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Das MoMo in Schweden 1, 2


Momoblog am 01 Jul 2015 19:28:38

Mensch, was haben wir diesen Urlaub herbeigesehnt! Denn seit dem letzten Eintrag gab es nicht wirklich freie Wochenenden, die wir für Touren nutzen konnten. Also stand unser braves MoMo auf dem Hof und guckte uns traurig an, wenn wir vorbeifuhren. Oder war es umgekehrt?
Und jetzt geht es einfach los.
Nun ja, ?auch nicht ganz einfach, denn unser Händler hatte mal eben trotz Nachhakens unsererseits "vergessen", uns zu informieren, dass die bestellten Ersatzteile für den leichten Heckschaden schon länger da waren... Also fahren wir weiter mit Pflaster am MoMo-Popo. Dafür wurde die defekte Tachoeinheit getauscht, so dass im Armaturenbrett wieder nur die Lämpchen leuchten, die auch leuchten sollen. Fühlt sich einfach besser an.
Die Vorbereitungen für unsere vierwöchige Tour nach Schweden gestalteten sich fast schon routiniert, so dass jetzt alles bestens verstaut und organisiert aussieht. Und sooo viel wollen wir auf diesem Trip eigentlich nicht organisieren. Der Plan ist mehr denn je einfach rumzuzigeunern und da zu bleiben, wo es uns gefällt und uns allenfalls vom Wetter umstimmen zu lassen. Dieses ist aber pünktlich zum Ferienbeginn nach einem wirklich lausigen Juni einem heißen Sommerwetter gewichen und die Aussichtensehen rosig aus.
Die einzig festen Fixpunkte sind die Fährüberfahrten zwischen Travemünde und Trelleborg am Anfang und am Ende des Monats. Und eine Begrenzung auf Südschweden mit einer nördlichen Grenze am Siljansee, da wir nicht nur im MoMo sitzen wollen, sondern gerne auch mal am Meer oder einem schönen See die Beine hochlegen wollen. Außerdem wollen wir im Uhrzeigersinn reisen, also erst mal die Westküste entlang bis ungefähr Höhe Göteborg. Alles andere wird sich finden.
So entspannt wie heute sind wir noch selten in einen Urlaub gestartet. Da unsere Fähre erst morgen früh fährt, ist der heutige Tag für die Anreise in den Norden vorgesehen. Noch nicht einmal läppische 500km! Nach einem gemütlichen Frühstück mit Sofie konnten wir, als wirklich nichts mehr zu packen war, um 9.20 Uhr einfach losfahren. Passend zur Abfahrt: der neue Ohrwurm von Pharrell Williams, "Freedom". Ich glaube, das wird unser Mottosong für diesen Urlaub!
Als wir unterwegs kurz Pause machen, kommt die Nachricht, dass wegen eines Unfalls in der Nähe von Hamburg ein größerer Stau entstanden ist. Also beschliessen wir, dass wir genau so gut eine längere Mittagspause machen können. Und wo ginge das besser als beim Jann-Hinsch-Hof in Winsen, wo wir schon öfter Station gemacht haben? Ist schließlich nur ein kleiner Schlenker auf der Route und wir haben ja sowas von Zeit! Also geniessen wir ein leckeres Mittagessen, kundschaften einen Stellplatz kurz vor Travemünde in Reinfeld aus und machen uns dann entspannt auf die Weiterfahrt, die auch völlig problemlos verläuft.
Der Stellplatz erweist sich als nett im Zentrum des kleinen Städtchens mit dem Herrenteich gelegen, den wir dann noch kurz erkunden. Es ist allerdings doch ganz schön heiß, so dass wir erst mal zum MoMo zurückkehren und uns bei leichtem Wind in den Schatten setzen. So lässt es sich leben!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

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zeus am 01 Jul 2015 22:24:57

Hört sich gut an und wird auch gut. Ihr habt es gut eingestielt und macht alles richtig. Bei 4 Wochen Zeit ist der Siliansee ein gutes Ziel. Ist auch bisher für uns der nördlichste Punkt.
Unsere Tochter lebt in Trelleborg, wir lieben den südllchen Teil Schwedens.
Ich wünsche Euch viel Spaß auf Eurer Reise.

Asterixwelt am 02 Jul 2015 09:34:21

Hallo,

wünsche Euch einen schönen und erholsamen Urlaub in Schweden.



Michael

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Momoblog am 02 Jul 2015 10:23:08

Dankeschön für die Gute-Reise-Wünsche!

Scheint auch zu wirken, denn wir haben Bombenwetter für die Fährüberfahrt. :-)

nordlicht03 am 02 Jul 2015 17:30:42

Sehr schöne Tour!
Haben wir letztes Jahr gemacht, nur leider etwas kürzer. Ich werde euch mal verfolgen :D
Wünsche euch einen schönen Urlaub! Grüßt die Elche :!:

leoline am 03 Jul 2015 09:14:56

Danke wieder fürs erneute "Mitreisen dürfen"!
Eine gute knitterfreie Fahrt und beste Erholung!

Momoblog am 03 Jul 2015 22:45:08

Auf nach Trällerborg
Da wir die Fähre um 9:30 Uhr kriegen und daher spätestens um 9:00 Uhr am Hafen sein müssen, stellen wir uns den Wecker auf eine für Urlaub unchristlich frühe Zeit. Und obwohl wir brav nach dem frühen Klingeln um viertel nach sechs aufstehen, fliegt die Zeit nur so dahin, wie sie es immer macht, wenn man einen Termin hat. Wir halten uns aber an unseren ausgetüftelten Zeitplan und können daher morgendliche Hunderunde und Besuch beim Bäcker mit einem leckeren Frühstück belohnen und treffen noch vor dem Beginn des Boardings (heißt das bei Fähren eigentlich auch so?) in Travemünde ein.
Beim Auffahren auf die Fähre geht es extrem entspannt zu und auch die Fahrspuren sind üppig bemessen, so dass gar nicht erst Stress mit den Einweisern aufkommen kann. Wir drehen noch brav das Gas ab, legen Kühlakkus aus dem Tiefkühlfach in den Kühlschrank und hoffen darauf, dass auch nach den 10 Stunden Überfahrt alles gekühlt bleibt. (Antwort vorab: Es blieb!)
An Bord suchen wir erst mal unsere Kabine auf. Ja, Kabine, richtig gelesen! Obwohl sie bei einer Tagesüberfahrt ja nun wirklich nicht nötig wäre, haben wir uns den Luxus gegönnt, das Comfort-Paket für die Überfahrt zu buchen. So haben wir einen Platz, wo wir den Hund lassen können, da man ins Restaurant keinen Hund mitnehmen darf. Und eine Dusche. Und ein eigenes Klo. Und ein Bettchen. Und vor allem: Diese Aussicht!
Wir sind ziemlich begeistert. Nicht nur von der Kabine, sondern auch vom Schiff und vom Wetter. Und auch wenn wir bekennende Kreuzfahrt-nicht-ganz-so-toll-Finder bleiben, können wir ein bisschen besser verstehen, warum so viele eine Fahrt auf einem Kreuzfahrtschiff super finden. Wir genießen die Aussicht auf die an uns vorbeiziehende Küste bei strahlendem Sonnenschein. Und es stellt sich auch heraus, warum unsere Überfahrt ungewöhnlich lange 10 Stunden dauert: Wir fahren nicht direkt nach Schweden, sondern machen noch Station in Rostock, um weitere Passagiere aufzunehmen. Die Einfahrt in den Rostocker Hafen ist dann von unserer Kabine aus auch ein echtes Erlebnis!
Wir stellen aber fest, dass mittlerweile doch schon wieder ein bisschen der Magen knurrt und machen uns auf den Weg zum Restaurant. Denn ein Gutschein für ein Mittagessen und 2 Getränke ist auch in unserem Comfort-Paket enthalten. Annette fragt brav bei einer Bedienung nach, wie man denn den Gutschein einlösen könne und die arme Frau hat dann auch Erbarmen und krickelt Ringe auf die Gutscheine, damit sie offiziell entwertet aussehen. Es hat aber eher den Anschein, dass es schlicht und einfach niemanden interessiert, was, wo und wieviel wir essen. Also bedienen wir uns am Essensbuffet, das geschmacksmäßig eher so mittel ist. Kantine lässt grüßen. Aber dafür werden wir satt und die Rote Grütze als Nachtisch schmeckt dann doch recht gut. An einem Nachbartisch hört Annette, wie ein Kind seine Oma fragt, wann sie denn endlich in Trällerborg wären - gefällt uns!
Den Rest der Überfahrt verbringen wir dann lesend, schlafend, strickend, duschend, sonnend und vor allem: entspannt! Besser kann man nicht in den Urlaub starten!
In Trelleborg reihen wir uns in die endlose Karawane von vorwiegend Womos und Wowas ein. Eine wahre Invasion in weiß! Bevor wir einen der drei im Womo-Reiseführer empfohlenen Stellplätze aufsuchen wollen, unternehmen wir noch den Versuch, in einem Supermarkt eine SIM-Karte mit reichlich Datenvolumen zu kaufen, so wie es ja auch in der Toskana geklappt hat. Aber leider gibt es diese wohl nur in Trällerborg-City und dort hätten die Geschäfte schon zu. Also gibt es heute keinen Blog-Upload mehr. Es gibt Schlimmeres...
Also machen wir uns auf dem Weg. Die Straße nach Kämpinge direkt am Meer ist bestens ausgebaut und wir kommen uns vor, als würden wir durch eine überdimensionierte Puppenstube fahren. Alles so nett und adrett. Einfach schön anzugucken. Durch eine riesige, aber nicht künstlich wirkende Ferienhaus(?)-Siedlung erreichen wir schließlich das Strandbad von Kämpinge. Was sich anhört wie ein Campingplatz für Lemminge entpuppt sich als riesiger Grasparkplatz unter Kiefern und Birken. Und zum Meer sind es auch nur 200 Meter. Also parken wir das MoMo und spazieren die paar Meter zum Strand vorbei an netten kleinen bunten Hüttchen. Und der Strandsand am Sandstrand lässt keine Wünsche offen: Noch feiner wäre nur Mehl! Leider ist es aber durch den Wind schon etwas zu kühl, um im T-Shirt bis zum Sonnenuntergang zu bleiben. Also machen wir uns auf den Rückweg zum MoMo und machen uns an die schwerste Aufgabe des Tages: Wie parkt man ein Wohnmobil auf einem riesigen Parkplatz ohne klar definierte Wege und Parkplätze? Wo gibt es morgen genug Schatten? Wo stört das Brummen der Belüftung des nahe gelegenen Schwimmbades am wenigsten? Stehen wir schief? Wir klären alle diese Fragen mit teutonischer Genauigkeit und finden schließlich diesen Platz. War auch wirklich schwer.
Nach dem Abendessen und Tagebuchschreiben fallen wir dann, wahrscheinlich von diesem außergewöhnlich anstrengenden Tag gefordert, müde ins Bett. Und freuen uns, dass wir endlich da sind!
Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Momoblog am 04 Jul 2015 00:11:50

Eine angenehme Überraschung
Noch nicht ganz im Urlaubsrhythmus wachen wir wieder früh auf. Und wundern uns, dass auch während unseres ganz gemütlichen Frühstücks bis 9 Uhr der Parkplatz weiterhin nahezu leer bleibt. Lediglich Rollhockey-Kids werden an der Sporthalle von ihren Mamas abgeliefert. Ansonsten tote Hose. Schön für Mia, die erst mal ein paar Runden wie ein Windhund über die offene Grasfläche rast und Spaß daran hat, mal nicht an der Leine zu gehen oder brav im MoMo zu liegen.
Wir machen uns auf den Weg zum Strand und auch hier sieht es um kurz vor zehn noch aus, als wäre den Schweden der Strand relativ egal. Aber warum stehen dann überall diese hübschen Strandhäuschen?
Wir suchen uns ein windgeschütztes Plätzchen in den Dünen, denn der frische Wind sorgt dafür, dass man von der wärmenden Sonne gar nicht mal so viel merkt. In unserer Dünenmulde ist es dafür herrlich sonnig. Genau richtig.
Bei einem längeren Spaziergang erkunde ich ein bisschen die Gegend und stelle fest, dass der gemeine Schwede an sich anscheinend erst um elf Uhr beschliesst, dass es sich lohnt, rauszugehen. Denn am Strand herrscht jetzt ein buntes Treiben von vielen Familien mit kleinen Kindern und älteren Herrschaften, die sich einen Stuhl mitgebracht haben. Überfüllt ist aber immer noch was anderes. Schön!
Bei meinem Versuch, am Strandbüdchen 2 Pommes auf halbwegs schwedisch zu bestellen, ernte ich erstaunte Blicke und dann eine höfliche Rückfrage auf Englisch. Das war wohl nicht so überzeugend... Aber immerhin kriegen wir, was wir bestellt haben. Ist ja auch was.
Als wir anschließend zum MoMo zurück kehren, ist es vorbei mit der gähnenden Leere: Der Parkplatz ist zu einem großen Teil gefüllt - hätte ich morgens nicht für möglich gehalten!
Nachdem wir uns von diesem anstrengenden Strandvormittag erholt haben und uns in den Reiseführern Ideen für die weitere Reiseplanung geholt haben, geht die Reise weiter.
Malmö ist das Tagesziel für heute und wir sind gespannt auf die drittgrößte Stadt Schwedens. Bekannt für Hafen und Industrie. Und eigentlich fahren wir vor allem hin, weil es a) die Öresundbrücke gibt, die wir von der tollen Krimireihe "Die Brücke" kennen, b) es das tolle "gedrehte" Hochhaus gibt, was im Reiseführer schon irre aussieht und c) wir im Handyladen schwedische SIM-Karten kaufen können. Was wir nicht wussten: Malmö hat deutlich mehr zu bieten!
Der im Womoführer empfohlene Stellplatz im Norden von Malmö ist zwar nur ein großer Parkplatz, dafür aber auch direkt am Meer und in der Nähe des "Turning Torso".
Dumm nur, dass der Parkscheinautomat ausschließlich schwedische Kreditkarten akzeptiert. Da steht man als Tourist ganz schön dumm da! Aber wir warten am Automaten einfach auf den nächsten Schweden und fragen, ob er für uns mit Karte zahlt und völlig selbstverständlich macht er das auch. Und freut sich über die 20 Kronen Gewinn, da wir nur einen Hunderter aus dem Automaten haben und er nicht wechseln kann.
Nachdem das MoMo nun also gut geparkt ist, stiefeln wir bei 29° los. Schon auf dem Weg zum Parkplatz war uns aufgefallen, dass es das Wort Rush-Hour im schwedischen anscheinend nicht gibt. Total entspannt fuhren wir mitten durch die Stadt und auch jetzt fällt vor allem auf, dass es viele Radfahrer gibt. Und man hat zu keiner Zeit den Eindruck, dass hier großstadtmäßig gedrängelt, gemeckert oder gehupt wird. Das große Malmöhus mit seinen roten Backsteinmauern erinnert uns an die Marienburg in Masuren. Wassergraben inklusive.
Nachdem wir den hübschen Lilla Torg mit seinen vielen Restaurants/Cafès überquert haben, finden wir schon bald darauf einen der unvermeidbaren Handyläden, genau wie bei uns. Nach kurzer Beratung sind wir jeder um eine SIM-Karte mit reinem Datenguthaben reicher, denn zum Telefonieren können wir notfalls auch unsere deutschen Karten nehmen. Da die schwedischen Datentarife auch noch krachergünstig sind (zumindest verglichen mit Deutschland), reisst uns das auch kein all zu tiefes Loch in die Reisekasse. Lustiger Zwischenfall am Rande: Vor dem Aufladen des Guthabens für Annettes SIM-Karte stürzt offensichtlich das Internet im Laden komplett ab. Aber die hilfsbereite Verkäuferin schreibt uns einfach einen Zettel, mit dem wir dann im Pressbyran nebenan das Guthaben aufladen können. Irgendwie auch eine für unsere bisherigen Erfahrungen mit den Schweden typische Geschichte. Denn diese freundliche Hilfsbereitschaft haben wir bis jetzt jedes Mal erlebt. Das darf gerne so bleiben!
Beschwingt beschliessen wir, unseren Erfolg mit einem Bierchen auf dem Lilla Torg zu feiern. Da die Preise aber bei freundlichen 63 Kronen für ein Bier liegen, verlassen wir unsere Stühle auch schnell wieder... Und was ein Glück das war! Denn auf unserer Suche nach einer netten Kneipe entdeckt Annette ein völlig unscheinbares Lokal in einer Seitenstraße vom Lilla Torg. Das Tusen&2, ein Hamburger-Restaurant, ist nur durch einen Hinterhof erreichbar und die Beschilderung ist, gelinde gesagt, verbesserungswürdig. Ich wäre sogar noch dran vorbeigelaufen, als Annette mich darauf hinweist, dass dort was Nettes sein könnte. Also bestellen wir uns das pilsähnliche Norrlands und das wirklich nach Grapefruit schmeckende Pistonhead und stöbern eher interessehalber in der Essenskarte. Denn eigentlich sollte das schwedische Essen doch abends völlig unbezahlbar sein. Als wir dann aber die Preise für wirklich exotische Burger (Annette mit Ziegenkäse und Feigenmarmelade, ich mit Gorgonzola und getrockneten Tomaten) sehen, sind wir "angenehm" überrascht. Teuer, ja. Aber wenn man es mit den Preisen bei der trendigen "Hans im Glück"-Kette bei uns vergleicht, nicht überteuert. Also versuchen wir unser Glück und werden nicht enttäuscht. So ungewöhnliche und leckere Burger haben wir wirklich noch nicht gegessen!
Frisch gestärkt machen wir uns auf den restlichen Stadtrundgang und stellen fest, dass es in der City nach Geschäftsschluss eher tot ist. Also machen wir uns auf den Rückweg und sind begeistert vom vielen Grün in der Stadt. Mittendrin ein parkähnlicher Friedhof. Und der wirklich toll angelegte Slottsgarten. Und am Meer noch der Riberborgsstranden mit wahrlich riesiger Hundefreilauffläche, was Mia und auch andere Hunde ausgiebig nutzen.
Auf dem Rückweg kommen wir noch an Jungs vorbei, die von einer ca. 4m hohen Brücke ins Wasser springen. Annette macht den gewagten Vergleich, dass sie das an die Brücke am Douro in Porto erinnere. Nur, dass dort die Jugendlichen eher 20 Meter in die Tiefe sprangen...
An der langen Promenade herrscht dann auch wirklich Hochbetrieb und alle haben sich auf den vielen schönen Sitzmöglichkeiten verteilt um den tollen Sonnenuntergang zu genießen. Ein besonderes Schmankerl ist dann noch eine Bühne, auf der ein Gitarrist improvisiert und die Zuschauer dieses Zusammenspiel von Musik und Sonnenuntergangsstimmung genießen.
Nach dem Sonnenuntergang parken wir das MoMo noch auf eine hoffentlich ruhige Ecke auf dem Parkplatz um, denn die gröhlenden Jugendlichen im Park und die von Zeit zu Zeit mit lauter Mucke vorbeifahrenden BMWs lassen uns eine unruhige Nacht befürchten.

leoline am 04 Jul 2015 10:41:10

Wieder so ein toller Bericht! :lol: Bilder hab ich natürlich auch geguckt (könnten noch ein paar mehr sein :mrgreen: .

deedee am 04 Jul 2015 12:45:14

Welch ein Spaß mitzulesen ..... danke, weiter so.
Freue mich so schon auf unsere Schweden-Tour, dauert aber leider noch viel zu lange ..... kann dafür aber schon Einiges von euch lernen .....

tammy99 am 04 Jul 2015 13:41:15

Moin,

super Bericht! Danke! Wir werden erst in 3 Wochen aufbrechen, dann aber auch über Trelleborg fahren. Bisher haben wir die erste Nacht immer in Foteviken verbracht. Euer Übernachtungsplatz in Kämpinge sind ja noch besser aus. Könntest Du bitte noch die Koordinaten oder die Adresse posten?
Wäre klasse, wenn Du das auch weiterhin für Eure weiteren Plätze mir angeben könntest!
Vielen Dank, gutes Wetter und VIEL Spaß noch!

LG
Fred

Momoblog am 04 Jul 2015 20:48:09

Schön, dass ihr Spaß an dem Bericht habt!

Fred, die Koordinaten findest du im Reiseführer Südschweden aus dem Womo-Verlag.
Ich fände es nicht fair, die hier zu posten, weil es (so wie unser Platz heute) teilweise wirklich tolle Tipps sind und für die sollte auch der Autor belohnt werden und nicht ich.
Falls du das Buch ohnehin hast: Kämpinge ist Stellplatz Nummer 3, Malmö auf Seite 24 oben und heute stehen wir auf Platz 29. Dazu gleich mehr...

Liebe , Michael

borkenkaefer am 04 Jul 2015 21:10:54

Hallo Michael,

schön, dass Du den Platz "getestet" hast, ich hatte mir den für meine Reise im August als eine Alternative auch schon aus dem WoMo-Führer rausgesucht. Ist also offensichtlich auch für Hunde geeignet :)

Variophoenix am 04 Jul 2015 21:17:56

Wir sind auch gerade in Schweden nähe Malmö. Auch für 4 Wochen. Machen auch die Uhrzeigersinn tour.
Vieleicht können wir uns ja mal treffen. Wo seit ihr den morgen. Leider kam der Reiseführer zu späht. Eine Woche lieferfrist.

Momoblog am 04 Jul 2015 21:31:38

Seen-(Tor)-Tour

So ganz falsch habe ich mit den Befürchtungen für die Nacht nicht gelegen. Aber letzten Endes waren es nicht die Halbstarken, die uns laut hupend wie eine Hochzeitsgesellschaft, die vorüberfährt, am Einschlafen hinderten. Denn das kann man ja irgendwann ausblenden. Aber wenn gefühlte 100 Möwen mitten in der Nacht einen Radau machen, als gebe es kein Morgen mehr und einige noch auf dem MoMo-Dach herumturnen, können marodierende Jugendliche einpacken: DAS raubt einem den Schlaf!
Entsprechend gerädert wachen wir morgens auf und alles um uns rum ist so friedlich, als wäre alles nur ein böser Traum gewesen. Die Sonne strahlt und das einzige, was skurril aussieht, sind die Gestalten, die entweder im Bademantel oder aber gleich in Schwimmmontur zum Steg am Strand pilgern.
Der Plan für heute ist es, erst mal das Meer zu verlassen und zum Söderåsen-Nationalpark zu fahren. Dort gibt es verschiedene Wandertouren, die man auch miteinander verbinden kann und entsprechend verlängern oder verkürzen kann. Beim auch heute wieder heißen Wetter um die 30° finden wir es ganz gut, dass wir da noch eine Option haben, eventuell zu verkürzen.
Die Ausfahrt aus Malmö ist fast noch gespenstischer als die Einfahrt. Es ist ungelogen Samstags um 10 Uhr so wenig Verkehr wie bei uns nur an einem Neujahrsvormittag. Drittgrößte Stadt Schwedens, pah!
Über weite Ebenen fahren wir in Richtung Söderåsen und sind regelrecht erleichtert, als es ein wenig hügeliger wird. Denn der Park soll eigentlich eine tiefe Schlucht sein und wir wollen ja schließlich nicht enttäuscht werden!
Auf dem großen Parkplatz finden wir einen Parkplatz im Halbschatten und haben uns gerade auf den Weg gemacht, als wir es hinter uns auf dem Parkplatz heftig scheppern hören. Oh, nein, es wird doch nicht...? Puh, zumindest nicht das MoMo! Aber ein junges Mädchen hat beim Einparken etwas zu forsch die Kurve genommen und ist frontal in ein parkendes Fahrzeug gekracht. Nicht schön!
Die Wanderung geht durch einen Mischwald ziemlich steil bergan. Bei der Hitze schon anstrengend, aber im Vergleich zu den Cinque Terre im Frühjahr ein Klacks. Der Aussichtspunkt ins tatsächlich tief eingeschnittene Tal wirkt so ein bisschen wie Grand Canyon für Arme mit Wald. Aber wahrscheinlich ist Sommer nach dem Winter auch die unattraktivste Jahreszeit für diesen Park. Mit der tollen Färbung des Herbstlaubs, wie auf der Parkbroschüre, sieht es nämlich wirklich fantastisch aus!
Wir beschließen auf jeden Fall wegen der Hitze im kühlen Tal zu bleiben und gehen auf einem Holzbohlenweg durch eine Landschaft, die doch noch sehr an unsere heimischen bergischen Wälder erinnert. Also schön, aber nicht spektakulär ungewöhnlich.
Wir machen uns also zu unserem Tagesziel auf: Ein schnuckeliger ruhiger(!) Platz am See ist unser erklärtes Ziel. Nach der Beschreibung im Womo-Führer könnte das am Västersjö-See wunderbar klappen. Und tatsächlich finden wir auf einer holprigen Piste entlang des Sees einen MoMo-großen Stellplatz mit Feuerstelle und allem Schnick und Schnack. Perfekt! Das einzige, was stört, sind die Hinterlassenschaften unserer Vorgänger, die sage und schreibe 2 Tüten voll Müll rund um den Platz herum verteilt haben. Annette sammelt sie angewidert, aber tapfer auf. Wir bauen also unsere Stühle und unseren Klapptisch auf, kochen Kaffee und... hören auf einmal richtig fette Disco-Bässe: Utze-utze-utze! Zunächst denken wir noch an ein Auto, was vorüberfährt, aber es sind tatsächlich unsere Nachbarn, die nicht einmal in Sichtweise, aber trotzdem so einen Lärm erzeugen können. Nach einer kurzen Besichtigung weiß ich auch warum. Es ist Samstag, ein Haufen junger Leute hat sich gechillt zum Vorglühen an einem Wohnwagen getroffen und und aus zwei meterhohen Subwoofern werden alle mit ihrer Musik beglückt. Sehr aufmerksam! Aber leider haben wir etwas andere Vorstellungen für unsere Abendgestaltung... Da es gar keine Frage ist, wer hier der "Stärkere" ist, brechen wir unsere Zelte ab, konsultieren den Womo-Führer und beschließen, unser Glück an 3 nahe beieinander liegenden Stellplätzen weiter nördlich zu versuchen. Einer von den dreien muss es doch sein...
Nummer 1: Auch hier: wunderschön gelegen, aber ebenfalls eine größere Gruppe Jugendlicher mit Zelten, Wohnwagen und amerikanischer Konföderiertenflagge. Ist uns zu riskant, auch wenn das ältere Pärchen vor ihrem Womo uns so nett zuwinkt.
Nummer 2: Schon besser. Offensichtlich ein Familienbadeplatz, denn es sind viele Eltern mit ihren kleinen Kindern dort. Aber die Möglichkeit, das Womo halbwegs eben abzustellen, ist nicht so toll und an der großen Feuerstelle können wir uns zu späterer Stunde auch andere Kundschaft vorstellen. Erwähnt ich schon, dass wir eine ruhige Nacht anpeilen?
Nummer 3: Extrem unwegsam zu erreichen, weil die letzten Meter durch ein Wäldchen führen und einige Äste am MoMo-Dach entlangschrappen. Aber dafür: Ein kleiner Steg, eine flache Badestelle und nicht viele Möglichkeiten, dass hier noch Massen an Leuten aufschlagen. Und was tut das gut, nach diesem ganzen Hin und Her einfach in den See zu springen und sich zu erfrischen! Haben wir wohl wieder alles richtig gemacht!

Jonah am 04 Jul 2015 21:39:14

Ein toller Reisebericht, bin schon gespannt auf deine Fortsetzung.

tammy99 am 05 Jul 2015 10:53:13

moensters hat geschrieben:Fred, die Koordinaten findest du im Reiseführer Südschweden aus dem Womo-Verlag.


Liebe , Michael


Danke, den habe ich und finde den super. Den Platz habe ich gefunden und musste feststellen, dass ich den schon für markiert aber bisher nicht ausprobiert hatte.

LG
Fred

Pooh335 am 05 Jul 2015 13:30:06

In Malmö fanden wir den Stellplatz an der Marina sehr gut. Vielleicht hatten wir nur Glück, aber es war sehr ruhig bis auf die Masten der Segelboote. Das fanden wir aber eher beruhigend.

Variophoenix am 05 Jul 2015 19:27:45

Ich hänge mich hier mal ran mit kurzen Komentaren. Wir waren heute auch in Malmö zum Hundestrand. Womo ausserhalb abgestellt und mit Fahrrad und Hund 4km gefahren. Sehr schöne Stadt mit sehr vielen Grünflächen und Fahrrädern. Am Hundstrand ist die ware Freiheit für die sonst so in diesem Land strengen Hunde haltung.
Danach nach Lund Stadt Besichtigung und jetzt stehen wir im Nationalpark Söderäsen in einem Wald zum übernachten.

Momoblog am 05 Jul 2015 21:25:50

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Viele erste Male
Woran man sich in Schweden ja wirklich erst mal gewöhnen muss, ist die kurze Nacht. Abends geht und geht die Sonne nicht unter und ab 4 Uhr ist es in unserem Alkoven so hell, dass man, wie an einem Arbeitstag, noch den Drang zum Aufstehen verspürt. Und wie schön ist es dann, zu wissen, dass man, selbst wenn man noch richtig lange (also momentan bis 8) liegenbleibt, immer noch früher aktiv ist als der gewöhnliche Schwede. Denn nachdem unsere 2 Womo-Nachbarn weggefahren sind haben wir den See noch bis 11 Uhr für uns alleine und werden erst durch einen Angler in seinem Ruderboot aus der Zweisamkeit gerissen.
Kurz überlegen wir, ob wir einfach noch einen Tag an diesem netten Fleckchen bleiben. Wir beschließen dann aber doch weiterzufahren. Denn Ver- und Entsorgung haben wir auf unserer Tour noch gar nicht gemacht und wir wollen nicht riskieren, dass die Toilette überschwappt oder der Abwassertank bei der großen Hitze ein geruchsmäßiges Eigenleben entwickelt, dass wir dann die ganze Fahrt nicht mehr wegkriegen...
In meinen Notitzen finde ich den Campingplatz in Löckna am Bolmensee als attraktives Ziel. Was wir sehen, gefällt uns gut und so machen wir uns auf zu unserem ersten Campingplatzbesuch auf dieser Reise. Und weil wir gelesen haben, dass man besser zu früh als zu spät tankt und das ganze nur an Automaten und nur mit Kreditkarten funktioniert, wollen wir auch mal das Tanken in aller Ruhe ausprobieren. Und tatsächlich findet sich alsbald auch eine Tankstelle, neben der sogar eine Self-Service-Waschanlage zu finden ist, in die im Zweifelsfall sogar das MoMo passen würde. Das Tanken klappt dann wider Erwarten problemlos. Und nicht einmal über die künstliche Begrenzung auf 500 Kronen muss ich mir Gedanken machen, da der Sprit munter weiter fließt. Probetanken bestanden!
Direkt neben der Tanke ist ein Supermarkt und weil wir gerade beim Ausprobieren von schwedischen Besonderheiten sind, gucken wir also, was es so an Leckereien zu entdecken gibt. Und so füllt sich unser Einkaufskorb mit allerlei Vorräten, die aufgefüllt werden wollen und schwedischen Besonderheiten, die wir ausprobieren wollen. So zum Beispiel eine Krabbencreme für aufs Brot (lecker!) und Schoko-Karamell-Kekse (noch leckerer!).
Richtung Bolmen geht es dann durch immer uriger werdende Landschaft auf der "25" Richtung Osten. Am Straßenrand können wir uns für die großen Lupinenmengen begeistern und für die stylishen Starenkästen, die Annette für mich ablichtet. Kurz überlege ich, vor der Säule noch einmal Gas zu geben, damit wir ein ganz besonderes Erinnerungsfoto kriegen...
Als wir die 25 verlassen wird es richtig urig: Breit ausgebaut, total einsam und schnurgerade durch die Wildnis. Und als wir auch diese Straße verlassen, wird es noch ein bisschen uriger, bis wir plötzlich in einem ganz reizenden, fast schon jedes Schweden-Klischee erfüllenden Dörfchen am Bolmensee rauskommen. Nee, wat is dat nett! Der Weg zum Campingplatz führt dann aber wieder einige Kilometer auf kleinen Straßen, so dass wir schon zweifeln, ob das seine Richtigkeit hat. Tatsächlich aber kommen wir am Ziel aus und werden auch gleich von anderen Urlaubern aus Deutschland angesprochen. In der Rezeption sei keiner, die kämen erst ab 5 wieder. Unsere Frage, ob es noch freie Plätze gebe, belustigt sie: "Da sind noch mehr Plätze frei als belegt sind!" Während wir uns am Hauptgebäude umgucken, kommt ein netter älterer schwedischer Herr auf uns zu und fragt auf englisch ob er uns helfen könne. Er ist wohl so etwas wie der Lagerälteste und hat sogar einen Schlüssel für die Räumlichkeiten auf Lager, den er uns netterweise aushändigt. Wir könnten uns einfach einen Platz aussuchen.
Nach einer ausgiebigen Runde über den gar nicht so großen Platz entscheiden wir uns für einen der 4 noch komplett freien Plätze direkt am Seeufer. Komisch, dass die keiner will? Wir zumindest sind zufrieden! Und nachdem wir uns im genau richtig kühlen See erfrischt haben, wird den Rest des Tages gegammelt. Denn selbst das Einchecken an diesem netten Campingplatz mit seiner perfekt deutsch sprechenden Platzwartin ist so was von entspannt, dass die schwierigste Entscheidung des Tages die Wahl zwischen Bier oder Wein für einen netten Abend bleibt...

Variophoenix am 05 Jul 2015 21:50:13

Also eure Route begreife ich nicht ganz. Scheint mir mal hoch und dann wieder runter zu sein.
Schade das man auch keine Antwort kriegt.

Momoblog am 05 Jul 2015 22:04:57

Rene, die Route muss auch keiner begreifen. Tun wir ja auch nicht ;-)
Wir lassen uns einfach treiben und entscheiden sehr aus dem Bauch raus, was gerade attraktiv erscheint.

Liebe , Michael

Momoblog am 06 Jul 2015 20:30:02

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Wir gehen auf Bärenjagd
Das nenne ich mal eine Abkühlung! Gestern noch über 30 Grad und heute nach dem nächtlichen Regen nur noch knapp unter 20 Grad! Der Himmel hängt grau über uns und nur gelegentlich lässt die Sonne das Wasser auf dem Bolmensee glitzern. Aber ich mag ja dieses Wetter, was bei uns nur noch "Irland-Wetter" heißt.
Da wir heute wieder ans Meer wollen, gucken wir, was auf dem Weg liegen könnte und finden eine vielversprechende Wanderung im (am?) Simlångsgarden, die viele typisch schwedische Eindrücke verspricht. Also starten wir nach Duschen und Frühstück und gondeln gemütlich die paar Kilometer Richtung Westen. Der Parkplatz ist bis auf ein paar Deutsche gähnend leer und wir suchen auf der flammneuen Hinweistafel den im Womoführer angepriesenen roten Wanderweg. Es gibt gelb, grün und blau. Auch orange und weiß sind im Angebot. Aber kein rot. Hm. Auf einer alten hölzernen Wandertafel finden wir dann aber den roten Weg rund um den Torlabosjö. Dann kann es ja losgehen.
Und die Wanderung ist wirklich urig. Nach ein paar Metern überqueren wir auf einer Holzbrücke einen Fluss der Annette spontan an den Spreewald erinnert. Stimmt! Und auch auf dem weiteren Weg werden wir mit netten Schwedenhäusern und ihren adretten Vorgärten (jeder zweite Schwede scheint übrigens einen Rasenmähroboter zu haben!), und hübscher bis wilder Natur verwöhnt. Den roten Weg zu finden ist allerdings eine echte Pfadfinderaufgabe, denn die Markierung scheint seit Jahrzehnten nicht mehr erneuert worden zu sein.
Richtig mulmig wird es uns allerdings, als wir einen Hochstand an einem Rastplatz entdecken. Nicht, weil der Hochstand mit einem Tarnnetz verkleidet ist, sondern weil eine Vorratstonne an einem Baum baumelt und ein großer Milchkanister auf dem Boden liegt, der an einer schweren Metallkette befestigt ist. Solche Maßnahmen kenne ich eigentlich nur als bärensichere Aufbewahrung in den amerikanischen Nationalparks! Sind wir etwa in Bärengebiet...? Und warum war der rote Wanderweg nicht mehr auf der neuen Tafel der Wanderwege verzeichnet? Hat es vielleicht zu viele Zwischenfälle gegeben, wo die arglosen Wanderer ein prächtiges Mittagessen für die Bären abgegeben haben? Auf einmal sind wir gar nicht mehr so unbekümmert und fragen uns, ob es so eine schlaue Idee war, einen Weg zu beschreiten, der nicht mehr "vorgesehen" ist.
Aber tapfer wandern wir weiter durch die zu allem Unglück auch noch immer wilder werdende Landschaft. Zur Aufmunterung erinnere ich Annette an die Bärenjagd, die wir in der Schule gerne mal mit den Kindern machen: "Wir gehen jetzt auf Bärenjagd und haben keine Angst. Wir haben ein großes Schild dabei und auch ein scharfes Schwert. Uh!" Das "Uh!" kommt aber nicht wirklich überzeugend...
Zu allem Überfluss wird das Wetter auch noch trister und es fängt an zu regnen. Na toll! Der Blick über den See von der im Führer angepriesenen Stuga ist zwar nett, aber jetzt auch nicht so wirklich weltbewegend. Da hatte ich mir mehr von versprochen. Wir sind auf jeden Fall froh, dass das wildeste, was wir auf dem Rest der Wanderung sehen, 3 Rehe sind, die elegant vor uns das Weite suchen.
Während der verdienten Kaffeepause im MoMo erfahren wir noch, dass Sofie ihre Führerscheinprüfung bestanden hat. Toll! Jetzt können wir also als stolze Eltern die Weiterfahrt antreten. Und passend zu der guten Nachricht ist auch die Sonne wieder herausgekommen, während landeinwärts immer noch dicke Wolken hängen. Anscheinend gibt es auch hier den bergischen Steigungsregen... Wir haben uns den Strand in Stavsinge in der Nähe von Falkenberg ausgeguckt. Aber leider hängt auch hier ein anscheinend neues Übernachtungsverbotschild für Womos, obwohl er im Führer noch als Übernachtungsplatz geführt wird.
Gut, dass es so viele Alternativen gibt! Fahren wir also noch ein gutes Stück in Richtung Göteborg, in den Ort mit dem klangvollen Namen Bua. Ideal, wenn man beim Scrabble mal ein paar Buchstaben übrig hat! Der Stellplatz am Strand ist klein, wenig besucht und es hängt ein "Camping verboten"-Schild davor. Aber bei dem wirklich kräftigen Wind wäre Campen jetzt auch nicht *so* toll...
Der Strand ist sogar extra mit einer Strandsitzbank ausgestattet, damit man das raue, raue Meer ganz gemütlich betrachten kann. Netter Service! Aber da es sehr windig ist, suchen wir lieber einen Platz in den Dünen. Denn auch dort gibt es Tischbänke mit Grillecke. Dort lässt es sich gut in der Sonne aushalten, bis der kühle Wind uns dann doch irgendwann ins muckelige MoMo scheucht.

Momoblog am 07 Jul 2015 21:29:14

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Stein-Schäre-Papier
Gestern vor dem Einschlafen dachte ich noch darüber nach, wie gut ich wohl schlafen würde, wenn der Wind das MoMo beständig durchschaukelt. Heute morgen kann ich sagen: Sensationell! Ich habe so gut geschlafen wie ein kleines Kind, dessen Wiege die ganze Nacht durch gleichmäßig hin und her bewegt wird. Gut, es kann auch sein, dass die Strahlen des größten Atomkraftwerks in Schweden, was direkt nebenan in Sichtweite liegt, mich verstrahlt haben... Gut, dass ich das erst nachträglich gelesen habe!
Nach einem entspannten Morgen brechen wir Richtung Norden auf. Die Schärenküste südlich von Göteborg soll es heute sein. Und eine gründliche Scheibenreinigung. Denn durch den Wind und leichten Regen ist die Windschutzscheibe teilweise mit einer nicht ganz so schönen Matsche versaut, die auch mit Wischwasser nicht wegzukriegen ist. An einer Tanke neben der Autobahn suchen wir zunächst vergeblich nach einem Abzieher, bis Annette ihn dann versteckt in einem Glasschränkchen neben der Tanke entdeckt. Muss man auch erst mal drauf kommen!
Unser Weg führt uns heute nach Smarholmen. Eine kleine Ferienhaus(?)-Siedlung direkt am Meer mit einem kleinen Hafen und einer noch kleineren Badebucht. Aber dafür mit richtig großen Parkplätzen. Am ersten fahre ich todesmutig gegen den Protest der besten Ehefrau von allen vorbei, weil die GPS-Koordinaten aus dem Womo-Führer sagen, dass es noch 200 Meter weiter geht. Und tatsächlich fahren wir auf einen großen, so gut wie leeren Parkplatz unmittelbar in den Schären. Wir stellen uns ganz ungeniert in die erste Reihe und können uns gar nicht beruhigen, dass wir so ein Glück haben. Bestimmt kommen die Massen gleich noch!
Unser Motto für die kommenden Tage soll Entschleunigung sein. Irgendwie haben wir immer noch nicht kapiert, dass von den 4 Wochen, die wir unterwegs sein wollen, noch nicht einmal ein Viertel vorbei ist. Also haben wir beschlossen, dass man bei der kommenden Schlechtwetterfront ruhig auch mal einen Gammeltag machen kann. Hat uns ja auch in der Toskana schon ganz gut getan! Warum also nicht hier? Wir machen erst mal eine kleine Erkundungsrunde zur Schärenspitze und beschließen, dass es uns hier gefällt.
Für den Gammeltag müssten dann natürlich die Vorräte aufgefüllt werden. Also machen wir einen groben Einkaufszettel und fahren doch noch mal zurück zum 6km entfernten ICA, den wir auf der Strecke gesehen hatten. Was die leckere Präsentation von Waren angeht, könnte sich gerne jeder deutsche Supermarkt mal etwas bei den Schweden abgucken! Besonders in der Obst/Gemüse-Abteilung sieht es ausgesprochen appetitlich aus. Und wir entdecken wieder viele (hoffentlich) leckere Schweinereien wie Läckerol, Schokolade mit Lakritz oder Zimtschnecken aus dem Backregal.
Als wir wieder zurückkehren hat sich an der Parkplatzfront so ungefähr gar nichts getan. Also belegen wir wieder unseren Platz in der ersten Reihe und genießen den Ausblick bei Kaffee und Zimtschnecke. Mjam!
Es bleibt weiterhin leer auf dem Platz. Ein älterer Herr mit seinen beiden Cockerspanieln kommt vorbei und man kommt über die Hunde ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass Harvey ein Amerikaner ist, den es nach seiner Militärdienstzeit in Deutschland nach Schweden verschlagen hat. Und so unterhalten wir uns in einem amüsanten Gemisch aus Englisch und Deutsch auf beiden Seiten über dies und das. Vor allem aber gibt uns Harvey einen heißen Tipp für morgen - wir werden berichten! Und laut Harveys Aussage war der Parkplatz am heißen Wochenende wirklich gerammelt voll. Insofern können wir uns glücklich schätzen, dass wir heute so einen tollen Stellplatz fast für uns haben.
Der Rest des Tages wird dann lesend und spazierend verbracht. Auf einem Weg durch Schären und die nette Siedlung bestaunen wir die schönen Häuschen in den vielen bunten Farben.
Am späten Abend setzt dann der vorhergesagte Regen tatsächlich ein. Es wird ungemütlich. Aber um so schöner, wenn man aus dem muckeligen MoMo nach draußen gucken kann!

Momoblog am 08 Jul 2015 21:14:18

Ein Kaka-Tag
Heute ist also der Tag, der laut Wetterbericht Dauerregen und niedrige Temperaturen bringen soll. Und so sah das ganze dann heute morgen aus.
Wir freuen uns über diese gründlich daneben gegangene Vorhersage und machen noch einmal einen Kletterausflug in die Schären. Denn wenn man bis ganz vorne an die Spitze will, muss man sich schon einen Weg durch Steine, Sträucher und leicht modderige Stellen suchen. Es geht ständig auf und ab und als wir die höchste Stelle recht weit am Ende des Schärenfingers erreicht haben, genießen wir die wunderbare Aussicht, den Sonneschein und die leichte Brise. Herrlich!
Auf dem Rückweg passiert Annette dann ein Missgeschick. Kurz nicht konzentriert auf dem unebenen Untergrund knickt sie mit dem Knöchel um. Aua! Es tut so weh, dass sie erst mal Sternchen sieht und uns beiden gehen schon wüste Gedanken durch den Kopf, wie man aus diesem Kletterlabyrinth mit einem kaputten Knöchel wohl wieder herauskommen kann. Nachdem sich der erste Schmerz etwas gelegt hat, schafft es Annette aber tapfer irgendwie bis zum Strand, wo sie den Fuß erst mal im kalten Meerwasser kühlt. Das tut gut! Und im MoMo versorgen wir sie dann noch mit Arnikasalbe und Kühlpack und hoffen darauf, dass es bald wieder besser geht.
Unser nächstes Ziel ist nämlich der Tipp von Harvey. Bei unserem Gespräch sprachen wir über die hohen Kosten für manche Dinge in Schweden und er meinte, dass z.B. Essengehen in Schweden abends gar nicht ginge. Aber für Mittags hätte er einen guten Tipp für uns: Im Restaurant Storgatan 1 könne man für 110 Kronen (12€) ein Mittagsbuffet mit allem Zipp und Zapp kriegen. Und das Restaurant wäre auch wirklich gut. Also auf nach Kungsbacka!
In Kungsbacka finden wir einen riesigen Parkplatz direkt am Stadtzentrum. Die Parkgebühr ist mit 4 Kronen (50cent) für 2 Stunden mehr als überschaubar. Also mal eben ein Ticket gezogen, den Hund im MoMo gelassen (angeblich ist man in Restaurants sehr pingelig und lässt keine Hunde rein), auf dem Schlüssel die Zentralverriegelung betätigt und... nix! Kein Plöppen, stattdessen ein hektisch blinkender Blinker. Hä? Noch mal auf, noch mal zu: Gleiches Spiel. Was ist denn da los? Und zu meiner Überraschung stelle ich fest, dass man die Beifahrertür mit dem konventionellen Schlüssel überhaupt nicht verschliessen kann und es auch von innen keine Möglichkeit gibt, die Tür zu verschliessen. Wer denkt sich denn bitteschön so einen Mist aus? Wir sehen schon unser schönes Mittagessen gegen einen Besuch in der Fiat-Werkstatt flöten gehen, als Annette die rettende Idee hat. Sie porkelt mit den Fingern am Schließmechanismus rum und tatsächlich war er wohl nur verhakt. Jetzt geht wieder alles wie es soll. Puh!
Annette humpelt mehr schlecht als recht in die Stadt und wir sind froh, dass es nicht all zu weit bis zum Restaurant ist. Und tatsächlich erweist sich Harveys Tipp als sehr brauchbar. Und weil das Wetter immer noch sonnig ist, könne wir sogar auf der Außenterrasse sitzen.
Wir sind dann vor allem von den Vorspeisen hellauf begeistert: Köstliche Fischsuppe, selbst gebackenes Kürbiskernbrot mit Olivenpaste und ein leckeres Salatbuffet. Da hätte man sich alleine dran satt essen können. Denn die Hauptspeisen (gekochter Fisch und dicke Schnitzel) waren nur okay, nicht mehr. Dafür noch zum Nachtisch Kaffe und Kaka. Die Kaka entpuppen sich als würzige (Annette findet: verbrannte) Ingwerkekse. Ich finde sie läkker!
Wir wollen weiter durch die Schären hoppen und haben uns gegen einen Tag in Göteborg entscheiden. Wäre mit Annettes Klumpfuß eh keine Option mehr gewesen. Und da sich das Wetter minütlich verschlechtert, sind wir da auch gar nicht traurig drum. Unser Ziel sind die Schäreninseln vor Göteborg. Alleine schon wegen der tollen Namen muss man da doch einfach gewsen sein: Fotö, Hönö, Öckerö, Hälsö, Rörö, Källö-Knippla und (mein persönlicher Favorit) Hyppeln. Das tolle an diesen Inseln: Die Fähren dorthin gelten als Teil des öffentlichen Straßennetzes und kosten genau 0 Euro. Einfach drauffahren, übersetzen und weiterfahren. So simpel!
Wir entscheiden uns für den Hafenstellplatz in Öckerö, der sehr großzügige Stellplätze bietet und bei weitem nicht überfüllt ist. So können wir uns einen Stellplatz quasi aus der freien Auswahl suchen (aber das kennen und können wir jetzt ja). Naja, einmal muss ich dann doch noch den Platz wechseln, weil unser Stromkabel einfach nicht lang genug bis zur nächsten Stromsäule ist. Eine große Überraschung sind noch die WCs und Duschen. Alles flammneu und vor allem in den Duschen richtig viel Platz. Luxus!
Den Rest des Tages verbringen wir dann notgedrungen im MoMo, weil zum einen Annettes Fuß keine großen Wege zulässt und zum anderen die immer wieder einsetzenden unwetterartig heftigen Regenschauer es auch nicht wirklich attraktiv machen, sich weiter als nötig vom MoMo zu entfernen. Aber unser Motto ist ja eh entschleunigen...

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womooli am 09 Jul 2015 15:10:16

Mensch Michael was bin ich im Moment doch neidisch auf Euch.
Nach 15 Jahren Schweden haben wir uns dieses Jahr entschieden nicht dorthin sondern nach Kroatien zu fahren.
Wenn ich dann deinen Blog so lese kommen mir langsam Zweifel ob das die richtige Entscheidung war. ;-)
Euch noch einen schönen Urlaub und last es euch gut gehen.
Das mit dem Entschleunigen wird da oben mit der Zeit immer mehr ;-)
Wie gesagt habt viel Spaß.

leoline am 09 Jul 2015 17:07:41

Ich kann gar nicht aufhören zu lesen und die Bilder erst ... einfach traumhaft schön!
Und für mich interessant, dass ihr auch mit Hund unterwegs seid (auch wenn man nicht viel davon mitbekommt :wink: ) - aber das letzte Bild ist einfach Zucker! :mrgreen:
Danke, dass wir euch begleiten dürfen! Ich freu mich schon auf die Fortsetzung! :lol: (ein Glas Rotwein und Knabberzeug bereitstell)
Irgendwann trauen wir uns vielleicht auch mal dorthin (bin ja so der Schisser in einem fremden Land mit fremder Währung und der Ungewißheit, ob das mit den Kreditkarten wirklich alles klappt).

eijden am 09 Jul 2015 18:30:02

Ein richtig klasse Reisebericht und die Fotos sind ganz besonders klasse. Da bekommt man richtig Lust, auch mal nach Schweden zu fahren!
Ich wünsche Euch noch eine gute Zeit dort und vor allem "Entschleunigung" :lol:

Aretousa am 09 Jul 2015 19:06:37

So, ich bin jetzt auch eingestiegen und fahre mit. :lenker:
Ein wunderschöner Reisebericht. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung. Ich wünsche euch weiterhin eine tolle, entschleunigte Fahrt.

zeus am 09 Jul 2015 19:13:57

Ganz toll. Du kannst Deine Erlebnisse toll in Worte fassen. Macht Spaß, Eure Reise zu verfolgen.

Momoblog am 09 Jul 2015 20:33:03

Vielen Dank an alle für die freundlichen Worte! :)

#Oli: Kroatien hat auf jeden Fall temperaturmäßig die Nase vorn. Es ist nach der heißen letzten Woche hier doch ganz schön abgekühlt. Kein Badewetter!

#Maja: Kann ich verstehen, wir sind nach all den Euro-Jahren das Umrechnen auch nicht mehr gewohnt. Aber mit einem groben "geteilt durch 10" kann man sich schon orientieren. Und die Schweden sind sowieso nach unserer bisherigen Erfahrung immer freundlich und hilfsbereit.

Liebe , Michael

Momoblog am 09 Jul 2015 20:33:41

Hälsö Angels
Der Morgen fängt alles andere als viel versprechend an. Das Bild ist **nicht** schwarz-weiß! Aber so sah es halt aus... Annette hat die Nacht mit ihrem schmerzenden Fuß leidlich hinter sich gebracht und schafft es sogar dank der wirklich großen, geräumigen Duschen ohne Zivi zu duschen. Solcherart erfrischt und ausgeruht starten wir die große Ver- und Entsorgung an einer ebenfalls neu gebauten Station hierfür. Besonders der pfiffige Wagen mit der Stahlwanne, den man nur unter den Auslass fürs Grauwasser schieben muss, hat es mir angetan. Blöd nur, dass unser Auslassrohr einen Millimeter zu lang ist. Aber mit ein bisschen Fummelei geht es dann doch ganz gut. Solcherart wieder rundum versorgt starten wir unsere Tour über die Inseln.
Aufgrund von Annettes Behinderung sind längere Wege ein buchstäbliches No-Go. Zumindest für sie. Ich kraxel trotzdem vor der Brücke nach Fotö in den Schärenfelsen herum, um Fotos zu machen, während Annette tausend Tode stirbt, weil ich (zugegeben unvernünftigerweise) nur mit meinem Crocs unterwegs bin. Wäre aber auch zu toll, wenn wir beide mit dicken Füßen im MoMo hocken. Naja.
Auf Fotö parken wir bei der ersten Gelegenheit im Hafen und auch hier klettere ich (allerdings besser beschuht) durch die Schären und erkunde den Hafen, während Annette notgedrungen im MoMo sitzt. Denn bei dem düsteren Himmel und dem starken Wind möchte man sich auch nicht zu gerne vors Wohnmobil setzen.
Im Hafen entdecke ich ein sehr urig eingerichtetes Cafè mit einer noch urigeren Terrasse. Alles sehr liebevoll mit altem Zeug, mancher mag Gerümpel dazu sagen, eingerichtet. Also hole ich Annette ab, welche die Strecke klaglos, aber im Schneckentempo absolviert. Im Cafè warten wir dann auf der Terrasse, dass jemand mit der Karte kommt. Und warten. Und überlegen, ob vielleicht Selbstbedienung ist. Und warten. Schließlich gehe ich hinein und versuche eine Konversation auf Englisch mit der Tochter des Hauses, die von ihrem Handy aufblickt und mich anguckt, als würde ich mindestens chinesisch reden. Wir reden beständig aneinander vorbei, bis ihr Vater reinkommt. Auch mit ihm (obwohl beide durchaus freundlich!) ist die Unterhaltung schwierig, aber ich bekomme heraus, dass das Gericht, was seine Tochter empfohlen hat, nicht erhältlich ist, er aber stattdessen eine Art Bisquitrolle empfehlen könne, die seine Mutter gebacken habe. Im Kühlregal steht auch eine davon und sieht mit der Erdbeere obenauf auch lecker aus. Ich frage sicherheitshalber nach, ob sie auch 2 hätten. Und Kaffee. Er bejaht beides. Ich bestelle und gehe zurück zum Tisch. Und wir warten. Und warten. Und warten. Und kriegen schließlich von der Tochter zwei Mini-Bisquitrollen auf Untertassen hingestellt. Keine Spur von Kaffee. Oder Besteck. Hm. Ihr Vater kommt auch noch mal raus und erklärt, dass man sich doch einfach beim Kaffee bedienen könne. Und auch nachfüllen könne. Nett. Und wir genießen den Kuchen, der in der Mitte noch leicht tiefgekühlt ist. Da hat Mutter wohl auf Vorrat gebacken... Aber das Ambiente war wirklich sehr schön...!
Wir beschließen Fotö zu verlassen und die Nachbarinsel Hönö per MoMo zu erkunden. Nicht ganz einfach, denn es wimmelt auf den Straßen (zumindest für schwedische Verhältnisse) vor Menschen. Und wir wissen auch warum: Ein großes Treffen einer christlichen Gruppe findet gerade auf Honö statt und an mehreren Stellen finden wir regelrechte Zelt- und Wohnwagenlager. Das ist uns einfach zu viel Volk und zu wenig Natur. Es geht weiter nach Hälso, zur Insel nördlich von unserer gestrigen Schlafinsel.
Dort lockert sich die Bebauung schon etwas auf und wir genießen den Ausblick, der sich auf die Schären bietet. Vor allem das Gebiet vor dem nächsten Fährhafen nach Norden ist wirklich wunderschön! Im Fährhafen reihen wir uns zunächst in die Reihe der Fahrzeuge ein, die entweder nach Hyppeln oder Knippla wollen. Leider fährt uns aber eine Fähre vor der Nase weg und die nächste Abfahrt soll erst in einer Stunde stattfinden. Blöd! Also scheren wir aus der Schlange aus, wenden und stellen uns erst mal auf den Parkplatz, um zu überlegen, wie es weitergehen könnte. Vielleicht dann doch heute weiter nach Norden in den Schären? Tjörn? Während wir überlegen, spricht uns ein netter Schwede an, der im Womo gegenüber parkt. Wir wechseln ein paar Worte und nachdem Annette von ihrem Pech erzählt, macht er sich direkt auf die Suche, ob er nicht noch einen Stützverband für uns hat. Ausgesprochen nett, auch wenn er uns leider enttäuschen muss. Wir bewundern (und beneiden) ihn und seine Frau, wie sie auf einem Tandem durch die Schären davonfahren.
Das Wetter wird immer freundlicher und die heute morgen noch so graue Insel wirkt immer freundlicher und sehenswerter - sollten wir nicht viel lieber einfach hier bleiben? Und der große geschotterte Stellplatz im Hafen von Hälso, den wir uns eher interessehalber mal angeguckt hatten, war doch gar nicht so schlecht? Hört sich doch nach einer sinnvoll entschleunigten Idee an.
Aber vorher wollen wir noch in einer Apotheke einen Stützverband für Annettes Knöchel besorgen. Nachdem wir dies zu Annettes großer Erleichterung erfolgreich (mit bravem Nümmerchen ziehen) in der Apotheke von Öckerö erledigt haben, kommt noch ein erstes Mal für uns: Der Besuch in einem Systembolaget. Für alle, die sich nicht in Schweden auskennen: Es gibt im normalen Supermarkt keinen Alkohol über einer bestimmten Stärke. Dafür gibt es spezielle Läden, die aber wirklich auch nur Alkohol verkaufen: Systembolaget. Was sich anhört wie der große organisierte Bruder von Köttbullar ist ein durchaus gut sortiertes Wein-, Bier- und Schnapsdepot. Ab 20. Wir gehen also hinein, um unseren ultimativen "Schwedisches Bier"-Vergleich zu starten. Und stehen etwas ratlos vor all diesen verschiedenen, uns bis auf Tuborg, Carlsberg und Heineken völlig unbekannten Biermarken. Also wird der Einkaufskorb großzügig mit jeweils 2 Dosen pro Sorte gefüllt. Und auf den Preis gucken wir einfach mal nicht. Ist ja Urlaub...
Anschließend begeben wir uns zum Hafenstellplatz auf Hälso und starten wieder mal das "Wo stellen wir uns aufeinem komplett leeren Platz"-Spiel. Und sind ganz stolz, dass wir nur einmal korrigieren, damit wir am nächsten Morgen in beide Richtungen einen wunderbaren Blick haben und noch eine Bank im Windschatten des MoMos platzieren können. Jackpot! Dumm nur, wenn man nicht damit rechnet, dass noch andere Kuschelcamper kommen, die dann die Aussicht verbauen, weil sie so gerne neben einem MoMo stehen wollen...
Beim abendlichen Joggen genieße ich die wärmende Sonne und den Anblick von einer Villa Kunterbunt nach der anderen. Und vor einer von ihnen sitzt (ich schwöre!) der Knecht Alfred aus Michel aus Lönneberga mit seiner Frau!

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TamTam1608 am 11 Jul 2015 10:44:00

Moin!
Sehr schöne Berichte 8) da freut man sich richtig auf den ersten Schwedenurlaub! Wie sind denn so die Stellplätze ausgestattet, die ihr bisher besucht habt (Strom, Entsorgung etc.)?

Ich wünsche euch noch einen schönen erholsamen Urlaub!

Lg Tamara

Momoblog am 12 Jul 2015 14:39:36

Tamara, unsere meisten Stellplätze waren frei, also ohne alles. Wenn wir mal was an Hafen oder Campingplatz hatten, war die Ausstattung für unsere Bedürfnisse völlig ausreichend. V/E überhaupt kein Problem.

Liebe , Michael

Momoblog am 12 Jul 2015 14:40:26

Ab in die Wildnis
Während in den frühen Morgenstunden noch letzte Schauer auf unseren Alkoven geprasselt sind, erleben wir beim Aufstehen traumhaftes Inselwetter. Blauer Himmel, die Fahnen flattern im Wind und die Schiffe im Hafen schaukeln leicht auf dem Wasser. Schade nur, dass es immer noch ein paar Grad zu kühl ist, um draußen zu frühstücken!
Das Wochenende naht. Und was sonst ja ein Grund zur Freude ist, bedeutet für uns, Überlegungen anzustellen, wie es weitergehen könnte, um den in den Reiseführen geschilderten Massen zu entkommen. Denn wir nähern uns mit den Schären nördlich von Göteborg einer der Top-Feriengegenden der Schweden. Und der Wetterbericht sieht ganz gut aus.
Also planen wir, wieder ein Stück landeinwärts zu fahren und das Wochenende an einem See nördlich von Kungälv zu verbringen. Der im Womo-Führer beschriebene Stellplatz am Alevatten-See hört sich aber auch wirklich verführerisch an!
Beim Auffahren auf die Fähre sind wir jetzt schon erfahren: Einordnen auf die Dicke-Fahrzeuge-Spur und als erstes auffahren dürfen. Und hinter uns folgt dann der ganze Rest. Nachteil an der Sache: Alle dürfen dann auch wieder vor uns von Bord fahren!
Wir erreichen den Svartedalen-Nationalpark über ereignislose Strecke und sind gespannt, was uns erwartet. Denn die Strecke im Park ist nicht mehr asphaltiert, sondern eine feste Schotterpiste. Aufregend! Und tatsächlich wird die Landschaft mit jedem Kilometer uriger und, obwohl gar nicht so weit entfernt von der Zivilisation, kommen wir uns vor, als hätten wir ein Abenteuer vor uns.
Links von uns Birken, rechts Seen mit Schilf und Seerosen. Dann nur Kiefern und Birken, bis dann wieder ein See durchschimmert. Toll! Und auf der ganzen Strecke begegnet uns kein Mensch.
Wir finden die im Womo-Führer als besonders schön beschriebene Stelle am Alevatten-See und beschließen noch ein paar Metetr weiter zu fahren, da es dort einen geschotterten Stellplatz mit Mülleimer, eine Sitzbank mit Blick auf den See und lang gezogene Schärenfelsen gibt, auf die man sich wunderbar hinlegen kann. Dumm nur, dass Annette ein paar hundert Meter vor dem Stellplatz ein "Camping fjörbuden"-Schild entdeckt hat. Wir beschließen aber, dass ein so perfekt präparierter Platz doch nur für ein Womo gedacht sein kann und verzichten halt auf Klappstühle und Markise als Zeichen, dass wir nicht campen, sondern einfach nur dort stehen wollen.
Der Platz ist wirklich wunderbar und perfekt zum Entschleunigen. Denn das Handy zeigt beharrlich "Kein Netz" an. Also nix mit Internet. Bisher war ich vom Comviq-Netz äußerst begeistert, aber hier zeigt sich, dass die Berichte im Internet stimmen: Wer vorhat, etwas weiter in die Natur vorzudringen, ist damit nicht gut bedient. Egal. Wir verbringen den Nachmittag mit dösen, lesen, malen und Schokokekse essen. Auch schön!
Gegen 5 Uhr kommt zum wiederholten Male ein silberner Pickup an uns vorbei. Diesmal bleibt er stehen und der schwwedische Förster, der aussteigt, weist uns sehr freundlich darauf hin, dass dies ein Platz sei, wo man nur für ein paar Stunden stehen dürfe, aber nicht über die ganze Nacht. Wir erklären kurz unsere Interpretation der Schilder, aber er erklärt uns, dass es im ganzen Park nur 2 Stellen gebe, wo das frei Stehen wirklich verboten sei. Alle anderen Stellen wären ohne Schilder. Es sei also überhaupt kein Problem, einen anderen Platz zu finden. Bereitwillig zeigt er mir sogar auf einer Karte seinen Lieblingsplatz am Härsvatten-See, den er mir sehr empfiehlt. Na, da lassen wir uns doch nicht lumpen!
Wir fahren also wieder über Schotterpiste noch weiter in den Park hinein und entdecken auf der Fahrt schon einige Stellen, die wir ausgesprochen schön finden. Aber die Empfehlung des Försters ist wirklich top! Ein Platz ca. 20m oberhalb des Sees mit Banktisch und der Möglichkeit, unten am Ufer ein Bad zu nehmen. Viel besser geht es wirklich nicht. Für alle, die nachreisen wollen: N58"01'12, O12"02'00,
Zufrieden setzen wir uns hin, genießen den Ausblick über den See und stellen fest, dass wir sogar Nachbarn auf der anderen Seeseite haben. Diesmal aber gottseidank ohne Uffta-Uffta-Musik, so dass wir beschliessen: Der Platz ist es!
Am Abend werden wir noch zweimal "erschreckt". Jeweils fahren Autos vor, junge Schweden steigen sich laut unterhaltend aus und wir sehen unser ruhiges Fleckchen schon zum Teufel gehen. Aber jedes Mal sind sie ausgesprochen freundlich und fahren ein paar Gänge runter, als sie merken, dass sie nicht alleine sind. Sehr angenehm. Und während die erste Truppe noch tatsächlich in den See springt, während ich ob des kalten Windes meine Fleecejacke genieße, zieht sich die zweite Gruppe zwar noch bis auf die Badehose aus, aber alsbald auch wieder an. Das ist dann auch den Schweden, die wir oft bei kaltem Wind noch gelassen in Shorts und T-Shirt gesehen haben, zu kalt!
Abends werden wir noch einmal aus dem Bett geschreckt, weil eine Motocrossmaschine laut röhrend auf uns zufährt, wendet und wieder verschwunden ist. Kleiner Schreck in der Abendstunde!

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Momoblog am 12 Jul 2015 14:49:10

Voll entschleunigt
Wir wachen gründlich ausgeschlafen auf und stellen fest, dass wir im Schwedenmodus angekommen sind. Es ist schon 9 Uhr! Wir genießen den Blick auf den See, der bei fast völliger Windstille friedlich in der Sonne liegt. Ein guter Start in den Tag.
Da Annette brav ihren Fuß pflegt und im Gegensatz zu den letzten Tagen jetzt schon das Tempo einer Rennschnecke erreicht, bleibt der Hundespaziergang mir überlassen. Ich stiefel also mit Mia los, um mal in Richtung des Lagers auf der anderen Seeseite zu kommen. Am Wegesrand hatten wir gestern schon die Überreste eines offensichtlich ausgebrannten Autos bestaunt. Heute gehe ich den Abzweig entlang, an dem diese Überreste liegen, Es geht zunächst steil bergauf und auch auf diesem Weg erfreue ich mich wieder an der schwedischen Wildnis. Immerhin gibt es aber diesen offensichtlichen Wanderpfad, denn ansonsten wäre ich rettungslos verloren. Denn mein Weg führt gar nicht zum See zurück, sondern immer weiter in die Wälder hinein. Und immer wenn ich denke, dass ich am Horizont einen Teil des Sees gesehen habe, ist es am Ende doch wieder etwas völlig anderes.
Mia findet das ganze aber super und ist ganz in ihrem Element. Und als schließlich ein paar Meter vor uns ein Reh das Weite sucht, ist sie kaum noch zu halten. Gut, dass ich sie an der Leine habe! Als ich fast schon frustriert umkehren will, wird aus dem Weg plötzlich eine etwas breitere Piste. Und der Blick weitet sich auf eine Pferdeweide mit Isländern. Nett!
Ich beschließe trotzdem, dass mein Erkundungsweg hier zu Ende ist. Denn ich habe nicht mehr den Hauch einer Ahnung davon, wo ich bin. Und dann will ich mein Glück nicht überstrapazieren, indem ich vielleicht eine Abzweigung falsch wähle... Und tatsächlich fühle ich mich wie ein stolzer Entdecker, der von seiner Expedition nach Hause zurückkehrt, als das MoMo am Horizont auftaucht.
Das war dann auch schon der spannendste Abschnitt des Tages, denn für den Rest des Tages ist unser aufregendstes Erlebnis das An- und Abfahren von Autos, die (wie es hier anscheinend völlig üblich ist) mal kurz zum Schwimmen kommen und dann auch sofort wieder verschwinden. Lediglich eine Familie kommt mit Sack und Pack wie für eine Expedition beladen, um am anderen Ufer zu campieren. Sie wissen auch, im Gegensatz zu mir, wo sie hinmüssen! Was aber allen, die vorbeikommen, nach wie vor gemein ist: Man ist eher freundlich reserviert als aufdringlich laut. Gefällt uns!

bonjourelfie am 12 Jul 2015 14:53:25

Ganz toll, vielen Dank, dass ich mitreisen darf. Ich kenne diese Gegend sehr gut, meine Tochter hat einige Zeit in Skepplanda gewohnt. In Skepplanda kann man übrigens seine deutschen Gasflaschen füllen lassen zu einem annehmbaren Preis.

LGElfie

Momoblog am 12 Jul 2015 22:13:12

Trollywood ruft
Nach so viel Einsamkeit sind wir bereit, wieder in die Zivilisation zurückzukehren. Wir beschließen die Schären erstmal Schären sein zu lassen und Annettes Fuß zuliebe erst mal nach Trollhättan zu fahren. Wir lassen uns vom Navi lotsen, was angenehmerweise ja auch ohne Internet funktioniert. Und das ist auch gut so, denn wir fahren noch lange, richtig lange durch den Svartedalen auf der schönen Holperstrecke. Als wir dann wieder festen Asphalt unter den Rädern haben, kommt schon bald die Autobahn nach Trollhättan, die wir aber prompt verpassen und stattdessen auf der genau parallel verlaufenden Landstraße unterwegs sind. So viele Fahrbahnen für so wenig Autos!
In Trollhättan erleben wir dann den Malmö-Effekt: Angeblich große Stadt, in der aber Verkehr praktisch ohne Autos stattfindet. Den Campingplatz kundschaften wir schon mal aus, befinden ihn für gut, kaufen aber zuvor noch mal im ICA ein, um unsere geschmolzenen Vorräte aufzufüllen. Unsere anschließende Fahrt zur alten Schleuse hätten wir uns hingegen sparen können, da es keinerlei Parkmöglichkeit für Womos gibt. Sah für unseren Geschmack bis dahin aber auch nicht so dramatisch sehenswert aus, dass wir das Gefühl haben, etwas zu vermissen.
Der wirklich sehr zentral gelegene, nette Campingplatz bietet mehr als genug freie Stellplätze und wir einigen uns in absoluter Rekordzeit auf unseren Stellplatz. Ein geräumiger Rasenplatz, Strom und sogar bei leicht hervorlugender Sonne Gelegenheit, endlich mal die Markise auszufahren. Wir richten uns also erst mal häuslich ein, bevor wir dann, Wunder über Wunder, zu Fuß in die Stadt gehen, weil Annette immer brav gesalbt, geruht und gekühlt hat. Und tatsächlich wird ihr Gang auf dem Weg sogar fast schon flüssig und weniger humpelnd. Gut so!
Das feiern wir im Restaurant Strandgatan, wo es angeblich besonders leckere Zimtschnecken geben soll. Und dies können wir hiermit ausdrücklich bestätigen und sogar brauchbaren Cappucino kann man auf der Terrasse direkt am Kanal genießen. Empfehlung!
Da Annette in einem Reiseführer gelesen hat, dass Trollhättan das Trollywood Schwedens ist, weil dort so viele Filme gedreht würden und sogar einen Walk of Fama habe, gucken wir uns diesen pflichtschuldigst an. Vielleicht aber auch nur, weil er halt eine Straße weiter ist. Und sind jetzt nicht sooo beeindruckt: Ein eher runtergekommene (zumindest nicht sehenswerte) stinknormale Einkaufsstraße, wo halt alle paar Meter statt der normalen Pflastersteine so ein dösiger Stern eingelassen ist.
Den Rückweg zum Campingplatz treten wir dann über das gegenüberliegende Ufer des Göta Älv-Kanals an. Hier sind kleine Inselchen im Kanal durch Brücken verbunden und als sehr schönes Naherholungsgebiet inklusive wunderbarem Kinderspielplatz ausgebaut. Doll gemacht!
Das beeindruckendste ist jedoch die Hubbrücke, die wir in Aktion erleben dürfen. An den 4 Türmen wird der Mittelteil samt Eisenbahnschienen auf eine Höhe von 27 Metern emporgehoben, damit die Schiffe passieren können. Beeindruckend!
Annettes Fuß hat diesen "langen" Spaziergang" erstaunlich gut überstanden, möchte aber jetzt doch ein bisschen hochgelegt und betüddelt werden. Wir tun ihm den Gefallen! Für den Abend lassen wir das Schinken-Orakel entscheiden: Wenn der Kochschinken, den wir aus Deutschland mitgebracht haben und der schon leicht übers Verfallsdatum ist, tatsächlich schlecht ist, gehen wir noch mal ins Strandgatan (weil auch die herzhaften Gerichte lecker aussahen!), wenn er noch genießbar ist, gibt es Tortellini alla panna. Wir haben die Tortellini genossen!
Abends bestaunen wir noch die Zeltaufbaukünste eines holländischen Pärchens, die ganz Old-School-mäßig ein Stoffzelt aufbauen, jede Stange ganz exakt ausrichten und auch ihre Schlafsäcke nach alter inidanischer Tradition 6-mal von der einen Seite und 6-mal von der anderen Seite rhythmisch ausschlagen. Leute gibt's!

Momoblog am 13 Jul 2015 23:42:52

Törn auf Tjörn
Jetzt geht es endlich wieder ans Meer. Und die beeindruckende Tjörn-Brücke, die uns auf die Insel führen soll, ist schon von weitem zu sehen. Aber was auch sofort auffällt: Es herrscht sehr reger Verkehr. Sowohl in unsere Richtung als auch von der Insel weg gibt es einen kleinen Stau. Ob das ein schlechtes Omen ist? Als wir aber weiter in Richtung Rönnäng, unserem Zwischenziel, fahren, verlieren sich die Autos eins nach dem anderen, so dass wir bald wieder mehr oder weniger alleine auf der Straße sind. Puh!
In Rönnäng sind wir zunächst verwirrt, warum auf den vielen freien Parkplätzen keiner steht. Aber an jedem Parkplatz hängen auch Sonderschilder, die wir als Anwohnerparken interpretieren. Und der einzige größere Parkplatz ist dann auch entsprechend voll: Kein Platz fürs MoMo... Und wieder einmal sind wir froh, dass wir den Womo-Führer von Schulz dabei haben, der einen Badeplatz "um die Ecke" empfiehlt. Der hat zwar nur eine maximale Stellzeit von 6 Stunden, aber für unseren Ausflug auf die Insel Astol reicht das dicke.
Und wir haben mal wieder Glück, denn es wartet schon eine Fähre im Hafen, die bald losfährt. Vorher müssen wir allerdings noch ein Ticket lösen - bisher waren wir ja regelrecht verwöhnt von den vielen kostenlosen Fährpassagen. Der Kapitän war in seinem früheren Leben anscheinend Formel1-Pilot - so rasant sind wir selten in einen Hafen eingefahren! Man muss alerdings zu seiner Ehrenrettung sagen, dass niemand verletzt wurde...
Astol ist eine wahrlich überschaubare Insel. Also eigentlich gibt es nur den ausgesprochen länglichen Hafen und einen Knubbel voll Häuser. Der Rest sind Schären. Aber trotzdem, oder gerade deswegen, gefällt uns das (logischerweise) autofreie Inselchen. Man ist ein bisschen aus der Zeit gefallen. Wir nehmen die Hafenumrundung in Angriff, um zur berühmten Rökeriet zu gelangen. Zumindest empfiehlt jeder Reiseführer diese Fischräucherei in den wärmsten Tönen.
Wir freuen uns, dass es neben der Rökeriet auch ein Restaurant gibt, denn mittlerweile haben wir guten Hunger. Erfreulicherweise gibt es Fischsuppe - das ist ja mal wieder was für mich! In unserer Bestellung inklusive sind dann auch Brot und Wasser und Kaffee, die wir uns an einem Selbstbedienungstisch gerne holen. Und die leckere Fischsuppe mit Blick auf das Treiben im Hafen hat schon wirklich was!
Anschließend erkunden wir noch bisschen die Umgebung und entdecken das örtliche Schwimmbad. Eine Röhrenrutsche hinein in ein Naturbecken in den Schären hätten wir allerdings nicht erwartet. Cool!
Auf der Rückfahrt genießen wir die Ausblicke in die Schärenlandschaft und freuen uns schon darauf, auch heute abend diese tolle Aussicht zu genießen.
Zurück an unserem MoMo-Parkplatz hat sich der kleine Strand richtig mit Leuten gefüllt. Ins Meer mag aber keiner so recht gehen, da es weiterhin ganz schön frisch ist und die Sonne gerne immer wieder hinter den Wolken verschwindet.
Wir brechen auf zu unserem heutigen Tagesziel: Klädesholmen. Oder, um genauer zu sein: Mossholmen, was ein Inselchen davor ist und wo sich am Hafen auch ein Stellplatz befindet. Dieser ist leider durch Wohnmobilisten, die sehr kreativ parken, schon voll belegt. Ich könnte mich zwar theoretisch in eine Lücke zwischen zwei anderen noch hineinquetschen, aber dann wäre das schon sehr, sehr eng. Die freundliche Damen im Hafenbüro hat aber guten Rat für mich: "Behind the mountain" (gemeint ist ein Schärenbuckel auf dem Hafengelände) müsste eigentlich noch viel Platz sein. Und tatsächlich finden wir dort den gewünschten Platz für die Nacht. Und der Ausblick auf die im Hafen liegenden Boote gefällt mir fast noch besser als die Aussicht vom offiziellen Stellplatz. Gut gemacht.
Nach einem köstlichen Abendessen mit geräucherten Lachs, Makrele und Garnele aus der Rökeriet wollen wir aber noch Klädesholmen erkunden. Und das Örtchen gefällt uns noch viel besser, als wir es aus den gelesenen Beschreibungen erwartet hätten. Alles ist schnuckelig im typischen Schwedenstil, aber man hat eigentlich nie den Eindruck, in einer Stadt in DER schwedischen Urlaubsregion zu sein. Kaum Geschäfte, schon gar nicht mit Touristennepp, wenige Restaurants, aber vor allem Wohnhäuser, von denen wir gar nicht sagen könnten, wie viele davon jetzt Ferienwohnungen sind und in wie vielen einfach Klädesholmener leben. Zum Abschluss daher nicht viele Worte, sondern einfach viele Bilder aus dieser ausgesprochen netten Stadt in den Schären.

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Momoblog am 15 Jul 2015 10:15:40

Wir wachen wieder mal unter bewölktem Himmel auf. Das hatten wir jedoch jetzt schon häufiger und, anders als Zuhause, heißt das noch gar nichts. Und so ist es auch heute. Als wir nämlich in Skärhamn ankommen, hat sich die Sonne schon weitestgehend durchgesetzt. Skärhamn liegt nur ein paar Kilometer weit nördlich, hat aber zwei Dinge, die uns anziehen: Zum einen einen Systembolaget, in dem wir unsere Öl-Vorräte auffüllen können (der Schwedenkenner weiß natürlich, dass wir Bier kaufen wollen). Zum anderen das Nordisk Akvarelmuseum, welches auf jedem größeren Straßenschild angepriesen wird. Wir parken also das MoMo in der Nähe des Turistbyrå und machen uns auf den Weg zum Museum. Denn Parkplätze erwarten wir am Ende einer Straße nach unserem gestrigen Ausflug nach Klädesholmen eher nicht. Und wundern uns, wie viele freie Parkplätze es da am Hafen gibt.
Das Museum hat eine kleine, aber feine Ausstellung. Die doch sehr überschaubare Größe wäre ja nicht weiter schlimm, wenn man nicht bei dem doch recht großen Gebäude dann doch etwas mehr erwartet hätte. Gefallen hat es uns aber trotzdem. Außerdem haben wir jetzt eine Jahreskarte...
Aber als wir zurück zum MoMo gehen, um Mia für die Stadtbesichtigung abzuholen, sind wir dann doch überrascht, wie voll es geworden ist. Von all den freien Parkplätzen ist keiner mehr frei und herrscht lebhaftes Treiben. Uns ist es recht, denn wir sind ja zu Fuß unterwegs und das MoMo ist gut geparkt.
Skärhamn kriegt von uns übrigens den Preis für die mit Abstand am fröhlichsten stimmende Kirche der Welt. Wer auch immer die Idee mit den Schläuchen für das Smilie-Gesicht hat: Genial!
Der Ort selbst überrascht uns positiv. Während er im Reiseführer noch als nicht weiter lohnend beschrieben wird, finden wir, dass sich ein Bummel durch den Ort durchaus lohnt. Denn auch hier gibt es einen netten Mix aus urigen Gässchen und Häusern, die in die Schären eingebaut sind.
Unser heutiges Ziel ist es, einfach einen netten Platz in den Schären zu finden und uns einen gemütlichen Nachmittag zu machen. Was nicht ganz so einfach wird, wie wir feststellen. Denn Plätze, die im Führer angepriesen sind, zieren mittlerweile Womo-Verbotsschilder, gefallen uns dann doch nicht so gut oder wir finden Plätze, die aber eben nur okay sind und wo man sich auch keine Stühle rausstellen könnte. Also fahren wwir immer weiter von Schärenfinger zu Schärenfinger und beschließen nach dem x-tem gescheiterten Versuch, dann doch einfach einen Campingplatz aufzusuchen. Die sind hier an der Küste zwar sportlich teuer, aber das ist uns für heute einfach mal egal. Annette hat einen in Stocken ausfindig gemacht, der sich ganz gut anhört. Und tatsächlich gibt es für uns, da wir auf Strom verzichten können, die nahezu freie Auswahl auf einer Wiese ohne Stromanschlüsse. Fein! Dumm nur, dass das Einchecken nach der Stellplatzsuche dann fast eine halbe Stunde dauert, weil am späten Nachmittag natürlich viele Neuankömmlinge kommen.
Abends kommen wir dazu, endlich einmal zu grillen. Hurra! Die schwedischen Würstchen schmecken zunächst eher so lala, aber da wir verschiedene Sorten gekauft haben, steigern wir uns dann auf ein "lekker" zum Schluss.
Abends können wir, da Annettes Fuß immer besser belastbar ist, sogaar die Räder mal nutzen und fahren noch zum Campingplatzeigenen Sandstrand in den Schären. Wir haben zur späteren Stunde den Platz nahezu alleine für uns und genießen den wirklich fabelhaften Ausblick auf die Schären. Einfach herrlich!
Nachdem wir uns an den Schären halbwegs satt geguckt haben, fahren wir noch "einen Finger weiter" in Dorf Stocken. Dort stellen wir die Räder ab und kommen uns fast schon verboten vor, als wir auf einem Pfädchen zwischen den Häusern hindurch zur Anhöhe gehen um dort von einem Logenplatz den Sonnenuntergang hinter der gegenüber liegenden Insel zu beobachten. Auch hier gehört uns die Szenerie quasi alleine. Ein ausgesprochen schöner Abend!

Momoblog am 15 Jul 2015 21:45:58

Ein strahlender Morgen, so dass wir beschließen, draußen zu frühstücken. Leider bisher in diesem Urlaub keine Selbstverständlichkeit, da es morgens doch von der Nacht her noch kühl ist. Aber heute genießen wir die Sonnenstrahlen und sind nach unserem schönen gestrigen Abend so richtig in Ferienlaune und haben auch nicht wirklich Lust, weiterzureisen. Denn unser Platz auf der Wiese bietet uns quasi den ganzen Tag Sonne, der Wetterbericht ist gut und die Faulenzlust groß.

Spontan wie wir nun mal sein können, verlängern wir um einen Tag und genießen das Dolce Vita. Nebenbei unterhalten wir uns ausgesprochen nett mit unseren Platznachbarn aus Trier mit ihrer bezaubernden Tochter Luna. Sie haben sich den Traum von einer 4-monatigen Auszeit mit ihrem VW-Bus und einer Tour von Südfrankreich bis Norwegen verwirklicht. Da gibt es genug zu erzählen!

Da ich die falsche Luftpumpe für Annettes Fahrrad eingepackt habe und ihr Hinterreifen schon bedenklich kurz vor "auf Felge" ist, begebe ich mich per Fahrrad nachmittags in den Nachbarort Ellsö, um auszukundschaften, ob es an der dortigen Tankstelle ein Luftdruckgerät gibt. Das ist in Schweden mit den vielen Automatentankstellen nämlich nicht so wie bei uns selbstverständlich.

Und es tut gut, sich nach dem faulen Vormittag mal zu bewegen. Was einem im Wohnmobil aber gar nicht so sehr auffällt: Die Streckenführung durch die Schären ist ganz schön hügelig und es geht häufig auf und ab. Auch mal ganz schön, die Strecke so unmittelbar zu erleben. Gut, dass Annette mit dem immer noch lädierten Fuß nicht mitgekommen ist! Vor allem, weil es für die Katz' gewesen wäre: Die Tankstelle bietet eine Zapfsäule und sonst nix!

Ellsö ist ein beschauliches Hafenörtchen, wie wir mittlerweile schon ein paar gesehen haben. Immerhin gibt es sogar ein Schwimmbad und eine Hüpfraupe mit schwedischer Schlagermusik. Aber eben auch weiter nichts, so dass ich zurück "nach Hause" aufbreche, um noch 2 schöne Lachssteaks für den Grill im Stockener Fisk-Geschäft zu kaufen.

Momoblog am 17 Jul 2015 22:40:17

Schären-Heaven
Man glaubt es ja nicht, aber auch auf einem Massenparkplatz in einem Hafen kann man durchaus ein gemütliches Frühstück hinkriegen. Man nehme: strahlenden Sonnenschein, Möwenrufe und (wichtig!) Blickrichtung zum Meer.
Wir verlassen den Platz aber ohne größeres Bedauern, denn unser heutiges Ziel liegt wieder ein bisschen weiter nördlich. Und immer noch in den Schären. Fjällbacka. Aber um dorthin zu kommen, müssen wir erst mal wieder landeinwärts, dann etwas Autobahn, dann wieder über Land ans Meer. Auf der Fahrt können wir endlich an einer Tanke Annettes Fahrradreifen auf den ihnen gebührenden Druck bringen. Wäre das also auch erledigt!
Durch Fjällbacka fahren wir zunächst nur hindurch, denn im Womo-Führer wird eher beiläufig das Naturreservat von Veddö erwähnt, was wir als erstes ansteuern. Welch ein Glücksgriff! Am Parkplatz stehen zwar schon die bekannten Womo-Verbotsschilder, aber Annette vergewissert sich, dass Parken völlig okay ist. Und so machen wir uns auf einen netten, unkomplizierten Rundwanderweg, der genau das richtige "Aufbau"-Programm für Annettes Fuß darstellt.
Und landschaftlich könnten wir es kaum schöner antreffen. Auf diesem kurzen Weg hat man so viele schöne Aussichten auf die Schärenlandschaft sowohl auf der Meerseite, als auch auf der Landseite. Bei dem prächtigen Wetter scheint auch alles, was sich Boot nennt, auf dem Wasser unterwegs zu sein: große und kleine Segler, Schlauchboote, um die Wette flitzende Motorschiffe und Kanus und Ruderboote natürlich auch noch. Und wir nehmen im Gras neben dem erhöhten Schärenplateau Platz und genießen das Schauspiel unter uns in der Bucht.
Nachdem wir das ganze eine Weile beobachtet haben, geht die Wanderung weiter. Und wir werden unwillkürlich auf dem Weg an andere schöne Orte erinnert. Im weiteren Verlauf fühlen wir uns an folgendes erinnert: a) den Uferweg in den Cinque Terre, b) einen Gang über eine Almwiese mit fetten Kuhfladen, c) irische Wege mit ihren Steinmäuerchen, d) die Wacholderbüsche von Formentera und e) den Arcadia-Nationalpark in den USA wegen der tollen Aussicht auf die Küstenlandschaft. Und das alles auf vielleicht 3km Strecke - nicht schlecht!
Die ganze Zeit über sind wir am fotografieren wie die Weltmeister (Annette fast noch mehr als ich!) und als wir am Ausgangspunkt ankommen, möchte man die Szenerie, die man eben schon abgelichtet hat, zur Sicherheit gleich noch einmal fotografieren. Wunderbar! Sicherlich bis jetzt unser schönstes Stückchen Schweden.
Für Fjällbacka hatten wir eine Stellplatzempfehlung im Nordhafen, wo allerdings alle Parkplätze belegt sind und außerdem kann man von 8-20 Uhr nur 4 Stunden dort stehen. Keine Weiterempfehlung, zumindest im Sommer! Da auch der zentrale Parkplatz am Ortseingang voll ist, folgen wir dem Schild zum Parkplatz etwas außerhalb des Ortes. Ein ganzes Stück weit außerhalb, geschottert und mehr zweckmäßig als schön. Nun ja. Annette hat den Geistesblitz, doch einfach mit den Rädern rüberzufahren, was die Sache dann vereinfacht.
In Fjällbacka finden wir dann ein nettes Örtchen mit einer "richtigen" Touristen-Infrastruktur vor. Was heißt, dass es Lädchen zum Shoppen gibt, mehrere nette Restaurants und ein lebhaftes Treiben im Hafen. Annette findet in einem Geschäft mit "typisch" schwedischen Sachen eine Kombination aus Shirt, Pulli und Pluderhose, die ihr sehr gefällt. Aber wegen der größeren Ausgabe möchte sie erst noch überlegen - was nachher bedeutet, dass wir mit der Entscheidung zu lange brauchen: Der Laden ist zwar noch offen, die Kasse aber schon abgerechnet. Dumm gelaufen!
In Fjällbacka gibt es die Kungsklyfta, eine Kluft im Hausberg des Ortes, dem Vetterberget. Nach einer Holztreppe, die schon mal ein Stück des Berges hinaufführt, ist alles eher urig gehalten. Was bedeutet, dass man schon ein bisschen kraxeln muss. Vor allem muss man gucken, wo man seinen Fuß hinsetzt. Für Annette immer noch eine kleine Tortur. Insofern mache ich die letzten Meter dann lieber alleine und bestaune die 4 fetten Felsblöcke, die sich über meinem Kopf in der Schlucht verkeilt haben.
Im Ort bummeln wir noch ein bisschen herum, sitzen mit einem Kaffee am Hafen und gucken Leute. Immer wieder spannend, was man da so alles geboten bekommt...
Im örtlichen Fischgeschäft decken wir uns mit Fischbuletten (lekker!), geräucherten Lax-Nuggets (noch lekkerer!!) und Brot ein, die ein formidables Abendessen abgeben. Wir decken kurzerhand den Tisch auf dem Schotterplatz, der jetzt schon von mehreren Womos beparkt wird. Und wenn man sich den Schotter wegdenkt oder im Bild beschneidet, sieht das ganze doch nach einer ganz manierlichen Aussicht aus!
Wir stellen aber auch fest, dass unser Bergfest für diesen Urlaub schon hinter uns liegt und stellen fest, dass uns das langsame Vorankommen zwar nur einen Teil der Strecke hat schaffen lassen, die wir eigentlich schaffen wollten, dass wir aber keinen Tag und keines unserer Erlebnisse missen wollen. Insofern gilt weiter die Devise: Weniger ist mehr! Wir wollen genießen, wo wir sind und nicht immer einem imaginären Zielort hinterherhecheln und am Ende viel gefahren, aber nix gesehen haben. Schwierig wird nur die Entscheidung, was dann halt eben nicht mehr klappen wird.

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Momoblog am 19 Jul 2015 23:05:32

Ups, gestern vergessen:

Blåbären im Kynnefjäll
Mensch, was hat das in der Nacht gestürmt! Wir haben unser Dachfenster im Alkoven sicherheitshalber mal geschlossen, weil der Wind so sehr dran gezerrt hat, dass uns das schon kritisch vorkam. Da es in der Nacht auch geregnet hat, sind wir schon darauf eingestellt, einen eher regnerisch-wolkigen Tag vor uns zu haben. Aber tatsächlich ist der größte Teil des Himmels blau. Nette Überraschung! Dafür halt stürmisch, so dass die Sonne nicht wirklich dazu kommt, zu wärmen.
Wir beschließen, unsere gestern nicht getätigten Einkäufe nachzuholen. Daher bekommt Annette ihr Outfit aus dem Schweden-Shop und ich kaufe mir die Stetson-Mütze, mit der ich gestern im coolen Hutgeschäft(!) von Fjällbacka schon geliebäugelt hatte. Prompt fällt mir noch ein weiterer Hut ins Auge (Marke Heisenberg, für alle Breaking-Bad-Fans...), den ich mir auch gut vorstellen könnte. Neues Hobby...?
Schließlich verlassen wir aber endgültig die Schärenküste von Bohuslän und es geht landeinwärts ins Dalsland. Über schmale Sträßchen führt uns der Weg ins Kynnefjäll. Unser erstes Fjäll!Wobei es für ein "Hochland oberhalb der Nadelwaldgrenze" (Wikipedia) dann aber doch erstaunlich viele Kiefern gibt...
Wir haben in einem Reiseführer eine Wanderung gefunden, die 2,5 Stunden dauern soll und Annette traut sich das mit Wanderschuhen jetzt schon wieder zu. Und da der Fuß auch nicht mehr wie ein Hobbitfuß ohne Haare aussieht, wagen wir uns auf den Rundweg.
Zunächst geht es wenig attraktiv auf der geschotterten Forststraße, auf der wir angekommen sind, los. Erst, als wir das Ende der Straße erreichen und auf schmalen Wegen in den Wald vordringen, gibt es wieder das urige Skandinavien-Wanderfeeling. Auf dem gut gekennzeichneten Weg kann man sich unmöglich verlaufen, denn die nächste Kennzeichnung befindet sich nicht nur in Sichtweise, sondern eher schon in Spuckweite. Toll gemacht!
Es geht durch schöne, kniehohe Grasbüschelwege vorbei an den Birkenwäldchen, die im Zweifelsfall an einem ebenso pittoresken See zu finden sind. Ein herrlicher Anblick.
Auf der Anhöhe des Vaktarekullen befindet sich eine Übernachtungshütte für Wanderer, die mit allem ausgestattet ist, was der müde Wanderer braucht. Das ist bestimmt auch ein dolles Erlebnis, dort oben die Nacht zu verbringen. Super!
Wir machen unsere Mittagspause an dem Banktisch, der dort natürlich an der Lagerfeuerstelle nicht fehlen darf und genießen unsere mit Hagelzucker bestreuten Hefeballen vom Bäcker aus Fjällbacka. Lekker!
Auf dem folgenden Stück laufen verschiedene Wanderwege, so z.B. der durch die gesamte Region führende Bohusleden ein Stück weit zusammen. Was uns eine sehr farbenfrohe Wegmarkierung beschert. Chic!
Am Aussichtspunnkt über den Store Holmevatten steht eine halboffene Windschutzhütte mit Feuerstelle und auch hier mit ein paar Vorräten für Wanderer, deren Vorratshaltung nicht so ganz geklappt hat. Und unter uns der See, der am gesamten Ufer völlig unberührt vor uns liegt. Da der Wind immer noch die Wolken übers Laand treibt, beobachten wir ein ständiges Wechselspiel von Licht und Schatten und können sehen, wie sehr der Wind über den See fegt - das wäre definitiv kein Spaß mit dem Kanu!
Der Rückweg zieht sich dann ganz schön, denn man muss gut acht geben, wo man tritt, damit man nicht auf einer Wurzel oder einem Stein umknickt oder auf einmal im sumpfigen Morast steckt. Sehr abwechslungsreich!
Als Annette an einer Stelle noch Fotos macht, gehe ich schon mal vor. Und höre hinter mir das Klimpern von Mia an der Hundeleine. Und unterhalte mich mit Annette über den spannenden Weg, der oft mit morschen Holzplanken morastige Stellen überbrückt. Ob die Dinger wohl uns noch aushalten? Als ich mich umdrehe, weil sie schon seit einiger Zeit nicht antwortet, habe ich nur den Hund vor mir, der seine Leine hinter sich herzieht und mich treu anguckt. Von Frauchen keine Spur! Schnell drehen wir um, ich rufe laut, aber niemand antwortet. Sie wird doch nicht schon wieder umgeknickt sein? Wir finden Annette schließlich fast an der Stelle wieder, wo sie einen See fotografiert hat. Natürlich auch sie in Aufregung, da sie vor lauter Fotografieren nicht mehr auf uns geachtet hatte und auch nicht mehr auf Mias Leine stand, die sie zum besseren Knipsen auf den Boden gelegt hatte. Puh! Und zu allem Überfluss stehen wir auch noch in einer Ameisenstraße und Annette und Mia werden prompt von diesen Riesenviechern gebissen. Das ist anscheinend auch sehr schmerzhaft, denn Mia führt komische Tänze auf und reibt sich abwechselnd ihre Nase an einem Grasbüschel und leckt ihre Pfote. Armer Hund!
Auf dem weiteren Weg geht es noch munter über diverse morsche Bretter, mit mehreren dünnen Birkenästen gebaute, wenig vertrauenerweckende Brücken oder auch mal durch sehr "saftiges" Moos - gut, dass wir Wanderschuhe haben! Am Ende unserer Tour haben wir statt der versprochenen 2,5 Stunden eine satte Stunde mehr gebraucht (okay, zugegebenermaßen mit Pause). Und Annettes Fuß möchte jetzt dann doch gerne eine Pause haben, auch wenn er tapfer durchgehalten hat.
Bei einem verdienten Kaffeetrinken mit Zimtschnecken fassen wir den Entschluss, einfach auf dem Wanderparkplatz stehen zu bleiben. Denn hier "in the middle of nowhere" lässt es sich ganz gut und beruhigt für eine Nacht stehen und außerdem wollten wir ja auch noch Blaubeeren pflücken, die hier rund um den Parkplatz in rauen Mengen wachsen.
Aus den Blaubeeren zaubert Annette dann noch einen Schlemmer-Blåbär-Quark, der gemeinsam mit dem leckeren Walnussbrot aus der Bäckerei unser Abendessen darstellt.

Momoblog am 19 Jul 2015 23:06:23

Wandern im Urwald
Heute morgen erwägen wir doch tatsächlich, die Heizung anzustellen, weil die Temperaturen sich doch eher um die 14 Grad bewegen und es auch im MoMo entsprechend abgekühlt ist. Aber nach dem ersten bisschen Bewegung und einem köstlichen Blaubeerpfannkuchen wird uns dann doch so warm, dass die Heizung aus bleibt. Aber gemütlicher Sommer ist was anderes!
Heute müssen wir dann doch mal dringend unsere stark geschrumpften Vorräte auffüllen. Der Kühlschrank ist erschreckend leer, ebenso ist der Biervorrat seit gestern erschöpft. Und auch Strom, Wasser und Toilette schreien nach einem Campingplatz für die kommende Nacht. Und Diesel muss auch dringend getankt werden. Aber erst mal wird geshoppt. Das ist in Schweden auch an einem Sonntag, so wie heute, kein Problem. Supermärkte haben 7 Tage die Woche auf. Dummerweise nur nicht der Systembolaget direkt neben dem Supermarkt in Ed am Stora Le, so dass es mit "hochprozentigem" Bier heute nix wird. Mit allem anderen sind wir aber erfolgreich und fahren frohgemut weiter in Richtung Norden. Nach ein paar Kilometern fragt Annette "Wollten wir nicht noch tanken...?" Argh. In Schweden ist zeitiges Tanken nämlich durchaus nicht unwichtig, denn ein kurzer Check ergibt, dass es in unserem heutigen Tagesziel Nössemark genau Null Tankstellen gibt. Also gebe ich die nächstgelegene Tankstelle ein, wir wenden und fahren zurück nach Ed. Nur um an der Tankstelle eine Höhenbegrenzung auf 3,10m vorzufinden. Und auch wenn das ganze von Weitem optisch deutlich höher als 3,10m aussieht, ist mir das mit unserem 3,15m hohen MoMo dann doch zu gewagt. Also zur nächsten Tanke, die jedoch ein bloßer Tankautomat ist. Egal, können wir jetzt ja. Aber dieser hat die unselige 500-Kronen-Sperre, so dass ich für einmal Volltanken zweimal das ganze Prozedere mit Kreditkarte und PIN durchführen darf. Bekloppt.
Wir steuern endlich unser Ziel an: Den Tresticklan-Nationalpark westlich vom Stora Le. Auf dem Weg fängt es aus dem bedeckten Himmel sogar an, sich einzuregnen. Nicht schön für unsere geplante Rundwanderung. Aber nachdem sich am Parkplatz noch mal eine Wolke abgeregnet hat, bleibt es für den Rest des Tages trocken. Glück für uns!
Der eigentliche Nationalpark wird nur über einen 1,5km langen, wenig spektakulären Zuweg erreicht. Immerhin ist er, wie schon unser Weg gestern, perfekt ausgeschildert. Und, anders als gestern, sind alle Holzstege in perfektem Zustand. Und, auch anders als gestern, wissen wir jetzt, dass die fröhlich orange-rot leuchtenden Beeren am Wegesrand tatsächlich Moltebeeren sind. Leider sind nur die wenigsten von ihnen schon reif. Lekker!
Der Weg führt uns bei bedecktem Himmel zunächst größtenteils am See entlang und wir verfolgen von einem Felsenplateau mit toller Aussicht die unterschiedlichen Lichtstimmungen, die Sonne und Wolken auf die Landschaft werfen.
Auch auf dem restlichen Weg genießen wir den "Urwald" mit seinen Moosen, den Flechten und den sich ständig abwechselnden Birken und Föhren. Den Abstecher zum höchsten Punkt des Parks verkneifen wir uns mal ganz gepflegt, weil uns der Wanderführer schon vorwarnt und auch auf das Schild ein enttäuschter Wanderer handschriftlich "no viewpoint!" geschrieben hat.
Kurz vor dem Ende passiert Annette dann noch mal das Malheur, dass sie (ausgerechnet mit dem schon geplagten Fuß) umknickt. Es ist diesmal aber nicht ganz so gravierend und wir haben auch den Stützverband dabei, der sofort angelegt wird. Aber schön ist anders! Überhaupt ist der Weg zwar nicht wirklich schwierig, aber durch die ständigen Steigungen und Abstiege mit kleinen Felsstücken und unzähligen Wurzeln ganz schön anstrengend, weil man einfach ständig gucken muss, wo man hintritt. Als wir das MoMo erreichen, sind wir auf jeden Fall froh, dass man sich erst mal gemütlich hinsetzen kann.
Wir beschließen, sofort weiterzufahren, um unseren Nachmittagskaffee dann relaxed auf dem Campingplatz in Nössemark zu genießen. Und tatsächlich ist es auch ein sehr familiärer Platz, auf dem wir uns einen Platz aussuchen dürfen. So viele sind dann aber gar nicht übrig (wenn man nicht mitten auf dem Fußballplatz(!) stehen will. Also nehmen wir das nächstkleinere Übel: Den Platz direkt am Kinderspielplatz.
Wir bauen routiniert Tisch und Stühle auf und freuen uns auf die verdiente Erfrischung. Aber es wird von Minute zu Minute kühler und zu allem Überfluss fängt noch jemand vom Campinplatz an, mit einem Kantenschneider(!) eine Rasenfläche zu bearbeiten. Das ganze hört sich so an, als würde ein halbe Stunde lang jemand mit einem Motorrad neben uns stehen und beständig mal eben Gas geben. Entnervend!
Von Kälte und Lärm werden wir also wieder ins MoMo getrieben. Aber immerhin können wir uns mit leckerem Krabbenreis und einem Gläschen Rotwein die gute Laune zurückholen. Mjam!
Und auch wenn die Rückreise noch reichlich weit weg ist, schmieden wir Pläne für die verbleibenden 10 Tage. Der Wetterbericht für Mittelschweden ist ab Dienstag nicht sonderlich prall, so dass wir überlegen, am ohnehin wettermäßig verlorenen Dienstag mal ein paar Kilometer zu machen und einen Gewaltmarsch an die Ostküste vorzunehmen, um von dort aus dann langsam wieder in Richtung Süden nach Trelleborg zu reisen. Und wenn wir unterwegs einen tollen Punkt für ein paar Tage Aufenthalt finden: Um so besser!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

borkenkaefer am 20 Jul 2015 21:09:50

Das sind wieder schöne Bilder und Wandertipps, von denen ich einige auch auf dem Schirm habe (aus den Anregungen hier im Forum). In vier Wochen werde ich mir vieles davon selbst ansehen, Euer Bericht erhöht die Vorfreude :ja:
Ich wünsche Euch noch eine schöne Reise.

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