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Wie immer schöne Berichte und Bilder, danke dafür. Leider ist da eine Reise, die ich nie nachfahren kann. Deshalb warte ich auf den ausführlichen Reisebericht.
Auf dieser Reise wurde die große Heckklappe sehr oft benutzt um auf "dem Balkon" zu frhstücken oder das Abendbrot zu essen. Denn zum einen hatte es ab Sibirien eine ziemliche Hitze (da sitzt man gerne draußen), zum anderen sind wir mit unseren Wohnmobilen das ausgemachte Ziel von neugierigen Eingeborenen (insbesonders die Chinesen haben sich da hervorgetan) und diese stehen ungeniert während des Essens auf Armlänge herum und schauen einem in die Teller was man gerade isst. Am liebsten würden sie sich einen Löffel schnappen und mitessen.... Wenn wir aber mit geöffneter Heckklappe auf unserem Balkon sitzen, dann kann uns niemand so nahe auf die Pelle rücken! Auch heute - wir waren gerade in Samarkand/Usbekistan - haben wir bei 22°C wieder bei geöffneter Klappe gefrühstückt. Habe die Ehre Gogolo Lange nichts von Gogolo gehört :?:
Die sind doch wohl nicht in der unendlichen Weite der Taiga verloren gegangen :roll: Dieter Hatte ich gestern auch schon gedacht :?
Weder Fuchsens waren seither online noch Arthur Denke aber, es ist nur ein Funkloch :) So eine grosse Gruppe kann ja nicht einfach so verschwinden Danke Ina, finde es immer spannend.
Hallo Ina, auch von mir ein Danke für den Link ! Internet ist in Usbekistan und Turkmenistan sehr rar bzw. unmöglich. Darum kommt auch jetzt erst der nächste Bericht – dafür ist dieser länger geworden.
Usbekistan – hier fing alles im Jahre 2004 an. Wir waren damals mit einer Reisegruppe dort und u.a. auch in dem historischen Ort Buchara. Mittags saßen wir am zentralen Stadtplatz (Labi-Hauz) am Teich unter Bäumen in einem Lokal. Plötzlich hörte ich das Wummern größerer Trucks und als ich mich umsah, sah ich zwei MAN-Wohnmobile aus Fürstenfeldbruck. Ich bin wahrlich kein neidiger Mensch, aber in diesem damaligen Augenblick war ich richtig neidig auf diese Leute, die mit ihrem eigenen Fahrzeug die Seidenstraße befuhren und ich sagte zu meiner Frau: „die Seidenstraße mit einem wohnmobil befahren, das möchte ich auch machen.“. Und das war die geistige Geburtsstunde unseres Gogolobils! Und jetzt sind wir hier und machen das! Ich bin total begeistert! Aber zurück zur Einreise: es dauerte insgesamt für die ganze Gruppe von 9 Uhr morgens bis 20 Uhr abends, ohne dass weitere Fahrzeuge das Procedere behindert oder die Grenzbeamten von der Arbeit abgehalten hätten. Wir fuhren dann noch weiter ins Fergana-Tal, wo uns am Stellplatz ein alter Mann den ersten usbekischen Plov am offenen Feuer zubereitete. Klar, dass ich dabei zusah und mir das Rezept und die Zubereitungsart notierte. Das kann ich dann nachkochen, wenn mal Gäste zu uns nach hause kommen (sobald wir wieder zurück sind). Wenngleich es über 90 verschiedene Rezepte und Zubereitungsarten für Plov geben soll – je nach Region und Anlass. Ihr könnt ja mal im Internet nach Plov googeln, das ist ein Gericht aus Lammfleisch, Zwiebeln, Gelberüben, Trockenfrüchte und Reis, gewürzt mit Salz und Kreuzkümmel – und zubereitet wird er/es in Usbekistan traditionell nur von Männern. Schmecken tut er/es einfach köstlich. Ganz hervorragend ist auch der usbekische Gelberübensalat, angemacht nur mit Salz, etwas Zucker und Essig, Öl, aber versetzt mit viel frisch gehacktem Dill, der hier in großen Stauden wächst.
Durch das grüne Fergana-Tal fuhren wir am nächsten Tag in die Hauptstadt Taschkent. In manchen Reiseführern wird das Fergana-Tal als ein „muss“ angesehen, aber so spektakulär haben wir es nicht empfunden, insbesondere wenn man gerade aus Kirgisien mit diesen herrlichen Landschaften kommt. Das Fergana-Tal ist halt die einzige große, grüne Lunge Usbekistans mit vielen landwirtschaftlichen Flächen. Die Highlights Usbekistans sind halt die alten Städte auf der Seidenstraße. Taschkent selbst ist total modern, wurde es doch im April 1963 von einem gewaltigen Erdbeben fast vollständige zerstört. Auf der Fahrt dorthin war auf einer Passhöhe ein großer Stau wegen einer Polizeikontrolle mit Registrierung. Und bei der Abfahrt vom Pass fuhr das Gogolobil etwas zu schnell (statt 50 wurden 62 km/h geblitzt) und die Polizei stoppte uns schon wieder. Nach einigem Hin- und Her kamen wir mit 10€ (Euro wohlgemerkt) Schwarzgeld für den Polizisten mit einem blauen Auge davon. Das mit dem Euro war sein Vorschlag unter zwinkern mit dem rechten Auge… Die weitere Strecke führte uns auch direkt durch einige schöne, exotische Straßenmärkte. Taschkent (zwei Tage Aufenthalt) hat sich seit unserem letzten Besuch sehr stark verändert. Die Straßen sind breiter geworden und so manches Bauwerk steht nicht mehr sondern ist einer Bank oder einem Bürogebäude gewichen. Auffallend in ganz Usbekistan ist die außergewöhnliche Sauberkeit in den Straßen und auf den Plätzen. Da liegt kein Papier oder Zigarettenkippe herum, kein Graffiti verunstaltet die Wände von Gebäuden oder U-Bahn (in Taschkent). Selbst in den kleinen Dörfern auf dem Lande ist es sauber, wenngleich manchmal sehr staubig. Die Temperaturen betrugen übrigens in ganz Usbekistan tagsüber immer über 30°C, nachts kühlte es doch ganz schön auf rund 10°C ab. Samarkand war das nächste zweitägige Ziel auf unserer Reise. Samarkand ist meine Lieblingsstadt in diesem Land. Samarkand mit seinem wunderschönen Registan, dem Gur-Emir-Mausoleum mit dem Grab des usbekischen Nationalhelden Timur, dem bunten, großen Markt. Wobei letzterer seit unserem Besuch 2004 ebenfalls stark modernisiert wurde und seinen ursprünglichen Charakter veränderte. Ferner die alte, prächtige Gräberstadt Shohizinda. Überall sind die berühmten Kuppeln mit den blaugrünen Kacheln zu sehen – dazu ein strahlend blauer Himmel. Wuchs früher noch Gras zwischen den Kacheln auf den Kuppeln, so sind diese heute total restauriert und glänzen wie neu. Insgesamt haben aber alle Städte durch diese Restaurierungsarbeiten Unterwegs nach Buchara war auf den Feldern die Baumwollernte in vollem Gange. Schulkinder und Studenten gehen vormittags zur Baumwollernte und winken uns beim vorbeifahren fröhlich zu. Alle sind total nett, freundlich und Fremden gegenüber aufgeschlossen.
Vor der Stadt lies ich mir für umgerechnet 7,50€ das Gogolobil total waschen (außen und innen das Führerhaus incl. Fenster). Buchara (hier waren wir ebenfalls zwei Tage) selbst mit der gewaltigen Festungsmauer ist immer wieder beeindruckend, wenngleich auch hier restauriert und gebaut wurde. Aber Labi-Hauz hat sich nur unwesentlich verändert und wir aßen im gleichen Restaurant wie damals. Gogoline hat sich im Markt ein langes Kleid für den Iran gekauft, denn dort müssen alle Frauen züchtig herumlaufen.
Die Wüste Kizilkum musste nach Buchara auf dem weiteren Weg in Richtung Chiva durchquert werden. Waren die ersten 200km der Straße noch relativ gut (russischer Asphalt), wurden dann die nächsten 150km zur Qual (insbesondere für die Weißware ein Alptraum), denn diese Strecke war total Baustelle und Schlaglöcher sowie tiefe Sandpassagen waren die Regel. Und das ganze bei 34°C! Wir sind vorausgefahren und standen ganz alleine an einem schönen Kanal mit Sonnenuntergang. In unserer Futterkiste waren noch eingelegte Trüffel und so verwöhnte ich am Abend meine Gogoline mit hervorragenden Trüffelspaghetti.
Chiva ist der letzte Ort der Seidenstraße auf dem Gebiet von Usbekistan und ebenfalls von einer großen Stadtmauer umgeben. Wir standen dort zwei Tage auf einem Hotelparkplatz unmittelbar an dieser Mauer. Die Altstadt innerhalb der Mauern ist auch sehr schön restauriert. Allerdings sind hier schon auch andere Touris unterwegs – aber wir selbst sind ja mit unseren Wohnmobilen unabhängig und gingen zu Zeiten in die Stadt, wo keine Touris auf den Straßen sichtbar waren. Am Abend sollte man aber schon eine Taschenlampe dabei haben um wieder zurück zu finden, denn Straßenbeleuchtung ist Fehlanzeige.
Einkaufen in den Märkten Usbekistans macht viel Spaß, auch das handeln um den Preis. Manchmal lies ich es auch bleiben, denn die Preise sind derart niedrig, dass ich mir beim handeln schäbig vorkommen würde. Mit dem usbekischen Geld ist es eine andere Sache. 2600 usbekische Sum = 1 Euro. Der kleinste Geldschein ist 1000 Sum. Beim tanken zahlten wir beispielsweise 113400 Sum, da dauert das Geldzählen dann länger als der Tankvorgang. Allerdings kostet der Diesel auch nur umgerechnet 57 €ct/Liter. Aber der große Packen usbekischen Geldes dafür ist gewöhnungsbedürftig. Zum essen/einkaufen gingen wir immer mit rund 2cm Geld um auch genügend dabei zu haben. Auch die Schäden an den Fahrzeugen häufen sich jetzt. Die schlechten Straßen und manchmal auch die Fahrweise verlangen ihren Tribut. Einige Reifenschäden sind noch das harmloseste – auch beim Gogolobil ist offensichtlich die Spur leicht verzogen und die Vorderreifen fahren sich außen etwas einseitig ab (in Taschkent habe ich daher die Reifen auf der Felge drehen lassen). Vom Rahmenbruch (zwischenzeitlich gerichtet und verstärkt) des Fahrzeugs des Reiseleiters habe ich schon berichtet, jetzt ist bei ihm noch eine Blattfeder des Nissans gebrochen. Neu ist ferner ein gebrochenes Federbein (das andere soeben auch gebrochen), ein defektes Differential, eine verschlissener Zahnriemen, eine abvibrierte Auspuffaufhängung, zwei kaputte Frontscheiben und diverse Kleinschäden durch Vibration. Bei einigen Serienfahrzeugen mit wenig Bodenfreiheit oder großen Überhängen gingen schon mal der Frontspoiler bzw. die Heckschürze zu Bruch oder die Aufhängung der Anhängerkupplung verbog sich. Auch einige Wasserpumpen der Frischwasserversorgung verabschiedeten sich ins Camper-Nirvana. Eine Windböe hebelte eine Markise aus – diese blieb dann in Westchina liegen. Von den schlechten Straßen und den Vibrationen ist auch so manches Geschirr und Lebensmittelverpackung betroffen – wir sind bislang davon verschont geblieben (den langen Federwegen und den guten Blattfedern des Gogolobils sei Dank). Der Luftfilter wurde schon bei allen Fahrzeugen gewechselt bzw. ausgeblasen, denn in den Wüsten war immer Sand und Staub in der Luft. Was die Dieselversorgung betrifft, so war sie bislang (vor Usbekistan) recht gut und günstig. In Usbekistan dagegen ist es mit der Versorgungslage etwas schwierig, da derzeit Baumwollernte ist und sämtlicher Diesel rationiert bzw. für die Erntemaschinen reserviert wurde. Trotzdem gelang es uns immer wieder an den abenteuerlichsten Tankstellen Diesel aufzutreiben. Die Qualität des Kraftstoffes ist sehr unterschiedlich. Manch einer von uns hatte schon schlechtes Diesel getankt und musste den Dieselfilter wechseln und den Tank abpumpen. Oftmals gingen die modernen Motoren deswegen auch auf „Störung“, was sich meistens aber wieder von selbst regelte. Reservediesel- und Ölfilter kamen auch schon zum Einsatz. Als nächstes lag der Grenzübertritt nach Absurdistan – oder auch Turkmenistan genannt (wer kennt schon Turkmenistan???). Und warum ich Absurdistan sage, wird deutlich, wenn ihr den Bericht über die Hauptstadt Ashgabat lest. Wenn man den Angaben unseres Reiseleiters glaubt, dann geht es hier total bürokratisch zu und alle Angaben aus den Pässen und Visa sowie Fahrzeugschein werden mit der Hand von den Grenzbeamten einzeln eingetragen. Mit langen Wartezeiten muss daher gerechnet werden, aber das sind wir ja schon gewohnt. Und es war auch tatsächlich so: drei Beamte füllten für jedes Fahrzeug einzeln die Grenzdokumente in gestochener, computerlesbarer Schrift aus, zeichneten die vorgeschriebene Reiseroute (man darf davon nicht abweichen) aus und füllten die Formulare für die obligatorische Haftpflichtversicherung aus. Zu guter Letzt wurde die Rechnung präsentiert und jeder musste auch einzeln 241 $ für das Fahrzeug sowie 10 $ pro Person bezahlen. Alles zusammen dauerte für die Gruppe mit Ausreise aus Usbekistan und Einreise nach Turkmenistan sieben Stunden. Nach Aussage unseres Reiseleiters war das relativ schnell … Der Diesel in Turkmenistan ist sagenhaft günstig: 0,16 €ct/Liter!!! Da macht tanken Spaß – ehrlich. Bei der Ausreise werde ich alles was geht und möglich ist volltanken. Der günstige Diesel ist nur möglich, weil dieser vom Staat subventioniert wird. Überhaupt bekommt jeder Turkmene Wasser, Strom, Salz und Gas kostenlos vom Staat, auch 120 Liter Treibstoff werden monatlich kostenlos abgegeben. Für das wohnen in den alten Gebäuden aus der Zeit der Sowjetunion zahlt man jährlich! nur 9$ Miete. So hält der Staatspräsident das Volk bei Laune. Aber ansonsten haben die Leute in Turkmenistan nichts zu lachen, alles ist reglementiert. Überall Polizei und Überwachung. Tempolimits werden scharf überwacht und fotografieren darf man auch nicht alles – eher wenig. Alles was eine Uniform anhat oder Gebäude, auf denen die Staatsflagge weht, Kasernen, Grenzgebiet, Flughäfen, Brücken: Fotografierverbot. Jetzt ist mir klar, warum die Welt so wenig von Turkmenistan/Absurdistan weiß. Nach der Grenze fuhren wir zu einem kleinen Ort, wo ein religiöses Heiligtum zum Besuch einlädt. Wir übernachteten am Parkplatz und im letzen Abendlicht waren die Gebäude ganz besonders schön anzusehen. Dann ging es wieder in eine Wüstendurchquerung von Nord nach Süd: die Wüste Karakum (schwarze Wüste). Gnadenloser sowjetischer Asphalt bzw. die wenigen Brocken, die davon übrig geblieben sind, machten die Fahrt zu einer echten Tortour. Selbst mit dem Gogolobil konnte ich gerade einen Schnitt von nur 35 km/h fahren, damit das Fahrzeug keinen Schaden nimmt. Erst nach ca. 100km wurde dann die Straße besser. In der Mitte der Wüste blieben wir bei einem gigantisch großen und spektakulären Feuerkrater und feierten ein kleines Grillfest. Zu diesem Feuerkrater gelangte man von der Hauptstraße aus über eine sehr sandige Piste, die für die zweiradangetriebene Weißware total ungeeignet war. Lediglich das Gogolobil, drei Toyota-Pickups und zwei Mercedes-Allrad schafften es bis zum Kraterrand. Der Rest der Truppe wurde von Allrad-Bussen dorthin gebracht.
Nach der Wüstendurchquerung kommt gleich die Hauptstadt Ashgabat. Eine pompöse, surreale Stadt, die sich da der erste Staatspräsident, Turkmenbashi (Vater aller Turkmenen) genannt, hat bauen lassen. Die Straßen sind dreispurig in jeder Fahrtrichtung und entlang den Hauptstraßen stehen pompöse neue Gebäude (Büro- und Wohngebäude - größtenteils unbewohnt!) um den Reichtum des Staates zu zeigen. Die Fassaden – selbst die der leerstehenden Wohngebäude sind mit weißem Marmor überzogen (kostet so rund 6-9 Millionen US$/Gebäude). Überall konnte man auch das Konterfei des Präsidenten sehen, sowohl auf Plakaten als auch auf Denkmälern. Überall sind Parks mit Springbrunnen und Bänken – nur ist niemand darin. Keine Menschen auf den Straßen und in den Parks, alles fast wie ausgestorben. In der Mitte der Stadt befindet sich ein großes, modernes Einkaufszentrum. Hier kann man wirklich alles kaufen, was das Herz begehrt. Käse aus der Schweiz und Holland, Barilla-Nudeln, dunkles Brot, Schokolade aus Deutschland…und alles zu sehr moderaten Preisen (aus deutscher Sicht). Subventioniert wird alles vom Staat aus den Einnahmen der Erdölquellen um das Volk ruhig zu halten. Internetverbindungen ins Ausland funktionieren dagegen nicht und auch unsere Handy gehen nicht da in Turkmenistan keine Roamingverträge mit ausländischen Anbietern abgeschlossen werden. Es wird also einerseits versucht, das Volk gegenüber dem Ausland abzuschotten und das Wissen gering zu halten, andererseits werden „Geschenke“ (s.o.) großzügig verteilt. Die Stadt kann man vom pompösen Aufwand her gut mit Las Vegas vergleichen. Ein wenig außerhalb der Stadt hat sich der erste Staatspräsident ein eigenes Mausoleum mit gigantischer Moschee bauen lassen. Auch hier alles vergoldet und mit weißem Marmor. Überall stehen Denkmäler und Statuen vom ersten Präsidenten (vergoldet natürlich). Turkmenbashi hat auch ein Buch geschrieben, welches die Bibel für alle Turkmenen sein soll. Auch heute noch wird das Wissen über den Inhalt des Buches selbst bei Einstellungsgesprächen abgefragt. Für das Buch wurde sogar ein großes Ehrendenkmal mitten in der Stadt errichtet. Das Wasser wird in den Springbrunnen und Bewässerungsanlagen der Hauptstadt verschwendet, man zapft halt einfach des Kaspische Meer an und baut einen gigantischen Kanal dafür. Auch nachts ist die Hauptstadt durch unzählige Lichter und Strahler kitschig beleuchtet. Wichtige Prachtstraßen im Stadtzentrum haben sogar beleuchtete, befahrbare Mittelstreifen aus Milchglas. Die Ampelanlagen sind aus V2A-Stahl, glänzen in der Sonne und haben ganz moderne Leuchten mit LED und Sekundenzählwerk. Die Versorgung mit Krankenhäuser und Schulen sowie der Zustand der Straßen außerhalb des Gebietes der Hauptstadt dagegen stecken noch in den Kinderschuhen. Irgendwie ist alles total surreal – Absurdistan in Reinform lässt grüßen.
Überall im Lande sind Polizeikontrollen und selbst in der Wüste stehen hinter den vereinzelten Büschen Polizisten und kontrollieren mit der Radarpistole streng die Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit. Auf dem Weg nach Mary, unserem nächsten und letzten Ziel in Turkmenistan, aber auch schon vorher sahen wir einige Kontrollen auf den Straßen. Auch ich wurde einmal zur Passkontrolle angehalten. Diese Straßen waren zunächst in der Umgebung der Hauptstadt noch recht gut ausgebaut, je weiter wir aber in Richtung Mary kamen desto schlechter wurde der Zustand – bis hin zum oben erwähnten sowjetischen Asphalt. Die rund 340 Tageskilometer zogen sich bei 31°C zäh über acht Stunden hin. Fahren in Turkmenistan als Ausländer ist stark reglementiert. Schon bei der Einreise wird auf einem Formular die Strecke eingezeichnet, die man fahren darf. Davon darf keinesfalls abgewichen werden – darüber wachen drei Sicherheitsbeamte, die uns begleiten. Wir fahren zwar nicht im Konvoi, aber die Gruppe muss sich innerhalb eines Zeitfensters auf einer vorgeschriebenen Route bewegen. Bei der Ankunft auf Hotelparkplätzen werden die Pässe und Fahrzeugdokumente zur Registrierung eingesammelt. Alles wird überwacht. Vor was haben die Turkmenen eigentlich solche Angst? In Mary besichtigten wir im Rahmen eines Tagesauflugs die Ausgrabungen von Merv, der alten Seldschukenhauptstadt. Darauf habe ich allerdings verzichtet, da ich vor dem Iran mal beim Gogolobil alle Schrauben und Verbindungen aufgrund der bisherigen Rüttelei kontrollieren wollte (gottseidank nichts Besorgniserregendes gefunden). Am Abend wurden dann sämtliche Alkoholvorräte „vernichtet“, denn bei der Ausreise in den Iran am nächsten Tag dürfen keine Alkoholika und auch kein Schweinfleisch an Bord sein (gut dass die Iraner nicht wissen, .dass meine künstliche Herzklappe vom Schwein stammt, sonst dürfte ich wohl nicht einreisen). Wir standen mit unserem Mobilen wieder bei einem Hotel und in der Nähe war auch ein parkplatz für die großen Lkws u.a. aus dem Iran. Direkt bei uns – nur durch eine kleine Baumreihe getrennt – war ein Nebeneingang zu einer im Hotelgebäude befindlichen Rotlichtbar. Die Mädels fanden uns wohl ganz interessant und kamen zu einem kleinen Plausch zu uns und haben uns und unsere Fahrzeuge fotografiert. Das Treiben der Fernlastfahrer in der Bar fanden dagegen wir hochinteressant… Zum Grenzort nach Iran mussten wir wieder ein großes Stück der Rüttelstrecke zurück fahren und standen dann nach der überraschend wenig bürokratischen Ausreise (unterstützt durch örtliche Reiseleitung und Sicherheitsdienst) im Zollhof zwischen Turkmenistan und Iran. Wurde uns von unserem Reiseleiter prophezeit, dass die Kontrollen an der iranischen Grenze sehr streng sind und vor allem nach alkoholischen Getränken (Verstöße werden angeblich wie Rauschgiftvergehen geahndet) und der Einfuhr von Schweinefleisch gesucht wird. Umso überraschter waren wir, dass nur das erste unserer Fahrzeuge sehr streng kontrolliert wurde, das zweite Fahrzeug schon weniger, das dritte Fahrzeug (wir mit unserem Gogolobil) und auch die weiteren Fahrzeuge wurden gar nicht mehr kontrolliert. Es erwartete uns schon das iranische Team, das uns die Formalitäten mit dem „Carnet de Passage“ abnahm, 1.450.000 Rial (=100€) als Startgeld in die Hand drückte, sich um die obligatorische Haftpflichtversicherung für den Iran kümmerte und uns eine Tankkarte mit 300 Liter Dieselguthaben besorgte. Das alles nahm natürlich für 18 Fahrzeugbesatzungen viel Zeit in Anspruch und so kamen wir trotz der guten Vorbereitung erst mit Einbruch der Dunkelheit aus dem Zollhof heraus. Übernachtet haben wir dann in einem Hotelhof gleich in der Nähe der Grenze. Auch die Uhren mussten wieder umgestellt werden – wir sind im Iran nur mehr 1,5 Stunden der deutschen Zeit voraus. Auch Gogoline musste sich umstellen und schon ab der Grenze nun ein Kopftuch tragen und knöchelbedeckende Kleidung. Über den Iran werde beim nächsten mal eingehend Berichten, sind wir doch rund drei Wochen hier. Nach den Reiseberichten und –beschreibungen soll das ein ganz tolles Land sein mit unendlich viel Kultur – leider mit einer gestörten politisch-religiösen Führung. Leiden können diesesmal nicht so viele Bilder mitgesandt werden, da das hochladen unendlich lange dauert. Viele in die Heimat. Habe die Ehre Gogolo Sehr schöne Bilder, sieht ja schon alles sehr orientalisch aus.
Und jetzt weiss man warum das Kaspische Meer inzwischen so klein ist..... Wie immer : einfach nur toll ... :daumen2: Hallo Gogolo,
danke, dass Du Dich gemeldet hast. Dein Bericht ist wie immer hochinteressant. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung! :daumen2: Hallo Gogolo,
schön wieder von Dir zu hören und die tollen Fotos anschauen zu können. Wünsche Euch weiterhin gute Reise. Ich muss noch ein paar Bilder nachreichen:
Samarkand:
Unterwegs:
Turkmenistan:
Habe die Ehre Gogolo und wieder ein ganz herzliches Danke für diesen Bericht und die Bilder. Wünsche euch weiterhin gute Fahrt und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung. schön, dass es euch gut geht und wieder vielen Dank für die tollen Bilder und Berichte!! :)
Besonders Chiva finde ich sehr beeindruckend.
Hier noch ein paar Bilder aus Chiva:
Habe die Ehre Gogolo Herzlichen Dank, dass ihr uns immer wieder teilnehmen lasst an eurer beeindruckenden langen Reise. Deine Informationen über die fremden Länder, von denen ich bis jetzt zum Teil nur wenig bis gar nichts wusste sind mal wieder hochinteressant. Weiterhin wünsche ich euch eine gute und unfallfreie Reise und eine gesunde Rückkehr irgendwann einmal.
Liebe aus der Heimat monana :dankeschoen: Ich bin ganz überwältigt von den grandiosen Bildern. Ganz besonders beeindruckend finde ich das Regenbogenfoto nach dem Crash mit dem Eisenpfosten.
Du erwähnst immer wieder Deine praktische Heckklappe, hast Du bei geöffneter Klappe eigentlich kein Fliegenproblem? Ein wenig hoffe ich noch auf ein Foto von Gogoline im "züchtigen Gewand". :D Danke Maxima für die Rückmeldung.
Wenn die Fliegen oder Mücken zu arg waren (war recht selten der Fall), dann blieb die Klappe zu. Ansonsten wurde sie eifrig eingesetzt, denn draußen etwas essen war nicht so prickelnd weil zig Eingeborene (besonders in China) rumstanden und ins Teller starrten. Züchtige Kleidung - anbei ein Schnappschuss:
In Mashad zum Besuch des Mausoleums des Imam Reza mussten die Frauen sogar die Burka tragen.... Habe die Ehre Gogolo Der A. aus I. hat kürzlich wieder mächtig Rabatz bei der UN gemacht, na ja, wird von ihm ja fast erwartet.
Viel Spass auf jeden Fall dort. Syrien geht ihr nicht hin, oder? Ich hoffe nicht. Die Bilder - auch die zusätzlichen - auf denen der Orient so richtig zuschlägt finde ich sehr schön. Die Kuppeln usw., leider teilweise kaputt. So manches Mobil kann man doch nach der Tour bestimmt verschrotten ?? :eek: :eek: :eek:
Danke für die tollen Bilder und das tolle Reisetagebuch!
Verschrotten wohl nicht - aber generalüberholen ist doch wohl angesagt. Auch ich werde das Gogolobil nach der Rückkehr zu Iveco bringen (Klimaanlage!!!) und auch bei Bimobil meinen "Rempler" richten lassen. Insgesamt ist zu sagen, dass zwar im Tourprospekt steht, dass diese Reise auch von "normalen" Wohnmobilen zu machen ist. Machbar im Sinne von Durchführbar ist es schon, aber mit einem hohen Schadensrisiko. Ich würde aber als Veranstalter ehrlichkeitshalber hinzufügen, dass das Risiko für diese Fahrzeuge sehr hoch ist, Schäden vorprogrammiert sind und 4x4-Fahrzeuge sich eindeutig im Vorteil befinden. Habe die Ehre Gogolo Moin Gogolo,
Du bist doch noch garnicht wieder zu Hause von dieser einmaligen Reise. Lass Dich net einfangen von Überlegungen, die es Zweiflern ermöglichen, so etwas zu kritisieren. Du hast in erster Linie bzgl. Deiner grundsätzlichen Entscheidung Alles richtig gemacht. Bist um die halbe Welt gereist, hast Unvergleichliches erlebt und stellst Dich deshalb sicherlich nicht auf die Stufe mit Denen, die beim Wochenendausflug einen Totalschaden hatten. Ich werde eine ähnliche Reise unternehmen. Ganz klar mit Allradantrieb, kleinerem Womo als bisher und genauso sorglos wie Du. Denn mit ner vernünftigen Planung lässt man viele Sorgen außen vor. Vielen Dank für Deinen Reisebericht. Felix52 :) Fein zu lesen. Ich freu mich auf deine Berichte. Achtet auf euch und gute Weiterreise. @ Gogolo auch von mir herzliche Glückwünsche und weiterhin alles Gute auf der Reise. Material läßt sich immer reparieren oder ersetzen.
Nach der Reise das WOMO mal für einige Wochen abgeben ( so wie ich) und es repariert wieder bekommen. :hearts: Hallo Gogolo,
dies sind wirklich schönen Bilder und ein gelungener Reisebericht aus einer "anderen Welt". Ich weiß, wie mühsam es ist aus vielen Bilder und Eindrücken einen Reisebericht zu schreiben. Also nochmals vielen Dank für deinen Mühe und Zeit die du dir dafür nimmst. Liebe und gute Fahrt Christoph Danke Ina!!! wieder ein Dankeschön an dich Ina, tolle Bilder. So, nun sind wir im Iran gelandet. Liebe Leser, vergesst alles, was ihr bisher in den Zeitungen und im Fernsehen über das Land gelesen oder gesehen habt – es ist alles viel schöner und exotischer. Die Leute hier sind total freundlich und neugierig. Kontakte zu knüpfen ist extrem leicht. Ein freundliches „Salam“ zur Begrüßung genügt und wenn man dann noch ein paar wenige Brocken Farsi kann (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unsere Bekannte Afsaneh, die mir zwei Seiten mit den wichtigsten Wörtern aufgeschrieben hat) und noch mit Händen und Füssen versucht, sich verständlich zu machen, dann ist der Bann zwischen uns und den Einheimischen bald gebrochen.
Der Diesel ist zwar billig aber mit der obligatorischen, an der Grenze zu erwerbenden Tankkarte nicht ganz so einfach zu besorgen, denn die Tankstellen sind nicht so häufig. Eigentlich ist es nicht zulässig und üblich, aber es geht auch ohne Tankkarte in bar und billiger. So habe ich z.B. für 70 Liter Diesel nur 5,60€ bezahlt (mit Tankkarte hätte ich rund 15 € bezahlen müssen. Die Dieselzapfsäulen sind sehr leicht zu erkennen, da hier der Boden ziemlich mit dem Diesel versifft ist weil es aufgrund des billigen Sprits nichts ausmacht, wenn mal ein Liter oder mehr hinausläuft. Die Straßen – selbst die Nebenstraßen in der Wüste und in den Bergen - sind in einem sehr guten Zustand auf europäischem Niveau. Im Norden ist es trotz der Jahreszeit Ende September mit 25°C noch recht warm und trocken, im Süden dagegen mit knapp 40°C (bei 95% Luftfeuchtigkeit) doch recht unangenehm heiß. Der Zugang zum Internet ist auch nicht einfach, sind doch zum einen nur wenige Internetcafes vorhanden (und auch oftmals aufgrund der Schrift nicht als solche erkennbar), zum anderen sind vom politischen System viele Kommunikationsseiten einfach gesperrt. WLAN ist sehr selten – und freies WLAN eine absolute Rarität. An der iranischen Grenze wurden nur die ersten drei Fahrzeuge eingehend auf die Mitnahme von verbotenem Alkohol durchsucht. Ich war das vierte Fahrzeug und konnte ohne Kontrolle durch fahren. Gut dass ich bei der „Vernichtungsaktion“ vor der Grenze mit dem Schweinefleisch nicht so konsequent war – jetzt habe ich noch ein paar Dosen Leberwurst und Schinkenwurst in meinen Vorräten. Auch sonst liefen die Grenzformalitäten dank des iranischen Guideteams recht problemlos und schnell ab, so dass wir schon am ersten Tag an der Grenze komplett mit den Turkmenischen und iranischen Behörden fertig waren. Die erste Stadt, die wir im Iran besichtigten, war Mashat (zweitgrößte Stadt im Iran – 2,8 Mio. Einwohner), eigentlich die wichtigste religiöse Stadt im Iran, da dort die Grabstätte des Iman Reza liegt. Schon bei der Einfahrt erfuhren wir, dass der Verkehr im Iran sich gänzlich von dem unterscheidet, was wir bisher erlebt hatten. Hupen, drängeln, überholen an den unmöglichsten Stellen, Vorfahrt nehmen, ist an der Tagesordnung. Mopedfahrer drängeln sich zwischen den Fahrzeugen durch auch wenn nur ein Spalt von 50cm zwischen den Fahrzeugen ist. Hohe Konzentration beim Auto fahren ist angesagt. Aber auch das Gogolobil hat eine laute Presslufthupe!!! Und diese wird auch verstärkt eingesetzt. Die Iranerinnen trugen hier alle schwarze Chador-Umhänge. Auch die Touristinnen unserer Gruppe mussten einen derartigen Umhang (aber nicht in schwarz) tragen. Das gab ein lustiges Bild und die Iranerinnen lachten sehr freundlich dazu. Trotzdem war der Tag in Mashad ein richtiger Flop, denn das örtliche Reiseleiterteam hat alles an diesem Tag schlecht geplant. Wir konnten weder die Moschee innen besichtigen noch war es möglich ein Internetcafe aufzusuchen, auch das Mittagessen fiel aus. Und gerade als auf dem großen Platz vor der Moschee das gemeinsame Gebet von tausenden Pilgern begann mussten wir leider wieder gehen.
Am nächsten Tag stand eine der längsten Fahrstrecken unserer Reise an: 540km nach Tabas. Und das bei 36°C. Allerdings war die Landschaft wahnsinnig beeindruckend durch die Wüste Kavir, weite steinige, farbige Fels- und Sandformationen und Orte mit Lehmhäusern. Wir standen nach der Ankunft in einem Park wohin auch einheimische Familien kamen, sie breiteten Teppiche auf dem Boden aus, kochten Essen und Tee und verbrachten hier den Abend. Gegenüber dem Park war auch ein Schrein mit dem Grab des Bruders von Imam Reza (der aus Mashat). Dieses mal war es aber problemlos möglich, auch in die Moschee zu gehen. Ein Bediensteter in der Moschee erklärte uns alles auf englisch.
Der Iran ist auch das Hauptland der Zoroastrier (Anhänger des Zarathustra), und so fuhren wir zu einem Feuertempel nach Chackchack. Wieder war die Landschaft ganz großartig, aber draußen hatte es 40°C und gottseidank ging unsere Klimaanlage wieder einwandfrei. Sonst wäre die Fahrt trotz der beeindruckenden Landschaft ein Quälerei geworden. Immer wieder kamen sowohl bei unseren Rastplätzen aber auch am Abend am Stellplatz interessierte und freundliche Menschen zu uns und es war überraschend, wie viele sehr gut englisch sprachen.
Yazd war die nächste Station unserer Reise. Ebenfalls eine Stadt in der sehr viele Zoroastrier leben. Sie hatten in früheren Zeiten so genannte „Türme des Schweigens“ in denen nach dem Tode die sterblichen Überreste gebracht wurden wo sie dann von Geiern gefressen wurden – ähnlich wie die „Himmelsbestattungen“ in Tibet. Yazd ist ferner bekannt durch die Windtürme, die zur Kühlung der Häuser gebaut werden. Durch den ständigen Wind findet eine natürliche, effiziente Kühlung der Wohnungen über diese Türme statt. Eine weitere Besonderheit von Yazd sind auch die Süßigkeiten, die in dieser Stadt hergestellt werden – im Iran ist Yazd dafür berühmt. Die Süßigkeiten sind aber auch wirklich saugut, viel mit Zucker und Pistazien, Walnüssen, Safran und Sesam.
Auf dem Wege in Richtung Süden nach Kerman kamen wir an einer hervorragend restaurierten Karawanserei „Zeyn od Din“ vorbei. Viele Architekturstudenten haben die alten Gemäuer liebevoll und aufwendig restauriert und heute ist diese Karawanserei ein Hotel und Restaurant. Wir haben dort ein gutes zweites Frühstück genossen. Solltet Ihr mal in den Iran in diese Gegend kommen, dann wäre es fast eine Sünde, diese Karawanserei nicht zu besuchen. Man spürt hier richtig und unmittelbar den Flair der alten Zeit der Seidenstraße und kann sich richtig vorstellen, wie hier in alter Zeit das Handelstreiben war. Auch die weitere Fahrt war wieder hochinteressant, führte sie doch durch das größte Pistazienanbaugebiet des Iran (die besten Pistazien sollen von hier stammen). Natürlich kaufte ich uns unterwegs an einem kleinen Geschäft sehr günstig frische Pistazien. Auch konnten wir beim Pflücken der Früchte zusehen und auch diese fotografieren. Pistaziensträucher soweit das Auge reicht und es war gerade Erntezeit.
Einer der schönsten Basare haben wir dann in Kerman besucht und auch ein Teehaus, in dem traditionelle Musik gespielt wurde und die Einheimischen zur Wasserpfeife (ja, hier darf man noch rauchen!) ihren Tee tranken. Auch in Kerman gibt es noch Windtürme, denn die Hitze in der Wüste ist sonst im Sommer nicht zu ertragen. Ein Gruppenmitglied hatte in Kerman einen kleinen Unfall (Blechschaden) verursacht und so konnte gleich die obligatorische iranische Haftpflichtversicherung getestet werden. In Kerman konnte man auch schon ganz modern gekleidete junge Iraner sehen, allerdings trotzdem mit dem vorgeschriebenen Kopftuch. Kopftücher haben selbst die weiblichen Schaufensterpuppen auf…
In Kerman spaltete sich dann unsere Gruppe auf: die Hälfte wollte noch weiter in den Süden zum Persischen Golf nach Bandar Abbas fahren, die andere Hälfte von Kerman aus in Richtung Westen nach Shiraz, da die Hitze am Golf unerträglich (40°C bei 95% Luftfeuchtigkeit) sein soll, die Wassertemperatur soll 30° haben und die Frauen dürfen nur in voller Kleidung ins Wasser gehen. Wir haben uns entschlossen, dieser Hitze zu entfliehen, auf den Golf zu verzichten, rd. 1400km Fahrstrecke zu sparen und ins Gebirge zu fahren. Mit uns fuhren noch weitere acht Fahrzeuge der Gruppe und ein Guide.
Die Reisegruppe hat sich seit geraumer Zeit ohnehin in zwei Lager gespalten. Das eine „Lager“ besteht aus rd. vier Fahrzeugen und sind lauter notorische Nörgler. Sie haben an allem etwas auszusetzen. Ob das nun ein gekochter Hammel ist, der nicht schmeckt, ob in den Moscheen Kopftücher getragen bzw. die Schuhe ausgezogen werden müssen, ob ein Museeum geschlossen hat, ob an einem Standplatz kein Wasser oder Strom vorhanden ist, ob in einer Stadt kein Internetcafe ist – die Liste könnte unendlich lange fortgesetzt werden. Sie stecken ihre Köpfe zusammen um zu tuscheln und stehen mit ihren Fahrzeugen immer im Verbund und fahren auch oftmals gemeinsam schon früher ab um irgendwo anders zu übernachten. Offensichtlich hat es diese „Viererbande“ (wir nennen sie auch „Extrawürste“) darauf angelegt, einen Teil des Reisepreises zurück erstattet zu bekommen. Das andere „Lager“ – und wir gehören zu diesem – ist zufrieden mit dem Reiseverlauf und dem Service seitens des Veranstalters, ist lustig und freut sich der Dinge, die wir gesehen haben und noch sehen werden. Der Kontakt zwischen beiden „Lagern“ beschränkt sich auf das nötigste. Diese Entscheidung, nach Westen zu fahren, sollten wir nicht bereuen, da unsere Fahrt von Kerman aus nach Maymand ging, das ist ein 3000 Jahre altes Höhendorf mit noch aktiv bewohnten Höhlenwohnungen. Da dieses Dorf auf 2200m ü.d.M. liegt, ist die Temperatur sehr angenehm und die Nächte sind wunderbar kühl. Auch ein kleines Museeum und eine Moschee sind in die Felsen eingebaut. Wir waren dort mittags bei einer Familie eingeladen und tranken Tee, dazu Fladenbrot, Zwiebeln, Pistazien, Joghurt und Frischkäse.
Auch weiterhin ging die Fahrt immer wieder durch trockene Wüstengebiete, die aber durch Grundwasserpumpen (Diesel kostet im Iran fast nichts) stellenweise bewässert werden und dort werden auch neben den obligatorischen Pistazien auch Feigen, Granatäpfel und Mais angebaut und auch sonst Ackerbau und Viehzucht betrieben. Oberhalb eines großen Salzsees auf 2000m übernachteten wir in einem Feigenhain mit gigantischer Aussicht auf diesen blendend weißen Salzsee. Natürlich wird das Salz auch abgebaut und stapelt sich am Rande des Sees. Den stimmungsvollen Tag rundete ein schönes Lagerfeuer ab. Eine kurze Fahretappe brachte uns nach Shiraz, wo wir einen Tag vor der restlichen Gruppe eintreffen und uns einen Ruhetag gönnen. Wir stehen fast mitten im Zentrum in einem schönen Park, der zu einem Hotel gehört und haben hier alle Annehmlichkeiten (Strom, Wasser, Duschen) eines Campingplatzes. Da wir bei den Ersten waren, die eingetroffen sind, haben wir auch die schönsten Stellplätze im Schatten der Bäume. Ein Wermutstropfen ist allerdings auch dabei, denn ein Mitglied unserer Gruppe ist schwer erkrankt und muss auf dem schnellsten Wege nach Hause gebracht werden. Der chaotische iranische Straßenverkehr forderte ein weiteres Opfer: einem Gruppenmitglied wurde die hintere Stoßstange weggefahren – sie wurde aber wieder provisorisch für den Rest der Reise angebracht. Ferner fuhr ein Motorradfahrer einem anderen Gruppenmitglied beim Rechtsüberholen in die Aufbautüre – nur eine kleine Delle im Womo. Hatte ich bisher gedacht, dass der Straßenverkehr in Peking und Xian durch nichts zu toppen ist, so habe ich mich kräftig geirrt: der Straßenverkehr im Iran (insbesondere in Mashat und in Shiraz) ist noch viel unbeschreiblicher. Man muss hochkonzentriert sein und auch mal auf die Vorfahrt verzichten um eine Kollision zu vermeiden. Besonders ist auf die Moped- und Motorradfahrer zu achten, die jede Lücke gnadenlos zu ihren Gunsten auszunutzen versuchen und sich durch die schmalsten Lücken vorschlängeln.
Hier in Shiraz machten wir uns ein paar schöne ruhige Tage bei bestem Wetter und bei angenehmen Temperaturen bis die restlichen Gruppenmitglieder wieder zu uns gestoßen sind. Wir nutzten auch die Zeit für Wartungs- und Reparaturarbeiten an den Fahrzeugen denn wir haben schon auf dieser Reise knapp 30.000 Fahrkilometer auf dem Tacho und die Straßen fordern ihren Tribut. Rund 6.000 – 7.000 Kilometer werden es – je nach Fahrtstrecke - noch bis nach Hause sein. Und wir müssen alle unsere Fahrzeuge aus dem Iran herausbringen um die Kaution des Carnet de Passage (für das Gogolobil wurden schließlich 40.000€ beim ADAC für das Carnet hinterlegt) nicht zu verlieren. Bei solchen Wartungs- und Reparaturarbeiten helfen die meisten Gruppenmitglieder untereinander uneigennützig, das ist eine echt tolle Sache. Persepolis, die nächste Station unserer Reise, war einer der geschichtlichen und kulturellen Höhepunkte. Die Ausgrabungen und insbesondere die hervorragenden Steinmetzarbeiten sind von vielen Fernsehberichten her bekannt. Schließlich war Persepolis in vergangenen Zeiten während ihrer Hochkultur die Hauptstadt eines Königreiches. Auch die in der Nähe liegenden Felsengräber von Nagsh-e Rostam und Pasargadae durften nicht unbesichtigt bleiben.
Unser Weg führt jetzt immer weiter nach Norden (wo es merklich kühler, aber immer noch angenehm ist). Isfahan (rd. 1550m ü.d.M.) war das nächste Ziel. Die Provinz Isfahan grenzt an die Höhenkämme des Zagros-Gebirges und im Nordosten geht sie über in die Salz- und Geröllwüsten der Dasht-e Kavir. Die Landschaft war entsprechend interessant. In Isfahan ist besonders bemerkenswert der schöne, große Imam-Platz, der Chebel-Sofun-Palast (auch 40-Säulen-Palast genannt), die vielen gepflegten und wohlgestalteten Parks, die Khaju-Brücke und der Große Basar. Dort kauften wir auch einige Souvenirs und Süßigkeiten sowie Safran ein. Gerade an den Freitagen sind in den Parks viele iranische Familien beim Picknicken. Sie sind total freundlich und geben uns gerne etwas zum kosten von ihrem mitgebrachten Essen ab. Fotografieren ist nicht nur erlaubt, sondern manchmal sogar erwünscht.
Das Wetter ist noch immer hervorragend. Den letzten Regen hatten wir in China, ansonsten jeden Tag Sonnenschein von morgens bis abends. Der Hitze ist nun angenehme Kühle gefolgt, jedoch ist es nicht wirklich kalt, sondern halt tagsüber „nur“ 20-25° und nachts hat es so 15°. Je näher man der Hauptstadt Teheran kommt, desto aufgeschlossener sind die Menschen. Liefen in Mashat die Frauen nur in schwarzen Chadors umher, so sind gerade die jungen iranischen Frauen hier im Norden sehr modern und gepflegt. Sicher, sie haben auch hier pflichtgemäß ein Kopftuch, das hängt aber schon sehr locker und weit im Nacken, ist nicht mehr schwarz, sondern fröhlich bunt. Schönes Make-up vervollständigt das Bild von modernen Frauen.
Essen im Iran: dass es keine alkoholischen Getränke in einem islamischen Staat gibt sondern Tee, Wasser, Joghurt und Säfte ist gewöhnungsbedürftig aber für Nichtalkoholiker kein Problem. Die feste Nahrung besteht üblicherweise aus Salaten (frisch und sehr gut). Suppen und Kebabs (Grillspieße) aus Lamm, Rind, Huhn oder Fisch, dazu der obligatorische Reis – mit Safran und/oder Berberitzen versetzt. Es gibt auch Joghurt mit Knoblauch, der zum Kebab und Reis gereicht wird. Gemüse wird gegrillt oder auch gekocht dazu gereicht. Auch so manches Hackfleischgericht ist sehr schmackhaft. Die Nachspeisen sind sehr süß und gut, manchmal mit Rosenwasser oder Safran versetzt. Allmählich gehen aber unsere von der Heimat mitgebrachten Vorräte und Spezialitäten zu Neige. Es gibt zwar hier vieles zu kaufen, auf manches lieb gewonnenes muss mann/frau halt jetzt eine zeitlang verzichten. Das ist der Preis einer solchen Reise, macht sie aber auch sehr spannend und man ist vor Überraschungen nicht sicher, gerade wenn man die Schrift (chinesisch, kyrillisch, farsi) nicht lesen kann. Margarine wird im Supermarkt versehentlich für Butter angesehen, Reis gab es in China nur in großen Säcken zu 10kg, Brot war manchmal gesüsst, Schwarzbrot gab es fast gar nicht, usw. Dafür haben wir in Russland und in Kirgisien einen wunderbaren Honig frisch vom Erzeuger gekauft, frische Pistazien genossen, Ananas- und Kirschbier getrunken, gutes Lammfleisch gekocht und gebraten gegessen, Fladenbrot in allen Variationen genossen, tolle Kebabs verspeist, … die Aufzählung könnte noch lange fortgesetzt werden. Eine lustige Begnung am Rande: in einem Supermarkt in Shiraz haben wir die Angestellten nach Reis gefragt, da wir ihn im Regal nicht gefunden haben. Sie führten uns sogleich quer durch den Supermarkt zu einem korrekt gekleideten Herren, der uns nach unseren Wünschen fragte. Es stellte sich sogleich heraus, dass dieser Herr, der Manager und Chef des Supermarktes war, zufällig „Reis“ mit Familiennamen hieß. Das Gelächter auf beiden Seiten war sehr groß als wir klar machten, dass wir eigentlich Reis zum essen haben wollten. Aber den gab es auch hier im iranischen Supermarkt nur im 10kg-Sack. Die nächsten Stationen unserer Reise sind Teheran, das Kaspische Meer und Täbris. Ich werde weiter berichten. Bis zum nächsten freien WLAN grüßt mir die Heimat Habe die Ehre Gogolo Gogolo, wieder ein ganz großes Dankeschön für deinen Bericht. Freue mich schon wieder auf den nächsten. Laßt es euch gut gehen!!! Sehr schöner Bericht.
Dank dir dafür. Hab ihn extra in Ruhe und mit Genuß gelesen. Mir ist aufgefallen, dass doch sehr wenige Menschen auf den Plätzen und Straßen unterwegs sind. Einzig im Park beim picknicken waren ein paar mehr zu sehen. Sehr schöne Frauen hast du da fotografiert. ... wow, klasse. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht.
Weiterhin eine gute Reise. Hallo Gogolo und Gogoline,
wie schön wieder von Euch zu hören und an den vielen neuen Eindrücken, in Wort und Bild, teilhaben zu dürfen. Vielen Dank und ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Euch weiterhin ein gute, unfallfreie Reise. Danke Gogolo, echt Spitze!
Arno Danke für Deinen wunderschönen Bericht und die Mühe die Du Dir machst.
thatslife Grandioser Zwischenbericht :top:
Bin ich zum DIA Abend eingeladen?? :D peter Vielen Dank für Deine Mühe und die tollen Bilder. Kommt gesund zurück. Ich dafür das Goggolo ein Treffen mit großen
Bildervortrag hält !!! Wer ist dafür ???? Goggolo tolle Riese Toller Bericht Bin recht neidisch Wünsche dir noch eine Gesunde und heile Rückfahrt Auch von uns vielen Dank für den tollen Bericht mit den schönen Bildern und dass Ihr uns an Eurer spannenden und informativen Reise teilhaben lasst.
Bleibt gesund und noch viel Spaß ... und eine gute Internetverbindung :D Schade...in 7000 km schon zu hause ?
Der Bericht ist einfach nur schön. Ich schwanke immer zwischen Sparen für ein Womo deiner Klasse und der Reise...aber wenn ich dann diese Sachen mit dem Verkehr lese...oh jeh.... Eine Schöne Zeit noch und genießt es. Viel Viel Gesundheit Wir sind zwischenzeitlich alle schon gut in Armenien angekommen (die Kaution des Carnet de Passage ist gerettet!!!) und haben auf der gesamten Reise schon die 30.000km-Grenze überschritten. Jetzt sind es nur noch 10 Tage, dann ist die offizielle Reise vorbei und wir sind dann nach Georgien in die Türkei eingereist. Bis dahin gibt es aber noch viel zu sehen und den nächsten Bericht (Teheran und Kapisches Meer sowie der erste Teil Armenien) mit Bildern werde ich voraussichtlich schon morgen einstellen - sofern das WLAN stabil ist.
Aber auch über die Heimreise werde ich natürlich weiter berichten. @hast29: der bisherige chaotische Verkehr wurde in Teheran noch getoppt! Habe die Ehre Gogolo Hut ab vor Deiner Abenteuerreise in den fernen Osten, freue mich wenn jemand eine solche Reise durchlebt und die Fremdartigkeiten jeder Region akzeptiert und genießen kann...Respekt. Ja tolle Reise, ist aber auch Stress :roll:
Das soll nicht als Kritik missverstanden werden, aber mir wäre diese Reise zu schnell gefahren. Also mehr Zeit vor Ort um sich mehr anzusehen. Ansonsten natürlich einfach nur toll. Ich denke mal das der eine oder andere mit der vielen Fahrerei nicht psychisch fertig werden. Aber Du wirst ja selbst sehen und das für Dich selbst beurteilen können. Du Schreibst: "Wir nutzten auch die Zeit für Wartungs- und Reparaturarbeiten an den Fahrzeugen denn wir haben schon auf dieser Reise knapp 30.000 Fahrkilometer auf dem Tacho und die Straßen fordern ihren Tribut. Rund 6.000 – 7.000 Kilometer werden es – je nach Fahrtstrecke - noch bis nach Hause sein." Respekt ohne wenn und aber - Ich möchte diese Strecke in der kurzen Zeit nicht fahren, das ist etwa meine zwei Jahres Fahrleistung und ich dachte ich fahre viel = 20.000 km / Jahr mit dem Wohnmobil + noch mal das selbe mit einem PKW. Schön das Du gesund wieder kommst. :hearts: |
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