Wir wollen einfach nur weg. Diesmal soll es zu den Shetland-Inseln gehen, dem nördlichsten Punkt von Großbritannien, dort wo alles "most northernly" ist. Eigentlich geht unsere Fähre erst samstags mittags, aber wir entscheiden uns schon freitags zu fahren und uns dann in Calais auf den SP zu stellen. Die Fähre nach Newcastle war leider schon ausgebucht und so müssen wir durch ganz England durch. Da ist Zeit ein kostbares Gut, denn am kommenden Dienstag müssen wir in Aberdeen an der Fähre zu den Shetlands sein. So holen wir Paula pünktlich um drei an der OGS mit dem Ziel 60° Nord ab. Paula kennt die Shetlands, wir waren schon mal vor fünf Jahren dort. Aber mit ihren damals zweieinhalb Jahren und einem T4 California war es dort zugegebener Maßen nicht besonders komfortabel.
Die Sonne scheint und die Fahrt nach Calais verläuft vollkommen ereignislos. Unterwegs gehen wir in Gistel etwas Essen und kommen so gegen 20 Uhr in Calais an. Auf dem SP am Hafen ist natürlich kein Platz mehr frei und der offizielle CP schließt um 19 Uhr seine Pforten. So stellen wir uns zu ein paar anderen Womos an eine Hafenmole in der Nähe des Leuchtturms. Ist zwar nicht schön, aber für eine Nacht wird es schon gehen. Immerhin haben wir einen schönen Blick auf den Hafen.
Calais Hafen
Wir laufen noch etwas um die Mole herum und entdecken im Hafenbecken eine Menge toter Fische, wohl eine Art Hai.
unser Stellplatz, nicht gerade schön, aber was soll's
Der nächste Tag beginnt mit Nieselregen und recht frischen Temperaturen. Ich geh erst mal ein Baguette fürs Frühstück holen, wir sind ja schließlich in Frankreich. Dann machen wir uns auch zeitig auf zum Hafen in der Hoffnung, etwas früher über den Kanal zu kommen. Die freundliche Dame am „Check In“ meint dann auch, für zusätzliche 60€ wäre das überhaupt kein Problem. Das ist es uns aber nicht wert und so müssen wir zwar eine Stunde warten, kommen dann aber immer noch eine Fähre früher als gebucht rüber. Die Fähre ist gerappelt voll und wir sind froh, als endlich Dover in Sicht kommt.
schön, die White cliffs of Dover
Wir hoffen schnell um London rum zu kommen, denn die Olympiade beginnt und wir haben keine Lust auf Kontrollen und Staus. Bis auf den Stau vor dem Themsetunnel klappt es auch ziemlich gut und so spulen wir Kilometer um Kilometer ab. Gegen frühen Abend landen wir nach einiger Sucherei auf einem CP nahe Winsford. 20Pfund werden für die Übernachtung auf der Wiese fällig, ohne Strom wohlgemerkt. Zum Glück gibt es einen ganz manierlichen Fish’n’Chips Stand am Platz.
Der CP hat einen kleinen „Eulenzoo“ dabei, den man kostenlos besuchen darf. Mir tun die armen Tiere leid, aber schön anzuschauen sind sie schon.
Schon gegen 8 Uhr kommen wir vom CP weg und fahren gemütlich weiter Richtung Schottland. Kurz hinter der Grenze nach Schottland fängt es an heftig zu regnen. So ein Mist, denn wir wollen heute noch die Inchmahome Priory in der Nähe von Stirling besichtigen. Die Priory liegt auf einer Insel mitten in einem See. Der Regen hört nicht auf und so warten wir bei lausigem Wetter auf unser Boot.
puh, was für ein sch.. Wetter
Die Priory selbst ist ganz nett, aber auch nicht unbedingt das Wow-Erlebnis. Da wir aber immer noch Mitglieder bei Historic Scotland sind, bleibt es uns wenigstens erspart, ca. 15 Pfund Eintritt zu berappen. Da ist die Überfahrt dann aber schon enthalten.
Inchmahome Priory
Wir laufen etwas in dem alten Gemäuer rum und werden tüchtig nass. Paula löst ein Kinderrätsel über die Priory und bekommt dafür einen Aufkleber. Zurück am Auto stellt sich natürlich die Frage, wo bleiben wir für die Nacht? Wir waren bisher noch nicht im Pub auf ein half pint und das geht nun mal gar nicht! Unsere Wahl fällt auf Aberfeldy. Der CP ist zwar nicht der günstigste, aber dafür nahe im Ort mit diversen typischen Pubs.
Wir laufen etwas in dem alten Gemäuer rum und werden tüchtig nass. Paula löst ein Kinderrätsel über die Priory und bekommt dafür einen Aufkleber. Zurück am Auto stellt sich natürlich die Frage, wo bleiben wir für die Nacht? Wir waren bisher noch nicht im Pub auf ein half pint und das geht nun mal gar nicht! Unsere Wahl fällt auf Aberfeldy. Der CP ist zwar nicht der günstigste, aber dafür nahe im Ort mit diversen typischen Pubs.
Der nächste Tag startet mit ausgiebigem Regen und so fahren wir langsam die Ostküste hinauf bis Aberdeen. Zwischendurch machen wir eine lange Pause in Dundee, essen dort zu Mittag und gehen zum Shoppen durch die Stadt. Paula braucht noch eine Shetland-taugliche Regenausrüstung. Wir werden fündig, aber besonders gut gefällt uns die Stadt nicht. Dundee kommt abseits der Hafenpromenade irgendwie ärmlich und deprimierend daher. Vielleicht liegt es aber auch am Wetter. Als nächstes Ziel steuern wir Dunnottar Castle an. Vor ca. 15 Jahren hat uns dieses Castle auf den Klippen an der Ostküste sehr beeindruckt und wir möchten es nun auch Paula zeigen. Leider müssen wir feststellen, dass die Straße dort nur mit Fahrzeugen bis 2t befahrbar ist. Einen Parkplatz gibt es auch nicht. Schade, Womobilisten gehören also eher nicht zum Besucherkreis. Wir müssen weiterfahren und verbringen die Nacht auf einem CP nahe Aberdeen. Auch dieser Platz ist mit 22 Pfund recht teuer und in meinen Augen nicht unbedingt sein Geld wert. Aber er liegt nahe an Aberdeen und auf große Fahrerei habe ich auch keine Lust mehr.
Heute soll es dann endlich auf die Shetlands gehen. Der Tag beginnt mit strahlendem Sonnenschein und so verlassen wir den CP nahe Aberdeen, um noch etwas von dieser tollen Stadt zu sehen.
In Aberdeen selbst beginnt natürlich wieder die lästige Parkplatzsuche und mich nervt, dass die Briten auf die Parkplatzschilder keine Symbole für Parkhaus oder normalen Parkplatz anbringen. So ein kleines Dach über dem P kann doch nicht so schwierig sein. In einer Seitenstraße nahe dem Zentrum werden wir fündig und ziehen uns erst mal für drei Stunden ein Parkticket.
Wir entdecken unsere Fähre, die uns heute Abend zu den Shetlands bringen soll. Sieht schon toll aus, dieses große Schiff mitten in der Stadt. Wir laufen durch die Stadt, kaufen Reise -und Wanderführer von den Shetlands, gehen lecker Kaffee trinken und genießen das schöne Wetter.
So gegen 15 Uhr machen wir uns dann auf zum Hafen. Die Fähre startet um 17 Uhr, macht dann einen Zwischenstopp auf den Orkney Inseln und legt dann so gegen 7 Uhr morgens in Lerwick an, der Hauptstadt der Shetland Inseln. Die Überfahrt kostet für uns 3 so um die 700 Pfund, inklusiv einer Innenkabine. Da wir nachts fahren, wäre eine Außenkabine ziemlicher Unsinn. Das Beladen dauert ziemlich lange, denn die Autos müssen nach Größe und Zielhafen sortiert werden und so sind wir erst eine viertel Stunde vor Abfahrt an Bord.
der Hafen von Aberdeen
Die Fähre ist ziemlich voll und es ist immer wieder erstaunlich, welche Mengen Bier sich manche Passagiere in den Kopf kippen können. Super finde ich, dass es auf der Fähre kostenloses WiFi gibt, so kann man sich doch etwas die Zeit vertreiben. Zudem gibt es Kino, Spielecke, Shop, Restaurant und natürlich Bars. Die Route verläuft zunächst immer in Sichtweite der Ostküste Schottlands entlang. Gegen 22 Uhr kommen dann die Orkney-Inseln in Sicht, wo gegen 23 Uhr ein Zwischenstopp eingelegt wird.
Orkney-Inseln
Gegen 6 Uhr werden wir von der freundlichen Stimme des Kapitäns geweckt und darauf hingewiesen dass nun Aufstehen angebracht ist. Schließlich wird man in gut einer Stunde am Ziel sein und das Entladen soll zügig von Statten gehen. Der Kapitän empfiehlt das Frühstück an Bord und geht weiter seiner Arbeit nach. Die Nacht war jedenfalls nicht so toll, das Gepolter beim Entladen auf den Orkneys, der Wellengang und die etwas stickige Luft in der Kabine waren dem Schlaf nicht unbedingt dienlich. Aber was soll’s, nun sind wir bald auf den Shetlands. Es ist super Wetter. Das Meer ist absolut ruhig und man gleitet förmlich über das Wasser, vorbei am Leuchtturm von Bressay kommt schließlich Lerwick in Sicht.
Leuchtturm von Bressay
Lerwick
Auf den Shetlands leben rund 23000 Menschen, ein Drittel davon in der Hauptstadt Lerwick. Der Rest verteilt sich auf die über 15 bewohnten Inseln der Shetlands. Nun sind wir also angekommen! Aber was nun, so richtig haben wir uns keinen Plan gemacht, was wir wann und wo machen wollen. Vom letzten Aufenthalt auf den Inseln wissen wir, wie oft das Wetter einem hier einen Strich durch die Rechnung machen kann. Wir beschließen spontan im Süden der Inselgruppe zu beginnen.
Die Südspitze der Hauptinsel Mainland wird vom Sumburgh Head markiert, einem von Wellen umtosten Felsen mit Leuchtturm. Dort soll es auch eine Menge Papageientaucher (Puffins) geben. Wer schon mal in Schottland war, dem werden sofort die tollen Straßen auf den Shetlands auffallen, durchgehend zweispurig und super in Schuss.
Sumburgh-Head
Am Sumburgh Head wird erst mal gefrühstückt. Es gibt typisch labberiges Brot aus England mit Wurst aus Deutschland, um der ganzen Sache wenigstens etwas Stabilität zu geben. Dazu Kaffee und einen traumhaften Blick über das Meer. Neben uns steht eine Womo-Mannschaft aus Frankreich, die hier wohl geschlafen hat. Super Platz, den werden wir auch mal ausprobieren. Nach dem Frühstück geht es dann zum Leuchtturm, es sind nur ein paar Meter. Kaum dem Auto entstiegen entdecken wir dann auch hunderte von Puffins, die die Morgensonne genießen. Das ist natürlich der Hit für Paula.
Die Puffins sind recht zutraulich und ziemlich neugierig.
Was sind wir schon in Schottland durch die Gegend gefahren und gelaufen, nur um Puffins zu sehen. Und hier sind sie direkt an Fahrweg zum Leuchtturm!
Der Leuchtturm ist leider eine einzige Baustelle. Er wird zum Info-Zentrum vom RBS umgebaut, bestimmt kann man in den nächsten Jahren den Leuchtturm, Maschinenhaus usw. besichtigen.
Leuchttürme finde ich einfach nur toll. Diese riesigen Linsen, die das Licht einer doch recht unscheinbaren Lampe bündeln und über 23 Meilen weit aufs Meer hinauswerfen sind schon imponierend, zumal der Turm Baujahr 1821 ist.
Gegen Mittag fahren wir weiter zum nahen Jarlshof, einer prähistorischen Stätte, wo sich Siedlungen aus der Bronzezeit, von den Pikten und Wikingern befinden. Das ganze Areal wird von Historic Scotland betreut und somit ist der Eintritt für uns als Mitglieder kostenlos.
Auch hier gibt es wieder ein Rätsel und Aufkleber für Paula. Das macht das Ganze für Kinder zumindest etwas interessanter. Wir beschließen, die Nacht hier am Sumburgh Head zu verbringen. Paula möchte natürlich noch mal zu den Puffins und wir alle haben keine Lust, mehr weit zu fahren. Und so stellen wir uns auf den Parkplatz am Leuchtturm.
Wir bleiben für die Nacht allein, kein anderes Womo gesellt sich zu uns. Nachts hört man das Brausen der Brandung und wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man alle 30 Sekunden den Strahl des Leuchtturms über die Landschaft streichen, echt romantisch.
Am nächsten Morgen herrscht dichter Nebel und man kann keine hundert Meter weit sehen. Es könnte aber trotzdem ein schöner Tag zu werden. Die Temperaturen sind allerdings mit 9° C ziemlich frisch und wir machen kurz mal die Heizung an.
Nach dem Frühstück und einem Besuch bei unseren Puffins scheint es die Sonne dann aber doch leider nicht zu schaffen. Es gibt zwar einige sonnige Abschnitte, im Großen und Ganzen wird das Wetter leider schlechter. Wir wollen trotzdem heute zum Moussa Broch, einem alten Wohnturm der auf der kleinen unbewohnten Insel Moussa liegt. Es bleibt trocken und so wagen wir den Ausflug. Mit dem Schiff geht es in einer halben Stunde zur kleinen Insel, die vom RBS betreut wird und unter Naturschutz steht. Wir machen den einstündigen Rundwanderweg und überqueren den 60° Breitengrad, Ziel erreicht.
Ziel erreicht
Wir erreichen den Broch, der wirklich sehr gut erhalten und sogar begehbar ist, Taschenlampen liegen dafür extra am Eingang bereit.
Zurück am Auto entscheiden wir uns, die Nacht auf dem CP in Lerwick zu verbringen. Der gut gepflegte CP liegt gegenüber vom Clickimin Broch direkt am Schwimmbad, wo man auch die Gebühr bezahlt. Man kann die Facilities direkt auf dem CP oder die des Leisure Centers benutzen. Zudem gibt es kostenloses Wifi. Überhaupt ist die Abdeckung mit kostenlosem Wifi auf den Shetlands sehr gut. Allen Fährterminals, Leisure Centers und öffentlichen Gebäuden stellt das Shetland Island Council sein kostenloses Netz zu Verfügung.
Als wir am CP ankommen fängt es mal kurz an zu regnen. Uschi und Paula entschließen sich zu einem Schwimmbadbesuch, 50% Preisnachlass ist in den 14 Pfund CP-Gebühren enthalten.
CP in Lerwick
Das Schwimmbad ist auf jeden Fall einen Besuch Wert. Für den Eintritt eines normalen städtischen Bades bietet es 2 Tunnelrutschen, einen Strudel und ein Außenbecken. Ein Kleinkinderbecken und ein Spielzimmer gibt es natürlich auch. Ich erkunde derweil etwas die Gegend um den CP.
Abends bekommen wir Besuch von der Campingplatz Katze, die zur Freude Paulas auch sofort den Weg in unser Auto findet.
Der nächste Tag beginnt sonnig. Es ist recht warm und wir beschließen nach Esha Ness in den Westen von Mainland zu fahren. Wir machen kurz Pause am Grind, der Stelle an der eine nur 30 Meter breite Landbrücke Atlantik und Nordsee voneinander trennt. Der Gezeitenunterschied beträgt hier immerhin eine halbe Stunde. Paula und ich machen ein kurzes Wettrennen, wer am schnellsten über Land vom Atlantik zur Nordsee rennen kann, Uschi gibt den Startschuss und hält den Verkehr im Auge. Den Sieg und den Triumph lass ich mir nicht nehmen, irgendwie muss man ja auch seinen Idolcharakter als Vater behalten. Vorbei geht es an einer wunderschönen Küste zum Leuchtturm von Esha Ness.
Die Küste von Esha Ness ist wirklich eindrucksvoll und man kann hier toll wandern. Vor fünf Jahren sah das vollkommen anders aus. Damals herrschte hier ein für unsere Verhältnisse gewaltiger Sturm und man konnte sich kaum auf den Beinen halten.
Dauernd gingen die Alarmanlagen der parkenden Autos an und ein Aufstellen unseres Hochdaches am T4 war unmöglich. Das sah der CP-Betreiber in Esha Ness auch so und hat uns für die Nacht in einer seiner Scheunen übernachten lassen. Hier noch mal ein Vergleich zwischen heute und vor fünf Jahren.
das Meer ist ruhig
das Boot hätte wohl keine Chance gehabt...
Schade, so ein Wetter hätten wir gerne noch einmal erlebt, aber man kann ja nicht alles haben. In Esha Ness kann man sich auf jeden Fall eine Weile aufhalten. Wir laufen zu einem Blow Hole, eine Höhle mit zwei Öffnungen. Die eine liegt in Höhe des Wassers, die andere ein paar Meter höher. Durch die starke Brandung wird das Wasser erst unten in die Höhle reingedrückt und dann durch die obere Öffnung meterweit unter starkem Getöse wieder herausgedrückt.
Blowhole
Da der Cp relativ voll und das angeschlossenen Bistro / Restaurant am Abend geschlossen ist, bleiben wir hier am Leuchtturm über Nacht, das Wetter ist super und die Aussicht grandios.
unser SP in Esha Ness
Abendsonne in Esha Ness
Was wären die Shetlands ohne ihre berühmtesten Bewohner, die Shetland Ponies. Man trifft sie überall auf Weiden oder halb wild in frei laufenden Herden. Heute soll in Tingwall eine Pony-Show sein und da kleine Mädchen eine anscheinend angeborene Vorliebe für Pferde besitzen, müssen wir da natürlich hin. Als wir ankommen werden gerade die Hengste bewertet. Jeder Teilnehmer bekommt einen Preis, der eine für seine Mähne, der andere für sein Fell usw. usw. . Komischerweise haben wir auf der ganzen Reise keinen einzigen Reiter gesehen, die Ponys sind wohl ausschließlich für die Zucht und zum Abweiden der vielen Grasflächen da.
Wir fahren weiter nach Scalloway, der zweitgrößten Stadt der Shetlands mit 1300 Einwohnern. Wir besichtigen das Castle und gehen Mittag essen.
Gegen Abend fahren wir wieder zurück auf den CP in Lerwick. Wir müssen dringend mal unser Wasser entsorgen und neues tanken. Das Grauwasser entsorgen wir auf Anraten des CP-Personals einfach in einen Gulli auf dem Schwimmbadparkplatz, mach ich sonst nie, aber wenn die das so wollen und keine andere Möglichkeit anbieten…
Wir wollen weiter in den Norden und so fahren wir von Mainland zur Insel Yell. Vorbei geht es an dem riesigen Öl-Terminal der BP, Sullom Voe, der den Inseln einen Menge Geld bringt. Auf den Shetland Inseln enden diverse Pipelines von den umliegenden Ölfeldern, das schwarze Gold wird hier auf den Inseln in riesigen Tanks gelagert und mit riesigen Tankern dann abtransportiert. Die Ölgesellschaften waren es auch, die den Inseln ihre guten Straßen, Flughäfen usw. beschert haben.
Sullom Voe
Für die Fähre nach Yell werden 14 Pfund fällig, kassiert wird nur auf der Hinfahrt, die Rückfahrt ist automatisch enthalten. Für ein Wohnmobil mit 3 Personen schon recht günstig, finden wir. Später stellen wir fest, dass die Fährverbindungen zwischen Yell – Unst – Fetlar mittlerweile kostenlos sind. Man erklärt uns, dass seit das Militär die Insel verlassen hat, die Fähren für alle kostenlos sind, um den Bewohnern das Pendeln zu einem Arbeitsplatz zu ermöglichen und somit eine Inselflucht zu verhindern. Da träumen unsere friesischen und ostfriesischen Inselbewohner aber von!
Vorbei an „Windhouse“, Grossbritaniens „most haunted house“, geht es über die Insel Yell nach Unst, der nördlichsten Insel der Shetlands. In Windhouse soll es unzählige Geister geben, Kühe, Kinder, Ehefrauen usw. sollen hier rumspuken. Wir begnügen uns mit einem Blick aus der Ferne, zu einem Besuch ist Paula irgendwie nicht zu bewegen.
Windhouse
Wir haben etwas Zeit, bis die Fähre nach Unst fährt und so nutzen wir das Wifi am Fährterminal und beobachten die Basstölpel beim Jagen.
Die Überfahrt nach Unst dauert nur ein paar Minuten. Unst ist mit 700 Bewohnern nicht gerade dicht besiedelt und hier oben ist alles „most northernly“, das Post Office, das Schwimmbad, der Pub, der Strand, die Bushaltestelle usw.
Zuerst besuchen wir das Muness Castle.
Anschließend fahren wir noch zum Easting Beach, um ein paar Sandburgen zu bauen und einfach das schöne Wetter zu genießen.
Nachdem Paula ordentlich nass ist und keine Lust mehr hat - das Wasser ist aber auch lausig kalt - fahren wir nach der Trockenlegung von Paula weiter zum Visitor Center nach Hermaness. Most northernly, natürlich.
Das Visitor Center befindet sich in den alten Wohngebäuden des auf den vorgelagerten Klippen liegenden Leuchtturmes Muckle Flugga. Die Gebäude waren das Domizil der Leuchtturmwärter, die gerade keinen Dienst auf dem Turm hatten. Der Eintritt ist kostenlos, das Center wird vom RBS betrieben und erklärt, auch für Kinder sehr anschaulich, die Flora und Fauna vom Naturschutzgebiet Hermaness.
Da es schon spät geworden ist, fahren wir zurück nach Baltasound, dem Hauptort der Insel. Dort gibt es auch den einzigen Pub der Insel. Wir machen noch einen kurzen Stopp an der wohl berühmtesten Bushaltestelle Großbritanniens, die natürlich auch „most northernly„ ist. Jedes Jahr wird ein neues Thema für die Haltestelle ausgerufen und jeder, der etwas Passendes findet, dekoriert damit die Haltestelle.
Die Haltestelle hat sogar eine eigene Webseite.
Dieses Jahr ist das Thema nicht allzu schwer zu erraten … Das Kronjubiläum der Queen. Und ein bisschen Olympia ist auch noch mit dabei.
Vor fünf Jahren war das Thema „gelb“ angesagt.
Wir tragen uns ins Gästebuch der Bushaltestelle ein und suchen den Pub auf. Nach einem leckeren Abendessen fahren wir dann nach Uyeasound zur Jugendherberge, die mittlerweile über fünf Stellplätze mit Strom verfügt. Angenehme 12 Pfund werden für die Nacht fällig und man kann dafür alle Einrichtungen der JuHe mitbenutzen. Und die Lage ist einfach phänomenal, direkt am Wasser mit tollem Blick auf eine Bucht, wirklich toll.
Am nächsten Tag ist wieder das schönste Wetter und ich beschließe, eine kleine Wanderung in das Naturschutzgebiet Hermaness zu unternehmen.
Hermaness beherbergt die größte Kolonie an Raubmöwen in ganz Europa und diese Art von Möwen ist recht aggressiv. Obwohl ich immer artig auf dem Weg bleibe, komme ich wohl ihren Jungen zu nahe und werde immer wieder angegriffen. Man sieht diese gut getarnten braunen Möwen recht spät, wenn sie knapp über dem Boden auf einen zugeschossen kommen und dann kurz vor einem hochziehen. Man merkt förmlich den Luftzug, der dabei entsteht.
Besonders krass ist es, wenn sie von hinten angreifen. Nach gut einer Stunde kommt Muckle Flugga in Sicht, ein Leuchtturm der auf einem von Wellen umtosten Felsen vor der Küste Hermaness liegt. Er markiert den „most northernly point of Great Britain“.
Muckle Flugga
Diese Wanderung ist auf jeden Fall ein echtes Wow-Erlebnis! Ich bin ganz alleine und setze mich erst mal an die Klippen und genieße das Panorama. Man hat einen tollen Blick auf die Basstölpelkolonien und den Leuchtturm.
Natürlich gibt es auch hier eine Menge Puffins und deren natürliche Feinde, die Große Raubmöwe. Es dauert nicht lange und eine Raubmöwe schnappt sich im vollen Flug einen Puffin. Das Drama nimmt seinen Lauf.
Der Puffin schreit und strampelt um sein Leben. Sofort sind natürlich andere Raubmöwen zur Stelle, um dem erfolgreichen Jäger seine Beute streitig zu machen, was dem Puffin die Chance zur Flucht ermöglicht.
Der Puffin entkommt zunächst, schwer verletzt, stolpert dann allerdings über seine eigenen Beine und sofort krallt sich wieder eine Möwe den kleinen Vogel. Verfolgt von anderen Möwen beginnt eine wilde Luftschlacht.
Er hat es nicht geschafft und laut beschreien die Möwen ihre Jagd.
Ich mach mich weiter auf den Weg an der Küste entlang bis ich auf den Bohlenweg zurück zum Visitor Center gelange.
Nach gut drei Stunden bin ich wieder am Auto bei Uschi und Paula und wir fahren zu einem kleinen Museum in Haroldswick. Das Museum ist ganz nett und durchaus seine 3 Pfund Eintritt wert. Auf der Rückfahrt nach Uyeasound kaufen wir dann noch im „most northernly„ Shop von GB für 1.99 Pfund eine Krebsangel für Paula.
Die muss natürlich sofort ausprobiert werden und so setzen wir uns in Ueyasound an das Pier. Das Netz der Angel haben wir mit einem Stück Fleisch bestückt und hoffen nun auf unser Glück. Es dauert keine Minute und der erste Krebs stürzt sich gierig auf das Säckchen.
Wir fangen in kürzester Zeit neun Krebse, die natürlich stolz den anderen Kindern präsentiert werden. Manchen Exemplaren möchte man allerdings nicht zu nahe kommen.
Natürlich entlassen wir alle Krebse auch wieder in die Freiheit. Paula aber hat das Jadgfieber gepackt. Und so höre ich am nächsten Morgen um 5:04 Uhr den ersten Weckruf aus dem hinteren Teil des Womos, dass es nun aber Zeit wäre, wieder Krebse fangen zu gehen. Ich stell mich natürlich schlafend, was im hinteren Teil natürlich zu einem gewissen Unmut führt. Naja, was soll ich sagen … der Tag beginnt für Paula und mich um 6:10 Uhr mit Krabben angeln.
Um 7:00 Uhr wird erst mal gefrühstückt. Und noch bevor sich was in den Wagen unserer Nachbarn regt, machen wir uns auf den Weg zur St. Olaf’s Church. Vorbei an einem „Standing Stone“ geht es zur schön gelegenen Kirche.
Wir besichtigen auch noch den Underhoull Broch und ein Wikingerschiff in Haroldswick. Dort erfahren wir auch, dass man die mit diversen Verbotsschildern geschmückte Fahrstraße zur Radarstation der RAF ruhig befahren darf. Man hätte beim Abzug des Militärs nur vergessen, die Schilder zu entfernen.
Das Gebiet um die Station war früher Sperrgebiet und die Schilder, die vor Schusswaffengebrauch warnen, haben uns doch beim ersten Versuch abgeschreckt.
Von der Straße hat man einen tollen Blick auf Muckle Flugga.
Um uns heute noch ein wenig zu bewegen, laufen wir zum Keen of Hamar. Der Keen of Hamar ist eine geologische Besonderheit, kommt hier doch ein gelblicher Stein an die Oberfläche, der früher einmal abgebaut und als Pigmentstoff bei der Farbherstellung verwendet wurde. Die chemische Zusammensetzung des Bodens verhindert eine „normale“ Vegetation. Allerdings kann man hier in einige sehr seltene und robuste Pflanzen finden. Da alle sehr kleinwüchsig sind, muss man aber schon sehr genau hinschauen. Einfacher wird das Ganze dadurch, dass Pflanzenfreunde zum Schutz vor den großen mit Wanderschuhen beschwerten Füßen liebevoll kleine Miniatur-Mäuerchen um die Blumen herum bauen. Ein Pflänzchen wächst nur hier am Keen of Hamar und sonst nirgendwo auf der Welt, das „Edmonston’s chickweed“. Uschi und Paula haben also einen neuen Auftrag: Findet diese Blume!
Nach ca. 20min ertönt triumphierendes Geschrei, das recht unscheinbare Pflänzchen ist gefunden und wird mit einem Mäuerchen geschützt. Wir entdecken noch eine Handvoll Exemplare und bauen ebenso viele Mauern.
Danach fahren wir wieder zurück nach Uyeasund, Paula hat ja so lange keine Krebse mehr geangelt….
Der Plan wird dann allerdings schnell verworfen, als sie andere Kinder im Meer baden sieht. Schwimmen macht halt doch mehr Spaß als Krebse angeln.
Nach dem Schwimmen ist erst mal Duschen angesagt. So eine Haarpracht aus Algen sieht zwar schön aus, verursacht aber im getrockneten Zustand einen ziemlichen Gestank.
Kaum aus der Dusche findet sich natürlich schon die nächste biologische Kopfbedeckung. :D
Das Wetter bleibt schön und so steht am nächsten Tag eine kleine Wanderung im Westen von Unst auf dem Programm.
Zunächst geht es immer an der Küste entlang, anschließend steil bergauf auf einen Bergrücken und auf diesem mit toller Aussicht zurück zum Auto.
Nach der Wanderung geht es dann zur Schokoladenfabrik „Foord’s Chocolate Experience“, die sich in den alten Militärgebäuden befindet. Man ahnt: „most norternly“ ist diese Schokoladenfabrik natürlich. Neben dem kleinen Cafe gibt es noch ein paar Räume, die als Museum hergerichtet sind und die Geschichte der Radarstation erzählen.
Da es langsam auch Zeit wird unsere Postkarten los zu werden, fahren wir zum „most northernly Post Office“. Man erklärt uns, dass nur direkt am Schalter abgegebene Karten den besonderen „most northernly“ Stempel bekommen. Und so machen wir es dann natürlich auch. Paula schickt eine Karte an sich selbst. Mal schauen wer schneller ist?!
Abends fängt es dann leider an zu regnen und auch der kommende Tag startet mit ausgiebigem Niederschlag. Wir schlafen lange und Uschi und Paula beschließen, den „most northernly swimming pool“ auszuprobieren. Kaum im Wasser stürzt sich auch schon ein Bademeister auf Uschi und fragt, ob Paula denn schwimmen könne. Denn wenn nicht, müsse sie im hinteren Teil des Beckens bleiben und eine Schwimmhilfe tragen. Zum Beweis macht Paula einfach das „Shetland Seepferdchen“. Die Aktion dauert sage und schreibe 2:50 Minuten (bei 3:01 Minuten hätte sie die Prüfung noch mal wiederholen müssen) und wird mit Foto und Adresse in der landes-, also Shetlandweiten Datenbank gespeichert. Damit wissen dann auch die Bademeister in Lerwick und den anderen Schwimmbädern, dieses Kind kann vom Becken ins Wasser springen, Wassertreten und eine Bahn schwimmen. Eine Urkunde bekommt sie natürlich auch.
Ich nutze die Zeit und fahre nochmals raus nach Hermaness, sind ja nur ein paar Kilometer.
es regnet
Viel zu sehen gibt es dort bei diesem Wetter allerdings nicht und so sammel ich meine beiden Damen wieder beim Schwimmbad ein und wir gehen lecker im Northern Lights Cafe in Haroldswick essen. Dann geht es zurück zum SP in Uyeasound. Am Abend kommt noch die JuHe Chefin vorbei und fragt ob wir den „Schweizer“ gesehen hätten. Seit fünf Tagen stand eine „Ente“ plus Wohnwagen auf dem Stellplatz und die hatten wohl die Zeche geprellt. In der Küche der JuHe steht eine Box in der man seine 12 Pfund mit Name deponieren kann, sofern man die gute Frau nicht persönlich antrifft. Dies hatte der Schweizer wohl leider versäumt. Das finde ich natürlich ziemlich schäbig, mit 4 Personen Strom und die Facilities zu nutzen und sich dann aus dem Staub zu machen. Solche Aktionen schaden nur dem Ruf der Womobilisten.
Wenn man durch Schottland fährt sieht man ja öfters die Schilder „Otters crossing“, gesehen haben wir diese scheuen Tiere bisher allerdings nie. Umso erstaunter sind wir, als am kommenden Tag ein Otter direkt neben unserem Auto den Stellplatz überquert.
Wir verlassen Unst und setzen mit der Fähre nach Fetlar über. Mit 86 Einwohnern (2001) ist auch diese Insel nicht gerade dicht besiedelt. Es gibt einen Shop, der zwei Stunden am Tag geöffnet hat, keine Tankstelle aber immerhin einen Campingplatz. Wir wandern zum „Round House“ in dem es natürlich furchtbar spucken soll, schauen uns den Campingplatz an und machen ein kleines Picknick am Funzie Beach. Der CP macht einen trostlosen Eindruck, vielleicht wegen dem Wetter und weil niemand dort sein Lager aufgeschlagen hat, und so beschließen wir wieder zurück nach Yell zu fahren.
In Burravoe gibt es an der Marina einen gerade erst eröffneten Stellplatz mit Duschen, Waschmaschine usw. .
Für 10 Pfund echt super und so bleiben wir natürlich. Im Gästebuch finden wir einen Eintrag „unserer“ Schweizer und fragen uns, ob wenigstens hier für einen laut seiner eigenen Beschreibung tollen Aufenthalt gezahlt wurde … Wir beginnen den nächsten Tag mit einer kurzen Wanderung an die Küste. Der Weg führt (leider) direkt durch eine Seeschwalbenkolonie und wir werden massiv von den kleinen Vögeln attackiert.
Um die Vögel nicht weiter zu stören, kehren wir um und fahren zur „White Wife“, einer Gallionsfigur von einem hier vor der Küste gesunkenen Schiff.
Vielmehr hat Yell auch nicht zu bieten und wir überlegen uns bei einer leckeren Suppe mit Sandwich im Winddog Cafe am Fähranleger, was wir als nächstes unternehmen sollen. Auf Unst werden auch Bootstouren nach Muckle Flugga angeboten, aber immer wenn wir versucht haben zu buchen hieß es, dass die Tour leider ausfallen würde. Wir probieren es noch einmal und tatsächlich soll morgen am Sonntag eine Tour stattfinden. Also zurück nach Unst. Dank der kostenlosen Fährverbindungen zwischen den 3 nördlichen Inseln fällt das Insel Hopping ja auch nicht schwer.
Einsamkeit pur
Gegen 20 Uhr sind wir wieder auf Unst und beschließen uns direkt an den Hafen in Hermaness zu stellen. Kurz vor neun kommt dann auch das Boot, welches uns morgen mit auf den Trip nach Muckle Flugga nehmen soll. Der Kapitän winkt uns freundlich zu und wir kommen ins Gespräch. Er zeigt uns das Schiff, seine Ausbeute an frischem Fisch, den er eben aus dem Meer gezogen hat und erzählt uns so allerlei von der Insel. Besonders schlimm muss es für Unst gewesen sein, als das Militär abgezogen ist. Über 900 Menschen haben damals die Insel verlassen, ein absolut wirtschaftlicher Schock für die Insel. Wir schauen etwas beim Ausnehmen der Fische zu und bekommen vier Makrelen geschenkt, wir spendieren deutsches Bier und es wird noch ein recht netter Abend.
Am nächsten Tag ist es leider stark bewölkt und mit leichtem Nieselregen, nicht unbedingt ideale Bedingungen für unseren Ausflug, aber man kann es ja leider nicht ändern.
Pünktlich um elf geht es dann los, erst an der Küste Hermaness entlang und dann raus auf‘s offene Meer.
Ist schon echt imponierend diese Steilküste mal von der Seeseite zu sehen, besonders die Basstölpelkolonien auf den Felsen sind absolut sehenswert.
Auf der Rückfahrt darf Paula hinters Steuer und ist natürlich mächtig stolz. Wir kommen trotzdem gut im Hafen an und werden wir von unserem Kapitän mit Kaffee, Tee, Kuchen und die gestern Abend gefangenen und mittlerweile geräucherten Makrelen versorgt. Sehr lecker! Dazu gibt es jede Menge Tipps, was wir auf Unst noch machen sollen. Das war ein rundum gelungener Ausflug und wir versprechen, noch einmal wieder zu kommen. Wir beeilen uns, die Fähren von Unst und Yell wieder zurück auf Mainland zu bekommen und sind gegen Abend wieder in Braewick / Esha Ness auf dem CP. Es kommt sogar noch kurz die Sonne raus.
Wir müssen dringend mal wieder unseren Lebensmittelvorrat aufstocken und so fahren wir bei stark bewölktem Himmel nach Lerwick. Hier im Süden ist das Wetter eindeutig besser und wir entschließen uns, eine Wanderung zum Noss of Burghi zu unternehmen. Die Wanderung dauert nicht lange und man hat einen tollen Blick auf den Sumburgh Head.
Abends stellen wir uns wieder an den Leuchtturm, laufen noch mal zu den Puffins und genießen den tollen Sonnenuntergang.
Heute wollen wir zur Cunningsburgh Agriculture Show, auf der die Bauern ihre Erzeugnisse und Tiere präsentieren. Ein freundlicher Ordner weist uns einen Parkplatz zu, der mitten auf einer feuchten Wiese liegt. Ich gebe noch zu bedenken, dass ich die Wiese nicht für den geeigneten Parkplatz für mein Womo halte, was aber seitens des Ordners mit einem Handwinken abgetan wird.
Man wird sehen, denke ich mir und so besuchen wir die Show. Es gibt eine Menge Schafe, Kühe und natürlich Shetland-Ponys zu bestaunen. Fast jedes Tier hat natürlich wieder einen Preis für irgendetwas bekommen, sei es für den schönsten Schweif, das schönste Lamm oder weis der Teufel was. Natürlich werden auch die besten Kekse, Topfblumen, Gartenblumen, Legokunstwerke, Miniaturgärten, Strickwaren usw. und natürlich: Kuchen prämiert. Very british!
Nach zwei Stunden versuchen wir dann wieder vom Parkplatz zu fahren, was natürlich nicht klappt. Sofort kommt der Ober-Ordner angelaufen, begutachtet die Lage und staucht erst mal meinen Ordner zusammen.
Aber da es auf dem Parkplatz an Range Rovern und anderen Geländewagen nicht mangelt, ist auch schnell eine helfende Hand zur Stelle, die mich aus dem Morast zieht.
Nachdem die Wiese ordentlich durchgepflügt ist und wir so gerade NICHT die Oberleitung zur Stromversorgung der Agriculture Show mit unserer Sat-Schüssel mitgenommen haben, machen wir uns auf den Weg nach Skeld. Dort wollen wir die Nacht auf dem Stellplatz bei der Marina verbringen.
Kaum haben wir uns häuslich eingerichtet wird es auch schon hektisch auf dem Parkplatz. Ein Transit aus Düren, gefolgt von einem Skoda mit sündhaft teuren Fahrrädern auf dem Dach fährt vor. Ein Kamerateam springt aus dem Transit und die Fahrräder werden vom Dach geholt. Zwei Fahrradfahrer fahren die Straße auf und ab, immer schön gefilmt vom Kamerateam. Nach zehn Minuten werden die Fahrräder wieder verladen und das Kamerateam stürzt sich auf einen Fischkutter, der gerade am Pier festgemacht hat. Das gehen wir uns auch anschauen.
Das Boot hat eine Menge Krebse und Hummer gefangen. Wir werden vom Aufnahmeleiter recht wüst durch die Gegend geschubst, damit wir bloß nicht ins Bild kommen. Ein einfaches Bitte hätte meiner Meinung nach auch gereicht. Aber dazu ist der arme Mann viel zu gestresst.
Der Assistent vom Aufnahmeleiter ist deutlich freundlicher (der hat aber ja auch nichts zu sagen, nur zu arbeiten) und versorgt uns Informationen. Bei dem Radfahrer handelt es um Rudi Altig, der mit arte eine Sendung über Fahrradwege in GB dreht. Alle Beteiligten haben wohl die Nase voll vom britischen Regen.
Auf jeden Fall wechseln etliche Pfund und ein paar Hummer den Besitzer. Ich frag mich zwar, wo der Hauptakteur mit dem Hummer auf seinem Rennrad hin will, aber das wird die Sendung bestimmt erklären. :wink:
Der nächste Tag startet wieder sonnig und wir machen eine kurze Wanderung in der Nähe von Silwick und besuchen den Stanydale Temple.
Die Nacht verbringen wir beim Westings Inn, einem Pub mit Stellplatz. Die Aussicht ist zwar toll, aber leider liegt das Inn direkt an der Straße und somit ist es ziemlich laut.
Wir werden durch den Regen auf dem Womodach geweckt. Es herrscht ziemlich trübes Wetter, Regen, Nebel und ein recht starker Wind. Nach dem Frühstück fahren wir zur Lunna Kirk, der ältesten Kirche auf den Shetlands. Ich laufe etwas an der Küste entlang, aber toll ist die Aussicht nicht.
Viel unternehmen kann man bei so einem Wetter ja nicht, aber wir entscheiden uns trotzdem für eine kurze Wanderung in Hillswick.
Dort prangt dann allerdings eine großes Schild „Beware the Bull“ am Beginn des Wanderweges und wir lassen es lieber bleiben, man weiß ja nie…
Das Wetter wird schließlich doch wieder besser und mir sticht der höchste Berg der Shetlands, der Ronas Hill, ins Auge. Da müsste man eigentlich noch rauf. So fahren wir die paar Kilometer wieder nach Esha Ness zum Leuchtturm. Unterwegs finden wir auch wieder die ein oder andere Kuriosität.
In Esha Ness gibt es heute sogar mal einen Sonnenuntergang.
Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne und meinem Ausflug zum höchsten Berg der Shetlands steht Nichts mehr im Wege.
Der Ronas Hill ist einer der unattraktivsten Berge, die ich je bestiegen habe. Los geht es von einer Radiostation, immer seicht und ohne Weg bergauf, vollkommen öde. Auf dem Gipfel stecke ich dann auch noch in einer Wolke, also auch Nichts mit schöner Aussicht!
Nach drei Stunden bin ich wieder beim Auto und wir fahren erneut nach Braewick auf den CP. Am Abend laufen wir nach Stennes, um uns den Dore Holm von nahem anzuschauen.
Unter ständiger Beobachtung der tierischen Ureinwohner führt der Weg immer an der Küste entlang, bis man vor dem gewaltigen Dore Holm steht.
Am nächsten Morgen wache ich mit Zahnschmerzen auf. Da man die ja gar nicht und im Urlaub erst recht nicht gebrauchen kann, führt uns unser erster Weg heute Morgen nach Brae zum National Health Service. Zum Glück ist es „nur“ eine Zahnfleischentzündung. Von der wirklich sehr netten Ärztin bekomme ich eine Salbe und Spülung verschrieben und am Abend geht es mir dann auch wieder gut. Den Tag verbringen wir wieder in Braewick, machen eine schöne Küstenwanderung und laufen zum einsam gelegenen Broch nach Esha Ness.
Unser letzter Tag auf den Shetlands ist angebrochen und wir fahren nach Lerwick, um noch ein wenig in der Stadt rumzulaufen.
Wir gehen im Shetland Museum Cafe trinken und Uschi und Paula gehen noch mal ins Spaßbad von Lerwick schwimmen. Das Wetter meint es leider nicht gut mit uns, denn es wird zunehmend dunkler und stürmischer. Um 17 Uhr sind wir pünktlich am CheckIn und um 19 Uhr geht es dann auch wieder los Richtung schottisches Festland. Das Wetter ist wirklich lausig und das Schiff muss ordentlich kämpfen. Viele ziehen sich schon früh in ihre Kabinen zurück und gegen 21 Uhr sind nur noch Paula und ich in der Bar.
Die Nacht war echt übel. Das Schiff hat geschaukelt und gewackelt, das an Schlaf kaum zu denken war. Aberdeen empfängt uns mit gruseligem Wetter, es regnet, es ist nebelig und kalt.
So beeilen wir uns vom Schiff zu kommen und fahren Richtung Stirling, um uns das frisch renovierte Castle anzuschauen. Unterwegs wird auch das Wetter immer besser und in Stirling scheint sogar die Sonne.
Das Castle ist schon sehenswert, auch wenn die Massen an Touristen einem nach der Einsamkeit der Shetlands schon merkwürdig vorkommen.
Es wird eine spezielle Kinderführung angeboten und die Kinder können sich verkleiden.
Holzdecke in Stirling Castle
Wir verlassen Stirling und fahren nach St.Monans an die Ostküste. Dort soll es eine Art Klettersteig direkt an der Küste geben, den wollen wir uns mal anschauen.
Der Klettersteig sieht recht nett und interessant aus, nur leider kommt uns die Flut in die Quere und so müssen wir leider frühzeitig den geordneten Rückzug antreten. Auf jeden Fall ein Grund nochmals wiederzukommen.
Da es noch früh am Tag ist, fahren wir weiter nach Queensferry an der Firth-Brücke. Von hier startet ein Boot, das uns zur Inchcolm Abbey mitten im Firth gelegen bringt.
Auf der kleinen Insel lebt nur ein Ehepaar, welches bei Historic Scotland angestellt ist und die kleine Insel betreut. Man hat zwei Stunden Zeit und wir stöbern durch die alte Abbey. Paula löst wie üblich das Kinderrätsel und bekommt dafür einen weiteren Aufkleber.
Nach zwei Stunden kommt uns das Boot wieder abholen und bringt uns gemütlich zurück nach Queensferry. Von den auf den Flyern versprochenen Delphinen sehen wir natürlich Nichts. Eins der Besatzungsmitglieder erzählt dann auch ganz offen und fröhlich, dass er selber in all den Jahren Dienst auf dem Ausflugsboot auch erst einmal welche gesehen. Na dann … Beeindruckend ist natürlich die Zugbrücke über den Firth.
Von Queensferry fahren wir nach Moffat, wo wir auf dem CP die Nacht verbringen. Unseren letzten Abend in Schottland verbringen wir dann natürlich im Pub, standesgemäß Abschied nehmen muss halt sein.
Moffat
Der nächste Tag ist schnell erzählt, da wir von Schottland den weiten Weg nach Süden bewältigen müssen. Nach einer vollkommen ereignislosen Fahrt kommen wir am frühen Abend bei „unserem“ Pub in St. Margarete’s at Cliffe an, wo wir wieder auf dem Parkplatz übernachten dürfen.
Ein schöner Urlaub geht zu Ende und die 4 Wochen sind mal wieder wie im Flug vergangen. Wieder einmal haben Land und Leute Lust auf mehr gemacht. Wir verlassen die Inseln mit dem Gefühl, immer noch nicht alles gesehen zu haben und freuen uns schon auf den nächsten Besuch!



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Juni 2025