Freitag, 20. Juli
Nachdem Kind & Kegel an Bord sind, geht es mal wieder los in Richtung Dünkirchen. Die Stauvorhersage ist nicht ganz so grauslig wie Pfingsten, aber dafür ist die A40-Rheinbrücke gesperrt, was uns zu einem Umweg über die A42 zwingt. Venlo und Eindhoven sind dann relativ leer, in Antwerpen ist eh immer Stau, und wie immer ist am DFDS-Fährterminal noch ein Plätzchen zum Übernachten frei. Also noch kurz Abendessen und dann poofen.
Samstag, 21. Juli - Montag, 23. Juli
Der Wecker klingelt um 06:00, wir reihen uns nach einer Katzenwäsche in die Fährschlange ein und fahren pünktlich um halb acht auf die Fähre. Auf der Überfahrt gibts mal zum Eingewöhnen English Breakfast mit allem Pipapo (nur die Sausages lassen wir weg, die fanden wir für kontinentaleuropäische Gaumen unzumutbar).
In Dover dann wieder runter von der Fähre und ab nach Canterbury. Vom Stellplatz an der New Dover Road gehts mit dem Shuttlebus rein ins Zentrum, und nach 3 Stunden vergnüglichem Pokemon-fangen (na ja, das englische Netz mag unsere Handys immer noch nicht soooo gern) essen wir in einem kleinen Restaurant ein paar Burger bzw. Chicken Chips und Chips zu Mittag und machen uns dann auf in Richtung Westen.
Kurz hinter Ashford peilen wir einen kleinen Campingplatz namens Battle Hill Farm Campsite an. Der gehört vorgeblich zu 'The friendly Club', aber der Besitzer lässt uns für 15 Pfund pro Tag bar auf die Kralle ziemlich günstig da stehen.
Ein sehr schönes Farm Camping, es gibt eine große, sanft abfallende Wiese, man steht am Rand und hat innen die große freie Fläche. An einem Rand ist noch ein Teich mit Fröschen etc. drin, und es gibt einfache Sanitäranlagen mit Staugarantie, weil nur 2 Klos und eine Dusche vorhanden sind.
Die Kinder sind erst am und dann im Teich, Frösche fangen, zusammen mit einer Horde englischer Kinder. Hinterher Ball spielen, Frisbee werfen, usw. usf. ... es ist alles sehr ruhig und geruhsam, trotz der vielen Kinder, und es gefällt uns so gut, dass wir noch einen Tag verlängern. Erstmal faulenzen, Brombeeren sammeln und im Urlaub ankommen.
Dienstag, 24. Juli
Für heute haben wir uns einen großen Stint (Englisch für Fahrtabschnitt) in Richtung Westen vorgenommen. Es geht erstmal über die A20 und M20 in Richtung London, dann die M25 in Richtung Südwesten.
Irgendwann geht es dann ab auf die A303, und uns dämmert, dass es in Hampshire, Devon und Cornwall in Richtung Westen wohl keine 'richtigen' Autobahnen mehr gibt. Wenn man Glück hat, ist die A303 mal vierspurig, aber auch dann tuckert öfter mal ein Trecker auf der linken Spur vor sich hin, mit treckerüblichen 30 km/h oder so. Auf langen Strecken ist sie aber auch nur zweispurig, hat jede Menge Kreisverkehre und geht durch jeden Ort, da ist das Vorankommen relativ mühsam.
Dazu kommt, dass die Engländer für ihr Leben gern Straßen oben übern Hügel bauen, nur ganz ungern im Tal, so dass man sehr oft mühselig mit mehr als 10% Steigung die Hügel hoch muss, nur um sie auf der anderen Seite mit heulender Motorbremse wieder runterzuschlingern.
Je weiter man nach Westen kommt, umso öfter sind die Landstraßen dann auch links, rechts oder auch an beiden Seiten durch hohe Hecken begrenzt. Das ist einerseits doof für die Aussicht und ebenfalls fürs Fahren, oft ist es nicht besonders breit, so dass man zumindest den linken Aussenspiegel in die Hecke stecken muss. Die englischen LKW haben auch ganz oft Spiegelprotektoren aus Edelstahlblech montiert. Beidseitig! Wie der eigene Spiegel nach einer Begegnung mit so einem Protektor aussieht, mag man sich nicht vorstellen. Da helfen auch die schicken Ducato-Spiegelschützer nix mehr (die wir ja eh nicht haben, da andere Spiegelform bei Iveco).
Kurz hinter Stonehenge (von der Strasse aus gut zu sehen, da gibts auch immer einen Stau) kommt dann was von rechts geflogen und schlägt links oben in unsere Windschutzscheibe ein. Die äussere Scheibe platzt auf einer Fläche von 1 x 1 cm komplett weg und der Risskranz hat ca. 5 cm Durchmesser. Ausserdem läuft ein Riss immer weiter ins Sichtfeld und hält nach ca. 30 cm an. Na toll, neue Windschutzscheibe gewonnen. Aber wir beschliessen, das erst in Deutschland machen zu lassen, um unnötige Querelen zu vermeiden.
So schaffen wir an diesem Tag knappe 300 Kilometer und landen bei Lyme Regis wieder auf einem Farm Camping (Cummins Farm Campsite). Nicht ganz so schön wie der vorherige, aber immer noch recht günstig (17 Pfund) und wieder mit viel Platz. Und es gibt auch mehr Klos und Duschen für die 2 Pfund mehr :-)
Mittwoch, 25. Juli
Nun soll der Rest der Strecke in Richtung Cornwall unter die Räder, und wir fahren noch in Axminster kurz einkaufen und tanken und machen uns dann wieder auf die A30, nördlich ums Dartmoor herum und dann in Richtung südwesten zum Lizard Point.
Da wollen wir eingentlich auf Jerrys Campsite direkt in The Lizard, aber der ist proppevoll und hat nur noch Zeltparzellen ohne Zufahrt frei. Also im 'Stadt'zentrum geparkt, eine Spende als Parkgebühr in den Schlitz geworfen und zu Fuß ab zum Lizard Point.
Den finden wir sehr malerisch, es ist auch nicht ganz so überlaufen. Nachdem wir alles gesehen haben, laufen wir zurück und kümmern uns erstmal um eine Unterkunft für die Nacht. Ein paar Kreuzungen weiter vorn war mir ein Schild 'Wild Camping' aufgefallen, mal sehen, was sich dahinter verbirgt.
Aha, also ein weiterer Farm Campsite, jetzt schon für 30 GBP... na ja, ist halt eine Touristenregion. Sanitäranlagen eher urig, aber benutzbar, und wieder viel Platz - und Spielkameraden für die Kinder.
Donnerstag, 26. Juli
Am nächsten Morgen tanke ich Wasser auf und frage den Farmer, wo denn das Grauwasser hin soll. Er meint, fahr einfach zwischen den Scheunen und Ställen auf die Wiese und lass laufen. Echt jetzt? Ja, echt. Na gut. Gesagt, getan... das trockene Gras hats gefreut.
Und wieder gehts ab durch die Hecke nach Norden und dann nach Westen. Nächstes Ziel ist der St. Michaels Mount, sozusagen der Mont Saint Michel für Arme, wie meine Frau etwas süffisant bemerkt. Aber das tut ihm Unrecht, wie wir später sehen.
Man fährt erstmal in das sehr malerische Küstenörtchen Marazion, wo es einen großen Strandparkplatz und noch einen größeren Ausweichparkplatz am Hügel gibt, für die ganzen Besucher. 8 Pfund Parkgebühr für den ganzen Tag finden wir OK (zumal das Womo nicht mehr kostet als ein PKW, aber dafür einen extra feinen Platz bekommt). Noch schnell ein paar Fressalien und Wasser in den Rucksack, und los gehts.
Wir haben Glück, die Tide steht günstig, und so kann man ganz normal über den Strand auf einem gepflasterten Weg rüber zum Mound laufen. Bei Flut säuft der Weg ab, dann gehts nur noch per Boot.
St. Michaels Mound selber ist sehr putzig, aber natürlich auch voller Leute. Wir sehen uns um, schiessen Fotos und spazieren dann vor der Flut wieder zurück. Noch keine Lust zum weiterfahren, und die Parkgebühr gilt ja für den ganzen Tag... also bleibt die Familie am Strand, ich hol schnell die Badesachen und die Strandmuschel aus dem Womo und wir richten uns am Strand ein.
Die Flut ist freundlich und entgegenkommend, und so gehe ich mit den Jungs ins gar nicht mal soooo kalte Wasser.
Als alle genug vom Strand haben, packen wir alles wieder ein und fahren durch Penzance in Richtung Lands End. Die Kinder brauchen mal wieder ein bisschen Auslauf, und wir schauen uns den Treverven Touring Caravan & Camping Site an. Sieht ganz nett aus, wir bekommen einen Platz direkt auf der zentralen Wiese nah am Spielplatz, was die Kinder super finden. Es gibt Spielgeräte, einen Fußballplatz, Basketballkörbe... wir beschliessen, 2 Tage zu bleiben.
Freitag, 27. Juli
Heute steht eigentlich nur Entspannung auf dem Plan. Meine Frau will ein wenig Arbeiten, und so schnappe ich mir vormittags die Jungs und wir steigen zum Küstenpfad hinab. Der windet sich an den Steilküsten und Coves (Buchten) entlang und geht eigentlich immer rauf und runter, aber nie gerade, und entsprechend kommen wir gut ins Schwitzen.
Die dritte Bucht ist Penberth Cove, es gibt sogar ein paar Häuser und eine vom National Trust gestiftete Bank, auf der wir uns ausruhen können. Die Wegzehrung wird ziemlich schnell vernichtet, und wir beschliessen, dass Mama jetzt genug gearbeitet hat, und machen uns auf den Rückweg. Stufen hoch, Stufen runter, Stufen hoch, Stufen runter... den ganzen Küstenpfad zu wandern, stelle ich mir zumindest herausfordernd vor. Aber immerhin ist der etwas gepflegt und der Bewuchs links und rechts herunter geschnitten. Das hatten wir auf diversen Public Footpaths auch schon ganz anders, da hat man sich eine Machete gewünscht.
Wieder zurück am Womo gibts ein paar Regentropfen, meine Frau ist gerade dabei, die Stühle unters Womo zu schmeissen. Also erstmal alle rein. Nach einer kurzen Pause gehts dann richtig los mit Wind und einem heftigen Schauer; ich muss an die neuen Staufachdichtungen denken, die jetzt gerade an den luvseitigen Klappen voll im Regen stehen.
Nach 10 Minuten ist der Spuk vorüber, und ich kann den Doppelboden inspizieren - alles trocken, die Dichtungen halten. Sehr gut.
Das Wetter bleibt unbeständig, der Wind frischt konstant auf, und über Nacht gibt es noch mehrmals heftigen Regen.
Samstag, 28. Juli
Oha, einige Zelte auf dem CP sehen etwas hinfällig aus. In der Nacht war auch öfter Licht zu sehen, als die Insassen nachspannen mussten; der Wind ist immer noch ziemlich stark. Und laut Wetterbericht soll es sogar noch schlimmer kommen, Böen bis 90 km/h sind angesagt.
Wir fahren nach dem Frühstück los in Richtung Lands End und kommen dort bei heftigem Seitwärts-Regen an. Der Parkplatz kostet 4 Pfund, und auf dem Weg zum Gebäudekomplex werden wir klitschnass, aber ist ja zum Glück warmer Sommerregen...
Die Landschaft am Lands End ist schon beeindruckend, insbesondere jetzt bei schlechtem Wetter mit starkem Wind und dauerndem Wechsel von Sonne, Wolken und Regen. Es gibt einen schönen Kinderspielplatz und auch einiges an Touristenfallen... was bitte haben mehrere Kinos mit Filmen über Dinosaurier, die Artus-Sage und Wallace & Gromit an einem solchen Ort verloren? Na ja, man muss es ja nicht nutzen.
Das Wetter wird besser und wir spazieren erstmal Richtung Steilküste zum Lands-End-Schild, das ist hier natürlich das Muss-Foto. Den Hinweis nehmen wir ernst, John'o'Groats ist nächstes Jahr dran!
Jetzt noch in Richtung Norden und Süden die Küste besichtigt, noch ein paar Fotos gemacht und dann gibts Mittagessen. Leckere Cornish Pasties! Wie gut die schmecken, ist überhaupt die zentrale Erkenntnis dieses Urlaubs, ich könnt mich in die Dinger reinlegen. Die Kinder essen allerdings lieber Chicken Chips. Danach entern wir noch den Souvenirladen (ein T-Shirt muss schon sein) und fahren dann weiter nach St. Ives.
Allerdings wollen wir wegen der dort berüchtigten Parkplatzsituation nicht direkt dorthin; wir nehmen lieber den Zug ab St. Erth, das ist ein kleiner Ort ein paar km von St. Ives entfernt, die Bahnstrecke zählt laut Reiseführer zu den landschaftlich schönsten Strecken in GB. Hin- und Rückfahrt sind mit 15 Pfund für die ganze Familie recht bezahlbar, und wir finden auch einen Parkplatz direkt vor dem Bahnhof, der an sich schon sehr süß ist.
Und tatsächlich, die Fahrt ist sehr schön (wenn man in Fahrtrichtung rechts sitzt, sonst sieht man nur Büsche). Es geht an der Bucht von St. Ives entlang und endet hoch über dem Hauptstrand. Da wollen wir aber gar nicht hin und laufen lieber links hinunter in Richtung Hafen. Das Städtchen ist proppevoll und am Hafen tobt das Leben. Wieder sehr touristisch, aber schön; das Wetter hat sich auch beruhigt, und es ist wieder sonnig.
Am Hafen gibts erstmal ein Eis für alle (das ist in Cornwall mit Preisen von ca. 2,50 GBP für eine Kugel allerdings ein teurer, wenn auch leckerer Spaß), und wir flanieren bis zum Ende des Hafens. Von dort aus gehen wir entlang der Küste zum bekannten Surfer-Strand Porthmeor, an dem heute eindrucksvolle Bedingungen herrschen (ca. 2-3 m Brandung) und die Jungs und Mädels können zeigen, was sie drauf haben.
Danach gehts quer durch die Stadt zurück zum Zug, und der bringt uns dann auch pünktlich zurück nach St. Erth, wo das Womo wohlbehalten auf uns wartet.
Die Campingplatzssuche gestaltet sich leider als etwas schwierig; der Wunschkandidat (Treglisson Guest House and Touring Park) ist leider voll, und so weichen wir wieder an die Küste runter aus. Der Atlantic Coast Holiday Park ist eine reine Containersiedlung (manche sagen Mobile Homes dazu....), aber der St. Ives Bay Holiday Park hat noch eine Parzelle für uns. Allerdings zum bisherigen Rekord-Premium-Preis von 42,50 GPB, inklusive Strom. Na ja. Für den Preis darf ich dann erstmal einen fremden Stromanschluss missbrauchen, weil unserer schon von einem Zelter belegt wurde und dann auch noch im dunkeln Abwaschen, weil im Abwaschraum das Licht kaputt ist... Kopflampe hilf.
Aber das ist ja leider ein generelles Problem in GB, die sind Womo-technisch echt Entwicklungsland. Die Lobby der Campingvereine ist offensichtlich zu stark und so gibt es kaum Stellplätze oder Parkplätze, wo man über Nacht stehen darf. Rühmliche uns bekannte Ausnahmen sind Canterbury und Tintagel, aber dazu später mehr.
Sonntag, 29. Juli
Da heute das Wetter schlecht ist (es nieselt auch schon), haben wir das Eden Project auf den Tagesplan gesetzt. Wir fahren also nach Südosten in Richtung St. Austell und buchen uns dort auf dem Campingplatz 'Doubletrees Farm Caravan & Campsite' ein. Wir bekommen einen Stellplatz auf Schotter, der für englische Verhältnisse schon fast topfeben ist (nur zwei Paar Keile notwendig) und richten uns dort ein. Der CP wirkt ein wenig trostlos, das kann aber auch am Wetter liegen...
Interessant war die Abfallentsorgung auf dem 2. Foto, stand hinter dem Sanitärhaus...
Da man im Eden Project Rabatt beim Eintritt bekommt, wenn man zu Fuß oder mit dem Rad anreist, erfrage ich an der Rezeption die Route und wir machen uns bei Nieselregen auf den Weg. Ist nicht ganz so schön zu laufen an der Luxulyan Road entlang, aber nach einem Kilometer geht eine kleinere Straße links ab, wo kein Verkehr mehr ist. Nach nochmal 500 Metern ist es dann ein Fußweg, der bis zum Eden Project führt.
Und tatsächlich, wir bekommen 20 Pfund Rabatt auf den Eintrittspreis, als wir erklären, dass wir vom Doubletree Campsite hierher gelaufen sind. Also 65 statt 85 Pfund Eintritt für die ganze Familie, das kann sich sehen lassen. Ein erster ernstzunehmender Hinweis, dass sich die Betreiber des Eden Projects durchaus als Öko- und Nachhaltigkeitsbotschafter verstehen.
Dies wird auch an allen Ecken und Enden im Park deutlich, es wird überall was im Hinblick auf Ökosysteme und natürliche Kreisläufe und Rückkopplungen erklärt. Leider - wie in GB üblich - eher auf Grundschulniveau und ohne Vertiefung. Die Edutainment-Angebote, die wir bisher in Deutschland wahrgenommen haben (Phenomenta u. A.), bieten da zumindest immer die Möglichkeit, ein bisschen tiefer in die Materie einzutauchen. Aber nu gut, andere Länder, andere Sitten. Insgesamt hat sich der Besuch aber trotzdem gelohnt, die Biome (Regenwald und Mittelmeer/Kalifornien/Südafrika) sind sehr sehenswert und toll bepflanzt, und auch in den Aussenanlagen gibt es einiges zu sehen.
Was uns weniger gut gefällt ist so der generelle Sauberkeitszustand im Restaurantbereich zwischen den beiden Biomen, hier schein echt Personalknappheit zu herrschen, weil überall auf dem Boden irgendwas an Verpackungen oder Essensresten rumliegt; hab auch niemanden mit einem Besen gesehen... aber wie gesagt, unterm Strich lohnenswert, die Kinder waren auch begeistert und haben protestiert, als wir dann um 17:45 zart darauf hinwiesen, dass der Park um 18:00 schliesst. Wir treiben sie aus The Core raus, wo sie die ganze Zeit versucht haben, die Rauchringe aus der gigantischen Cyanobakterie zu fangen.
Der Rückweg ist wesentlich trockener als der Hinweg und kommt uns auch kürzer vor, wahrscheinlich, weil wir jetzt den Weg schon kennen.
Montag, 30. Juli
Nächster Stop soll Tintagel sein, und so fahren wir wieder in Richtung Norden. Auf dem Weg dorthin passiert noch Minuten vor unserer Ankunft ein schwerer Motorradunfall an einer Einmündung, ein holländischer PKW-Fahrer scheint beim Rechtsabbiegen den engegenkommenden Motorradfahrer übersehen zu haben... es sind schon mindestens 10 Leute mit der Hilfe beschäftigt, so dass wir nicht anhalten müssen, sondern uns mit der Schlange am Unfallort vorbeischieben. Die Kinder haben zum Glück nichts mitbekommen, und der Motorradfahrer scheint es auch überlebt zu haben... puh. Sowas erdet mal kurz.
In Tintagel selber folgen wir den Schildern in Richtung 'ample parking space' und finden - natürlich - King Arthurs Car Park. Ob der wohl schon ein Auto hatte?? Aber egal, für 4 Pfund kann man hier 24 Stunden parken. Es gibt keinen Strom, kein Wasser, keine Entsorgung... aber ENDLICH darf man mal über Nacht bleiben, wir sind restlos begeistert. Der asphaltierte Parkplatz hat einen 'overflow' auf die Wiese dahinter, wo man auch mit dem Womo hindirigiert wird. Wir suchen uns ein Plätzchen und machen erstmal einen kleinen Spaziergang durch den Ort.
Das Dörfchen ist echt süß, mit alten Gebäuden und so. Natürlich komplett touristisch (unser Reiseführer zerreisst das Ziel deswegen ein wenig), aber durchaus noch im Rahmen. Besonders das Old Post Office sieht sehr malerisch aus.
Wir entdecken einen Pasty-Bäcker, bei dem man durchs Schaufenster sehen kann, wie die Cornish Pasties hergestellt werden. Wir können nicht widerstehen... und tatsächlich, die besten, die wir bisher gegessen haben. OMG, sind die lecker!
Nachdem alle satt sind, packen wir unseren Rucksack mit etwas Proviant, zwei Flaschen Wasser und einem Handtuch und laufen zur Castle Road. An deren Anfang ist ein Büro der English Heritage Foundation, die Tintagel Castle 'bewirtschaftet'. Wir haben mal mit spitzer Feder gerechnet und beschlossen, dass wir auch noch Stonehenge und Dover Castle besichtigen wollen, die auch von English Heritage verwaltet werden, und so lohnt sich der Kauf einer 7-Tages-Oversea-Visitor-Karte, die für die ganze Familie 62 Pfund kostet und freien Eintritt in alle angehörigen Sehenswürdigkeiten gestattet.
Einzeln bezahlt hätten diese drei Attraktionen ca. 180 Pfund gekostet (mit 5-köpfiger Familie), so dass wir da ordentlich was sparen. Kann man nur empfehlen. Man kann an jeder beliebigen Attraktion auch diesen 7-Tage-Pass kaufen, von daher ist das sehr bequem.
Für den Fußweg runter zum Meer gibt es ein Landrover-Shuttle, aber wir laufen natürlich. Hin ist ja auch kein Problem, geht ja (steil) bergab. Wir gehen, weil es jetzt gerade Ebbe ist, erstmal runter zu Merlins Cave, eine Höhle im Felsen unter dem Schloss. Nicht viel zu sehen, eine Höhle halt... hier hat Merlin angeblich den jungen Artus verborgen, als der vom Meer angeschwemmt wurde, wenn ich das richtig verstanden habe.
Die Debatte, ob Artus hier jemals geboren wurde, tobt wohl auch schon etwsa länger... um 500 n. Chr. stand hier nämlich noch gar keine Burg, die wurde wesentlich später gebaut von einem Herrscher, der mit diesem Anknüpfen an die Artussage seinen Herrschaftsanspruch untermauern wollte. Dennoch wurden bei Ausgrabungen an dieser Stelle auch Luxusgegenstände (Keramik etc.) aus der Zeit um 500 A. D. gefunden, es müssen also zu dieser Zeit wohlhabende Leute auf dem Felsen gelebt haben. Spannend. Im Dorf heisst auf jeden Fall alles, sogar der Parkplatz, 'King Arthur'. Lokal scheinen aus touristischen Gründen keine Zweifel an der Artussage zu herrschen :-)
Nach der Höhle gehts über ungezählte Stufen rauf auf die Klippe (nach Vorweisen der Eintrittskarte). Wir schauen uns oben in den Ruinen um und bestaunen auch die sehr malerische Aussicht und die Artusstatue ganz oben auf dem Felsen. Danach gibts in der Ruine der alten Kapelle einen Snack, und hinterher machen wir uns an den Abstieg, wieder runter zum Eingang.
Nach einem sehnsüchtigen Blick auf das Landrover-Shuttle stählen wir uns mit einem Blick auf die heftige Steigung und steigen den Hügel hinauf zum Dorf. Puh, da kommt man ganz schön ins Schwitzen, besonders das letzte, asphaltierte Stück.
Wir spazieren noch einmal durchs Dörfchen, das inzwischen etwas leerer ist. Die Kinder bekommen in einem Souvenirshop Holzschwerter zum Spielen (gar nicht mal so teuer), und danach gehts zurück auf den Parkplatz. Auch der hat sich inzwischen geleert, ich parke das Womo kurz um auf eine etwas ebenere Stelle, und die Kinder spielen noch ein Weilchen mit den Schwertern auf dem Rasen. Alle schlagen sich gegenseitig zum Ritter, und es gibt wohl wilde Kämpfe zwischen Artus und Mordred. Nach dem Abendessen fallen dann alle in die Koje, waren viele Höhenmeter heute.
Dienstag, 31. Juli
Heute schliessen wir mit Cornwall ab und fahren ins Dartmoor. Wir peilen Tavistock an (liegt genau westlich des Dartmoors), und unser Navi leitet uns mal wieder über sehr malerische, aber auch nicht gerade gut ausgebaute Strassen dahin. Wir fahren von Tavistock direkt hoch ins Moor, und kurz nach der Einfahrt (Viehgitter in der Fahrbahn) wartet auch rechts schon ein großer Parkplatz mit tollem Blick auf die niedrigereng Hügel in Richtung Westen und Süden.
Wir holen die Stühle raus, stellen sie neben dem Parkplatz zwischen die Schafsköttel auf den Rasen und machen erstmal Mittag. Währenddessen trifft der Eiswagen ein, und die Kinder bekommen jeder noch eine Kugel Devon-Eiscreme, bevor es ins Moor geht, um nach Geocaches und Letterboxen zu suchen.
Auf dem Weg zum ersten Geocache braucht es nicht lange, und die erste Letterbox ist hinter einem Felsen gefunden. Wir haben uns in Tintagel extra ein kleines Blanko-Buch gekauft, um die Letterbox-Stempel darin zu verewigen; leider fehlt uns jetzt das Stempelkissen, in der Box ist keines drin. Na ja, erstmal weiter zum Geocache. Da fallen wir mal wieder drauf rein, in der Nähe der erwähnten Landmarke zu suchen wie blöd, statt erstmal mit dem GPS genau zu den Koordinaten zu gehen, dort lag nämlich der leicht zu findende Cache... ja, wir sind da ein bisschen eingerostet :-)
Auf dem Rückweg finden wir noch eine Letterbox, wieder ohne Stempelkissen. Also erstmal zurück zum Mobil und ab nach Tavistock. Wir müssen eh ein paar Kleinigkeiten einkaufen, und tanken wäre auch gut, bevor es morgen tiefer ins Moor geht.
Das Stempelkissen gibts natürlich nicht bei Tesco, also ab in die (wirklich nette) Innenstadt von Tavistock. Ich finde unglaublicherweise direkt in der Einkaufsstraße eine passende Parklücke (wer braucht schon kurze Kastenwagen?), die sogar umsonst ist, und meine Frau rennt los, ein Stempelkissen zu besorgen. Der Tip vom Tesco-Verkäufer erweist sich als Niete, aber direkt gegenüber unseres Parkplatzes ist ein Laden für Künstlerbedarf und Schreibwaren, 'Mainly Stationary'. Die verkaufen uns gern zwei Stempelkissen in Grün und Rot, und wir sind wieder einsatzbereit.
Im Angesicht der fortgeschrittenen Tageszeit beschliessen wir, erstmal einen Campingplatz zu suchen. Wir fahren durch die üblichen Heckentunnel in Richtung Moortown, doch auf dem Langstone Manor Holiday Park ist leider keine Parzelle mehr für uns frei. Echt ein Ding, man muss sich da echt hinkämpfen, ist am Ar.... der Welt, und dann trotzdem völlig ausgebucht. Und bei der Abfahrt hatten wir LKW-Gegenverkehr, diesmal haben wir die 200 m rückwärts bis zur Ausweichbucht gemacht, weil der LKW noch wen hinter sich hatte.
Na ja, an der Straße ins Dartmoor war ja auch noch ein Platz, der Tavistock Camping and Caravaning Club Site.
Wie der Name schon sagt, eher was für Members... aber es gibt ein Schild 'Non-Members Welcome'. Der Preis ist mit 42,50 GBP recht steil, und das ist sogar noch der billige Platz auf der Wiese ohne Stromanschluss... na ja, irgendwo müssen wir ja bleiben. Oben auf dem Parkplatz im Moor könnte man super stehen, aber darf man ja nicht, Womo-Entwicklungsland Großbritannien.
Die Wiese ist dermassen schräg, dass ich (nachdem der Besitzer weg ist, der mich penibel eingewiesen hat) das Womo schräg auf die Parzelle stellen muss und trotzdem noch 2 Paar Keile für die Vorderräder brauche. Gerade stehen wir dann immer noch nicht, aber immerhin rutscht das Essen nicht mehr vom Tisch. Vom Zustand der Sanitärhäuser her ging der Preis in Ordnung, sehr geräumig und sauber.
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