von Tinduck am 17 Aug 2023 18:52:44
Die Sommerferien haben begonnen (mittwochs) und dieses Jahr soll es für uns nach Island gehen, mit einem Stopp auf den Färoer-Inseln. Die Kenner merken daran schon, dass wir das eigene Mobil bei der Überfahrt auf der Norröna mitnehmen – ist zwar sauteuer, aber fliegen und vor Ort mieten ist noch wesentlich teurer. 22.06.2023 Dortmund [DE] – Ladbergen [DE] (100 km) Natürlich versank der Haushalt zur Abfahrt mal wieder im Chaos (die Ferien hatten ja gerade erst angefangen) und deshalb war noch einiges zu tun, bis wir abfahren konnten. Ich musste zum Glück nur bis 14:00 Arbeiten und konnte deswegen noch mit Hand anlegen. Gegen 19:30 kamen wir dann endlich los, ab auf die A1 Richtung Norden. So ungefähr in Höhe Ascheberg (40 km gefahren) fiel uns dann ein, dass wir die bereitgelegte Reiseliteratur vergessen hatten, Reiseführer, Karten etc. – und auch den schon vorher gekauften Campingpass, den wir mit dazu gelegt hatten. Na Prima. Umdrehen war keine Option, also Ärger runterschlucken und nach vorn schauen. Auf Google gibt’s alle benötigten Infos, und den CP-Pass können wir vor Ort auch noch neu kaufen. Um kurz vor Neun hatten wir dann keine Lust mehr nach dem hektischen Tag und beendeten die Fahrt auf dem Stellplatz hinter der Turnhalle in Ladbergen ( --> Link). 23.06.2023 Ladbergen [DE] – Skagen [DK] (847 km) Um kurz nach Sieben ging es am nächsten Morgen weiter, ein kurzes Frühstück bei den Schwiegereltern in Harpstedt war geplant und dann sollte es weiter nach Skagen gehen, um dort zu übernachten. Leider gab es schlechte Nachrichten – die Unwetter der vergangenen Tage hatten in Hamburg die A7 unterspült und es gab eine Vollsperrung des Elbtunnels in Richtung Norden. Das konnte ja heiter werden. Aber erstmal ab nach Harpstedt. Um kurz vor Neun kamen wir an, es gab ein leckeres Frühstück und eine halbe Tonne Süssigkeiten für die Kinder zum Mitnehmen. Nach vielen guten Wünschen nahmen wir die Fahrt wieder auf, tankten kurz voll und ab gings wieder auf die A1. Um Hamburg fuhren wir wegen der Sperrung diesmal herum, über die A1 und dann über Landstraße und die A21 über Bad Segeberg und Neumünster. Erstaunlicherweise war auf der Ausweichstrecke kaum Stau und wir kamen gut durch. Danach dann die eeeeeewig lange A7 / E45 bis hoch nach Aalborg, dann die E39 und per Landstraße nach Skagen (das Navi wollte irgendwie nicht über Frederikshavn fahren). Kurzer halt bei Lidl in Skagen, und dann hoch nach Grenen zum großen Parkplatz, wo man für ca. 15 Euro auch übernachten darf ( --> Link). Allerdings erst, wenn man den Parkscheinautomaten besiegt hat.  Erstmal Easypark versucht (Aufkleber am Automat). Da geht’s aber nur Stundenweise, die Gebühr für über Nacht ist nicht buchbar. Also am Automat selber. Hm. Amex wird nicht akzeptiert, also wie immer. EC-Karte ausprobiert, funktioniert nicht. Also die Visa-Karte meiner Frau probiert, geht endlich. Das Ganze hat ne Viertelstunde gedauert, weil man sich jedes Mal wieder durchs ganze Menü und den Prüfvorgang hangeln muss und der Automat nicht von der schnellsten Sorte ist. Nachdem das Mobil parktechnisch versorgt ist, ging es mit den Kindern ab zur Spitze, wo sich Nordsee und Ostsee treffen. Da muss man einfach mal im Wasser gestanden haben. Zum Glück gab es ein paar Wellen, und die bildeten auch brav die ‚Grenze‘ zwischen den Meeren ab.  Nach dem Strandspaziergang (man merkt, dass wir schon weit nördlich sind, es ist ziemlich lange hell) brate ich zum Abendessen Hamburger draussen vor dem Mobil und danach geht’s ab in die Falle. 24.06.2023 Skagen [DK] – Hirtshals [DK] (57 km) Gegen acht Uhr standen wir auf, machten das Mobil reisefertig und fuhren nach Nordby an den Strand, um dort zu frühstücken und alles für die Abfahrt auf der Norröna vorzubereiten.  Der Strand in Nordby ist wie vielerorts in Nord-Dänemark mit dem Auto befahrbar. Sah zwar erst wegen Flut ein wenig zweifelhaft aus, aber zahlreiche Reifenspuren überzeugten zumindest mich, dass der Strand gut befahrbar ist, also drauf und Ende der Diskussion. Allerdings sind wir dann doch hinten an den Dünen stehengeblieben und nicht näher ans Wasser gefahren, wer braucht schon eine Bergungsaktion fünf Stunden vor Abfahrt der Fähre… Nach dem Frühstück erkunden wir ein wenig den Strand (es gibt wie so oft in Dänemark alte Bunker des Atlantikwalls), bevor wir alle unsere Rucksäcke und eine Tasche mit Fressalien packten. Gegen 12:00 fuhren wir dann los in Richtung Hirtshals, liessen an der Tanke nochmal Abwasser und Klokassette ab (da gibt’s ne Entsorgung), kauften im Supermarkt ein paar Flaschen Mineralwasser und dann gings zum Check-In. Der war schnell erledigt und wir standen in der Womo-Schlange für die Fahrt auf die Fähre. Die Norröna war schon da und das Ausladen lief bereits. Schön der Kontrast zwischen den sich zögerlich raustastenden Privatfahrzeugen und der Nonchalance, mit der die LKW-Auflieger der Smyril Line Spedition von den Spezialsattelzugmaschinen da runtergeballert wurden. Ungefähr um 14:00 begann dann das Boarding der Fahrzeuge, wir waren gegen 14:30 dran und konnten dann direkt hoch in unsere Kabinen, die schon fertig waren. Es gab ein 2-Personen-Zimmer für Mama und Papa (Ehebett-Version) und eine Vierbett-Stockbetten-Kabine für die 3 Kinder, beides mit Aussenfenster und auf Deck 7. Kurz die Taschen abgeworfen und dann ab an Deck, um die Abfahrt nicht zu verpassen. Die Kinder hatten übrigens ne Vomex verpasst bekommen, weil es ziemlich windig war.  Bei schönstem Wetter fuhr die Norröna pünklich um 15:30 aus dem Hafen, und wir gingen dann unter Deck. Wir, um die restlichen Formalien zu klären (‚MealDeal‘ für die Kinder, Hot Tub für den nächsten Tag), die Kinder, um den Dampfer zu erkunden. Abendessen gabs in der Nóatún-Cafeteria, die Kinder konnten da mit ihren Meal-Deal-Armbändern Burger mit Pommes ordern – die Erwachsenen hatten ob der mitgenommenen Fressalien-Tasche noch keinen Hunger. Es gab ein bisschen Seegang, aber entweder hatte die Pille geholfen oder es machte den Kindern nix aus. Einiges an Verwirrung sollte die Zeitumstellung noch stiften. Auf der Norröna gilt Färoer-Zeit, also eine Stunde vor unserer Sommerzeit und eine Stunde hinter Island-Zeit. Unsere Uhren und Handys stellten sich aber mangels Mobilfunkverbindung noch nicht um… das geschah dann unvermutet bei der Passage der Shetland-Inseln am nächsten Tag. 25.2023 Hirtshals [DK] –Torshavn per Norröna [FO]– Vestmanna [FO] (38 km)  Am nächsten Tag probierten wir die Annehmlichkeiten der Norröna aus – erstmal Frühstück am Buffet, dann Sport im Fitnessstudio, die Kinder benutzten den Swimming Pool (sehr spassig bei Wellengang), irgendwann dann Mittagessen in der Cafeteria, danach in den gebuchten Hot Tub (Nummer 3, mit freier Sicht übers Heck raus aufs Meer). Der war allerdings ziemlich heiss, die Maschinen hatten wohl gerade genug Abwärme übrig – ging so gerade noch, wenn man ab und an den Oberkörper oberhalb des Wassers hielt. Bei mäßigem Wetter passierten wir die Shetlands und hätten ohne Fernglas den Leuchtturm bei Muckle Flugga (nicht nachlässig aussprechen!) wohl kaum gesehen. Danach wurde die Fahrt noch etwas lebhafter und die ersten Grünlinge waren an Deck zu beobachten, unten in den Kabinengängen wurde man manchmal etwas geflippert, wenn man unachtsam war – aber alles noch im Rahmen. Auf dem Fahrzeugdeck waren nur die Auflieger gelascht, PKWs und Womos nicht, also war die Wettervorhersage wohl noch recht positiv. Nach einem frühen Abendessen packten wir gegen 18:00 unsere Siebensachen, weil die Kabinen um 19:00 geräumt werden mussten (1,5 h vor Ankunft in Torshavn) und erkämpften uns einen Tisch in der Bar, um den Rest der Zeit abzusitzen. Bei der Einfahrt in den Hafen wurden die Fahrzeugdecks freigegeben (man durfte vorher gegen 19:00 schon sein Gepäck runterbringen) und wir enterten wieder unser Womo. Alles war gut, nix verrutscht. Irgendwann waren wir dann dran, runterzufahren (rückwärts bis zur Rampe, dann vorwärts da runter – wir standen auf Deck 4) und befuhren dann erstmals färöischen Boden. Natürlich hatten wir uns vorher nicht orientiert und das Navi suchte noch Satelliten, also erstmal zum ersten Parkplatz – das war für uns der vom Sportstadion/Schwimmbad auf dem Berg. Wir hatten so den vagen Verdacht, dass der CP in Torshavn ausgebucht sein dürfte (wie wahrscheinlich bei jeder sommerlichen Ankunft der Norröna) und suchten uns deshalb den CP in Vestmanna ( --> Link) aus. Gleiche Insel, 38 km entfernt, auf geht’s. Die Fahrt dahin war landschaftlich schon mal sehr beeindruckend, der CP selber riss uns dann nicht wirklich vom Hocker – zwischen Industriehallen am Hafen, einfacher Schotterplatz, na ja. Ging aber zum Übernachten. Lustigerweise gab es selbst auf so einem tristen Platz noch färöische Festcamper, die sind anscheinend hart im Nehmen.  Die Rezeption hatte noch auf (die kennen wohl auch den Fahrplan der Norröna) und ich konnte direkt einchecken, für einen kommoden Preis. Nach und nach trudelten dann viele ein, die wir auf dem Fahrzeugdeck schon gesehen hatten, und berichteten unisono, dass der CP in Torshavn ausgebucht sei und man sie hierhin geschickt hätte, wer hätte es gedacht :-). Die Ausschiffung war wohl insgesamt auch nicht ohne Dramen verlaufen, es wurde von einem Cali berichtet, der sich an einem niedrigen Träger das Hubdach abgerissen hätte – schöner Urlaubsanfang. Zum späten Abendessen gabs dann schnelle Nudeln mit Pesto, und dann gings ab ins Bett. 26.06.2023 Vestmanna – Sandavagur – Witch Finger – Lake above the sea – Eidi (87 km) Der nächste Morgen grüßte uns mit mittlerer Bewölkung und Wolkenlücken. Also mal schauen, was die Färoer zu bieten haben. Erstes Ziel wurde die Kirche in Sandavagur, dazu musste man die Hauptinsel verlassen und nach Vágar übersetzen, oder vielmehr untertunneln. Es gibt einen unterseeischen Tunnel, über den man die Nachbarinsel erreichen kann. Zwar mautpflichtig, aber irgendwie schon cool… An der Kirche konnte man direkt parken und herumspazieren, die Umgebung ist recht interessant und pittoresk.  Danach gings den Berg hoch zu einem Parkplatz, von dem aus man eine kurze Wanderung machen konnte, um den sogenannten Hexenfinger zu sehen (ein einsamer steiler Felsen vor der Steilküste). Waren nur 2 km oder so, ergab ein nettes Foto und an dem Flusslauf, den man querte, lag auch noch ein Geocache.  Unerwartete Attraktion war ein Arbeitsboot, dass vor der Küste eine Lachsfarm zu einem anderen Standort schleppte – der hatte so laute Musik an Bord an, dass man auf einen Kilometer Entfernung die Titel erkennen konnte und den Motor des Bootes nicht mehr hörte.  An den anderen Lachsfarmen in der Bucht tummelten sich einige kleine Wale oder Delfine und jemand fuhr mit einem Rip hin, um sie ein bisschen zu stören und von den Lachsen abzudrängen. Lief aber alles sehr zvilisiert ab. Standortwechsel zum Wanderparkplatz, von dem aus man zum ‚Lake above the ocean‘-Fotospot wandern kann. 200 DKK pro erwachsenem Wanderer ist nicht gerade preiswert, aber das Wetter war wirklich hervorragend und so zogen wir uns die Wanderschuhe an (wirklich notwendig!), packten etwas Proviant und Wasser ein und zahlten. Es gab eine kurze Einweisung mit dem wichtigen Hinweis: bei Nebel (es ziehen oft Wolken über die Inseln) SOFORT halt machen und am besten hinsetzen – es fallen wohl öfter mal Wanderer die Klippen runter, wenn sie sich da bei Nebel herumtasten wollen. Ansonsten wurde die optimale Route anhand einer Karte erklärt und dann gings los. Es wurde gut warm auf dem Pfad und anfangs konnte man im T-Shirt wandern – später kam etwas Wind auf, da brauchte man was um die Nieren. Auf jeden Fall bestes Wetter. Nach ca. einer Stunde kamen wir an der Steilküste an und machten uns an die Erklimmung zum höchsten Punkt. Von dort aus hat man Blick auf das Meer und auf den höherliegenden Leitisvatn gleichzeitig, sehr beeindruckend.  Drohne fliegen war leider nicht wirklich möglich, der Flughafen ist nicht weit weg und es gilt eine Flughöhenbegrenzung von 100 m – leider ist die Klippe schon 160 m hoch, so dass die Drohnen-App die Arbeit verweigerte. Aber Fotos sind ja auch ganz nett. Dann ging es an der Seiter der Klippe runter zum Ende des Sees, der sich dort über einen Wasserfall ins Meer ergiesst.  Gleiches Problem mit der Drohne, einen kurzen Flug hat sie gemacht… siehe im Video. Dies war der weiteste Punkt der Wanderung, vor dem Rückweg machten wir Pause auf einem Felsen und aßen den mitgebrachten Proviant, danach machten wir uns auf den Weg zurück – und merkten am Ziel, dass wir uns alle einen leichten Sonnenbrand geholt hatten. Auf den Färoern, kaum zu glauben… Da der Tag jetzt schon ziemlich weit fortgeschritten war und wir uns nach der Wanderung auch alle ziemlich platt fühlten, ging es an die CP-Suche. Meine Frau suchte einen Platz in Eidi raus – ganz im Norden der Hauptinsel, mit Überraschung, die sie nicht verraten wollte. Die Fahrt dorthin war landschaftlich auch wieder sehr schön, wir überquerten die einzige Brücke über den Nordatlantik, die Nordskala-Brücke (es gibt genug Superlative, man muss nur Phantasie haben) und kamen in Eidi an. Mein Navi weigerte sich allerdings beharrlich, einen Weg zum CP zu finden, und ausgeschildert war auch nix – nach einigen Wendemanöver und Irrwegen sahen wir den CP dann von oben von der Straße nach Gjögv aus – und damit war auch die Überraschung klar. Wir fuhren dann mit Himmelsrichtung-Navigation zu diesem Stellplatz – der alten Kunstrasen-Sportplatz von Eidi, der direkt am Wasser liegt und jetzt als Campingplatz genutzt wird ( --> Link). Sehr skurril :-)  Wir richteten uns in der Nähe einer ehemaligen Eckfahne ein, ein kurzes Telefonat mit dem Besitzer ergab, dass er abends zum Kassieren vorbeikommt, was dann auch so war. Lustiger Fakt am Rande: den ganzen Abend, während wir dort standen, kamen unterschiedlichste Autos mit Färoer-Kennzeichen vor den Platz gefahren, die Insassen schauten hierhin und dorthin, drehten dort und fuhren ohne auszusteigen wieder weg. Offensichtlich ist der Campingplatz eine Hauptattraktion in Eidi. Nach einigen Tobe-Runden über den Platz kam bei den Kids Langeweile auf, während das Abendessen zubereitet wurde. Ich wies sie darauf hin, dass am ‚Strand‘ des Platzes zur Lagune hin ein kleiner Ruderkahn lag – große Augen, dann hektische Aktivität, und die Lagune wurde mehr oder weniger koordiniert errudert. Nach dem Abendessen ging es für alle ins Bett, war ein langer Tag. 27.06.2023 Eidi – Gjögv – Skalabotnur – Aeduvik (56 km) Schönster Sonnenschein begrüsste uns am nächsten Morgen, und wir fuhren nach einem kurzen Müsli-Frühstück los in Richtung Gjögv, also genau die Straße hoch, von der aus wir gestern den Sportplatz gespottet hatten. Die Straße ist single track mit Ausweichbuchten, aber nicht viel Verkehr. Nach einigen Kilometern kommt ein schöner Aussichtspunkt:  Und nochmal einige Kilometer weiter war ein Wanderparkplatz, an dem ganz schön was los war. Eine kleine Karawane von Wanderern zog gefühlt senkrecht den Berg hoch – nichts für uns. Weiter gings, nach einer unterhaltsamen Weiterfahrt (schmale Straße, schöne Aussicht) erreichten wir Gjögv, parkten auf dem Schotterplatz vor dem CP und schauten uns den Ort und vor allem den malerischen Hafen in seiner Felsschlucht an.   Bei immer noch strahlendem Sonnenschein ging es dann weiter in Richtung Funnings, wo wir aber nicht anhielten, sondern in Richtung Skalabotnur weiterfuhren. Dort ereilte uns der Hunger und wir hielten in einer Haltebucht am Thingsteinur an und aßen zu Mittag.  Im Zuge dessen beschlossen wir, wie es heute weitergehen sollte. Leider hatte das Wetter stark nachgelassen und es war bewölkt mit zeitweisem Regen, so dass wir beschlossen, noch einzukaufen und dann einen CP zu suchen. Eingekauft haben wir dann im Bonus in Runavik. Von dort aus fuhren wir – mit einem kurzen Halt an der Fridrikskirkjan in Nes – weiter nach Æduvik, wo es einen CP fast direkt am Wasser gibt. Der Weg dorthin ist wieder von der abenteuerlichen Sorte, das Mobil passte noch so gerade auf die Straße und es ging keine 5 m geradeaus. Und richtig, unten am kleinen Hafen gibt es einen Campingplatz ( --> Link) mit Sicht direkt aufs Meer. Es gibt noch genug Platz, und wir richten uns in der ersten Reihe ein, leider immer noch bei Regen.  Der Campingplatz hat einen sehr urigen, gemütlichen und vor allem geheizten Aufenthaltsraum, der dann im Laufe des Nachmittags auch immer voller wurde, als die ganzen Dachzeltreisenden eintrafen. Nicht wirklich schön mit Zelt, so ein Wetter. Ich hob noch einen Geocache auf der benachbarten Gänseweide, sehr zum Unmut der dort herumwatschelnden Tiere – ich wurde nachdrücklich zum Verlassen des Geländes aufgefordert :) 28.06.2023 Aeduvik – Torshavn – Norröna (28 km) Nach dem Frühstück machten wir uns auf zurück auf die Hauptinsel, diesmal nicht über die Brücke im Norden, sondern unter Wasser – von Runavik aus kann man per Tunnel zurück auf die Insel Streymoy fahren. Wir nahmen nicht den Weg über Nes, sondern fuhren in Richtung Rituvik über die Hochebene und dann am Toftavatn wieder links in Richtung Runavik. Dort geht es per Kreisverkehr in den Tunnel und nach ein paar Kilometern kommt einer der Sehenswürdigkeiten der Färöer – der Kreisverkehr unter dem Meer.  Nach 2 Runden durch den Kreisverkehr für Fotos bogen wir ab in Richtung Torshavn, wir wollten die Stadt vor der Fährabfahrt noch ein wenig besichtigen. Also erstmal rein und zur ersten Tanke, weil der Sprit auf Island viel teurer ist als auf den Färöern. Tatsächlich, für umgerechnet 1,39 Euro pro Liter Diesel tanken wir so voll wie’s eben geht. Gut, dann muss ein Parkplatz für die Besichtigung her. Mein Navi kennt einen am Hafen, aber der ist komplett voll. Also manueller Suchmodus. Ich folge der Straße am Hafen entlang bis zum Fähranleger (davor auch alles voll), biege dann am Kreisverkehr in Richtung Norden ab und siehe da, nach 200 m ist auf der rechten Seite ein Schotterplatz, der sich bis unten ans Wasser zieht und wo diverse Handwerkerautos und Anhänger abgestellt sind. Beschilderung ist nicht vorhanden. Also zwischen einem Anhänger und einem Handwerkerauto eingeparkt, beim Aussteigen gut die Tür festgehalten (extrem windig hier) und nach dem Abschliessen geht’s los zur Stadtbesichtigung. Natürlich fangen wir am Fort und am Hafen an und arbeiten uns dann langsam weiter.  Check-In für die Fähre ist ab 14:30, wir fahren ein Viertelstündchen früher hin und stehen dann sogar schon in der 2. Reihe. Am Anlegeplatz der Norröna liegt noch eine andere Fähre (die nach Suduroy, die südlichste Färoer-Insel), die aber bald ablegte. Gegen 16:00 Ortszeit fuhr die Norröna in den Hafen, zirkelte gewohnt souverän (trotz beachtlichen Windes) an die Anlegestelle, machte fest und los gings mit dem ent- und beladen. Diesmal standen wir unten auf Deck 3, relativ weit vorn. Nach Handbremse, Gang einlegen und Verschliessen des Womos bezogen wir oben unsere Kabinen (waren zum Glück schon fertig) und liessen den Abend entspannt ausklingen. War ja nur eine kurze Fahrt, am nächsten Morgen gegen 08:30 sollten wir schon auf Island ankommen. Färöer-Zeit wohlgemerkt, auf Island ist es dann erst 07:30. 29.06.2023 Norröna – Seidisfjördur – Egilsstadir – Neskaupstadur (97 km)  Morgens also nach dem Aufstehen fertig gemacht, die Kabinen geräumt und dann ab in die Laterna Magica für die Anfahrt auf Island. Wir hatten sogar das Glück, noch 2 Relax-Liegen zu bekommen, reichte für uns 5. Schnell kam der Aufruf, dass das Autodeck freigegeben ist (Gepäck konnte schon eine Stunde vorher runtergebracht werden), und so stiegen wir wieder ins Womo. Alles war in Ordnung, allerdings stand schräg links vor uns ein Kastenwagen, der mit Gurten an den Felgen gelascht worden war. Interessant. Die Insassen trafen irgendwann ein (junges Paar mit Baby) und schauten ratlos, stiegen aber erstmal ein – wenige Minuten später kam ein recht vierschrötiges Mitglied der Frachtcrew und machte sich mit einer Gestik, die nicht auf ein entspanntes Gemüt schliessen liess daran, die Gurte zu lösen. Dabei schaute der Vater der jungen Familie aus dem Mobil und bekam in Zeichensprache unmissverständlich mitgeteilt, dass er nächstes Mal die Handbremse vernünftig anziehen solle.  Das wollte er anscheinend nicht auf sich sitzen lassen und fing an zu diskutieren – recht schwierig bei der Sprachbarriere und auch nicht wirklich willkommen. Das Besatzungsmitglied bekam einen hochroten Kopf, die Lautstärke eskalierte und Verspann-Ratschen flogen durch die Gegend (nicht in Richtung Personen oder Autos, einfach nur – sagen wir mal energisch verstaut). Auf weitere Einrede wurde dann seitens des Kawa-Fahrers verzichtet und dann war auch Ruhe. Unsere Handbremse war fest – ist auch ein Muss bei den Verstau-Abständen.  In Seydisfjördur ist natürlich immer die Hölle los, wenn die Norröna ankommt, deshalb haben wir erst gar nicht angehalten und sind direkt in Richtung Egilsstadir losgefahren. Es grüßte der Gufufoss (da standen schon die ersten und machten Fotos), und oben nach der Paßhöhe jenseits des Stausees nutzen wir den ersten Parkplatz, um das Gas wieder aufzudrehen und den Kühli in Betrieb zu nehmen. Kaum war die Gasklappe auf, füllte sich der Parkplatz mit anderen Mitfahrern von der Fähre, die komplett wild um uns herum parkten – meine Frau schob schon Panik, dass wir zugeparkt würden. Na ja. Einsteigen, bisschen rangieren – Hupe von hinten, der hinter mir hatte kein Vertrauen in meine Rückfahrkamera. Halber Meter geht noch, mehr Gehupe – meine Güte, krieg dich ein, jetzt reichts ja und wir konnten am schräg vor uns geparkten Mobil vorbei auf die Straße. Nach der Passabfahrt ab zum Bonus in Egilsstadir, erstmal den Kühlschrank befüllen und die lokalen Spezialitäten checken. Google Translate hilft beim Einkaufen wirklich ungemein. Der Einkauf verstaute sich echt easy (gar nicht so schlecht, wenn man von Zuhause nicht mit voll gefülltem Kühli losfahren kann) und dann gings auf die 1 in Richtung Südwesten. Meine Frau hatte für die erste Übernachtung den CP in Eskifjördur rausgesucht. Auf dem Weg dorthin machten wir am Reydarfjördur-Viewpoint halt und genossen die Aussicht dort. Auf der Weiterfahrt beschlossen wir, doch nicht in Eskifjördur zu übernachten, sondern noch weiter zu fahren bis Neskaupstadur, dort schien der CP schöner zu liegen. Also ab durch den Nordfjardargöng (Göng = Tunnel) und in Neskaupstadur dann den CP gesucht, der oberhalb des Örtchens über eine Schotterstraße zu erreichen ist. Wir kamen an, und der CP ( --> Link) war – leer. Wir waren völlig allein. Das blieb natürlich nicht so, im Laufe des Tages kamen noch 4 andere Camper an, teils mit Wohnwagen, teils mit Wohnmobil. Beileibe nicht überfüllt bei ca. 30 Stellplätzen. Ein Erkundungsgang führte uns zu einer ziemlich beeindruckenden Lawinensperre, sowas haben wir dann später noch öfter gesehen.  Ein kurzer Telefonanruf beim Besitzer ergab, dass er abends zum Kassieren kommen würde; ich hab dann gleich angekündigt, dass wir den Campingpass kaufen möchten, den er dann auch mitzubringen versprach. Der beinhaltet 28 Übernachtungen auf teilnehmenden CPs; in unserer Konfiguration (3 ‚Erwachsene‘ über 14) lohnt der sich nach 6 Übernachtungen, den Rabatt beim Tanken nicht eingerechnet, der an Ob/Olis-Tankstellen auch inklusive war (10 ISK pro Liter). Offensichtlich schickte der Besitzer seinen Sohn mit Kumpel zum kassieren… zwei Gestalten fragten mich ‚Hey guy, whats the plan?‘, und die beiden waren nach meiner Antwort ‚The plan is to buy the camping pass‘ hocherfreut, weil sie den auch extra mitgebracht hatten. 25.500 ISK später (ich war vorher extra noch zum Geldautomat getigert) hatten wir den Pass und die Übernachtung war dann quasi sofort kostenfrei. Man hätte aber auch mit dem mobilen Kreditkartenterminal bezahlen können. Nachdem ich die Kinder vom Bubbleplast (luftgefülltes Hüpfkissen, gibt’s da gefühlt in jedem 2. Ort) gepflückt hatte, gabs Abendessen (drinnen, war nicht sooo warm und ziemlich aggressive Fliegen gabs hier) und dann fielen auch alle ins Bett, war irgendwie ein anstrengender Tag. Weiter gehts im nächsten Beitrag wegen der Zeichenbegrenzung.
Alberto Brandolini: "The amount of energy needed to refute bullshit is an order of magnitude bigger than to produce it." :wall:
3 Kommentare
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von Tinduck am 17 Aug 2023 18:57:56
30.06.2023 Neskaupstadur – Hornafjördur (265 km) Der nächste Tag war erstmal sonnig, aber nach dem Tunnel (wir mussten ja wieder zur 1) fuhren wir quasi in den Nebel und der Tag war dann immer wechselnd neblig, wolkig und auch mal verregnet. Erste Station war der orange Leuchtturm bei Hafnarnesviti. Der war ganz nett, aber viel interessanter war eigentlich der Semi-Lost-Place, wo man parkte. Eins der Häuser war irgendwie noch zumindest zeitweise bewohnt, der Rest verfiel langsam und es waren zwischen der Straße und dem Leuchtturm noch eine Menge alte Fundamente verstreut.   Petras Steingarten liessen wir links liegen – auf dem Parkplatz standen drei Reisebusse und der Garten war vor lauter Leuten nicht mehr zu sehen. Petras Erben wollen übrigens jetzt auch Eintritt haben, bei Petra wars anscheinend noch umsonst…. Nächster Stopp: die absurden Felsformationen am Breidalsvik Utsyni, ein Aussichtspunkt direkt an der Straße. Schöner Blick auf die See links und in die Berge rechts:  Weiter ging die Fahrt bei immer noch trübem Wetter. Nächster Halt war beim Streitisviti Leuchtturm – nicht, weil der jetzt (bei dem Wetter) besonders sehenswert war, aber dort war ein Parkplatz etwas abseits der Straße und wir konnten dort in Ruhe zu Mittag essen. Nach dem Essen ging es weiter in die Gegend von Virunes zum Green Rock, eine kleine, komplett grüne Steilküste an der 1.  Ab hier verfolgte uns dann der Reisebus, der gleichzeitig mit uns dort war – ich fuhr dann bei Gelegenheit rechts ran, damit er überholen konnte – nur um zu sehen, dass er dann vor uns zur nächsten Sehenswürdigkeit abbog, die wir auch besuchen wollten. Das war der Nykurhylsfoss. Der Aussichtspunkt ist über eine sehr steile Schotterstraße mit einer Haarnadelkurve zu erreichen, und natürlich kam ein anderer Reisebus entgegen. Nachdem die Busse sich aneinander vorbeisortiert hatten, gings hoch zum Parkplatz. Natürlich stürmte die Meute los zur Aussichtsplattform – wir bemerkten ein Schafs-sicheres Tor an der Seite des Weges und bogen durch dieses in die Büsche ab. Der Weg führte hoch zum Wasserfall (nicht gesichert, pampig und nah an der Kante, wie üblich) und man stand dort dann eben allein und hatte einen tollen Blick runter.  Nach dem Wasserfall wieder auf die 1 und dann weiter die Küste entlang. Nach einigen Kilometern gab es eine Gelegenheit, zum Strand abzubiegen (Fauskasand). Tatsächlich, man konnte mit einiger Überwindung bis nach vorn an den schwarzen Strand hoppeln.  Allerdings lud das Wetter nicht wirklich zu einem längeren Stopp ein, also Foto gemacht und wieder zur Straße gewühlt. Einen Kilometer weiter gabs einen richtigen Parkplatz, der Strand da ist bekannt für den einen einsamen Stein, der mitten drauf steht.  Weiter gings in Richtung Westen. Wir hatten für den nächsten Tag gegen Mittag eine Lagunenfahrt auf der Jökullsarlon gebucht und noch einige Kilometer vor uns. Noch ein Stopp beim Roten Stuhl (keiner weiss, wer den da errichtet hat, aber jeder hält für ein Foto an…) und dann zum nächsten ausgesuchten Campingplatz Myllulaekur ( --> Link) nördlich von Höfn. Von hier aus konnte man die ersten Blicke auf Ausläufer des Vatnajökull erhaschen.  Leider wurde hier unser Camping Pass nicht akzeptiert, obwohl das auf der Webseite so geschrieben steht. Unschön. 01.07.2023 Hornafjördur – Thakgil CP (274 km) Wir hatten am Abend noch V/E gemacht und so konnten wir bis an den Rand versorgt weiterfahren. Um 14:00 mussten wir an der Gletscherlagune sein, also auffi. Allerdings kam uns ein Hinweisschild auf den Heinabergsjökull-Gletscher im Vatnajökull-Nationalpark in die Quere – also rechts abgebogen auf die Kiespiste. Mein Navi kannte die, Google Maps kennt da keine Straße – das kann ja heiter werden. Die Piste hatte schöne, tiefe, Wasser-gefüllte Löcher, so dass man immer Schlangenlinien fahren musste, und stellenweise war der lockere Kies ziemlich tief, das hätte ohne Diff-Sperre haarig werden können. Dann gabs noch die Wahl zwischen einer auf 5 T begrenzten Stahlbrücke und einer Furt – wir wählten die Brücke, passte auch von der Höhe her noch so gerade – und nach einigen Kurven und insgesamt 8 km Strecke kamen wir dann auf dem Fels/Kiesparkplatz an. Da standen zwei Geländewagen und ein Superjeep, der eine Kajak-Tourgesellschaft hierhergebracht hatte – Kajaktour auf der Gletscherlagune. Der Strand an der Lagune war wohltuend leer (bis auf die Kajaktour), was wir aber jetzt noch nicht zu schätzen wussten. Der Gletscher war sehr beeindruckend, erstaunlicherweise ist die Lagune komplett braun anstatt wie üblich grau oder blau, offensichtlich bringt der Gletscher Lehm oder sowas mit runter.  Nochmal mit der Drohne fliegen (hier erlaubt, an fast allen größeren Touristenattraktionen verboten, auch wenn man massig Drohnenvideos auf YT findet), und dann zurück ins Womo für weitere 8 Kies-Pistenkilometer. Aufatmen zurück auf der Hauptstraße, Asphalt kann so schön sein :-) und weiter in Richtung Jökulsarlon. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine der Haupt-Touristenattraktionen auf Island, die Gletscherlagune eines Ausläufers des Vatnajökull. Hier kalben die Eisberge von der Gletscherzunge ab und treiben in die Lagune, bis sie aus der Lagune unter der Brücke der 1 hindurch aufs Meer getrieben werden. Je nach Jahreszeit und Temperatur gibt’s mehr oder weniger Eisberge zu sehen, wir hatten Glück, im Juni ist sie meist noch ziemlich voll. Also ab auf den Parkplatz, hier steppt der Bär – zum Glück fährt in der 1. Reihe gerade jemand raus, und wir bekommen einen Premium-Parkplatz in der 1. Reihe, direkt neben dem Behindertenparkplatz. Zahlung per QR-Code auf der Webseite, das treffen wir noch ganz oft an. Einer der schönen Punkte an Island: die Natur-Touristenattraktionen sind alle kostenfrei zu besichtigen, es wird aber eine Parkgebühr erhoben, für ein Womo meist so um die 6 Euro.  Natürlich ist die Fahrt auf der Lagune nicht kostenfrei. Wir haben die Günstig-Variante gebucht, eine Fahrt mit einem uralten LARC-5 Amphibienfahrzeug, das aus der isländischen Armee ausgemustert wurde. Da passen so ca. 25 Leute drauf und es geht über Land ein paar hundert Meter zu einer Einfahrtsstelle und dann ab in die Lagune. Aus dem Ding könnte man ein super Womo machen – könnte man meinen. Hab mal gegoogelt, Höchstgeschwindigkeit an Land 50 km/h – dann lieber doch nicht…  Die Fahrt war interessant und gut moderiert; auf der Lagune flitzen permanent mehrere Zodiacs rum, die die Fahrstrecke auskundschaften (Eisberge und so…). Es geht einmal bis mitten in die Lagune und es gibt viel Eis und einige Robben zu sehen, die sich auf dem Eis sehr wohl fühlen.    Nach der Fahrt noch kurz im Womo zu Mittag gegessen und dann den halben Kilometer rüber zum Diamond Beach. Das ist der zweite Teil des Naturwunders. Die Eisberge, die aus der Lagune treiben, werden nämlich hier von der Brandung zerkleinert und auf den knackschwarzen Strand geworfen, was einen unglaublichen Konstrast ergibt. Die Profis machen die Fotos bei Sonnenuntergang, für uns musste normales Wetter reichen.  Nach wenigen Kilometern auf der 1 gibt es noch eine Abzweigung zum Fjalljökull, den wir uns auch noch kurz anschauten. Die Kinder hatten allerdings genug Gletscher für heute und blieben im Womo. So schnell gewöhnt man sich an Aussergewöhnliches…  Und weiter in Richtung Westen. Total krasse Landschaft – erst fährt man buchstäblich –zig Kilometer durch eine Wüste aus schwarzem Sand, ein Schwemmgebiet, wo Wasser von den Gletschern abfliesst. Offensichtlich hats hier die Straße schon öfter mal abgeräumt. Dann nochmal so weit durch Lavafelder, die gerade mal ein wenig Moos angesetzt haben – kein Gras, kein Strauch, kein Baum. Zwischendurch kommt Kirkjubaerjaklaustur, ein kleiner Ort mit einem Wasserfall und einer Basaltformation, die aussieht wie ein Kirchenboden, daher der Ortsname.  Nach einem kurzen Fotostop fahren wir weiter und biegen kurz vor Vik auf eine Schotterpiste in Richtung Inland ab, die mitten in den Katla Geopark zum Campingplatz Thakgil ( --> Link) führt. Der soll wirklich fantastisch sein – sollte er besser, bei 18 km wirklich anspruchsvoller Piste mit Schotter, tiefen Löchern und Pfützen, lehmigen Steilpassagen und engen Kehren, natürlich alles ohne Leitplanken und ähnliche Kindereien. Selten so viel geschwitzt beim Fahren, aber es hat auch unglaublich Spass gemacht, und der Iveco hats klaglos gemeistert.  Der CP war es dann auch wirklich wert. In einem Talkessel gelegen, der aussieht wie direkt aus dem Herrn Der Ringe importiert, durchaus gut frequentiert (auch viele Isländer, die ihr Wochenende hier verbringen) und mit einer urigen Höhle als Aufenthalt- und Essraum.   Ich unternehme mit den Kindern noch einen Spaziergang in das in den Talkessel mündende Flusstal. Beeindruckende Landschaft – und, wie man sieht, auch mit einem Fiat zu erreichen :) :  Wir verbringen einen entspannten Abend, essen schön und schlafen wie die Steine. 02.07.2023 Thakgil –Skjöl Skoastadir (bei Geysir und Gullfoss) (208 km) Wir fahren die Piste zurück zur 1 (zurück ist viel entspannender, weil man schon weiss, was kommt), kaufen in Vik ein (ein Isländerpulli musste her, und es gab noch einige gut runtergesetzte Wintersachen, und Lebensmittel wurden auch eingekauft). Dann ab zum schwarzen Strand, da gibt es eine Steilküste mit irren Basaltformationen und einen Geocache. Der Weg dahin geht über einen Feldweg mit tiefem schwarzen Sand, aber wir wühlen uns durch. Aus Vik raus geht es um den Küstenberg herum und dann wieder an der Küste, dort gibt es den Reynisfjara Strand. Wieder schwarzer Sand mit noch viel wilderen Basaltformationen. Und jede Menge Warnschilder vor ‚Dangerous Sneaker Waves‘. Offensichtlich gibt’s hier öfter überraschende Wellen, die unvorsichtige Touristen ins Wasser ziehen. Scheint kaum jemanden zu kümmern, wir halten unseren Abstand zum Wasser – ist eh zu kalt zum Schwimmen, und die gar nicht so hohen Wellen brechen ziemlich brutal nah am Ufer.   Den nächsten Stop gibt’s am Skogafoss, ein von der Wassermenge und Höhe ziemlich beeindruckender Wasserfall. Unten donnerts ziemlich, und die Gischt verteilt Gratis-Duschen.  Dann die Treppe hoch und von oben schauen – leider mit viel Gesellschaft und die meisten davon fusskrank, so dass es sich auf der Treppe staut, weil Leute stehenbleiben und sich ausruhen müssen. Aber irgendwann ist man oben und der Blick entschädigt. Auf der weiteren Fahrt halten wir beim Eijafjällajökull-Museum an. Das ist zwar gerade geschlossen, hat aber einen schönen Parkplatz, wo wir ohne Trubel Mittag machen können. Ein paar Infotafeln informieren über den Ausbruch, der ganz Europa eine Flug-freie Zeit bescherte. Nach dem Mittagessen ist der nächste Wasserfall dran, der Seljalandsfoss. Hier ist das Besondere, dass man hinter dem Wasserfall hergehen kann. Sieht irre aus, absolut sehenswert.  Danach reichts auch langsam für den Tag. Da als Nächstes die Geysire und der Gullfoss geplant sind, suchen wir einen CP in der Nähe raus – Skjöl Camping genau zwischen den beiden Attraktionen ( --> Link). Das Wetter ist leider schlechter geworden, es beginnt während der Fahrt zu regnen und wird irre windig. Entsprechend sieht der Platz schon etwas weichgewalkt aus, die Auffahrt vom Schotterweg auf die Wiese ist eine Schlammwüste. Wir schaffen es am Rand auf die Wiese und stellen uns hin und ich stapfe durch den Regen zur Rezeption. Die Auskünfte da sind etwas ernüchternd – Trinkwasser zum Auffüllen des Tanks gibt’s nicht, Klokassette entsorgen geht, Abwasser nicht. Duschen kosten extra (ist aber keine Überraschung, fast überall so). Also bezahlt und beschlossen, den Platz nicht zu empfehlen. Aber da sind sie bei der Lage (in der Nähe der Attraktionen) wohl nicht drauf angewiesen. Der Platz füllt sich mit der üblichen Dacia-Duster-mit-Dachzelt-Lawine (ist offensichtlich an jedem CP am Golden Circle so), die Leute habens heute echt nicht einfach (die echten Zelter auch nicht), der Wind zieht einem quasi die Wärme aus dem Körper bei 8 Grad Aussentemperatur. Alle knödeln sich in der CP-Kneipe, die auch der Aufenthaltsraum ist, aber nicht wirklich auf mehr als 15 Leute ausgelegt. Der geräumige Nebenraum (wohl für Reisegruppen) ist gesperrt. Viele dieser Leute scheinen mit Zelten normalerweise nix am Hut zu haben (ungeschickter Umgang mit Zelten und Ausrüstung) und haben das wohl als Low-Budget-Joker für den Island-Besuch gezogen. Man kann sich schon fragen, ob das als Camping-Einsteiger clever ist, mit dem Zelten in Island anzufangen… 03.07.2023 CP Skjöl – Thorlakshöfn (157 km) Erster Tagesordnungspunkt nach dem Frühstück ist der Besuch beim Gullfoss. Der Regen hat sich zum Glück verzogen, aber der Wind ist immer noch sehr schneidend, die Temperaturen immer noch einstellig, aber durch die Sonne immerhin steigend. Wir parken gegen 08:00 in der Nähe eines sehr beeindruckenden Hochlandbusses:  Vom Parkplatz weg führt eine F-Road ins Hochland, die es anscheinend in sich hat – gesperrt selbst für normale Allradfahrzeuge und Geländewagen, nur Superjeeps und schwere Allradler zugelassen.  Der Fußweg zum Wasserfall ist kurz, angesichts des Windes und der niedrigen Temperaturen (und einer leichten Wasserfall-Übersättigung) schauen wir uns den Fall nur von der oberen Plattform an. Das gute ist, dass noch keiner hier ist – herrlich.  Wieder im Mobil, geht’s auf zu den Geysieren. Wir nehmen nicht den Hauptparkplatz an der Tourifalle, sondern den kleinen Nebenparkplatz direkt am Geysirfeld, auch hier ist noch alles leer und im Geysirfeld sind vielleicht 15 Leute unterwegs. Vom kleinen Parkplatz kommt man direkt am Urahn und Namensgeber vorbei: Geysir.  Leider ist dieser zwar noch heiss, bricht aber eigentlich nicht mehr aus (zum letzten mal 1916), höchstens mal bei Erdbeben oder Vulkanausbrüchen in der Nähe. Das erfährt man aber erst, wenn man schon hier ist oder sich vorher explizit schlau macht. Der größte, zurzeit aktive Geysir ist der Stokkur, der alle 8-11 Minuten ausbricht und mitunter recht schöne Fontänen von ca. 20 m Höhe hinbekommt. Der alte Geysir soll 80-100 m geschafft haben in seiner aktiven Zeit.  Auf dem Gelände gibt es noch einige andere heisse Quellen, die zum Teil recht zornig vor sich hin blubbern und ordentlich nach H2S stinken. Auf jeden Fall eine Besuch wert. Beim Weg vom Gelände runter zum Souvenirshop kommen uns schon die ersten Kreuzfahrtschiff-Busladungen entgegen, ordentlich mit gleichfarbigen Kappen und Aufklebern auf der Kleidung. Nix wie weg. Es bleibt geothermisch, das nächste Ziel sind die heissen Quellen am Laugarvatn. Dort gibt es ein kleines geothermisches Kraftwerk, und am schwarzen Strand ist der Sand so heiss, dass man Brot darin backen kann (dauert dann aber 24 h). Im See sind direkt am Ufer auch einige Stellen, wo heisses Wasser hochquillt.  Wir überlegen, ob wir in das nahe Geothermalbad gehen, aber das scheint eher so eine normale Badeanstalt mit Naturbefeuerung zu sein – das hatten wir uns anders vorgestellt. Deshalb nochmal googlen und als neues Ziel wird die Secret Lagoon in Fludir festgelegt (Gamla Laugin, heisst eigentlich ‚altes Bad‘). Das ist die älteste ‚organisierte‘ heisse Quelle in Island. Die Fahrt dahin ist bei schönstem Sonnenschein toll, der Eintrittspreis ist ca. ¼ dessen bei der Blue Lagoon und die Athmospäre ist super schön und familiär. Beim Umziehen mache ich den Kids klar, dass hier nackig geduscht und gründlich gewaschen wird (entsprechende Hinweisschilder sind vorhanden), was Befremden hervorruft :-) aber so ist das hier nun mal – ungechlortes Wasser erfordert andere Hygienemaßnahmen. Das Wasserbecken ist sehr simpel, einfach nur geschichtete Steine als Wände und feiner Kies (mit Algen :-) ) als Boden. Aus den um das Becken herum angeordneten heissen Quellen fliesst das Wasser einfach ins Becken, das eine Temperatur von ca. 35°C in der Mitte und gegen Unendlich in der Nähe der Zuläufe hat. Es gibt ein simples Warnschild, nicht zu nahe oder in die Zuläufe zu gehen, fertig.  Die Quellen selber kann man sich über einen Plankenpfad ansehen, der auch tatsächlich nochmal an einem kleinen Geysir vorbeiführt – Litli Geysir. Der bricht alle 10 Minuten ca. 1 m hoch aus, total niedlich! Wir verbringen ca. 2 Stunden in dem Bad, es ist total erholsam und auch nicht zu voll. Beim Umkleiden lauert noch eine Attraktion: eine Schleuder für Badebekleidung. Badehose rein, Deckel zudrücken, BRRRRR, Badehose (fast) trocken. Super Sache!  Total erholt besteigen wir wieder das Womo und fahren in Richtung Selfoss. Wir brauchen wieder Lebensmittel, Diesel wäre auch nicht schlecht und da unser Großer inzwischen sehr viel Schach spielt, wollen wir das Bobby-Fischer-Museum dort besuchen. 1972, mitten im Kalten Krieg, gab es auf Island eine weltbewegende Schachweltmeisterschaft – der damalige amtierende Weltmeister Boris Spasski wurde herausgefordert vom US-Amerikaner Bobby Fischer. Ein Duell über 24 Partien war geplant; die Diva Fischer reiste allerdings erstmal nicht an, bevor das Preisgeld nicht verdoppelt wurde, das dauerte einige Tage, so dass das Turnier mit ca. einer Woche Verspätung begann, was die Russen natürlich zum Qualmen brachte. Nach einigen Wochen und unzähligen taktischen Winkelzügen gewann Fischer die Weltmeisterschaft mit 12,5 Punkten nach 21 Partien. Der Schachverein in Selfoss hat diesem Event ein Museum gewidmet (oder eher dem Spieler Bobby Fischer). Die Geschichte war nämlich mit dieser WM noch nicht zu Ende… 1975 stand die nächste Schach-WM an, und Fischer stellte dafür einen fast 180 Punkte langen Anforderungskatalog, wie die auszusehen hätte. Letztendlich wurde dem nicht stattgegeben und Fischer der Titel 1975 aberkannt. Er spielte dann lange Zeit auf internationalen Turnieren keine Rolle mehr. 1992 trat er allerdings nochmal gegen Spasski an – allerdings in Bosnien, gegen das ausdrückliche Verbot der US-Regierung. Nach dem Turnier wurde er von der USA mit Haftbefehl gesucht (jedoch nicht zur Fahndung ausgeschrieben) und reiste nie mehr in seine Heimat. In 2004 wurde er in Japan (auf Veranlassung der USA) bei der Einreise nach Japan verhaftet, angeblich weil sein Pass ungültig sei. Dort saß er ein Jahr im Gefängnis, bis er in Island politisches Asyl erhielt und auch die Staatsbürgerschaft annehmen durfte. Total interessante Geschichte, und das Museum hat so einige Zeitdokumente ausgestellt, unter anderem den originalen Schach-Tisch, an dem die WM gespielt wurde. Unsere Kids durften darauf sogar eine Partie spielen :-) Das Museum schloss um 17:00, und wir fuhren von dort aus nach Thorlakshöfn, wo es neben dem Schwimmbad einen Campingplatz ( --> Link) gibt. Der war zwar schon ziemlich voll, aber wir fanden noch einen Platz und konnten den Abend bei Sonne geniessen – es war allerdings immer noch ziemlich kühl wegen des Windes. 04.07.2023 Thorlakshöfn – Sandgerdi (159 km) Das Wetter war am nächsten Morgen immer noch schön (Sonne und viel Wind). Wir fuhren vom CP in Richtung Westen weiter und bogen dann nach Norden ab zum geothermischen Feld Seltun. Dort gibt es einige heisse Quellen und Gasaustritte, die Landschaft ist mit Schwefel überzogen und es stinkt nach Schwefelwasserstoff. Ich finde das total faszinierend, was da für eine Energie drinsteckt – die Kinder wurden alle Grün und wollten so schnell wie möglich wieder weg…  Nächster Kurz-Stopp dann am Graenavatn, ein fast kreisrunder, grüner See nicht weit von der Straße.  Der weitere Verlauf der Straße bringt uns zu mehreren Parkplätzen, die während der Vulkaneruption in 2022 entstanden sind. Da wir uns den (gerade nicht aktiven) Vulkan auch anschauen wollten, wählten wir den mittleren Parkplatz und liefen in Unkenntnis der Entfernung los. Nach einem Kilometer war klar: im leichten Womo-Dress war das a) wegen des extremen Windes und b) wegen der Strecke (Schotter, Vulkangestein) nicht möglich. Wir gingen also zurück zum Womo und zogen uns um (Wanderschuhe und winddichte Kleidung), meine Frau verzichtete auf die Bergbesteigung, und ich ging mit den Kindern wieder los. Zuerst erreichten wir die Ausläufer des im letzten Jahr entstandenen Lavafeldes, das aussah, als ob es gestern erst abgekühlt wäre:  Von da aus ging es los in Richtung südlichem Aussichtspunkt oben auf dem Berg. Das war ziemlich unterhaltsam, da der Wind mit der Höhe beständig zunahm – auf halber Höhe konnte man an den nördlichen Wegserpentinen kaum noch stehen, und kurz vor oben musste ich unseren kurzen festhalten, damit er nicht davongepustet wurde – so 10+ Windstärken lagen da an. Kurz ein paar Fotos gemacht und gleich wieder runter, sehr, sehr vorsichtig bei dem Wind und dem lockeren Schotter auf dem Pfad.  Nach insgesamt 2 Stunden waren wir dann wieder am Womo (toll, so aus dem Wind zu sein, war schon fast taub), es gab Mittagessen und dann fuhren wir weiter. Die Blue Lagoon wollten wir uns zumindest anschauen, auch wenn der Eintritt für eine fünfköpfige Familie jenseits von Gut und Böse liegt. Die Lagune selber ist aber gratis zugänglich, nur ins Bad kommt man dann nicht hinein. Wirklich interessant, die weisslich-blaue Farbe.  Von dort aus ging es weiter in Richtung Südwesten – dort gibt es noch eine heisse Quelle, die man ziemlich eindrucksvoll schon von weitem sieht – im Gunnuhver-Vulkan, erreichbar über eine recht holprige Piste. Hier herrscht kurz unter der Oberfläche eine Temperatur von 300° C. Dieser Vulkan ist direkter Teil des mittelatlantischen Rückens, der sich in Richtung Südwesten unter Wasser fortsetzt. Die Kinder wurden übrigens schon beim Gedanken an die olfaktorischen Qualitäten der Quelle grün und sind nicht mit ausgestiegen. Von dort aus bogen wir nach Norden ab, machten einen kurzen halt am Stampar-Vulkan (ohne Wanderung, wir hatten langsam den Kaffee auf für heute) und hielten dann an der Bridge between Continents. Hier wurde eine moderne Metallbrücke über die Spalte zwischen den Kontinentalplatten gebaut und man kann so von der Eurasischen zur Amerikanischen Platte herübergehen.  Hier fiel mir dann auch ein metallisches Klappern an unserem Womo auf, als wir vom kurzen Spaziergang zurückkamen – der Wind liess ein Blech am Unterboden lose hin und her schwingen. Das war Teil des Kotflügels für die rechten Hinterreifen, quasi der Spritzschutz nach vorn hin. Hier waren auf einer der Pisten wohl die Nieten ausgerissen und das Blech schlackerte an der letzten Niete vor sich hin. Zum Glück fand sich in der Werkzeugkiste noch reichlich Draht, so dass ich das Blech erstmal sichern konnte. Reparatur für Morgen auf die To-Do-Liste. Nach diesem Quick-and-Dirty-Fix fuhren wir weiter nach Norden, am Flughafen Keflavik vorbei. Ungefähr auf der Höhe stand dann ein Baustellen-Schild mit Tempo 30 am Fahrbahnrand, und 100 m weiter verwandelte sich die Straße in eine Schotterwüste, in der auch noch fleissig gearbeitet wurde. Die Isländer focht das alles nicht an und die Baustelle wurde im laufenden Baubetrieb durchgängig befahren. Ich musste dann anhalten, weil mir eine Planierraupe entgegenkam, die einen beeindruckenden Berg schwarzen Vulkanschotters vor sich herschob und auf der ‚Straße‘ verteilte. Die Gegenspur war dann kurz frei, ich und ein paar andere fuhren an der Raupe vorbei, mussten aber dann wegen Gegenverkehr wieder rechts rüber – in den frisch und sehr locker aufgebrachten groben Schotter hinein. Der Vortrieb wurde weniger… schnell die Diff-Sperre rein, einen Gang runtergeschaltet und es ging wieder voran, allerdings driftete das Heck jetzt auf dem lockeren Schotter langsam in Richtung des rechten Straßenrandes. Zum Glück war der lose Haufen zu ende, bevor uns die Straße ausging. Danach gabs erst festen Schotter und dann nach ein paar hundert Metern wieder Asphalt. Das sollte nicht die letzte ‚Pop up‘-Baustelle sein, die wir auf Island gesehen haben… Eine Viertelstunde später erreichten wir den Campingplatz von Sandgerdi ( --> Link) , der ziemlich modern und neu angelegt aussah. Erstmal hingestellt, so, wie bezahlt man hier? Es gab ein Schild mit einem QR-Code, der zu einer Bezahl-Webseite führte. Ich füllte alles geduldig aus, machte auch mein Häkchen im Feld ‚Camping-Pass‘, drückte auf ‚Bezahlen‘ – und die Seite wollte dann meine Kreditkartennummer für die fälligen 4500 ISK haben, trotz Camping-Pass. So haben wir nicht gewettet… Zum Glück stand auf dem Schild auch die Telefonnummer des Betreibers. Wir telefonierten kurz und ich schickte ihm dann ein Foto von unserem Womo mit Kennzeichen und ein Foto unserer Campingkarte (mit Unterschrift und Seriennummer) per SMS. Scheint geklappt zu haben, wir haben nichts mehr gehört. Auf diesem CP begegnete uns auch zum ersten Mal ein Depot für Sachen, die man im Flieger nicht mitnehmen durfte (z. B. Gaskartuschen) oder wollte (z. B. Lebensmittel). Klar, Keflavik ist direkt nebenan und viele machen wohl ihre letzte Übernachtung auf einem der umliegenden CPs. Wir sichteten das Angebot und nahmen einige der angefangenen Gaskartuschen für unseren Aussenkocher mit sowie eine Packung Cornflakes. Der Platz wurde auch damit beworben, dass Waschmaschinen vorhanden seien – ja, in einem verschlossenen Schuppen. Da sich der Betreiber aber nicht blicken liess, konnten sie nicht genutzt werden. Na ja, morgen auf einem anderen CP vielleicht. Der Wind hatte immer noch nicht nachgelassen und da die Sonne langsam tief stand, wurde es empfindlich kalt. Da taten uns die Dachzelter wieder mal etwas leid – die saßen entweder frierend in ihren Autos (die natürlich keine Standheizungen hatten) oder im Aufenthaltsraum, der hier aber leider recht offen gestaltet war, der Wind blies rechts rein und links raus, auch nicht so wirklich erholsam. Ich kann für Island – trotz des schönen Wetters, das wir die meiste Zeit hatten – nichts kleineres als einen Cali oder einen geräumigen SUV empfehlen, und auch da muss man bereit sein, unten/drinnen zu schlafen, wenns wirklich windig wird. Und Standheizung ist Pflicht. ... und wieder weiter im nächsten Beitrag.
Zuletzt geändert von Tinduck am 18 Aug 2023 12:23:54, insgesamt 2-mal geändert.
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von Tinduck am 17 Aug 2023 19:00:47
05.07.2023 Sandgerdi – Mosfellsbaer (87 km) Für heute stand die Stadtbesichtigung in Reykjavik auf dem Plan. Wir machten uns also morgens bei gemischtem Wetter auf in Richtung Nordosten und trafen nach einigen Kilometern Landstraße auf die Autobahn (!) zwischen Keflavik und Reykjavik. Einige Kilometer vor dem Stadtzentrum bogen wir allerdings in Richtung Osten ab, zu einem Baumarkt. Ich brauchte nämlich für die Reparatur des schlackernden Alublechs einen Akkuschrauber. Den wollte ich fürs Womo eigentlich schon lange angeschafft haben, konnte mich aber nie so recht für ein Modell entscheiden. Der Beko-Baumarkt hatte gute Auswahl – die von mir präferierten blauen Bosch-Modelle waren allerdings übel teuer. Allerdings gabs auch Einhell (deutsche Billigmarke), und im Angebot ein Modell mit Schlagfunktion, 2 Akkus, Ladegerät und einem gut sortierten Zubehörset, alles in einem Koffer. Ich war etwas skeptisch… kurz recherchiert, das Modell hat sogar ein Metallgetriebe… na OK, fürs Womo wird’s reichen. Dann noch ein Metall-Lochband (kunststoffbeschichtet) aufgetrieben und ab zur Kasse. Von dort aus dann nach Reykjavik rein. Wir fuhren erst zum Sportstadion, um dort zu parken – allerdings eröffnete meine Frau mir dann, dass es von dort noch eine halbe Stunde Fussweg zu den Sehenswürdigkeiten sei. Das war mir ehrlich gesagt bei dem Wetter zuwider – also wieder ab auf die Hauptstraße und in Richtung Zentrum. Wir fuhren am Wasser entlang, sahen das Haus, in dem Reagan und Gorbatschow den kalten Krieg beendeten, bogen nach dem neuen Opernhaus rechts ab und dann wieder links in Richtung Thungata. Dort gibt es einen kleinen Parkplatz direkt vor der deutschen Botschaft :-) wo wir einen adäquaten Platz fanden. Kurz bei Easypark eingebucht, fertig, mitten im Zentrum. Geht doch. Die nächsten zwei Stunden erkundeten wir die Stadt. Es gab einen Hot Dog an der berühmten Bude, dann gings die Regenbogenstraße hoch zur Kirche und noch ein wenig rundherum. Es gab T-Shirts für alle und ich kaufte in einem Outdoor-Laden noch ein paar gute Lederhandschuhe für kalte Zeiten.   Bei der Kirche war das Wetter irgendwie gerade ziemlich düster. Sieht trotzdem aus wie ein auf den Düsen stehender Kampfjet… Irgendwann hatten dann alle genug, das Wetter war immer noch nicht besser, und wir beschlossen, weiterzuziehen. Noch ein kurzer Stop bei Omnom (Schokofabrik), auf dem Perlan (nicht reingegangen, Eintritt nur für Aussichtsplattform 12 Euro pro Person…) und dann weiter in Richtung Norden. Da für den nächsten Tag das Thingvellir angesagt war, bogen wir rechts ab und fuhren zur Übernachtung den Campingplatz Mosskogar ( --> Link) in Mosfjellsbaer an. Hier war schon gut was los, wir bekamen aber noch einen Platz. Das war hier der erste und einzige Campingplatz, wo man einen Platz zugewiesen bekam und BAR zahlen musste, keine Karte, kein Campingpass, nichts. Na gut. Der Eigentümer des Platzes hatte offensichtlich ein Recycling-Fetisch; die Parzellen waren mit alten, teergetränkten Holz-Hochspannungsmasten voneinander abgeteilt, teilweise hingen sogar die Isolatoren noch dran, und große Teile des Platzes waren mit Kunstrasenmatten ausgelegt, die offensichtlich von einem Fußballplatz stammten… sorgte aber irgendwie für eine urige Atmosphäre. Ich machte mich nach dem Einparken erstmal an die Fixierung des lockeren Blechs. Erstmal die ausgerissenen Nieten mit dem Akkuschrauber ausbohren, dann in der Schürze das ausgerissene Loch mit einem Stück Lochblechstreifen überbrücken (2 Löcher bohren, 2 Nieten setzen), dann in dem mittleren Loch des Lochstreifens das Blech neu annieten und oben im GFK-Boden mit neuen Schrauben fixieren. 20 Minuten Arbeit, besser wie neu. Danach kommt der Gaskocher raus und ich frittiere draussen Pommes, meine Frau brät drinnen die Hamburger. Später besichtigen wir noch den sehr schönen Gemeinschaftsbereich des Campingplatzes. Als Raum gibt es ein altes Gewächshaus, tolle Sache, schön hell und warm, und auch hier gibt es wieder eine Tauschbörse für Proviant und Campingbedarf. Draussen gibt es auch noch eine Wiese und eine Art überdachten Pavillon mit Sitzbänken. Dieser CP ist für Zelter sehr zu empfehlen! 06.07.2023 Mosfjellsbaer – Akranes (102 km) Das heutige Highlight sollte der Thingvellir-Nationalpark sein, eine Mischung aus isländischer Geschichte und geologischer Attraktion. Dieser Park liegt einerseits in der Grabenbruchzone zwischen Eurasischer und Amerikanischer Platte (was sich in zahlreichen Bruchspalten zeigt, u. a. die Altmannagjá und die Silfra-Spalte) und ist andererseits der Ort, an dem die Isländer in früheren Zeiten ihre internen Angelegenheiten geregelt haben. Thing = Volksversammlung, vellir = Ebene, Feld.  (Quelle: Wikipedia) Wir fahren bis zum P5 des Parks (mittendrin), weil meine Frau mich wenige Tage vorher zu einem anderen Highlight überredet hat – Schnorcheln in der Silfra-Spalte. Diese Spalte ist entstanden durch die auseinanderwandernden Kontinentalplatten und wird pro Jahr 7 mm breiter. Das Besondere ist, dass sie durch das Wasser des 50 km entfernten Langjökull-Gletschers geflutet wird. Dieses wandert 30 bis 100 Jahre durch poröses Lavagestein, bis es in der Spalte zutage kommt. Wassertemperatur 2-4 Grad und so sauber wie nur irgendwas. Da bietet sich natürlich an, sich die Spalte aus dem Wasser anzusehen und so kann man Schnorchel- und Tauchexkursionen in die Spalte buchen. Für mich tuts dann mangels formeller Tauchlizenz die Schnorcheltour. Wir frühstücken erstmal und danach zieh ich mir Badehose, Shorts und T-Shirt an und ab geht’s zum Treffpunkt. Das ist ein eigener Parkplatz, der komplett von 3 Touristikunternehmen in Beschlag genommen wird, die dort mit Pickups und LKWs ein Tauchcamp aufgebaut haben.  Erstmal wird das Formelle geklärt, dann wird Schuh- und Körpergröße abgeschätzt und im 1. LKW gibt’s einen Thermoanzug ausgehändigt – Umziehen. Die persönlichen Dinge kommen in einen wasserdichten Sack und werden im Camp gelagert. Nächste Station ist der Tauchanzug. Beide Anzüge werden erstmal nur bis zur Hüfte angezogen, es ist warm und sonnig heute. Dann gibt’s draussen eine Einweisung in Ausrüstung und die geplante Schnorchelroute. Wir sind mit fünf Leuten in der Gruppe, plus die spanische Gruppenführerin – eine Menge Expats arbeiten auf Island im Tourismus. Dann geht’s los, Anzüge komplett anziehen, es gibt je nach Passform noch so ne Art Kabelbinder um Arm- und Halsabschluss. Neoprenhandschuhe drüber, Kopfhaube auf, und dann mit Flossen und Taucherbrille/Schnorchel in der Hand ab zur Einstiegsstelle. Dort ist ein wenig Stau, es gehen immer 5-er bis 6-er Gruppen in 5 Minuten Abstand ins Wasser. Nach 15 Minuten sind wir dran. Letzte Anweisungen, Flossen an, Brille auf und ab geht’s ins Wasser. Boah, wirklich kalt am Mund (das einzige, was noch frei liegt). Der Rest ist allerdings mollig warm, hätt ich nicht gedacht. Die Schnorcheltour ist ein Traum. Es gibt zwar keine Fische, aber ein unglaubliches Farbenspiel des Sonnenlichtes auf den Basaltfelsen. Ganz unten erscheint die Spalte tiefblau, das hellt sich nach oben auf und geht in Grün und Gelb in der Nähe der Wasseroberfläche über. Einen Farbtupfer setzen hellgrüne Fadenalgen, die hier im Sommer wachsen.  Wir sind insgesamt 40 Minuten im Wasser, und zu keinem Zeitpunkt wurde mir kalt, trotz einsickerndem Wasser an den Armen. Dazu hatte ich Gelegenheit, mit der GoPro eifrig zu filmen. Wir haben am Schluss in der ‚Lagune‘ noch ein wenig Zeit für individuelle Touren, und ich schwimme noch in eine kleine Nebenspalte der Silfra-Spalte, die noch wesentlich jünger ist. Da bin ich komplett allein und das Wasser ist noch klarer… toll. Beim Ausstieg bemerkt man dann noch mal, dass die Spalte von oberhalb der Wasseroberfläche aussieht wie ein oller Ententeich – kaum zu glauben, was sich da unter der Wasseroberfläche verbirgt. Nach dem Abschlussfoto geht’s zurück ins Tauchcamp. Und, welch ein Service: Auskleiden kann man sich in einem beheizten LKW-Anhänger. Ist heute aber viel zu warm – puh. Bei anderem Wetter aber sicher sehr willkommen. Nach dem Umkleiden gibt es noch einen Schokoriegel (isländisches Lion) und einen heissen Kakao, dann geht’s zurück zum Womo. Wir essen dann erstmal auf einer Bank auf der Wiese zu Mittag, erkunden die Umgebung noch ein wenig, spazieren an der Steilwand entlang, machen einen Bogen am Sommersitz des isländischen Premierministers entlang zurück zum Parkplatz, weiterhin alles bei schönstem Wetter.  Dann packen wir so langsam wieder alles zusammen und fahren die Schleife hoch zum Aussichtspunkt über der Steilwand. Nochmal Parkgebühr, aber was solls. Von dort sehen wir, dass man auch ohne Probleme hätte hochlaufen können… egal, die Aussicht ist trotzdem schön. Den Tag beschliessen wir nach einer halben Stunde Fahrt auf dem Campingplatz von Akranes ( --> Link). Dort bekommen wir einen Wiesenstellplatz 30 m vom Wasser entfernt. Da das Wetter immer noch traumhaft ist, essen wir draussen – und hier gibt’s endlich auch verfügbare Waschmaschinen. Die nette Dame an der Rezeption wechselt uns etwas Kleingeld und wir können endlich unsere Unterhosen waschen :-) 07.07.2023 Akranes – Bildudalur (337 km) Heute wollen wir den Golden Circle endlich abschliessen. Es gibt dort zwar viel zu sehen, aber es ist auch an den Attraktionen relativ voll – wobei das immer noch überhaupt kein Vergleich zu den Touristenattraktionen z. B. am Mittelmeer ist. Deshalb geht’s heute in Richtung Westfjorde, das ist schön ab vom Schuss und soll landschaftlich sehr reizvoll sein. Über Borgarnes und Bifrost fahren wir die 1 in Richtung Nordosten und biegen dann auf die 60 Richtung Norden ab. Die Landschaft ist eindrucksvoll und es ist kaum jemand zu sehen, weder auf der Straße noch drumherum. In Erpsstadir halten wir bei der Creamery Erpsstadir an. Das ist ein Bauernhof, der selber Eis herstellt, das sehr gut sein soll. Das wird allerdings der Nachtisch, jetzt wird erstmal zu Mittag gegessen. Danach geht’s in die Eisdiele, und alle bekommen ein Eis. Wirklich seeehr gut, sollte man nicht dran vorbeifahren! Die Kinder besichtigen noch ein wenig den Hof, es gibt allerlei Haustiere und Spielgelegenheiten, und dann geht’s weiter. Es geht erstmal an der Küste entlang bis Kinnarstadir – dort dann einmal um den Fjord herum (die Brücke zur Abkürzung ist schon im Bau, aber noch nicht fertig), und dann hört die Asphaltstraße auf und es geht auf Schotterpiste weiter. Serpentinen hoch auf den Berg, 18% Steigung auf Schotter – hoch lebe der Heckantrieb, es ging einfacher als erwartet. Das gleiche dann auf der anderen Seite wieder runter, in Djupidalur kam dann wieder Asphalt. Bei Flokalundi bog die 60 bergauf ab – mein Navi hatte da noch eine Schotterpiste den Berg hoch, aber es gab knapp oberhalb schon eine gut ausgebaute Asphaltstraße, sehr schön. Zumindest bis zur Passhöhe – dort bogen wir auf die 63 in Richtung Bildudalur ab, die 20 m nach der Abzweigung mit ein paar herzlichen Schlaglöchern klarmachte, dass es mit der ruhigen Fahrt jetzt vorbei war. So schlängelten wir uns auf der unbefestigten Straße bis in den Fossfjördur hinunter und folgten der Küstenlinie. Wir kamen an einem schönen Hot Tub vorbei (wird morgen besucht) und am Flughafen von Bildudalur, der im Fjord angeschüttet wurde, sehr pragmatisch. Bildudalur selber hat einen Campingplatz direkt am Wasser ( --> Link), der schon fest in der Hand von isländischen Familien im Urlaub war, hier sind die Touristen klar in der Minderzahl. Nebenan ist ein Schwimmbad mit Fitnesscenter, dort checken wir ein und suchen uns einen Platz.  Heute gibt’s zum Abendessen Indisch, also draussen auf dem Gasbrenner erst Huhn angebraten, dann Currypaste und Gemüse dazu und ziehen lassen. Als das fertig ist, kommt eine Pfanne mit 1 cm Öl darin auf den Brenner und ich frittiere die Poppadoms, während meine Frau drinnen Nan backt. Wir essen allerdings im Womo, weil die Fliegen hier noch wild und ungezügelt sind und uns draussen tierisch auf die Nerven gehen. 08.07.2023 Bildudalur – Bolungarvik (135 km) Bei immer noch schönstem Wetter verlassen wir Bildudalur und fahren die paar Kilometer bis zum ‚Schwimmbad‘ im Reynarfjord. 50 m von der Straße ist ein betonierter Pool mit 2 Becken, der von einer heissen Quelle gespeist wird, daneben eine kleine Hütte mit einem Klo und einer Umkleide und ein Schotterplatz mit Raum für vier oder fünf Fahrzeuge. Oberhalb gibt es noch eine Liegewiese, und ein wenig abseits noch eine heisse Quelle, in der man direkt baden kann. Die Kinder hopsen in den Pool, meine Frau und ich probieren zuerst die Naturquelle aus – toll! Genau die richtige Temperatur und feiner Kiesboden – so kann mans aushalten.  Danach geht’s auch in den Pool, wir baden allein mit tollem Wetter und spektakulärem Ausblick. Nach einer dreiviertel Stunde verlassen wir schweren Herzens den Pool, ziehen uns um und es geht wieder auf die Schotterpiste. Ich experimentiere ein wenig mit der Geschwindigkeit – bei langsamer Fahrt kann man zwar den Schlaglöchern ausweichen, aber wenn man trotzdem eins mitnimmt, fallen einem fast die Plomben aus den Zähnen. Mit 60-70 km/h ‚fliegt‘ man über die Löcher hinweg und es rüttelt den Aufbau nicht so durch. Dann wundert man sich auch nicht mehr, warum die Einheimischen immer so schnell fahren auf den Pisten… nur vor den größeren Löchern muss man sich immer noch hüten. Es geht wieder hoch bis zum Pass und dann weiter in Richtung Norden, auch wieder auf Schotterpiste. Oberhalb des Dynjandifoss machen wir Mittagspause auf einer kleinen Ebene:  Weiterfahrend geht’s runter, wir kommen wieder auf Asphalt und biegen links ab zum Dynjandifoss. Das ist einer der bekanntesten Wasserfälle auf Island, der sehr malerisch aussieht – und auch nicht soooo überlaufen ist im Vergleich zu anderen Hot Spots – ist halt weit ab.  Von dort aus wieder in Richtung Norden, wir wollen irgendwo um Isarfjördur übernachten, das ist noch ein Stückchen hin. Auf dem Weg liegt noch ein Abstecher zu einem unglaublichen Strand am Önundarfjord – wenn nur das Wasser nicht so kalt wäre :-)  Nach weiteren Kilometern erreichen wir Isarjördur und halten erstmal bei Bonus an, wir brauchen wieder Lebensmittel und heute Abend soll es Pizza aus dem Ooni geben, also 5 x Pizza Margherita aus der Tiefkühlung gekauft und ausreichend ‚Material‘ zum Belegen. Wir durchfahren Isarfjördur und fahren durch den Tunnel weiter nach Bolungarvik. Direkt am dortigen Sportzentrum mit Schwimmbad liegt der Campingplatz ( --> Link). Sieht vorn nicht so toll aus, aber die weitläufige hintere Wiese ist sehr schön und man steht da völlig ruhig mit tollem Blick in die Berge.  Die Kinder verschwinden ins Schwimmbad (für 1,50 Euro Eintritt pro Person) und wir entspannen und bereiten das Abendessen vor; ich mache noch einen kurzen Spaziergang zum Hafen und schaue mir einige Infos über die Umgebung an. Ein Camper, mit dem wir ins Gespräch kommen, gibt uns noch ein paar Tips für den Norden (er ist von Seydisfjördur gegen den Uhrzeigersinn gefahren und hat leider totales Pech mit dem Wetter gehabt), die Kinder kommen irgendwann wieder und ich heize den Ofen an. Wie üblich sind die Pizzen nach ca. 3-4 Minuten fertig und so geht das alles recht schnell. Danach geht’s rein (wird kühl) und wir gehen fast gleichzeitig mit den Kindern ins Bett, war ein langer Tag. 09.07.2023 Bolungarvik – Bordeyri (400 km) Heute liegt eine lange Strecke mit ungewissen Streckenbedingungen an, es soll nochmal ca. 50 km Schotterpiste geben, und wir müssen zusehen, dass wir in den Norden kommen. Trotzdem gibt es hier vorher noch was zu sehen – gestern am Hafen habe ich eine Infotafel über den Aussichtspunkt oberhalb von Bolungarvik gesehen (Bolafjall). Dort ist auch eine NATO-Radarstation, die schon seit den 80ern dort steht, und man hat vor wenigen Jahren dort auch noch einen Aussichtspunkt installiert, die Straße (15% Steigung, Schotter, Serpentinen) gabs ja schon. Vom CP aus sind es ca. 15 km, es ist kein Verkehr – bis wir fast oben auf Höhe der letzten Ausweichbucht sind, da kommen uns von oben ca. 20 Pistenbuggies entgegen, offensichtlich ein organisierter Ausflug. Mann, wie das staubt… aber gut, dass die jetzt da oben weg sind. Die Aussicht ist spektakulär, aus 600 m Höhe hat man schon einen phänomenalen Blick. Angeblich kann man von hier aus sogar Grönland als Luftspiegelung sehen, wenn die Bedingungen entsprechend sind. Heute aber nicht.  Dann wieder runter vom Berg und ab in Richtung Isarfjördur. Dort liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe im Hafen und auf Reede (u. A. die MSC Preziosa) und der Ort quillt über vor Kreuzfahrttouristen, die anscheinend nicht so recht wissen, was sie hier sollen… Wir fahren weiter in Richtung Osten und folgen den Fjorden in Schlangenlinien. Das Wetter ist immer noch toll und der Blick auf den nördlichen, unbewohnten Teil der Westfjorde ist spektakulär. Wir halten öfter mal für ein Foto an und an einem Aussichtspunkt kommen wir mit einem Isländer und seiner Frau ins Gespräch, die auch gerade in den Westfjorden Urlaub machen. Er schenkt den Kindern etwas Trockenfisch, damit sie sich gesund ernähren und gut wachsen (er hat davon 15 Kg dabei, isst angeblich kaum was anderes und ist gut 2 Meter groß :-) ). Das ist ein interessantes Zeug, quasi in Streifen geschnittener, getrockneter Fisch mit Haut. Der essbare Teil haftet fest an der Haut, man muss das erst mit einem Stein weichklopfen, dann kann man den essbaren Teil abziehen und kauen. Schmeckt echt gut, wenn man Fisch mag, der Geruch ist allerdings ziemlich indiskutabel… wir probieren, bedanken uns und packen den Fisch (als der Isländer abgefahren ist) in eine Plastiktüte. Und dann in noch eine, und noch eine, und noch eine, bis man nichts mehr riecht. Mal sehen, ob wir den noch essen… Immer noch scheint die Sonne und wir fahren weiter die Fjordstraße 61 entlang. Nach einiger Zeit sieht man links im Wasser Felsen, auf denen sich Seehunde in der Sonne räkeln – kurz danach kommt ein Parkplatz, also anhalten und mal schauen gehen. Man kommt nicht sehr nah ran (ist wohl auch besser so), insofern ist nicht viel mit Handy-Fotos. Mit dem Fernglas konnte man die Tiere aber gut sehen. Die Fahrt geht weiter, und wir folgen der 61 bis zur Abzweigung nach Drangsnes, wo die 645 hinführt. Eine kleine, aber sehr schöne Straße direkt am Ufer entlang und teilweise sogar über dem Wasser als Terasse ausgeführt. An der Ortseinfahrt von Drangsnes steht dann links ein kleines Duschhaus und rechts der Straße, direkt am Wasser, sind drei Hot Tubs, die wie üblich aus heissen Quellen gespeist werden. Man kann direkt dahinter parken und ich entere mit den drei Jungs (nach kurzer Dusche) den mittleren von drei Pools, der frei war. Bei 40° Wassertemperatur und ständig von unten nachdrückendem heissen Wasser kann man die Sonne super geniessen, mit Blick aufs Meer.  Meine Frau wollte nicht mit rein und macht inzwischen einen Nachmittagssnack fertig. Wir essen nach dem Bad und dann geht’s weiter in Richtung Bordeyri. Die Küste wird wilder, es gibt viel weisses Treibholz an schwarzen Stränden – zusammen mit dem aufziehenden Nebel sieht das schon fast unheimlich aus. Der Asphalt hat sich auch wieder verkrümelt und wir reiten wieder über Schotter, der ca. 10 km vor Bordeyri aufhört und wieder in Asphalt übergeht. Bordeyri selber ist ein süßer kleiner Ort mit einem kleinen CP ( --> Link) direkt unten am Wasser, der auch nicht gerade überfüllt ist. Leider bleibt das Wetter schlecht (Nebel und Nieselregen bei 8°), so dass der Rest des Tages eher drinnen stattfindet. Wir sind leicht besorgt, weil wir für morgen eine Walsafari in Hauganes gebucht haben – hoffentlich ist das Wetter dann wieder besser. 10.07.2023 Bordeyri – Olafsfjördur (278 km) Es sind einige Kilometer bis Haugenes und wir haben die Tour für 17:00 gebucht, deshalb fahren wir jetzt erstmal zügig durch. Warum Hauganes? Das ‚Walzentrum‘ ist doch eigentlich bei Husavik? Nun, wir haben den Tip bekommen, dass Hauganes viel weniger überlaufen ist – nach Husavik und auch nach Akureiri fahren viele Kreuzfahrer, um Walsafaris zu machen, dementsprechend gibt es dort Veranstalter mit –zig Booten/Schiffen, die dazu auch noch ziemlich vollgestopft werden. Hauganes ist wesentlich familiärer, nur einige isländische Veranstalter fahren mit Kleingruppen dorthin. Der dortige Veranstalter hat 2 Boote, die 2 x am Tag fahren – und ist dazu noch der Erste, der diese Walsafaris kommerziell anbot, beginnend in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Schiffe sind umfunktionierte Fischkutter aus Eiche, das ist irgendwie stilechter als moderne Stahlschiffe mit mehrstöckiger Tribüne auf dem Vorderdeck (so eins konnte ich mit dem Fernglas beobachten – der Veranstalter hatte das Boot guuuut ausgelastet….). Auf dem Weg dorthin machten wir noch einen Halt bei Bonus und stellten uns dann in Hauganes direkt vorn an der Hafenmauer in Warteposition. Dann hatten wir noch genug Zeit, gemütlich zu essen. Die vorhandenen Hot Tubs 100 m vom Hafen entfernt waren völlig überlaufen, das mussten wir uns nach den tollen Badeerlebnissen in den Westfjorden nicht mehr geben.  Irgendwann kam dann die 14:30-Tour zurück, und wir bewegten uns langsam in die Umkleidehalle, um unsere Seeanzüge zu empfangen (schwimmfähig, keine Schwimmweste notwendig). Ich hatte zum Glück trotz der Hinweise in der Broschüre (‚Warm anziehen!‘) nur Shorts und T-Shirt drunter, die Kinder auch. Meine Frau musste noch diverse Lagen ausziehen, bevor man es im Anzug aushalten konnte, es war halt kein typisches Wetter… Um kurz vor fünf ging es los, wir durften an Bord (ca. 20 Leute), kein Gedränge, alles sehr gemütlich und genug Platz an der Reling. Die Tour war sehr gut, wir sahen Puffins, 3 Humpbacks und ein paar Delphine, die die Buckelwale ärgerten, auch interessant.  Auf dem Rückweg gab es Kaffee, Kakao und Zimtschnecken und alle waren sich einig, dass sich das sehr gelohnt hatte. Wieder im Hafen ging es von Bord und dann raus aus dem warmen Anzug und zurück ins Mobil. Übernachten wollten wir auf dem CP in Dalvik, den wir auch nach kurzer Fahrt erreichten. Ich öffnete die Tür – und hatte leichte Zweifel, ob wir hier bleiben wollten. Meine Frau öffnete die Tür – und es war klar, dass wir weiterfahren. Leider lag der an sich ganz nette (aber auch ziemlich volle) CP in Lee der örtlichen Fischfabrik, das war wirklich kaum auszuhalten. Wir fuhren weiter nach Olafsfjördur und stellten uns dort auf den CP ( --> Link), auf dem noch 2 andere Fahrzeuge standen – gute Entscheidung. Die Übernachtung hier war sehr ruhig und vor allem geruchsfrei. 11.07.2023 Olafsfjördur – Modrudalur (234 km) Jetzt neigt sich unsere Zeit auf Island langsam dem Ende zu, übermorgen fährt die Norröna wieder ab und wir haben noch ein paar Km vor uns. Wir nehmen also die Straße wieder unter die Räder und fahren erstmal in Richtung Süden (kurz Winken beim Vorbeifahren an Haugenes) und biegen in Akureyri nach Osten ab. Dann geht es durch den kostenpflichtigen Vadlaheidar-Tunnel (es gibt zwar einen Pass, aber die Zeit haben wir jetzt einfach nicht mehr) in Richtung Godafoss. Dieser Wasserfall ist recht malerisch, wobei das Wetter jetzt eher so naja ist. Die Sage beschreibt, dass ein Stammeshäuptling, der sich zum Christentum bekehren liess, hier seine Götzenfiguren ins Wasser geworfen hat, und seitdem ist Island christlich.  Wir parken erst auf dem westlichen Parkplatz zur Besichtigung, fahren dann rüber auf den Östlichen und stellen uns da ganz am Ende für eine Mittagspause hin. Dann geht die Fahrt weiter und wir erreichen den Myvatn. Dort gibt es am östlichen Ufer einige Sehenswürdigkeiten. Den Vulkankrater lassen wir aus, weil die Wanderung da hoch zu viel Zeit kosten würde; wir machen einen kurzen Abstecher zur Grotagja (Badehöhle). Das ist eine Höhle in einer Felsspalte, in der heisses Wasser an die Oberfläche quillt. Früher wurde hier gern gebadet, dann hat aber vulkanische Aktivität in der Gegend dazu geführt, dass das Wasser wesentlich heisser wurde – bei 60° geht da niemand mehr hinein.  Überall in der Gegend sieht man auch Wasserdampf aufsteigen, es gibt noch ein größeres Thermalbad und ein weithin sichtbares Erdwärmekraftwerk. Die 1 schlängelt sich dann einen kargen Berg hoch und wieder hinunter, der sichtlich mit Schwefelablagerungen bedeckt ist, und hinter dem Berg kommt man zum Hverir-Thermalfeld, das einige blubbernde Schlammquellen und diverse zornig fauchende Fumarolen vorzuweisen hat. Natürlich ist die ganze Gegend kunterbunt durch die Schwefelablagerungen und der Geruch ist auch ziemlich intensiv.  An dieser Stelle wurde ein neuer Parkplatz angelegt, man kann am Automaten, per App oder Internet bezahlen. Wir mussten allerdings zur Kenntnis nehmen, dass die Preisauszeichnung nicht mehr aktuell war – laut App hätten wir 1000 ISK bezahlen müssen, abgebucht wurden dann aber 3000 ISK – was der neue Preis für ‚Heavy Vehicles‘ ab 01.06. war, wie wir inzwischen rausbekommen haben. Der Fall ist noch bei Easypark in Behandlung. Für diese hohe Gebühr würden wir die Attraktion beim nächsten Mal auslassen. Das war aber auf der ganzen Reise der einzige Platz, wo wir die Parkgebühren als unangemessen bezeichnen würden. Kurz nach diesem Thermalfeld biegen wir nach links von der 1 ab und fahren in Richtung Krafla-Vulkan. Man fährt nach einiger Strecke mitten durch ein Thermalkraftwerk und dann steil den Berg hoch erst zu einem Aussichtspunkt über den Talkessel mit dem Kraftwerk (ziemlich futuristisch) und dann zum Krafla-Kratersee, der selbst jetzt bei schlechtem Wetter noch sehr schön aussieht.   Auf dem Rückweg zur 1 nehmen wir noch die Endlose Dusche mit – hier hat jemand Humor bewiesen und auf eine heisse Quelle eine Dusche montiert, die ewig warmes Wasser zur Verfügung stellt. Ich habs mal angetestet (nur mit der Hand), perfekte Duschtemperatur…  Auf der 1 dann weiter in Richtung Osten. Nach weiter Fahrt durch imposante Lavafelder und Einöden aus schwarzem Sand (hier fährt man eigentlich schon durchs Hochland) biegen wir rechts ab in Richtung Modrudalur. Die Straße ist immer noch asphaltiert, und wir fahren mit normalem Tempo (80 km/h) über eine Kuppe – hinter der aber dann die Schlaglochwüste lauert. Autsch. Normalerweise gabs bei sowas immer ein Schild, zumindest eine Tempobegrenzung, dann weiss man, dass Piste droht – hier leider nicht. Also Vorsicht an dieser Stelle. Mit 60 km/h geht’s dann, wenn man den größeren Löchern ausweicht, und wir erreichen nach 10 Minuten das winzige Dörfchen Modrudalur (eigentlich nur ein Hochland-Bauernhof, aber mit Kirche, Restaurant und Campingplatz). Der CP ( --> Link) ist eine Wiesenlandschaft mit ziemlich viel Topografie, gar nicht so einfach, sich irgendwie gerade hinzustellen, aber schliesslich haben wirs geschafft. Die Aussicht ins Hochland wäre bei gutem Wetter toll, jetzt bei Nebel und Regen ist es aber immer noch beeindruckend.  Angeblich ist das hier der höchstgelegene und älteste Bauernhof Islands. Irgendein Superlativ findet man immer :) ...und ihr wisst schon, wo's weitergeht.
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von Tinduck am 17 Aug 2023 19:02:44
12.07.2023 Modrudalur – Egilsstadir (231 km) Für diesen Tag ist die letzte Attraktion der Reise vorgesehen: wir haben immer noch nicht so richtig Papageientaucher (isländisch: Lundi) gesehen (OK, bei der Waltour, aber nur auf Entfernung). Deshalb ist das Ziel der Nistfelsen bei Bakkagerdi ganz im Nordosten von Island. Aber erstmal müssen wir V/E machen. Hm, einen Wasserhahn am Rand der Wiese nebst einem Rohr für die Entsorgung gibt’s – aber wie hinkommen? Auf dem Weg liegt ein respektables Tal in der Wiese. Da ich keine Lust habe, unser ganzes Abwasser 30 m da hin zu Eimern, schaue ich mir die Strecke genau an – wenn man hier und da genau darauf achtet, wo welches Rad fährt, sollte es eigentlich machbar sein, ohne aufzusetzen. Gesagt, getan – ich laviere unseren Bomber vorsichtig durch das Tal und kann durch Ausnutzen diverser Huckel ein Aufsetzen des Hecküberhangs oder der tiefen Fahrzeugpunkte (Tank…) vermeiden. Dann rückwärts ran ans Rohr und mit dem Schlauch entsorgt. Gut, dass unser Womo so hoch baut, mit einem Unterflurtank hätte man eine Pumpe gebraucht.  Nachdem das erledigt ist, schwanken wir über die Wiese zurück zur Ausfahrt. Kurze Überlegung: der Straße in Richtung Südosten folgen und nach 30 km Piste wieder auf die 1 oder lieber das kurze Stück direkt zur 1 und dann dort weiter? Wir entscheiden uns für die 2. Möglichkeit (der andere Weg ist F-Straße und damit für uns eigentlich verboten wegen fehlendem Allradantrieb, auch wenn dieser Teil machbar sein soll). An der Einmündung, wo wir auf dem anderen Weg rausgekommen wären, steht dann auch dieses Schild:  Also war die Entscheidung wohl gut. Wir fahren weiter, und es geht beständig bergab, bis wir in einem Flusstal entlang eines Flusses fahren. Dieser wird nach einiger Strecke überquert und dann biegen wir links ab auf die 925, die natürlich nach ein paar Metern wieder in Schotterpiste übergeht. Es geht mitten durch die Wildnis an einigen Häuschen vorbei links und rechts und wieder links, über eine Staumauer des nächsten Flusses/Sees auf die 944, bis die dann auf die 94 mündet, die wir in Richtung Norden befahren. Es geht in die Berge hoch (sogar recht steil) und dann wieder runter vorbei an Njardvik in die Bucht von Bakkagerdi. Auch durch diesen Ort fahren wir durch und haben dann noch mal ein paar Km Schotterpiste bis Borgarfjardarhöfn – das ist einerseits ein Fischereihafen und dort steht auch direkt der Papageientaucher-Felsen.  Das ist noch so ein bisschen ein Geheimtip, aber nicht mehr lange – es wurde ein neues, imposantes Cafe erbaut und die ersten Reisebusse fahren hier hin. Den Felsen kann man über Holztreppen erklimmen, die buchstäblich mitten durch die brütenden Papageientaucher führen – die interessiert das aber nicht. Der Felsen ist durchzogen von Nisthöhlen, und die Papageientaucher sind intensiv mit der Brutpflege beschäftig – ab ins Wasser, mit einer Schnabelladung voll Fisch wieder in die Bruthöhle und das gleiche von vorn. Oben auf dem Hügel gibt es eine Hütte, von der aus man in Ruhe die Vögel beobachten und Fotos machen kann, ohne sie zu stören.   Eigentlich konnten wir uns gar nicht losreissen (die Viecher sind echt zu süß), aber irgendwann wurde uns dann auch kalt (es ist sehr windig) und wir gingen zurück zum Womo und fuhren nach Egilsstadir, um die letzte Übernachtung auf Island anzugehen. Lustiges Detail: in Egilsstadir kommen wir an der Abzweigung vorbei, die nach Seydisfjördur führt, wo wir also bei der Anreise hergekommen sind. Wir sind uns völlig sicher, dass das zu dem Zeitpunkt (vor 2 Wochen) ganz normaler Asphalt war. Jetzt ist hier auf einmal eine Schotterpiste, der Asphalt wurde entfernt – warum wohl?? Also nochmal 500 m Abenteuer :-) Auf dem CP dort gabs dann nochmal Missmut, weil die a) den Campingpass nicht akzeptieren und b) selbst unseren 13-jährigen Mittleren als Erwachsenen behandeln, so dass wir einen Rekordpreis für die Übernachtung zahlen müssen. Aber was solls. Seydisfjördur geht nicht, weil der CP dort für ein Festival komplett ausgebucht ist. Auf dem CP in Egilsstadir ( --> Link) steppt dementsprechend der Bär, die Schlacht um die Münzwaschmaschinen tobt und in der Küche des Aufenthaltsraumes wird dauer-gekocht und –gespült, was ich später merke, als ich mit unserem Abwasch da auftauche. 13.07.2023 Egilsstadir – Seydisfjördur (28 km) Da die Norröna schon gegen 08:30 in Seydisfjördur einlaufen sollte, machten wir uns gegen 07:00 auf den Weg über den Pass. Die Schlange am Fahrzeug-Check-In war noch aushaltbar, und wir bekamen unsere Kabinentickets und Anweisungen, wie das jetzt läuft. Besonderheit: in Seydisfjördur dürfen die Mitfahrer nicht im Wohnmobil oder Auto bleiben, sondern müssen übers Passagierterminal einsteigen, nur der Fahrer darf im Fahrzeug bleiben. Wahrscheinlich soll so das Chaos auf dem Fahrzeugdeck und vor allem in den Treppenhäusern verringert werden. Also packen wir unser Gepäck für die 2,5 Tage Fahrt zusammen. Ich bereite noch die Zollrückerstattungsformulare für die diversen Souvenirs vor (immerhin gibt’s ca. 60 Euro zurück), und dann zockelt die Familienbande schwer bepackt ab in Richtung Bus zum Terminal, während ich mich nach dem Zudrehen der Gasflaschen auf dem Fahrersitz entspannen kann (hab allerdings auch noch 2 Taschen zu schultern, wenn ich aussteige). Im Terminal schnappte die Restfamilie dann noch eine interessante Geschichte auf – ein Motorradfahrer hatte nämlich seine Maschine zu Fuss in den Bauch der Norröna geschoben. Darauf angesprochen, erzählte er die Vorgeschichte – er war mit seiner Enduro im Hochland unterwegs, hatte eine Furt unterschätzt (Strömung) und kippte dann in der Furt mit laufendem Motor um – Wasserschlag. Er hatte Glück im Unglück, weil jemand mit Allradjeep vorbeikam, der sogar einen leeren Anhänger zog – so konnte er seine Maschine aus dem Hochland schaffen und dann nach Seydisfjördur transportieren. Allerdings hat er sich nicht mehr getraut, einen Motorstart zu versuchen, um nicht noch mehr kaputt zu machen. Irgendwann ist es dann soweit, die Karawane setzt sich in Bewegung. Unsere persönliche Schlange wird ganz unten (Deck 3) und ganz an Steuerbord eingefädelt, aber als ich auf der Rampe stehe, hakts vorn irgendwie. Ganz im Bug muss ein älterer Herr mit seinem Pickup nebst Aufsetzkabine wenden und dann rückwärts in der Bugrundung einparken. Aber irgendwie bekommt der das nicht hin und steht entweder total schräg über 2 Spuren oder bewegt sich völlig paralysiert gar nicht. Irgendwann klappts dann mit 2 Leuten von der Fähre, die noch einweisen. Selbst der Lademeister erscheint und macht Druck… der Rest unserer Schlange reiht sich steuerbord an der Bordwand ein, für mich reicht der Platz allerdings nicht mehr und ich werde nach vorn gewunken, direkt vor den Fahrkünstler. Der Einweiser winkt mich auf 10 cm an dessen Schnauze heran und gibt das Zeichen für Motor aus und Handbremse, was im Pickup Hektik auslöst – man befürchtet offensichtlich, nicht mehr aus dem Auto zu kommen. Mann mann… ich schliesse alles ab, schultere das Restgepäck und mache mich auf den Weg zum Treppenhaus.  Diesmal haben die Kinder eine Dreibettkabine (aussen) auf Deck 8 und wir eine Nordic-Luxuskabine, weil der Aufpreis zu einer normalen Aussenkabine vertretbar war. Natürlich gabs Kritik von den Kindern, dass sie im Hühnerstall und wir in der Luxuskabine schliefen, aber ein kurzer Hinweis auf die Stockbetten-Liegen auf Deck 2 liess schnell jede Kritik versiegen :-) Wir richteten uns ein, buchten für die Kinder wieder den Meal Deal und erholten uns nach den vielen Eindrücken und Kilometern auf Island. Auch fanden sich in der Bordbücherei einige interessante Bücher. 14.07.2023 TorshavnNachts um 03:00 Bordzeit war Zwischenstop in Torshavn – ich habs verpennt, meine Frau hat einige Fotos gemacht. Später am Tag passierten wir die Shetlands (diesmal an Steuerbord) und genossen weiter die ruhige Zeit an Bord. 15.07.2023 Hirtshals – Gross Vollstedt (435 km) Ziemlich pünktlich um 12:30 lief die Norröna wieder in Hirtshals ein. Wir durften schnell rausfahren, weil wir ganz unten auf Deck 3 standen, das zuerst geräumt werden muss, und machten uns sofort zur nächsten Tankstelle – wir hatten auf Island nicht mehr getankt, kamen exakt mit der aufleuchtenden Reserveleuchte in Seydisfjördur an und konnten deswegen jetzt zum niedrigeren dänischen Preis wieder volltanken. Dann gings los in Richtung Autobahn zur Dänemark-Durchquerung. Nach Ewigkeiten erreichten wir die deutsche Grenze und fuhren noch bis hinter Rendsburg, um dann dort einen Stellplatz 2 km abseits der Autobahn anzufahren. Ein Stellplatz nach unserem Geschmack – Wiese, fertig. 10 Euro per PayPal bezahlt und das wars. Neben uns parkte dann später abends ein junges Paar im Marco Polo ein, das nach dem Abitur 2 Monate Zeit hatte und mit dem Fahrzeug der Eltern unterwegs nach Norwegen war. Wir wurden dann nach dem Statement ‚da waren wir letztes Jahr‘ 2 Stunden gelöchert :-) haben uns dabei aber exzellent unterhalten und noch bis weit in die Nacht geschwatzt. 16.07.2023 Gross Vollstedt – Dortmund (482 km) Auf dem weiteren Rückweg stand heute natürlich wieder ein Stop bei den Schwiegereltern an, lag ja auf dem Weg – und der Große hatte heute Geburtstag. Also noch geschwind die 250 km runtergerissen (klappte noch mit der Tankfüllung aus Hirtshals) und dort kurz getankt und für ein spätes Frühstück gestoppt und ein Stück Andenken-Lavagestein vom letztjährigen Vulkanausbruch überreicht. Von dort aus sinds ja nur noch 2,5 Stunden, dachten wir – falsch gedacht. Bei Osnabrück gabs eine Vollsperrung (irgendwer schaffts ja immer, nen Unfall zu bauen), und wir mussten über die 30 und 31 einen Umweg über Bielefeld machen, der uns eine gute Stunde kostete. Aber letztendlich erreichten wir Dortmund am späten Nachmittag wohlbehalten. Fazit- 5002 km Fahrstrecke, davon ca. 200 km Piste - 703 Liter Diesel - Schäden am Fahrzeug: ein lockeres Kotflügel-Alublech, Reparatur in 10 Minuten - Färöer: unbedingt sehenswert, aber teures Pflaster, insbesondere bei touristischen Attraktionen - Island: noch sehenswerter als die Färöer, man kann dem Ziel in ein paar Wochen eigentlich nicht gerecht werden. Wir waren nicht zum letzten Mal da, und nächstes Mal haben wir mehr Zeit, Allrad und Bodenfreiheit. Kann aber dauern, wahrscheinlich, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Preislich günstiger als die Färöer; Naturattraktionen kosten normalerweise nur Parkgebühren, meist ca. 6 Euro für ein Womo. Fanden wir sehr fair, bis auf den einen Fall am Hverir. - Allrad oder nicht nötig: Island ist eines der wenigen Ziele in Europa (wenn man das noch dazu zählen will), wo Allrad absolut Sinn macht. Wir haben zwar auch so viel gesehen, aber das Hochland war halt Tabu ohne Allrad, und da gibt’s insbesondere landschaftlich noch einiges zu entdecken, weil man z. B. von hinten an die Gletscher rankommt und noch einige Vulkane besuchen kann. Die Haupt-Touristenattraktionen und auch abgelegenere Gegenden wie die Westfjorde oder die Nordküste gehen aber ohne Probleme mit 2-Rad-Antrieb. Wobei wir die Diff-Sperre einige Male benötigt haben, also immer schön vorsichtig und besser ein Schleppseil dabeihaben, vor allem, wenns feucht ist. - Nicht so schön: leider ist sowohl auf den Färöern wie auch auf Island das freie Übernachten im Wohnmobil komplett verboten, egal wo. Insbesondere auf Island hätte es hunderte schöne Übernachtungsmöglichkeiten fernab von allem gegeben, aber ist halt nicht mehr erlaubt – Naturschutz. Leider kümmert das viele Mietwagen-Dachzelt-Touristen nicht, insofern warte ich nur auf die nächste Einschränkungs-Welle, vielleicht wird die Anzahl der Campingfahrzeuge auf der Insel begrenzt oder was auch immer. Positiv ist, dass genug Campingplätze vorhanden sind und das auch zu relativ günstigen Preisen. Überlaufen waren sie auch nicht, selbst im Golden Circle war immer noch ein Platz frei, ohne dass man weiterfahren oder suchen musste. Man stand dann allerdings schon mal mit recht wenig Abstand zum Nachbarn (so um die 2 m). Immer noch prima gegenüber so mancher kontinentaleuropäischen Womo-Legebatterie. Auf den abgelegenern CPs stand man meist mit 2 oder 3 anderen Campern; wenn sie landschaftlich schön lagen, waren oft ein paar urlaubende Isländer da. Die fahren allerdings in der Mehrzahl Wohnwagen. Nächstes Jahr wird’s definitiv günstiger – Balkan oder so :-) Bis denn, Uwe
Zuletzt geändert von Tinduck am 18 Aug 2023 13:58:29, insgesamt 4-mal geändert.
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