Am nächsten Morgen nehmen wir die erste Fähre zur Barra, zusammen mit der über einen Damm verbundenen Vatersay die südlichsten bewohnten Inseln der Äußeren Hebriden. Leider funktioniert das Kartenlesegerät auf der Fähre nicht. Da Barzahlung auch nicht geht, sollen wir einfach bei der Rückfahrt zahlen.
die Fähre kommt
Außer uns ist nur noch ein weiteres Auto an Bord, was die Anzahl der Passagiere sehr übersichtlich hält. Im Gegensatz zu den anderen Fähren darf man hier während der Überfahrt im Auto bleiben. Die Überfahrt dauert nicht lange und da die einzige Straße der Insel eine Ringstraße ist, entscheiden wir uns für die östliche Variante.
Castlebay
Eventhäkeln – auf Barra ganze Tannenbäume
Im Hauptort Castlebay machen wir einen Stopp. Nach Besuch in den zwei offenen Shops, leider kein Cafe dabei, fahren wir weiter auf die kleine Insel Vatersay. Auf Vatersay gibt es ein paar schöne Strände und Stellplätze für die Nacht (gegen Spende). Entsorgen kann man auch hier am Community Center.
Tolle Dünenlandschaft und tolle Strände
Wir gehen etwas am Strand spazieren, schauen uns das Ganze mal von oben an und fahren zurück nach Castlebay.
Catalina Flugzeugwrack
Von dort aus fahren wir dann weiter die Ringstraße zum Flughafen. Am Flughafen versuchen wir einen Kaffee zu ergattern. Aber leider hat auch dort alles geschlossen. Und so fahren wir weiter nach Eoligarry. Uns kommen unerklärlich viele Autos entgegen und es wird fast schon lästig. Aber dann stellen wir fest, dass in dem kleinen Ort eine Beerdigung stattfindet und die ganze Insel nun von der Beisetzung kommt. Das läßt die Rush Hour natürlich in einem ganz anderen Licht erscheinen. Unseren Stellplatz am Pier von Eoligarry gibt es leider nicht mehr. Er ist vollgestellt mit Reusen und das Toilettenhäuschen wird gerade neu gebaut. Wir gehen den Strand entlang und genießen die Sicht übers Meer auf die vielen Inseln vor uns. Dann flüchten wir allerdings schnell wieder ins Auto, da es kräftig anfängt zu regnen.
Fish´n´Ships und Gulls´n´Buoys … manches ändert sich nie
Da wir hier für die Nacht nicht bleiben können, beschließen wir uns einen Platz auf Vatersay zu sichern. Was uns auf Barra immer wieder auffällt, ist wie zugemüllt die Insel ist. Es gibt eigentlich nur zwei Arten von Anwesen. Die, die penibel gepflegt sind und die, die vollkommen zugestellt sind, sei es mit alten Autos oder irgendwelchen Sachen, die man vermeintlich irgendwann nochmal brauchen könnte.
Als wir am Flughafen vorbeikommen, herrscht dort ein ziemlicher Verkehr. Was darauf schließen lässt, dass gleich ein Flieger auf dem einzigen Strandflughafen Europas mit Linienflug Anbindung landet. Kaum stehen wir auf dem Parkplatz, kommt auch schon der Flieger aus Glasgow angeschwebt. Selbst als Laie erkennt man, dass es eine gewisse Erfahrung braucht, um bei dem starken Wind den Flieger sicher auf den Strand zu setzen.
Landebahn
feuchte Landung
Auf Vatersay stellen wir uns in eine geschützte Parkbucht, die Stellplatzgebühr soll man bitte beim Community Center in eine Donation-Box werfen. Das erledigen wir am nächsten Morgen zusammen mit der Entsorgung sehr gerne.
Vatersay Community Center
unser Schlafplatz
Vatersay
Kurz vor Sonnenaufgang sind wir schon auf den Beinen und fahren nach Castlebay ins Krankenhaus, das Knie möchte kontrolliert und neu verbunden werden. Auch dieses Krankenhaus kennen wir von früheren Aufenthalten. Während Uschi versorgt wird, fliege ich mal zum Castle.
Castle in Castlebay
Die Krankenschwester auf Barra meint, dass alles gut wäre und dass in gut zehn Tagen die Fäden raus könnten. Damit wir keine weiteren Besuche beim NHS einplanen müssen, weißt sie meine GG an, nun beim Verbandanlegen gut zu zugucken. Dann stellt sie auf Kosten des NHS ein Care Paket mit steriler Kochsalzlösung zum Reinigen, Verbandsmaterial inkl. Jodpflaster und steriler Schere, sowie Wasserschutz zusammen und verabschiedet sich mit einem freundlichen „bis zum nächsten Mal“. Nach unserem Besuch im Hospital beschließen wir, Barra heute noch zu verlassen. Es ist wieder ein Sturm angekündigt und da weiß man ja nie, wann und ob eine Fähre fährt. Zumal wir auch noch die Fähre North Uist nach Harris bekommen müssen. Wir entscheiden uns die Abendfähre zu nehmen. Auf dem Weg zum Fähranleger biegen wir beim Imbiss Stand „Greim at Grinn“ Richtung Cleat und Barra Golf Club ab und kommen an einen tollen Strand.
Beach near Cleat
Auch hier gäbe es einen tollen Stellplatz für die Nacht, mit einem grandiosen Meerblick. Wir schlendern etwas am Strand entlang, immer unter ständiger Beobachtung einer neugierigen Robbe.
Um kurz nach drei sind wir am Fähranleger. Wieder bekommen wir ohne Vorausbuchung einen Platz auf der Fähre – im Sommer würden wir uns darauf nicht verlassen. Wir erinnern den netten Kassieren daran, dass wir auch noch die Hinfahrt bezahlen müssen. Der erinnert sich zwar an uns, meint aber, dass das Kartenlesegerät immer noch out of order ist und dass das schon ok so ist. „It is a Calmac problem, not yours“. Na gut, dann müssen wir eben noch ein paar Mal mit der Calmac zur Wiedergutmachung fahren ??
Die Sonne verschwindet schon hinter den Bergen, als wir Richtung Eriskay ablegen. Es ist kalt geworden und wir beschließen noch mal im The Politition zu essen. Für die Nacht stellen wir uns dann auf der anderen Seite des Damms auf South Uist beim Polochar Inn auf den Parkplatz. Den Polochar Inn haben wir schon auf unserer ersten Reise auf die Western Isles in 1999 besucht. Ein paar Jahre später wurde mit Eröffnung des Damms auf die Eriskay The Politition als „Schwesterpub“ eröffnet. Man kann den jeweils anderen Pub bei nicht zu schlechter Sicht sehen und rüber winken. Der Polochar Inn hat leider geschlossen und das Gebäude scheint unbewohnt zu sein. Hoffen wir mal, dass es nur „closed for the season“ ist.
In der Nacht war es bitterkalt und die Pfützen sind alle gefroren.
Polochar Inn
Wir fahren weiter zurück in Richtung Norden. In Lochboisdale versuchen wir einen Kaffee zu bekommen, aber leider ist auch hier alles geschlossen. Der Reif verleiht der Landschaft einen ganz eigenen Charakter und wir halten oft an, um Fotos zu machen.
Lochboisdale
Da unsere Fähre nach Leverburgh erst am Nachmittag geht, machen wir noch den kleinen Abstecher zum Loch Druidibeg. Die Straße ist nicht gestreut und stellenweise noch recht glatt. Und wieder ist es absolut imponierend, wie sich die Straße durch die Landschaft schlängelt.
alter, ungenutzter Hafen am Loch Druidibeg
endlich mal kein Schaf
Es ist fast windstill und die Landschaft spiegelt sich in Hunderten von Seen.
Wir lassen uns so viel Zeit, dass wir uns am Ende doch wieder beeilen müssen, die Fähre zu bekommen. Als wir am Hafen ankommen, ist das Beladen schon in vollem Gange. Zum Glück habe ich – Dank der Gelassenheit der Calmac Mitarbeiter - noch genügend Zeit, um am Hafen zu entsorgen. Auch diesmal haben wir nicht im Voraus gebucht, im Sommer sicher nicht empfehlenswert.
Wir kommen als letztes Fahrzeug mit an Bord und es geht wieder zurück auf die Harris. Nach einer guten Stunde haben wir es geschafft und legen in Leverburgh an.
Leverburgh
Da es noch relativ früh ist, fahren wir über Rodel und die Golden Road zurück nach Tarbert.
die Golden Road startet in Rodel
Die Golden Road zählt zu einer der spektakulärsten Straßen in Schottland, sie ist durchgehend eine Single Track Road mit engen Kurven und steilen Steigungen. Sie führt an der Ostküste von Harris entlang und bietet phänomenale Aussichten.
Golden Road
Rodel Hotel
absolut traumhaft
Wir lassen uns wegen der Landschaft und dem tollen Licht am Nachmittag viel zu viel Zeit und auf der Hälfte der Strecke wird es leider schon wieder dunkel. Obwohl wir inzwischen eine gewisse Routine entwickelt haben, dauert es halt immer eine gewisse Zeit, die Drohne in die Luft zu bekommen. Aber für den Start muss man sich immer erst einen guten und sicheren Parkplatz suchen, denn an Touristen wurde beim Bau der Straße nicht gedacht. Im Winter, wenn eigentlich kein Verkehr herrscht, kann man natürlich auch schon mal in einem großen Passing Place halten ohne direkt ans Kreuz genagelt zu werden. Im Sommer aber, wenn hier Betrieb ist, sollte man dies natürlich unterlassen. Wir fahren also auf halber Strecke von der Golden Road ab und wechseln auf die Schnellstraße direkt nach Tarbert. Unser Ziel ist der große Parkplatz bei der Busstation. Dort gibt es eine in die Jahre gekommene Dusche, die aber nach Einwurf eines Pfundes über erfreulich viel warmes Wasser verfügt. Nach dem Duschen geht es (endlich) ins Hebridean Hotel zum Fish´n´Chips essen. Auf dem Großbildschirm läuft eine Sondersendung zum Tod von Franz Beckenbauer, der auch hier in GB offensichtlich eine Legende war. Nach dem Essen geht es für die Nacht auf den Stellplatz zwischen Harris und Scalpay. Uschi meint, die drei Kilometer zum Leuchtturm müssten inzwischen auch mit ihrem Knie machbar sein. Unser erstes Ziel für den nächsten Tag steht also fest. Wir lieben diesen Leuchtturm seit wir 1999 das erste Mal bei einer Wanderung an ihm vorbei kamen. Verlassen und unbewohnt wie er war, war er aber damals schon in den Händen eines Trusts. Sonst wären wir ernsthaft versucht gewesen, das Anwesen zu kaufen ….
Mit -6°C war die letzte Nacht die kälteste in diesem Urlaub und das Aufstehen benötigt bei solchen Außentemperaturen immer etwas Überwindung. Irgendwann wird es dann doch im Womo warm, wir frühstücken und um kurz vor acht sind wir am Parkplatz vom Wanderweg.
wir sind nicht die ersten, die unterwegs sind …
Der Weg ist auch für Knie-Kranke gut zu schaffen. Er hat kaum Steigungen, ist breit und mittlerweile sehr gut angelegt, nur das letzte Stück ist etwas steil und rutschig. Nochmal auszurutschen wäre bestimmt nicht ratsam und so gehen wir äußerst vorsichtig den Hang hinunter.
Kurz nach Sonnenaufgang kommt der Leuchtturm Eilean Glas in Sichtweite. Dieser Leuchtturm ist für uns der Inbegriff eines Leuchtturms, rot weiß gestreift, einsam auf einem Felsen gelegen und mit einem phantastischen Ausblick. Der Leuchtturm überwacht den Minch, die Meerenge zwischen Harris/Lewis und der Insel Skye bzw. den nördlichen Highlands. Die Sonne geht auf jeden Fall spektakulär auf.
die Sonne geht gleich auf, im Hintergrund die Insel Skye
Wir gehen zuerst am Leuchtturm vorbei auf die ihm gegenüber liegende Felsnase und lassen die Drohne fliegen. Kaum in der Luft beschwert sich das Teil auch schon, dass es ihr zu windig wäre und das ich aufpassen solle. Die arme Drohne hat ganz schön zu Kämpfen.
Eilean Glas
Nun gehen wir zum Leuchtturm, leider ist alles verschlossen und man kommt in die alten Räume nicht mehr rein. Im Sommer gibt es hier aber ein kleines Cafe. Da kann man sich vorstellen, was hier im Sommer los sein muss, damit sich das lohnt.
die alten Druckbehälter
Nebelhornarmaturen
28 Meter misst der Turm
--> Link
Ein toller Leuchtturm! Wir machen uns wieder auf den Weg zurück. Man kann den Weg auch als Rundweg machen, aber mit Uschi`s Bein entscheiden wir uns diesmal für den direkten Weg zurück zum Auto.
unten in der Senke war unser Stellplatz für die Nacht.
Da es noch früh ist, entscheiden wir uns den Rest der Golden Road zu fahren. Wir entsorgen vorher allerdings noch kostenlos beim Recycling-Hof von Tarbert. Dort kann man auch Frischwasser bekommen. An der Golden Road finden sich auch diverse kleine Webereien, die oft nur mit einem Webstuhl den berühmten Harris Tweed weben. Im Winter sind die natürlich geschlossen.
die Sonne geht schon wieder unter
Eine grandiose Straße mit atemberaubenden Ausblicken.
die Straße passt sich harmonisch der Landschaft an
Rodel
Es ist schon wieder dunkel, als wir in Tarbert ankommen und weil es so bequem ist, essen wir nochmal im Hebridean Hotel. Die, die in dieser ruhigen Zeit geöffnet haben, muss man ja schließlich auch unterstützen. Für die Nacht stellen wir uns diesmal an der Straße zum Luskentyre Beach in einen der Camping Spots. Die sind mit speziellen Schildern gekennzeichnet und gut zu erkennen. In der Nacht ist es wieder lausig kalt und die seichte Bucht friert zu. Als am Morgen die Flut einsetzt, fängt das ganze Eis an zu knacken und weckt uns zeitig. Es ist super Wetter und die Sonne erzeugt wunderschöne Farben am Himmel.
unser kalter Stellplatz
Nach dem Frühstück geht es zurück nach Tarbert zur Fähre. Leider müssen wir uns nun doch auf den Rückweg machen. Wir haben uns für die Fähre Tarbert - Uig entschieden. Die fährt nur gut 1.5 Stunden und spart uns nicht nur den Weg nach Stornoway sondern auch ein gutes Stück Strecke durch die Highlands. Auch diese Fähre ist nur mäßig besetzt und das Verladen dauert nur ein paar Minuten.
Wir verlassen mit einem weinenden Auge Tarbert und steuern auf die verschneite Skye zu.
Abschied von Tarbert
wir fahren an Eilean Glas vorbei
verschneite Skye
Auf der Skye ist es nochmal um einige Grad kälter und die meisten Wasserläufe haben Eis. Wir fahren über den kleinen Pass, der Uig mit dem auf der östlichen Seite gelegenen Ort Staffin verbindet. Hier hat man auf der Passhöhe einen gigantischen Parkplatz errichtet, der auch gut besucht ist. Sogar einige Wohnmobile stehen dort. Der Parkplatz selbst ist mit einer Höhenbeschränkung bestückt, aber für höhere Fahrzeuge gibt es entlang der Straße reichlich Parkbuchten. Die Parkgebühren fanden wir für diesen Hotspot direkt am Einstieg zum Wanderweg rund um The Quiraing angemessen.
alles gefroren
Quiraing
Wir fahren weiter über Portree bis nach Broadford, wo wir nach Elgol abbiegen. Leider lassen wir einige schöne Stellen links liegen. Aber uns rennt ein wenig die Zeit davon, müssen wir doch in 3 Tagen in Hull auf die Fähre nach Rotterdam.
Es ist schon dunkel, als wir in Elgol ankommen und wir stellen uns neben den Shop auf den Parkplatz. Es ist kalt und ich hoffe, dass, bis wir morgen wieder losfahren, ein freundlicher Gritter-Fahrer kommt und die 25% Steigung streut.
Um kurz vor sieben hören wir dann auch das Streufahrzeug und wir drehen uns nochmal rum. Es gibt kaum einen schöneren Ort als Elgol, wenn man einen Blick auf die Cullins, die imposante Bergkette auf Skye, werfen möchte.
Elgol
Wir stehen zeitig auf, denn heute müssen wir es bis in den Süden Schottlands schaffen. Die Strecke an sich wäre natürlich locker an einem Tag zu schaffen. Das Problem sind einfach die vielen am Wegesrand liegenden Motive, an denen man einfach halten muss.
In der Nacht war es ziemlich kalt und alles ist mit Reif überzogen. Die 25% schaffen wir dank dem Einsatz des Gritters. Die Reifen drehen zwar besonders in der Kurve etwas durch, aber das Auto kämpft sich tapfer den Berg hoch.
Loch Slapin
Blà Bheinn
Es geht über die Skye Bridge, am Eilean Donan Castle vorbei durch das verschneite Glen Shiel bis zum Abzweig nach Fort William. Die Berge des Glen Shiel sind noch schneebedeckt und die Bäume voller Reif.
darf natürlich nicht fehlen, kennt man...
Glen Shiel
zauberhafte Märchenlanfschaft
Es geht weiter über Fort William durch das Glen Coe, welches sich heute eindeutig schöner präsentiert als auf der Hinfahrt.
Glen Coe



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