Den Nachmittag verbringen wir mit Shoppen und Kaffee trinken. In Vágur gibt es den Werksverkauf von Sirri, einem färingischen Modelabel, das überwiegend Wollprodukte herstellt.
Wir fahren für die Nacht zurück nach Hvalba und plötzlich ist die Hölle los. Alle Autos der Insel scheinen mit uns nach Hvalba zu wollen. Es wird auf Teufel komm raus überholt und gehupt. Kurz vor dem Tunnel nach Hvalba geht nichts mehr! Vor der Tunneleinfahrt sehen wir auch den niederländischen Wagen der Sea Shepards vom Vormittag wieder. Die Sea Shepards hatten wohl „Probleme“, durch den Tunnel zu kommen. Im Tunnel herrscht Stau und das ist echt ungemütlich! In einem unbeleuchteten, einspurigen, unbelüfteten und 2,5m breiten Tunnel im Stau zu stehen hat den Nachteil, dass die Luft extrem schnell giftig wird und man gerade so noch seinen Vordermann sieht.
Wieder aus dem Tunnel, tauschen meine Frau und ich die Plätze. Ich steige aus, um einen Mann an der Leitplanke zu fragen „Was denn los sei“. Zur Antwort bekomme ich, dass er zu „gently“ wäre mir sofort eins auf die Fresse zu geben. Der gute Mann hat dem Geruch nach auf jeden Fall schon zu viel Bier getrunken. Ich erkläre ihm, dass ich kein Problem mit dem Grind-Walfang hätte, es zwar nicht unbedingt gutheißen würde, aber diesen Walfang akzeptieren würde. Seine Laune bessert sich und er wünscht mir noch einen schönen Tag. Die Polizei ist auch schon vor Ort, um die Sea Shepards festzusetzen und es herrscht allgemeine Hektik. Der Grind wird kurze Zeit später wieder gestoppt, da die Strömungsverhältnisse wohl nicht stimmen. Schade, wir hätten uns das gerne mal angeschaut, um uns unser eigenes Bild zu machen. Auch wenn es ohne Zweifel ein Gemetzel ist und man sich durchaus fragen muss, ob diese färingische Tradition heute noch so angebracht ist.
es herrscht Verkehrschaos in Hvalba
die Sea Shepards waren rechtzeitig zur Stelle
Die Nacht verbringen wir in Hvalba auf dem CP bzw. SP, der sich direkt neben der Schule befindet.
Der Platz ist zwar nicht so schön wie der vom Vortag, verfügt dafür aber über Duschen und Entsorgungseinheit. Wir nehmen Abschied von der Südinsel und fahren wieder mit der alten Norröna zurück nach Tórshavn. Dort hat gerade die neue Norröna angelegt. Man erkennt sie sofort an ihrem markanten Bug, der dem Schiff eine ruhigere Lage bei schwerer See geben soll.
Norröna
Wir fahren wieder nach Gjógv auf „unseren“ CP und erleben einen Schock: 17 italienische Wohnmobile und 5 französische Island-reisende Offroader sind auf dem Campingplatz eingefallen.
ganz schön voll
Die Italiener mögen es auf jeden Fall eng. Der Chef der Truppe weist jedem Womo seinen Platz zu und bestimmt auch am nächsten Tag die Reihenfolge beim Ausparken und die Position im Konvoi.
auf dem Weg nach Skála
Die letzten Tage brechen an und da wir uns noch ein wenig bewegen wollen, unternehmen wir eine kurze Wanderung von Skála nach Selatrað. Der Weg führt immer an einem Gjógv vorbei, zeitweise auch durch ein tiefes Gjógv hindurch.
man ist fast alleine unterwegs
Der Weg lässt sich sehr gut gehen, da er hervorragend markiert ist und landschaftlich wirklich sehr reizvoll ist. Unterwegs treffen wir außer ein paar Schafen niemanden. Diese Einsamkeit macht das Wandern hier auf den Färöer zu etwas ganz Besonderem. Dazu gibt es auch noch die grandiose Aussicht, echt toll.
typisch Färöer, tiefe Gjogvs
Was uns besonders gefällt ist tatsächlich das wechselhafte Wetter. Die Wolken erzeugen manchmal eine dramatische Szenerie, dazu kommen die vielen Wasserfälle und Wasserläufe. Man merkt sofort, dass die Torfschicht auf den Färöer relativ gering ist. Es ist bei weitem nicht so sumpfig wie in Schottland, da das Regenwasser meist in riesigen Sturzbächen oberflächlich abfließt.
Unseren letzten Abend auf den Färöer wollen wir in Gjógv verbringen, alleine schon weil wir nochmal Essen gehen wollen. Für die Nacht ist Sturm angesagt und man merkt schon bei der Rückfahrt, dass der Wind recht kräftig am Wohnmobil rüttelt.
jede Menge Wetter...
Gegen Abend wird es dann richtig windig und in der Nacht denkt man manchmal, es würde das Wohnmobil zerreißen. Aber es passiert natürlich nichts.
Unseren letzten Tag auf den Färöer verbringen wir in der Hauptstadt Tórshavn. Wir besuchen das Nordic House, das Freilichtmuseum von Tórshavn und das Landesmuseum. Besonders letzteres ist sehr zu empfehlen, es wird eine Menge über die Geschichte, Flora und Fauna und Besonderheiten der Färöer erzählt. So kamen die ersten Wespen erst 1999 mit Baumaterial auf die Färöer, finde ich schon sehr erstaunlich.
Wir schlendern nochmal durch das Städtchen mit seinen engen und verwinkelten Gassen und besichtigen noch den Regierungssitz des Landes.
Der Regierungssitz des „Føroyar Løgting“ liegt auf der kleinen Halbinsel Tinganes
Leider fängt es wieder an zu regnen und so ziehen wir uns zum Essen in eins der wenigen Restaurants zurück.
Der Sturm hat zum Glück ein wenig nachgelassen, sodass die Überfahrt wohl nicht so schlimm wird wie befürchtet. Unsere Fähre geht abends um 22:30 Uhr und nach und nach füllen sich die Lanes. Auch der italienische Trupp mit seinen 17 Wohnmobilen und die Franzosen sind am Start, wobei auch diesmal wieder alle Fuß-Passagiere mit dem Gepäck zu Fuß an Bord gehen müssen.
Und diesmal dauert das Beladen ewig und die Kabinen sind auch diesmal noch nicht fertig. Wir müssen gut über eine Stunde mit unserem Gepäck auf dem Boden zubringen, bis wir um 0:30 endlich in unsere Kabinen können. Zugegeben, die Überfahrt von Hirtshals zu den Färöer durch den Sturm der vergangenen Nacht wird recht heftig gewesen sein - wie der Geruch und die Spuren in unserer Kabine belegen. Trotzdem ist das Ganze Ein – und Auschecken schlecht gelöst.
Der nächste Tag ist ziemlich öde, das Schiff schaukelt recht heftig und das Wetter ist ziemlich durchwachsen. Das einzige Highlight ist die Umfahrung vom Sumburgh Head auf den Shetlands. Da werden Erinnerungen wach.
Sumburgh Head
Der nächste Morgen startet früh um 6:30 durch den Weckruf des Kapitäns. Der fordert uns auf, doch gleich unsere Kabinen zu verlassen und unser Gepäck zum Auto zu bringen. Ganz toll! Wir hätten gerne noch etwas geschlafen, da wir heute einen ziemlich langen Tag vor uns haben. Wir müssen heute noch zurück bis nach Aachen, am nächsten Tag geht für Paula die Schule wieder los.
Wir sitzen gut beim Frühstück, da kommt die Meldung, dass wir eine Stunde Verspätung haben werden. Aus der einen Stunde werden 2,5 Stunden, weil ein Schiff der Fjordline im Hafen festhängt. Das erzeugt natürlich nicht nur bei uns einen gewissen Unmut. Das mit der Verspätung wusste man ja sicher auch schon zur Weckzeit um 6:30 Uhr. Dazu kommt, dass die Passagiere nun natürlich nicht mehr in ihre Kabinen und somit auf ihre Toilette können. Die Kabinen werden ja jetzt schon wieder fit für die nächste Überfahrt gemacht. Und so knubbelt sich alles vor den wenigen Toiletten, die sich im öffentlichen Bereich befinden.
Um 12:00 Uhr sind wir endlich vom Schiff runter und nun gilt es die 1000km bis nach Aachen hinter sich zu bringen. Unterwegs sichten wir einen Wohnmobilforum-Aufkleber ( ahd250 ) und erreichen, zum Glück ohne einen einzigen Stau, ziemlich gestresst um 22:30 Uhr Aachen.
Schön war’s mal wieder. Aber für die Rückfahrt sollte man sich definitiv mehr Zeit nehmen, damit die Urlaubsstimmung nicht so abrupt endet. Aber wenn man an die Ferienzeiten gebunden ist … zum Glück sind bald wieder Herbstferein!



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Juni 2025