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gnarz18
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Eine Reise zu den Orkney-Inseln_II

permanenter Linkvon gnarz18 am 25 Jan 2026 17:59:01


Gegen Mittag erreichen wir Kirkwall. Wir suchen uns einen Parkplatz, der weit genug vom Geschehen entfernt liegt. Der Platz vor der St. Magnus Kathedrale füllt sich schnell. Alle warten gespannt auf das, was gleich passieren wird. Fenster und Hauseingänge sind vorsorglich mit massiven Balken geschützt – ein klares Zeichen dafür, dass man auf das, was gleich kommt, gut vorbereitet ist. Dem Spiel steht also nichts mehr im Wege.

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noch ist es ruhig in den Straßen von Kirkwall

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langsam füllt es sich

Es dauert nicht lange, bis die erste Mannschaft auftaucht. Man bleibt jedoch noch stehen, bis auch die Gegner am anderen Ende der Straße erscheinen. Tradition muss schließlich gewahrt werden.

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die Doonies

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und die Uppies

Kurz vor 13 Uhr bewegen sich beide Gruppen aufeinander zu und direkt vor der Kathedrale bildet sich eine große, dichte Menschenmenge.

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man sucht die körperliche Nähe zum Mitspieler

Pünktlich mit dem Glockenschlag wird der Ball – der sogenannte Ba – ohne Vorwarnung in die Menge geworfen. Das Spiel beginnt.

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der Ba wird eingeworfen

Die Regeln sind denkbar einfach, es gibt nämlich: Keine – genau das macht die Sache kompliziert. Es „spielen“ zwei Mannschaften: die Uppies und die Doonies. Zu welcher Mannschaft man gehört, entscheidet traditionell der Geburtsort. Da heute allerdings die meisten Akteure im einzigen Krankenhaus der Stadt geboren werden, zählt stattdessen der Geburtsort der Eltern oder Großeltern. Ziel ist es, den Ball ins eigene „Tor“ zu bringen. Für die Doonies ist das Tor das Hafenbecken, für die Uppies eine bestimmte Hauswand. Weitere Regeln gibt es praktisch nicht.
Eine Mannschaft kann aus beliebig vielen Mitstreitern bestehen. Je mehr, desto besser natürlich. Trikots oder Kennzeichnungen erkennen wir nicht. Aber jeder scheint hier jeden zu kennen und zu wissen, wer zu welcher Mannschaft gehört. Allerdings wird darauf geachtet, dass das Ganze nicht völlig aus dem Ruder läuft. Sollte bei jemandem die Sicherung durchbrennen, wird die betreffende Person kurzerhand aus der Menge gezogen, bis sie sich wieder beruhigt hat.
Ach ja, das Ganze ist reine Männersache. Es gab mal eine Saison mit Frauen-Mannschaften, diese Variante des Spiels konnte sich allerdings nicht durchsetzen.

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wo ist der Ba?

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Es wird geschoben, gebrüllt, gezerrt. Wo der Ball ist, weiß niemand so genau. Er verschwindet vollständig in der Menschenmasse. Nach gut einer Stunde bewegt sich die Menge langsam über die Straße, als sich plötzlich eine Gruppe abspaltet und davonrennt. Ob sie den Ball haben oder nur Bluff betreiben, weiß niemand – genau das ist der Punkt.

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manchmal gerät man auch etwas heftiger aneinander

Manche Akteure liefern sich ihre ganz persönlichen Nebenkriegsschauplätze, werden aber schnell von anderen Teilnehmern wieder voneinander getrennt. Spätestens jetzt wird auch klar, warum Fenster und Türen mit massiven Balken gesichert sind – diese Menschenmenge würde unweigerlich alles eindrücken, was ihr im Weg steht.

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Langsam wird es dunkel, als sich das Geschehen in eine kleine Gasse in Richtung Uppies-Tor verlagert. Doch den Doonies gelingt es, über Hinterhöfe mit dem Ba zu entkommen und sich Richtung Hafen durchzuschlagen.

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es wird gezerrt, geschoben, egal wo und wie

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auf dem Weg zum Uppies Tor

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An einer Hauswand wird die Gruppe noch einmal gestoppt. Zunächst passiert wieder … nichts. Dann klettern plötzlich zwei Jugendliche auf die Mauer hinter den Akteuren, und die Doonies schaffen es, den Ba nach oben zu reichen. Die beiden verschwinden mit dem Ball durch Hinterhof und Garten des Hauses. Niemand weiß nun, wo sie sind – oder ob sie überhaupt wieder auftauchen. Es soll schon vorgekommen sein, dass der Ba stundenlang mit dem Auto über die Insel gefahren wurde. Heute werden die beiden Jugendlichen jedoch an der Tankstelle nahe des Hafenbeckens entdeckt und aufgehalten. Vorsorglich positionieren sich bereits einige Akteure im Peedie Sea, einem kleinen See nahe dem Zentrum von Kirkwall – bei den Temperaturen sicher kein großes Vergnügen.

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wer jetzt Tanken möchte, hat ein Problem

Nun geht es langsam, aber stetig Richtung Hafenbecken. Auf einem nahegelegenen Parkplatz wird noch einmal ordentlich gerangelt, der ein oder andere Außenspiegel der dort unvorsichtigerweise abgestellten Fahrzeuge muss dabei dran glauben. Nach insgesamt vier Stunden ist es schließlich geschafft: Die Doonies erreichen das Hafenbecken und versenken den Ba. Gewonnen!

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der Sieger

Der Jubel bei den Doonies ist entsprechend groß, während die Uppies frustriert das Weite suchen. Allerdings bleibt ihnen die Hoffnung auf Revanche – denn an Neujahr wird das Spiel erneut ausgetragen. Und diese Chance werden sie auch nutzen.
Wir machen uns auf den Rückweg zu unserem Auto und fahren weiter zum Ring of Brodgar. Auf dem großen Besucherparkplatz verbringen wir die Nacht. Zu unserer Überraschung sind wir nicht allein – zwei weitere Wohnmobile gesellen sich noch zu uns. Gemeinsam trotzen wir der für die Orkney typische Winterkälte.


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richtig was los, auf dem Parkplatz :D

Am nächsten Morgen ist es leider erneut stark bewölkt. Nach einem ausgedehnten Frühstück fahren wir an die Westküste von Mainland, um dort einen kurzen Spaziergang zu alten Fischerhütten zu unternehmen. Diese kleinen Steingebäude wurden um 1900 errichtet und dienten früher als einfache Unterkünfte und Lagerräume für Fischer, die hier oft tagelang auch bei heftigem Wetter draußen waren.

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Das volle Erlebnis sind die Hütten heute nicht mehr. Die Küste dagegen mit ihren riesigen, flach geschliffenen Felsplatten ist beeindruckend. Auch hier sieht man sehr schön, wie der Atlantik über Jahrtausende das Gestein bearbeitet hat. Wir lassen uns ordentlich Zeit, trödeln ein wenig herum und da die Sonne inzwischen schon recht tief steht, fahren wir weiter nach Birsay, in der Hoffnung, dort vielleicht noch einen schönen Sonnenuntergang zu erwischen.

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die Hauptinsel Mainland ist flach, im Hintergrund die Hoy

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Birsay

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Leider sind zu viele Wolken am Himmel, statt Sonnenuntergang gibt es nur einen dramatisch beleuchteten Horizont – immerhin etwas fürs Auge. Die Nacht verbringen wir am Broch of Gurness, einer gut erhaltenen eisenzeitlichen Siedlung aus etwa 500 v. Chr. bis 200 n. Chr.. Der Stellplatz liegt schön abgelegen direkt am Meer, ist allerdings leicht schief. Mit ein paar Keilen lässt sich das aber gut ausgleichen. Neben uns steht noch ein Kastenwagen aus der Nähe von Inverness. Wir fragen uns ernsthaft, wie man es schafft, in so einem Fahrzeug mit zwei Erwachsenen und vier Hunden zu reisen – zwei Border Collies, ein Husky und ein Windhund. Respekt.

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Broch of Gurness

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unser Stellplatz

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der Broch von oben

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Jetzt im Winter ist das Kassenhäuschen dauerhaft geschlossen, aber der Broch kann kostenlos besichtigt werden. Im Sommer kostet der Besuch natürlich Eintritt, was angesichts des Erhaltungszustands der Anlage auch absolut gerechtfertigt ist. Sofern man auch die anderen Sehenswürdigkeiten wie Maes Howe, Skara Brae usw. plant zu besuchen, lohnt sich in Orkney der Explorer Pass vom Historic Scotland auf jeden Fall.
Der nächste Morgen startet überraschend sonnig und wir fahren nach Skara Brae. Eigentlich hoffen wir auf das Café im Visitor Center, doch leider hat dieses mittlerweile im Winter geschlossen. Schade, im Winter vor 5 Jahren haben wir hier einen sehr leckeren Snack genossen. Wenn wir schon hier sind, schauen wir uns natürlich trotzdem noch einmal das Dorf an. Skara Brae ist eine der bedeutendsten neolithischen Siedlungen Europas und wurde etwa 3200–2500 v. Chr. bewohnt – ist also älter als Stonehenge und die Pyramiden von Gizeh.

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Skara Brae

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Nach Rückfrage und unter strenger Aufsicht darf ich die Drohne steigen lassen. Wir kommen mit dem Warden ins Gespräch. Er war früher Feuerwehrmann in Manchester, bis ihn die Liebe auf die Orkney-Inseln verschlagen hat. Bei unserem letzten Besuch durften wir noch zwischen den Häusern entlang gehen und auch in die einzelnen Häuser hineingehen. Er erklärt uns, dass Besucher sich heute ausschließlich auf dem gepflasterten Weg durch das Dorf bewegen dürfen. Die enormen Besucherzahlen – und leider auch das teilweise rücksichtslose Verhalten mancher Touristen – haben diese Maßnahme notwendig gemacht. Außerdem erzählt er uns, dass viele Sehenswürdigkeiten auf Orkney zusätzlich zu den steigenden Besucherzahlen durch Erosion, Wetter und Erschütterungen stark gefährdet sind.
Nach diesem kurzen, aber sehr informativen Besuch wollen wir das gute Wetter nutzen, zum Yesnaby Castle wandern – einer markanten Felsnadel vor der Küste von Yesnaby. Bei dem schönen Wetter ist erstaunlich viel los, wir sind ausnahmsweise mal nicht allein unterwegs.

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schroffe Küstenlandschaft in Yesnaby

Der Weg ist nicht weit, schon nach kurzer Zeit kommt das „Castle“ in Sicht. Der Name ist etwas irreführend – eine Burg war es nie –, aber die Felsformation ist spektakulär und ein schönes Beispiel für die dramatische Küstenlandschaft der Orkney-Inseln.

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Yesnaby Castle

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Der Warden von Skara Brae hatte uns außerdem noch auf das Grain Earth House in Kirkwall hingewiesen und meinte, das sollten wir uns unbedingt anschauen. Da wir ohnehin Richtung Kirkwall müssen – Paula fliegt bald von dort zurück –, passt das perfekt. Um das Earth House zu besichtigen, muss man sich in einem Wollgeschäft gegenüber der Kathedrale den Schlüssel abholen. Danach fährt oder läuft man ins Industriegebiet, wo sich das Erdhaus befindet. Bis Kirkwall ist es nicht weit und wir finden tatsächlich einen Parkplatz direkt vor dem Geschäft. Paula springt kurz hinein und kommt schnell mit dem Schlüssel wieder heraus. Kein Pfand kein GarNix, eine Telefonnummer reicht zur Übergabe aus. Der Eingang zum Earth House liegt gut gesichert mitten im Gewerbegebiet. Wir parken in der Nähe, über eine Leiter steigen wir hinunter in das Erdhaus.

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das Erdhaus im Industriegebiet

Viel Bewegungsfreiheit gibt es dort nicht. Gebückt kriecht man durch einen etwa fünf Meter langen Gang bis in die eigentliche Vorratskammer, wo man immerhin wieder aufrecht stehen kann. Das Bauwerk stammt vermutlich aus der Eisenzeit und diente zur kühlen, sicheren Lagerung von Lebensmitteln.

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man muss sich ganz schön klein machen

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Obwohl am Eingang eine Taschenlampe bereit liegt, empfiehlt es sich dringend, eine eigene mitzubringen – denn Licht gibt es dort unten nicht. Nach einem weiteren kurzen Zwischenstopp zwecks Vorratsbefüllung fahren wir noch einmal nach St. Margaret’s Hope ins Robertsons zum Essen und anschließend zurück nach Deerness auf den Stellplatz.

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Am nächsten Tag ist das Wetter leider wieder eher bescheiden, trotzdem wir fahren über die Churchill Barriers in den Süden der Orkney-Inseln. Diese Dämme wurden ab 1940 auf Anordnung von Winston Churchill gebaut, um die britische Flotte in Scapa Flow besser vor deutschen U-Booten zu schützen. Zunächst hatte man versucht, die Durchfahrten mit versenkten Schiffen zu blockieren, doch das reichte nicht aus. Also wurden italienische Kriegsgefangene zum Bau der massiven Betonbarrieren eingesetzt. Um sie bei Laune zu halten, durften sie eine Wellblechhalle zur Kapelle umgestalten. Die Italian Chapel ist außen mit einem schönen Portal und innen mit großartigen Gemälden verziert. Sie ist auf jeden Fall einen Besuch wert, im Winter ist sie leider geschlossen.

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Schiffswracks bei den Barriers, heute ein beliebtes Tauchziel

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Churchill Barriers

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Wir schauen uns die Linklater Stacks an. Direkt unterhalb des Parkplatzes haben es sich ein paar Seehunde auf dem weichen Gras gemütlich gemacht und scheinen vom trüben Wetter völlig unbeeindruckt.

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Linklater Stacks

Anschließend unternehmen wir eine Wanderung zum Hoxa Head, um dort die Hoxa Battery zu besichtigen. Der Weg ist nicht weit, aber ziemlich matschig. Die Befestigungsanlagen stammen aus beiden Weltkriegen und sollten den Hoxa Sound, eine wichtige Zufahrt nach Scapa Flow, vor deutschen U-Booten und Schnellbooten schützen. Heute verfallen die Anlagen langsam und dienen höchstens noch ein paar Schafen als windgeschützter Unterschlupf.

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Hoxa Battery

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Der Tag neigt sich schnell dem Ende zu und so langsam müssen wir uns einen Platz für die Nacht suchen, der nicht allzu weit vom Flughafen in Kirkwall entfernt ist. Paulas Wahl fällt auf den Parkplatz am Ring of Brodgar. Auf dem Weg dorthin kommen wir in Holm am Barrier View Cafe vorbei. Das ist einer Schmuckwerkstatt angegliedert und hat sogar geöffnet. Die Gelegenheit nutzen wir natürlich für einen Nachmittagssnack.
Am nächsten Morgen sind wir pünktlich am Flughafen. Wir finden ganz entspannt einen Parkplatz für unser Wohnmobil – die ersten 2 Stunden sind sogar kostenlos. Der Flughafen besteht im Grunde nur aus einem großen Raum, bietet aber immerhin eine Bar, ein Café und einen kleinen Shop. Wir trinken einen Tee und kurze Zeit später fliegt Paula mit Zwischenstopps in Inverness und London zurück nach Düsseldorf.
Ein weiterer Tipp des Wardens von Skara Brae ist der Cuween Hill Chambered Cairn, unser nächstes Ziel. Dieses neolithische Grab stammt aus etwa 3000 v. Chr. und ist besonders für die zahlreichen dort gefundenen Hundeschädel bekannt.

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der Eingang zum Cairn

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und immer wieder ist Kriechen angesagt

Auch hier muss man durch einen engen Tunnel kriechen und eine eigene Taschenlampe ist dringend zu empfehlen. Außerdem sollte man nicht unbedingt die besten Klamotten tragen – der Tunnel ist feucht, eng und ziemlich verdreckt. Über die Stones of Stenness, einem weiteren Steinkreis aus der Jungsteinzeit, fahren wir anschließend nach Yesnaby, um eine weitere Küstenwanderung zu unternehmen.

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Stone of Stenness

Die Wanderung führt von Yesnaby immer entlang der Küste Richtung Norden, vorbei an einem Broch, bis nach Skara Brae. Der Weg ist recht eben und sehr gut zu gehen. Bei dem schönen Wetter und dem fantastischen Licht ist das Ganze ein absoluter Traum.

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verlassenes Haus in Yesnaby

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es geht immer an der Küste entlang

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noch ein Broch

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Der Broch liegt spektakulär auf einer Felsnase – früher muss es bei Sturm ein echtes Abenteuer gewesen sein, in diesem Wohnturm zu leben. Uns kommen sogar andere Wanderer entgegen, mit denen wir kurz ins Gespräch kommen. Sie empfehlen uns dringend, die neolithischen Stätten auf der Insel Rousay zu besuchen – ihrer Meinung nach die besten in ganz Orkney.

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was für eine Lage...

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Das wird zeitlich knapp, da am nächsten Abend unsere Fähre zurück aufs schottische Festland geht. Aber wenn wir die Fahrräder nehmen und die erste Fähre erwischen, sollte es machbar sein. Zurück am Auto entscheiden wir uns, erneut am Broch of Gurness zu übernachten, da der Platz strategisch günstig für den Ausflug nach Rousay liegt.
Am nächsten Tag steht also Rousay auf dem Plan, das „Ägypten des Nordens“, wie die Insel wegen ihrer vielen archäologischen Stätten gern genannt wird. Wir haben Fahrräder dabei, was sich heute als ausgesprochen kluge Entscheidung erweist. Die Fähre ist schnell erreicht, das Wetter überraschend freundlich. Kaum sind wir auf der Insel, stellt sich dieses typische Inselgefühl ein: wenig Verkehr, viel Weite, noch mehr Ruhe. Außer uns ist nur noch ein englisches Ehepaar an Bord, das die Insel einmal komplett zu Fuß umrunden möchte – immerhin 30 Kilometer. Rousay ist mit etwa 216 Einwohnern dünn besiedelt, bietet aber erstaunlicherweise Kinovorstellungen und einen Motorhome Stopover. Das schwarze Brett auf der Fähre zeugt von einer sehr aktiven Inselgemeinschaft.

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das schwarze Brett auf der kleinen alten Fähre

Nach gut einer halben Stunde erreichen wir die kleine Insel – und müssen uns sputen, um die zahlreichen Sehenswürdigkeiten abzuklappern.

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immer ist alles eng und man muss klettern oder kriechen :wink:

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Vom Fähranleger zum Taversøe Cairn sind es nur ein paar Meter. Auch hier heißt es: tief durchatmen und durch eine enge Öffnung ins Grab kriechen. Bewegungsspielraum war in der Jungsteinzeit offenbar kein großes Thema. Die Cairns auf Rousay sind heute mit Betondächern versehen – das würde man archäologisch vermutlich heutzutage nicht mehr so lösen, aber es vermittelt immerhin einen guten Eindruck davon, wie die Anlagen ursprünglich ausgesehen haben könnten.
Das nächste Grab betritt man tatsächlich durch ein Dachfenster und landet in einem länglichen Bau. Eleganz ist anders, aber funktional war das Ganze damals offenbar.

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Die größte und beeindruckendste Anlage ist Midhowe Tomb and Chambered Cairn. Midhowe Tomb ist ein rund 23 Meter langes Kammergrab, das etwa um 3500 v. Chr. errichtet wurde. Es zählt zu den bedeutendsten neolithischen Grabstätten auf den Orkney-Inseln und ist außergewöhnlich gut erhalten. Ein sehr lesenswerter Artikel dazu findet sich bei Wikipedia.
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Direkt neben dem Grab gibt es außerdem noch einen Broch zu besichtigen. Dieser liegt genau gegenüber dem Broch of Gurness auf Mainland, was stark darauf hindeutet, dass die Küstenregionen hier früher deutlich dichter besiedelt waren, als man das heute vermuten würde.

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Wir müssen zurück und legen eine echte Punktlandung an der Fähre hin – eine Minute später hätten wir sie verpasst. Insgesamt sind wir 25 Kilometer mit dem Rad unterwegs gewesen. Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätten wir die Insel vermutlich komplett umrundet. Aber heute ist der Zeitplan nicht verhandelbar. Wir müssen Gas geben, um rechtzeitig zur Fähre nach St. Margaret’s Hope zu kommen.
Unterwegs fällt mir auf, dass eine britische Nummer versucht hat, mich zu erreichen. Ich rufe zurück – niemand hebt ab. Keine zehn Minuten später klingelt es erneut, genau einmal, und bevor ich reagieren kann, ist wieder Ruhe. Auch dieser Rückruf bleibt erfolglos.
Im Fährhafen klärt sich das Rätsel dann auf: Die Fähre fällt aus – wegen ungünstiger Tide. Man habe versucht, uns zu erreichen. Auf meine vorsichtige Nachfrage, warum man nur einmal klingelt und bei Rückruf nicht abhebt, bekomme ich eine recht schnippische Antwort. Man sei schließlich ziemlich busy. Außerdem könnten wir anstatt bis morgen (oder übermorgen, oder …) zu warten alternativ die Fähre ab Stromness nehmen – falls noch Platz wäre. Darum müssten wir uns allerdings selbst kümmern.
Das ist jetzt schon das zweite Mal, dass uns die Pentland Ferry die Überfahrt kurzfristig absagt. Mal ist es ein Maschinenschaden, diesmal die Tide. Wir fahren also schleunigst nach Stromness, unterwegs buchen wir dank guter Netzabdeckung die Überfahrt. Zum Glück sind noch genügend Plätze frei – im Sommer wäre das vermutlich deutlich komplizierter geworden. Die Fähre ab Stromness ist immerhin nur acht Pfund teurer und das Geld von der Pentland Ferry wird uns tatsächlich zeitnah zurückerstattet.
Um kurz nach 18 Uhr erreichen wir Scrabster, den wichtigen Fährhafen in der Nähe von Thurso. Wir fahren durch Thurso weiter bis nach Castletown. Nach einem schnellen (aber empfehlenswerten) Abendessen im Castletown Hotel suchen wir uns auf dem Parkplatz des Castlehill Heritage Center einen Platz für die Nacht. Es wird nachts richtig stürmisch und auch die Temperaturen sinken deutlich.

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