Auf dem Rückweg passiert es dann. Ich rutsche aus, es macht knack und ich verdrehe mir recht ordentlich das Bein, diesmal das rechte. Es tut sofort wieder sauweh und Erinnerungen an 2011 werden wach, diesmal hat aber zum Glück das laute Knack-Geräusch gefehlt. Irgendwie ist diese Insel doch verflucht - kaum setze ich ein Fuß auf diese Insel, passiert schon was. Ich humpel gestützt auf meine GG so gut es geht - haha - zurück, während Paula meint, wir müssten langsam echt mal Gas geben. Das Flugzeug würde ja schließlich nicht auf mich und meinen Fuß warten. Nach gut einer Stunde sind wir wieder beim Auto und der Fuss ist so angeschwollen, dass ich noch nicht mal mehr barfuss in meine Croqs passe. Mit ein wenig roher Gewalt wird der Crocs gedehnt bis er passt und wir fahren zum Flughafen. Das Flugzeug ist leider schon gelandet, so bleibt uns nur der Start. Als einziger, von einem Linienflug angeflogenen Strandflughafen der Welt erfreut sich dieser kleine Flughafen natürlich großer Beliebtheit und es finden sich immer ein paar Leute zum “Spotten” ein. Es ist immer wieder spannend zu sehen, welchen Aufwand die Leute hier treiben. Diesmal muss ein älterer Herr im Rollstuhl mit. Dazu fährt seine Begleiterin mit ihrem PKW, instruiert von einem wild winkenden Flughafenmitarbeiter, auf den Strand neben das Flugzeug. Dann kommt ein Flughafenfahrzeug und bringt eine spezielle Trage. Anschließend wird der Mann, von zwei weiteren Flughafenmitarbeitern aus seinem Fahrzeug auf die Trage gesetzt und ins Flugzeug gehievt. Alles schon sehr gut organisiert. Nach und nach trudeln dann die anderen Passagiere und zu guter Letzt auch die Piloten ein und die kleine Maschine macht sich klar für den Start.
Es spritzt gewaltig als das Flugzeug über den Strand rollt, aber schon nach ein paar Metern hebt es ab und verschwindet über unseren Köpfen in den Wolken. Nachdem dieser TOP erfüllt ist, müssen wir uns wohl oder übel um meinen Fuss kümmern und so fahren wir nach Castlebay ins Krankenhaus. Es ist das gleiche Prozedere wie vor 7 Jahren. Eine Krankenschwester wackelt und zerrt an meinen Fuß rum und verschwindet nach ein paar Minuten, um mit dem Arzt zu telefonieren. Alles wie gehabt. Nur diesmal möchte sich der Arzt doch tatsächlich meinen Fuß auch mal anschauen. Da er auf Vatersay wohnt, dauert es eine Weile bis er im Krankenhaus ankommt und wir tratschen in der Zwischenzeit ein wenig mit der Krankenschwester. Es ist wie vermutet, den freien Stellplatz am Airport hat man dicht gemacht, weil es einfach zu viel wurde und die Leute sich anscheinend nicht zu benehmen wussten. Müll, Fäkalien und Zerstörungen an der Dünenlandschaft haben die Gemeinde zu diesem Schritt gezwungen. Immerhin gibt es inzwischen drei, wenn auch kleine CPs auf der Insel, somit sollte man schon unterkommen. Der Arzt kommt und meint, nach einen Blick in Computer, dass es recht anständig von mir wäre, nach sieben Jahren wieder nach Barra zu kommen um nun dem rechten Bein das Gleiche anzutun wie damals dem linken Bein. Wir sind uns aber dann beide einig, dass es diesmal kein Bruch sondern nur eine Verstauchung und eine Verletzung der Bänder sei. Aber da die Schwellung laut Arzt inzwischen “very impressive” ist, müsste ich, um sicher zu sein, nach Benbecula zum Röntgen. Also alles wie gehabt. Er schreibt mir eine Überweisung, drückt mir ein paar Drogen gegen die Schmerzen in die Hand und wünscht uns noch einen schönen Abend. Meine Mädels lassen es sich nicht nehmen, noch ein paar Leckereien im Supermarkt zu kaufen, dann fahren wir wieder nach Borve auf den CP. Wir müssen ja jetzt schließlich die morgige Fähre nach Eriskay buchen. Da der CP-Warden keine Lust hat am CP aufzuschlagen, legen wir die 15£ wie abgesprochen einfach auf den Tisch im Sanitärhaus.
die erste Fähre nach Eriskay
Am nächsten Morgen nehmen wir die erste Fähre nach Eriskay und fahren dann auch ziemlich zügig nach Benbecula ins Krankenhaus.
Benbecula ist flach
Nach kurzer Wartezeit bin ich an der Reihe und zum Glück ist das Bein tatsächlich nicht gebrochen! Ich bekomme noch ein paar Drogen mehr gegen die Schmerzen (wobei ich die sowieso nicht vorhabe zu nehmen), einen schicken Verband und den Ratschlag mich auszuruhen und den Fuß zu kühlen. Bewegen soll ich ihn, aber in Maßen. Großartig durch die Gegend laufen kann ich mit dem Fuß also nicht und so beschließen wir, wieder Richtung Eriskay zu fahren.
alte Kirche auf Benbecula
über diverse Dämme geht es zurück nach Eriskay
Kurz vor dem Damm zu der kleinen Insel gibt es ein geöffnetes Cafe mit angeschlossenem CP. Der ist zwar geschlossen, aber man kann ja mal nachfragen. Die nette Dame vom Kilbride Cafe ruft den Campingplatzbesitzer an und natürlich können wir uns dort hinstellen. Er würde später vorbeikommen, das Geld kassieren und uns das Sanitärhaus aufschließen.
CP in Kilbride
Der CP liegt leider direkt an der Straße, was im Sommer bestimmt ein wenig störend ist, aber jetzt im Winter kommt nur alle halbe Stunde mal ein Auto vorbei. Der CP-Warden ist auf jeden Fall recht mitteilsam, eine gute halbe Stunde quatschen wir über Gott und die Welt. Abends fahren wir zum Essen nach Eriskay ins “Am Politician”, einem Pub benannt nach dem Frachtschiff das hier vor Eriskay auf Grund lief und dessen spannende Geschichte in mehreren Filmen erzählt wird. Es geht dabei um viel Whisky. --> Link
Wir sind die einzigen Touristen im Pub. Eine Gruppe einheimischer Jugendlicher feiert Geburtstag - streng beäugt von den dazugehörigen Eltern an der Bar, die ihre Sprößlinge anschließend wieder nach Hause kutschieren dürfen. So richtig Stimmung kommt bei den Jugendlichen im Gegensatz zu ihren Eltern allerdings nicht auf.
Polochar Inn
Am nächsten Morgen fahren wir gemütlich über South Uist. Unser erstes Ziel ist Lochboisdale an der Ostküste der Insel. Die Ostseite der Insel ist ziemlich gebirgig, nur spärlich besiedelt und recht unzugänglich. Von Lochboisdale gehen Fähren nach Oban und Uig. Wir steigen erst gar nicht aus, alle Geschäfte sind geschlossen und der ganze Ort wirkt verlassen. Wir fahren weiter zum Naturschutzgebiet Loch Druidibeg und machen Bekanntschaft mit ein paar Ponies, die kaum das wir mit dem Auto stehen bleiben angetrabt kommen.
Loch Druidibeg
"wilde" Ponies
So eine Single Track Road ist eindeutig zu schmal für ein Wohnmobil und ein Pony. Die Straße am Loch Druidibeag vorbei bis nach Loch Sgioport ist eine der wenigen Möglichkeiten auf die Ostseite der Insel zu gelangen, von der Landschaft her ein echter Traum.
verfallene Häuser bei Loch Sgioport
Nach einem kurzen Stop mit einer kleinen Mahlzeit im Kaledonian Cafe und Museum (das um diese Ziet selbstverständlich geschlossen hat) geht es über Benbecula Richtung North Uist.
die Gegend wirkt z.T wie ausgestorben
Leider wird das Wetter je weiter wir nach Norden kommen immer schlechter und es wird sogar richtig stürmisch. Wir fahren an der Westseite von North Uist bis nach Lochmaddy in der Hoffnung, dort was zu Essen zu bekommen. Aber leider hat die Küche vom Lochmaddy Hotel geschlossen. Vorher besuchen wir allerdings noch das Museum, welches sich im Taigh Chearsabhagh Museum & Arts Centre befindet. Die Dame ist so erfreut ein menschliches Wesen zu sehen, dass wir kostenlos ins Museum dürfen. Dort gibt es unter anderem interessante Ordner mit alten schwarzweiß Aufnahmen von den Äußeren Hebriden.
Die Bilder zeigen eindrucksvoll, wie das Leben früher hier und auf St.Kilda aussah. Trotz des schlechten Wetters kann man St.Kilda vor der Westküste von North Uist gut erkennen. Leider werden nur im Sommer Touren zu dieser Inselgruppe angeboten. Auf jeden Fall ein Ziel, das noch auf unserer Agenda steht, vor allem wenn man die spannende Geschichte dieser Insel liest.
Für die Nacht stellen wir uns in Berneray ans Fährterminal, da die Fähre nach Harris schon um kurz nach 8 Uhr gehen soll und wir nicht gebucht haben. Eigentlich wollten wir in diesem Urlaub gar nicht nach Lewis/Harris, aber hier auf Uist gibt es nicht mehr allzu viel für uns zu tun, zumindest nicht mit so einem Fuss. Die Nacht wird richtig stürmisch und wir müssen mitten in der Nacht 2x das Auto umparken, um wieder “richtig” im Wind zu stehen. Die Überfahrt verzögert sich dann natürlich auch aufgrund der Wetterlage und erst um kurz nach neun kommt die Fähre angefahren. Das hat natürlich den Vorteil, dass man wenigstens etwas bei der Überfahrt sieht. Die See ist recht rau und die Autos in der ersten Reihe bekommen eine schöne Salzwasserdusche.
auf dem Weg nach Leverburgh
Leverburgh
Man muss sagen, dass die Calmac schon recht gut organisiert ist, über die App kann man immer den aktuellen Status der Verbindungen abfragen und kostenloses Internet gibt es auch auf den meisten Fähren bzw. an den meisten Terminals.
es ist noch früh als wir auf Harris ankommen
In Leverburgh hat natürlich leider alles geschlossen, noch nicht mal mehr ein “Cafe to go” ist zu bekommen und so fahren wir weiter nach Tarbert. In einem Flyer wirbt die Destille damit, dass sie “around the year” geöffnet hat. Hat sie natürlich nicht und im nahen Tweed-Geschäft meint man, dass die Destillery erst Mitte Januar wieder öffnet. Das ärgert uns und eine Reihe anderer Touris, die auch an der Eingangstür der Destille kratzen. Kein Schild weist auf die momentane Schließung hin und wir sind alle der Meinung, dass wenn sich im Winter Touristen auf die Hebriden verirren, dann doch wohl über Weihnachten und Neujahr. Man könnte evtl. sogar die ein oder andere Flasche Gin (der Whisky ist noch nicht soweit) verkaufen. Den Gin gibt es noch nicht einmal im hiesigen Supermarkt zu kaufen. Insider Tipp: das Harris Hotel hat die ein oder andere Flasche für den freien Verkauf auf Lager.
schwimmende Schafe sieht man selten
auf dem Weg nach Tarbert
auch die Calmac ist schon da
In solchen Angelegenheiten sind die Schotten hier oben einfach zu unflexibel. So sitzen wir z.B. an Neujahr abends im Pub des Hebridean Hotel, kommt ein älterer Mann herein und fragt nach einem Zimmer, sagt der Bar-Keeper: “Geht leider nicht, da die Rezeption nicht besetzt sei”. Der Mann fragt nach einem Abendessen, Antwort Bar-Keeper:” Heute kein Essen, nur Chips und Getränke”. Der Mann sagt brav Danke und geht um sein Glück woanders zu versuchen. Es dauert nicht wirklich lange und er kommt zurück, kauft den Vorrat an Chips auf und mit vier Dosen Bier dazu. Der arme Kerl hat dann draussen auf dem Parkplatz in seinem Auto die Nacht verbracht, wir treffen ihn nochmal auf der Überfahrt nach Uig. Die Menschen hier sind doch so gut vernetzt und irgendwo gibt es doch bestimmt ein B&B, welches der Bar-Keeper hätte anrufen können um dem Mann zu helfen. Normalerweise funktioniert Gastfreundschaft hier ziemlich gut, wie wir auch noch erfahren sollen.
Hushinish
Aber zurück zu unserer Tour. Da es noch früh am Tage ist fahren wir von Tarbert nach Hushinish raus. Vorbei geht es an der alten Walfangstation über die sehr schön geführte Single Track Road bis zur Südwestspitze von Harris. Hier hat im Gegensatz zu letztem Jahr der Stellplatz bzw. CP geöffnet.Gegen eine Spende von nicht festgelegter Höhe darf man sich an das Dusch-/Toilettenhaus stellen.
CP in Hushinish
das Wetter wird leider schlechter
der Ort Hushinish ist nicht besonders gross
Das Duschen ist mit 1£/3min nicht gerade günstig aber durchaus gerechtfertigt, da die Duschen sehr sauber sind und reichlich warmes Wasser bieten. Strom für unsere leidenden Batterien gibt es hier leider nicht, auch weiter oben am Stellplatz/CP mit Stromsäulen gibt es leider keinen Strom. Ein Schild klärt auf, dass die gewünschten Spenden leider die Kosten für den Strom nicht getragen hätten und man somit gezwungen gewesen sei, den Strom abzustellen (zumindest im Winter). Außer uns steht nur noch ein englisches Pärchen in einem rudimentär ausgebauten Crafter auf dem Stellplatz. Paula quält sich noch mal ins Wasser, während Uschi und ich ein wenig die Gegend erkunden. Am nächsten Morgen regnet es leider in Strömen und man kaum 100 Meter weit schauen. Das Entsorgen ist mit 3£ dann allerdings unverhältnismäßig teuer, aber man hat ja auch keine andere Wahl.
wie immer im Winter ist viel Wild unterwegs
Da man bei so einem Wetter im Winter relativ wenig unternehmen kann, beschließen wir zum Shoppen nach Stornoway zu fahren, wobei auch in dieser kleinen Stadt das Angebot relativ überschaubar ist. Unser Shoppingerlebnis beschränkt sich dann auch nur auf den Kauf von ein paar Postkarten plus Briefmarken und eines billigen chinesischen Heizlüfters, unser bisher verwendeter Lüfter hat Weihnachten den Geist aufgegeben. Hier in Stornoway ist richtig viel los, es sind eine Menge Leute unterwegs und es bildet sich sogar ein kleiner Stau im Ortszentrum. Von Stornoway fahren wir zum nahen Tiumpian Head, dieser liegt auf einer Halbinsel und beherbergt einen etwas in die Jahre gekommenen Stevenson-Leuchtturm.
Stevenson-Leuchtturm Tiumpian Head
In den Häusern am Leuchtturm wird aber wild gearbeitet und nächstes Jahr gibt es hier bestimmt schicke Ferienwohnungen. Die Küstenlandschaft ist sehr schön, die Halbinsel selber aber ist ziemlich besiedelt, da sie recht nahe an Stornoway liegt. Bei schönem Wetter kann man hier bestimmt schöne Küstenwanderungen machen. Aber das entfällt für uns im Moment, da das Wetter und mein Fuss dagegen sind. Wir fahren zurück nach Stornoway und nehmen die Pentland Road nach Carloway. Die Pentland Road ist eine schmale Single Track Road, die quer durch Lewis über eine riesige unbewohnte Moorfläche führt.
Moor, Moor und nochmals Moor
Die Straße wird im Winter nicht geräumt und ist auch sonst nicht unbedingt in einem guten Zustand. Auf den knapp 20km begegnen wir keinem anderen Fahrzeug. Die Landschaft ist absolut flach und bei dem regnerischen Wetter ziemlich trostlos, hat aber eine gewisse mystische Schönheit. Über Callanish, den Steinkreis lassen wir diesmal aus, geht es weiter nach Garrynahine. Dort nehmen wir den Abzweig auf die B8011 nach Uig (natürlich nicht das auf der Skye …). Irgendwann wird aus der B8011 die C39 und Straßenführung und -zustand passen sich der Nummerierung an. Wir tuckeln weiter nach Ardroil. Vor vielen Jahren wurden hier am Strand die berühmten Lewis Chessmen gefunden. Es gibt einen CP bzw. öffentliche Toiletten/Duschen. 5£ werden pro Nacht fällig, die Duschen kosten dann nochmal 1£. Stromanschlüsse gibt es leider nicht. Obwohl die Duschen und Toiletten öffentlich sind, kann man zumindest jetzt im Winter über die Sauberkeit nichts Negatives sagen. Und die Duschen liefern viel warmes Wasser. Der Silvesterabend verläuft absolut ruhig, kein Geböller, keine Party in der Nähe, nur ein paar Schafe die ums Wohnmobil laufen und irgendwas ausdiskutieren.
C39
CP in Ardroil
Am nächsten Morgen werden wir von der Sonne geweckt und sind daher früh unterwegs. Wir fahren von Ardroil weiter die Straße entlang Richtung Islibhig. Die kleine Single Track Road hat inzwischen gar keine Bezeichnung mehr, die britischen Straßenkategorien gehen glaube ich nur von A bis D und von 1 Ziffer bis 4 Ziffern. Egal, die Küste ist grandios und erinnert ein wenig an die Steilküsten von Orkney und Shettland.
Zu unserem Erstaunen gibt es hier oben im absoluten Nichts eine kleine Distillery. Von der Abhainn Dearg Distillery haben wir noch nie etwas gehört, geschweige denn getrunken. Leider hat sie natürlich geschlossen. Die Küste ist auf jeden Fall ein Erlebnis, hier müsste man mal bei einem richtigen Sturm sein.
Wir lassen uns für den Rückweg auf die Harris viel Zeit. Das Wetter ist traumhaft und so fahren wir kurzerhand doch an Tarbert vorbei um dem Luskentyre Beach noch einen Besuch abzustatten. Sehr schön! So sind am späten Nachmittag wieder in Tarbert.
auf dem Weg zurück nach Tarbert
Luskentyre Beach
auch Andere sind auf der Suche nach dem Motiv
Kurz vor Tarbert gibt es einen neuen Shop, die Hebridean Design Company, die Kunst usw. verkauft. Wir geben viel zu viel Geld für schöne Dinge aus, aber irgendwann muss das mit dem Shoppen ja auch mal klappen und kommen mit dem sehr nette Ehepaar ins Gespräch. --> LinkSie kommen eigentlich aus Mittelengland und sind nun aus Liebe zur Landschaft der Äußeren Hebriden hierhin gezogen. Sie sind begeisterte Besitzer eines Hymers und als sie von unseren Batterieproblemen hören, bieten sie uns natürlich an, uns für die Nacht an den Shop zu stellen. Wir hätten Wasser, Strom und natürlich Wifi. Ist klar, wofür Paula plädiert...Wir freuen uns über die Gastfreundschaft und versprechen das Angebot anzunehmen. So kommt zum ersten Mal unser Adapter “britischer Stecker auf CE” zu Einsatz.
Bevor wir uns auf dem kleinen Parkplatz häuslich niederlassen fahren, wir nach Tarbert und schauen ob man uns dort im Hotel was zu Essen gibt. Ist leider nicht der Fall und wir probieren unser Glück auf Scalpay, allerdings auch ohne Erfolg. Für die Nacht stellen wir uns dann an den kleinen Laden und werfen die Bordküche an. Den Blick auf’s Meer gibt es hier auch noch dazu.
Unser letzter Tag auf den Äußeren Hebriden bricht an und da unser Schiff erst gegen Mittag fährt, fahren wir noch ein Stück der “Golden Road”, die von kurz hinter Tarbert bis nach Rodel im Süden der Insel führt. Das Stück hatten wir letztes Jahr ausgelassen. Da die Sonne erst kurz über dem Horizont steht, bietet die Strasse ein phantastisches Panorama auf die Insel Skye. Leider müssen wir uns ein wenig beeilen, um die Runde zu schaffen.
Golden Road
Erfreulich ist, dass das Rodel Hotel anscheinend einen neuen Investor gefunden hat, denn es wird kräftig gebaut und renoviert. Hoffentlich werden hier nicht nur Ferienwohnungen angelegt. Trotz der knappen Zeit halten wir oft an, um Fotos zu machen. An manchen Motiven kann man einfach nicht vorbei fahren. Wir sind auf die Minute pünktlich wieder an der Fähre in Tarbert. Auch diese Fähre ist wieder vollkommen ausgebucht.
viele verbringen die Fährfahrt schlafend :)
Uig/Skye
Um kurz nach eins sind wir nach einer ruhigen Überfahrt wieder in Uig und fahren über Portree, Spean Bridge nach Fort William. Hier hat nun auch der Aldi nach langer Bauzeit geöffnet, das nutzen wir natürlich auch sofort. Ich muss meine GG sozusagen aus dem Laden rausziehen, ist doch hier der WSV für die britische Weihnachtsdeko in vollem Gange. In Fort William steppt der Bär, alle Restaurants sind gut gefüllt und nur mit einer halbstündigen Wartezeit bekommen wir einen Platz. Erstaunlich viele Asiaten besuchen anscheinend im Winter Schottland, schon auf dem Weg vorbei an der Woolen Mill in Spean Bridge sind uns schon zwei Reisebusse mit Asiaten aufgefallen. Auch hier in Fort William sind die Hälfte der Gäste im Restaurant Asiaten, schon komisch. Da die Womoparkplätze in Fort William ein Übernachten verbieten und auch recht laut an der Hauptstrasse gelegen sind, stellen wir uns für die Nacht an das Visitor Center vom Ben Nevis im gleichnamigen Glen.
in Fort William steppt der Bär
Alleine sind wir nicht, fünf andere Wohnmobile kommen auf die gleiche Idee.
Recht früh am nächsten Morgen wird es auf dem Parkplatz dann aber ziemlich belebt, da die ersten Wanderer zum Ben Nevis aufbrechen. Der Gipfel liegt in Wolken und ab etwa 600 Meter fängt der Schnee an. So eine Winterbesteigung wäre natürlich schon der Hit, wenn ich nur gehen könnte.
Für den heutigen Tag haben wir eine ziemliche Strecke geplant. Wir wollen es bis nach Birmingham schaffen, um uns morgen Englands zweitgrößte Stadt anzuschauen. Von Fort William geht es durchs Glen Coe, über Bridge of Orchy, am Loch Lomand vorbei bis nach Glasgow. Hier beginnt dann die Autobahn und wir kommen wieder einigermaßen zügig voran. Die Gurkerei durch Schottland ist zwar schön, aber wenn man irgendwo ankommen möchte schon ein wenig nervig. Kurz vor achtzehn Uhr erreichen wir dann recht erschlagen den Campingplatz Chapel Lane Caravan and Motorhome Club Site. Mit 43 £/Nacht ist der Preis für Nichtmitglieder schon recht ambitioniert. Zum Glück wird unsere “International Camping Card vom ADAC” als Mitgliedslegitimation anerkannt und der Preis reduziert sich auf 27£ / Nacht. Der Platz ist recht groß und ziemlich gut besucht. Wie immer bei diesen Club-Plätzen sind die Anlagen in einem Top Zustand, die Duschen sind sauber und fördern jede Menge warmes Wasser. Den Abend verbringen wir dann in dem nahe gelegenen “Coach and Horse” in Weatheroak Hill. Das Essen ist so lala, aber das Bier aus der hauseigenen MicroBrewery ist lecker. Man merkt, dass der drohende Brexit schon das beherrschende Thema ist.



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Juni 2025