An Silvester wechseln sich Regen und Sonne ab. Es ist inzwischen richtig lausig kalt geworden, wir starten den Tag ganz pragmatisch mit einem Großeinkauf beim Lidl in Thurso.
Fähranleger in Scrabster
Von dort fahren wir immer entlang der Küste bis zum Abzweig der A897, die in Helmsdale endet. Außer ein paar Holztransportern, die diese Strecke gnadenlos schnell nehmen, begegnet uns kaum ein anderes Fahrzeug. Das Wetter wird besser und wir fahren durch eine wunderschöne Moorlandschaft. Wir sehen viel Wild, mehrere Regenbögen und ansonsten vor allem eins: Weite. Ab und zu steht irgendwo ein einzelnes Haus, ansonsten wirkt die Gegend vollkommen menschenleer.
Einsamkeit pur
In Kinbrace biegen wir auf die B871 ab, die uns wieder an die Nordküste führt – vorbei an Tongue bis nach Bettyhill.
am Ben Loyal
In Bettyhill neigt sich der Tag auch schon dem Ende zu. Wir gönnen uns im The Store Bistro & Bar eine Fischplatte für zwei Personen. Das Bistro ist ausgesprochen gemütlich: In der Ecke knistert Holz in einem Ofen und die Einrichtung erinnert eher an ein leicht unaufgeräumtes Wohnzimmer als an ein Restaurant. Der Fisch ist sehr lecker und reichlich, genau das Richtige bei dem mittlerweile ungemütlichen, stürmischen Wetter draußen.
Da wir keine Lust mehr haben, noch weit zu fahren, suchen wir uns am Skerray Pier einen Platz für die Nacht. Obwohl wir im Schutz eines alten Fischerhauses stehen, werden wir nachts ordentlich durchgerüttelt. Das Meer kommt bis auf wenige Meter an das Auto heran. Man hört deutlich, wie die Wellen gegen die Steine schlagen.
unser Stellplatz am Skerray Pier, ganz rechts sieht man noch unser Auto
Und schon ist 2026! Wir sind früh auf den Beinen, es ist ziemlich kalt und glatt auf den Straßen. Über Tongue wollen wir eigentlich nach Lairg fahren, müssen dann aber umdrehen, weil die Straße gesperrt ist. Wir kommen also erneut an dem einsamen Haus am Ben Loyal vorbei, diesmal mit einer hübschen Schneekulisse.
In Tongue nehmen wir nun die Strecke Richtung Durness – landschaftlich eine absolute Traumroute. Die Straße schlängelt sich durch die karge Landschaft, vorbei am malerischen Loch Eriboll, bis hinauf nach Durness.
Ben Loyal
Tongue
die Straße schlängelt sich durch die Landschaft
Loch Eriboll
In Durness ist der Campingplatz geöffnet, aber im Wintermodus mit Einschränkungen. Für 20 Pfund bekommt man einen Platz in der ersten Reihe inklusive Strom sowie Ver- und Entsorgung. Die Sanitärgebäude sind im Winter geschlossen. Rund zehn Wohnmobile stehen auf dem Platz und genießen die großartige Aussicht auf den Strand. Ich gehe zum Fotografieren an den Strand, hole mir dabei aber prompt nasse Füße – bei diesen Temperaturen kein echtes Vergnügen. Aber es ist einfach zu schön hier.
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es ist kalt geworden und es geht ein lausiger Wind
Durness Beach
es wird immer stürmischer
In der Nacht hat es erneut leicht geschneit, die Straßen sind gefroren. Heute wollen wir nur ein paar Kilometer bis nach Scourie fahren, sodass wir uns viel Zeit lassen können. Die Berge sind leicht gepudert und bilden mit dem dunklen Himmel einen starken Kontrast. Es erstaunt uns immer wieder, wie einsam manche Menschen hier oben leben.
Am Kyle of Durness beginnt es dann stärker zu schneien. Die Straße wird innerhalb kürzester Zeit weiß. Zwischendurch bricht die Sonne durch die Wolken und taucht die Landschaft in ein fast mystisches Licht.
es fängt an heftig zu schneien
was für ein Licht...
Wir nehmen den Abzweig nach Kinlochbervie, in der Hoffnung, dort ein geöffnetes Café zu finden – schließlich wird bereits an der Abzweigung groß darauf hingewiesen. Doch leider erleben wir eine klassische Enttäuschung: Ein riesiges OPEN-Schild prangt am Eingang, jemand ist im Café anwesend, aber die Antwort lautet nur: „Sorry, we are closed today.“ Sowas finden wir immer besonders ärgerlich – dann könnte man es auch einfach dazuschreiben und die Leute nicht kilometerweit umsonst fahren lassen.
Der leichte Schneefall verstärkt die Kontraste in der Landschaft. Wir halten immer wieder an, machen Fotos und lassen auch zwischendurch die Drohne steigen.
Der Campingplatz in Scourie ist erstaunlich gut besucht. Die Rezeption ist zwar nicht besetzt, aber ein Schild erklärt freundlich und unkompliziert, man solle sich einfach auf einen Hardstanding mit Strom stellen. Britischer Pragmatismus at its best. Das angegliederte Restaurant hat eine bemerkenswerte Metamorphose hinter sich: Es wurde in einen SPAR-Laden mit integrierter Bar umgewandelt und trägt nun den großartigen Namen „The Bar in the Spar“ – ein Konzept, das vermutlich nur in den Highlands vollkommen logisch erscheint. Allerdings auch hier wieder das Ärgernis mit den Angaben auf den Schildern am Straßenrand (und leider auch auf den Web-Seiten). Auch dieser Pub wird – allerdings noch mit seinem alten Namen The Anchorage Bar – kilometerweit mit „food served all day“ angepriesen. Tja, was sollen wir sagen … Hier wird natürlich nicht mehr gekocht, die Küche ist wohl dem Spar gewichen. In Sommer wird aber wohl Pizza aus dem Laden warmgemacht. Da haben wir jetzt leider nichts von, also schmeißen wir die Womo-Küche an.
Nachdem wir uns eingerichtet, geduscht und gegessen haben, statten wir der kleinen Bar einen Besuch ab. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn die Bar ist rappelvoll. Einen freien Platz zu ergattern, gleicht einem Strategiespiel, das wir schließlich mit etwas Geduld gewinnen.
Campingplatz in Scurie
In der Nacht hat es bis hinunter zum Campingplatz geschneit, und mit –6,5 °C ist es auch ordentlich frisch. Am Morgen entsorgen wir noch schnell und machen uns dann auf den Weg Richtung Lairg, einem kleinen Ort, der historisch als wichtiger Knotenpunkt für Viehtriebe diente. Die Straßen sind nicht geräumt und an den wenigen Reifenspuren erkennen wir, dass hier vor uns noch nicht viele unterwegs waren.
Loch Laxford
Auf der A838 Richtung Lairg scheinen wir tatsächlich die Ersten zu sein. Es schneit leicht, trotzdem kann man zwischendurch erahnen, dass sich irgendwo hinter den Wolken die Sonne bemüht.
die Straße nach Lairg
Nach einer Weile kommt uns ein Streufahrzeug entgegen, gefolgt von drei schweren LKWs. Ab diesem Moment lässt sich die Straße deutlich entspannter fahren – ein kleiner Sieg der Zivilisation über den Winter.
Es wechseln sich sonnige Abschnitte mit Passagen ab, in denen es so stark schneit, dass man die Straße kaum noch erkennt. Bei diesen Wetter- und Straßenverhältnissen kommt man nur langsam voran – erst recht, wenn man gefühlt alle paar hundert Meter anhält, um die Landschaft zu bewundern oder Fotos zu machen.
Loch Stack
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir schließlich Lairg. Dort nehmen wir dort die Straße nach Lochinver. In Lairg ist nicht viel los. Aber der lokale Shop hat geöffnet und wir kaufen etwas frisches Obst, während sich im Laden kollektiv über die miserablen Straßenverhältnisse beschwert wird – nichts sei geräumt worden, wie so oft im Winter hier oben. Auf Strecken, die selten bis gar nicht vom Winterdienst geräumt werden, haben die Schotten einen „on demand“ Streudienst. So kann zum Beispiel die Müllabfuhr den Streudienst rufen, oder eben auch Firmen, die dann ihre 3 LKW über die einsamen Straßen eskortieren lassen. Kurz hinter Lairg wird das Wetter schlagartig besser und wir fahren ganz entspannt durch die wunderschöne Winterlandschaft.
Wetter pur, mit jede Menge Schnee
und dann wieder Sonne
Als wir wenige Minuten später den Abzweig nach Lochinver erreichen, fängt es allerdings wieder an zu schneien. Bis zu diesem Punkt scheint die Straße von Ullapool her geräumt zu sein. Leider steckt dort ein Tesla mit Sommerreifen im Graben und kommt keinen Zentimeter mehr heraus. Gemeinsam mit ein paar anderen helfen wir, das Auto wieder auf die Straße zu schieben. Wir sind einmal mehr sehr froh über unsere Winterreifen.
ser Abzweig nach Ullapool
Eigentlich wollten wir in Achmelvich Bay übernachten, einer der schönsten Buchten der Region. Aber die Straße dorthin ist nicht passierbar.
auf dem Weg nach Lochinver
Also wird es eben Lochinver, ein kleiner Fischerort, der sich in den letzten Jahren auch einen Namen für gutes Essen gemacht hat. Der Weg führt am Ardvreck Castle vorbei – einer Ruine aus dem 16. Jahrhundert, einst Sitz des Clans MacLeod of Assynt. Wir halten immer wieder an, um zu fotografieren - wobei sich das Anhalten als schwieriger erweist als gedacht: Man weiß nie so genau, wie tragfähig der Untergrund in einer Haltebucht oder auf einem Parkplatz unter Schnee und Eis wirklich ist.
Ardvreck Castle
Loch Assynt
Im Hafen von Lochinver gibt es neben dem Freizeitzentrum einen Stellplatz. Zehn Pfund werden für die Übernachtung ohne alles fällig – das Entsorgen soll dann allerdings nochmals neun Pfund kosten. Wir beschließen spontan, das Entsorgen auf später zu verschieben. Immerhin bietet Lochinver mehrere geöffnete Pubs, die wir auch alle testen. Viel los ist bei diesen Wetterverhältnissen natürlich nicht, aber man kann tatsächlich hervorragend essen und trinken.
Stellplatz am Leisure center in Lochinver
Nach einer ruhigen Nacht mit etwas Neuschnee fahren wir am Loch Assynt vorbei zurück bis zum Abzweig nach Ullapool, wo wir am Vortag dem Tesla-Fahrer aus dem Graben geholfen hatten. Das Licht ist fantastisch: Es ist noch früher Morgen, kein Mensch außer uns ist unterwegs. In der Nacht hat es leicht geschneit, der Schneematsch vom Vortag ist fest gefroren. Von einem Streufahrzeug ist weit und breit nichts zu sehen.
Ardvreck Castle
Ein Blick auf die Gritter-App von Traffic Scotland zeigt, dass der Großteil der Räumfahrzeuge im Osten unterwegs ist. Dort sind laut App gleich mehrere Straßen – sogar die wichtige A9 hoch nach Wick - wegen Schneeverwehungen gesperrt. Wir fahren entsprechend vorsichtig weiter, stoppen erneut am Ardvreck Castle und laufen zur Ruine hinüber.
wir laufen zum Castle
Wir schauen uns das Castle auch von oben an und stampfen anschließend wieder zurück zum Auto. Exakt bis zur Kreuzung nach Ullapool hat der Gritter die Straße geräumt und das Fahren wird schlagartig entspannter. Hinter jeder Kurve wartet nun ein Postkartenmotiv, zumal das Wetter immer freundlicher wird.
die Straße nach Ullapool ist gut befahrbar
traumhafte Winterlandschaften
Stack Polly
Suilven
Für den Abend haben wir den Campingplatz in Altandhu mit Blick auf die Summer Isles reserviert – ein absolutes Muss für uns. An der Kreuzung zu diesem abgelegenen Ort kommen allerdings Zweifel auf, ob das eine kluge Entscheidung war. Die Straße ist nicht geräumt und massive Schneefälle sind angesagt. Wir wagen es trotzdem. Das einzig echte Problem sind die Passing Places, bei denen man nie genau sieht, wo sie anfangen und wo sie enden.
Die Straße ist nur semi-optimal zu fahren: Es gibt Passagen, die fast schneefrei wirken und man denkt, alles sei gut geräumt – und dann plötzlich fährt man über blankes Eis. Bei jeder Gelegenheit, die sich bietet, halten wir an und genießen die wunderschöne Gegend.
Stack Polly
Dann teilt sich die Straße und man muss sich entscheiden, ob man die Ringstraße links- oder rechtsrum fährt. Die Strecke über Achnhaird Beach (rechtsrum) ist unserer Erinnerung nach hügeliger mit mehreren steilen Abschnitten. Wir entscheiden uns für die Variante über Bardentarbet (linksrum), da hat man dort am Pier nur eine moderate Steigung. Ab dem Abzweig ist allerdings nichts mehr geräumt und die Straße ist im moorigen Gelände kaum noch zu erkennen.
Wir kommen ziemlich früh auf dem Campingplatz an. Zum Glück ist die 25%-Zufahrt geräumt und gestreut. Als wir uns bei der Rezeption anmelden, kommen sofort vier andere Wohnmobil-Besatzungen angelaufen und fragen, wie die Straße sei und ob sie befahrbar wäre. Wir geben brav Auskunft, zwei Womos machen sich daraufhin mutig auf den Weg.
Campingplatz in Altandhu
Wir unternehmen eine ausgedehnte Wanderung zu einem nahegelegenen Aussichtspunkt, von dem aus man einen grandiosen Blick auf die Landschaft hat. Die Sonne geht langsam unter und zusammen mit den mächtigen Wolken entsteht ein beeindruckendes Farbenspiel.
Daran können wir uns kaum sattsehen. Leider fängt es – wie vorhergesagt – wieder an zu schneien, und wir beeilen uns, zurück zum Auto zu kommen. Der große Vorteil dieses Campingplatzes ist der nahegelegene Pub, der sehr leckeres Essen anbietet. Diesmal gibt es Saison- und Wetterbedingt leider nur Take-away. Erfahrungsgemäß ist die Qualität dabei allerdings viel schlechter, als wenn man im Pub speist, und so begnügen wir uns mit der Wohnmobilküche.
In der Nacht hat es so viel geschneit, dass die Zufahrt zum Campingplatz nicht mehr befahrbar ist. Ein Franzose mit einem geliehenen Kastenwagen schafft nicht einmal eine Wagenlänge die Auffahrt hinauf – und das steilste Stück kommt erst noch. Es hilft alles nichts: Der Franzose beginnt, Schnee zu schaufeln. Nach und nach helfen alle mit, die wegwollen. Manche warten hier schon seit zwei Tagen darauf, dass die Straße frei wird – so lange können wir leider nicht bleiben. So langsam müssen wir uns auf den Weg Richtung Süden zur Fähre machen.
Nach gut einer Stunde, reichlich Salz und viel Teamarbeit ist die Einfahrt frei. Der Franzose versucht erneut sein Glück. Kurz vor der Straße bleibt er wieder hängen und muss zurück. Nach ein paar Nachbesserungen schafft er es schließlich bis oben auf die Straße und wählt – entgegen unserem Rat – die Strecke über Achnahaird Beach.
Nun versuchen wir selbst, den steilen Berg hochzukommen, was dank der neuen Winterreifen problemlos funktioniert. Wir verabschieden uns noch von den anderen helfenden Händen – da kommt auch schon der Franzose zurück und meint, dass auf dieser Strecke kein Durchkommen sei. Er entscheidet sich nun für unsere Variante.
Wir quatschen noch ein Weilchen mit einem Schotten aus Stirling und fahren dann ebenfalls los. Kurz vor Bardentarbet springt uns plötzlich eine Frau vors Auto und erklärt, wir könnten nicht weiterfahren. Die Straße sei nicht geräumt und sehr wahrscheinlich nicht befahrbar oder gar gesperrt. Wir versuchen es trotzdem – mitten auf einer Single-Track-Road überwintern ist schließlich keine Option.
Die neuen Reifen, die ich mir vor dem Winter besorgt habe, lassen den Transit zuverlässig vorankommen – bis zum Abzweig nach Lochinver. Dort hat sich ein Servicetechniker aus Inverness festgefahren und blockiert die Straße. Eigentlich muss er nach Lochinver, aber ein Blick auf die verschneite Strecke überzeugt ihn davon, dass das chancenlos ist. Er versucht zu drehen, was auf einer Single-Track-Road bei diesen Schneemengen eine echte Herausforderung darstellt.
Wir helfen ihm, zunächst das Auto freizubekommen und anschließend auch noch zu drehen. Währenddessen schneit es kräftig weiter und wir stehen unter der dauernden, sehr stillen Beobachtung einer Gruppe von Schafen, die unser Problem offensichtlich nicht so ganz nachvollziehen können.
Eine gute Stunde buddeln und schaufeln wir den Schnee beiseite. Der Servicetechniker ist uns unendlich dankbar und meint, wenn wir es bis Ullapool schaffen sollten, müssten wir unbedingt erst einmal gemeinsam etwas trinken gehen. Ullapool – gegründet 1788 und als Hafenort nach den Entwürfen von Thomas Telford schachbrettartig angelegt – ist heute so etwas wie das inoffizielle Tor zu den Nordwest-Highlands. So weit sind wir allerdings noch nicht.
Wir tuckeln also brav hintereinander Richtung Hauptstraße nach Ullapool, als uns plötzlich ein Tanklaster entgegenkommt. Zum Glück treffen wir uns genau an einem Cattle Grid, diesen typischen Viehgittern, die verhindern sollen, dass Schafe und Rinder eigenständig die Highlands erkunden. So kommen wir halbwegs elegant aneinander vorbei. Der schwere LKW wirkt dabei wie ein unfreiwilliger Schneepflug – dank ihm ist die Straße danach deutlich besser zu befahren und wir erreichen schließlich ganz entspannt die Hauptstraße.
Kurz vor Ullapool, am letzten Anstieg vor dem Ort, ist aber schlagartig wieder Schluss: Nichts geht mehr, die Polizei hat die Straße gesperrt.
die Straße ist gesperrt
Wir halten einen kleinen Schwatz mit unserem Servicetechniker, beobachten einen Stieglitz bei der Futtersuche – britische Wartezeiten lassen sich erstaunlich gut mit Vogelbeobachtung überbrücken – und schauen, was weiter passiert.
Nach gut einer halben Stunde erscheint schließlich ein Gritter, der den Hügel vor uns mehrmals großzügig streut. Danach geht es endlich weiter. Wir erreichen Ullapool und gehen mit unserem Weggefährten etwas trinken. Versprochen ist versprochen.
Ullapool
Nach gut einer Stunde macht er sich auf den Weg zurück nach Inverness. Sein Auftrag in Lochinver muss wohl noch etwas warten. Wir überlegen, wie es für uns weitergehen soll. Eigentlich war der Plan über Gairloch ins Torridon, eine der spektakulärsten Landschaften Schottlands, zu fahren. Die Straße durch das Torridon ist laut Google Maps aber gleich an mehreren Stellen gesperrt. Also lassen wir Vernunft walten und entscheiden wir uns ebenfalls für Inverness. Dort wollen wir noch mal übernachten und am nächsten Tag weiter Richtung Northumberland fahren.
Abschied von den Highlands
Gegen 18 Uhr stellen wir uns in Inverness auf den Parkplatz hinter dem Eden Court, auf dem sind auch Wohnmobile erlaubt. Der Vorteil: Man ist fußläufig in der Stadt. Aber Achtung: Hier sind gleich 3 Parkplätze; aber auf dem Cathedral Car Park und dem Council HQ Car Park sind Womos nicht erlaubt. Wir gehen essen, danach fallen nach diesem anstrengenden Tag früh ins Bett.
Am nächsten Tag heißt es Strecke machen. Wir fahren durch die Cairngorms, dem größten Nationalpark Großbritanniens - bekannt für seine rauen Berge und eisigen Winter. Die Straße ist hervorragend gestreut, wir kommen gut voran.
es geht durch die Cairngorms
Wir halten nur kurz in Aviemore, dem bekannten Wintersportort, und schauen uns außerdem das Castle in Dirlington nahe der englischen Grenze an.
Dirlington Castle
Kurz nach 17 Uhr erreichen wir Bamburgh und stellen uns dort auf einen der Wohnmobilstellplätze. Die 5 Stellplätze sind über die Webseite des Northumberland County Council buch- bzw. reservierbar. Das sollte man auch tun, weil die Plätze tatsächlich kontrolliert werden und die Strafen empfindlich ausfallen. Der Ort wird überragt vom imposanten Bamburgh Castle, einer Festung mit über 1.400 Jahren Geschichte, einst Sitz der Könige von Northumbria.
Bamburgh Castle
Abends gehen wir im noch immer weihnachtlich geschmückten Bamburgh essen und trinken. Immerhin gibt es für einen so kleinen Ort erstaunlich viele Pubs.
Bamburgh
Spät abends gesellt sich noch ein weiteres Wohnmobil zu uns. In der Nacht drehen ein paar übermütige Jugendliche auf dem verschneiten Parkplatz fröhlich ihre Donuts. Asphalt trifft Jugend – ein ewiger Klassiker.
Da wir Zeit haben, gehen wir am nächsten Morgen erst einmal zum Strand und schlendern um das riesige Castle herum. Im Gegensatz zu unserem Besuch hier im Herbst, haben wir den Strand fast für uns allein. Nur ein paar Hundebesitzer führen ihre Vierbeiner aus, sie genießen wie wir die klare Winterluft.
Dann fahren wir immer weiter an der Küste entlang bis nach Newcastle upon Tyne. Dort finden wir in der Nähe einen Pub, der uns für die Nacht aufnimmt. Eigentlich wollten wir erst am nächsten Tag nach Newcastle fahren. Aber da es noch früh ist, rufen wir spontan einen Uber, der uns für gerade einmal acht Pfund ins Zentrum bringt. Wir spazieren durch die lebendige Innenstadt, erledigen ein paar Einkäufe und fahren später wieder zurück zum Pub. Als gelungenen Abschluss des Tages serviert man uns ein außerordentlich leckeres Abendessen.
Newcastle upon Tyne
Am nächsten Morgen verlassen wir früh den Parkplatz und fahren nach Sunderland. Wir schauen uns das kleine Städtchen an, sind aber ehrlich gesagt nicht besonders begeistert. Während wir durch den etwas heruntergekommenen Ort gehen, sind wir uns ziemlich sicher, wie Sunderland beim Brexit-Referendum abgestimmt hat – 82 % für Leave. Wirklich verbessert hat sich hier seitdem allerdings nichts.
Wir fahren noch zum Roker Beach Lighthouse, einem der Wahrzeichen der Stadt, doch leider ist die Promenade gesperrt.
Auch Stockton-on-Tees hinterlässt ein ähnliches Bild wie Sunderland.



Januar 2026
Juni 2025