Es dämmert schon als wir wieder beim Auto sind und wir müssen uns dringend einen Platz für die Nacht suchen. Die POI-Suche unseres Navis schlägt uns einen Pub in Garreg vor, sicherheitshalber rufen wir kurz an und prüfen, ob der Pub wirklich Womos auf seinem Parkplatz duldet. Die Pub-Besitzerin freut sich und reserviert auch sofort einen Tisch für uns.
Kurz vor acht kommen wir beim Brondanw Arms in Garreg an und genießen kurz darauf das Essen.
Brondanw Arms
Am nächsten Tag besichtigen wir Harlech Castle und Paula löst das inzwischen obligatorische Rätsel.
Harlech Castle
In dem Ort gibt es ein steiles Sträßchen, das zu den steilsten in ganz Europa gehört. Wir verzichten auf eine Befahrung, man muss ja nicht Alles ausprobieren.
Gegen Mittag wird das Wetter wieder freundlicher und wir fahren immer an der Küste entlang, Richtung Süden. Wir halten zwischendurch öfter an, besichtigen die ein oder andere Sehenswürdigkeit und landen gegen frühen Abend auf einem CP in der Nähe von Aberdovey.
alter Friedhof
Eisenbahnbrücke in Barmouth
Der Camping-Warden zeigt uns stolz seine sanitären Anlagen, unseren Stellplatz und sieht dann Paula im Auto sitzen. „Ob dies ein Kind wäre?“ fragt er. Was soll man darauf antworten? Wir antworten nach bestem Wissen und Gewissen mit „Ja“ … „Oh, sorry this campsite is for adults only!“ Wir möchten gar nicht wissen, warum dieser CP nur für Erwachsene ist. Da eine Diskussion zwecklos ist, fragen wir ihn nach einer Alternative.
Hilfsbereit ist der Warden, und so ruft er einen Kumpel an, der auch einen CP hat. Dieser ist zwar im Moment wegen Renovierung geschlossen, aber wir dürften trotzdem auf seinem Platz übernachten, Frischwasser tanken und die chemical disposal nutzen. Auch hier beginnt der Warden sofort mit einer Brexit- und Flüchtlingsdiskussion, sehr merkwürdig. Abends fahren wir ein paar Kilometer bis zum mondänen Städtchen Aberdovey. Dort stehen auf dem geräumigen Parkplatz fünf Womos, die wohl auch hier schlafen. Tja, hätten wir das gewusst. Aber da unser CP ja auch kostenfrei ist, stört es uns nicht weiter. Und für’s nächste Mal wissen wir dann ja Bescheid.
Aberdovey
Time and Tide Bell --> Link
Die Nacht war recht laut, da der CP direkt an der Straße liegt. Der Vorteil ist, dass man ist früh wach ist und dementsprechend früh weg kommt. Das Wetter ist immer noch recht lausig. Unser erstes Ziel für heute ist das kleine Marktstädtchen Machynlleth mit seinem markanten Uhrenturm. Wir stöbern durch die Geschäfte und stocken unsere Lebensmittelvorräte auf.
Machynlleth
Den nächsten längeren Halt machen wir in dem Strandbad Aberystwyth. Wir haben Hunger und finden ein nettes Lokal, in dem wir eine ausgezeichnete Jacket Potato serviert bekommen.
Pier in Aberystwyth
Seafront in Aberystwyth
Aberystwyth ist ein betriebsames Städtchen mit einer schönen Seafront und einem traditionellen Pier, wie sich das für ein britisches Seebad gehört.
Es ist Sylvester und wir suchen uns früh einen Stellplatz für die Nacht. Unsere Wahl fällt auf den Strumble Head in der Nähe von Fishguard.
Auch dieser Leuchtturm liegt fotogen auf einer kleinen vorgelagerten Insel und hat ein sehr kräftiges Leuchtfeuer, das zum Landesinneren hin kaum abgedeckt wird.
Der Platz ist am Nachmittag noch gut besucht, aber am Abend leert es sich und als es dunkel wird, sind wir alleine. Wirklich erstaunlich, wie hell der Leuchtturm ist.
der Strahl macht die Nacht zum Tag
Wir essen gemütlich zu Abend, schauen uns eine DVD an und lassen es um zwölf ein wenig knallen ( bildlich gesprochen - Paula hat Angst vor Böllern, deshalb dürfen wir nur Wunderkerzen anzünden ).
Es wird windig, ab 05:00 ist an Schlafen nicht mehr zu denken und wir machen etwas, das wir noch nie gemacht haben - wir machen uns aus dem Staub. Wir wecken Paula und fahren bei strömenden Regen und kräftigen Orkanböen 20 Minuten im Schlafanzug nach Fishguard auf einen öffentlichen Parkplatz. Hier ist es merklich ruhiger und wir legen uns noch mal für zwei Stunden auf’s Ohr.
Nach einem Frühstück ohne besonderen Ausblick fahren wir nochmal zum Strumble Head hinaus, wir wollen uns den Felsen mal bei Sturm anschauen. Der Wind kommt aber leider von der falschen Seite. Das Meer ist zwar ziemlich wild, aber so richtig hohe Wellen bringt der Sturm nicht zustande.
das Meer ist zwar unruhig aber die richtig großen Wellen bleiben aus
Über Abercastle fahren wir nach Porthgain.
die Telefonzelle hat eine neue Verwendung bekommen
Porthgain
In Porthgain wollen wir eigentlich etwas Essen und Trinken, aber da Neujahr ist, scheint alles ausgebucht sein. Wir fahren unverrichteter Dinge weiter nach St. Davids und finden ein Cafe am Strand in Whitesands.
Wir übernachten bei der Noddfo Farm in der Nähe von Croes Goch. Das ist zwar ein einfacher CP, aber die sanitären Anlagen sind sehr gut - immerhin hat man ein richtiges Badezimmer für sich.
CP Noddfo Farm
Am nächsten Morgen sind wir früh in St. Davids. Wir wollen uns die Kathedrale und den Bischofs Palast anschauen.
St. Davids
Kathedrale
Ein Besuch der Kathedrale ist absolut zu empfehlen. Die anfallende Spende für „Eintritt“ mit 3£ pro Person und noch mal 2£ für’s Fotografieren nehmen wir eher widerwillig hin. Was aber daran liegen mag, dass in Deutschland der Eintritt wegen der Kirchensteuer – noch – frei ist. Möchte man sein Stativ aufstellen, werden zusätzliche 10£ fällig – das finden wir teuer.
Nach der Kathedrale besichtigen wir den angrenzenden Bischofs Palast. Das Rätsel ist diesmal wie eine Schnitzeljagd aufgebaut, so dass Paula mal wieder großen Spaß hat. Der Eintritt ist für uns als mehrjähriges Mitglied von Historic Scotland übrigens auch bei allen von Cadw betreuten Sehenswürdigkeiten kostenlos.
Bischofs Palast
Das Wetter ist super und wir fahren weiter zum St. Anne’s Head. Auch hier erwartet uns ein schöner Leuchtturm, wenn auch die Kulisse mit den Industrieanlagen von Pembroke keinen besonders schönen Hintergrund bilden.
St. Anne’s Head
Am Abend sehen wir dann in der Ferne unseren ersten Schnee in diesem Winter und sofort machen wir uns auf den Weg dorthin. Der Pen-Y-Fan, der höchste Berg der Breacon Beacons, leuchtet einladend und uns ist sofort klar: da müssen wir morgen hoch!
Wir lesen schnell im Reiseführer nach von wo man starten muss und fahren zum großen Parkplatz am Nature Center. Hier steppt echt der Bär! Hunderte von Autos und Unmengen an Menschen! Vom expeditionsmäßig ausgerüsteten Bergsteiger bis zur leicht bekleideten Dame mit Stöckelschuhen alles ist hier anzutreffen. Die Bergwacht ist auch vor Ort und transportiert die Verletzten ab. Drei Fressbuden buhlen um die Gunst der Kunden. Ich frage einen der Verkäufer, was denn hier los wäre und er sagt, dass wäre immer so hier. Ah so, ja dann bedeutet das auf jeden Fall, dass wir früh starten werden. In solchen Menschenmengen haben wir keine Lust, den Berg hochzulaufen. Um zehn Uhr abends kommen immer noch Wanderer mit Stirnlampe in der stockdunklen Nacht den Berg runter gestiefelt. Die Nacht wird lausig kalt und mit -9°C stellen wir unseren Kälterekord auf.
Der Brecon Beacons Nationalpark wurde 2012 zum ersten internationalen Lichtschutzgebiet erklärt und der Sternenhimmel ist wirklich phantastisch.
Um kurz nach acht starten wir am Morgen zum Gipfel des Pen-Y-Fan. Die ersten sind wir nicht, ein paar Wanderer wollten wohl den Sonnenaufgang auf dem Gipfel erleben und sind schon um 5 Uhr früh gestartet. Der Weg ist super präpariert und im Sommer könnte man ihn locker mit einem Geländewagen befahren. Nun im Winter wird es mit steigender Höhe immer glatter.
hier geht's los
Irgendwann wird der Weg zu einer einzigen Eisfläche, was auch ganz klar ist, wenn man die Menschenmenge bedenkt, die hier schon vor uns hochgegangen ist. Die ersten Wanderer kommen uns schon wieder entgegen. Erzählen aber, dass sie es zum Teil nicht bis zum Gipfel geschafft haben, weil es sei zu eisig da oben sei. Wir kämpfen uns weiter hoch.
Und dann passiert etwas, was für uns total untypisch ist. Wir sind auf dem Gipfel und haben Aussicht! Kein Regen, kein Nebel - einfach nur einen tollen Blick in die umgebende Landschaft.
wir sind oben
Wir halten uns nur kurz auf dem Gipfel auf, es ist einfach zu windig und zu kalt. Für den Rückweg wählen wir einen anderen Weg, der nicht so frequentiert ist. Dort lässt sich wesentlich besser gehen.
unsere Tour
Der Rückweg gestaltet sich auf jeden Fall einfacher als der Aufstieg, von der Aussicht ist er aber mindestens genauso schön.
Nach gut vier Stunden sind wir wieder beim Auto, der Parkplatz ist wieder gerammelt voll und sofort finden sich drei Autos, die auf unseren Platz spekulieren. Wir lassen die drei die Sache unter sich ausmachen und fahren nach Caerphilly. Dort gibt es ein riesiges Castle, das wir noch besichtigen wollen. Die Anlage ist ziemlich groß und Paulas Rätsel ist diesmal wie eine Schatzsuche mit richtigem Schatz am Ende aufgebaut, sehr gut gemacht.
Caerphilly
das Castle hat sogar einen Drachen
das Castle ist eine riesige Anlage
der rechte Turm ist schiefer als der in Pisa
Kurz nach vier schlagen wir bei der Touri-Info in Caerphilly auf. Wir wollen morgen nach Cardiff, der Hauptstadt von Wales, und hoffen auf einen Tipp für einen nahen CP mit guter Ausgangsposition nach Cardiff. Die guten Damen der Touri-Info sind sehr bemüht und reservieren uns einen Platz direkt in Cardiff auf dem Cardiff Caravan Park. Wir müssen nur innerhalb einer Stunde bis spätestens um fünf Uhr dort sein.
Gesagt, getan: Wir geben Gas und unser superschlaues Navi schickt uns quer durch Cardiff. Kurz vor fünf sind wir an der Rezeption und bekommen unseren Platz zugewiesen. Der Platz und die sanitären Anlagen sind sehr sauber und man brauch nur zwanzig Minuten zu Fuß bis ins Zentrum.
Abends laufen wir dann natürlich noch Cardiff rein und schlendern durch die Gassen. Zur Abwechslung gibt es heute mal kein Pie oder Fish’n‘ Chips, Paula verlangt nach einer Pizza.
Cardiff Castle
Am nächsten Tag ist Sightseeing und Shopping in Cardiff angesagt und gegen neun Uhr gehen wir durch den Sophiapark ins Zentrum von Cardiff. Eine Besichtigung des Castles sparen wir uns, da der Eintritt für uns drei 33 Pfund kosten würde. Cardiff hat viel zu bieten, eine große Fußgängerzone mit jede Menge Shopping Malls, alte Markthallen, eine tolle Hafen-City usw.
Um 15 Uhr sind wir wieder beim Auto. Wir durften das Womos, da auf dem Platz im Winter wenig los ist, für unseren Stadtausflug kostenlos auf dem CP stehen lassen. Im Sommer hätten wir 10 Pfund bezahlen müssen, was immer noch ein recht guter Preis ist. Unsere Erfahrungen mit dem Park&Ride in britischen Städten haben wir j auch schon gemacht.
Auf großartige Fahrerei haben wir jetzt keine Lust mehr und so schlagen wir unser Quartier am Nash Point auf, eine Landzunge nahe dem kleinen Ort St. Donats.
Es dämmert schon als wir ankommen und die untergehende Sonne taucht die Küste in ein merkwürdig violettes Licht. Wir sind alleine auf dem Parkplatz und suchen uns erst mal einen geraden Platz zum Schlafen.
Ein toller Platz, nur ab und zu hört man eine Glocke läuten, die sich auf einer Boje ca. 100 Meter vor der Küste befindet. Eine Warntafel informiert darüber, dass hier im Schnitt 56 Menschen pro Jahr von der Flut überrascht werden und gerettet werden müssen. Den Abend verbringen wir im nahen The Horseshoe Inn, urgemütlich und mit gutem Essen.
Die Nacht war kalt und am Morgen braucht die Heizung eine Weile, um das Auto wieder auf Temperatur zu bringen.
Ich gehe vor dem Frühstück nochmal zum Fotografieren an den Strand und muss feststellen, dass die Flut hier wirklich recht flott kommt.
Paula und Uschi wollen unbedingt mal im Winter nach Stonehenge und wir müssen so langsam wirklich auch an die Rückreise denken. Aber bevor wir dann für dieses Mal Wales verlassen, besichtigen wir noch die Tintern Abbey.
Die alte Abtei liegt im bekannten Wye Valley und wurde, wie die meisten Abbeys , unter Heinrich VIII aufgelöst.
Wye Valley
Tintern Abbey
Gegen vier Uhr erreichen wir Stonehenge und sind schon, bevor wir es überhaupt zu sehen bekommen, sehr enttäuscht. Das hatten wir vollkommen anders in Erinnerung. Es gibt nun ein neues Besucherzentrum, von dem man mit Bussen zum Denkmal chauffiert wird. Die Straße, die früher am Stonehenge vorbeiführte, ist für die Öffentlichkeit nicht mehr befahrbar. Nur noch von der Schnellstraße kann man einen kurzen Blick auf den Steinkreis erhaschen. Anhalten und den Anblick zu genießen ist hier eher lebensgefährlich, die vorbeirauschenden LWK fahren hier schließlich auf ihre 100km/h. Wir verschieben die Besichtigung auf den morgigen Tag und fahren zu einem nahen Pub, wo wir uns auf den Parkplatz stellen dürfen.
Am nächsten Tag also Stonehenge, 16,50 Pfund/ Person finde ich schon fast unverschämt. Wir kommen zwar wegen Historic Schottland auch hier kostenlos rein, aber meiner Meinung nach sollte ein Weltkulturerbe für jeden zugänglich sein oder der Eintritt zumindest erschwinglich sein. Der Unterhalt dieses Denkmals kann eigentlich nicht so viel Geld verschlingen, die Steine haben ja auch tausende Jahre ohne jede Zuwendung überlebt. Aber wahrscheinlich dient das Geld überwiegend dazu, den Haufen an Personal und das teure Glas-Besucherzentrum zu finanzieren.
kennt ja wohl jeder
Nach gut vierzig Minuten fahren wir weiter und landen auf dem Stadt-CP in Brighton. Brighton kennt irgendwie jeder, der mit der Schule mal in England war. Paula muss nächstes Jahr hin, wir wollten nur mal alte Erinnerungen auffrischen. Der CP liegt etwas außerhalb und ist für einen Stadtcamping mit 21 Pfund inkl. Strom eigentlich recht günstig. Wir bekommen einen Platz mit Ausblick auf ein abgefackeltes Wohnmobil, nicht schön. Es soll eine Lichterkette gewesen sein, erzählt mir ein anderer Camper. Die Bewohner waren wohl in der Stadt als es passiert ist, puh was für ein Überraschung, nach einem Ausflug zurückzukommen und dann sowas vorzufinden.
Abends fahren wir dann noch mit dem Bus in die Stadt und gehen in einem der zahlreichen Pubs essen. Brighton gefällt uns mit seinen kleinen Gassen sehr gut.
Royal Pavilion
Wir dürfen das Auto am nächsten Tag bis 3 Uhr auf dem CP stehen lassen und so fahren wir morgens nochmal nach Brighton. Natürlich besuchen wir das Pier mit seinen Amusements, schlendern durch die Geschäfte und bewundern die alten viktorianischen Häuserfronten an der Seaside.
das Pier von Brighton
Seafront
Den letzen Abend verbringen wir dann wie üblich bei „unserem“ Pub in St. Margaret’s at Cliffe.
Der nächste Tag verläuft bald schon routiniert, wir bekommen die Fähre um 8:45 und sind bei nebeligem Wetter um 15 Uhr wieder in Aachen.
Schön war’s. Wales im Winter hat schon was, wobei es ruhig ein wenig mehr Winter hätte sein dürfen. Aber toll ist natürlich, dass es nicht so überlaufen ist wie im Sommer. Immer noch gibt es Ecken, die wir mal wieder „links“ liegen lassen mussten und so heißt es auch diesmal: Wir kommen bestimmt bald wieder!



Januar 2026
Juni 2025