttliches werden wir nur erleben, wenn wir selbst bereit sind anderen selbstlos zu helfen. Frohe Weihnachten!

Tag 46: Zurück zum Fährhafen von Kissamos 233 km
Wie schnell sich das Wetter doch ändern kann. Gestern eisige 5 Grad und Sturm, heute angenehme 18 Grad und Sonnenschein. Gestern eiskalter Wind vom Norden, heute von Süden, von Afrika, mild herüberwehend.
Noch einmal durchrollen wir heute die Insel, diesmal von Ost nach West. Morgen Mittag gegen 11:30 Uhr geht unsere Fähre zurück nach Githio. Durch den Sturm gestern haben sich die Fahrpläne geändert. Es heißt nun schon diese frühe Fähre zu nehmen oder eine ganze Woche zu warten. Das wollten wir nicht, es soll ja weitergehen. So rollen wir die neue Bundesstraße über Heraklion, Rethimno und Chania nach Kissamos und erinnern uns gerne an die fantastischen Stellplätze und die zahlreichen Stadt- und Küstenbesuche. Am frühen Nachmittag stehen wir im Fährhafen und ich probiere noch einmal die Angel aus. Erfolg hatte ich dabei nicht. Nur die Fischschulen haben sich wohl an den Garnelen erfreut, denn, was am Haken hing, war nach jeweils 2 Minuten abgeknabbert. Gegen Abend werden wir den Stellplatz direkt am Wasser tauschen und uns in die Schlange der LKWs einreihen, die bereits zum Verladen werden warten. Das wird diesmal eng. Wir haben ein offenes Ticket und sollte der Platz nicht reichen, dass ist schon mal klar, müssen wir Kreta verlängern.
16 Tage waren wir Gäste des Göttervaters Zeus. 16 Tage haben wir uns an und auf Kreta erfreuen dürfen. 1.078 Kilometer hat unser Hotel dabei zurückgelegt. Ziehen wir Bilanz, ob sich die Kosten für Fähre und Überfahrt gelohnt haben, so gibt es zwei einstimmige und entschlossene „Ja“ –Stimmen. € 328, das war es wert, definitiv! Wer nur die Sonne genießen, an der Poolbar Cocktails serviert bekommen möchte, um abends dann in den Hochburgen des Trubels und in den vielen Diskos bis zum frühen morgen zu feiern, dem wird Kreta das sicherlich bieten. Ihm wird sich aber Kreta nicht offenbaren. Kreta ist kein „Standort“, Kreta ist eine Reiseinsel. Wer wenig Zeit mitbringt und atemberaubende Landschaften und verträumte noch ursprüngliche Örtchen und das Kretische überhaupt erleben will, dem sei die Ostküste empfohlen. Das Hafenstädtchen Sitia ist ein idealer Ausgangspunkt. Im Umkreis von nur 50 Kilometern gibt es, so empfanden wir Kreta, die schönsten Erlebnisse und atemberaubende Naturspektakel. Alles von Kreta haben wir nicht gesehen. Zahlreiche Strände und sicherlich traumhafte Buchten mit Häfen und Dörfern entnehmen wir einem Reiseführer, sind hier noch, um entdeckt zu werden. Wäre es Sommer, würden wir sicherlich länger bleiben und oftmals Stühle und Tisch aus dem Stauraum an den Strand stellen. So ist es Winter und uns verlangt es mehr nach Entdeckungen, als nach Meer und Sand. Es hat sich gelohnt, dieses Kreta. Stellplätze für ein Reisemobil brauchen Sie im Winter nicht zu suchen, es gibt sie an jeder Ecke, mit traumhaften Panoramen und niemand wird sie vertreiben, wenn Sie Agio Galini meiden.
Wenn Sie Zeus besuchen, vergessen Sie nicht den kretischen Honig zu probieren. Er ist kein Vergleich zu dem was deutsche Supermarktketten an Auswahl zu bieten haben. Vergessen Sie auch nicht wenigstens einmal kretische Schnecken in Thymian und Rosmarin zu genießen. Wer Ihnen jemals erzählt hat Schnecken wären schleimig, der hat wahrscheinlich noch nie welche gegessen, zumindest nicht die, dieser bezaubernden und verzaubernden Insel des Göttervaters Zeus.

Tag 47: Die Überfahrt von Kreta nach Peloponnes 1 km
Wir haben die Nacht im Fährhafen ruhig verbracht. Nach einigen wenigen, bangen Stunden, war dann alles was an LKWs auf Kreta angelandet, aber durch den Sturm nicht mehr rechtzeitig vor Weihnachten zurück ans Festland „segeln“ konnte verladen und … es gab auch noch ein Plätzchen für unser Hotel.

ACHTUNG! Die Fähre Githio – Kissamos ist keine Roll-on-Roll-off-Fähre. Es wird alles im Rückwärtsgang in den hohlen Bauch des eisernen Walrosses eingefahren. Bei Reisemobilen besteht je nach Wasserstand und somit Steigung der Rampe die Gefahr des Aufsetzens der Rahmen, oder Rahmenverlängerung. Achten Sie darauf. Es gibt Matten, die, die Besatzung unter den Aufbau schiebt und mit dem Aufrollen auf die Fähre hinter dem Wagen anziehen, so dass der Aufbau, selbst wenn er aufsetzt, keinen Schaden erleidet. Beim Verlassen der Fähre in Githio ist zu beachten, dass man hier bereits vor der Fähre durch zusätzliche Betonanrampung den Höhenausgleich herbeigeführt hat. Dies gilt aber nur für das Ausrollen aus der Fähre. Dahinter, so ca. 30 Meter, endet die Betonauframpung und da kann kräftig aufgesetzt werden. Also Vorsicht!
11:30 Uhr, endlich legen wir ab. Noch einmal sehen wir Kreta aus der Ferne, wie das Gemälde eines Romantikers vor uns. Grüne Küsten, karge Steilhänge, eingeschneite Gebirge und davor das tintenblaue Meer. Ein Caspar David Friederich, der Maler, hätte es sicherlich einmalig verstanden, den Zauber dieser Landschaft, gefühlsnah auf Leinwand zu bringen.
Vorbei geht’s an zahlreichen Inselchen, die meist unbewohnt ihren Winterschlaf halten. Es gibt zwei interessante Zwischenstopps. Interessant, weil wohl heute der 2. Weihnachtsfeiertag ist und alles wieder den Heimatort verlässt, um wieder in Richtung Wohnort zu reisen. Zuerst landen wir auf Anti-Kithira an. Der riesige Koloss rollt stampfend in der schmalen Bucht ein. Dort wendet er erstaunlicher Weise und schabt dabei fast an die Felsen des Eilands. Es ist wirklich Millimeterarbeit. Man hört die strengen Anweisungen des Kapitäns, die augenblicklich von den Mannschaften wiederholt werden. So dreht sich der Kahn langsam im Kreis, um dann sein „großes Maul“ auf Achtern quietschend zu öffnen. Auf Anti-Kithira leben nur eine handvoll Menschen und das Einlaufen der Fähre muss für diese eine echte Attraktion, ein Feiertag für die Insel sein. Die Bewohner helfen die riesigen Taue an Land zu ziehen und andere winken und man sieht sie freuen sich. Selbst der Dorfpope hat es sich blau-gewändig vom Kopf bis zu den Füßen nicht nehmen lassen, dem Schiff sein Kreuzzeichen zu entbieten. Es gibt rührende Abschiedsszenen als die vielen Köfferchen, riesigen Plastiktüten und immer wieder auch Kanister mit Olivenöl, an Bord gebracht werden. Entladen werden ein paar Fahrradreifen und Kartons. Der Pfarrer bekreuzigt sich, segnet unsere rostige Dschunke und nach knapp 15 Minuten ist das ganze auch schon wieder vorbei und wir laufen aus. Die nächste Insel ist Kithira. Um vieles größer als Anti-Kithira und entsprechend bevölkert, geht die Anlandung und Verladerei, hier eher industriemäßig und organisiert zu. Die Abschiedsszenen im Hafen indes sind dieselben. Ohne den Segen eines Priesters diesmal, laufen wir nach 30 Minuten aus. Der Blick über die Insel ist phantastisch und wir sehen riesige Regenbogen, Sturmwolken und ebenso viel Sonnenschein. Nach 9 Stunden landen wir im Hafen von Githio an. Wir sind mit die ersten die ausrollen und finden noch schon 150 Metern unser Plätzchen im Hafen von Githio wieder, von wo wir aus aufgebrochen waren Kreta zu erkunden. Wir parken und bleiben die Nacht mit Blick auf das heute Abend offensichtlich von Stromausfällen geplagte Hafenstädtchen, das sich vor unseren Augen, ganz wie eine blinkende Christbaumgirlande entzündet und wieder verdunkelt. Ein müdes Kalinichta zurück auf den Peloponnes.

Gast am 18 Mär 2007 22:12:41

Hoffe ich habe alles richtig gemacht und die Alben freigegeben. Warum muss Technik so schwierig sein?

Versucht diesen Link auch einmal:

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Erbitte Rückmeldung ob Ihr die Fotos nun sehen könnt.

Gast am 18 Mär 2007 22:38:23

Tag 48: Auf dem Gibraltar Griechenlands, 70 km
In der Nacht hat es kräftig geregnet. In Githio werden schon schnell einige Einkäufe getätigt und schon rollte unser Hotel weiter, vorbei an kilometerlangen Orangenplantagen. Es geht zum Dritten, der drei südlichen Ausläufer der Peleponnes, diesmal an der Ostküste, zur Parnonhalbinsel. Hier befindet sich das Gibraltar Griechenlands, so steht es geschrieben, die Insel Monemvasia mit gleichnamigen Örtchen, welche ein wirklicher Diamant an den Gestaden der Antike ist. Ein Besuch ist quasi Pflicht und bereichert unsere Reise ungemein. Was wir vorfinden ist die atemberaubende Kulisse der Insel. Als wir in Yefira (Yefira bedeutet „Brücke“), dem vorgelagerten Häfendörfchen einrollen sehen wir sie, die Trutzburg Monemvasia und auch die kleine Brücke (Yefira), die das Eiland mit der Peleponnes verbindet. Als wäre es ein Willkommenszeichen des Himmels grüßt uns freundlich ein Regenbogen, der sich von der Insel hinüber zum Festland, zu uns, spannt, als wollte er uns hinüberleiten. Welch ein grandioser Anblick!
Achtung: Monemvasia ist eine reine Fußgängerstadt. Wer mit dem Reisemobil anreist, sollte schon keinesfalls die kleine Straße hinauf zum Felsen, an dem das Örtchen Monemvasia sich anschmiegt fahren, vielmehr in Yefira parken. Die Straße hinauf ist schmal und links und rechts (… trotz einseitiger absoluter Halteverbotszonen!) zugeparkt. Wer hinauffährt, so wie wir, es ist ja Winter und wir sollten eigentlich viel Platz vorfinden, denken wir zumindest, darf dann die Reise von rund 2,0 Kilometern rückwärts antreten. Dies auch noch bei Gegenverkehr mit Fahrzeugen, die hinauf wollen, einer nur knapp 3 Meter breiten Piste, ohne Leitplanke versteht sich, und unbefestigtem Randstreifen neben dem Asphalt. Hier geht es teilweise 200 Meter in die Tiefe und einen Halt kann es nicht geben, wenn der Wagen erst einmal rutscht.
Monemvasia bedeutet soviel wie „Ein einziger Eingang“ (Moni emvasia). Die ungewöhnliche Felsformation, haben vermutlich die schweren Erdbeben und geologischen Verwerfungen geschaffen, die durch den Ausbruch des Vulkans auf der Insel Thera im 15. Jahrhundert v. Chr. stattgefunden haben. Diese Urgewalten hatten, wie berichtet im Kreta-Kapitel, auch schon die minoische Zivilisation ausgelöscht.
Monemvasia war bis 375 nach Chr. ein Teil des Festlandes der Peleponnes. Das in dem Jahr datierte Erdbeben, hat die Küsten Lakoniens neu geformt. Städte wie Gythio, Epidaurus, Limera und Vies versanken ganz im Meer, als die Küste mehrere Meter tief in die blauen Fluten, abbrach. Monemvasia wurde hierdurch zur Insel. Erste Siedler, vermutlich Lakonier, ließen sich im 6. Jahrhundert n. Chr. hier nieder. Monemvasia hat eine tief bewegende Geschichte. Wer sie historisch aufarbeiten möchte, dem sei für nur € 5,00 das Büchlein „Monembacia erleben“ von Ellie Emke empfohlen. Man erhält es auf der Insel in Deutsch, Englisch und Griechisch.
Verlassen wir die Geschichte und Historie und wenden uns wieder dem Erleben der Natur, Landschaft und Plätzen zu, indem wir das Örtchen durchstreifen. Tatsächlich führen nur eine Brücke zu der Insel und ein Tor in den eigentlichen Ort Monemvasia. Von diesem Stadttor aus, welches gleichzeitig Teil einer riesigen Befestigungsanlage mit Wehrtürmen und gewaltigen Mauern ist erreicht man quasi die Hauptstraße, den Mittelweg des Castro ( „tis messis“ , die mittlere), eher ein Gässchen von maximal zwei Metern Breite, gebaut mit vielen Windungen, groben Kopfsteinplastherwegen gehauen aus Gebirgsgestein und Lava mit unzählig vielen Treppen zu beiden Seiten hinauf und hinab. (Robustes Schuhwerk empfohlen!) Gleich hinter dem Stadttor erleben wir, gleich der Reise durch ein Tor der Zeit, eine Welt des 10. Jahrhunderts nach Chr. Hier haben sie einst gelebt und Handel getrieben, die Händler mit ihren Wollstoffen, Tüchern, Leder, Gewürzen, Medizinen, Werkzeugen, Waffen und allem was in der damaligen Zeit gebraucht wurde und Gewinn verschaffte. Man muss sich einen Moment fallen lassen in die Geschichte und Vergangenheit, um sie zu sehen, die Düfte und Aromen einatmen, ihr lautes Feilschen wahrnehmen zu können. 8.000 Menschen sollen hier in dieser Zeit gelebt und gearbeitet haben. Heute grüßen nette Tavernen und die wie in jeder touristischen Stadt so überflüssig wie Fliegen in unserem Hotel, Schnickschnack anbietende Souvenirläden. Wer kauft dieses Zeugs nur fragen wir uns? Und was hat es eigentlich mit der Geschichte der Stadt zu tun was hier heute feilgeboten wird? Wir versuchen sie zu übersehen und konzentrieren uns auf das Alte und Ursprüngliche. Hinter jeder Biegung, jeder Ecke, jedem Treppchen verbergen sich echte Geschichte und wahrlich Hunderte von Fotomotiven. 10 Kirchlein zählt die Stadt heute, einst waren es gar 40, insgesamt, in all den Epochen. Auch ein kleines Museum, mit den Funden aus historischer Zeit, vom Berg, von der Insel lockt den Besucher. Die Häuser, teils optisch sehr gut renoviert lassen die Stadt so erstrahlen, wie sie einst ihr Charisma über jeden Besucher ausgebreitet haben muss. Die Gässchen sind teils so eng, dass wir nicht einmal an diesem regnerischen Tag, unseren Regenschirm aufspannen können. Hunderte von Stufen führen in die Unterstadt und, wer eine eiserne Kondition hat, kann die tausend Stufen hinauf zur Festungsanlage in Angriff nehmen. Wir sind nicht die einzigen Besucher heute und hier im Winter, aber wir wandeln fast alleine durch die Gassen. Wie mag es hier im Sommer zugehen, wenn sich Touristen, wie ein aufgeblasener Lindwurm, treu ihrem touristischen Führer, der verzweifelt ein Stäbchen mit bunten Bändern hochhält, um seine „Schäfchen“ unterwegs nicht an eine andere Gruppe zu verlieren, durch die schmalen Gassen wälzen. Das Kauderwelsch von unzähligen Sprachen muss dann sich wohl wie ein betäubender Dauerlärm zwischen den alten Mauern, gleich einer Flut, ergießen. Wir haben den Vorteil die Ruhe und Beschaulichkeit genießen zu können und nehmen nicht nur 115 Schnappschüsse, sondern auch unvergessliche Erinnerungen mit uns mit, als wir durch den „Moni emvasia“, den einzigstem Eingang wieder hinaus schreiten. Wir empfehlen dringend den Besucher dieser Insel. Sie ist ein einmaliges Erlebnis.

Roxanis Kapelle, hoch oben am Fels, über dem Friedhof
In Monemvasia lebte einst ein hübsches Mädchen. Ihr Name war Roxanis, so die Überlieferung. In der Zeit als die Türken über die Insel herrschten, wurde die schöne Roxanis von einem jungen Osmanen, gegen ihren eigenen Willen, entführt. Die Familie, vornehmlich die männlichen Verwandten des Mädchens, konnten selbstverständlich eine solche Schande nicht dulden. Sie fühlten sich gedemütigt, entrechtet, entehrt. Eines Abends lauern sie dem Entführer auf. Im Hinblick darauf, dass wer eine solche Tat begeht, ein Mädchen in so jungen Jahren stiehlt, auch andere Ansinnen damit verbindet und sie sicherlich Roxanis auch angetan haben wird. Das brachte Schande auch über das arme, unschuldige Mädchen. So waren auch klar, Beide müssen sterben. Nur so konnte der Makel der die Ehre beschattete getilgt werden. So geschah es, dass die Beiden, am selben Abend von den Rächern, über die steilen Felsen, hinab in den sicheren Tot, geworfen wurden. Die junge und so hübsche Roxanis wurde Opfer der Blutrache, der eigenen Familie, der Vendetta, die hier, wie auch in der Mani, für die stolzen Familien zur Ehrenrettung diente.
An dem Ort, wo Roxanis junger Körper auf dem Plateau zerschellte, konnte man nach ihrem Tot ihr inniges und tiefes Wehklagen, weinen und schluchzen hören. Der Geist des ermordeten Mädchens klagte ihr Schicksal und die Rächer gleichsam an. Weinen und Klagen nagte an dem Gewissen der Mörder und schließlich errichten sie an dem Ort, wo Roxanis ihr unschuldiges Blut vergoss eine bescheidene Kapelle. Danach verstummte das Weinen für immer. Hatte Roxanis unruhiger Geist ihren anverwandten Mördern vielleicht vergeben, oder ist er einfach nur entschwunden, in die Weiten des Myrtoon Meeres und seiner zahlreichen Inseln bis hin zu den Kykladen im Osten.

Flywolf am 18 Mär 2007 22:58:14

:daumen2:
Wolf

Gast am 19 Mär 2007 15:50:06

Tag 49: Von Monemvasia über Sparta nach Mystras 95 km
Wenn immer wir Ruinen finden, verbrannte Erde, von Totschlag, Mord, Raub, Vergewaltigung und Elend lesen, taucht ein gewisser Name auf. Dies war schon so als wir in der Bucht von Navarino standen und über die große Schlacht zu Wasser schrieben. Er folgte und verfolgte uns entlang der Gestade des Messinischen, wie auch des Lakonischen Golfes. Er war allgegenwärtig. Sein Name ist nicht in goldenen Buchstaben in die Historie geschrieben. Sein Name ist in Blut geschrieben. „Er“, Ibrahim Pascha! Was für ein „Mensch“ muss dieser Mann, der einst ein riesiges Herr von mehr als 10.000 Söldnern befehligte, gewesen sein? Was waren seine Ziele, was trieb ihn an, was wollte er erreichen, wie wollte er in der Geschichte erscheinen? Alles was er der Nachwelt hinterließ waren Trümmerfelder und Blutspuren. Besonders in Mystras, 7 Kilometer östlich von Sparta. Doch beginnen wir von vorne.
Das heutige Sparta kann man eigentlich getrost vergessen. Einst Rivale des antiken Athen, um die Vorherrschaft auf der Peleponnes, ist von Ruhm, Ehre und Bauwerken des einst so mächtigen Volkes kaum etwas geblieben. Sparta zeigt sich für den Besucher, wie man so sagt, eben sehr spartanisch.
So biegen wir in Sparta auch gleich links ab und weiter nach Mystras, der einstigen byzantinischen Metropole und Hochkultur des 14. und 15. Jh. Um das Jahr 1800 herum lebten noch 16.000 Menschen an und auf den Hängen des Taygetos-Gebirges. In der damaligen Zeit ein Magnet für Handwerker, Künstler, Kirchenleute, Händler und Fabrikanten der feinsten Seiden, bot diese Stadt nicht nur Historie, Zukunft, Kultur und eine hoch entwickelte Gesellschaftsform, vielmehr auch Lebensraum in herrlicher Landschaft mit weitem Blick hinweg über die fruchtbare Ebene, auf der das heutige Sparta errichtet ist und den Gebirgen und Ausläufern des östlichen Taygetos. Über ihr thronte die riesige von den Franken in 1248 errichtete Burg. Was für eine Stadt war dies? Wie kulturell-bunt, geschäftig und künstlerisch muss es in ihr vorgegangen sein. Ein Paradies in ihrer Blütezeit war sie sicherlich, bis dann kam, wer kommen musste, Ibrahim Pascha und seine blutrünstigen Horden. Sie vernichteten Mystras auf so gemeine Art und Weise, das alle ihre Bewohner fliehen mussten. Ihr Lebensraum, der von Generationen vor ihnen und Generationen die folgen sollten ward für immer zerstört. Hätte es Ibrahim Pascha nie gegeben, wäre Mystras, mit seinen damals mehr als fantastischen Palästen, Kirchen, Schulen und Klöstern, heute ein riesiges Freiluftmuseum aus byzantinischer Zeit. Was Mystras heute bietet ist dennoch, für einen einfühlsamen Besucher Naturspektakel, Ereignis und Erlebnis zugleich. Vielleicht gibt es keinen Ort der Welt, den man auf antiken Spuren mit Konfrontation der Geschichte, grandioser Kunst und einer einmaligen Natur heute noch so durchwandern kann. Das Pantanassa Kloster oben am Hang ist heute noch bewohnt. Eine alte Nonne reicht uns ein Tablett mit Süßigkeiten, die sie selbst hergestellt hat und bietet ihre hand-gestickten Deckchen an. Die Dutzend Katzen müssen sie lieben, denn sie schnurren um sie herum, wo immer sie geht oder sitzt. Wieder erbaut wurde ein Teil des ehemaligen Bischofspalastes mit einem grandiosen Arkadenhof. Ebenso die Evangelistria, eine Friedhofskapelle und die Ag. Theodoria mit seltener Acht- Stützen-Kuppel sind zu besichtigen. In der Oberstadt lädt die Ag. Sophia von 1350, in der zwei Fürstinnen begraben sind, zum Besuch ein. Sie war einst Palastkirche und war Teil des Zoodo-Mönchsklosters.
Der Besuch Mystras ist ein sehr lohnender Ausflug und sehr zu empfehlen. Festes Schuhwerk ist ein Muss. 2-4 Stunden sollte man sich Zeit nehmen.
Unten im Tal finden wir einen Stellplatz, direkt neben einer der zahllosen Orangenplantagen. Vor uns die Lichter des kleinen Neudorfes Mystras am Fuße der antiken Stätte. Mit Blick hinauf auf Kloster, Burganlage und Ruinen, die nachts beleuchtet sind und alles in ein gespenstisches Licht tauchen, beschließen wir den Tag.

Tag 50: Vom Taygetos-Gebirge zum Argolischen Golf 119 km
Die Nacht über hat es so heftig geregnet, dass wir dachten, das Dach unseres Hotels wurde einbrechen. Dennoch war es warm, angenehme 20 Grad und am Morgen scheint die Sonne, wie so oft, nach unruhiger Nacht. Früh machen wir uns auf, um wieder an die Gestade zu gelangen. Es geht zunächst Richtung Tripolis und auf halber Strecke (25 km nördlich von Sparta) wollen wir rechts Richtung Astros, im Osten, abbiegen. Die Strecke geht steil bergauf. Die Strasse ist erstklassig und der Blick auf das Taygetos-Gebirge, den Ag. Ilias, mit seinen 2.404 Metern Höhe, wird immer atemberaubender. Davor liegt eine riesige, fruchtbare und gar nicht so spartanisch anmutende Ebene. Schon nach wenigen Kilometern ändert sich die Landschaft völlig. Als hätte der Erschöpfer der Erde an seinem siebten Tag und der Vollendung seines Werkes nur noch ein paar Kiesel und Samen in der Hand gehabt und sie hier wahllos verstreut. Überall kleine, bizarre Felsstückchen und dazwischen, bonsaigleich, Minibäumchen und niedrig wachsende Büsche. Nach 8 Kilometern erreichen wir den Ort Karies, die Ortsdurchfahrt ist Millimeterarbeit, während die kleinen Kreisstraßen hier durchaus in gutem Zustand sind. Diesem Umstand und mangelnder Beschilderung ist es dann wohl auch zu verdanken, dass wir uns ordentlich verfahren. Anstatt über Agios Petros direkt nach Astros zu gelangen, verschlägt es uns immer südlicher. Riesige Gebirge tun sich vor uns auf und fordern überquert werden, denn für ein zurück sind wir nun schon zu weit gefahren. Wir fühlen uns wie in den Voralpen, zumal wir üppige Kiefernwälder durchfahren. Der direkte Weg wäre rund 75 Kilometer gewesen. So wurden es knapp 120 an diesem Tag, für die wir dann auch 3,5 Stunden brauchten. Wir können nicht einmal genau so, wie wir gefahren sind, denn keine Karte die wir haben, zeigt die Route. Jedenfalls waren die Panoramen am Wege, wunderschön. In der Ferne können wir den 1.839 Meter hohen Parnon erspähen. Er liegt in Höhe fast gleich auf mit uns, denn unser Pass zählt 1.530 Meter, besagt das einzige Schild. Als wir die Spitzen der Gebirge erreicht haben verschlägt es uns bei dem Anblick fast den Atem. Vor uns liegen die blauen Wasser des Argolischen Golfes und östlich über dem Meer der vierte und östlichste Ausläufer der Peleponnes. Wir schauen auf Korintha und Argolis, die Insel Spetses und können die Städte Nafplio und Krani an den Ufern schemenhaft erkennen. In der Ferne blickt stolz der 1.199 Meter hohe Araneo zu uns hinüber. Der Umweg hat sich also gelohnt, denn die Ausblicke waren ungeheuerlich schön, wie auch die Landschaften, die wir durchfuhren, so steil sie auch waren. Die Ortsdurchfahrten hingegen waren ein echtes Abenteuer und oft dachten wir, dass hier das berühmte Schild hinter der nächsten Biegung auf uns warten würde. Das Schild mit der Aufschrift „ … hier ist die Welt zu Ende!“
Gegen 14 Uhr erreichen wir eine Landzunge, die schon oben in den Bergen, für uns als Stellplatz als möglicherweise interessant zu erspähen war und tatsächlich, wir finden hier den Ort Paralino Astros, mit wunderschönem, einladenden Hafen, einer Kaimauer zum Meer hin und Palmen und Kiefern an den Ufern. Wir laden uns ein als Gast zu bleiben, verschieben den Reiseplan für zwei Tage und wollen hier unser Silvester feiern.
Paralino Astros ist ein kleiner Fischerhafen mit vielen, bunten Tavernen und einer gemütlichen Strandpromenade mit Strand. Der gesamt Ort ist überaus gepflegt. Ein Mini-Olympiastadion befindet sich zwischen Hafen und Meer. Die Meerjungfrau thront über der Kaimauer. Von den Hängen wachsen Kakteen. Der Ort selbst zieht sich am Hang hinauf und über ihm sind die Reste einer alten Festungsanlage ( … wohl auch Venezianisch) zu erkennen. Genau ein solcher Ort ist hier gelegen, wie wir ihn immer wieder suchen. Ursprünglichkeit, Romantik und viel fürs Auge, mit Stellplatz am Meer und im Hafen. Wir bleiben und Nafplio muss auf uns ein paar Tage länger warten. Freudig werden wir mit dem Gegacker von zwei-drei Dutzend Enten empfangen. Wir werden die nächsten Tage hier im Hafen mit ihnen wohnen, denn ein Entenhaus schwimmt nahe dem Ufer bei unserem Hotel. Zum Dank für das Ständchen gibt es dann alle Brotreste, die unser Hotel noch hortet.
Tag 51: Ruhe am Strand von Paralino Astros (30.12.2005) 0 km
Gegen Mittag, es sind 23 Grad, umwandern wir die Halbinsel, vorbei an der Meerjungfrau, hinauf zu den Resten der Burganlage. Von hier oben haben wir einen perfekten Blick zu unseren nächsten Zielen auf der Seite über den Argolischen Golf hinweg Richtung Nafplios. Um einen Stellplatz auszumachen ist es zu weit weg gelegen. Auch der Blick hinunter nach Paralino Astros ist wunderschön von dieser Bergkuppe aus. Gen Nordosten erblicken wir auch noch einen verträumter Strand, völlig alleine, einsam und zu dieser Zeit unbesucht. Den Rückweg treten wir über eine breite Treppenanlage an und gelangen so wieder in das Dörfchen.
Paralino Astros ist eine echte Empfehlung. Wir müssen jedoch immer wieder darauf hinweisen, zu welcher Jahreszeit wir reisen. Hier finden wir im tiefen Winter unser Sommermärchen.

Tag 52: Silvester in Paralino Astros 0 km
Ein schöner, sonniger und warmer Tag, so präsentiert sich der Letzte des Jahres 2005. In unserem Hotel messen wir gar bis zu 30 Grad. Eine richtige sommerliche Wohlfühltemperatur. Diesen letzten Tag lassen wir in Ruhe an uns vorbeiziehen. Was hatte uns 2005 alles so beschert? Eigentlich einen wesentlichen Punkt, den Jobverlust im Alter von 53 Jahren. Ich hätte es nicht hinzunehmen müssen, aber, wer einmal unter der Regie von Engländern sein Handwerk ausüben musste, der weis, das man unendlich arrogant, geduldig und unlogisch handeln muss. Zudem sollte man Meister der Intrige sein. Alles Punkte, die so gar nicht meinem Naturell entsprechen. So gab ich in 2005 meinen Vorstandsposten, noch frühzeitig vor einem möglichen Herzinfarkt, lieber freiwillig ab, nahm das (Schmerzens)-Geld und beschloss meinem Leben wieder mehr Sinn zu geben. So kam es, dass 2005 für uns genau in der Mitte endete und sich für die 2. Jahreshälfte völlig neue Perspektiven auftaten. Ein Campervan wurde angeschafft, der erste noch mit Alkoven und 3 Achsen. Ein richtiges Monster von 8 Metern Länge. Damit ging es los nach Italien. Mailand, Pisa, Florenz, Viena, Rom, Neapel, die Insel Capri, und weiter die Küste hinunter bis nach Regio di Calabria. Dann hinüber nach Sizilien. Einmal rund herum und zweimal quer durch. Zurück ging es die Ostküste hoch. Einmal durch Umbrien und auch Assisi wurde besucht. Zwei Monate waren wir unterwegs. Das alles hat uns so gut gefallen, dass wir unsere Stadtwohnung in Frankfurt aufgaben, denn in einer Wohnung fühlten wir uns auf einmal beengt und eingeschlossen. Unser Familiensitz, ein Hobbybauernhof in Nordhessen wurde kurzerhand verkauft. Die Möbel eingelagert und … ein neues, flotteres und vor allen komfortableres „Hotel“ auf 2 Achsen angeschafft. Ja, und damit sind wir nun unterwegs. Ich las neulich einen Satz, der sich mir eingeprägt hat. Da schrieb jemand folgendes: „Wir gewinnen an Leben mehr Jahre und verlieren mehr Jahre an Leben!“ Man muss erst einmal darüber nachdenken, um den Inhalt zu verstehen. Wir werden immer älter, füllen diese Jahre aber mit immer weniger Sinn und Leben. Wie Recht dieser Schreiber doch hat. Wir jedenfalls fühlen, dass wir an Leben gewonnen haben, vor allen an Lebensqualität. Auf unserer nun schon recht langen Reise durch Griechenland sind mir am gestrigen Tage zwei Dinge aufgefallen. Am Silvesterabend läuteten viele Male hintereinander, nur wieder von Chorälen unterbrochen, die Glocken hoch oben von der Kirche, nahe der Burg, herunter zu uns ins Tal, im Hafen. Es waren immer drei Glocken die läuteten. 2 kleine mit hellem Klang. Sie läuteten, als wenn die Klöppel um die Wette gegen den Guss hämmerten. Es hörte sich an wie ein hohes Kling-Klang-Kling-Klang. Dazwischen mischte sich, wesentlich langsamer, die etwas „fettere“ Glocke mit einem „sattem“ Dong - Dong - Dong. Halten Sie mich jetzt bitte nicht für verrückt. Aber die Glocken klangen freundlich, einladend, fast lustig, leicht, unbeschwert und frei. Ihr Klang, reflektiert irgendwie das Leben der Griechen. Sie sind in allem viel gelassener, vor allem bescheidener und wohl auch zufriedener. Darauf komme ich gleich noch zurück. Ich möchte noch etwas über die Glocken schreiben. Vergleiche ich den unbeschwerten Klang der griechischen Glocken mit dem unserer deutschen, viel wuchtigeren Glocken, so mögen unsere einen schöneren, runderen Klang haben, aber sie klingen so mahnend. In ihren Tönen ist nicht die Leichtigkeit des Lebens, sie klingen anklagend. Brigitte brachte es auf den Punkt. Sie sagte jeder Glockenschlag in Deutschland lässt einen sich schuldig fühlen, so irgendwie nach dem Motto „Gehe hin und tue Buße“. Das alles mag banal klingen, was ich hier schreibe, aber es sind eben Gedanken die zu einem geflogen kommen. Vor allem, wenn man an die Zukunft denkt. Wo werden wir denn einmal landen. Werden wir überhaupt ein Fleckchen finden das uns gefällt und auch Einkommen ermöglicht? Oder kehren wir doch wieder nach Deutschland zurück? Nun zum zweiten Punkt der Gedanken am frühen Silvesterabend, zurück zu den Griechen und ihrer Bescheidenheit. Sieht man ihre Häuser, so sind sie kleiner, improvisierter, zugegeben auch ungepflegter, aber irgendwie haben sie auch wieder mehr Charme und Charakter als ein Fertighaus von der Stange. Ich könnte noch lange philosophiere, lasse es aber hierbei bewenden.
Am Abend gibt es 2 große Hummer, die wir, nein leider nicht auf dem Fischmarkt, sondern im Lidl-Markt erstanden haben. Vorweg eine Hummersuppe und danach etwas griechisches, einen eingelegten Apfel. Es mundet vorzüglich. Bald ist es 24 Uhr, unsere Kinder rufen an, worüber wir uns sehr freuen. Das alte Jahr ist gegangen. Was wird uns das Neue bringen?

Gast am 19 Mär 2007 16:10:06

Fotolink: Mystras
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Gast am 19 Mär 2007 16:59:04

Der erste Tag im neuen Jahr 2006

Tag 53: Ein kurzer Umzug 35 km
Entlang der Küste Richtung Norden bewegen wir unser Hotel zu neuen Ufern. Diesmal heißt das Ziel Nafplio (Nauplia). Nafplio ist ein historisches Hafenstädtchen am Argolischen Golf, war einst gar die Hauptstadt Griechenlands. Das war von 1829 bis 1834 der Fall. Ausgerechnet ein Deutscher, ein Bayer, änderte dies und erklärte Athen zur Hauptstadt des neuen Griechenlandes. Es war der König Otto der Erste aus Bayern, der mit seiner Flotte in Nafplio anlandete und von hier seinen Weg nach Athen nahm. Aus dem Hause Wittelsbach stammend war König Otto I. der erste neugriechische König.
Ansonsten schreibt sich die Geschichte Nafplios so wie die, der vielen anderen Küstenstädte. Immer wieder Kriege, Besetzungen, Machtübernahmen und immer wieder kommen zwei Völker ins Spiel, die Türken und die Italiener, besser gesagt die Venezianer. Nafplio ist, wer typische Touristenorte meiden will bestimmt nicht das geeignete Ziel. Allerdings sollte man sich diese Stadt ansehen, denn sie ist sehenswert, sehr sogar. Über ihr thront eine Festungsanlage Palamidi, die einen Zusammenschluss aus eigentlich drei Festungen bildet. 850 Stufen führen hinauf, oder man nimmt den Weg um den Berg herum, dieser zählt 3 Kilometer. Im Hafen liegt die kleine Insel Bourtzi, mit einer stolzen Burganlage aus dem Jahre 1700. Hier wohnte noch bis ins 19. Jahrhundert hinein der Scharfrichter, den man in der Stadt als Bürger nicht duldete. Boote fahren hinüber zur Insel. Das Ufer vor der Stadt ist gesäumt mit Palmen und unzähligen Restaurants und Tavernen. In der Stadt finden wir großzügige und eindrucksvoll angelegte Plätze, umsäumt mit ebenso anmutigen Gebäuden aus venezianischer Zeit, wie auch zwei islamische Moscheen. Auch einen schönen Sandstrand hat der Ort vorzuweisen. Dieser liegt stadtauswärts Richtung Epidaurus und Festung. Man muss auf halben Weg abzweigen, um ihn zu erreichen. Ansonsten bietet Nafplio Charme und Charakter, strollt man durch die vielen kleinen Gassen mit unzähligen Geschäften und Kneipen. Allerdings, ist die Ursprünglichkeit dem Mammon der Touristen gewichen. Trotzdem eine klare Empfehlung für diese Stadt, zumal wir einen sehr guten Platz für unser Hotel im Hafen gefunden haben. Zum ersten Mal seit unserer Griechenlandreise stehen wir neben weiteren 4 Hotels auf Rädern. Vielleicht gibt es ja heute Abend einen kleinen Erfahrungsaustausch in geselliger Runde. Von Nafplio aus empfiehlt sich auch der Besuch von Mykene, nur 12 Kilometer von Argos und rund 30 von Nafplio. Mykene war einst eine Königsburg. Heinrich Schliemann, der berühmte, deutsche Archäologe von Troja, fand hier einen Goldschatz von 14 Kilogramm Gewicht. Geschichtler mögen mich nun nicht verdammen wenn ich profan sage, wir hatten in den letzten Wochen so viele Ruinen und Ausgrabungsstätten besucht, dass unsere Lust auf Antike relativ gedämpft ist. So lassen wir Mykene diesmal aus und werden nicht den einäugigen Zyklopen ins Auge schauen. Sie sollen bekanntlich hier die riesigen, viele Tonnen schweren Steine für die Mauern aufgetürmt haben.

Tag 54: Portoheli und Ermioni 110 km
Die Nacht war laut, aber das erwartet man ja auch schließlich von einer Hochburg des Tourismus. So beschließen wir ein ruhigeres Plätzchen zu finden und brechen auf. Es geht erst in Richtung Osten, bis kurz vor Epidavros, dann gen Süden Richtung Portoheli. Die Fahrt ist angenehm, der Asphalt sanft und, da immer noch Feiertag in Griechenland, die Straßen leer, um diese Zeit. So rollen wir langsam und bewundern das, was die Natur uns anbietet. Gen Süden zieht sich die Straße hoch hinauf in die Berge. Als diese überquert sind bietet sich ein spektakuläres Panorama. In der Ferne Portoheli und die Insel Spetses, davor, tief im Tal, die Stadt Didima. Nach 70 Kilometern gemütlicher Fahrt erreichen wir das Hafenstädtchen Portoheli. Alles sehr aufgeräumt, Palmen, viel Parkraum, Wegweiser, Tavernen und natürlich das blaue Meer des Argolischen Golfes. Nicht viel Ursprünglichkeit ist hier zu finden. Ein Seebad eben, aber, mit vielen Möglichkeiten. Von hier und dem Nachbarort Kosta gehen Fähren hinüber zur Insel Spetses. Es gibt an diesen Gestaden unzählige kleine Badebuchten und die Natur rundherum ist ebenfalls vielseitig, von schroffen Felsen, über Kiefernhaine bis hin zu grünen Wiesen. Wir durchwandern die Stadt, tätigen unsere Einkäufe und fahren weiter, Richtung Ermioni, östlich von Portoheli. Eine interessante Fahrt, teils entlang der Küste mit herrlichem Blick auf die Insel Hydra. Hier beschließen wir den Tag im Hafen. Wir stehen in der langen einladenden Bucht, rechts von uns das Örtchen, links tun sich hohe Felsen auf und in der Mitte erblicken wir abends die funkelnden Lichter der Insel und Stadt von Hydra.

Was nervt unterwegs am meisten …
Wir haben uns schon fast daran gewöhnt und doch schreckt es uns jedes Mal auf und zerrt an den Nerven. Es sind die Jugendlichen, die mit ihren frisierten Mofas, natürlich ohne jegliche Auspuffdämpfung, tagein – tagaus, bis in die Nacht hinein, ihre Runden drehen. Je prominenter unser Hotelparkplatz, desto lauter ist er auch, wenn wir in einer Stadt oder einem Dorf stehen. Sie rasen im wahrsten Sinne des Wortes, wie die Wahnsinnigen, manchmal nur auf dem Hinterrad und natürlich, wie könnte es anders sein, ohne Helm, oft zu zweit und selbst zu dritt auf einem Mofa haben wir sie schon „bewundern“ müssen. Heute ist wieder so ein Tag der besonderen „Güte“ und an Überfluss an Schall. Es wird gedröhnt was die Eintakter hergeben und Zwischengas geben ist ein absolutes Muss, wie auch beim Anfahren der Motor in höchste Drehzahlen getrieben wird. Von daher beschließen wir unseren Standort direkt im Ort etwas nach außerhalb zu verlegen. Hier finden wir mehr Ruhe. Indes, die Polizei scheinen die Raser und ihre Maschinen nicht zu interessieren.

Tag 55: Auf der Insel Poros 42 km
Von Ermioni folgen wir der Küstenstraße Richtung Galatas. Wieder sind wir völlig alleine unterwegs. Kein Auto, keine Menschen. Die Insel Hydra begleitet uns zu unserer rechten noch für rund 15 Kilometer, dann schraubt sich bald die Straße hoch in die Berge. Nach der Überquerung glauben wir nicht was unsere Augen und erblicken lassen. Ein Panorama besonderer Güte. Hinweg über kleine, vorgelagerte Insel schauen wir auf die Insel Poros mit dem gleichnamigen, weißen Städtchen, welches freundlich hinüber zur Stadt Galatas schaut. Im Hafen bekommen wir ein Plätzchen und nach einem ausgiebigen Frühstück setzen wir über, Poros zu erkunden. Die Überfahrt, hin und zurück, kostet pro Person gerade mal einen Euro.
Wir befinden uns im Saronischen Golf und Poros, die Insel, liegt hier nur 250 Meter vom Festland (Ort Galatas) entfernt. Hoch über Poros grüßt ein Kirchlein mit Glockenturm und hellblauem Dach. Die weiß- getünchten schmiegen sich an den Hang des Berges. Ihre Türen und Fensterklappen leuchten in bunten Farben. Die Uferpromenade lockt mit Tavernen, Kaffees, Bars und auch einigen, wenigen Palmen. An dem Kai liegen aufgereiht wie an einer Perlenschnur Fischerboote, Ausflugsdampfer und eindrucksvolle Jollen mit riesigen Masten und Steuerrädern. Hinter der Uferpromenade liegen die kleinen, verwinkelten Gassen mit hunderten von Geschäften. Über Treppen gelangt man hinauf zum Kirchlein. Alles in allem eine malerische und sehr romantische Ansicht. Bei 20 Grad genießen wir Poros. Auf der Insel selbst befindet sich noch ein Poseidonheiligtum und das Kloster Zoodochos Pigi. Linienbusse umrunden die Insel, aber auch Taxis fahren die Gäste für einen vorher auszuhandelnden Preis zu den sehens- und erlebenswerten Seiten des Eilandes. Venezianische Einflüsse sind unverkennbar. Einige Häuser erinnern an Gebäude, die ebenso an Venedigs Canale-Grande stehen könnten, allerdings etwas kleiner und weniger pompös. Mit dem Reisemobil kann man für rund € 10,00 übersetzen von Galatas nach Poros. Wir haben dies nicht getan. Nicht, weil es uns nicht reizen würde die Insel zu befahren, vielmehr weil wir ein technisches Problem hätten. Unser Hotel ist über die Hinterachse hinaus zu lang und zu tief und würde mit dem Rahmen, bei dem rückwärts auffahren auf die Fähre aufschlagen. Der Höhenunterschied Rampe, Fähre und Hafen ist definitiv zu steil für unseren Wagen.

Trinkwasser unterwegs und all das andere …
Fast in jedem Hafen und an Stränden finden wir ausreichend Wasserzapfstellen. In den meisten Gebirgen und auf Bergstrecken sprudeln Quellen, oft säuberlich eingefasst, manchmal gar wie ein Brunnen anmutend, aus dem Gestein. An Tankstellen reichen wir den obligatorischen Euro, wenn wir Wasser möchten. Er wird immer abgelehnt und Wasser bekommen wir im dennoch. So hat unser Frischwassertank in den letzten 55 Tagen kaum einmal die Viertelvoll-Marke unterschritten.
Unser Grauwasser versuchen wir, wenn immer möglich in die Kanalisation einzuleiten, obwohl nie sicher ist, wo die griechischen Rohre dann letztlich sich ergießen. In den Häfen sind fast immer Toiletten, in denen wir unseren Tank entleeren können. Hier entleeren wir ebenso unser Grauwasser.

Tag 56: Schwefelsee und Lavagestein 55 km
Nur 28 Kilometer nordöstlich der Insel Poros liegt der Ort Methana, auf der Halbinsel Methano, die den südöstlichen Teil der Bucht von Epidauros vom Saronischen Golf trennt. Methana selbst, verfügt über Thermalquellen, aus denen schwefelhaltiges Wasser fließt. Die Farbe des Schwefels, dieser hellblau-grünliche Ton, lässt das Meer im Hafenbereich, in der Farbe eines Korallenmeeres erstrahlen. Von Galatas kommend rollen wir über die Berge in Methana ein und erleben dieses Farbspektakel aus der Höhe. Ein herrliches Panorama erleben wir über die Stadt, den Hafen und das Inselchen blickend. Methana selbst hat eine ordentliche Hafenanlage mit Bepflanzung, der Ort selbst scheint allerdings etwas heruntergekommen zu sein. Dennoch bleiben wir für diesen Tag hier und erkunden nebenbei die Halbinsel, die ihre Entstehung des 742 Meter hohen, erloschenen Vulkans Chelona verdankt. So unterscheidet sich die Landschaft, Vegetation und die Küste von anderen Halbinseln, die keine vulkanische Prägung besitzen. Der Strand von Methana ist vielgestaltig. Zum einen finden wir schwarzen Sand, dann vom Meer rund geschliffene Lavakiesel, sowie bizarre Gesteinsformationen, die durch die plötzliche Abkühlung der heißen Lava, als sie sich ins Meer ergoss, entstanden sind.
Die Halbinsel kann man umfahren, wie auch durchqueren. Wir empfehlen beides, denn die Landschaften sind einmalig, Verkehr gibt es so gut wie keinen und die Panoramen die sich bieten sind teils gewaltig. Leider hüllen sich das Kratergebirge und der Vulkan heute in Wolken. So hat es wenig Zweck sich vom Dörfchen Kalmeni aufzumachen, den Kraterrand zu besichtigen. Kalmeni übersetzt hat die Bedeutung von „verbrannt“. Hoch oben in den Bergen um Kalmeni herum, stehen teils verwilderte Olivenbäume, die nie beschnitten, nur von der Natur geprägt sind. Sie sehen bizarr aus, haben meterdicke Stämme und bieten ein echtes Motiv für die Kamera. Die Hänge der Berge sind mittels aufgeschichteten Steinmauern terrassenförmig angelegt. Hier musste einst viel angebaut worden sein. Millionen von Steinen in kilometerlangen Mauern. Welch eine Mühsal ihre Erbauer erlitten haben mussten, um dem kargen, schwarzen Lavafelsen, etwas Fruchtbarkeit zu entreißen.
Wir beschließen diesen Tag und parken unser Hotel, wie fast immer in den letzten Wochen, mit voller Breit- und Panoramaseite, im Hafen. Trinkwasser finden wir auch vor.
Albanische „Gast“arbeiter
Immer wieder sehen wir sie, die Slums, meist an Ortsrändern, immer an der Straße. Slums, in denen Menschen wohnen, in diesem Fall Albaner. Ihre „Hütten“, wenn man dieses Prädikat für die Behausungen überhaupt vergeben kann, bestehen meist aus durchsichtiger Plastikplane, mal LKW-Plane, mal einfache Säcke, mal Decken, einfach über Holzlatten gehängt und irgendwie befestigt. Oft unter Bäumen gebaut um einen Befestigungspunkt in der Höhe zu finden. Um die Slums herum, ausgetretene Erde, Pfützen, Dreck und Tiere, manche vielleicht willkommen (Hunde und Katzen), andere (Ratten) bestimmt eher nicht. Diese kleinen Ansiedlungen befinden sich nicht überall, nein! Wir finden sie immer dort, wo Erntehelfer gebraucht werden. So an großen Oliven-, Zitronen- und Orangenplantagen. Irgendwie gibt uns das zu denken …!
Fördergelder der Europäischen Union
Nirgendwo in Europa haben wir so viele, dieser blauen Schilder mit den Sternen gesehen wie auf den Peloponnes. Lesen können wir sie leider nicht, aber, manchen kann man die Beträge entnehmen, die hier investiert, verbaut und zu Ausgrabungen vergeben werden. Die Summen liegen meist im zweifachen Millionenbereich. Wir möchten keinesfalls politisch werden, fragen uns aber doch hin und wieder, wozu kleine Ortschaften, die untereinander weder Handel treiben, noch regen bedarf an 2-4-spurig ausgebauten Straßen haben, solche Fördermittel erhalten. Wir haben in der Mani, dem mittleren Ausläufer der Peloponnes eine Straße befahren, die aus dem Nichts (2 Meter Breite) kommt und wieder im Nichts endet. 12 Kilometer bester Asphalt, ohne jeglichen Autoverkehr, und es war nicht an einem Sonntag als wir diese Straße befuhren. Dafür aber, sind Teile dieser neuen Straße, sie kann nicht älter als 2 Jahre sein, denn die Pflanzen an den Rändern haben sich noch kein Millimeter Asphalt zurückerobert, schon wieder völlig zerstört. Entweder sind die Hänge abgekippt und bedecken nun teilweise Teile einer halben Fahrbahn, oder aber, sie ist unterspült und eine ganze Fahrbahn den Hang hinunter verschwunden. Das alles nicht erst seit gestern. Repariert wird hier wohl eher nicht, denn diese Straße braucht eigentlich niemand. Wissen die Beamten in Brüssel eigentlich was sie so alles fördern? Nicht das wir gegen Förderungen sind, sinnvoll müssten sie dennoch sein, den Menschen mehr geben, als nur ein paar grauen Kilometer Asphalts, den niemand befährt und viel mehr für die Umwelt, die leider in Griechenland nicht den Stellenwert besitzt, wie wir es von Deutschland her gewöhnt sind.

Tag 57: Adio Peloponnes am Golf von Korinth 136 km
Etwas wehmütig ist uns schon ums Herz. Wir verlassen die Halbinsel Peloponnes, nachdem wir heute genau 8 Wochen unterwegs sind. 5.500 Kilometer sind wir, seit unserem Aufbruch am Faaker-See gefahren. 1.266 Kilometer haben wir auf den Peloponnes zurückgelegt, quasi die Halbinsel fast einmal küstennah komplett umrundet. 21 Tage waren wir Gast auf dieser wunderschönen und so vielfältigen Halbinsel, die uns so unendlich viel gezeigt und gegeben hat. Sie hat unsere Seelen, unsere Herzen, unsere Sinne, unsere Wissbegier, unsere Neugier und unseren Drang nach Erlebnissen, nach Geschichte und Antike, bereichert und gestillt. Es war eine schöne Zeit und wir wissen nun, dass Griechenland eine ganz andere Welt ist, viel mehr als nur ein riesiger Felsen im Mittelmeer. Griechenland, bis hierher, zum Golf von Korinth, ist Kultur, Menschlichkeit, Warmherzigkeit, Gastfreundschaft, kulinarische Genüsse und vor allem Gelassenheit.
Brigitte und ich sitzen nun in unserem Hotel, direkt und unmittelbar an der östlichen Öffnung des Kanal von Korinth. Wir schauen auf den Kanal der hier die niedrigste Stelle hat, die Wasser, welche sich zwischen dem Golf von Korinth und dem Saronischen Golf, an diesem Ort für immer vermischen.
In der Ferne sehen wir den Sonnenuntergang hinter Akrokorinthos, der antiken Stätte. Wir sprechen über das Erlebte und würden am liebsten umkehren und die ganze Tour noch einmal fahren, so ergriffen hat uns das Land und die Leute, die Menschen, mit ihrer Freundlichkeit und dem stets offenem Lächeln. Wir können aber nicht zurück, wir haben ja einen Plan und es muss weiter gehen. Werden wir am Ende unserer Tour vielleicht hierher zurückkommen? Wir wissen es heute noch nicht. Symbolische jedoch bedanken wir uns bei den Peloponnes, indem wir die wenigen Meter zur Senkbrücke gehen, sie überschreiten und noch einmal auf dem Boden gelangen, der uns 21 Tage sicher trug und seine Schönheit in voller Pracht uns offenbarte und sie uns schenkte und so teilhaben ließ an der Schöpfung, die hier ihre Wunder so wunderbar vollendet vollbrachte.
Für die 136 Kilometer von der Halbinsel Methano bis zum Golf von Korinth haben wir rund 4,5 Stunden gebraucht. Eine lange Zeit für eine so kurze Strecke. 30 Minuten verbrachten wir alleine in den Bergen in einem Stau, ausgelöst durch einen LKW-Unfall. Aber auch sonst hatte es die Strecke in sich, mit immerhin über 1.000 Höhenmeter, mehrere Male, auf und ab. Erst hinter Epidauros wurde es flacher, die Straßen breiter und der Asphalt „geschmeidiger“. Eine Küstenroute ist jedenfalls im Bau, und wird die Fahrt schon bald ungemein verkürzen.
In Epidaurus kann man sich das Asklepion-Heiligtum in einem Park anschauen. Es steht unter dem Schutz der Unesco und gilt als Weltkulturerbe. In den gut erhaltenen Resten des Amphitheaters werden noch heute in den Sommermonaten Festspiele abgehalten.
Wir rollen weiter, Richtung „Zivilisation“ und irgendwie fürchten wir auf das Aufeinadertreffen an diesem Tag. Haben wir doch die großen Städte, die Molochs, bisher meiden können, kommen wir heute nicht umhin, uns nach soviel Natur, Einsamkeit, Ruhe und Schönheit, den Ansammlungen von Betonburgen und gehetzten Menschen zu stellen. Kaum in Korinth angekommen, stehen wir auch gleich im Stau. Einmal zumindest wollen wir die Stadt, die nach dem großen Erdbeben von 1858 zerstört und wieder aufgebaut wurde, durchrollen. So tun wir dies, erfreuen uns aber eher nicht daran. Wehmütig sprechen wir über das Paradies Kreta, über die Halbinsel Mani, schauen uns einen Augenblick fragend an und gedankengleich bricht es aus uns heraus: „Wie kommen wir schnell wieder hier weg?“ Einige hundert Meter weiter finden wir dann auch das Schild, welches uns zum richtigen, zum antiken Korinth leitet, nach Akrokorinthos.
Ich werde nun keinesfalls versuchen über die Geschichte dieses Landfleckens auch nur annähernd aufzuklären, oder einführend zu beschreiben. Dieses ist eine Erlebnisreise und kein Geschichtsbuch! Soviel, zuviel, ist über Korinth und seine antiken Stätten, seine wechselvolle Geschichte zu berichten, dass wenn man einmal damit anfängt nicht mehr aufhören kann, weil alles ein Geflecht von Handlungen und Widerhandlungen, darstellt. Alles was ich schreiben würde, würde von meinem ehemaligen Geschichtslehrer nur ein absolutes, nicht mehr verhandelbares, „Ungenügend“ bekommen.
Nur eine Sache spukt in meinem Kopf herum: Hier soll im Jahre 51 n.Chr. der Apostel Paulus sich den Fragen des Statthalters Gallio habe stellen müssen. Paulus? Das ist doch der heilige Mann, den wir von den Gestaden der Matala-Beach ( … Nein, nicht einer der Hippies!) her noch kennen, der dort, auf seiner Reise, auch nach Korinth, Schutz vor den Unbillen der See suchen musste. Was verwundert mich daran? Mit der Bibel, oder besser mit ihrer Auslegung durch die Kirche, stehe ich auf Kriegsfuß. Ich bin ein Zweifler! Nicht an einer übergeordnete Instanz, wie man sie auch nennen möge, ob Gott, Allah, Budah, oder manche gar noch Zeus. So wäre, wenn es doch hier verbürgt ist, jener Mann, Paulus, tatsächlich aufgetreten. War es wirklich der Paulus aus der Reihe der zwölf Jünger, oder gar ein Anderer, der sich als der Paulus, oder Paulusnachfolger, ausgab? Er musste recht alt gewesen sein, wenn er es selbst gewesen sein sollte. Bedenkt man, dass er als junger Mann mit Jesus seine Jahre durchlebte. Nun schreiben wir immerhin das Jahr 51 n.Chr. . Genug des Philosophierens, zurück zum Isthmos von Korinth, dem Diolkos, dem Kanal.
Eindrucksvoll liegt er rund 45 Meter unter uns. Schroffe, rotgelbe Wände an beiden Seiten, die blauen Wasser der beiden Golfe, der Kanal von Korinth. 24 Meter ist er nur breit, seine Wasser nur wenige Meter (6-8 Meter) tief, aber die Höhe verleiht ihm einen überdimensionalen Charakter. Er ist beeindruckend und ihm will ich mich, anstelle des Apollon-Tempels, oder besser seinen Resten, widmen.
Schon in der Antike erkannte man, dass man viele Seemeilen, 185 um genau zu sein, den Booten ersparen kann, wenn man doch nur die 6,5 Kilometer lange Schneise in den Fels gehauen bekäme.
So planten und versuchten sich Periandros, der Tyrann von Korinth und selbst der mächtige und kluge Cäsar verwarf den Gedanken schnell wieder. Kein anderer als der wirre Nero, der mit einem winzigenn Goldspaten, die ersten Sandkörnchen, als Auftakt zu diesem Mammutprojekt, bewegt haben soll, so schreibt es die Geschichte, schaffte auch hier nicht wirklich den Durchbruch. Hadrian und auch Herodes Atticus folgten ebenso dem Gedanken, der mehr Wunsch, als Realität sein konnte, zur damaligen Zeit und mit damaligen Werkzeugen nur zu verständlich.
Die Abkürzung wurde dennoch reichlich genutzt. Nicht mit dem berühmten handbreit Wasser unter den Kielen der Boote, vielmehr über Land. Am Golf von Korinth finden sich noch Reste einer Schleifbahn ( 6-7 Jahrhundert v.Chr.), über die, die Boote mittels Muskel- und Zugkraft von Tieren, von Osten nach Westen oder umgekehrt, „geschliffen“ (befördert) wurden. Erst 1882 bis 1893 gelang der Bau des Kanals. Ihn führten die Griechen und die Franzosen gemeinsam durch.
Heute spannen sich 5 Brücken ihren Weg zwischen den Ufern. Zwei davon sind so genannte Senkbrücken, eine Autobahn-, Eisenbahn- und eine Bundestrassenbrücke. Auf einer der Senkbrücken zu stehen, während der Verkehr sie biegt und schüttelt, kommt dem Gefühl eines Erdbebens mit einer satten 7 auf der Richterskala, sehr nahe. Die Senkbrücken, werden im wahrsten Sinne des Wortes versenkt, wenn ein Schiff den Kanal passiert. Ein unglaublicher Anblick, wenn die 23 Meter lange und 12 Meter breite holzbeplankte Stahlkonstruktion plötzlich abtaucht, um danach, nach der Passage, wieder aufzutauchen. Von der Konstruktion tropft dann das Wasser, die Holzplanken als Fahrbahnuntergrund sind triefend nass und entsprechend glatt. Ein echtes, technisches und optisches, Erlebnis.
Der Brückenwärter indes pflegt ein lukratives Nebeneinkommen zu erzielen. Wenn die Brücke auftaucht, sind meist, auch größere, Fische, wie in einem Käfig, in ihr gefangen. Flugs sprintet er jedes Mal auf die Brücke, den Käscher in der Hand sammelt er auf, was an Fischen auf den Holzplanken verzweifelt nach Luft schnappt. Der Restaurantbesitzer direkt über der Brücke packt diese direkt in sein Aquarium. So gibt es den frischesten Fisch wohl hier an der Brücke, am Kanal von Korinth. Schon irgendwie witzig, eine Brücke die Fische fängt. Brigitte ruft lachend aus: „Deine Angel taugt nichts – eine Brücke hättest Du Dir kaufen sollen!“
Wir stehen die Nacht über in Isthmia, direkt am Kanal. Über Isthmia ist ebenfalls vieles aus der Antike und noch mehr aus der Geschichte zu berichten. Hier stand einst das Poseidon-Heiligtum, aber, es muss gelten was ich schon eingangs ausschrieb: Zuviel, zu gewaltig, zu umfassend sind die antiken Geschichten dieses Fleckens, um sie auch nur annähernd zu berühren.
Kalinichta und ein ehrliches Jammos auf die Erlebnisse, die wir bis hierher genossen haben.

Bilanz von 8 Wochen „on the Road“. Was hat uns das gekostet? Teil 2.
Hier die Zusammenfassung aller Kosten für die gesamten 8 Wochen Tour:
Gesamtkosten: € 2.812 (Inklusive der ersten 4 Wochen, die bereits auch schon erklärt wurden)
Diese Kosten setzen sich wie folgt zusammen: € 893 Lebensmittel, inklusive Getränke. € 850 für Dieselkraftstoffe. € 70 für Gas, € 11 Campingplatz. Oft sind wir auch ausgegangen und haben es uns richtig gut gehen lassen, insbesondere Heiligabend und Silvester. Für Bewirtungen haben wir € 308 bezahlt. Die Sonderausgaben schlagen mit € 680 zu Buche. Hierin enthalten sind € 328 an Fährkosten alleine für den Kretabesuch, Telefonkosten, Porto, Internet und Eintrittsgelder, wie auch Bücher über Griechenland. Schlecht haben wir dabei nicht gelebt. Es gab jeden Tag 2-3 Mahlzeiten, fast immer Fisch, Fleisch oder gar Hummer, Krebse und Garnelen. Oft 2-3 Gänge pro Dinner. Gerne trinken wir auch ein paar Bierchen, eine Flasche Wein und wenn schon, denn schon, auch mal einen Raki oder Ouzo dazu. Kalkulieren wir diese Kosten auf die 8 Wochen, so kommen da gut und gerne € 250 zusammen, die wir wenn wir bescheiden Wasser getrunken hätten, gespart hätten. Uns hat es an nichts gemangelt. Wir haben im Prinzip so gut gegessen und getrunken, wie wir es von Deutschland her gewohnt sind.
Bis jetzt möchten wir unsere knapp 17 Quadratmeter Hotelanlage nicht wieder rücktauschen, mit unserer Stadtwohnung in Frankfurt oder den Hobby-Bauernhof in Nordhessen. Das Reisen macht einfach zuviel Spaß und die Zeit vergeht dabei viel zu schnell. Immerhin sind wir bereits 2 Monate auf Achse, 1/6 unserer Zeit ist schon rum.
Übrigens haben wir in den 8 Wochen über 2.000 Fotos geschossen. Sie sind postalisch, in Form einer CD bereits bei unseren Kindern und Freunden angekommen, wie auch dieses Tagebuch.

Tag 58: Von Korinth nach Athen 70 km
Heute ist ein wichtiger Feiertag für die Griechen und wirklich, fast alle Geschäfte, ausgenommen Tankstellen, haben geschlossen. Heute, der 6. Januar, ist Epiphanias, das große, heilige Fest der Wasserweihe, welches alle Orte und Stadtteile, die am Meer liegen, feierlich begehen. Die Priester segnen das Meer und werfen ein Kreuz hinein. Junge Taucher springen sogleich hinterher und bringen das Kreuz zurück. So der Brauch.
Wir verlassen unseren Standort am Kanal von Korinth und setzen uns in Bewegung Richtung Athen. Wir nehmen die alte Nationalstraße und werfen wieder wehmütige Blicke hinüber zu den Peloponnes, die uns noch ein Stück zu unserer Rechten begleiten. Nach nur 60 Kilometern hören und riechen wir bereits den Großstadtdschungel Athen. Der Verkehr wird dichter, die Fahrer aggressiver und überhaupt, die Industrie zu beiden Seiten flößt uns nun nach soviel Ruhe eher Unbehagen ein. Dennoch, man kann nicht Griechenland bereisen und Athen auslassen. Das würde niemand verstehen und irgendwie, die Akropolis wollen auch wir gesehen haben. Schon am gestrigen Abend haben wir per Telefon den Campingplatz Athens klar gemacht, will sagen, gebucht. Gegen Mittag reisen wir an und parken unser Hotel zwischen noch jungen Olivenbäumen, an denen sich die Tauben reichlich bedienen. Dann geht alles husch-husch. Betten abziehen, Matratze raus, Wäsche packen und ab in die dem Campingplatz angegliederte Selfservice-Waschküche. Hier hat Brigitte nun alle Hände voll zu tun, während ich den Camper einer Generalreinigung unterziehe. Gegen 16 Uhr sind wir damit fertig und freuen uns, auf die unterwegs gekauften Muscheln, die heute Abend mit einer köstlichen Soße aus Olivenöl, Zitronen, etwas Wein, Knoblauch und erlesenen Kräutern serviert wird. Für die Aussicht auf so ein schmackhaftes Mahl, lassen wir die Aussicht auf die Akropolis schon einmal warten. Wir wünschen einen schönen Epiphanias.

Tag 59: Die Hauptstadt Athen 0 km ( Taxis)
Der Camper steht gut, der Camper steht sicher, auf dem Campingplatz „Athens“, gleich an der Hauptstraße nach Korinth und nur 7 Kilometer ins Herz der Metropole. Schon gestern Abend haben wir uns mit dem Städteführer Athen auseinandergesetzt. Schon jetzt wird klar, in 2-3 Tagen schaffen wir das nie. Wir beginnen mit dem, was wohl bei den meisten ganz oben auf ihrer „Athen-Stadtrundfahrt-muss-man-unbedingt-gesehen-haben-Streichliste“ steht, der Akropolis. Und dann wurde Brigitte mal gehässig, als sie schnippisch anmerkt, „von dort oben sehen wir sowieso den Rest der Trümmer – können dann entscheiden – was wir uns wirklich noch antun wollen!“ Sehr pragmatisch finde ich und so soll es sein. Große Lust auf Großstadt verspüren wir beide nicht und ziehen, gut besohlt, erst einmal los.
Natürlich regnet es erstmal. Das Taxi zur Altstadt „Plaka“ kostet gerade mal € 5,00. Das ist schon mal preiswert und besser als ein Bus. Solange es regnet ziehen wir durch die Plaka, durch den Bazar und finden manche antiken Monumente, oder Gebäude aus byzantinischer und osmanischer Epoche.
Athen ist für den Touristen leicht zu erobern und unsere Bedenken von gestern zerstreuen sich zunehmends, als wir erstmal im Mittelpunkt der Sehenswürdigkeiten angelangt sind. Auf rund 2 x 2 Kilometer, stehen die Reste des sehenswerten Athens, mit seinen antiken Stätten und der Altstadt. Mit unserer berühmten Liste bewaffnet machen wir uns daran, die Stätten abzulaufen. Brigitte wird zunehmend kritischer und wirft ein: „Alles was hier steht sind Säulen und Ruinen!“ Irgendwie hat sie Recht! Athen springt als Funke einfach nicht zu uns über. Athen, dieser Moloch, in dem 5 Millionen Menschen leben, immerhin die Hälfte der Gesamtbevölkerung Griechenlands. Aber dennoch erscheint die Innenstadt eher provinzartig, bis auf das Verkehrsaufkommen und, gar nicht so wie gewohnt, mit griechischer Gelassenheit. Es wird gehupt, gedrängelt, berühmte Finger erheben sich aus den Seitenscheiben und manch einer zeigt den anderen die berühmte Athener-Taube, den „Vogel“.
Wo sind wir nur, nach soviel Schönheit, charismatischer Landschaften und romantischer Orte gelandet? Wir wollen ehrlich sein und unser Tagebuch ist kein Reiseführer der auch noch diese und jene Taverne anpreist. Athen? Ein Tag reicht! Reicht uns zumindest! Wir wollen aber nicht ungerecht sein. Die antiken Stätten haben schon etwas und können einen in ihren Bann ziehen. Die Plaka hingegen ist eher ein orientalisch anmutender Bazar, auf dem es alle guten Markenzeichen dieser Welt, vom Schalke 04 T-Shirt bis zum Lacoste-Pullover, über die Bulgari-Handtasche gibt. Natürlich keine Originalwaren! An vielen Ecken werden, von ständig wandelnden Händlern, meist afrikanischer Abstammung, immer im sicheren Abstand zum nächsten Polizisten, raubkopierten CDs und DVDs, angeboten. Die Shops die keine Textilien führen, bieten von afrikanischen, falls überhaupt echten, Schnitzereien, bis hin zu Keramik und Glasarbeiten, alles an. Selbstverständlich auch Nachbildungen von Büsten, aus der Antike, von Streichholzschachtelgröße bis zu zwei Metern und mehr. Es gibt auch Geschäfte auf zwei Rädern, mit gerösteten Kastanien, Obst, Getränken, bis hin zur Kokosmilch. Jemanden, der noch nicht soviel Länder wie wir bereist hat, mag das alles fremdländisch, orientalisch und reizvoll erscheinen, uns schaudert es eher, denn es ist touristisch aufgezogen und hat somit seinen Charme und Charisma verloren. Leider! Aber es muss ja offensichtlich Leute geben, die unbedingt einen „antiken“ Aschenbecher, oder einen Kochlappen mit dem Motiv der Akropolis darauf gedruckt, mit nach Hause nehmen müssen.
Kommen wir zurück zu Brigittes pragmatischer Herangehensweise. Besuchen Sie zuerst, am besten bevor es alle Touristen tun, den Philopappos-Hügel mit Blick auf die Akropolis. Nehmen sie ein Taxis, die € 5,00 sind es wert, den Bus zu missachten. Durchwandern Sie die verschiedenen Felsenhügel, auf noch so manchem marmorgepflastertem Wege. Genießen Sie die behauenen Felsstücke und vor allem die Natur rundherum und den Ausblick. Athen von weitem oder von oben, sieht wesentlich charmanter aus, als wenn Sie mitten drin stecken. Ihren Stadtplan mit Erklärungen, den Sie bereits kostenlos im Hotel oder Campingplatz erhalten, erklären die wichtigsten Stationen. Wer Musen mag, der sollte eine der vielen auch besuchen. Vor allem das National-Museum, indem viele wichtige Funde aus ganz Griechenland sich präsentieren.
Wir schließen hier das Kapitel Athen ab. Lange haben wir überlegt, ob wir die Bewertung für Athen ganz auslassen, weil diese Stadt sich jedem anders präsentiert, weil ein Jeder etwas anderes in ihr sieht und weil Menschen auf der Suche nach Geschichte und Antike ganz anders auf sie reagieren. Wir haben die Stadt dann doch bewertet, so wie wir sie sehen und erlebt haben, Indes zieht es uns eher weiter. Wir wollen Reisen und die verträumten, ursprünglichen und charismatischen Orte und Landschaften finden, die noch vor uns liegen.
Ziehen wir einen letzten Vergleich und jeder Geschichtler wird uns die unterschiedliche Bedeutung dieser beiden antiken Stätten gleich Marmorsäulenweise um die Ohren hauen, mit Mystras, bei Sparta, so ziehen wir Mystras, sehr viel lieber, Athen, vor.
Die Sonne verneigt sich über der Akropolis, während ich diese Zeilen in die Tasten drücke.
Ein freundliches Kalispera an die, die mit uns Athen besucht haben.

Tag 61: Athen wackelt, Piräus zur Insel Euböa (08.01.2006) 114 km
Da findet ein Erdbeben in Athen statt, immerhin 6,7 auf der nach oben offenen Richterskala und wir deuten es als Windböe. Es ist 11:30 Uhr, griechischer Zeit und ich sitze im „Hotel“, kopiere die letzten Fotos auf den Rechner. Es wackelt ein wenig, das Geschirr klimpert in den Schränken. Ein wenig wundere ich mich, denn es war doch bis eben noch Windstill. So haben wir das Erdbeben eigentlich irgendwie verpasst. Das Seebeben ereignete sich in Nähe der Insel Kythera. Dort landeten wir vor wenigen Tagen noch an, bei einem Zwischenstop auf der Überfahrt von Kreta nach Githio. 10 Häuser und die Kirche sollen eingestürzt sein. Hoffen wir, dass niemand zu Schaden kam. Aber hier, im Raum Athen, liegt nun einmal die 1000 Kilometer lange Erdspalte, die, die Europäische von der Afrikanischen Platte trennt. Welche Stärke muss das Beben erst gehabt haben, welches die Minoische Zivilisation auslöste?
Kurz nach dem Beben klingelt bei uns das Telefon. Unser Sohn ist völlig aufgeregt am anderen Ende des Satelliten. Er hat soeben die Nachrichten gehört und sich natürlich gesorgt.
Nach dem Erdbeben geht’s für uns weiter, wir wollen uns den größten Hafen Griechenlands anschauen. Piräus. Vom Campingplatz Athens fahren wir wieder Richtung Korinth und biegen nach ca. 5 Kilometern Richtung Piräus ab. Es geht die Berge hinauf und es bieten sich unglaubliche Panoramen. Allerdings, fotografieren ist hier verboten, militärisches Sperrgebiet. Heute ist Sonntag und wir wundern uns über den starken Verkehr und die zu geparkte Hauptstrasse. Hinter der nächsten Kurve wissen wir auch warum. Es ist Markttag und hier wird alles verkauft, was sich verkaufen lässt. Die Teppichhändler, wir zählen rund 50, stehen an beiden Seiten der Straße. Gefolgt von fliegenden Autohändlern, die hier Karossen fein säuberlich mit offenem Motorraum feilbieten. Natürlich auch private Autoverkäufer. Auf dem Marktplatz findet sich wirklich alles, vom Vergaser bis zur Blumenvase. Von Frischkäse bis Obst.
Es geht weiter, den Berg hinunter und bald liegt er vor uns, der berühmte Hafen von Piräus. Wie mag er vor 40-50 Jahren ausgesehen haben, als er Nana Muskouri zu ihrem Schlager „Im Hafen von Piräus“ inspirierte. Der ging doch so: „Ich steh im Hafen von Piräus … ??? … ein Schiff wird kommen und mir den Einen bringen … ??? … der mich so glücklich macht!“ Die Damen dieser Epoche fingen bei diesen Lied an weg zu schmelzen und die Herren bekamen Fernweh. Es ist offensichtlich bis heute nicht geklärt, ob sie Fernweh nach Meer und Seemannsromantik oder nach Nana bekamen. Jedenfalls war diese „Schnulze“ wie auch Muskouris, „Weiße Rosen aus Athen“, die Schlager, die für jeden guten Schifferklavierspieler in Deutschland zum Pflichtprogramm gehörten.
Oh wie hassten wir doch diese Schlager. Würde die Muskouri heute im Hafen von Piräus stehen, würde sie wahrscheinlich schnellstens von einem 40-Tonner überrollt. Und „den Einen“ müsste sie unter über 8 Millionen Passagieren und Seemännern pro Jahr erst einmal finden. Hier herrscht Hochbetrieb. Schiffe kommen und gehen und draußen auf der offenen See tümpeln schon die nächsten 50 Frachter, die auf ihr Stückchen freiwerdende Kaimauer warten.
Der Hafen ist wirklich einzigartig. Es ist Sonntag und kein Fährbetrieb und gerade deshalb können wir am Kai entlangfahren, hier und dort anhalten und Fotos machen. Riesige Fährschiffe von hundert und mehr Metern Länge liegen hier im Hafen. Der englische Mobilfonriese „Vodafone“ scheint alle Marketingrechte an den Bordwänden der Hellenischen Flotte aufgekauft zu haben. Die modernen Fähren leuchten im Rot des D2-Logos und tragen die Aufschrift in überdimensionalen Buchstaben an den bulligen Bauchwänden, geschrieben.
Wir befinden uns im Fährhafen und empfehlen jedem, der unseren Spuren folgen sollte, den Besuch desselben. Die Stadt Piräus hingegen ist eher wie eine Schokoladenplatte angelegt. Quadratisch, praktisch, langweilig. Sie bietet nichts, was uns irgendwie einlädt.
Gegen Nachmittag zieht es uns weiter. Wir hatten die Überlegung von Piräus nach Cesme in die Türkei überzusetzen. Für nur rund € 150, inklusive Hotel und 2 Personen wäre das am Montag gegangen. Lange überlegen wir hin und her. In Thessaloniki soll es gestern geschneit haben, wollen wir wirklich weiter Richtung Norden und dann über Kavala entlang der Küste in die Türkei? Durch die Kälte? Vielleicht erneuten Schnee? Wir sehen uns so nach Sonne und Wärme und Strand. Es wird diskutiert, geplant, geeinigt und wieder verworfen. Dann endlich kommen wir zum Ergebnis, wir werden fahren und nicht „segeln“. So geht es weiter an diesem Nachmittag. Zuerst nach Elefsina, 20 Kilometer westlich von Athen, denn den Moloch in seiner ausgedehnten Länge zu durchfahren um zur Autobahn zu gelangen, wollen wir uns nicht antun. Von Elefsina führt uns der Weg über die Berge nach Erithres und weiter nach Thiva. Wir fahren auf der Bundesstraße 3 und erschauern oft genug, bei der schlechten Bankette mit den vielen Trümmerbrüchen im Asphalt. Erinnerungen an Albanien kommen hoch. Gegen Nachmittag erreichen wir den See Paralimini und bald auch unser Zielort, die Stadt Halkida auf der Insel Euböa, die mittels Brücke mit dem Festland verbunden ist. Hier im Hafen finden wir unser Plätzchen für die Nacht. Mit wiederum voller Breitseite schauen wir auf das Meer, die Stadt und die fernen Ufer der zweitgrößten Insel Griechenlands. Aus der Ferne grüßt der 1.743 Meter hohe Dirfis.

Tag 62: Krankentag in Halkida 0 km
Brigitte hat es erwischt, sie fühlt sich krank und wir beschließen einen, oder zwei, je nach dem, Rasttage einzulegen. Der Tag ist kalt, nur 11 Grad. Die Heizung läuft und wir blicken hinüber zur Insel Eubäa. Am Nachmittag bebt die Erde, der Camper wird etwas durchgeschüttelt, das ganze passiert noch dreimal. Es handelt sich um Nachbeben.
Und das schreibt die Tagesschau über das Erdbeben in Griechenland:
Seebeben verschiebt Griechenland nach Süden

Das schwere Seebeben der Stärke 6,9 vom Sonntag hat Griechenland etwa sechs Meter näher an den Norden Afrikas gebracht. "Die so genannte Griechische Platte ist nach Schätzungen auf einmal um rund sechs Meter näher an Nordafrika gerückt", sagte der Geologieprofessor der Universität Athen, Eythymios Lekkas, im staatlichen Griechischen Fernsehen.
Im Durchschnitt näherten sich die beiden Platten jährlich nur um vier Zentimeter an. Das verdeutliche, wie stark das Seebeben gewesen sei. Nach Messungen des Seismologischen Instituts von Athen betrug die von Menschen gespürte Dauer des Seebebens im Süden Griechenlands 30 Sekunden, in Athen etwa 20 Sekunden.
Nur geringe Schäden
Insgesamt verlief das Beben jedoch glimpflich. Rund 70 Häuser wurden auf der Insel Kythera in der Nähe des Epizentrums beschädigt, 20 von ihnen wurden vollständig zerstört oder müssen abgerissen werden. Drei Personen wurden leicht verletzt.
Die relativ niedrige Zahl von drei Verletzten lässt sich nach übereinstimmenden Aussagen von Seismologen auf die große Tiefe des Bebens von rund 70 Kilometern zurückführen. Zudem habe es sich unter dem Meeresboden und nicht in der Nähe eines dicht bewohnten Gebietes ereignet. Seismologen bezeichneten im Fernsehen das glimpflich verlaufene Seebeben als eine Art letzte Warnung. Es sei sehr wichtig, ein bislang noch nicht vorhandenes Frühwarnsystem für Flutwellen im Mittelmeer zu installieren.
Stand: 09.01.2006 16:48 Uhr

Tag 63: Das Orakel von Delphi 145 km
Brigitte geht es wieder besser, sie will weiter. In Halkida (Chalkida) regnet es, Schnee ist in den Bergen gefallen. Es ist ungemütlich und nicht einmal die Sonne blinzelt durch die dicken Wolken. Es geht zurück über die Berge nach Thiva. Hier füllen wir nach, was wir in den letzten Tagen verbraucht haben, Frischwasser, Gas, Diesel, Lebensmittel und Getränke. Dann rollen wir weiter die Bundesstraße 3 in Richtung Norden. Nach 50 Kilometern, bei Livadia biegen wir links ab, auf die Straße 48, Richtung Delphi. Wir wollen heute das Orakel befragen. Doch bevor es sich uns stellt, müssen wir noch den hoch hinauf ins Parnoss-Gebirge (2.457 Meter), einem bekannten Skigebiet Griechenlands. Wir rollen durch Distimo und werden alsbald an unsere Deutsche Geschichte erinnert. Hier wurde 1944 durch deutsche Truppen ein ganzes Dorf ausgelöscht. Die 223 Bewohner allesamt erschossen. Ein heroisches Denkmal erinnert an das Massaker und auf dem Weg zum Kloster Ossios Loukas befindet sich ein Mausoleum, zum Gedenken an die Getöteten. Es ist nicht die einzige Stadt dieses freundlichen Landes, die solch ein Schicksal hatte. In Kalavrita, auf den Peloponnes, zwischen Korinth und Patra, wurden 1943 als Vergeltungsmaßnahme alle männlichen Dorfbewohner, vom Kind bis zum Greis, erschossen. Nachdem was Deutschland den Griechen hier angetan hat muss man sich wundern, dass die Griechen uns Deutsche so mögen.
Wir erreichen Delphi gegen 13 Uhr. Die Fahrstrecke war wunderschön und bot uns Panorama über Panorama. Hier in einer eindrucksvollen Schlucht mit senkrecht aufsteigenden Gebirgswänden wurde im Altertum das Orakle von Delphi gegründet und der Gott Apollon verehrt. Apollon war der Gott des rechten Maßes, der Musik und Hüter der Gesetze des Gottvaters Zeus. In der Antike galt Delphi als Mittelpunkt der Welt, oder Nabel der Welt. Hier beeinflussten die Orakelsprüche der Priesterin Pythia Privatleute, aber auch ganze Städte, Regionen und Länder, gar Staaten. Pythia wusch sich in den Kastalischen Quellen, nahe dem Weihbezirk. Sodann setzte sie sich auf einen dreibeinigen Bronzehocker, kaute Lorbeerblätter und atmete den Dampf, der aus einem Spalt aufstieg ein. Dann sprach „Gott“ aus ihr in unverständlicher Sprache und Lauten. Nur die hohen Priester konnten diese deuten. Soweit zu den herausragenden Punkten der Geschichte.
Eindrucksvoll ist sie, diese antike Stätte und nicht nur sie, auch die wunderschöne Lage und die Natur darum herum. Ein wenig schneit es und unser Besuch fällt daher kürzer aus als geplant.
Das Städtchen Delphi ist ebenfalls sehr ansehnlich und gepflegt. Klar ist es auf Tourismus ausgelegt, hat sich aber dennoch Charme erhalten können, was wir von Olympia nicht sagen konnten.
Nun ist es 16 Uhr, wir stehen, einmal wieder, am Golf von Korinth, im Hafen des Örtchens Itea. Die Sonne scheint, aber ein kalter Wind bläst von Norden. Wir blicken hinüber zu unserer großen Liebe, der Halbinsel Peloponnes. Mit weißer Zipfelmütze grüßen die beiden 2.500 Meter hohen Kilini und Aroania. Mit dieser Panoramaaussicht beschließen wir den Tag.

Dem Orakle so nah, schließt sich hier fast ein Kreis
Nur noch 90 Kilometer trennen uns von Nafpaktos, dieser schönen, mittelalterlichen Stadt, die für uns Ausgangspunkt für unsere Peloponnes-Rundfahrt, einschließlich der Insel Kreta, war. Wenn sich solch ein Kreis fast schließt, ist das auch einen Rückblick wert.
In Nafpaktos kamen wir am zwanzigsten Tag unserer Reise an. 43 Tage waren wir unterwegs, bis sich der Kreis heute fast schließt. Davon 16 Tage auf Kreta. 27 Tage fuhren wir, wenn man Kreta abzieht. Die reinen Fahrtkilometer für die Umrundung der Peloponnes betrugen 1.280. Die Kilometer Peloponnes, Westküste Griechenland, plus Ostküste Athen bis Delphi betrugen 1.609. Inklusive Kreta fuhren wir 2.687 Kilometer. Hieraus kann man ersehen, dass man, selbst bei gemütlicher Fahrweise, im Schnitt pro Tag waren es 62,48 Kilometer, sehr viel sehen, umrunden und erleben kann. Der Blick zurück und was würden wir anderen Fahrern empfehlen?
Zunächst Kreta, diese Insel muss man gesehen und erlebt haben. 1.078 km, zu schaffen in 16 Tagen.
Es folgt die Halbinsel Peloponnes. Küstennahe Umrundung in 21 Tagen gelassen zu befahren, bei nur 1.280 km. Dies wären unsere beiden absoluten Favoriten. Und niemand muss durch Albanien, um an diese Ausgangspunkte zu gelangen. Ausreichend Fähren verkehren zu Startpunkten für die eine, oder andere, oder auch beide Reisen, von Genua und Venedig aus. Auch Ancona und Brindisi in Italien sind möglich.
Parkraum für das Hotel
Immer, bis auf 3 Nächte Campingplatz, haben wir erstklassig gestanden. Wir fühlten uns und waren sicher. Niemals hat sich bisher etwas ereignet, was unangenehm gewesen wäre. Nur einmal wurden wir verjagt. Das war auf Kreta, im Hafen der Stadt Agia Galini. Dies auch nur, weil der Campingplatzbesitzer mit der Hafenpolizei, scheinbar, ein lukratives Abkommen hat. In Aghios Nikolaos, wo wir Internet per Wireless-Lan hatten, habe ich dann eine freundliche Notiz in das Gästebuch der Stadt geschrieben. Nachzulesen unter --> Link . (Siehe Eintrag: 2 Winterreisende, vom Dezember 2005) In dieser Notiz pries ich den Ort und die Freundlichkeit der Menschen an und brachte mein Bedauern zum Ausdruck, dass wir aufgefordert wurden, den Ort zu verlassen, gleichwohl wir sehr gerne geblieben wären. Dieser Eintrag hat eine kleine Welle der Empörung einiger Bewohner der Stadt ausgelöst. Die Empörung richtet sich nicht gegen uns und meinen Eintrag, vielmehr gegen die Manieren der Hafenpolizei und des Campingplatzbesitzers. Eine Diskussion über Gastfreundschaft füllt die Einträge des Gästebuchs. Ich denke nicht, dass nachdem dieser Vorfall so publik wurde, diese Machenschaften sich fortsetzen und Reisemobilisten in Zukunft in Ruhe gelassen werden, sofern sie sich auch ruhig verhalten und ihre Fahrzeuge entsprechend unhinderlich abstellen. Das wäre eine erfreuliche Bilanz dieser Aktion.
Tag 64: Zwischen Parnossos, Giona und Iti Gebirge 188 km
Eine herrlich, ruhige Nacht, kein Mopedgeknatter. Auf dem Platz auf dem wir am Golf von Korinth stehen, mit Blick auf die Peloponnes, hätten gut und gerne 300 Reisemobile Platz. Doch, wir stehen alleine. Früh geht es los an diesem Tag, wir wollen Kilometer machen. Ziel ist Volos, an der Ostküste. Eine riesige Bucht, erscheint eher wie ein großer See, wie der Chiemsee, erwartet uns. Doch zunächst geht es über die Gebirge. (E 65 und Bundesstraße 27) Wir fahren zwischen Parnossos (2457 m.), Giona (2510 m.) und Iti (2152 m) hoch in die Gebirge und über 2 Pässe. Ein wenig schneit es. Eine wunderschöne Fahrt und Landschaft dennoch. Viele Panoramen bieten sich an. Diese Strecke ist sehr zu empfehlen, der Asphalt ist gut.
Vor Lamia, wir sehen wieder die Insel Eubäa zu unserer Rechten, geht es auf die Autobahn und immer am Meer entlang. € 3,50 zahlen wir für das komfortable Rollen. In Volos angekommen stehen wir direkt an der Hafenpromenade, die nun im Winter, völlig verwaist ist und schauen auf die Halbinsel Magnisia, die diese wunderschöne Bucht, die Bucht von Pagassitikos (Pagassitische Bucht), regelrecht umklammert. So werden Häfen gebaut, hier, überdimensional, hat dies die Natur bewerkstelligt. Volos ist ein im Sommer stark frequentierter Touristenort. 1955 wurde Volos bei einem Erdbeben völlig zerstört. Die ist Hafenstadt und Ausgangspunkt zu den Skigebieten im Pelio-Gebirge. Von Volos aus kann man mit Schnellfähren zu der Sporadeninsel Skiathos. Volos ist kein schöner Ort, aber die Uferpromenade mit den unzähligen Restaurants ist einladend und wer mal wieder aus der Jeans heraus will und gut angezogen Speisen und flanieren möchte, findet in Volos reichlich Gelegenheit dazu.
Die Mythen beschreiben die Gebirge hier, auf der Halbinsel Magnisia, als Wohnort der Kentauren, Mischwesen mit menschlichem Oberkörper und dem Unterleib eines Pferdes. Landschaftlich wunderschön, lassen wir den Tag ausklingen. Wir brauchen nicht extra zu erwähnen, dass wir wieder erstklassig geparkt haben.

Nachtrag am 12.01.2006: Es wäre ja auch zu schön gewesen. Wir haben uns einfach zuviel herausgenommen, dass konnte ja nicht gut gehen. Den ganzen Tag hatten wir direkt an der Fußgängerpromenade geparkt, unbehelligt und ungestört. Volos lag hinter uns und vor uns die gesamte Bucht. Als wir schon in die Kojen wollten wurde es laut um uns herum. Sirenengeheul! Blaulicht! Ja, wir waren gemeint. Als ich dem Camper entsteige baut sich vor mir ein Hühne von einem Polizisten auf. „Your car?“ Yes, my car!“ „You are not suppost to be here, this is a pedastrian area!” I`am so sorry, we came late, my wife does not feel well, can we stay?” “If your wife is ill, bring her to the hospital and leave!” “Okay, I will leave!” Kurze Erklärung, der Hinweis auf meine Frau die sich nicht wohl fühlt, würde abgeschmettert mit dem Hinweis sie ins Krankenhaus zu bringen. Ich habe mich entschuldigt. Es war eine Frechheit von uns diesen Platz überhaupt zu versuchen.
In der Nacht rollen wir ca. 12 Kilometer weiter am Strand entlang und finden einen kleinen Platz, zugeparkt mit vielen Pkws. Ich schalte das Fernlicht an und in den Autos regt sich plötzlich viel Leben. Mädels kreischen, halten sich die Hände vor die Gesicher. Kleidungsstücke werden rasch übergestreift. Die jungen Männer fluchen und wehren mit den Händen ab. Peinlich! Wir haben den Liebesplatz der Stadt erwischt. Da wollen wir nicht stören, rollen einige hundert Meter weiter zu einer Laterne, stehen wieder direkt am Meer und grinsen über dieses kleine, freche Erlebnis.

Tag 65: Halbinsel Magnisia bis Platamonas 168 km
Die Sonne weckt uns gegen 10 Uhr morgens. Nach einem schnellen Kaffee entschließen wir uns die Halbinsel zu bereisen. In den Bergen liegt Schnee. Wir rollen die Küste entlang und sehen die vielen nett restaurierten Bahnhöfe (… siehe Hinweisschilder!). Hier fuhr eist eine kleine, kleinspurige Eisenbahn, namens Schmutzian, die Volos und die Dörfchen der Halbinsel verkehrstechnisch verbanden. Dann geht die Strecke hoch, sehr hoch in die Berge. Schwere Räumfahrzeuge, Schneeräumfahrzeuge, kommen uns entgegen. Links und rechts am Straßenrand liegt Schnee. Wir entschließen uns die Halbinsel nicht weiter zu befahren, es könnte glatt werden. Zurück geht es nach Volos und dann auf die Autobahn Richtung Thessaloniki. Vorbei zieht an uns zur östlichen Seite hin der 1550 Meter hohe Pelio, in weißer Pracht verschneit. Gefolgt von dem 1978 Meter hohen Ossa, ebenso mit Schnee. Die Autobahn hat erstklassigen Asphalt und wir schweben bei Sonnenschein durch das Inland wieder der Küste entgegen. Um 14 Uhr stehen wir in Platamonas im Hafen, mit Blick auf den 2916 Meter hohen Olymp, der höchste Berg Griechenlands. Die zwölf Götter der Antike, hatten diesen kalten Fels zum Wohnort erkoren, zum Sitz der Götter. Seit 1938 ist der Berg und seine Hänge Naturschutzgebiet. Der Hafen von Platamonas ist klein, bietet aber sehr viel Parkraum. 50 Reisemobile hätten hier ausreichend Platz. Der Blick ist vielgestaltig. Zum einen auf die Stadt, die Festungsanlage und dem gewaltigem Massiv des Olymp, zur anderen Seite über das Hafenbecken zur Ägäis hin. Neben uns eine Kirche, in byzantinischer Bauweise und mit vielen Laternen, die auch uns hoffentlich heute Nacht Licht spendieren werden.
Wendepunkt unserer Reise …
Es sind noch rund 100 Kilometer bis nach Thessaloniki, einem neuen Wendepunkt unserer Reise. Von hier aus geht’s es Richtung Osten, immer am Ägäischen Meer entlang bis in die Türkei. Noch rund 600 Kilometer und wir durchfahren das achte Land unserer langen Reise. Heute sind wir 65 Tage unterwegs. Nur noch ca. 250 liegen vor uns. Wie die Zeit doch so schnell vergeht! Zwei Dinge beschäftigen uns die letzten Tage. Ein Thema ist angenehm, das andere beunruhigt uns doch sehr. Mit welchen sollen wir beginnen. Haken wir erst einmal das Negative ab. Die Nachrichten aus dem Iran verheißen nichts Gutes. Zum einen tätigt der noch ziemlich frisch im Amt befindliche Staatschef bedenkliche Äußerungen gegen Israel. Er leugnet den Holocaust und schlägt Deutschland und Österreich vor, ein neues Israel zwischen unseren Ländern zu verlegen. Er spricht von der Tilgung Israels von der Landkarte. Das klingt nicht gut. Zum anderen vernehmen wir gestern, dass er die Siegel zu den Atomanlagen hat aufbrechen lassen und diese wieder in Betrieb nimmt. Tony Blair spricht von der Ergreifung ernsthafter Maßnahmen, die, wie im Irak, in Krieg ausarten könnten. Wir haben zwei sehr gefährliche Regierungschefs, den amerikanischen Präsidenten Bush und den englischen Tony Blair. Sie sind unberechenbar, aber wir wollen nicht politisieren. Wir werden das Thema nun ernsthaft diskutieren und suchen nach Alternativen zum Iran. Die Vogelgrippe in der Türkei erreicht auch neue Höhepunkte. Kann sie uns gefährlich werden? Noch ändern wir unsere Pläne nicht, werden aber zunehmend vorsichtiger.
Das erbauliche Thema ist, dass wir uns auf der Insel Poros in ein bestimmtes Segelboot verliebt haben. Es ist eine 12 Meter Yacht der Baureihe Bavaria. Wie unser Hotel ist sie voll ausgestattet, wir müssten auf nichts verzichten. Wir träumen nun oft den Gedanken von einem ausgedehnten Segeltörn im Mittelmeer und bis hin zu den Inseln der Dominikanischen Republik. Der Gedanke fasziniert uns immer mehr. Doch nun erstmal weiter Richtung Türkei.

Tag 66: Olymp, Thessalonikki, Chalkidike, Asprovalta 189 km
Die Nacht war ruhig, aber kalt. Außentemperatur nur noch 4 Grad, dank Heizung innen 20 Grad. Der Nordwind ist rauh. Gegen 10 Uhr machen wir uns los. Die Sonne scheint. Die Autobahn ist erstklassiger Asphalt und die rund € 4,50, für immerhin 100 Kilometer, sind ihr Geld wert. Die Fahrt bietet eigentlich nur drei Höhepunkte, bis Thessaloniki. Zum einen befindet sich in Platamonas eine recht gut erhaltene, mittelalterliche Festungsanlage, mit herrlichem Blick über die Ägäis, zum anderen lädt bei Dios der Olymp, oder wie die Griechen ihn nennen, der Olimbos, zum fotografieren, oder, wer es kann und den Mut hat, zum Besteigen, ein. Hierzu steuert man den Ort Litohoro, in 350 Metern Höhe an. Dort angekommen darf man sich einen, oder alle der insgesamt 52 Gipfel zum Erklimmen, aussuchen. Eine 16 km lange Schotterpiste führt bis zur Jausenstation in rund 1.100 Metern Höhe. Von da an heißt es kraxeln und klettern. 7 Stunden soll der Aufstieg, für geübte, dauern. Wir sind nicht so geübt und unser Interesse durch meterhohen Schnee zu klettern ist begrenzt. Dritter Höhepunkt des Streckenabschnittes ist der Ort Dio. Hier finden in einem 2500 Jahre alten Theater im Sommer Aufführungen statt. Im Museum von Dio befindet sich die älteste Orgel der Welt. Sie stammt aus dem 2. Jh.n.Chr. besaß Bronzepfeifen und nicht weniger als 24 Tasten. Wie mag sie einst geklungen haben? Das können wir leider nicht hören.
Auf dem Weg nach Thessaloniki gibt es noch zwei sehenswerte Stätten, die wir allerdings nicht besucht haben. Den Hinweis möchten wir dennoch geben. Die E 90 führt von Thessaloniki in westlicher Richtung nach Kozani. Auf halben Weg liegt das Dörfchen Vergina. Es erlangte 1977 Weltruhm, als hier das nicht ausgeplünderte Grabmal des Königs Philipps II (383-336 v.Chr.) gefunden wurde. Philipp II war der Vater Alexander des Großen. Hier stehen auch noch die Ruinen des Königpalastes. Phillip II wurde hier im Theater ermordet. Im Museum sind wertvolle Grabbeilagen und Goldschreine zu bestaunen.
Im Norden Thessalonikis, man nehme die E 86 in nord-westlicher Richtung, befindet sich der Ort Pella. Hier wurde Alexander der Große geboren und von hier brach der junge mazedonische König, 334 v.Chr. auf, die Welt zu erobern. Außer seinen Mut hatte er eine einzigartige Ausbildung bekommen, sein Lehrmeister war kein geringer als Aristoteles. Viel gibt es hier allerdings nicht mehr zu bestaunen.
Thessaloniki liegt nun vor uns. Diese Riesenstadt mit dem zweitgrößten Hafen Griechenlands. Wir geben uns alle Mühe durch sie hin durchzufahren und rollen auf der Uferpromenade. Gerne hätten wir, vorausgesetzt ein Hotelparkplatz wäre vorhanden, die Stadt besucht. Es gäbe einiges zu erkunden. Die Via Egnatia zum Beispiel, die vor 2000 Jahren Konstantinopel, das heutige Istanbul, mit Durres in Albanien verband. Der Galeriusbogen und das Mausoleum des Kaiser Galerius, ein Rundbau, die so genannte Rotonda. Der Verkehr ist dicht und unübersichtlich. Parkplatz für unser Hotel? Fehlanzeige! Nur sehr viel weiter vor den Toren der Stadt gibt es Möglichkeiten. Das wollen wir nicht und rollen weiter durch die Chalkidike auf der 16 Richtung Osten, dann vor Arne Richtung Norden auf die E 90 und am Lake Volvi vorbei nach Asprovalta. Hier sind wir wider am Meer und haben einen asphaltierten Platz direkt am Strand. Landschaftlich ist die Chalkidike vielleicht mit dem Mittelgebirge der Rhön zu vergleichen. Interessant wären noch die drei Halbinseln im Süden gewesen, die Kassandra, die Sithonia und Athos. Die Kassandra ist eher von sanften Hügeln mit viel Olivenbäumen. Sithonia ist gebirgig und mit abwechslungsreicher Natur. Am interessantesten wäre jedoch Athos gewesen, mit dem gleichnamigen Berg, der 2033 Meter zählt. Eine Mauer auf Athos steht für die Grenze zwischen Griechenland und der autonomen Mönchsrepublik, die herrlich hoch oben in die Felsmassive gebaut ist. Leider dürfen Frauen sie gar nicht besuchen und Männer nur mit in Thessaloniki zu beantragender Genehmigung, nebst plausibler Begründung. Schon seit 1060 sollen keine Frauen diesen Ort betreten haben. So ist es geschrieben in der Goldenen Bulle aus diesem Jahr. Knapp 2000 Mönchen bleibt so das wahre Leben vorenthalten, oder man könnte auch sagen, sie werden so vor Ungemach geschützt. Das ist wohl geschlechterliche Auslegungssache.
Gegen 15 Uhr erreichen wir Asprovalta und für mich schließt sich hier wieder ein Kreis. Vor genau der Hälfte meines Lebensalters, habe ich hier am Strand campiert. Damals noch mit Zelt. Mit einem 3 Liter gelben Ford-Capri mit schwarzem Vinyldach und riesigen, runden Zusatzscheinwerfern, waren wir unterwegs, kamen von Istanbul. Schon verrückt, wenn man überlegt, was wir damals schon bereist haben. 6000 Kilometer in nur drei Wochen, inklusive Autoputt durch das damalige Jugoslawien und selbst Venedig in Italien, hatten wir noch angesteuert. Am liebsten wären wir damals einfach nur immer weiter gefahren. Das Fernweh war schon enorm. Nur fünf Jahre später hat es und für 8,5 Jahre nach Australien getrieben. Es folgten viele asiatische Länder und das Feuer für neue Länder und ferne Reisen in uns brennt noch immer so stark, wie ein brodelnder Vulkan.
Noch rund 300 Kilometer trennen uns nun von der Türkei. Ich bin gespannt, ob die Strecke noch so schön ist, wie ich sie in Erinnerung habe. Ich hoffe doch sehr.

Tag 67: Kavala, eine der schönsten Städten des Landes 86 km
Was für eine Nacht liegt hinter uns? 2 Grad Außentemperatur. Selbst im winterlichen Deutschland ist es jetzt wärmer, vermelden die Nachrichten. Vielleicht war es der Vollmond und der schneebedeckte 1956 Meter hohe Pangeo, der uns diese Kühle bescherte. Früh brechen wir auf, um der alten Nationalstraße zu folgen und nach Kavala zu gelangen. Sie, diese Stadt, wird als eine der schönsten des Landes angepriesen. Etwas Erinnerung habe ich noch an sie. Sehe noch den riesigen Aquädukt vor mir, der sich von einem Berg zum anderen und somit zur Burganlage, aus dem Jahre 1425, spannt. Ein gewaltiges Monument. Erinnere mich noch an die vielen weißen Häuser, die sich auf der Landzunge aneinander schmiegen.
Die Fahrtstrecke ist angenehm, leider verpassen wir die Abfahrt zum Meer und rollen so inlands zu unserem heutigen Erlebnis, Kavala. Kaum überqueren wir hinter Eleftheroupoli die Berge, liegt sie auch schon vor uns, glänzt in der Sonne und wirkt einladend. Was mir sofort auffällt ist, dass ich sie viel kleiner in Erinnerung habe. Sie wird in den letzten 30 Jahren wohl entsprechend gewachsen sein. 60.000 Einwohner zählt sie heute. Gegründet wurde sie im 5th Jhr.v.Chr. und trug damals den Namen Neapolis. Nicht bewiesen ist, dass der Apostel Paulus sie im Jahre 49 n.Chr. besucht haben und hier das Evangelium verkündet haben soll. Dann geht die Geschichte im Prinzip so weiter, wie die aller damals wohlhabenden Hafenstädte. Kriege und Kriege und wieder Kriege. Interessant in der jüngsten Geschichte ist, das Kavala bis 1913 den Bulgaren gehörte, die sie sich im Balkankrieg aneigneten. Die Grenze zu Bulgarien ist nur 80 Kilometer entfernt. Kavala steigt amphitheatrisch an den Bergkämmen empor und so bietet sich aus jeder Ecke quasi ein Bild und Blick bis in den Hafen. Gekrönt wird die Altstadt mit einer noch gut erhaltenen Festungsanlage.
Heute ist Samstag und großer Markttag in der Stadt. Am Hafen gibt es erschwinglichen Parkraum und wir zahlen für 24 Stunden nur ganze 5 Euro. Erst später, nachdem wir Kavala ausgiebig besucht haben finden wir einen noch besseren Parkplatz, hoch oben am Berg, vor dem Denkmal und vor dem Haus das Suleiman der Prächtige im 16. Jh. Erbauen ließ, das Haus des Mohammed Ali (1805-1848), des in Kavala geborenen Kommandanten Ägyptens. Unbedingt diese Stelle besuchen, sie bietet ein herrliches Panorama über Kavala, zur vorgelagerten Insel Thassos und weit, weit die Küste entlang, über die Thrakkische See, vielleicht schon bis zu den Gestaden der Türkei. Wir hingegen entscheiden unser Hotel heute nicht mehr umzuziehen und schlafen die € 5 im Hafen ab, dabei bietet sich uns ein Blick über den Hafen und die Stadt.

Tag 68: Alexandropoli, östlichste Stadt Griechenlands 161 km
Die alten Männer in Griechenland sprechen aus, wonach wir uns sehnen, ab Montag, also morgen, soll es wärmer werden. Wir wünschen und so sehr sie hätten recht, denn es sind nur noch 4 Grad! Sie sagen auch, dieser Winter war soweit besonders kalt. Gut, das wir eine funktionierende Heizung haben und mittels Adapter die griechischen Gasflaschen anschließen können. Hoffentlich gibt es die Möglichkeit auch in der Türkei. Wir werden jedenfalls mit vollen Gasflaschen bestückt morgen dort einreisen, dann haben wir auch Zeit, notfalls zu improvisieren, wie ich es in Kroatien schon tat, zwei Flaschen miteinander verbinden. Die eine höher auf den Kopf stellen und so umfüllen, was mit gewissen Gefahren verbunden sein kann. 2 Flaschen Gas reichen bei dieser Witterung rund 10-14 Tage.
Es ist 11:30 Uhr, ein Sonntag und wir stehen im Hafen von Alexandropoli. Rund 40 Kilometer und wir betreten, oder besser befahren, wieder eine andere Welt, diesmal die Türkei und Land Nr. 8 auf unserer langen Reiseroute.
Die Strecke von Kavala hierher war gut zu befahren, eher langweilig und kaum ein anderer Wagen unterwegs. Gitte bereitet nun das Frühstück, wir nennen es „Brunch“. Die Stadt werden wir später erkunden. Doch nun zur Fahrtstrecke: Zunächst durchfahren wir Xanthi, ein Industriestädtchen im Inland. Diese Stadt hat nicht viel zu bieten, außer, dem Samstagsmarkt. Nahe der türkisch und bulgarischen Grenze, wohnen im Umfeld von Xanthi viele Moslems, die diesen Markt besuchen. Erste orientalische Gefühle können hier aufkommen. Ebenso wird der Markt von den schwarz gekleideten Pomakenfrauen frequentiert. Sie sprechen türkisch, sind aber bulgarienstämmig. Sie kommen aus den Dörfern des Rhodopen-Gebirges. Erst seit 1996 darf dieses Gebiet von Fremden besucht werden. An baulichen Besonderheiten gibt es noch 13 Bauwerke aus den ehemals 53 Karawansereien. Einen ähnlichen Markt gibt es Dienstags in Komotini, weiter östlich. Nach 161 Kilometern erreichen wir dann unser Ziel der heutigen Etappe, Alexandropoli. Dies ist Griechenlands östlichste Stadt. Die Stadt hat außer der Kathedrale Agios Nikolaos nicht viel zu bieten. Wem es nach echter Natur gelüstet kann 15 Kilometer weiter in das Naturschutzzentrum Dadia fahren und vielleicht seinen ersten Braunbären oder Wolf begegnen, die hier in den Wäldern noch leben.
Nun sitzen wir, nach dem obligatorischen Stadtbesuch, an gedeckter Kaffeetafel. Die letzten Weihnachtsplätzchen werden genascht und wir bereiten uns auf die Türkei vor, in die wir morgen einrollen werden. Das Carnet de Passage ist zur Hand und wir studieren, wie es funktioniert und was damit zu tun ist. Gleichzeitig legen wir die erste Route fest. Die Grenze werden wir bei Ferres überqueren und Ipsala wird die erste türkische Stadt sein, auf unserem Weg. Dann geht es in Richtung Dardanellen. Istanbul weden wir diesmal nicht besuchen, wir waren schon zweimal dort, letztens erst im Oktober 2004. Wir sind schon gespannt und ein wenig Nervenkitzel kommt auf. Werden wir die Sicherheit, Ruhe, Gastfreundschaft, und Panoramen geboten bekommen, die uns das schöne Griechenland schenkte?
Heute Abend lassen wir jedenfalls die Sektkorken knallen und werden mit einem zünftigen Jammos auf Griechenland und seine Menschen anstoßen. Land und Leute sind uns in dieser kurzen Reise ans Herz gewachsen. Wir sagen Dankeschön Griechenland und wir kommen wieder!

Eine SMS, die Angst um die Vogelgrippe und unser Huhn Kalinka …
Als wir unseren Kindern per SMS eben mitgeteilt haben, dass wir morgen in der Türkei anlanden, schreibt unsere Tochter Jenny prompt zurück: „Mamma, bitte nicht wieder mit den Hühnern kuscheln, denk an die Vogelgrippe!“ Wir müssen laut und herzhaft lachen. Nicht über diese ernst zu nehmende Seuche, die sich nun rasch in der Türkei ausbreitet und erste Menschenleben forderte, vielmehr über die Erinnerung an unseren Hobbybauernhof am Edersee und unsere Hühner und die sind hier gemeint, oder

Aretousa am 21 Mär 2007 22:03:22

Genüsslich habe ich nun die ganze Griechenlandreise gelesen (bestimmt nicht zum letzten Mal) Du hast eine sehr anschauliche Art die Orte und Erlebnisse zu beschreiben.
Ich freue mich schon drauf, wenn es dann in der Türkei weitergeht
L.G.
Aretousa

Gast am 26 Mär 2007 10:48:19

Türkeiteil, setzte ich in das Forum "Türkei".
Viel Spass beim mitreisen!

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