Hallo,
also mal kritische Bestandsaufnahme des Alkovenbewohners und vielleicht ein paar Fragen an die Busfahrer.
Sicht/Aussicht: Klar, die Riesenscheibe, das hat was. Im Reisebus sitze ich auch gerne vorne und guck raus. Andererseits hat das Sprinterfahrerhaus unter dem Alkoven ja auch mehr als nur Sehschlitze zu bieten. Vielleicht fehlt mir der echte Vergleich, aber Leidensdruck spüre ich da nicht.
Eher fand ich einen normalen VI, also mit 1-2m Luft von meiner Nase bis zur Scheibe unübersichtlich beim Probesitzen. Alles war so elend weit weg. Hier kann ich mir schnell mal den Abzieher greifen und freie Sicht schaffen, im VI brauche ich dafür zwingend die Lüftung oder ich muss anhalten und aufstehen.
Ein VI mit Frontlenkerfahrerhaus würde mir da vielleicht besser gefallen, weil man eher wie im echten Reisebus sitzt. Aber bei den VI's auf Ducato/Sprinter muss der Motor ja noch irgendwo hin. Mein Frontlenker VI bräuchte Unterflur- oder Heckmotor.
Am
Stellplatz mit Aussicht ist es erstmal toll, bis es draußen kalt wird oder die Sonne reinknallt. Dafür sitze ich hinten und gucke zu drei Seiten raus. Das geht bei Kälte sogar etwas länger, als vorne durch die unisolierte Frontscheibe.
Alkovenhöhe: Ok, richtig sitzen kann ich nicht da drin, obwohl ich mit 1,75m eher Normalmaß habe. Aber es reicht für die Morgengymnastik. Gut, bei den Sit-Ups schleift das Haupthaar an der Decke, aber ich bin noch nicht stecken geblieben. Normalerweise liege ich da drin, auch beim Lesen. Gemütlich sitzen kann ich hinten, im Fahrerhaus oder draußen im Liegestuhl.
Fahrerhaus-Anmutung, sieht nach Arbeit aus: Ich habe mit einem Transporter-Fahrerhaus nie Arbeit assoziiert, immer Urlaub. Auf Arbeit war ich Sesselpupser, im Fahrerhaus eines VW-Bus oder
Sprinter konnte ich in die weite Welt hinaus. Das ist natürlich für jemand, der auf Arbeit diese Kisten fahren muss, was anderes.
Isolierung: Ha, jetzt kommts. Wie bereits anderswo erklärt, ist die Frontscheibe, auch beim VI, nicht isoliert. Das ist ganz normales Autoglas, weil sonst Verzerrungen auftreten. Sämtliche Plissees und Innen- wie Aussenmatten können eine Trennwand mit Tür nicht wirklich ersetzen.
Was die Verbindung des Fahrerhauses mit dem Wohnraum angeht, sind Kastenwagen ja mit Integrierten vergleichbar, wenn die auch natürlich sonst nicht an die
wohnmobile "Königsklasse" ranstinken können. Ihr könnt euch auch eine angemessene Buße für diesen Frevel ausdenken oder einfach den gelben Button drücken. Aber im Kastenwagen hatte ich im Winter meine liebe Not, die Bude vorne angenehm warm zu kriegen. Dann kam literweise Kondenswasser dazu, das bei der Abfahrt rausgeschöpft werden musste. Jetzt, mit dem Türchen, ist das kein Thema. Diese Tür macht den Alkoven für mich zum tauglichen Ganzjahresmobil.
Einen Wärmetauscher zwischen Motor und Alde habe ich (noch) nicht, angedacht ist auch vorerst nur die Variante mit
Heizung nach hinten. Vorne ist es bei der Abfahrt kalt, das stimmt, aber wenn der Jockel erstmal läuft und die Tür nach hinten zu ist, wirds in der kleinen Kammer recht schnell warm.
Nebenbei kann das abgetrennte Fahrerhaus bei längeren Aufenthalten die Rumpelkammer sein.
Bei dem Türchen kommt noch ein Punkt dazu: Wenn ich dort ein Schloß drin hätte, könnte der Wohnbereich abgeschottet sein, z.B. bei Werkstattaufenthalten. Dann kriegt die Werkstatt nur den Zündschlüssel und hinten kommt keiner dran.
Seitenwind: Da kann ich nur wieder einen mittelgroßen Alkoven mit zwei kleineren Kastenwagen vergleichen, wobei nach meiner Erinnerung der kleinste dieser Kastenwagen (VW-T3) auch der windanfälligste war. Der hat wilde Tänze bei Seitenwind aufgeführt, während der Sprinter 312D mit Hochdach sich zur Seite geneigt hat und damit schon mal angezeigt hat, wohin er abdriften will.
Auch im Alkoven ist der Wind natürlich spürbar, aber für mein Gefühl sogar weniger stark, als im Hochdachkasten. Das mag am längeren Radstand und vermutlich auch an den Zwillingsreifen liegen.
Ein gleich großer VI hat weniger Angriffsfläche, vor allem im Bereich der Vorderachse, da dürfte das was ausmachen.
Spritverbrauch: Ich stemme eine ziemlich zerklüftete Front in den Wind, das kostet sicher mehr Sprit, als bei einem gleichgroßen, gleich motorisierten VI. Vergleichdsdaten habe ich keine zur Hand. Ich habe bisher auf über 9.000 dokumentierten Kilometern im Durchschnitt 12,93 Liter bei meistens verhaltener Fahrweise verbraucht.
Haballes/Sven: Du warst in Hörstel-Riesenbeck, am Mittellandkanal, hab ich gleich wieder erkannt.
Aber für einen Integrierten ist der Grundriss mit Hecksitzgruppe schon ungewöhnlich. Die Sessel stehen dann so verloren da vorne rum, der Fahrersitz scheint gar nicht sinnvoll drehbar zu sein.
Wäre nicht das Hubbett, könnte man da sogar eine Art Trennwand einbauen zur Winterisolation. Abgesehen vom Hubbett habe ich einen ganz ähnlichen Grunriss: Küche rechts, Bad und Schränke links, Sitzgruppe hinten.
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